Ausgabe 
6.12.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 287

Zweites Blatt

158. Jahrgang

Donnerstag 6. Dezember 1906

®r1d>tt*d Dzllltz mit Ausnahme deS Sonntag-.

Die ^Gletzener gamUlenbiatter* werden dem ,ÄnAciqeT viermal ivöchenilich betq-leqt. Der ^eiklch« Car.bmtrr erscheinl monaUtch ctnmaL

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Rotationsdruck artb versag bet BtO ftf*1d>e» UntDerftlätflbrudereL 9L Lang», G»etz«,

Redaktion. Exvebition n. Tnitferd i 64>ufM

Tel. 91t. 6L Le1egr.-Adr. r Anzeige, Stefca.

Eeneral-Anzeiger, Amts- Md Rnzeigedlatt für den Kreis Sietzen.

BckannlmachMg.

Betr.: Jeldbereinigung in der Gemarkung Inheiden.

In der Zeit vom 5. bis einschließlich 18. Dezember 1906 liegt auf dem Amtszimmer der Gr. Bürgermeisterei Inheiden das Projekt über Be- und Entwässerung der Wiesen am ftöü- graben nebst Abschrift des Beschlusses der Vollzugskommission vom 1. Oktober 1906 zur Einsicht der Beteiligten offen.

Einwendlmgen hiergegen sind bei Mcidung des AuS- schlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlcgungssrisl bei Gr. Bürgcrinelsterei Inheiden schriftlich einzureichen.

Friedberg, den 28. November 1906.

Ter Q)iL-bi,..dj . ' - . . iui.1 r.tl.iguiigskommissärk

Schnittspahn, KreiSamtmann.

Köyer guigs nicht.

Von einem Parlamentarier wird uns aus Berlin geschrieben:

Als im Frühjahr dieses Jahres der Abg. Erzberger seinj'accuse" gegen die Kolonialverwaltung von Der Tribüne des Reichstages herab schleuderte, da war draußen im Restaurant der geräumige Zentrumstisch bis aus den letzten Platz besetzt und das Gerücht ging um, daß man damit eine Demonstration beabsichtige gegen den allzu eifrigen Draufgänger im Saale. War es noch ein offenes Geheimnis, daß das jüngste Mitglied des Zen­trums den älteren Herren ansing fürchterlich zu wierden, denn diese liebten ein zwar zähes, aber doch geruhiges Leben und Erzberger war zugestandenermaßen nur ge­wählt worden, um den greisen und erkrankten Prälaten Litze zu ersetzen und besten sozialpolitische Stellung im Zentrum auozusüllen. Und nun kam dieser Ritt Erzbergers ins Kolonialland und die scharfe Opposition gegen die Regierung, Die das Zentrum wohl oder übel mitmachcu mußte, wollte sie ihren »Benjamin nicht verleugnen. Las verdachte man dem jungen Mann; das sah man bisher als eine Domäne der Alten an und die Stimmen mehrten sich im Zentrum, den so gestalteten Unmut offen aus- spoachen. In erster Reihe ftaaD damals Herr 9t o e r e n . . . und heute? Heute hat Erzüerger vor der Bereitwilligkeit des neuen Kolonialdirektors Dernburg, Ordnung in unsere kolonialen Verhältnisse zu bringen, die Waffen ge­senkt, heute aber hat Roeren sie wieder erhoben l Und tvar Erzberger scharf, so war Reoren jetzt ausfallend; wußte Erzberger aus allen Angriffen als Sieger hervorzugchen, erscheint heute Roeren kompromittiert. Roeren unterlag und Erzberger triumphiert. Und um Erzberger hat sich mittlerweile der größte Teil des Zentrums geschart, der nicht nur kritisieren, sondern auch redlich Mitarbeiten will, und den wenigen um Roeren wird bald nichts anderes übrig bleiben, als in Erzbergers Lager überzugehen. . . Erzberger triumphans!

Wer schimpft, hat Unrecht, sagt man im Volke und Roeren schimpfte, als ihn der Kolonialdirektor anpackte und nachwies, daß jener angebliche Unschuldsengel Wistuba, für den sich Roeren so ins Zeug gelegt hatte, solcher Huld durchaus nicht würdig sei; Herr Roeren schimpfte, als der Koloicialdirektor enthüllte, daß der Zentrumsredner in seiner Eigenschaft als Abgeordneter und unter Hinweis aus die Macht des Zentrums, das Recht zu beugen, den Reichskanzler durch Drohungen zu bewegen suchte, ihm in allen Dingen zu Willen zu sein. Wenn zwei solche Gegner aufeinanderplatzen, dann kommt der Reichstag aus seine Kosten und das Publikum auch. Allein Graf Balle­strem schien diese Szenen als etwas ganz Unerhörtes zu empfinden, denn seine gewohnte Sicherheit ließ chn völlig im Stiche. So sah er es ruhig an, daß Roeren den Kolo­nialdirektor mit Ausdrücken wie Börsenjobber, und brutal, geradezu überschüttete, und ihm ferne Vergangen­heit vorwarf. Er schritt auch nicht ein, als Dernburg weitere Pfeile auf Rotten abschoß, von denen keiner fein Ziel verfehlte und unter dem dröhnenden Beifall­klatschen des Hauses und der Tribünen mit den Morten endete:Ich habe diese Eiterbeule ausge­stochen und bin bereit, die Konsequenzen daraus zu ziehen!" Der Reichskanzler habe offenbar diesen Fall vorausgefehen und gutgeheißen, indem er seine rechte Hand, den ge­wandten Herrn o. Loebell, als Helfer Ternvurgs in den Kamps schickte. Man flüstert davon, daß selbst Roerens beste Freunde unzufrieden mit seinem Auftreten sind. Aller- dings wird man einen so namhüsien Füyrer des Zentrums nicht fallen lassen, und der Riß zwischen der Regierung wird auch wieder überkleistert, aber vor der Welt steht wahrscheinlich diesmal das Zentrum nicht als Sieger da. Was Erzbergers Draufgängertum nicht vermochte, das hat Roeren fertig gebracht: der Regierung in der Kolonial- politik em Plus zu verschaffen.

poletifcbc Lagesscharr.

Nach der Kolomaldebatte im Reichstag wird von bei" Berliner Presse allgemein der Sieg Dern- burgs über das Zentrum anerkannt. So schreibt die ,Nat.-Ztg.":

Sieben dem rücksichtslosen Hineinleuchten in die Dunkelkammer- politif der regierenden Partei ift das erfreuliche Ereignis dieser sechs Tage, da» der Kanzler am letzten Tage genau so fest und energijch für b e n Kolonialdirektor emtrat, iuic am ersten. Tie Schwarzseher, die Dernburg schon als toten Mann behandelten, weil er das Zentrum fo unsanst angesaßt habe, haben rasch Unrecht erhalten.

Die ,sJlQt.-5ig.ti benutzt im übrigen bas Verhalten bes Grafen Bal le ft re in wegen der scharfen Redewendungen Roerens gegenüber Dernburg zu einem äußerst heftigen Artikel gegen dasperfönli che Regiment" im Reichstag. Das Blatt hält es für angezeigt, daß diesem gegenüber der Reichstag seinen Wülen gellend machte, (rs fei eine freundlich geduldete Fiktion, daß der Präsident selbst­herrlich bestimmte, wie die Geschäfte zu führen seien und was beredet werden dürfe und was nicht. Tas bestimmt die Mehrheit des Hauses und die habe die schwarze Leibgarde deö Präsidenten einstweilen noch nicht.

TieTägl. Rundschau" führt aus:

Dernburg und mit ihm die koloniale Sachs haben einen er­freulichen Sieg erfochten, als dessen befielt Gewinn wie das iviedcr erwachte B e r l r a u e n anjcl)en, dcm an der Spitze des Kolonialamtes ein Mann steht, der weiß, was er will.

Ganz richtig. Ob ober der Regierungserfolg von Taner, ist, steht auf einem anderen Blatt.

Darüber komnit man nicht hinweg, aiich nicht durch die geschicktesten 9icbciucnbungen, daß in den deutschen Schutz­gebieten der Tropenkoller m schreckenerregender Weise grassiert. Etliches mag übertrieben sein an den Erzählungen und Berichten, aber wenn selbst die Hälfte in Abzug gebracht wird, so bleibt eine Anzahl von scheußlichen Roheiten, wie sie von der Phantasie nicht schlimmer erdacht werben können. Dabei hat man die Empfindling, daß von manchem Volkommnis, bas hierziilaiide Entrüstiing Hervor­rufen würde, als derEigenart" der Schwarzen entiprechend, fein Aufhebens gemacht wird. Uns schemt, daß die reich­lich an gewendete Prügelstrafe in den Schutzgebieten einen verrohenden Einfluß auf die Europäer aus- übt. Es müßte von der Regierung sorgfältig untersiichl werden, ob nicht zu viel und zu hart gestraft wird in den Kolonien.

Zentrum und Regierung haben rasch wieder Frieden geschloßen, und daraus folgt, daß bas Zentrum, trotz Tern- burg'S Verwabrimg, ziemlich bald lüieöer Einfluß aus die Kolonialverivattung erhält. Tie Parteien der Linken werben um so wachsamer sein müssen, namentlich im Kampf gegen Kolonialgreueln, bte wirklich die Freude am Kolonialbesitz gründlich vergällen können.

Zwei Kundgebungen.

Am gleichen Ta^e sind in zwe^ Weltteilen zwei wich­tige polit. Kundgebungen erfolgt, einmal in Budapest, wo der neue Leiter der Auswärtigen Politik der Donau­monarchie sein erstes Expose gehalten hat, dann in Washington, wo die Botschaft oes Präsidenten Roose- vclt, welche die bei uns Übliche Thronrede vertritt, zur Verlesung gelangte.

Die '21115(01)1 ungen des Herrn von Aehrenthal boten nichts sonderlich Aufregendes, indem, wie Üblich, die Freund­schaft mit Deutschland in Leu Vordergrund gerückt wird. Indessen ist es bemerkenswert, daß Herr van Aehrenthal, dem man vielfach Abneigung gegen Deutschland nachgesagt hat, überaus herzliche Worte wählte, wie sie nicht immer in den an dieser Stelle gegebenen Exposes sch fanden. Von Wichtigkeit ist noch der Passus über das Verhältnis zu Italien, welches ja jetzt wieder besser ist. Den breitesten Raum nahm, auge.chls der großen Interessen, welche Oesterreich dort zu vertreten har, Die Erörterung der Ver­hältnisse auf dem Balkan ein, aber auch hier wurde kaum etwas neues gesagt, man wird nach wie vor in Gemeinschaft mit Rußland auf Grund der bestehenden Verträge und Abmachungen Vorgehen, sodaß aires in allem, wie nicht anders erwartet, die Politik Goluchowslys durch Baron Aehrenthal fortgesetzt werden wird.

In mehrfacher Hinficht inre^essanter ist die bereits gestern von uns ziemlich ausführlich wiedergegebene Bot- ichaft des Präsidenten Roosevelt an den Kongreß. Von allgemeiner Bedeutung ift die vom Präsidenten bei Er­wähnung der neuen Haager Friedenskonferenz ausge­sprochene Ansicht, daß zuweilen ein gerechter Krieg auf die Dauer für die Seele einer Nation weit besser sei als ein Frieden, der durch das Dulden von Unbilden aufrecht erhalten werde. Eine Tendenz, welche bekanntlich auch Wilhelm LL vertritt. Diese Bemerkung des Präsidenten ist im Hinblick auf die geplante Flottenvermehrung gemacht, welche außerdem Vermehrung der KüstenvertetdigungS- Mannschaften und reichliche Abhaltung von Manövern fordert. Im Interesse der Wehrkraft wirb auch der Vor­schlag der Einführung von Schützenvereinen nach schweize­rischem Muster gemacht, kurz es wird der bekannte Grund­satz auch in der nordamerikanischen Republik proklamiert, daß, wer den Frieden will, sich vor dem Krieg rüsten muß. Der Imperialismus hat eben in Washington noch immer eine Stätte.

Deutsches Resch.

Breslau, 5. Dez. Der Kaiser ist gestern nachmittag in Klitschenborf eingetroffen und vorn Fürsten Solms-Baruth empfangen worben.

Berlin, 5. Dez. Assessor Brückner, ber von der Aeußerung Knnbe gegeben Hot, bie ber Abg. Roeren (Dieser Raine ist übrigensRohren" zu sprechen, bas erste e ist ein niederländisches Tchuungs-e wie in Soest, Itzehoe, Maestrich, Ruisbaei, .Bloemfontein rc. D. Red.) gelegentlich einer zcugen- eiblichen Vernehmung getan, gebeult dem Vernehmen noch bas Beiwortder grüne Assessor", mit dem ihn ber Abg. Roeren in ber Reichstagssitzung vom Montag gesagt hat, nicht gelassen hiuzunehmen. Eine Beschwerde an bas Justizministerium, von anderen Schritten abgesehen, bürste unterwegs sein.

Wie biePost* hört, bestätigt es sich, baß baS preuß. Sta atsmin isterium sich in seinen letzten S.tzungen mit ber Frage beschäftigt Hot, welche Maßregeln gegen die Fleischteuerung zu ergreifen sein werden. Tie bcab- sichtigten Maßregeln sollen sich auf das preußische Staats­gebiet befehräulen. An eine Oeffnung der Grenze oder die Errichtung von G r en zf ch l a eh lh ä u fern sei nicht zu denken. Für den Versand frischen Fleisches auf den preuß. -hessischen Eisenbahnen sollen durch den Elsenbahuminister Erleichterungen getroffen werden. Tarüber, welche Maßregeln gegen die Fleischteuerung für dos ganze Reich 311 treffen sind, wird der Bundesrat noch in dieser Woche beraten. Auch die Ministerien der einzelnen Staaten werben in der nächsten Zeil sich eingehend mit der Frage beschästigen.

Vosen, ö. Dez. Wiederum ift eine große Anzahl von

Schulvorstehern und Gemeind eben inten wegen des polnischen Schulstreiks ihres Amtes entsetzt worben. Für zahlreiehe Ortschaften, in denen die Schulvorstände den Gehorsam verweigern, wurde die Polizeistunde für Gastwirt­schaften aus 8 Uhr festgesetzt. In der Volksschule zu Sanier wurden auf behördliche Anordnung drei neue Lehrer ange­stellt. Tie Schulsteuern müssen bedeutend erhöht werben. Gegen ben Redakteur des GnesenerLech", Stanislaus Szymanski, schweben über zwanzig Strafverfahren, die mit dem Schulstrcik zusammenhängcn. Szymansli wurde wegen Fuchlverbochts in Untersuchungshaft genommen. Auch der Redattenr desPoztemp" in Posen, R0 ca, gegen den mehrere Anklagen wegen Artikeln zum Schiilstreik auf Auf­reizung zu Gewalttätigkeiten ufw. schweben, ist verhaftet worden.

2)lüßbebttrg, 5. Tez. Gegen ben Rebakteur Witt- mark von ber sozialdemokr.Votksstimme" würbe wegen Beleidigung des preußischen Abgeordnetenhauses in einem im Juli erschienenen ArtikelTriumph der Wahlrechts- seuide" ein Strafverfahren eingeleitet.

Stuttgart, 5. Tez. Die heute abgeholtenen Land­tags wählen hatten folgendes Ergebnis: Es wurden ge­wählt 17 Kandidaten des Zentrunis, 7 Kandidaten dec Vollsparte i, 7 Kandidaten ber deutschen Partei und 7 Kanbldaten bes Bundes der Landwirte, sowie zwei Sozialdemokraten. Es haben 27 Nachwahlen slatt- zusinbtn. Der Bauernbund hat zwei Sitze, bas Zentrum einen Sitz gewonnen, die Vollspartei drei Sitze verloren; die deutsche Partei hat einen Sitz von den Sozialdemokraten ge­wonnen. Die Porlelsührer wurden durchweg wiedergewahlk.

München, 5. Tez. Am 14. Dezember wird hier Dr. Karl Peters einen öffentlichen Vortrag halten. Es ist die- das elfte mal feit langen Jahren, daß Dr. Peters wieder öffentlich in Deutschland auflntt, da er bekanntlich feit seinem Abschied ans dem Reichüdicnst sich in London aushalt.

Heer rind Flotte.

Im Ulanen-Regiuient 91c. 16 zu Salz­web e l sind feit Jahren betriebene große Unter­schlagungen von Uniform stücken und Proviant amt­lich aus ged eckt worden. Eine Anzahl Verhaftungen sind er­folgt. Auch erfolgten mehrfache Beurlaubungen von Offizieren. Ein Kriegsgenchlsrat ist zur Untersuchung .in Salzwebel. '21 ud) gegen bie in Garbclegen liegende 2. und 5. Schwadron des Regiments ist die gleiche Untersuchung eingeleitet. Die Unterschlagungen würben durch anonyme Briefe an bas General-Koniniando äufnedeckt.

Neues aus Rußland.

Die Terroristen begannen in Petersburg ihre Tätig­keit n\it einem Attentat auf Scheremft 1 ew, den früheren Gehilfen des ermordeten Polizeiinspektors in Ljeloftok, ber nach dem dortigen Pogrom von B. nach der Hauptstadt versetzt worden war. Der Anschlag sand in einer belebten Straße statt. Die ersten beiden Schüsse fehlten, trafen aber eine Dame aus dem Publikum töd­lich. Erst dtt dritte Schuß traf Scheremestjew. Der? Attentäter, der Christ ist, trat zurück uuo beging Selbst­mord. Kurz nach bem Attentat wurde der Frau des Sch. ein Paket zugestellt, das einen Dolch enthielt mit der Aufschrift:Dem Organisator des Bjelostoker Pogroms zur Erinnerung" unb den-Namenszug des im Mai ermordeten Admirals Kusmitsch.

Aus S.aot uuo Luno.

Sprechstunden ber Redalckv-.i 1.-1 llyc uonn., > j71/28 Uhr ahd-. Gießen, ben 6. Dezember 1906.

M Folgender: Allerhöchster Erlaß wird vom Präsidenten des 9)linifteriumS des Innern zur öffentlichen Kenntnis gebracht:

Die heule votlzoqene Taicke des ErbnroßherzoqS, Unseres ge­liebten Kindes, veianlassen Aiich und die Großherzogin, 'Meine Gemcihlin, dein Gedanken des Ausbaues der Fürsorge für Säug­linge und Wöchnerinnen, sowie für Schwangere aus den mmdör- bemilielten Ständen durch Schaffung einer unier Unseren besonderen Schutz zu stellenden Zentrale fürSäugtrngSpstege und '2)1 u 11 e r f cb u tz naberzulrelen.

Es ist 'JJiir bekannt, daß über den Rahmen der gesetzlichen Verpflichliingen binaus vom Staat, von Gemeinden und von Ver­einen auf verschiedenen Teilen diefer Gebiete in dankenswertester Wehe bereits eingegrifsen worden ist. Ich bin aber der Meinung, daß hier ein wichligsler Zweig der Volkswohllahrt eine die noch vorhandenen Lücken ergänzende und unter einheitlichen Gesichts­punkten sich vollziehende Tätigten erfordert. Eine solche wird namentlich bei geeigneter Zujammenarbeit mit den in gleichen oder verwandten Richtungen dermalen schon wirkenden Organen und Krä'ten segensreiche Erlolge zeitigen können und überdies vielleicht berufen fern, zur Lösung weiterer Fragen der Volksgesundheit bei- zutragen.

Ich sehe daher Ihren demnächstigen Vorschlägen darüber ent­gegen, wie bie hiermit gegebene Anregung auszugeslallen wäre, ioivie welche QJlittel und Wege sich dielen, sie im einzelnen zu ver­wirklichen.

Indem Ich Sie zugleich beauftrage, gegenwärtigen Erlaß zur öffcnilichen Keunlnis zu bringen, hege Ich gerne die Hoffnung, daß Die Tragweite der Angelegenheit in ethischer, sozialer und volkS- ivirtfchaitlicher Hinsicht ihr allseitige, tatkrä'tige Uilterstütziing bei benjemgcii gewährlelllen wird, denen das Voltswohl am Herzen liegt. Alle Hel'er aiii Werke tönneit sich Aleines Tankes im Voraus versichert hallen.

Tarmsladt, 4. Dezember 1906.

Ernst Ludwig»

An den

Präsidenten des Ministeriums des Iunern,

Hoftrauer. Wegen des Ablebens de§ Prinzen Karl von Baben ist auf Befehl S. K. H. bes Groß­herzogs eine Hoftrauer vom 3. bis zum 10. Dezember einschließlich angeordnet worden.

" Verhaftet. Der Täter, ber am 25. v. Mts. morgens früh tu der Liebigstvaße einem Arbeiter ohne allen Grund im Vorbeilansen einen Messerstich ins Gesicht ver-