Zweites Blatt
156. Jahrgang
Nr. 57
General-Anzeiger, Amts- und AnZeigMM für den Kreis Sichen
Dr. Breidert.
■
< ;”*b
il'
-
Urschetnl R-Nch mit Ausnahme beS Sonntags.
Die „Virtzener Lamllienblättcr- werden dem .Anzeiger vtermal wöchentlich beigelegt. Der ^hejflschs Landwirt" erscheint monatlich einmal.
!V.I
Marz 1301
M.perf. .Platt.be. 'ell.Ham'e. ue o. [ui»m
Gießen, den 5. März 1906.
ßrtr.: Die evangelischen Kirchenooranschläge deZ Kreises Gießen für 1906.
Das Grssthcrwgliche Kreisamt Gielzea
an die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises.
Der für daS Rechnungsjahr 1906 festgestellte Voranschlag Ihrer Kirchen wird Ihnen in den nächsten Tagen zugehen. Wir empfehlen, das in Ihren Händen befindliche Exemplar hernach richtig zu stellen und den Original-Voranschlag dem Kirchen-Rechner zur Beurkundung der Rechnung auszu- jändigen.
Are Zaht der Studenten der evangelischen Htjcologie
nimmt in Deutschland immer mehr ab: sie ist beispiels- weise von 2605 im Wintersemester 1881/82 auf 1996 im Wintersemester 1905/06 zurückgegangen. Die Gründe für diese auffällige Erscheinung sind keineswegs in einer Uebcrfüll'una in diesem Fache zu suchen: denn gerade jetzt haben fast alle deutsch-evangelischen Landeskirchen über Kandidaten ma n g e l zu klagen. Auch kann man hierbei nicht etwa ein Hinschwinden des kirchlichen Sinnes in Anrechnung bringen. Wenn auch in Gemeinden, in denen die Älrbeiterbevölkerung überwiegt, nicht viel kirchlicher Sinn vorhanden ist, so weisen doch die meisten Stadtgemeinden, besonders aber die bäuerlichen Gemeinden an Sonn- und Festtagen gefüllte Kirchen auf. Tie Ursachen für den Rückgang in der Zahl der evangelischen Theologen scheinen uns auf anderen Gebieten zu liegen, und zwar kommen hier Gründe innerer und äußerer Natur in Betracht. Vor allem dürfte hier in Anrechnung zu bringen sein, daß die Streitigkeiten zwischen den einzelnen Richt ungendertheologischenWissenschaft und die für das Leben der Kirche höchst schädlichen Streitigkeiten der kirchenpolitischen Parteien entmutigend wirken. Wie kann ein aufrichtiger und strebsamer junger Mann Freude am theologischen Studium gewinnen, wenn er sicht, wie eine Richtung die andere als ungläubig oder unwissenschaftlich verdammt, oder wenn er wahrninnnt, daß im K'irchendienste nicht die persönliche Tüchtigkeit, sondern die Zugehörigkeit zu irgend einer theologischen oder kirchlichen Parteigruppe entscl-cidet? Gerade viele Pfarrer lassen heute ihre Söhne lieber Philologie, Medizin oder Jurisprudenz als Theologie studieren, weil sic die Mißlichkeitcn ihres Berufes natürlich geu.au kennen.
Manchen Universitäts-Professoren sagt man wohl auch nicht ganz mit Unrecht nod), daß sie bessere Privatdozenten als Pfarrer erziehen; sie sind mit gutem Grunde stolz auf ihre wissenschaftlichen Leistungen, schätzen aber die Tätigkeit des Geistlichen nicht hock genug ein.
Sektierer und Pietisten machen obendrein dem Geistlichen der nicht nach ihrer Pfeife tanzt, das Leben sauer. Die Verunglimpfungen, denen der Pfarrstand heute in Witzblätter7i und in öffentlichen Vcrsammlunge7i ausgesetzt ist, die Ansicht vieler Leute, die in jedem Theologen einen Menschen zweiter Klasse erblicken, tragen auch nicht dazu bei, Begeisterung für diesen Beruf zu erwecken. Aus den meisten Gymnasien gehört schon ein gewisser Mut dazu, wenn ein Priinaner erklärt, daß er Theologie studieren wolle; denn er wird oft, wenn er dies offenbart, von seinen Mitschülern verspottet, sodaß schon mehr als einer sich zu einem anderen Studium entschlossen hat.
Aber auch Gründe äußerer Art kommen hier in Betracht. In manchen Landesteilen kommen die Kandidaten spät erst zur Anstellung, wenn es auch in dieser Hinsicht jetzt besser ist, als vor 40 Jahren, da die evangelische Kirche den traurigen Ruhm hatte, daß ihre Tiener bis zum 35. Lebensjahre und länger in unwürdiger Vikariatsstellung ausharren mußten. Auch bedürfen die Besoldungsverhältnisse der Evangelischen Geistlichen in manchen deutschen Bundesstaaten einer durchgreifenden Reform. Endlich schreckt manchen jungen Marin der Umstand vom Studium der Theologie ab, daß bei Stellcnbesetzungcn oft die Partei und die C ligue mitwirkt. Wie wenig man es in der evangelischen Kirche oft versteht, den richtigen Mann an die richtige Stelle zu bringen, zeigt das Beispiel des Dichters Gustav Fr en s s e n. Für ben Mann, der heute nicht nur durch seine Romane, sondern vornehmlich durch seine Predigtsamm- lungen auf Hunderttausende von Gebildeten wirkt, hat daS evangelisch-lutherische Konsistorium der Provinz Schleswig- Holstein nur iii einem kleinen, abgelegenen Marschdorfe Verwendung gehabt. Soll man sich wundern, wenn unter solchen Umständen die Zahl der jungen evang. Theologen immer weniger wird?
In der neuesten „Jugend" lesen wir die nachstehenden sehr beachtenswerten Verse:
Der Direktor zu den Abiturienten:
lind keiner Theolog? 's ist jammerschade! Ta haben iuiv ja heutzutag gerade Die Besten nölig. Oh! wie sich das sehnt, Die Angen ausjperrt und die Glieder dehnt, Und wie das schreit: Wir müssen diese engen Bekenntniskerkerhöhlcn endlich sprengen; Sonst sind wir drin ans ewig eingeklemmt! Die Lust erstickt. Arbeiter her und stemmt
lricli k
neu und iiin-Masien- t situierte Rechnung zu 'fjerten an [er, erSr.2969
jähr.Tochter jjoinilie, wo jciigtbotav. it. nicht em. Kais
M
Hl, üllch 9^ niet 01405 ictevbeten.
im
ii uiil. 0150$
• reisend0
lamea
neestr. V
H eines 'N durch e? aus kl. ? Stellung ianusarr." Geschäft, er .1515 an
Mr »T*»
OoUtische Lagesscharr.
„Der akademische Burgfriede".
Unter dieser Überschrift schreibt Dr. v. Salvisberg in seinen „Hochschulnachrichtcn" unter Bezugnahme auf die be- kannlc Erklärung der Gießener Studentenschaft:
Mitten in das unerquickliche Kamp^getricbe der durch fitr^* sichtige oder verständnislose Führer in die akademische Jugend hineingetragenen konfessionellen Verhetzung tönt wie ein erlösendes Wort die Erklärung der Gießener Studentenschaft.
Der Verband deutscher Hochschulen war bis jetzt lediglich ein der jüngsten akademischen Bewegung entsprossener Kampfverband gegen die konfessionellen Verbindungen und — gewisse Behörden, und die hochtönende Propaganda, die gegenwärtig von seinem publizistischen Vertreter, einem Mitgliede des Vereins deutscher Studenten, im ganzen Reiche nach vorwiegend Hoensbroech'schem Rezept gemacht wird, beginnt glücklicherweise der deutschen Stu-, dentenschast die Augen zu öffnen und ihr zu zeigen, wohin sie treibt, wenn sie mit solchem Lootscu an Bord ihr Schiff den Wogen eines fanatischen und einseitigen Parteikampses vreisgiebt.
Vor 25 Jahren cniiachte der V. D. Sk. aui akademischem (Schiet den Antisemitism u s, der unendlich v i e l S ch a d e n angerichtet hat und im letzten Stadium seines moralischen B a n k e r o l t s noch die jüdischen V e r b i n d u n g e n und ihre Verbände als die akademischen Pflanzstätten einer neuen sozialen Partei erblühen sah. Und wenn in der zwölften Stunde der gegenwärtigen Bewegung der V. D. St. den Ausschluß der katholischen Verbindungen von LerbandZwegen mißbilligt, so ist auch diese Bewegung nichtsdestoweniger von ihm und seinen einzelnen Lokalverbänden in die Wege geleitet und im Fluß erhalten worden, und bereits beweist die enorme Zunahme des Aktivbestandes sämtl. katholischer Verbindungen, ihr zielbewußter Zusammenschluß zu großen Verbänden, welch verhängnisvolles Geschenk auch in diesem Falle der Pandora-Büchse des V. D. St. entstammt.
Demgegenüber erhofft die Gießener Studentenschaft, der sich mittlerweile die Heidelberger Kommilitonen und der bereits zum „Verbände deutscher Hochschulen" gehörige Marburger Studentenausschuß a u g e s ch l o s s e n haben, „im Interesse der Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze eine Aeuderung in der Stellungnahme des Verbandes." Hic Rhodas, hie salta!
Damit ist die ganze Bewegung e n d g i l t i g erledigt, beim die erdrückende Majorität der deutschen Universitäten und Hochschulen wird bei ruhiger Betrachtung der Sachlage und der bisherigen zweifelhaften Ergebnisse der versöhnlicheren Losung Gießens folgen, und dem Verband deutscher Hochschulen bleibt nichts anderes übrig, als sein verkehrtes Kampsprinzip anfzugeben oder auszugehen!
Es rechtfertigt dieser AuSyang vollinlmltlich unsere in die akademische Jugend gesetzte Hoffnung, daß sie sich bei Zeiten ans das Richtige besinnen und aus eigener Krait — ohne behördliche Hilie oder polizeiliche Mitwirkung — die schneidigen Waffen deS Geistes wiedersinden werde, die ihrer und der „richtig verstandenen akademischen Freiheit" allein würdig erscheinen und unseren Hochschulen den Frieden wiedergeben.*
Ein Reinfall der Berliner politischen Polizei?
Wie bei* „Vorwärts" berichtet, habe die Berliner polit. Polizei einen Versu cbr gemacht, einen „Genossen" für Lieferung von Nachrichten über innere Vorgänge der sozial- dcmokratischen Partei zu gewinnen, und sei dabei herein- gefallen. Der fragliche Genosse, Karl Fischer, so wird bc- haup>tet, ging scheinbar auf das Anerbieten eines Polizei- agenten Neumann ein. Dieser führte ihn in ein Restaurant, wo der Kommissar erschien. Der „Vorwärts" erzählt weiter:
■i.
Donnerstag 8. Mäez ISO©
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'sche« Umücrfitätsbrudcret R. Lange, Gieß«.
Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.
Tel. Nr. 6L Trlegr^Adr. r Anzeiger
W btt Kgnir. lllÜhjs
dcheii
«ml01
oder verkauft werde. ..... o
Ter Antrag Ioutz wird darauf dem zuständigen Ausschuß überwiesen und das Kapitel a n g e n o m m en.
Tie Kapitel Kamera l- und F o r st d o m ä n e n, Ho f b au- wesen 2c. werden ohne Debatte genehmig t, ebenso die Zrvilliste des G r o ß h e r z o g s mit allen gegen 3 sozial- demokratische Stimmen. Bei Titel Großh. H o s st a I l werden für die Errichtung eines A u t o m o b i l f ch u p p e n s 12 800 Mk« verlangt, welche der Ausschuß mit 4 Stimmen zu bewilligen verlangt.
Äbg. Acolthan beantragt Ablehnung der Position, da es sich hier um eine nicht absolut notwendige Forderung handelt. ,
Finanzminister Dr. Gnauth legt die Gründe für die Forderung näher dar. ..
Abg. Reinhart beantragt namens seiner Partegreunde die Bewilligung der Position, die darauf gegen die Stimmen des Zentrums und der Sozialdemokraten a n g e n o m m c it wird.
Ohne Debatte wurden dann die Fordcruiigcn für Jagdschloß Wolfsgarten, Großh. Palais zu Mainz, Dom aiiialb anwes en, Schloß zu Hirschhorn, nornu Schloß zu Groß - U >nstadt, Hof Dauern heim, Schlotz zu Gießen und die übrigen Positionen des Kapitels bewilligt« Ferner genehmigt die Kammer Kapitel W e i n b a u d o m ä n e n, Einnahme 171 700 Mk., Ausgabe 139 800 Mk., Badeanstalt Bai- Salz h a u s e n, Holzmagin Darmstadt ?c. — In der dritten Hauptabteilung Staatsdomänen werden für Kameral- und Forst-Domänen die Einnahmen mit 268 390 Mk., und die Aus« gabeit mit 139483 Alk. bewilligt, ebenso für das Braunkohl en- bera werk L u d w i g 2 h o ff n u n gdieEinnahnien mit 220 130Mk.„ die Ausgaben mit 138,955 Mk. Bei Kapitel Saline, Badeanstalt* und Ticfbauamt
Bad-Nauheim
Einnahme 1 044 770 Mk., Ausgabe 944 770 Mk. bringt
Abg. Tamm-Friedberg verichicdene Klagen vor. Die neuen Kurhausbaut en entsprächen iiicht den vraktischen A n f o r d c r u n q e n der Stadt Bad-Nauheim, die Knrkapclle Bruch liefere s ch l e ch t'e M u s i f bei s ch l c ch t e r B e z a h l u n g der Musiker. Die Verunreinigung der Usa besteht fort, die Arbeiten bei den Bauten würden schlecht durch die Unternehmer bezahlt, billige Berücksichtigung der Gemeinden bei der Wasserabgabc re. Finanzminister Dr. Gnauth entgegnet dem Vorredner. Tie beiden neuen Verwaltungshäuser mit ihrer Perspektive vorn Balmhof ans böten ein großzügiges Stadtbild dar und die ganzeti Anlagen würden allgemein als vorzüglich anerkannt. Die Frage der Kurkonzerte habe eine erfreuliche Lösung gefunden durch das" Engagement des bekannten Leipziger -6 in d e r st e i n - O r ch e it c r s. An der zu langsamen Besciiigung der Verunreinigung der Usa sei weniger die Regierung, als die dabei beteiligten Gemeinden Schuld. Bezüglich der Wasser- l ei tungs frage dürfe man nicht aus Kosten des Staats
„.Herablassend und freundlich tauschte er Gruß und Hönde- druck, nahm am Tiscke V'.atz und gab seine Wünsche kund, rührend der Versucher mit Spälxwaugen den Eingang überwachte, um vor „Uebcrraschungen" gesichert zu sein. 9hir genaue Nachrichten wünschte der „.Herr Kommissar", ment ausdringlich solle F. fragen, sich nicht vordrängeu, über die Vorstandssitzungen und Be->chlni,c des Altionsaussckmsfcs solle er umgehend und eingehend berichten. aber er solle die Sitzungen pünktlich besuchen und sich ja Wiederwahlen lassen. Und hundert Mark wurden ihm in dre Hände gedrückt, die solle cr nur nehmen, die Kien ihm geschenkt: jeden Bericht, den cr liefere, erhalte er bezahlt, aus 200 oder 250 Mark pro Monat komme es nicht an. Und Furcht vor Entdeckung brauche cr nicht zu haben Die Nachrichten in der „Anti- sozialdemokratischen Korresp." und m der Post" ftammren nickt von der Polizei, die sei froh, wenn n? selber ettvas erfahre ne bringe nichts in die Presse. Ehrenhast und charaktervol! bitte die Stütze des „Herrn Kommissar" ichom vorher wre m,t. dem Dreschflegel auf die Redaktion des „Vorwärts" als die >.nntcr- mämrcr der „Poft" hingewiesen, als er war dem Erichemen de- vou ihm als J>cr Kommissar" bezeichneten Herrn borchwiastagend
Bekanntmachung.
DaZ Proviantamt setzt den freihändigen Ankauf von Wiesenheu und Roggenstroh aus der letzten Ernte zu den gangbaren Tagespreisen fort.
Die Einlieferung von Heu kann ohne vorherige Anmeldung und an jedem Wochentage von 8 bis 12 Uhr vormittags sowie von 2 bis 4 Uhr nachmittags erfolgen. Für die Einlieferung von Stroh ist wegen Beschränktheit des Lagerraumes vorherige Anfrage erforderlich.
Der Ankauf von Roggen und Hafer ist geschlossen.
Hanau, den 2. März 1906.
Königliches Vroviant-Amt.
Preist" e-M l>M
M, i 5-rM WM ff 1
Ay
-
zu F. geäußert hatte: diese Nachrichten würden wohl von einem Redakteur des „Vorwärts" selber in der „Post" gebracht n'ordew sein! Diese Herren, die so große Gehälter bezögen, während die armen Genossen die Parteiarbeiten umsonst verrichten mußten, verdic-nten manchmal noch nebenbei durch solche Berichte!
Bei einer zweiten Zusammenkunft, an der der „Herr^Kom- miii'ar" nickt mehr teilnahm, erhielt Fiscl)er nochmals 100 -cr. Für diese Zusammenkuiiit war aber bereits die Demaskierung vorgesehen: „Als die Sifnmg aufgehoben wurde, hals .Herr Neumann l)öflich, wie nur Schutzleute sein können, seinem „tyreunbe' F. in den Ueberziehcr, blieb aber plötzlich imt aiwgcttrecktem Arme int Acrmct seines Ucberzicl)ers sprachlos eilte Werte stehen, ass cr jählings Genossen Erlist vor sich stehen sah. Es war em Bild für Götlcr — diese Verblüffiutg! Ein paar Augenblicke kämpfte cr mit sich selber einen Kampf, ob er im Ucbcryieber mit dem Kopfe verschwürt)en oder verlegen lächeln sollte. Endlich zog cr letzteres vor. Und als hösticker Äurnn zog
er grüßend den Hut, als? cr schnellen Schrittes an Ernst: vorbei zur Tür eilte, sodaß er gar keine Antwort auf dte wohlwollende Frage des Begleiters von Ernst, Genosien Rccliard Fischer, hatte: „Heute haben Sie wohl kein gutes Geschäft gemacht? Vielleicht geht's nächge Mal befser!". Er stürmte davoir. Vorn am .Hallenausgang kam ihm plötzlich ein Gedanke: schnnr- slnckS machte cr kehrt, eilte zum Wart.'saal zurück, hörte auf die wohlwollendciii Worte: „Bleiben Sie ruhig da, jetzt tstS zit allem zu spat!" gar nicht hin, sondern bat Genofse F., ihm wenigstens den Fragebogen und die zwecks Berichterstattung übergebenen Kuverts mit Adresse zurückzngebcm. rlbcr iclbst bieg kleine Bitte tonnte ihm F. nicht erfüllen, unb so zog denn gleich einem betrübten Lohgerber .Herr Neumann langsam nach denk Vojizei-PräsidiumS-Gebäude zu, um dort die freudige Botschaft zu künden ..." , , , •
Der „Vorwärts" forderte infolgedessen btefer Tage, wie wir bereits kurz erwähnten, die Spender der 200 Mk. auf„ sie bei ihm abzuholen. Wir halten indes die ganze Geschichte für eine schlechte Erf in düng. An solche Tölpeleien der Berliner politischen Polizei können wir schlechterdings nicht glauben. Schon der Merw-eltsname „Nen- mann" deutet u. E. auf das Unerweisliche dieser „Bor.- wärts"-Mär.
Zweite Hefstsche Kammer.
R. E. Darmstadt, 7. März.
Am Ministertisch: Staatsminister Ewald, Finanzminister Dr. Gnauth, Diinistcrialpräsident Braun, Geh. Staatsrat Krug von Nidda, Geh. Rat Milbrand, Ministerialräte Frhr. v. B i e g e l e b e n, S ü f f e r t.
Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9 */4 Uhr.
Das Haus tritt sofort in
die Spozralberatnug des Staatshaushalts« Etats ein. Tie erste Hauptabteilung: „Reste aus friiheren Jahren wird nach kurzer Tarlegung des Ausschußreferentcn, Abg. Reinhart, ohne Debatte genehmigt.
Die zweite Hauptabteilung: „Domänen de? Groß- h e r - o g l. H a u s c s" wird in Verbindung mit dem Antrag Joutz und Genossen, betr. daS Tomantal-Eigentum und deffen Erträgnis m Hessen, beraten. .
9(bg. Joutz begründet seinen Antrag, der dahm geht, bis ziir Voranjcklagsbcratuiig im Plenum als notwendige und in- teressierende Unterlage siir die Beratung desselben und der Re- gicriingsvorlage, betr. die Veräußerung von fiskalischen Grundstücken^ eine genau spezifizierte Uebersicht der als Großh. Haus oder Staatsdomäne im Grundbuch zugeschriebenen oder cocut. in Stutz- nicßimg des Staates befindlichen Immobilien dem Landtag nach einem bestimmten Schema vorzulegen.
Finanzminister Dr. G n a u t h bemerkt, daß der Antrag eigentlich erst dem zuständigen Ausschuß hätte überwiesen werden müssen. Hier fötme er nur bitten, dem Antrag keine Folge zu geben. Wollte man das, so würde das außerordciitlich umständlich sein und eine Drucksacke von ea. 1170 Seiten notwendig werden. Er sei aber zu jeder näheren Auskiinst bereit.
Abg. Hebet bringt eine Beschwerde der Gemeinde Lorsch wegen Schädigung in der. Losholzberechtigung vor und führt überhaupt Klage über das angeblich wenig rücksichtsvolle Versahreoi des Forstmeisters Ebel der Genieinde gegenüber, worauf Geheimrat W i l b r a ii d eine kurze Antwort erteilt. Abg. Joutz bleibt dabei, daß sein Antrag eine notwendige Klarstellung bezwecke. 23et der gegenwärtigen Finanzlage müsse man ein klares Bild darmber haben und beiirteilen können, ob zu teuer oder zu billig gekauft
£
Die Schulter au den Schutt und das Gerolle! Noch ein paar Fuß, und wir steh'u aus der Schwelle. Und wieder grüßen wir, was sie uns dicht Iii Dunst verhüllten, reines Sonnenlicht.
Ja, jetzt, wo Essen glüh'n, Dampsräder sausen, Gehts wieder durch die Welt mir heilgem Brausen, Wie damals, als der Zimmerinannssohn kanr Und all der Orlhodoxeu Formelkram Von Gottes Tisch wie Unrat oder Tand Erzürnt wegwischte mit der flachen Hand, Damit als Menichentrost und Nahrung bliebe Nur Kind und Vater, Gott und seine Liebe. Ja, wieder durch der Eisenhämmer Schall Schlägt hell die Wittenberger Nachtigall Wie damals, als den Frommen Zinn Entsetzen Der Bergmannssobn zerriß in tausend Fetzen, Um bloßzulegen seines Gottes Spur, Berghohe päpstliche Makulatur.
Dein Volk zog er vom Kopf die Nebelbaiibe. Und: Selig, rief cr, macht allein der Glaube I Tas waren die Empörer, waren die, In deren 2lntlih der Gerechte spie Und deren Tod, im Kirchenzorn entlodert, Tie Lrthodoxcn von der Macht gefordert.
Tas ivaren, die den Blick vorn Staub befreit, Wie heute, die Moderne n ihrer Zeit.
Ja ivieder, trotz des Bannfpruchs der Synoden, Lai.scht alles Volk mit nngebaltncm Odern Ten Wahrheitssuchern, die mit fester Hand Tas Unkraut raiifen aus dem heiligen Land, Daß ungehenmit die Gottesausfaat treibe Und nichts als Lieb' und froher Glaube bleibe; . Nun, was ich sagen wollt . . . Jetzt ist's zu spät. Ein jeder heimst nur ein, was er gesät.
I ch pflegte mehr den Griechen als den Christen; Toch unter Acrzten, Lehrern und Juristen So'n Wahrheitssucher, ehrlich und modern, Ja, einen Theologen hält' ich gern.
Ad. En.
-3üd '^-chcu. berget,
ilerii außer bem .0,1, [«>»
Arauche« iu empfiehlt i) hier unb .später s'"" rüch8trJ3,l. wasche» | Putzeu. : hunbsgasse> cnc liichtiße chstiuibeiim rckveg62ll im Hmm zu vnpachlm cÄr. 12,L iM
’\\x unter iiit ob. ohne ’müeien.
ll,V. |1496 ü rittn je 46. [01555


