Ausgabe 
7.8.1906 Zweites Blatt
 
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Bald nach dem Festspiel strömte alles ins Freie, um dem Feuerwerk zuzusehen, das ohne Unfall verlief und all­gemeine Bewunderung erregte. Insbesondere gefielen die Darstellung der Jubiläumszahl undMax und Moritz auf der Schaukel". Noch einmal füllte sich dann die Festhalle, denn außerprogrammäßig gab cs noch eine weitere Auf­führung, nämlich eine Wiederholung des elektrischen Keulen­schwingens. Auch dieses fand allseitige Anerkennung. Weiter gab es Konzert und Tanz und erst sehr spät erfolgte der Schluß des schönen Festes, das dem Turnverein in seiner ganzen Einrichtung und seinem Verlauf zur schönsten Ehre gereicht.

* Lungenheilstätten in Hessen. Die Jahres­berichte der verschiedenen hessischen Lungenheilstätten liegen jetzt vor, und es ist manches Interessante daraus zu ersehen. In der Ernst Ludwig-Heilstätte bei Sandbach i. O., die der Hess. Landesversicherungsanstalt gehört, wurden im Jahre 1905 606 Patienten behandelt, entlassen 529. 498 waren Mitglieder der Landesverstcherungsanstalt. Erbliche Belastung lag bei 197 vor. Von 417 Patienten wurden wesentlich gebessert 385, als dauernd erwerbsunfähig wurden 187 entlassen. In den privaten Heilstätten für lungenkranke Männer in Eberbach und Reichelsheim wurden 36 männliche Kranke behandelt, die Mitglieder der Landesver­sicherungsanstalt waren, in der Heilstätte für weibliche Lungenkranke in Reichelsheim 163 Mitglieder der Ver­sicherungsanstalt und 48 Nichtversicherte. In der dem Heil­stättenverein für das Großherzogtum Hessen gehörenden Eleonorenheilstätte bei Lindenfels i. O. mürben 115 Kranke behandelt, die alle versichert waren. Von den ent­lassenen 44 Kranken waren 26 erblich belastet. 35 wurden fast völlig geheilt. Aus diesen Zahlen ist zu ersehen, daß auch im abgelaufenen Jahre die hessischen Heilstätten sehr segensreich gewirkt haben.

r Dutenhofen, 6. Aug. Heute wird hier ein junger Bursche, Karl Loh, begraben, der auf so traurige Weise sein Leben hat einbüßen muffen. Er hatte Bauholz nach Allendorf gefahren und befand sich mit seinen leeren Wagen auf dem Heimwege, den er schnell znrückznlcgen suchte. Wahrscheinlich ist ein Rad gegen einen Prellstein gestoßen und Loh dadurch vom Wagen geschleudert worden. TaS Pferd kam allein mit dem Wagen Her an. Den Verunglückren sand man bald und verbrachte ihn zur Gießener Klinik. Doch konnten die Aerzte ihn nicht mehr retten. Nach einigen Stunden starb Loh.

r Münchholzhausen, 6. Aug. Zu Ehren unseres Jubilars, Herrn Lehrer Karl Althanö, wurde gestern auf den Gemeindewiesen bei der alten Linde am Turnplatz ein schön verlaufenes Volksfest ge­feiert. Pfarrer Geibel und Hairptlehrer Schieferstein zu Dutenhofen holten Althaus um 4 Uhr in seiner Wohnung ab und begleiteten ihn zum Festplatz, wo sich eine stattliche Zahl Leute cingefunden hatte. Eine Begrüßungsrede hielt Pfarrer Geibel. Lehrer Wiegandt- Dutenhofen sprach über den zur gedeihlichen Erziehung nötigen Zusammenhang zwischen Schule und Hans, der allezeit zwischen dem Jubilar und den Familien seiner Gemeinde bestanden habe. Verschönt wurde das Fest durch den Vortrag von Liedern seitens eines hiesigen Männerchors und der Schüler. Die Kinder vergnügten sich mit Festspielen. Jedes Kind bekam zur Feier des Tages eine Festgabe. Für die Erwachsenen ertönte an zwei Stellen Musik.

d Fr i e d b e r g, 6. August. (Seffern nbenb sahen wir hier eine eigentümliche Naturerscheinung. Es schwebte über einem Garten eine dunkle, feststehende Säule, ohne mit der Erde in Perbindttng zu sein, senkrecht in der Lust. Es waren Milliarden S ck n o f e n. Was diese für die Zukunft unserer Vaterstadt bedeuten, kann man sich vorstellen.

cb Schotten, 6. August. Einen zweitägigen Ausflug hierher unternahm der Wormser A l v e n f I u b. Am ersten Tage ge­langte man bis Gedern, wo übernachtel wurde, nm zweiten Tage ging es etwa sechs Stttnden weit über die Höhen des Oberwaldes hierher, wo man zur Mittagstafel im GasthausZur Traube" ein= traf. Mit dem Füns-Uhrzng fuhr man wieder der Heimat zu.

-k- Alsfeld, 6. Aug. Heute wurde der Färber Karl Weib mit geschloffener Unterstützung der Sozialisten, welche ca. 90 Stimmen abgaben, zum zweiten Beigeordneten seiner Stadt gewählt. Er erhielt 173 Stimmen, während der Kandidat der bürger­lichen Partei 137 Stimmen erhielt. Unter diesen Umständen ist es natürlich Pflicht der Bürgerlichen bei der demnächst stattfindcndcn Bürgermeistcrwahl unter aller Außerachtlassung des Partei» haderS geschlossen vorzugehen, andernfalls es den Sozialdemokraten gelingt, Weitz als Bürgermeister dtirchzubringen.

)( Alsfeld, 7. August. Tas nm Sonntag hier abgehaltene Haupt-Preis- und Ritter-Schießen verlies in schönster Weise. Um 2 Uhr mittags bewegte sich der Zttg nach deut Schieß- vlatz, der Steinkaute. Während es darauf im Schützenhause um die Konkurrenzen der Ehrenscheibe lustig knallte, entwickelte sich im Freien reges Leben und Treiben. Am Montag früh [teilten sich die alljährlichen Besucher aus den Städten Laubach und Grünberg ein und bald entspann sich ein fröhlicher Kampf um die Tages- Ehrenscheiben und Ritter. Tas Resultat der Preisverteilung ist Nachstehendes: Tie Ehrenscheibe vom Sonntag schossen Gg. Kurtz jr. und E. Martin. Die Ehrenscheibe von: Montag schoß E. Hölscher, den 1. Ritter Emelius-Laudach, den 2. Ludw. Martin-Alsfeld, den 3. Jul. Bücking-Alsfeld, deit 4. Aug. Saahe-Alsseld, den 5. Kreuder- Grünberg. den 6. Högv-Laubach, den 7. W. Weber-Alsfeld, den 8. Franz Ramspeck-Alsfeld, den 9. Heinrich Bücking-Alsfeld.

M a r b u r g, 6. Aug. Ein hiesiger Einwohner hatte um A u f - nähme seiner Tochter, die bereits in einer badischen Uni­versitätsstadt das Gymnasium behtcht hatte, in das hiesige könig­liche Gymnasium nachgesucht. Sowohl vom Vrovinzial-Schul- kollegium in Kassel, wie später vom Kultusminister war die Er­laubnis ansprinzipiellen Gründen" verweigert worden. Im benachbarten Hessen dachte man anders. Das Gießener Real­gymnasium durste die junge Dame und auch deren Schwester ausnehmen, obwohl der Vater der beiden Mädchen was man ihm aus hessischer Seite bemerkte als preußischer Steuerzahler zu den hessischen Schullasten nicht das geringste beitragt. Und trotz­dem war man nicht so engherzig, die Ausnahme abzulehnen, und fürchtet wohl auch nicht schlimme Folgen von dieserEoedukation". (Frkf. ZtgZ

Der Untergang des ital. Auswanderer-Dampfers Sirio".

Madrid, 6. Aug, lieber den Untergang des Dampfers Sirio" wird noch berichtet, daß nach dem Auslaufen des Dampfers alle in der Umgebung befindlichen Schifferboote zur Rettung der Passagiere herbeieilten. So rettete das SchiffJosö Miguel" 300 Personen, ein anderes Schiff Vicomte Lucano" 200 Personen. Wie es heißt, sollen 695 Paffagiere und 127 Mann Besatzung sich an Bord des Sirio" befunden haben. Die Geretteten tadeln das Ver­halten des Kapitäns, der im Augenblick des Auslaufens des Schiffes dieses in Stich gelassen habe. Furchtbare Szenen spielten sich beim Untergang des Schiffes ab. An Bord des gesunkenen italienischen Dampfers befanden sich 70 Kajüten- Paffagiere, 695 Zwischendeck-Passagiere und 120 Mann Be­satzung. Viele Personen wurden infolge der Kessel-Explosion getötet. Von den Kajüten-Passagieren wurden sehr ivenige gerettet, weil der Bug, wo die Kajüten lagen, zuerst sank. Als das erste Rettungsboot ins Wasser gelassen rourbe, be­gann ein verzweifelter Kampf der Auswanderer, die sich des Bootes bemächtigen wollten. Die Offiziere versuchten um­sonst, die gleich Wilden über Bord Springenden mit ge»

ladenen Revolvern zurückzuhalten. Dutzende von Menschen sprangen in die See und schwammen den abstoßenden Booten hilfeschreiend nach, bis ihnen die Kräfte versagten und sie lautlos in die Tiefe sanken. Andere klammerten sich an die Bootswände an und wurden von den Insassen mit den Rudern fortgestoßen.

Gerettet wurden 348 Italiener, 40 Spanier, 14 Araber, 10 Oesterreicher, 6 Asiaten, 4 Argentinier, 4 Brasilianer. Von 121 ist die Nationalität noch nicht festgestellt. Unter den Toten befinden sich vorwiegend Frauen und Kinder. Der Kapitän verließ schwimmend das Schiff. Als einer der ersten wurde er von einem Rettungsboot aufgenommen. Die Nachricht, daß er Selbstmord begangen habe, bestätigt sich nicht. Behörden imb Private in Cartagena und den um­liegenden Küstenplätzen hm alles Menschenmögliche.

Vermischte».

* Köln, 6. Aug. Mehrere Burschen griffen in der vergangen Nacht vier Schutzlettte tätlich an, nahmen ihnen die Seitengewehre weg und zerbrachen sie. Der Vater eines dieser Burschen, ein Mann von 45 Jahren, der acht Kinder hat, wurde erschossen.

* Saarbrücken, 6. August. Eine Falschmünzer- Werkstätte wurde gestern von einem Gendarmen im Walde entdeckt. 9(n einer verborgenen Stelle sah der Beamte Rauch aufsteigen. Er schlich sich heran und e§ gelang ihm, drei Personen festzunehmen, die schon lange im Verdacht der Falschmünzerei standen. Gesunden mürben sämtliche Gerät­schaften zum Gießen und Prägen von Münzen.

* Erfurt, 6. Aug. Der jugendliche Schriftsteller Erich Salbey tötete gestern seine Geliebte, die 31jährige Fahrkartenverkäuserin Elise Gebhardt durch einen Revolver- chuß und verletzte sich dann dtirch einen Schuß schwer.

Halle a. S., 6. Aug. Dem Stationsvorsteher Grimm wurde heute vormittag vom Magdeburger Schnell­zuge der Kopf vom Rumpfe getrennt.

* Chemnitz, 6. Aug. In der Nähe des Dorfes Nabenstein ereignete sich gestern ein schwerer Automobil­unfall. Die Werkmeister Leske und Fehrmann kamen in einem Motor-Zweirad mit Anhängewagen in schneller Fahrt von Neustadt, wobei das Gefährt gegen einen Baum rannte und beide herabgeschleudert wurden. Fehrmann wurde der Schädel zertrümmert und er war sofort tot, während Leske einen Schenkelbruch und innere Verletzungen erlitt.

* Bamberg, 6. Aug. Ein mit fünf Mann besetzter Vierer des Nudervereins Bamberg verunglückte auf einer Fahrt auf dem Unternimm Das Boot ist zertrümmert. Der Kaufmann Hermann Pabst aus Nürnberg ist ertrunken.

* Mailand, 6. Aug. Bei dem Brande in der Aus­stellung sind auch die Original-Partituren mehrerer Opern Verdis und Rossinis sowie eine Reihe interessanter Autogramme Richard Wagners zerstört worden. Die Ursache des Brandes ist noch immer nicht aufgeklärt. Der allgemeine Verdacht einer Brandstiftung hervorgerufen durch das Personal wird seitens der Behörde abgelehnt. Ein Kellner hat dem Exekutiv-Komitee der Weltausstellung Aussagen gemacht, wonach fünf frühere Aufseher der Aus­stellung sich über die Behandlung seitens der Komitee­mitglieder beschwert hätten, gegen welche sie verschiedene Drohungen misstießen. Es fragt sich nun, ob diese Droh­ungen in Zusammenhang mit dem Feuer stehen.

* Kleine Tageschronik. In dem schweizerischen Grenz- ortc Möhlin brannten acht Anwesen nieder. Der Brand soll durch spielende Kinder verursacht worden sein. In B a - den-Baden setzten zwei fremde Frauenspersonen ein fünf­jähriges Mädchen aus und verschwanden sodann. . ?tu5 Am - pez' o wird der Tod der Touristin Sucre Farbelli gemeldet, die beim lleberschreiten eines Abhanges in d-n südlichen Ampezzoer Dolomiten abstürzte, sich mehrmals überschlug und schließlich in einen hochgehenden Gebirgsbach fiel, aus dem sie als Leiche gezoaen wu'be.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 3. August.

Der Bäcker M. S. aus Künzig und der Metzger I. G. aus Neuern, waren geständig, daß sie zwecks Ausführung eines Einbruchs bei einem Bäckermeister zu Birklar, von Düssel­dorf hergefahren sind. S.. der früher in Birklar gearbeitet hatte, wußte auch, wo das Geld aufbewahrt wurde. Um seinen Ge­nossen auch mit den Lokalitäten vertraut zu machen, nahm er ihn mit zu seinem früher?n Me'ster, der beide freundlich aufnahm, sie bewirtete und au-b mit Zehrgeld versah. Hierbei hatte G. Gelegenheit, sich die Räume genau, anzusehen. Sie hielten sich bis nach Eintritt der Dunkelheit im Felde auf, und kehrten dann narb Birklar zurück. S. stand Schmiere, während G. mittels einer Leiter in das Haus gelangte.. Er brach die Tischschublade, in der er das Geld vermutete, auf, fand aber außer einem Zwanzigpfennigstück weiter nichts vor, da der Bäcker seine Kasse mit in das Schlafzimmer genommen hatte. Enttäuscht ent­fernten sie sich, nachdem G. noch ein vaar Strümpfe mitgenom­men hatte. GL der mehrfach vorbestraft ist. erhielt wegen Dieb- ffahls im Rückfall 1 Jahr Zuchthaus und fein Komplize S. kam wegen Beihilfe mit 6 Monaten Gefängnis durch. Mit Rücksicht auf ihr Geständnis wurden ihnen zwei bezw. drei Wochen der erlittenen Untersuchungshaft auf die Strafe an» KI-rrfHiet

Zweifelhafte Gefchlechtsangehörigkeit.

H.F. Eisenach, 6. August.

Ein wohl noch niemals vorgekommener Fall, daß ein Vater ein neugeborenes Kind unbestimmten Geschlechts an­meldete, ereignete sich in der vergangenen Woche auf dem Stan­desamt zu Eharlottenburg. Die Hebamme hatte das Kind an­fänglich für ein Mädchen erklärt. Später stiegen ihr aber wegen des ungewöhnlichen Befundes bezüglich der Gefchlechtszugehörigkeit Zweifel auf. Sie riet daher, den auf diesem Gebiet als Sachver­ständigen bekannten Arzt Dr. Magnus Hirschfeld (Eharlottenburg) zu Begutachtung und Entscheidung, ob das Kind ein Mädchen oder ein Knabe sei, heranzuziehen. Dr. Hirschfeld stellte fest, daß sich das Geschlecht des Kindes zurzeit überhaupt nicht beftimmen laste; er riet aber, aus praktischen Gründen, zumal äußerlich die männ­lichen Zeichen die weiblichen etivas überwogen, das Kind als Knaben zu erziehen und ihm einen Namen zu geben, den man leicht in einen weiblichen umwandeln kann, etwa Paul Martin. Ter Standesbeamte war mit dem Vorschläge des Tr. Hirschfeld einverstanden und trug das Kind als Knaben mit den Vornamen Paul Martin in das Standesamtsregister ein. Ta bei ähnlichen Bildungen die inneren Organe und die spätere Körper- und Geistes­entwicklung einen weiblichen Charakter zeigen, so erklärte der Standesbeamte: nach vollendetem achtzehnten Lebensjahre müsse es der betreffenden Person frei stehen, zu entscheiden, ob sie den ihr beigelegten männlichen Namen weiterführen oder in Paula Marta umwandeln wolle.

Universitäts-Nachrichten.

Ein Bund jüdifcher Akademiker ist auf einer Studentenkonferenz in Berlin, an der auch Vertreter der jüdischen Studenten Münchens, Straßburgs usw. teilnahmen, ins Leben gerufen worden. Der Bund soll, nach den Satzungen, zur

Abwehr aller das Wesen des Judentums bedrohenden Tages» strömungen die neu.

Gingesandt.

(Für den Inhalt der unter dimer Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.^

Schotten, 6. Ang. Der alljährlich hier stattfiudende sogen. Sommermarkt hatte auch heuer wieder einen starken Zu­strom von Käufern nach unserem Städtchen gezogen. Am ersten Markttage waren große Umsätze in Klein- und Großvieh, sowie auch Fohlen bei hohen Preisen zu verzeichne!,. Bedauerlicherweise werden jedoch von Seiten des hiesigen Stadtvorstandes nicht die zweckmäßigsten Schritte getan, um den Marktverkehr in die rich­tigen zeitgemäßen Bahnen zu lenken. So könnte man z. B. den Geschäftsleuten, die nicht einige Tage versäumen können, die Er­leichterung gewähren, sich z. T. am Sonntag ihr Vieh anszusncheri. Ferner scheint es angebracht, auf die Unzulänglichkeit unserer Bahn- verhältnisse im allgeineinen und auf die bet Verladung der Vieh- transporte sich fast regelmäßig abspielenden unerquicklichen Szenen im Besonderen einen Blick zu werfen. Einsender dieses hatte Ge­legenheit, am Bahnhofe Scholten Beobachtungen ztt machen, welche eher den Bahnhof einer russischen Stadt währettd eines Attfruhrs als eine friedliche Station der Preuß.-Hest. Staatseisenbahn zum Hintergrund haben dürften. Es herrschen überhaupt auf der Bahn NiddaSchotten glich im gewöhill'chen Verkehr Zustände, welche trotz mehrmaliger Gingaben der Handelskammer bis jetzt noch feine Besserung erkennen lasten; beim wer das .Vergnügen" hat, diese Strecke zu befahren, der muß mit einer wahren Lammesgeduld begabt sein, da fast jeder von Schotten nach Nidda und umgekehrt korrespond. Zna bei fast allen Stationen Güterwagen ab- und ein­setzt. Es wäre deshalb doch bald an der Zeit, diesen mißlichen Zuständen Abhilfe zu verschaffen und wenigstens einen Güterzug pro Tag eiuzulegen. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bet, daß die Verhältnisse in Zukunft anders werden.

Lainilien-Nachrrchten.

Gestorben: Frau Forstmeister Elise Bär in Homberg (Dberbeffen).

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse. 7. August, 1.15 Uhr.

3%6/. Jteichsanleihe . . 99.30 Elekt.riz. Lahmerer . . . 143.00

3% do. . . 87.35 3^°/0 Konsols .... 99.35 3% do 87 20 3^°/0 Hessen 98.15 3%°/0 Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente. . 100.50 41/B"< Oesterr. Silberrente 100.45 4% Ungar. Goldrente . . 95.20 4% Italien. Reute . . . 103.50 3% Portugiesen Serie I . 69.50 3% Portugiesen III 70.70 4%°'n russ.Staatsanl. 1905 85.30 4japan. Staatsanleihe 94.85 4 % Conv. Türken von 1903 96.25 Türkenlose ... . . 144.80

4% Griech. Monopol-Anl. 54.30 4% äussere Argentinier . 90.10 3°/n Mexikaner .... 68.10 4^°/0 Chinesen .... 98.25

Aktien:

Bochum Guss 243.00 Buderus E. W . ... 125.70

Elektriz. Schnckert . . . 127.50 Eschweiler Bergwerk . . 254.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 227.25 Hamburg - Amerik. Paketf. 158.50 Harpener Bergwerk. . . 211.60 Lanrahütte 231.25 Nordd. Lloyd 127.40 Obei schles. Eisen-Industrie 125.25 Berliner Handelsgcs . . 168.00 Darmstädter Bank . . . 13900 Deutsche Bank . . . 237.50

Deutsch-Asiat. Bank . . 175.50 Diskonto-Kommandit. . . 182.90 Dresdner Bank . . . 157.10 Kreditaktien 211.70 Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn . . . 117.80

Gotthard bahn. Lombard. Eisenbahn . . 33 80 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.80 Prince-Henri-Eisenbahn . 142.40

Tendenz : fester.

Berliner Börse, 7. August. Anfangskurse

Canada E. B 165.40 Darmstädter Bank . . . 139.40 Deutsche Bank ..... Dortmunder-Union C. . .. Dresdner Bank .... 157.20

Tendenz: ruhig.

Harpener Bergwerk.

Lanrahütte . . . Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd . . .

Türkenlose . .

211.70

33.70

127.40

144.30

Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise

am 6. August 1906.

Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 8225 Mk.

Kg. Schlachtgew. 9598 Pf.

V, k 76-77

V, Kg. 78-86 Pfg.

V, , 80-84 ,

V? 80-86 ,

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Weizen 100 Kg. 19.20- 00.00 Mk.

Roggen 100 Kg. 16.50-00.00 Mk.

Weißbrot 2 Kg. 54 Pfg.

Schwarzbrot 2 Kg. 50 Pfg.

Original-Drahtinet-nngen.

Heidelberg, 6. Aug. Der Turnschristfteller Dr. Karl Waßmannsdorf ist heute früh gestorben.

Madrid, 6. Aug. Es verlautet, der Marineminister empfing eine Depesche aus Earthagena, nach der sich unter den Ueberlebunden desSirio" befinden: 348 Italiener, 40 Spanier, 14 Aaraber, 10 Oesterreicher, 6 Orientalen, 4 Argen­tinier. 4 Brasilianer und 2 Montenegriner.

San Sebastian, 7. Aug. Man glaubt, daß das deutsche und da- englische Schiff, die nach den Nettungsarbeiten bei der Katastrophe deS Sirio weiter fuhren, noch eine größere Anzahl geretteter Personen an Bord haben, lieber 200 Leichen sind bisher geborgen. Unter den Er­trunkenen besindet sich der Benediktiner Prior auS London, der spanisch« Komponist Hernoso und die svanische Sängerin Lola MillaneS. Der Kapitän, der nach amtlichen Mitteilungen nicht tot ist, und zwei Offiziere wurden verhaftet.

Petersburg, 7. Aug. Bei der letzten Konferenz in Peter- hof legte der Ministerpräsident Stolypin dem Zaren 32 Tele­gramme aus verschiedenen Städten vor, worin hervorragende Körperschaften um schnellste Wiederher st ellung ber Orb­it u n g bitten. Im Anschluß daran weist Stolypin darauf hin, daß es für die Zentralregierung weit nützlicher und aussichtsvoller gewesen, sofort wenigstens ein interimistisches Ministerkabinet zu bilden, als diese Angelegenheit noch weiter zu verschleppen. Im Ministerium des Innern treffen zahlreiche Nachrichten ein, daß die Bauern ungeachtet der strengsten Verfolgung seitens der admini­strativen Behörden Versammlungen veranstalten, in denen Stellung zum Wiborger Aufruf genommen und beschlossen wurde, Bauern- komitees zu organisieren, die die Rolle einer Ortsduma über­nehmen fallen.

Petersburg, 6. Aug. (Petersb. Tel.-Ag.) In einer von Redakteuren der Petersburger Zeitungen und Vertretern der Druckereiarbciter abgefrütenen Sitzung gaben die Drnckereiarbeiter die Erllärung ab, daß sie während der Dauer des Ausstandes jeden Tag diejenige Zahl Arbeiter zur Verfügung der Heraus­geber stellen wollten, die notwendig seien, um eine einzige Zeit­ung zu drucken, die lediglich zur Information dienen solle. Die Reihenfolge, in ber die Zeitungen erscheinen sollen, wurde der Vereinbarung ber Verleger überlassen. Als erste Zeitung wurde bieBirshewija Wjebomosti" gewählt, die morgen erscheinen wird.

Petersburg, 6. Aug. lPctersb. Tel.-Äg.) In den staat­lichen Pulverfabriken von Ochta, einer Vorstadt von Petersburg, ist ein Ausstand ausgebrochen. Etwa 15 000 Mann legten die Arbeit nieder. Die Ausständigen hielten einen nach Jrinotvka bestimmten Zug nahe der Station Rjevka an unb zwangen ihn, nach Petersburg zurückzufahren. Truppen, die in Rjevka ein* trafen, feuerten zwei Salven ab und zerstreuten die Menge, ohne jemanden zu töten ober zu verwunden. Mit der Bahn wurden