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186. Jahrgang
Erstes Blatt
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Redaktion, Ervedttioa
Amts- Wd Mzeigeblatt für den Kreis Gießen
und Druckk-rer: Gchnlstraße 7. Redaktion e=?g> 112 ßerlag u.Exped. e^ol Adresse für Deoeschen: Anzeiger Gießen.
Nr. 8
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Rotationsdruck tu Verlag der Brü h l'scheu Univers.-Buch'U. Stein-
jährlich Mk. 2.20; durch Abholc- ii. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost 9Jlt.2.— viertel- jäknl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vornritlags 10 llhr. Zeilenvreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg.
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Kr General-A«zeiger
Mittwoch 10. Januar 1006
VezugSpret-r monatlich 7b Pi., vtertel-
ALe heutige Mmmer umfaßt 10 Seiten.
TaöaK^uer.
Gießen, 10. Jan.
Ter Verein der Taöakindnstriellen von Gießen und Umgehend hat die von der hiesigen Stadtverwaltung an den Reichstag gerichtete Eingabe zur Tabak- steuervorlaae vervielfältigen lassen und an sämtliche Reichs- ,tagsabgeordnete übersandt. Tie Eingabe der Stadtverwaltung entspricht im wesentlichen den Ausführungen des Ober- Lürgernieisters in der Stadtverordnetenversammlung vom 18. Dezember, über die wir damals ausführlich berichtet haben. In ihr ist die Schädigung des hiesigen Tabak-Ge- werbes und des städtischen Gemeinwesens im Falle der Annahme der Tabaffteuervorlage zutreffend dargelegt. Tie Zuschrift des Vereins der Tabakindustriellen an die Reichstagsabgeordneten ergänzt die Eingabe der Stadtverwaltung noch in einigen Punkten. Sie weist darauf hin, daß die hiesige Zigarrenindustrie in der Hauptsache billige Zigarren für den Massenkonium herstellt und deshalb von einer Steuererhöhung besonders schwer getroffen würde. Tie Fabrikation kann die Steuer nicht selbst tragen, sondern muß versuchen, wie dies auch von den Regierungen angenommen wird, sie abzuwälzen, entweder durch Preisaufschlag oder durch Qualitätsverminderung. Eine Preis-Erhöhung nimmt aber den hiesigen Zigarrenfabrikaten ihren jetzigen Charakter als Massenkonsum-Zigarren der minderbemittelten Bevölkerung, da diese höhere Preise nicht anlegen kann. Tie Folge eines Preisauffchlags müßte also ein Konsumrückgang in den hiesigen Fabrikaten und damit eine Einschränkung der Produktion sein. Eine Steuer-Abwälzung durch Qualitätsverminderung erfordert eine aus- gcdehnte Verwendung deutschen Tabaks zur Zigarren- .sabri'catiom Damit gerät aber die hiesige Zigarrenindustrie -er süddeuffchen Konkurrenz gegenüber ins Hintertreffen, denn diese ist den Hauptproduktionsaebieten des deutschen iTabars nahe und genießt den Vorteil geringerer Frachten, -der leichteren Auswahl geeigneter Sorten, des Kaufs aus erster Hand ohne das Dazwischentreten des Handels, und ^außerdem stehen ihr billigere Arbeitskräfte zu Gebote. Ein erfolgreicher Wettbewerb der hiesigen Zigarrenindustrie mit derjenigen in Baden wird Dann völlig ausgeschlossen sein Jede Zoll- oder Steuererhöhung bedeutet für die Zigarrenfabrikation eine twllständige Umwälzung in den Produktionsverhältnissen. Im Laufe der Jahre haben sich in der Fabrikation bestimmte Fassons, Preislagen usw. herausgebildet. Eine Zoll- und Steuerbelastung bringt eine ganze Reihe von Verschiebungen in der Fabrikation und in den Geschäftsbeziehungen zur Kundschaft. Erst nach Jahren kann sich wieder einigermaßen ruhiger Geschäftsgang herausbilden. In der Uebergangszeit werden aber manche Betriebe zugrunde gehen, denn es läßt sich nicht verkennen, daß die kapitalschwachen Unternehmungen den Uebergang in die neuen Verhältnisse am schwersten ertragen werden. Die in sozialer Hinsicht unerwünschteste Folge der neuen Steuer wird aber eine Verschlechterung der Arbeiterverhältnisse sein, die für die hiesige Gegend dann eine besondere Bedeutung erlangen wird, wenn die Zigarrenindustrie in Gießen und Umgegend in den b'lligen Fabrikaten mit Süd- deutschland nicht mehr konkurrieren kaum
Bezüglich der Ranchtabalfabrikatiou wird von dem Verein der Tabakindustriellen ausgeführt, daß dieser Industriezweig infolge der im Jahre 1879 eingeführten hohen Zölle für ausländische Stengel seit Jahren in Gießen stark zurückgegangen sei. Tre hiesigen Rauchtabaffabriken müssen ausländische Stengel zur Herstellung des Rauchtabaks verwenden, weil sonst der Tabak einen zu bitteren Geschmack erhäll und von der Kundschaft zurückgewiesen würde. Tie jetzige Zollbelastung dieser Stengel beträgt aber das 4—6fache ihres Weltmarktpreises, und dieser Zoll soll jetzt noch weiter erhöht werden. Tie Rauchtabakfabrikation kann diese Zollerhöhung nrcht selbst tragen, denn ihre Lage ist schon jetzt aus den mitgeteilten Ursachen und infolge des Pfeifenrauchens überhaupt ganz trostlos. Andererseits tarnt sie auch die Mehrbelastung des in- und ausländischen Rohmaterials nicht abwälzen, denn ein Preisaufschlag gegenüber der Kundschaft ist, wie die Erfahrung gezeigt hat, nicht durchzusetzen, und eine Qualitätsverschlechterun^ durch reichlichere Verwendung deutscher Tabake und Verminderung des Zusatzes ausländischer Stengel wird von den Rauchern zu- rückgewiesen. Tie deuffchen T^bakpflanzer sollten doch endlich einsehen lernen, daß ihr Erzeugnis nur dann in der Rauchtabakfabrikation größere Verwendung finden kann, wenn es durch Zusatz süßer ausländischer Stengel für weitere Bevölkerungskreise konsumfähig wird. Anstatt aber diesen Zusatz ausländischer Stengel zu erleichtern, soll er jetzt noch erschwert werden. Wie die Zigarrenindustrie, so wird auch die süddeuffche Rauchtabakinbustrie durch die (neue Tabaffteuervorlage bevorzugt, indem die von ihr mit verarbeiteten minderwertigen Grumpen keine Steuer-Erhöhung erhalten sollen. In den letzten Jahren ist in der Rauchtabakindustrie eine große Anzahl von selbständigen Unternehmungen verschwunoen uite in wenige kapitalkräftige Unternehmungen übergegangeu. Es scheint, daß diese Tendenz durch die neue Vorlage in der Folge, insbesondere m Nord- und Mitteldeutschland, noch gefördert werden soll.
Mit der Entwicklung der Rauchtabakfabrikation hangt aber das Gedeihen der Zigarrenindustrie eng zusammen. Von den bei der Zigarettenfabritation verarbeiteten Rohtabaken fallen 20—25 Proz. an Rippen ab, die zum allergrößten Teil an die Rauchtabaffabriken zum Verschneiden als Rauchtabak verkauft werden. Früher konnten die überseeischen Rippen mit 42—45 Mark per Zentner verkauft Ivctbcn infolge d.s Rückgauus der Rauchtabakindustrie ist ihr Preis zeitweilig bis auf 6 ML. gesunken. Es ist sogar
vorgekommen, daß die Rippen zu Tüngzwecken verwende! weroen mußten. Ein weiterer Rückgang der Rauchtabak- abrikation wird das Erträgnis des Rippenverkaufs der Zigarrenfabrikation noch mehr schmälern.
Im Interesse der Gießener Zigarrenindustrie, wie namentlich auch in demjenigen der Rauchtabakfabriffltion, st deshalb die Ablehnung der Tabakstcuervorlage durch den Reichstag dringend zu wünschen.
*
Im Anschluß hieran teilen wir ein Schreiben unseres Reichstagsabg. Komm-Rat H e y l i g e n st a e d t an den Oberbürgermeister unserer Stadt mit, der uns von befreundeter Seite gütigst zur Verfügung gestellt worden ist:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!
Hiermit bestätige ich dankend den Empfang Ihrer gefälligen Zuschri't von gestern, deren Inhalt wohl im wesentlichen den von Ihnen in der Stadtverordneten-Bersammlung vom 18. Dezember vorigen Jahres gemachten Ausführungen sowie dem von der Stadtverordneten'Versammlung einstimmig gefaßten Beschlüsse ent» pricht.
Leider war e§ mir infolge eines Unfalles, den ich am vorhergehenden Tage aus meiner Rückreise von Berlin hierher erlitten halte, unmöglich, der Sitzung beizuwohnen und fühle ich mich veranlaßt, auf diesem Wege meine volle Uebereinstimmung mit dem Beschlüsse der Stadtverordneten-Bersammlung auszusprechen und meiner Bereitwilligkeit Ausdruck zu geben, in geeigneter Weise gegen die geplante Erhöhung der Tabaksteuer zu wirken.
Wenn es bekanntlich mein Grundsatz und and) wohl die Pflicht eines Ncichstagsabgeordneten ist, bei seinen Entschließungen in erster Linie die allgemeinen Interessen im Auge zu behalten, o werden die hier obwaltenden Perbältrnsse, die die Interessen eines großen Teiles meines Wahlkreises so einschneidend berühren, meine Stellungnahme zu dieser Steuervorlage gewiß gerechtfertigt crsck)einen lassen.
Sowohl Ihre sehr sachlichen Ausflihrungen, als auch die mit Sachverständigen gepflogenen Konferenzen haben mich überzeugt, daß die Annahme dieser Tabaksteuervorlage für die hiesige Tabak- industrie ruinös wirken, die Arbeitslosigkeit einer großen Anzahl von Arbeitskräften herbeiführen und damit dem Stadt- und Landkreis Gießen unabsehbaren Schaden zusügen würde. Aus diesem Grunde bin ich Gegner dieser Tabaksteuervorlage.
Ich darf Sie, geehrter Herr Oberbürgermeister, wohl bitten, von vorstehender Erklärung auch verehrlicher Stadtverordneten- Bersammlung Mitteilung machen zu wollen, oder sie auch in Ihnen geeignet erscheinender Weise zur Kenntnis der Interessenten zu bringen. , .
Mit dem Wunsche, daß es uns gelmaen möge, dte zur Herbei sührung einer gründlichen Reichssinanzreform unumgänglich notwendigen Mittel aus andere, unfern Wahlkreis weniger schädigende Weise, flüssig zu machen, bin ich
Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster
L. Heyligenstaedt. *
Der stenographische Bericht über die große Protestver- ämmlung der Berliner Tabakinteressenten vom 12. Tez. ist bei H. S. Hermann in Berlin in Form einer 27 Seiten zählenden Broschüre erschienen. Zu jeder schriftlichen oder mündlichen Information steht das Bureau des Verbandes der vereinigten Berliner Tabakinteressenten (Adresse: Syndikus A. Willner, W. 10, Lützow-Ufer 5 a, Fernsprecher Amt 9 Nr. 9032) täglich vow 9 bis 4 Uhr offen.
Auch die Eingabe der Bereinigten Berliner Tabakinteressenten-Verbände an den Reichstag ist durch den Truck vervielfältigt worden. _______
Politische Tagesschau.
Parteipolitisches ans Bayern.
S.W.K. München, 9. Januar.
Nachdem nunmehr der bayerische Landtagswahl-Gesetzentwurf nach den Beschlüßen des Landtages von dem Reichs- ratskammer-Ausschusse — dem das Plenum voraussichtlich folgen wird — angenommen worden ist, darf wohl schon in nächster Zeit die Promttlgation des Landtagswahlgesetzes, das bekanntlich das direkte Wahlrecht einführt, erwartet werden. Auf Grund dieses Gesetzes wird der jetzige Landtag am Schluffe seiner diesjährigen Session aufgelöst und dte direkten Wahlen für den neuen Landtag voraussichtlich im Sommer 1907 ausgeschrieben werden. Bei diesen Wahlen sind die Chancen der liberalen Parteien nicht schlecht, fehlt doch den roten und schwarzen Gegnern die auf die Maffen wirkende Parole .Wahlrechtsraub" und die persönliche Verdächtigung: .Wahlrechtsräuber". Den Ernst der Situation erfassend und durch Schaden klug geworden, votierten die Liberalen für die direkten Wahlen und ließen selbst die vollberechtigte und von ihnen mit Entschiedenheit vertretene liberale Forderung in Bezug auf den Wahlentscheidungsmodus fallen, damit endlich einmal der altliberale Programmpunkt, Einführung direkter Wahlen, zur Durchführung komme. Wie sich die Parteikonstellation bei den direkten Kammerwahlen gestalten wird, läßt sich heute allerdings noch nicht voraussagen. Bleibt die sozialdemokratische Partei dem bisherigen Verhalten ihrer Landtagsfraktion konsequent, so dürfte — nach badischem Muster — ein Zusammengehen der Sozialdemokraten mit dem Gesamtliberalismus auch in Bayern nicht ausgeschloffen sein. Vor allen Dingen aber ist volle Einigkeit und geschloffenes Auftreten sämtlicher bürgerlichen liberalen Parteien notwendig. Lasse man doch endlich einmal den unseligen liberalen „Togmenstreit", der ja des großen liberalen Gedankens unwürdig ist, und richte man den Blick auf die großen liberalen Ziele, die anzustreben sind, soll nicht der bayerische und implizite der früher so stolze und erfolgreiche Nationalliberalismus als legendärer Begriff der Geschichte augehören.
Kirche und zahlte.
Evangelische Liebestätigkeit. Die Kollekten rc« der evang. Landeskirche hatten im Jahre 1904 folgendes Ergebnis:
Gaben aus den 65 e m c t n b c n an Vereine und Anstalten evangelisch-christlicher Liebestätigkeit: 829 916 Mk. Allgemein erhobene Kirchen- ko l l e k t e n (ausschließlich Neujahrskollekte): 33 376 Mk. Opfer und Gaben für die Ortsarmen: 111 881 Mk. Sonstige freiwillige Leistungen für kirchliche Zwecke: 211165 Mk. Gesamtsumme aller Liebesgaben 686 338 Mk. . r
— Der Deutsche Protestanten --Verein ließ uns folgenden „Aufruf" zugeyen:
Die im Herbst vorigen Jahres erfolgte Aufforderung des Deutschen Protestantenvcreins fick' ihm zur B e kä rn p fu n g der Herr sch süchtigen Ve st re b ungen der Orthodoxie an- zuschließen, hat großen Eri.olg gehabt. Die Zahl feiner di- reften Mitglieder ist mehr als verdoppelt. Der Verein ist dadurch in den Stand gesetzt eine erweiterte, rührige Tätigkeit zu ent* wickeln. Die kürzlich abgehalrenen Synoden haben auf orthodoxen Antrag übereinstimmend die ?lbsetzung derjenigen Geistlichen ge-i ordert, welche nicht in dem Bekenntnis stehen, Jo wie es von der Synode besonders formuliert ist. Diese Beschlüsse werden! nicht ohne starken Einfluß auf die Kirchenbeyörden bleiben. Eine erste Wirkung ist schon, daß dos Rheinische Konsistorium den m Remscheid zum Geistlichen gewählten Prediger Römer lediglich wegen seiner modernen theologischen Richtung nicht bestätigte, obwohl es seine wissenschaftliche Vildungj und seinen sittlichen Emst ausdrücklich anerkannt hat. Proteste tnb Denunziationen von orthodoxer Seite werden für Herbei- Ührung ähnlicher Fälle sorgen. Die Geistlichen freierer Richtung werden schwer bedroht, die liberal gesinnten Qücnteütben werden die in ihrem Sinne wirkenden Geistlichen zu verlieren fürchten müffen. Die Herrschaft der Orthodoxie wird wieder weiter ausgedehnt und befestigt werden. Dies ist um sv> bedenklicher, als ib'tr Entwurf des Preußischen Schalgesetzes die Konfessionalität der Volksschule als Regel hinstellt und dre geistliche Ortsschulaufsickst nicht nur beibehält, solchem noch Vcm stärkt, den Einfluß des orthodoxen Kirckjentums also noch wesentlich erhöbt.
Dieser verderblichen Entwickelung der evangelischen Kirche muß mit aller Macht entgegengeV treten werden.
Der Protestantemwrein wird den von ihm aufgenommenen Kvmpf energisch weitmführen: er bedarf dazu aber sowohl füv feine zentrale Tätigkeit, nid auch für die Ausbreitungsarbeih starker persönlicherUnterstützungunderheblichev Mittel. Er bittet dcsha,lb alle diejemgen, welche mit ihm dasselbe Ziel wollen, ihm beizutreten und dreienigen, welche dazul imstande sind, ihm größere Mittel für seine Agitation zuzuführen.
Zuschriften und Geldsendungen sind an den Vorsitzenden (K. Schrader, M. d. R., Steglitzerstraße 68) oder an den Schatzmeister sK'aufmann Weidling, Votsd^merstraße 82 o1» zu richten.
1. Sitzunkz der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.
Protokoll-Auszug.
Gießen, den 3. Januar 1906,
Anwesend bic Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, stellvertr. Vorsitzender, Türbeck, Friedberger, Jhring, Klingspor, Rowack, Ramspeck, Rinn, Röhr, Schmoll, sowie der Syndikus Tr. Knipper.
1. Wahl des Vorstandes und des Rechners. Bei der Wahl des Vorstarches ivurden, wie im vergangenen Jahre, Herr Kvmmer'ienrat Koch als Vorsitzender und Herr 51ommerzienrat Heichelheim als stellvertretender Vorsitzender wiedergewählt, desgl. Herr Nowack wiederum ols Rechner. Nach einem Tanke für die ernstimmlge Wiederwahl der genannten Herren und einem kurzen Rückblick auf die Tätigkeit der Handelskammer im vergangenen Jahre gedachte der Herr Vorsitzende der neuen Belastungen, die wichtigen Industrie- und Handelszweigen des Kammerbezirks aus den Handelsverträgen und durch die neuen Steuervorlagen drohen. Tia Kammer hat von vornherein die Gefahren der Hochschutz-, zollbewegung erkannt und ist jederzeit den unberechtigten; schutzzöllnertschen Bestrebungen entgegengetreten. Mit Be^ friedigung gedachte der Herr Vorsitzende sodann der sich mehrenden Anzeichen einer größeren Annäherung der Ra^ tionen, die in w-irtschaftlrcher und kultureller Hinsicht dringend zu wünschen sei. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß alle Kreise der Bevölkerung sich immer mehr der Verantwortung zur Erhaltung des Friedens bewußt werden möchten, denn nur unter der Herrschaft des Friedens vermöge die Wohlfahrt der Völker zu gedeihen.
2. Der Ausschwffz für Erledigung eiliger Angelegenheiten setzt sich, wie im Vorjahre, wieder aus den Vorstandsmitgliedern zusammen, die das Recht erhalten, im Bedürfnisfalle weitere Mitglieder der Kam?» mer zu kooptieren.
3. Ausschuß für Zoll- und Steuerfachen. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, einen weiteren Ausschuß für Zoll- und Steuersachen einzufetzen. In diesen werden außer den beiden Vorstandsmitgliedern die Herren Jhring, Klingspor, Röhr und Wallach gewählt.
4. Vereidigungvon Bücherrevisoren. Nachdem die früher angenommenen Vorschriften für Bücherrevisoren die Genehmigung des Großh. Ministeriums des Innern gefunden haben, wurden von der Kammer auf Grund dieser Vorschriften die Herren Hermann Will, Prokurist aus Gießen, und Tcheodor Bandel ans Gießen als Bücherrevisoren vereidigt und öffentlich angestellt.
5. Abänderung der auf die Verhältnisfe der Betriebsbeamten, Werkmeister und Techniker sich beziehenden Vorschriften der Ge^ Werbeordnung. Der Teutsche Techniker-Verband in Berlin hat der Handelskammer eine an den Reichstag gerichtete Eingabe zur Unterstützung übersandt, tu der eine teilweise Abänderung und Ergänzung des Titels XII, III b der Gewerbeordnung im Jntereise der technischen Älnge-


