Ausgabe 
6.12.1906 Erstes Blatt
 
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ReichSschatzsekretär Frhr. v. Stengel erklärte die Einzel­heiten der Ueberschreitungen nicht angeben zu können. Der leitende Truppenführer dürfe, wenn er vor die Entscheidung gestellt sei, im Felde nicht erst prüfen, ob die dadurch not- ^rndige Ausgabe etatsmäßig bewilligt sei oder nicht.

Gouverneur v. Lindequist führt aus: Die Sammlung der zersprengten HereroS habe besonders dank der Mithülfe der Mission den Erfolg gehabt, daß sich rund 14 000, wahr- scheinlich sogar 16 000 gestellt hatten; die Sammelarbeit sei nahezu vollendet. Die HereroS hätten sämtliches Vieh in dem Aufstand verloren und müßten nun an geregelte Arbeit gewöhnt werden, da eS ausgeschloffen sei, sie dem früheren Nomaden-Hirtenlebcn wieder zuzuführen. Die HereroS hätten sich als gute Arbeiter erwiesen. Zwei größere Land- komplexe seien im Hererolande für die HereroS reserviert. Da seien versuchsweise eine Anzahl von HereroS angesiedelt worden, um festzustellen, ob sie ohne die jetzt noch gemachten Zuwendungen seitens des Gouvernements würden fortkommen können. In den Hereros rege sich immer wieder der Frei­heitsdrang, deshalb kämen Entweichungen vor. Würde nicht eine ausreichende Bewachung vorhanden sein, so sei zu befürchten, daß die HereroS sich in größerer Anzahl in die Berge flüchten und dort Viehraub betreiben. Außerdem befänden sich der Oberhäuptling Kamaherero und einige der wichtigsten Großleute mit 300 bis 400 Mann am Wjamisee, also nicht weit von der deutschen Grenze. Ungeachtet der durchaus loyalen Haltung der Regierung von British-Bechuanaland sei cs nicht ausgeschloffen, daß diese Großlcute, die immer noch Einfluß bei den Hereros hätten, wieder die Grenze überschritten. Endlich seien in das Ovamboland, im Norden des Schutz­gebietes, eine große Anzahl Hereros geflüchtet, darunter eine Anzahl Großleute. Ovambo sei im Besitze vieler Waffen und Munition, und eS sei unbedingt nötig und erforderlich, daß die im Norden vorhandenen beiden Stationen weiter stark besetzt bleiben. Im Süden seien dauernde Fortschritte in der Kriegführung erzielt worden; so habe sich der Stamm der Witboi-Hottentotten ergeben; Morenga sei in das engl. Gebiet gegangen. Trotzdem ständen noch etwa 3 0 0 Hotten- tottenbanden gegen uns im Felde, welche sich immer wieder auS dem englischen Gebiet er­gänzten. Die Kapregienlng nehme eine durchaus loyale Haltung ein, doch laffe sich bei der Schwierigkeit der Grenz­überwachung dieser Zuzug nicht verhindern. Es sei hiernach das Verbleiben einer erheblichen Truppenmacht im Süden notwendig. Der Redner gibt darauf eine eingehende Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Schutzgebiete. Südwestafrika stehe als Land für Vieh­zucht keineswegs hinter weit entwickelteren Teilen von Britisch» Südafcika zurück; auch sonst bieten sich vielfach günstige Entwickelungsmöglichkeiten. Von den ehemaligen Schutztrupplern haben sich 971 als 'Ansiedler gemeldet, die zum Teil im Besitze von nicht unerheblichem Kapital seien. Landrat von Uslar habe an vielen Stellen Wasser ge­funden. Für Kleinsiedelungen seien einige geeignete Gebiete bereitgestellt; die Aussichten für Kleinsiedelungen seien er­heblich beffer als früher angenommen wurde.

Korell in Worms.

WormS, 4. Dez.

Gestern abend sprach in einer Versammlung der Verein. Liberalen, die von etwa 1000 Personen besucht war, Pfarrer Korell über die Lage des Liberalismus im Reich und in Heffen. Er kennzeichnete in seinen zweistündigen Aus­führungen die Stellung der freisinnigen Parteien zu den anderen Parteien, insbesondere den Nationalliberalen. U. a. führte er aus, daß die Konservativen nicht die einzigen Bauernfreunde seien. Der Bauernstand sei ein ganz unersetzlicher und unentbehrlicher Teil des deutschen Volkes, und was ihm nottue, müffe ihm bewilligt werden. Er denke nicht daran, ihn durch Freihandel zu ruinieren; ebensowenig falle es ihm ein, die indirekten Steuern zu verwerfen, nur bezüglich ihrer Verteilung habe er andere Wünsche. Zur hessischen Politik äußerte er nach derW. 3tg/ u. a.: Hessen habe einen liberalen Fürsten und eine liberale Re­gierung, aber merkwürdigerweise keine liberale Majorität im Parlament. Keineswegs wolle er die nationalliberalen Abgeordneten der Kammer und ihre Wähler als Reak­tionäre bezeichnen, das falle ihm nicht im Traume ein, denn da spielten mancherlei anonyme Kräfte mit. Der Redner besprach die Wahlrechtsvorlage, die Gemeinde- steuervorlage und übte scharfe Kritik an der Stell­ungnahme der Ersten Kammer. Leider habe sich im Falle Eißnert auch die Zweite Kammer auf die Seite des Oberhauses gestellt. Die Behauptung, daß durch die Be­stätigung die reichstreuen Arbeiter und die Wähler im Offen­bacher Kreise stutzig gemacht worden seien, widersprach er; er sei im Gegenteil der Meinung, daß gerade dadurch den Sozialdemokraten ein wichtiges Argument genommen worden wäre. Er verkenne keinen Augenblick die Fehler der Sozialdemokratie, die die gegenwärtige Staats­ordnung in einer Weise bekämpfen, die nicht den Forderungen der politischen Gerechtigkeit entspreche. Auch daß sie in unserer wirtschaftlichen Ordnung weiter nichts als Ausbeutung und Unterdrückung sehe, sei eine Ungerechtigkeit; und wenn sie behaupte, die Vertretung der Gesamtheit des arbeitenden Volkes zu sein, so merke man davon sehr wenig; immerhin könne er aber die Sozialdemokratie unmöglich so bekämpfen, wie eS etwa ein Scharfmacher aus Ostelbien oder ein Kaplan täte, er bekämpfe sie so, wie es der Liberalismus verlange, mit Einbehaltung des Rechtsstandpunktes, in der unbedingten Treue gegen die Verfaffung. Die etwa zwei­stündige Rede wurde mit starkem Beifull ausgenommen.

In der Diskussion gab Freiherr Heyl zu Herrns­heim zunächst seiner Freude Ausdruck über die sachlichen Ausführungen des Referenten. Er sehe nur Meinungs- vtrschiedcnheiten in der Wirtschaftspolitik und in dem Ver­halten der Sozialdemokratie gegenüber, aber auch, was letzteres anbelangt, stehe er mit seinen Freunden im Reichs­tag und in der zweiten Kammer auf dem Standpunkt, den Pfarrer Korell bezeichnet hat. Nur in der Taktik unter­scheide er sich von ihm, der trotz der Verurteilung der Sozialdemokratie für sie zu stimmen geneigt ist, während die Nationalliberalen prinzipielle Stellung zu nehmen bei den Wahlen entschlossen sind.

In der weiteren Debatte legte Landtagsabg. Rein­hart die Stellung der Kammer zum Falle Eißnert dar. In jener Sitzung haben die Sozialdemokraten mensch­lich gefühlt, indem sic die Glückwunschadrcsse an den Großherzog mitunterzeichneten, aber bald daraus siegte wieder ihre Doktrin, und sie verließen den Saal, um nicht in das Hoch auf den Großherzog einstimmen zu müssen. Redner ging dann weiter mit der Sozialdemokratie ins Gericht und hielt ihnen das Verhalten der Sozialisten in anderen Ländern vor Augen. Pfarrer Korell hielt dann ein Schlußwort, das nicht ohne Eindruck blieb, um so mehr, als es den Anwesenden ein gewisses Entgegen­kommen zeigte und mit einem Hoch auf das gemeinsame Vaterland schloß.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 6. Dezember 1906.

Eine Sitzung des Provinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen findet am Mittwoch, den 12. d. Mts., vormittags 9 Uhr beginnend, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wirtschaftsbetricb des Peter Waterkamp zu Gießen, Steinstr. 76; hier Antrag auf Konzessionsentziehung. 2. Heran­ziehung der Gemeinden zu den Kosten de§ Geländeerwerbs für die Nebenbahn Butzbach-Lich.

" Vom Theaterbau. In der gestrigen Mitteilung über die Beteiligung an den neuerdings ausgeschriebenen Submissionen ist nach dem ersten Satz versehentlich folgendes ausgefallen: Acht Offerten für das Gestühl sind eingegangcn und zwar von Gebr. Thonet-Wien (Vertreter Aug. Oßmann- Gießen), Walter Hyan-Berlin, Th. Brück-Gießen (zwei Offerten für Hyan-Fabrikat und Gestühl von Jakob Joseph Kolm-Wien, Ferd. Nennstiel-Gießen als Vertreter von Jakob Joseph Kohn, Aktien-Möbel-Fabrik Wien, Ziegler u. Wanke, Möbelfabrik Darmstadt, Stuhlfabrik Alt-Mittweida und W. Peschlow-Berlin. Die vorliegenden Offerten bewegen sich zwischen 11 50016 000 Mk., je nach der Ausführung und Güte der Fabrikate.

** DerHeilstättenvcreiu r dasGroßher- zo^tum Hessen hielt am 30. November seine ordentliche Mitgliederversammlung in Mainz ab. Nach eingehender Besichtigung der dermalen in Mainz befind­lichen Tuberku lose-Ausstellung sand die Wahl des Landesausschusses statt. Tie seither dein Landesausschuß angehörenden Damen und Herren wurden fast sämtlich wiedergewählt. Auch die Wahl der Rechnungsrevisoren hatte die Wiederwahl der seitherigen Herren zum Ergebnis. Den Hauptpunkt bildete der Voranschlag für das Jahr 1907. Er sieht für die Eleonvrenheilstütte 13a 800 Mk. Einnahme und Ausgabe vor. Die Einnahme wird in der Hauptsache durch die Pflegegelder gebildet, während in der Ausgabe Gehälter, Kosten der Heizung, Wäscheergänzung und Na- turalverpslegung enthalten sind. Auch die H pothekenzinsen nehmen einen ansehnlichen Betrag in Anspruch. Weitere Ausgaben bilden Steuern und Abschreibungen re. Der seit­herige Vorstand (Vorsitzender Geh. Negierungsrat Dr. Dietz- Darmstadt) wurde gleichfalls wiedergewählt.

"Der deutsche Papagei. Folgende hübsche Ge­schichte lesen wir in derKl. Pr.": Ein Bauersmann aus dem Vogelsberg besuchte auf einer Nhcinreise einen Bekannten in einem rhcinhessischen Städtchen. In der Wohnung fiel ihm ein sehr gesprächiger Papagei auf.Gelt/ sagte die Frau des Gastfreundes,so Vögel habt ihr nit im Vogels- berg?"Doch/ erwiderte der Bauer,in unserm Wald dabaam wachse aach so Viggel."So", sagte die Frau, dann bringen Sie mir doch mal einen mit, wenn Sic wiederkommcn/ Nach einiger Zeit brachte der Bauer richtig einen Vogel, einen Uhu. Der verhielt sich natürlich tief­sinnig und schweigsam im Käfig.Ja/ sagte die Frau lachend,spricht denn der auch?"Ei, spreche duht der nix/ erwiderte der Bauer,der denkt sein Da al/

-i' Lieh, 5. Dez. Wegen Sittlichkeitsvergehens an einem 13jährigen Mädchen, wurde heute der Taglöhner K. in Untersuchungshaft genommen. K. hatte vor einigen Tagen versucht, sich in der Wetter zu ertränken, jedoch war das Wasser nicht tief genug, vielleicht auch zu naß und kalt, und so konnte er sich wieder an das Trockene retten. Die ihm zur Last gelegten Vergehen sollen seit einem Jahr erfolgt sein.

O Niederkleen (Kr. Wetzlar), 5. Dez. Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde vorigen Freitag bei dem Landwirt Johannes Knorz hier begangen. Dessen Haus liegt direkt an den Gärten. Der Embrecher hat sich nun vom Garten aus durch ein Waschküchenfenster Eingang ver- chafft. Ein neuer Anzug, 1 Kistchen Zigarren und ungefähr 20 Mark Geld fielen ihm in die Hände. 600 Mark, die er jedoch nicht fand, lagen in einem Schubkasten in demselben Zimmer.

z M ücke, 4. Dez. Heute Nacht wurde hier bei dem Gastwirt Reitz ein Einbruch ausgeführt. Ter Dieb hatte 'einen Weg von einem in dec Nähe befindlichen Neubau aus genommen; er hatte eine Fensterscheibe ausgebleit, das Fenster geöffnet und ist in das Gastzimmer eingedrungen. Alis der Tageskasse entnahm er sechs Mark und hieß dem- nach zwei Paar Schlihe und Eßwaren mitgehen. Die Polizei von Ruppertenrod wurde telephonisch benachrichtigt. Möglicher Weise steht der Diebstahl mit einem Fund zusamrnen, der dieser Tage unter einer Brücke bei Weickartshain geinacht wurde. Dort fand man ein Bündel ganz neue Weißwaren, bestehend aus Bettbezüge, Taschentücher rc. versteckt vor.

Pfordt, 5. Dez. Unser Bürgermeister Johs. Schäfer feierte am 1. Dezember sein 25jährigeS Amtsjubiläum. Abends wurde der Jubilar von der Gemeinde durch ein Ständchen geehrt; der Gesangverein Pfordt brachte dabei das LiedGott grüße dich" zum Vortrage. Beigeordneter Ritz gab in einer Ansprache der Zufriedenheit der Gemeinde Aus- druck, widmete ihm ein Hoch und überreichte als Zeichen der Anerkennung und des Dankes schöne Geschenke (einen Sessel, eine Taschenuhr mit der InschriftGewidmet für 25jährige treue Dienste von der Gemeinde Pfordt 1906", ein Schreib­zeug unb eine Pfeife). Der Jubilar dankte mit herzlichen Worten für die Ehrung, betonte seine Freude über die hellte von der Gemeinde bewiesene Anerkennung seiner Wirksamkeit, schloß mit einem Hoch auf den Landesfürsten und lud dann alle zu einer geselligen Bereinigung bei Herrn Gastwirt Schaub ein. Im Laufe des Abends feierte Gemeinderat H. Goppel die Verdienste des Bürgermeisters und widmete ihm ein Doch.

Der Jubilar ergriff nun das Wort zu einer längeren Rede, in der er besonders hervorhob, daß er heute wohl mit Recht und Stolz sagen dürfe, daß Pfordt eine der einigsten Ge­meinden des Kreises sei; der ferneren Einigkeit der Gemeinde galt sein Hoch. Die Feier, verschönt dlirch Liederoorträge des Gesangvereins, nahm einen schönen Verlauf.

Offenbach, 5. Dez'. Tic sozialdenrokratischen Stadt­verordneten Ulrich, Orb und Falke, Mitglieder der Komnlission der Bürgermeisterwahl, haben ihre Reise nach Sachsen und Königsberg i. P. angetreten, um an Ort und Stelle über die in die engere Wahl gekommenen Kan­didaten Erkundigungen einzuziehen. Einer davon, Bürger­meister Hokop in Großenhain, ist vor kurzem von der Kandidatur zurückgetreten. Er ist gestern nach zwanzig­monatiger Amtsdaller auf Lebenszeit zlim Bürgermeister von Großenhain gewählt worden. (Off. Ztg.)

Mainz, 5. Dez. Die kath. Pfarrer von Mainz erlassen im Mainzer Journal einen Protest gegen den vom Schulvorstand gefaßten Beschluß, die Kruzifixe aus den Schulen zu entfernen. Sic erklären, dies verstoße gegen den auch der gemcinfmnen Schule gewährleisteten christlichen Charakter und bedeute eine beklagenswerte Un­duldsamkeit gegen die Katholiken und eine tiefe Erschütterung konfessionellen Friedens.

Vermachtes.

" Brände. In Glasgow wurde ein großes Waren­haus durch Feuer zerstört. Der Schaden ist enorm. Nach einem Telegramm aus Clift on wurde ein großer Teil der Stadt durch einen Dammbruch zerstört. 18 Per­sonen sind dabei nm gekommen.

'König und Kronprinz von Portugal in Lebensgefahr. Nach einer Meldung auS Liffabon entgingen der König von Portugal sowie der Kronprinz bei einer Wildschweinjagd mit knapper Not dem Tode. Sie jagten mit einer Anzahl Herren in der Nähe von Arronches, als die gehetzten Eber plötzlich einen heftigen Angriff auf die Jäger machten. Des Königs Pferd roitrbe unter ihm getötet, der König selbst kam jedoch ohne Schaden davon. Auch der Kronprinz entging wie durch ein Wunder der Gefahr. Zwei Herren der Umgebung wurden ernstlich verwundet, drei Treiber getötet.

* Kleine Tageschronik. Am 5. Dezember stürzte int Torvedobootsba^eu zu Kiel ein Matrose vom LinienschiffDeutsch­land" ins Wasser. Einer seiner Kameraden sprang nach, um ihn zu reffen ; beide versanken jedoch in den Fluten unb ertranken. Die Leichen wurden bald danach von Tauchern geborgen. In Mannheim ereignete sich ein gräuliches Unglück auf der Neckar­brücke, wo Arbeiter, nachdem ein Bogen eingesetzt war, mit der Beseitigung der Gerüste beschäktigt waren. Hierbei stürzten vier Arbeiter ab. Zwei fielen in den Neckar, die beiden anderen am ein Schiff. Von den letzteren beiden ist einer schwer verletzt, von den beidell anderen ist einer ertrunken, der zweite ins Wasser ge- iallene konnte gerettet werden. Die Firma Krupp in Essen bewilligte sänitlichen Beamten eine Zuwendung in Hohe eines Monatsgehaltes. Diese Summe beträgt etwa 2 Millionen Mark. Im Stadftheater zu Temesvar (Ungarn) enfsfand durch Umkallen mehrerer Kulissen eine große Panik. Mehrere Per­sonell wurden im Gedränge mehr oder minder schwer verletzt. Die Vorstellung muhte abgebrochen werden. InLondon wurde ein Deckoisizier I. Klasse, der mit der Leitung eines Teiles des Signalsfabes betraut war, und der gewisse besonders sekrete Signalbücher unter sich hatte, verhaftet. Ein an feinem Aul» belvahrlingsort vermißtes Signalbuch rourbe bei ihm gesunden. Der Verhaftete führte einen Revolver bei sich und leistete ver- zweitelten Wiberstand.

GerlchtssaaL.

T a r m st a d t, im Dezember. Ein int Grunde genommen recht müßiger Streit, der sogar literarische Fehden gezeitigt hat, schwebt schon längere Zeit bezüglich des rechtlichen Charak­ters der hiesigen städtischen Sparkasse. Tas Oberlandes-' gericht h.tt in höchstrichterl'cher Entscheidung. im vorigen Jahre ausgesprochen, daß die 1828 stistungsgemäß begründete Kasse als Gemeindeanstalt Rechtspersönlichkeit besitze und als öffentliche Sparkasse vom Ministerium anerkannt fei. Mit dieser Entscheid­ung gehen dad Justizministerium und das des Innern nicht einig; sie verlangen, daß gemäß Art. 2 des Sparkassengesetzes vom 8. August 1902 die Sparkasse sich statutarisch diesem Gesetze unter­stelle. Falls dies nicht geschieht, soll die im Jahre 1903 dekla­rierte Anerkennung der Kasse, als öffentliche Sparkasse gemäß Art. 2 des genannten Gesetzes als irrtümlich erfolgt, zurück­genommen werden. Die Spätste wird sich nun wohl oder übel ügen müssen. Offenbar hat der Gesetzgeber, als er das Gesetz über die öffentlichen Sparkassen in Arbeit nahm, nicht daran gedacht, daß die Sparkasse in Darmstadt nach ihrer historischen Entwicklung schon so lange als juristische Person existiere, denn es hätte dann wohl näher gelegen, in einem neuen Gesetzentwurf aus'zusprcchen, daß die Kasse nicht unter das neue Gesetz falle. (Frkf. Ztg.)

R. B. Darmstadt, 5. Dez. Wegen Meineids hatte sich heute der 1876 zu Gro ß--O st h e im geborene Schneidermeister Johann Josef Höfling zu verantworten. Er wohnt in Dieburg und hatte von der Firma Lehmann daselbst ein Fahrrad für 140 Mark bezogen, für das er Waren in Gegenrechnung liefern sollte. Er lieferte aber nur für 22 Mark und beschwor vor dem Amtsgericht in Dieburg, daß seine Schuld durch Gegen- rechnung beglichen sei. In ähnlicher Weise verfuhr er mit der Firma Lazarus Fuchs, der er 32 Mark schuldete. Da die Buch- ührung in den beiden Geschäften sehr mangelhaft war, wurde in der heutigen Verhandlung eine umfangreiche Beweisführung notwendig. Das Schwurgericht erkannte auf 2 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, auch das Recht, als Zeuge oder Sachverständiger zu fungieren, wird ihm auf Lebenszeit aberkannt.

Wia verliere f w*e erlange

ich meine Xii1 VUmIIuLj ich meine körperliche Frische

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Magdeburg, Kaiserstrnße 46, den 8. August rg. In einem Zeitraum non kaum 1/4 Jahr habe ich jetzt das 3. Paket begonnen, genieße täglich nur eine Mahlzeit mit Biosou-Bouillon, zum Frühstück oder als Vorsuppe des Mittags, war in einem sehr- großen nervösen unb allgemeinen körperlichen Schwachezustand verfallen, hoch Ihr Bioson Hat, trotz ber eigentlich mäßigen Au- wcudimg, meine Nervenirische unb Körperkrast schon nach kurzer Zeit hervorgerufen. Meine Adern schienen von neuem Blut durchrieselt, Lebensdrang und neugeborener Lebensmut kamen in mich, die mich zu einem fast neuen Leben, als neuen Menschen erwachsen ließen. Ich werde daher bei keiner Gelegenheit unter­lassen, Ihr Bioson als Vorzüglichstes zu empfehlen. Mit bestem Dank. Fr. Ch. verw. Schwäblein.

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