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Nr. ISS
Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „Gießener Zamilienblötter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
Zweites Matt LZG. Jahrgang Dienstag 7. August L906
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
Zum Fall Tippelskirch.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Seit der Verhaftung des Majors Fischer bringt die Tagespresse täglich ganze Spalten über die Beziehungen dieses Offiziers zu den Inhabern der Firma Tippels- kirch u. Co. Die Erklärung des Teilhabers von Tippelskirch, daß die Firma Fischer kein Geld geliehen habe, ist allenthalben lächelnd ausgenommen worden, denn es hatte kein Mensch behauptet, daß der Major mit der Firma Tippclskirch in solcher Weise in Verbindung stände. Durch das sogenannte Dementi des Herrn v. Tippelskirch wurde denn auch bekannt, daß es lediglich Teilhaber der Firma waren, die privatim wiederholt dem verschuldeten Major unter die Arme gegriffen haben. Die anfangs genannte Summe von 100 000 Mk. scheint allerdings etwas hoch gegriffen zu sein, denn nunmehr erfährt inan, daß es sich um weit kleinere Betrüge handelt, die Herr tr. Tippclskirch und andere Geldleute seiner Firma an Fischer ausgeliehen haben. Unter diesen Persönlichkeiten befindet sich auch der ehemalige Ad- jutant Bumiller, ein sehr vermögender Herr aus Mannheim, der bei der Firma Tippelskirch u. Co. sehr stark beteiligt sein soll. Die Freunde Fischers kannten ganz genau seine Verhältnisse und wußten daher auch, daß sie die ihm geliehenen Beträge in den Schornstein schreiben konnten. Fischer war auf diese Weise seinen Geldgebern zu Dank verpflichtet und es lag nahe, daß er die Firma Tippelskirch in jeder Weise in seiner amtlichen Stellung bevorzugte. Man muß sich wundern, daß es so lange gedauert hat, bis die Vorgesetzten Fischers von seinem abhängigen Freundschaftsverhältnis zu den Inhabern der Firma Tippelskirch Kenntnis erhielten und daher nicht früher in der Lage waren, einzuschreiten. Der größte Teil der Presse hatte von Anfang an eine amtliche Erklärung verlangt, die darüber Aufschluß geben sollte, inwieweit sich Major Fischer vergangen hat. Vor allen Dingen wollte man wissen, was von den vielen Gerüchten, die an allen Ecken und Enden auftauchten, Wahrheit und Dichtung ist, um sich nach den feststehenden Tatsachen ein richtiges Urteil bilden zu können. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt nun aber, daß mit Rück- sicht aus die schwebende Untersuchung vorläufig auf eine Veröffentlichung des amtlichen Materials nicht gerechnet werden könne, es müsse vielmehr zur gründlichen Aufklärung des Vorgefallenen das Ergebnis der von amtswegen eingeleiteten Schritte abgewartet werden. Interessant ist allerdings, daß Pie erwähnte offiziöse Auslassung die Mißstände in unserer Kolonialverwaltung offen zugesteht, während es bekanntlich noch gar nicht lange her ist, daß sich dieselbe Quelle gegen diejenigen Persönlichkeiten und Preßorgane in zum Teil sogar sehr schroffer Form gewandt hat, als -von dieser Seite die schwersten Anklagen gegen das Zlvlonialamt gerichtet wurden. Es ist also immerhin ein Fortschritt, daß endlich auch die offiziöse Presse diese Mißstände zugibt, wenn sie sich auch vorläufig noch nicht mit ihren Einzelheiten beschäftigen will. In die Affäre Tippelskirch wird jetzt auch wieder der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski hineingezogen, von dem schon im vergangenen Jahre behauptet loorden ist, daß er der Firma sehr nahe stehe. Jetzt heißt es, daß der Minister seinerzeit seine Anteile an seine Gattin abgetreten habe und daß diese noch heute bei der Firma beteiligt sei. Es wird sogar behauptet, daß Herr v. Podbielski sich mit dem Gedanken trage, im Herbst von seinem Posten zurückzutreten, und man will diese angebliche Absicht mit seiner indirekten Beteiligung an der Firma Tippelskirch in Verbindung bringen. Wir sind aber der Ansicht, daß diese Nachricht mit großer Vorsicht aufzunehmen ist, denn der Rücktritt dieses vielgewandten Ministers ist schon so oft angekündigt und nachher lv-ieder dementiert worden, daß man gut daran tut, weitere in dieser Hinsicht zuverlässigere Nachrichten abzuwarten. Wünschenswert wäre es auf alle Fälle, daß die Untersuchung gegen Major Fischer beschleunigt würde, damit endlich die vielen Gerüchte, die über diesen Fall auftauchen, verstummen. Erfreulicherweise hört man schon jetzt, daß die Verhandlung vor aller Oeffentlichkeit stattfinden soll und daß sowohl der Kaiser wie auch der Reichskanzler nicht nur im Fall Fischer, sondern auch bei allen anderen schwebenden Diszip-linarvcrfahren und Untersuchungen gegen Kolonialbeamte rücksichtsloses Vorgehen an- geordnet haben.__________________________________________
politische Lagesschau.
Der Kaiser und der Aachener Reliquienschrein.
Der „Köln. Voltsztg." zufolge erhielt Erzbischof Fischer vom Kaiser folgendes Telegramm:
»Potsdam, Neues Palais. Ich habe mit soeben mit größtem Interesse die wertvollen Stoffe vorlegen lassen, welche dem R e l i- quienschrein Karls des Großen zeitweilig entnommen wurden, um ihrer kulturhistorischen Bedeutung entsprechend durch getreue Wiedergabe die Sammlungen des Kunstgewerbemuseums zu ergänzen und zu bereichern. Cure Eminenz haben'durch die Bereitwilligkeit, mit der Sie die kostbaren Zeugnisie stilistischer und dekorativer Kunst einer altehrwürdigen Vergangenhcil zur Verfügung gestellt haben, eine» so wichtigen Beitrag für das Museum geliefert, daß ich nicht säumeii möchte, Ihnen für diese, weiten Kreisen zu Gute kommende, für Studien der symbolischen Darstellung der alten Gewebe des orientallschei» Kunstgewerbes bedeutende Erschließung eines bisher verborgenen Schatzes nteinen wärnlsten Dank zum Ausdruck zu bringen. W i l h e l m I. R,"
Are Härung in Rußland.
Der Generalstreik.
Aus Moskau, 6. August, wird berichtet: Soeben beginnt hier der Generalstreik. Das gesinnte Proletariat tritt in den Ausstand. In sämtlichen Fabriken und sonstigen Betrieben wird die Arbeit niedergelegt. Die Eisenbahner beschlossen, nachmittags den Verkehr einzustellen, ausgenommen die Ni.kolaiba.hu und die Brestbahn, deren Aargestellte angesichts der drohenden Repressalien eine schwankende Haltung zeigen. Da die Bäcker ebenfalls streiken wollen, lverden die Läden geradezu bestürmt. Alles versorgt sich mit Lebensmitteln. Auf Beschluß des Arbeiter - Depullertenrats soll Brot an bestimmten Stellen zu gewissen Stunden ausschließlich an die Arbeiter und nicht an die bürgerlichen Elemente verkauft werden. Morgen werden keine Zeitungen erscheinen. Die Stimmung unter
den streikenden Massen ist übrigens keine gehobene, eher eine gedrückte, da aus Erfolg ivenig Aussicht ist. Der Generalstreik soll diesmal kein direktes Kampfmittel, sondern eine politische Demonstration sein, und nicht in den bewaffneten Aufstand übergehen, der für Petersburg geplant ist.
Bombenanschläge.
Die Moskauer Arbeller, welche mit Bomben bewaffnet waren, begaben sich gestern an die Moskau-Roiasa-Bahn, um das Eintreffen der Truppen zu erwarten. Durch eine hinfallende Bombe wurden mehrere andere Bomben zur Explosion gebracht, wobei drei Arbeiter getötet und viele verletzt wurden.
In Kiew wurde eine geheim-e Bombenwerkstatt entdeckt. Weitere beunruhigende Nachrichten.
Der „Standard" meldet, aus Ödes s a, daß dort die Panik der Bevölkerung infolge beunruhigender Nachrichten von Meutereien in Sebastopol zunimmt.. Die Telegraphcn- drähte zwischen Sebastopol und Sinferopol wurden von Revolutwnüren durchschnitten. Kosaken werden in Odessa wieder zum Patrouillendienst verwendet. Die Konsuln von Deutschland, Frankreich und Italien erhielten die Ermächtigung, die Stationsschiffe aus dem Bosporus nach Odessa zu beordern. Für die britischen Staatsangehörigen sind über 20 Handelsdanrpfer verfügbar.
Aus H e l s i n g f o r s wird gemeldet: Das Gerücht, der Führer der Roten Garde, Kapitän Kock, sei verhaftet worden, bestätigt sich nicht. Richtig ist nur, daß seine Papiere beschlagnahmt wurden. Nur der Leiter der Anarchisten, Luoto, ist verhaftet worden. Die Untersuchung der Unruhen in Sweaborg hat ergeben, daß diese von den russischen Revolutionären in die Wege geleitet waren und von der Roten Garde ausgeführt wurden.
In Petersburg yerrschr vollständige Ruhe. Die Stadt hat ihr normales Aussehen. Alle Läden sind geöffnet, in den meisten Fabriken wird gearbeitet. Vier Zeitungen sind erschienen. Gestern wurden über 200 Personen, die für den Generalstreik agitierten, verhaftet. — Nach Meldungen aus Bjelostok wurde im Hause eines gewissen Farbstein ein großes Waffendepot und revolutionäre Schriften gesunden. Neun Juden und eine Jüdin wurden verhaftet.________________________________________
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Aug. Der Kaiser traf heute vormittag auf dem Truppenübungsplatz Münster ein und wohnte den Uebungen der dort zusammengezogenen beiden Kavallerie- Divisionen bei.
— Die Regierung hat beschlossen, den oberschlesischen Industrie-Verwaltungen künftighin von dem Kontingent der russischen Schweine 625 Stück zu überlassen. Sie knüpft daran, wie die „Fleischerzeitung" mitteilt, die Bedingung, daß das Fleisch an andere Konsumenten zu keinem höheren Preise über» lassen werden darf, als ihn die Arbeiter bezahlen.
der des
Der Weltmarktpreis für Schweine.
Aus Hamburg wird uns geschrieben:
Angesichts der hohen Schweinepreise in Nord-Europa und
Aussichten auf Hungersnotpreise dafür während nächsten Wärters ist es angebracht, die Preise und
Herbst -Zufuhren aller in Betracht kommenden Länder in Vergleich zu ziehen.
Südost-Europa, das Mutterland der Schweine, scheidet völlig aus für nächsten Winter, wie schon seit mehreren Jahren, denn seitdem Seuchen und Futtermangel die Schweinebestände dort verringert batte» und der deutsche aufnahmefähige Markt ihnen verschlossen blieb, sind Ungarn, Serbien, Rumänien und Rußland als preisbildende Faktoren für den Weltmarktpreis von Schweinen nicht mehr in Erscheinung getreten. Italien und Frankreich, die ihren Bedarf von Schweinefleisch selbst decken zu ungefähr 2/3 der in Deutschland geltenden Preise, kommen also aus dem Weltmärkte ebenfalls nicht in Betracht. Die Schweiz, Spanien, Norwegen sind Länder, die Schweineprodukte einführen. Schweden produziert seinen eigenen Bedarf und bemüht sich wieder Ausfuhrland zu werden, was es seit der Zeit nicht mehr ist, als es vor 11 Jahren Futtermittelzölle, namentlich für Mais, einführte. Es gibt in Europa nur zwei Länder, die eine Ausfuhr von Schweinen oder Schweinefleisch haben: es sind dies Irland und Dänemark. Erstgenanntes Land führt wöchentlich nach England 30000 Schweine aus, wovon 2/3 lebend, Vs in Form von gesalzenem Speck. Die Ausfuhr von Dänemark nach England beträgt ungefähr ebenfalls IV2 Million Schweine jährlich in Form von gesalzenem Speck. Während also in Irland bei einer Bevölkerung von 4 Millionen 5 Einwohner 2 Schweine exportieren, ist dieses Verhältnis bei Dänemark derartig, daß von den nur 2J/2 Mill. Bewohnern dieses Landes schon 3 Schweine von5 Einwohnern exportiert werden! Bei einem Vergleiche zwischen Deutschland mit Dänemark müßte Deutschland jährlich 36 MillionenSchweineexportieren und dem Weltmärkte zusühren können, wenn es d j e s e l b e Z 0 l l - Politik und intensive Bauernwirtschaft des Agrar st aates Dänemark nachahmen wollte.
Woher soll nun der Bedarf von Schweinefleisch für die jährlich um 1 Million zunehmende deutsche Bevölkerung kommen, deren Konsumföhigkeit sich während den letzten 12 Jahren so sehr gehoben hat? Außer Europa kommt für die Produktion von Schweinefleisch für den Weltmarkt nur noch Nordamerika iu Betracht. , , ,
Mexiko spielt für den Export feine Rolle.
In Canada werden wöchentlich ca. 40 000 Exportschweme in der Provinz Ontario geschlachtet; die anderen Provinzen Canadas haben leine Bedeutung für den Weltmarkt in Schweinen. Von diesen 40 000 Schweinen gingen nun vor 10 Jahren noch 32 000 nach England in Form von Speck. Im Laufe der Jahre Ut jedoch der Konsum in Canada so groß geworden, daß von der stehengebliebenen Produktion von wöchentlich 40 000 Schweinen nur noch 15—18000 nach England exportiert werden und der Preis dafür ist beinahe ebenso hoch wie in Dänemark, nämlich 37 Mark pro Zentner Lebendgewicht. Hält die Einwanderung und Volksvermehrung in Canada an wie bisher, werden von dort in einigen Jahren keine ^chwemeprodulte mehr dem britischen Markte Angeführt werden können. Es bleiben also nur noch die Vereinigten S t a a t e n v 0 n N 0 r 0 - A m e r 1 k a, und diese sind es denn auch, die den We lt m a r ktpre 1S jur Schweinefleisch diktieren. Im Lause der Jahre, unter dem Einflüsse der riesigen Vermehrung der Bevölkerung drüben, W d?e V^ltnisse' inzwischen aber solchen Veränderungen unterworfen worden, daß mit Recht anaenommen werden kann, auch dieses anscheinend unerschöpfliche Land wird in absehbarer Zeit feine Eigenpr 0 duktton anS ch w einen selbstv e r- z ehr en. Die große» Schlachtplatze westlich von Chicago, die vor 10 bis 12 Jahre» »och mit ihren Produkten auf den östlichen
Märkten der Union mit Chicago konkurrierte», seist)en jetzt beinahe alles, was nicht in de» am Missouri liegende» Staaten selbst verzehrt wird, nach dem Westen und Süden der Staaten, während der Osten sich immer mehr mit seiner Eigenproduktion begnügen muß. Tieiein Umstande ist es auch zuzuschreiben, daß die Schweinepreise in den Bereinigten Staaten entgegen aller Erwartung eine langsame Steigerung erfuhren und an den hauptsächlichsten Schlachtvlätzen wie Chicago, Kansas City- Omaha usw. losten Schweine 6 Dollars 75 Cents oder umgerechnet 31 Mk. 50 Pf. für 50 Kilo Lebendgewicht, ein Preis, der nur einmal erst in einem Mißerntejahr erreicht wurde, vor langen Jahren. Neue, für größere Schweinezusuhren in Betracht kommende Gebiete der Vereinigten Staaten gibt es nur in Oklahoma, Arkansas und Wisconsin, die sich schon seit Jahren bemühen, größere Schweinemengen zu produzieren, haben damit aber »och keine Erfolge erzielt. Die Mais bauenden Staaten Iowa, Illinois, Minnesota, Missouri, Kansas und Nebraska sind die einzige» der Welt, in welchen eine Vermehrung des Schweinebestandes statt- gesunden hat und wenn unter Verhältnissen, wie sie heute liegen, durch irgend ein Ereignis der Schweinebestand bicjer Staaten nur um 20 Prozent reduziert würde, würden wir Weltmarttpreise für Schweine und Schweinefleisch sehen, die denen, die nur allein das Interesse des Produzenten im Auge haben, also z. B. unseren Großgrundbesitzern, nicht dem Bauer, das Herz im Leibe lachen machen würden. Aber andererseits würden Millionen von Staatsbürgern in einer Weise in ihrer Fleisch-Ernährung gekürzt und beeinträchtigt werden, die weder vom wzialwirtschaftlichen noch vom gesundheitlichen Standpunkte wünschenswert wäre. Bei diesem Stande der Schweineproduktion in allen in Bettacht kommenden Ländern ist die in Deutschland augenblicklich herrschende Absperrungs- nnd Verteuerungspolitik doppelt verdammenswert und wenn sich unsere Reichsregierung weiterhin in einseitiger Weise beeinflussen läßt und der Reichstag es duldet, daß dem deutschen Volke seine wichtigste Nahrung, das Fleisch, immer weiter künstlich verteuert wird, so gehen wir für den Herbst und Winter Zuständen entgegen, die die Hungers- notpreise für Fleisch, wie wir sie letzten Winter hatten, noch weiter hinter sich l a s s e n w e r d e n.
Aus S»aOt uno Luns.
Gießen, den 7. Aug.
•* Erschossen. Der Unterzahlmeister Müller vom 3. Bat. 116. Regts. hat sich gestern abend erschossen. Die vom Regimentskommandeur sofort oorgenommenen Erhebungen haben ergeben, daß dem Selbstmorde eheliche Differenzen vorausgegangen sind.
** Auf dem Wege zum Truppenübungsplatz Senne bei Paderborn passierten am Samstag sechs Militär- Extrazüge aus der Main-Weser-Bahn die hiesige Station mit den Artillerie-Regimentern Nr. 63 aus Bockenheim und 27 au§ Mainz.
** Zur 300jährigen Jubiläumsfeier !>es Gießener Gymnasiums schreibt uns mit Bezug auf die gestrigen Darlegungen ein ehemaliger Schüler der An-, stall: „In der gestrigen Nummer 182 Ihres gesch. Blattes gaben Sie die Ausführungen eines ehemaligen Gießeneu Gymnasiasten wieder. Es wurde von diesem die Anregung gegeben, gelegentlich der Jubelfeier des Gymnasiums, die. tritt dem im nächsten Jahre zu feiernden 300jähr. Universitätsjubiläum verbunden werden würde, eine Personallistt der ehemaligen Lehrer und Schüler aufzustellen, ein Vorschlag, der überall sicher freudig begrüßt wird. Gleichzeitig; gibt der Einsender als weiteren Zweck seines SchreibenA an, man müsse sich darüber klar werden, ob die höherem Schüler des Gießener Gymnasiums, welche sich seinerzeit! nicht dem Studium widmeten, sondern einen anderen Beruf wählten, zur Jubiläumsfeier eingeladen werden sollten nicht. Daß man hierüber im Unklaren sein kann, vermag ich nicht zu verstehen. Warum sollen denn die Studierenden den Offizieren, Kaufleuten, Landwirten usw. usw. hierbei vorgezogen iverden, zumal von den Ersteren doch gewiß auch viele sind, die nie in Gießen einem Studium odgelegen haben. Ich möchte beinahe wagen, gerade das Gegenteil! zu behaupten; denn gerade der Student hat doch recht häufig Gelegenhell, Stiftungsfeste, Jubiläen usw. zu feiern, während die Vertteter der anderen Berufsklassen nicht so häufig in die Lage kommen werden. Und gerade darum! werden diese ek freudig begrüßen, wenn sie an der Schul-t feier teilnehmen können."
** Jubiläum des GießenerGymnasiums. Wir erhielten heute folgende Zuschrift:
Wäre es nicht angebracht, wenn sich, wie anderwärts üblich, ein Komitee ehemaliger Gießener Gymnasiasten bildete und, unbeschadet der noch von Seiten des Gymnasiums zu erwartenden Veranstaltungen, Vorbereilungen träfe, um im Jubiläumsjahr eine fröhliche Zusammenkunft der ehemaligen Schul- genossen in würdiger Weise zu feiern ? Wir sind fest überzeugt, einer öffentlichen Einladung, zu einer Erörterung der Sache aus einen bestimmten Abend in einem zu bezeichnende» Lokal zusammenzukommen, würden so viele hier lebende ehemalige Gießener Pennäler — ob mit oder ohne Maturum, ist einerlei — Folge leisten, daß die Sache greifbare Form in irgend einer Weise an- nehmen würde. Dian warte nicht zu lange; je früher man der Sache näher tritt, desto schöner und erfreulicher wird das Fest werden. Ter gestern hier abgedruckte Bries aus Kurhessen ist ein Beweis dafür, daß gar mancher auswärts wohnende ehemalige Gießener Gymnasiast nur auf die Nachricht vom Bestehen eines Ausschusses wartet, um seine Adresse einzuschicken.
•• Der letzte Tag des Turnvereinsjubiläums verlief ebenfalls in schönster Weise. Die gebotenen Festgenusse bestanden zunächst am Vormittag in einem Frühschoppen, während am Rachmtttag gegen 4 Uhr die Turner vom Brandplatz aus mit Musik zum Festplatz zogen, woselbst in der Festhalle und auf dem Festplatze Konzert stattfand. Die unermüdliche aktive Mannschaft des Turnvereins führte noch einmal Stabübungen vor, im übrigen aber vergnügte sich das sehr zahlreiche Publikum auf eigene Faust. Am Abend folgte dann in der Festhalle eine Wiederholung des Festspiels „Deutsche Helden und Turner^, die trotz der sichtlichen Abspannung eines Teils der Mitwirkenden vorzüglich verlies und von den zahlreichen Zuschauern mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet wurde. Der Festoorsitzende Althosf nahm am Schluß der Ausführung Veranlassung, den Mitwirkenden, insbesondere dem Verfasser und dem Leiter der Aufführung. Turnlehrer Will, der auch die weihevolle Arbeit der Einstudierung der Reigen hatte, herzlichen Dank auszusprechem


