Nr. 211
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Anzeiger «Letzen.
Erstes Blatt 15«. Jahrgang
Samstag 8. September 1906
Gießener Anzeiger
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Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Z>ie Heutige Wummer umfaßt 16 Seiten
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Landeskinder als begeisterte Mitkämpfer um die heilige Sache und die Verwirklichung der von ihm langersehnten Idee. Und als endlich die kaiserlose Zeit vorüber war, durste Kronprinz Friedrich Wilhelm in sein Tagebuch mit Recht schreiben: „Wir verdanken dies wesentlich dem Groß- Herzog von Baden."
Kein Würdenträger konnte daher auch am denkwürdigen 18. Januar 1871 in Versailles den ersten Hochruf auf den deutschen Kaiser Wilhelm ausbringen, nachdem er schon am Neujahrstage vorher bei einem Festmahle dem siegreichen Wilhelm bte Huldigung der deutschen Bundesfürsten als dem „Oberhaupte des Deutschen Kaiserreiches" und seiner Krone als „der Bürgschaft der unwiderruflichen Einheit"' dargebracht hatte.
Wenn Kronprinz Friedrich Wilhelm mit dem Wunsche heimkehrte, die Waffenbrüderschaft preußischer und württem- bergischer, badischer und bayrischer Truppen niemals zerreißen zu sehen, so war es vor allein Großherzog Friedrich, der auch später noch stets für den Reichseinheitsgedanken, auch noch nach dem Tode des kaiserlichen Dulders, an der Seite des Kaisers Wilhelm II. allzeit kräftig öingetreten ist.
Mit großer Opferfreudigkeit verzichtete Großherzog Friedrich auf wesentliche Kronrechte zugunsten des Vaterlandes und trug dadurch für seinen Teil dazu bei, „daß des Deutschen Reiches Ansehen und Kraft gehoben werde", wie er sich äußert, „wir (die Badenser) selbst aber dabei diejenige Stärkung erfahren, welche aus einheitlicher Führung des Heeres und der Politik erwachsen muß." Den Abgeordneten des Landtags rief er zu: „Trachten wir auch ferner danach, soviel an uns liegt, das in begeistertem Aufschwung Errungene durch besonnene Einsicht und ausdauernde Arbeit zu befestigen und immer mehr zu vervollkommnen."
Und alle seine Reden und Kundgebungen bis in die späteren Jahre hinein waren erfüllt von dieser treudeutschen Gesinnung. Es klingt auch aus den folgenden Worten wieder, die er im Jahre 1883 bei einer Hoftafel sprach: „Die Liebe zum Deutschen Reiche muß uns einigen zu steter Opferbereitschaft für dessen Stärke und Macht. Wir werden eingedenk bleiben, daß die Erhaltung eines mächtigen Deutschen Reiches den Frieden Europas bedeutet, somit die Erhaltung des Friedens auch unsere Aufgabe ist, insofern wir ein starkes und gesundes Glied des Deutschen Reiches bleiben und unsere Kraft demselben widmen."
Besondere Erwähnung verdient die rührende Ergebenheit deS Großherzogs Friedrich für seinen kaiserlichen Schwiegervater. Wo es nur irgend möglich war, suchte er in Toasten auf den siegreichen Kaiser Wilhelm die Begeisterung für diesen unter seinen Landeskindern wach und rege zu halten, und so oft Kaiser Wilhelm in seines Schwiegersohnes Land Farn,tonnte er die Frucht dieser Aussaat genießen in der Liebe, die ihm von allen Seiten dort entgegengebracht wurde. Mit herzerschütternden Worten gedachte er auch des Leidens und Sterbens seines Schwagers, des Kaisers Friedrich, und immer wieder suchte und fand er die Gelegenheit, bei festlichen und anderen Ansprachen, die Treue zum Kaiser zu empfehlen und zu pflegen. Dabei vergaß er auch nicht derer zu gedenken, die das Deutsche Reich begründen halfen, und fand für sie ehrenvolle Worte und Zeugnisse. Bismarck feierte er als „den Staatsmann, der berufen war, das Deutsche Reich zu begründen", Moltke nennt er „den größten, edelsten und zugleich den bescheidensten Charakter, den man finden konnte".
Die von Tr. Rudolf Krone herausgegebenen Reden und Kundgebungen des Großherzogs Friedrich von Baden, von seinem Regierungsantritt bis zu seinem 70. Geburtstage, bieten noch eine große Fülle von derartigen Zeugnissen für die treu-deutsche Gesinnung dieses Fürsten.
Das badische Volk liebt seinen Fürsten ungemein. Kaum ist irgend ein anderer deutscher Landesfürst bei seinen Landeskindern so populär. Bei jedem Jubiläum, daß Großherzog Friedrich begehen konnte, wurden ihm von den Badensern begeisterte Ovationen dargebracht, so bei seinem fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläum im April 1877.
Mer mehr noch als ans solchen Ovationen ging aus den Kundgebungen innigster Teilnahme, die das Volk Badens bet der Erkrankung seines Fürsten einige Jahre später zeigte, die Liebe hervor, die Großherzog Friedrich zu erwecken gewußt hat. Nach der Genesung im Jahre 1882 schrieb er an seinen Sohn, den Erbgroßherzog, der während der Krankheit des Vaters die Regentschaft geführt hatte: „Einem ganzen Volke danken zu dürfen, bauten zu dürfen für die in ernster Prüfungszeit bewiesene Liebe und Teilnahme: das betrachte ich als ein Vorrecht, dessen hohe Bedeutung Du gewiß mit mir zu würdigen weißt. Durch treue Arbeit für alle mochte ich am liebsten meinen Dank für die erfahrene Treue bewähren."
Und die Ovationen für den von feinem ganzen Volke geliebten Fürsten wiederholten sich im Jähre 18'36 bei seinem siebzigsten Geburtstag, im April 1902 bei seinem halb- hundertjährigen Regierungsjubiläum und sie erneuern sich nun wieder, da Großherzog Friedrich am 9. September seinen achtzigsten Geburtstag feiert, ein deutscher Fürst im besten Sinne des Wortes.
Dio begeisterte Liebe der Badenser gilt aber nicht nur ihrem Großherzoge, sondern auch ihrer erlauchten Landes- mutter, der Großherzogin Luise, der Tochter Kaiser Wilhelms I. Ein halbes Jahrhundert -ist am 20. September vergangen, seit dieser Herzensbund geschlossen wurde, und Goldener Hochzeitsjubel reiht sich im Badener Lande an die Begeisterung, die dem Herzoge an seinem Ehrentage gilt, nur wenige Tage später. Großherzogin Lupe wird nicht minder geliebt wie ihr hoher Gemahl, steht sie doch, als echte Landesmutter, an der Spitze aller Wohltatigkeit»- bestrebungen in ihrem Lande. v- <ö-
gerüstet treffe. Bedeutungsvolle Schritte %u diesem Zi waren ja nun getan, und freudig begrüßte der national gesinnte Fürst in dem neuen Zollparlament, wenn auch seine Wirksamkeit eine beschränkte sei, „eine reguläre Vertretung
Aas russische Aegterrmgsprogramm.
Eine Persönlichkeit, die in diesen Tagen aus Rußland zurückkehrte, und die mit den russischen politischen Vev- Haltnissen auf das Intimste vertraut ist, äußerte sich über das neueste russische Regierungskommunique, das gewissermaßen ein Programm für das Ministerium Stolypin enthalten soll, wie folgt: ,
Was geben die Eröffnungen der Regierung? .Emersetts Versprechungen, andererseits eine harte Tatsache. Die harte Tatsache besteht darin, daß das Standgericht für ganz Rußland ohne weiteres zur Anwendung kommen kann. Man hat also die Militärdiktatur vermieden, aber man hat statt eines Diktators alle Generalgouverneure und Gouverneure zu Diktatoren eingesetzt. So die Gabe, die das M.imfteittUZH
des deutschen Volkes".
Und bald war das Bündnis fertig, das für den Kriegsfall ein Heer in Waffen schuf unter König Wilhelms Führung. Die Zeit der Vollendung deutscher Einheit sollte noch kommen.
Während nun Frankreich bereits einsehen mußte, wie die Entwicklung der Dinge immer deutlicher auf Vernichtung des Napoleonismns hinauslief, war Großherzog Friedrich unermüdlich tätig, sein Heer schlagfertiger zu machen, er sah die „Rache für Sadowa" kommen; die von ihm eingeführte allgemeine Wehrpflicht sollte bald die Probe bestehen. Bereits im Jahre 1867 verkündigte er dem Landtage: „Mein Entschluß steht fest, der nationalen Einigung mit dem Norddeutschen Bund unausgesetzt nachzu- ftreben und gern werde ich und wird mit mir mein getreues Volk die Opfer bringen, die mit dem Eintritt in denselben verbunden sind."
Die Tage der dann folgenden Entscheidung durch den deutsch-französischen Krieg sind zu bekannt, als daß sie hier genauer geschildert werden möchten. Die Mainlinie bestand nicht mehr, Süddeutschland 'unb Norddeutschland waren eins; des Großhcrzogs Friedrich Lebensarbeit sand ihren Lohn.
Moltke, der so oft mit seinem Empfinden das rechte Wort fand, hat die besondere Aufopferung in der Handlungsweise der süddeutschen Fürsten ausdrücklich anerkennt, indem er schrieb: „Es verdient ausdrücklich hervorgehoben zu werden, daß die süddeutschen Fürsten in Hingebung an die gemeinsame Sache und im.Vertrauen auf die obere Heeresleitung nicht zögerten, das eigene Land von ihrer aktiven Militärmacht zu entblößen, um sie dem norddeutschen Heer unmittelbar einzureihen. Um so schwerer wog dabei die Verpflichtung des Nordens." Und „Unser Fritz", der von allen betrauerte Kaiser Friedrich, konnte an dem ihm im Badener Lande eiitgegensch<allenden Jubel wohl fühlen, wie sehr Großherzog Friedrich die Saat der Begeisterung auszustreuen gewußt hatte.
Schon am Tage nach dem Siege von Weißenburg war Großherzog Friedrich im Hauptquartter des Kronprinzen von Preußen. Tie Eroberung Straßburgs, die Kämpfe von Dijon, Nutts, Bet fort (nach Kaiser Wilhelm „eine der größten Wafjentaten aller Zeiten"), zeigten ihm. seine. Md en er
Kroßyerzog Iriedrich von Uaden.
(Zu seinem 80. Geburtstage (9. September).
Nachdruck verboten.
Herzog Ernst von Koburg-Gotha hat in seinen „Denkwürdigkeiten" dem Bedauern Ausdruck gegeben, daß die Verdienste eines der deutschen Fürsten um die Entwicklung Deutschlands noch viel zu wenig gewürdigt worden seien. Mit diesem Fürsten meinte er Die volkstümliche, liebenswürdige Gestalt Friedrichs von Baden.
Und wie berechtigt der Koburger Herzog zu dieser Aeußerung war, bezeugen die Worte, welche Großherzog Friedrich von Baden an den Erstgenannten im Jähre 1854 schrieb, also noch bevor er der Schwiegersohn des Prinzen Wilhelm von Preußen geworden war: „Im Prinzen Wilhelm liegt allein die Möglichkeit einer Rettung vor dem Untergänge Deutschlands."
Und so oft vom Großherzog Friedrich von Baden die Rede war, mußte man ganz unwillkürlich immer zunächst an seine tätige Anteilnahme am Werden und Wachsen des Deutschen Reiches denken. Schon in den fünfziger Jähren, noch mitten in der Zeit der starken, aber unklaren Schn- sucht nach dem großen deutschen Vaterlande und des anderwärts von oben her umsomehr gepflegten Partikularismus, sind seine Reden voll von hoffenden Ausblicken auf eine zukünftige Einigung Deutschlands. Tie Beziehungen zu pflegen und zu vermehren, welche ihn mit feinen deutschen Bundesgenossen vereinigen, bettachtete er als eine feiner vornehmsten Ausgaben.
Im Jahre 1859 ermahnte er die Landboten, nicht nur in Treue zur badischen Heimat, sondern in starker Gesinnung deutscher Vaterlandsliebe chr Werk zu treiben. „Die Erfolge alles Bemühens für das Wohl unserer geliebten Heimat", so heißt es in dieser Rede, „bleiben stets untrennbar von der Zukunft unseres deutschen Vaterlandes. Immer ernster tritt das Bedürfnis hervor, Deutschlands Macht und M- sehen zu kräftigen, damit es in allen Wechselfällen der Weltgeschichte seinen hohen politischen Ruf erfüllen kann."
Und sein bedächtiges und festes, klares und kühles Vorgehen beim Frankfurter Fürstenkongreß im Jahre 1863, dessen Reformwerk er in einer ausführlichen Schlußerklärung ablehnte, war eine mannhafte Tat, die dem gesamten deutschen Vaterlande zugute kam, indem sie Fürsten und Völkern ihre Pflichten und Rechte in Helles Licht setzte und die nationale Sache als höchstes Prinzip voranstellte. Zur Erreichung des ersehnten Zieles war dadurch noch ein mächtiger Schritt vorwärts getan, daß auf des Großherzogs Vorstellungen hin auch! von seinen fürstlichen Standes- genossen die Notwendigkeit anerkannt wurde, daß die bestehende Verfassung Deutschlands gebessert lverde. „An dieser Errungenschaft wollen wir fefthalten; sie wird zum Ziele führen."
Ms nach dem Jahre 1866 der Eintritt Badens in den Mrddeutschen Bund ohne die übrigen süddeutschen Staaten noch nicht zu erreichen war, ließ der Großherzog doch nicht ab, fürsorglich bei der Gesetzgebung seines Landes und namentlich bet der Durchführung der neuen Wehrverfassung alles soweit vorzübereiten, daß ihn das endliche Ziel wohl
Aaisermanöver unö hol-e Politik.
Es ist historischer, blutgetränkter Boden, auf dem in der nächsten Woche die Träger der gelben Achselklappen, die schlesischen und posenschen Regimenter, im Verein mit brandenburgischen und sächsischen Truppenteilen vor dem Kaiser und einem glänzenden Stabe hoher Militärs des In- und Auslandes von ihrer Kriegsbrauchbarkeit Zeugnis ablegen iverden. Die Geschichte nennt eine lange Reihe von Schlachten, die in Mittel- und Nicderschlesien geschlagen wurden; in die um ein Jahrhundert zurückliegende Zeit, an die der Kaiser in seiner gestrigen Breslauer Rede erinnerte, fällt die Heldentat des Fürsten Blücher an der Katzbach.
Zwei von den Mmeekorps, die an der Ostgrenze Wacht halten, kommen diesmal ins Gefecht. So war es auch beim letzten Kaisermanöver in Schlesien vor £efjn Jahren, und es liegt nahe, im Hinblick auf den Nachbar im Osten einen Vergleich zu ziehen zwischen den politischen Situationen damals und jetzt. Der Unterschied kann scheinbar nicht größer sein. Damals ein Rußland auf der Höhe internationalen Ansehens, gefürchtet und als Bundesgenosse soeben von der „russentollen" französischen Republik um den Preis eines Milliardenkredits gewonnen; damals der Zar Gast des Kaisers iim Breslauer Schlosse, Verkünder eines Trinkspruches, dessen Kühle auffallend abstach gegen die den Franzosen erzeigte Wärme. Und heute ein Rußland, gedemütigt durch Niederlagen, zerklüftet durch Revolution, brachgelegt in der wirtschaftlichen Entwicklung, beladen mit Schuloen, unter der Herrschaft eines Zaren, der es nur unter Lebensgefahr wagen könnte, sein sicheres Schloß zu verlassen, ein Rußland also, anscheinend nichts weniger als geeignet, zum Bundesgenossen begehrt zu werden oder den Weltfrieden zu bedrohen.
Doch dieser Schein durste trügen. Schon der Wunsch Englands, zu einem durch Vertrag zu besiegelnden Einvernehmen mit Rußland zu gelangen, zeigt, daß die ihre politischen Berechnungen aus Jahre hinaus ansteigenden britischen Staatsmänner im Zarenreich nicht eine sinkende Größe sehen. Und Frankreich hält zu seinem Verbündeten, mögen die pekuniären Erfahrungen auch schmerzen, mag auch der militärische Ruhm Rußlands beeinttächtigt fein. Selbst Italien hat für das Zarenreich, dem der erste Aus-i landsbesuch Viktor Emanuels galt, kaum weniger Sympathie übrig, als für seine beiden .Verbündeten. Es gilt diesen Mächten wohl als zweifellos, daß Ltußländ die schwere Krisis im Innern überwinden und als Verfassunas- staat seine frühere Stellung in der politischen Welt wieder einnehmen wird.
Deutschland kann nicht umhin, sich gleichfalls von einer politischen Unterschätzung Rußlands fernzuhalten, will es der Möglichkeit vorbeugen, unliebsam überrascht zu werden. Denn über das Vorhandensein einer stark deutschfeindlichen Strömung in Rußland kann nichts hinwegtäuschen. Sie wird zwar meist zurückgehalten, bricht aber doch zuweilen elementar hervor. Dian erinnere sich nur der Brüskierung Deutschlands durch Rußland auf der Marokkokonferenz, der gehässigen Artikel der „Nowoje Wremja" usw. Es sind sehr einflußreiche Persönlichkeiten in Rußland der Ansicht, Deutschland nutze die Notlage des Zarenreichs aus und suche durch Abweisung russischer Anleihen vorn deutschen Geldmarkt den russischen Staatskcedit zu untergraben. Das bekannte Buch des itze- gierungsrats Martin über den „unvermeidlichen" Staatsbankerott Rußlands hat jenseits der Grenze böses Blut ge- macht. Wenn irgendwo, dann begrüßt man in Rußland alles, was zur Isolierung Deutschlands geeignet erscheint. Es ist ja auch bezeichnend, daß eine über die internationale Politik so vorzüglich unterrichtete Zeitschrift wie die „Deutsche Revue" aus der Kronberger Monarchenbebegnung keinen Grund für Deutschland entnimmt, seine Kriegsbereitschaft sich weniger angelegen fein zu lassen. Das ist gesagt nicht nur mit Geltung gegenüber England, sondern im Hinblick auf die gesamte auswärtige Lage.
Alles in allem: Das diesjährige Kaisermanöver steht nicht derart unter dem Zeichen politischer Spannung, wie das vorjährige (Marokkokonflikt) und das vor zehn Jahren (Begründung des Zweibundes). Aber es führt, indem es die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Ostgrenze lenkt, zum Bewußtsein, daß die „traditionelle Freundschaft" zwischen Deutschland und Rußland eine scharfe Grenzwacht deutscherseits nicht überflüssig macht, wenn auch Rußland als Machtfaktor einstweilen entfernt ist von seiner früheren stolzen Höhe. Die auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurückblickenden, am Kaisermanöver teilnehmenden beiden Grenzkorps werden den ausländischen Gästen des Kaisers, darunter einem russischen Obersten, in den nächsten Tagen beweisen, daß ihre militärischen Leistungen nichts zu wünschen laffen.


