Ausgabe 
8.8.1906 Zweites Blatt
 
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ist. Wenn der Minister sagt, daß er niemals sich für die Firma verwendet bat, so verdient das vollen Glauben. L>err v. Pod- bielski spricht stets, wie er es meint, offen und ehrlich. Ebenso­wenig kann der Minister mit den Darlehen an den Major Fischer in Verbindung gebracht werden.

Bei alledem geschäftliche Beziehungen zu einer Monopol­firma für Reichslieferungen bestünden besser nicht, wenn ein Mi­nister, ein Mitglied der Regierung der Mann der Firmateil- haberin ist. Selbst die gewiß nicht gegen Herrn v. Podbielski eingenommene agrarischeTagesztg." het das zugegeben.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Ang. Nach Meldungen unterrichteter Kreise steht ein Wechsel in der Stellring des Chefs des Admiralstabes der Marine in naher Aussicht. Admiral Büchsel wird von diesem Posten zurücktreten.

Münster, 7. Aug. Der Kaiser exerzierte heute vor­mittag zunächst wiederum mit den zu einem KavalleriekorpZ vereinten beiden Kavallerie-Divisionen. Es folgte ein Feuer­gefecht gegen einen markierten Feind. Die Aufgabe hierzu war dem Kaiser vom General-Inspekteur der Kavallerie, Edler von der Planitz, gestellt. Zum Schluß nahm der Kaiser den Parademarsch über sämtliche beteiligten Truppenteile ab. Der Kaiser nahm später am Frühstück im Lagerkasino teil. Abends gedenkt er sich in den Sonderzug zu begeben. Seine Ankunft in Urbach ist für Mittwoch früh 9 Uhr 56 Min. vorgesehen. Von dort wird sich der Kaiser nach Wahn be­geben, um dem Scharfschießen des Fußartillerie-NegimentS General-Feldzeugmeister Nr. 3 und deS Niedersächsischen Fuß­artillerie-Regiments Nr. 10 beizuwohnen.

Dortmund, 7. Aug. Der Unwille über die Njcht- bestätigung des Pastors Cesar in der Neinoldi-Ge- meinde ist so groß, daß, wenn die an den Ober-Kirchenrat gerichtete Beschwerde die erhofften Folgen nicht haben sollte, ein Maffenaustritt aus der Landeskirche zu erwarten ist. Viele Mitglieder der anderen Kirchengemeinden erklärten sich mit der Reinoldi-Gemeinde solidarisch.

Straßburg, 7. Aug. DerElsässer* giebt angesichts der bevorstehenden Wahlen, unter Hinweis auf die liberale Blockpolitik im Elsaß die Parole aus, daß die Zentrums­partei in Zukunst den reichsländischen Liberalen nicht mehr gegen die Sozialisten helfen werde.

Äirche und Schule.

Hessischer und Naussauischer Theologischer Ferien» kursuS. Bor zwei Jahren haben sich eine größere Zahl Geistlicher und Religionslehrer aus dem Großherzogtum Hessen und den preußischen Konststorialbezirken Kassel, Nassau und Frankfurt mit den Dozenten der theologischen Fakultäten zu Gießen und Marburg zur Veranstaltung regelmäßiger Forienkurse für die Geistlichen und ReligionSlchrer der be­teiligten Kirchengebiete vereinigt. Der erste Kursus wurde im Oktober 1904 in Frankfurt a. M. gehalten. In diesem Jahre soll der zweite FerienkursuS in Marburg stattfinden. Er wird vom 8. bis zum 10. Oktober dauern. Professor D. W. Herrmann wird vortragen überDie Aufgabe der evangelischen Dogmatik in der Gegenwart (an Beispielen erläutert)," Professor D. A. Jülicher überNeue Linien in der Kritik der Ueberliefcrung der evangelischen Geschichte (Wredc, Wcllhausen, Harnackl',; Professor D. I. Weiß überDie Entstehung der neutestament. llchen Christologie im Lichte der neuen religionsgeschichtlichen Forschung". Nach der wissenschaftlichen Arbeit wird eine Führung durch die Elisabeth- krrche unter Leitung von Professor D. I. Bauer den Kursus beschließen. Dem BerwaltungsauSschuß, der neben dem akademischen Ausschuß der beiden theologischen Fakultäten und der Predigerseminare zu Friedberg, Herborn, Hofgeismar die Leitung deS Kursus in Händen hat, gehören u. a. an: Oberlehrer Lic. F. Herrmann-Darmstadt; Oberlehrer LampaS- Friedberg: Pfr. D. Schlosser-Gießen; Psr. Velte-Darmstadt.

Ausland.

Kopenhagen, 7. Aug. Die Tagung der Inter­nationalen Frauenwahlrechtsvereinigung wurde heute vormittag unter dem Vorsitz von Frau Carrie Cap- man Catt eröffnet. Vertreten sind fast alle Länder Europas und die Vereinigten Staaten von Amerika.

London, 7. Aug. Laut Daily News verursacht die. bevorstehende Begegnung des Königs mit Kaiser Wilhelm allgemeine Befriedigung. Dies bedeutet das Ende einer persönlichen Entfremdung und drückt das amtliche Siegel den wachsenden freundschaftlichen Beziehungen zwischen Groß-Britannien und Deutschland auf.

Liverpool, 7. Aug. Gestern kam es hier zu großen Straß en - K ra w a l l e n, an denen sich über tausend Per­sonen beteiligten. Viele wurden durch Steinwürfe verletzt. Die Polizei mußte einschreiten und die Menge durch Stock­hiebe auseinandertreiben.

Paris, 7. August. Heute nachmittag fand im Parke des Prinzen Joachim Murat das Duell zwischen General Andrö und General de Nögrier statt. Andrß schoß auf Mgrier, der das Feuer nicht erwiderte. Die Gegner ver­söhnten sich nicht. Im Arsenal von Toulon sind Bronze-Diebstähle in Höhe von 150 000 Franks be­gangen worden. Ein Teil davon ist bereits wieder gefunden worden.

Rom, 7. August. Der Gesundheitszustand des Kardinals Rampolla gibt zu den schwersten Bedenken Veranlaffung. Der Kardinal leidet seit einiger Zeit an fort­dauernder Nervenschwäche, die ihn zur Arbeit unfähig macht.

Wien, 7. August. Wie in diplomatischen Kreisen ver­lautet, würde der österreich-ungarische Gesandte in Belgrad, welcher sich zurzeit auf Urlaub befindet, nicht mehr nach Belgrad zurückkehren, wenn die serbische Regierung ihre Rücksichtslosigkeiten gegen Oesterreich-Ungarn fortsetzen sollte.__________________________________________________________

Staatliche Betriebskrankenkasse.

Am 30. Juli 1906 sand in Darmstadt die General-Ver­sammlung der staatlichen Betriebskrankenkasse für das Groß- herzogtum Hessen flott. Die Versammlung war von 23 Ver­tretern der 3 Provinzen besucht. Der Vorsitzende, Rechnungs­und Kassensührer Harth, dankt den Mitgliedern für ihr zahl­reiches Erscheinen.

Er machte die Mitteilung, daß der langjährige Vorsitzende der Kasse, Dr. Stammler inesolge seiner Ernennung zum Kreis- Amtmann in Dieburg seine Stelle bei der Kasse niedergelegt habe und das Ministerium ihm seine vollste Anerkennung ausgesprochen habe für seine Tätigkeit bei der Einführung und Weiterführung der Kasse, Dr. Stammler infolge seiner Ernennung zum Kreis­stimmig den Dank für die ersprießliche Leitung der Kasse aus.

Dann wird der Jahresbericht besprochen, aus dem vor allem eine Steigerung der Mitgliederzahl in den höheren Klassen zu konstatieren ist. Die aus den bei den staatlichen Arbeitern ein­getretene Lohnerhöhung erwachsene Mehreinnahme an Beiträgen beläuft sich auf rund 5000 Mark. Auch sonst sind erfreuliche Ergebnisse zu berichten: der durchschnittliche Mitgliederstand hat 1905 5299 betragen. Die Zahl der erwerbsfähig Erkrankten ist um 180 gefallen, die der erkrankten Ehefrauen von Mitgliedern um ca. 60. Nur die Zahl der erwerbsunfähig Erkrankten hat eine kleine Zunahme erfahren, jedoch ist bte Dauer der Krank­

heitsfälle etwas kürzer geworden. Die Zahl der Sterbefälle ist nach dem Bericht um 22 gegen das Vorjahr zurückgegangen, die der Unfälle um 17. Ter Abschluß uer Kasse ist, gcgen_ bie Vorjahre betrachtet, als günstig zu bezeichnen. Das Vermögen der Kasse hat sich um 34 000 Mark vermehrt, jedoch ist der Reservefonds bis jetzt nur zur Hälfte aufgebracht. Für die Invalidenversicherung sind im ^gelaufenen Jahr für rund 70 000 Mark Jnvalidenmarken geklebt.

Aus der Berichterstattung über den Stand der Medizinal- kaffe ist zu entnehmen, daß ihr in 1905 durchschnittlich 918 Mitglieder mit 766 Frauen und 1486 Kindern angehört haben.

Die dritte von der staatl. Betriebskrankenkasse verwaltete soziale Einrichtung des hessischen Staates, die Versorgungs- Anstalt für st a a t l i ch e Arbeiter, hat bis jetzt 78 Ruhe- gchalte und an 20 Witwen und 16 Waisen Hinterbliebenengelder bewilligt. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung stellt eine weitere Erhöhung der Leistungen der Kasse dar. Gesetzlicher Vor­schrift gemäß sind die Krankenkassen zur Gewährung von Heil­mitteln und ähnlichen Vorrichtungen verpflichtet, sobald der Höchst­betrag 20 Mark nicht übersteigt. Nunmehr wurde beschlossen, Heilmittel bis zum Höchstbetrage von 40 Mark für Mitglieder nach sechswöchentlicher Mitgliedschaft zu übernehmen. Diese Er­weiterung gilt auch für die Ehefrauen. Eine weitere Statuten­änderung ist die Bildung einer Lohn klasse I a für Personen, die einen Durchschnittstagesarbeitsverdienst von 4.50 Mark und mehr haben. Die Statutenänderungen treten am 1. Oktober 1906 in Kraft.

Die über die gesetzlichen Mindestleistungen hinausgehenden Leistungen der Kasse sind, außer der oben erwähnten, nunmehr folgende: 1. Wegfall von zwei Karenztagen bei der Krankengeld­auszahlung. 2. Wöchnerinnenunterstützung im 14/s fachen Betrag des Krankengeldes. 3. Sterbegeld im Mindestbetrag von 50 Mark. 4. Rekonvaleszentenunterstützuug bis zur Dauer eines Jahres nach Ablauf der Krankenunterstützung. 5. Gewährung freier ärztlicher Behandlung und Arznei oder Krankenhausverpflegung für die Dauer von 13 Wochen an die Ehefrauen der Mitglieder nach 6 wöchiger Mitgliedschaft des Mannes. 6. Gewährung von Ausnahme in den der Kasse zur Verfügung stehenden Wald- erholungsstätten gegen Abzug eines Fünftels des Krankengeldes. Ferner ist hervorzuheben, daß die Kasse seit Errichtung be­schränkte freie Arztwahl mit Einzelhonorierung hat. Um 3A2 Uhr war die Sitzung zu Ende. Um 3 Uhr versammelten sich die Mit­glieder der Generalversammlung und das Bureau in dem Gebäude der Zentralstelle für die Gewerbe, dem unter sachkundiger Führung eine Besichtigung der hochinteressanten Tuberkuloseausstellung der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen stattsand.

Aus StaOt utto ttaato.

Gießen, den 8. Auq.

** Die Begegnung des Kön igs von England mit dem Kaiser findet, wie uns aus Darmstadt draht­lich gemeldet wird, bestimmt am 18. d. M'. auf Schloß Fried richshof bei Cronberg statt. Der König wird einige Zeit als Gast des Kaisers dort verweilen. Durch diesen Besuch ist es fraglich geworden, ob die für die Truppenschau bei Mainz, an der auch der Großherzog teil­nehmen sollte, getroffenen Dispositionen eingehalten wer­den können. Der Großherzog begibt sich bestimmt am 13. d. M. auf etwa acht Tage nach Bayreuth.

** Freisinnig e§ Parteisekretariat. Der Landes­ausschuß des freisinnigen Landesvereins für das Großherzogtum Heffen hat ein Parteisekretariat mit dem Sitz in Darmstadt errichtet. Als Sekretär ist Herr Albert Kuhlmann aus Oldenburg gewonnen, der bereits während der Darmstädter Reichstagswahl tätig war.

Ein heiterer Vorfall, der sich am Sonntag morgen ereignete, wird aus einem oberhessischen Landstädtchen berichtet: Kam da ein dicker Herr durch den Schloßgarten spaziert, um seinen Frühschoppen im Bergwirtshause zu nehmen, als er auf dem Galgenberg mitten im Gerstenacker einen Mann mit Gerste mähen zu gewahren glaubte. Unter­stützt durch andere Personen, die ebenfalls dieser Meinung waren, marschierte besagter Herr direkt zu dem nächst- wohnenden Gendarm, um Anzeige zu erstatten, damit der Sabbathschänder der wohlverdienten Strafe nicht entgehe. Dieser wollte sich den Fang auch nicht entgehen lasten und begab sich an Ort und Stelle, um die Legitimation dieses rohen Burschen festzustellen. Aber wie erstaunt war unser Gesetzeshüter, als er statt des vermeintlichen Sonntagsent- heiligers einen zur Abwehr des Spatzenfraßes von dem Be­sitzer des Grundstücks auf seinem Acker aufgestellten soge­nannten Butzemann antraf.

h. Frankfurt a. M., 8. Aug. In sieben sozial­demokratischen Versammlungen wurde gestern abend zu dec von den Brauereien beschlossenen Erhöhung des Bier­preises Stellung genommen. Ein direkter Bier-Boykott wurde vorläufig noch nicht ausgesprochen. Die Vor­stände der einzelnen Gewerkschaften wurden aber beauftragt, über die Verhängung eines baldigen Boykotts der Ring­brauereien Stellung zu nehmen.

Der Untergang desSirio".

Zu dem Untergange desSirio" wird nachträglich noch berichtet, daß nicht nur der Kapitän, sondern auch sämt­liche Offiziere und die Mannschaft des Schiffes sieh feige benommen haben. Der Kapitän stürzte sich einige Minuten nach dem Auslaufen des Schiffes in ein Boot und rief:Rette sich, wer kann!" Die Offiziere folgten seinem Beispiel und ihr Verhalten war die Veranlassung zu einer allgemeinen Panik. Der italienische Konsul hat Taucher an­geworben, um wenigstens etwas von der Ladung zu retten. Spenden für die Schiffbrüchigen laufen zwar von allen Seiten ein, doch reichen sie kaum für die nötigsten Bedürfnisse aus. Der Kapitän deS französischen DampfersPoitou" dementiert daS Gerücht, wonach verschiedene Schiffe am Orte der Kata­strophe vorbeigedampft seien, ohne Hilfe zu leisten; er habe sich sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe an Ort und Stelle begeben und sich an den Rettungsarbeiten beteiligt.

Am Montag abend ist Bergungsmannschaft mit einem Schleppdampfer abgegangen, um einen Teil der Ladung des Sirio" zu bergen.

Der König von Spanien verlieh den Kapitänen der SchiffeJoven Miguel" undVincente Sacomba', die die Mehrzahl der Schiffbrüchigen des DampfersSirio" ge­rettet haben, den Orden für Verdienste zur See.

Vermischtes.

Berlin, 7. August. Durch den gestern nachmittag kurze Zeit herrschenden Sturmwind wurde in Eberswalde ein dort auf einem freien Platze aufgestellter Zeltzirkus zum Einsturz gebracht. Der etwa 25 Zentner schwere Mittel­mast, auf den sich das ganze Zelt stützte, stürzte um, und riß alle Seitenbalken und Absteifungen mit. Die Zeltpfähle wurden herausgerissen und in die Manege geschleudert. Unter den zur Nachmittagsvorstellung anwesenden 400 Personen entstand

eine Panik. Alles flüchtete nach den Ausgängen und bet dem Gedränge erlitten einige Personen äußerliche Verletzungen.

* Nedlitz (Brandenburg), 7. Aug. Ein schiverec Bootsunfall ereignete sich Sonntag nachmittag. Der auf einem Ausflüge befindliche 41jährige Kesselschmied Friedrich Moritz unternahm mit seinen 18, 11 und 9 Jahre alten. Söhnen eine Bootsfahrt auf dem Jungfernsee. Dyrch den herrschenden Sturm wurde das Fahrzeug umgeworfen und die vier Insassen sielen ins Wasser. Die drei Knaben retteten sich durch Schwimmen, der älteste Sohn zog auch den Vater mit. Dieser gab aber bei seiner Landung nur noch schwache Lebenszeichen von sich; Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos und man mußte endlich den Tod fest­stellen. Moritz ist wahrscheinlich einem Herzschlage erlegen.

* Osterode a. H., 7. Aug. In Nordheim ist nach dem Genuß von Pudding die Familie des Gymnasial­direktors Nossener unter Vergiftungserscheinungen schwer erkrankt. Ein Enkelkind des Direktors ist bereits ge­storben. Im Kaiser Wilhelmsschacht zu Klatt st Hal sind zwei Bergleute durch Absturz verunglückt. Einer ist tot, der andere schwer verletzt.

* Stettin, 7. Aug. Gestern abend in der zehnten Abendstunde entstand in dem Speicherkomplex am Bahnhof Feuer, das an dem von der Hitze ausgetrock­neten Holze des Schuppens reichliche Nahrung fand. Die Feuerwehr konnte sowohl von der Oder wie von der Parnitz mit Erfolg angreifen, und es gelang ihr, nach etwa zwei­stündiger Tätigkeit die Gefahr zu beseitigen. Abgebrannt sind etwa 15 große Lagerschuppen der Firma Soll, in denen sich allster Heringen noch Wagen und Gerätschaften befanden.

* London, 8. Aug. Als der Herzog von Con- naught gestern mittag im Automobil von Monmouth nach Rhayader in Wales unterwegs war, stieß sein Wagen mit dem entgegenkommenden Automobil eines Majors so heftig zusammen, daß beide Wagen zertrümmert wurden. Der Herzog und der Major wurden auf die Straße ge­schleudert, kamen aber mit leichteren Verletzungen davon. Der Chaffeur des Majors wurde als vermutlich schuldig an dem Zusammenstoß verhaftet.

* Brünn, 7. Aug. Am Sonntag nachmittag unter­nahmen drei Arbeiter und vier Arbeiterinnen aus Mährisch- Trübau auf dem Mühlenteich in Ranigsdorf eine Kahn - partie. Während der Fahrt versuchten sie die Plätze zu wechseln, hierbei kippte der Kahn um. Sämtliche Insassen sielen in den Teich. Zwei Arbeiter und drei Arbeiterinnen er tra nken.

S t. Louis, 7. Aug. Aus dem Fort Worth in Texas wird über Ueberschwemmungen in Südtexas berichtet. 25 Personen seien ertrunken, hlinderte obdachlos. Der Schaden an Grundeigentum wird auf 500000 Dollar geschätzt. Die Hilfszüge vermögen nicht ihren Bestimmungsort ju erreichen. Die Telegraph- und Telephonverbindungen sind gestört.

* Opfer der Berge. Seit mehreren Tagen wird eine Aerztin aus Zürich vermißt, die ohne Führer eine Be­steigung de§ Toedi unternahm. Die angestellten Nach- forschlmgen waren bisher ergebnislos. Der Seidenfabrikant Louis Sachon aus Lyon ist auf einer Bergtour in der hohen Tatra abgestürzt und erlitt Bein- und Arm­brüche.

* Ein unternehmendes Mädchen. In Porta San Giorgio in Italien war ein 16jähriges Mädchen, nach­dem es sich die Haare abgeschnitten und einen Anzug des Bruders angezogen hatte, den Eltern entlaufen. Nach vielen Bemühungen gelang es der Polizei, die Abenteuer­lustige in Ancona in der Person des Kutschers eines Jn- dustr-ieslen zu ermitteln. Kein Mensch hatte Verdacht ge­schöpft, da der vermeintliche junge Bursche alle seine Ob­liegenheiten kundig erfüllte, wvhlgemut die schweren .Stall­arbeiten ausführte, das Pferd zum Schmied und in die Schwemme ritt und auch den Schwerenöter zu spielen wußte. Er hatte sogar ein Liebesverhältnis mit einer Köchin. Diese soll der Wechsel am empfindlichsten schmerzen.

Von einem verstorbenen, berühmten Göt­tinger Universitätsprofessor wird folgende Geschichte erzählt und verbürgt: Es traf sich, daß es eines Abends in Strömen vom Himmel goß, gerade als der Professor fein Kolleg schloß und sich auf den Weg nach seiner sehr entfernten Wohnung machen wollte. Schließlich ließ er sich durch die Bitten einer befreundeten Familie, die nahe bei der Uni­versität wohnte, bewegen, die Nacht bei ihr zuzubringen, statt durch den Regen nach Hause zu laufen. Da der Professor keine Familie und nichts zu versäumen hatte, willigte er ein. Man bereitete nun ein kleines Abendbrot und wollte e§ ge­nießen, ehe man sich niederlegte. Aber da war der Professor plötzlich verschwunden. Man suchte treppauf, treppab; der Herr war und blieb fort. Schließlich gab man das Suchen auf und wollte sich gerade niederlegen, da ging die Haus­glocke. --Triefend von Nässe stand der Professor im

Flur, ein Paket im Arm.Aber um Gottes willen, Herr Professor, wie sehen Sie aus! Wo sind Sie denn nur ge­wesen?" Höchst erstaunt sah der Herr die Frager an. Ja, ich mußte mir doch aber mein Nachtzeug holen!" meinte er dann in selbstverständlichem Tone.

' EinseltenerFall. In Petit-Rechain, einem Vorort von VeroierS (Belgien), feierten am 11. November 1899 zwei Brüder Doppelhochzeit mit zwei Schwestern. Der 24jährige Jacques Zauwen heiratete die 21jährige Elisabeth Winandy, fein 30jäbriger Bruder Henri deren 19jährige Schwester Marie. Später stattete der Storch den beiden Paaren je zwei Besuche ab, und zwar brachte er im Laufe der Jahre den Eheleuten Jacques Zauwen zwei Mädchen, den Eheleuten Henri Zauwen einen Knaben und ein Mädchen. Aber die Uebereinftimmung ging noch weiter. Dieser Tage wurde das erstere Ehepaar mit weiblichen, das andere mit männlichen Zwillingen über­rascht.

* Der Roman einer Oberin. Die frühere Oberin des Elisa- bethinerklosters in Ofen, Therese Pacher, mit dem kirchlichen Namen Schwester Emerikka, ist vor einigen Tagen auS dem Kloster ausgetreten und hat einen 25jährigen Maurergehilfen geheiratet. Schwester Emerikka war vor 24 Jahren in einer Ofener Familie als Bonne an- gestellt, sie kam infolge einer schweren Erkrankung inL Spital deS Klosters und trat nach ihrer Genesung als Nonne ins Kloster ein. Während der langen Jahre, die sic im Kloster weilte, gewann sie die Sympathien ihrer Vorgesetzten, so daß sic zur Oberin des Klosters gewählt wurde. Vor längerer Zeit wurde daS Kloster renoviert. Bei diesem Anlasse kam eine Anzahl von Maurern ins Gebäude, um die Arbeiten vorzunehmen. In den einen verliebte sich die Oberin und lud ihn auch ein, sic in der Zelle zu besuchen. Dies gelangte zur Kenntnis der höheren Kirchenbchörden, die Oberin wurde vor das Kirchengericht gestellt, zu sechs Mouateu