Ausgabe 
7.5.1906 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

8b.

n

»Ml tisie.

>Mk.

Mk. 'Mk. Mk. Mk.

9 auf ister

n

ren

. d. AMgel- . ©tmibuiig alofl poftri.-i, chheff. |hv* t

sflbroncr . .[DV- chd flieluut leputtc- reweg 91.

apanntsind. perlide An- sich keine schaffen, als

Mi

welches eine

razay in gegossen erfrischende

al/ kiaßicb.

Apotheke, /eis, arl Seibel.

511

[in Preislagen.

v.5vMan

.0 M

- Mk.

Mk.

flogen U.

hen

e Ihrem en uni* j alten J rlich'W >at» B *B it B

ike ==

l

;arre»kp'^"

fehlen

B

tzü detail

.ffeg &

i

Zweites Blatt

9ir. 106

156. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen

%

Aff

tr

4 p 1,:

I 1

Erscheint «glich mit Ausnahme befi Sonntags.

Tie ^Slehener Zamlllrnblätler" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Ter »Hessisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Montag 7. Mai 1906

Rotationsdruck und Verlag bet »rühlfch« UniverfitätSdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u.Druckeret: Echulstr.L.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.

M'

Die Weiäistagsstichwagl in Darmstadt.

Der für das Bürgertum ungünstige Ausfall der Darm­städter Reichstagssttchwahl wird in einem großen Teil der deutschen Presse als außerordentlich nachteilig für die liberalenEinigungsbestrebungen bezeichnet und das wäre, wenn es zutreffend sein würde, das bedauer­lichste an dem ganzen Vorgang. Man zieht dabei aber die Verstimmungen, die die ungewöhnliche Schärfe deS Wahl­kampfes in die Reihen der Anhänger der Vereinigten liberalen getragen hat, nicht genügend in Betracht und sieht aus diesem Grunde die Stichwählparole für die Anhänger Korells als eine prinzipielle Stellungnahme zu gunsten des sozialdenrokratischen Kandidaten an, während sie unseres Erachtens nach mehr eine lokale Erscheinung ist. Von diesen! Gesichtspunkt aus braucht für Hessen des­halb in den Darmstädter Vorgängen feilt Hindernis für die liberalen Einigungsbestrebungen erblickt zu werden. Eins hat der Ausfall der Wahl mit Sicherheit erwiesen: daß in Darmstadt ein linksliberaler Kandidat mehr Aussicht auf Erfolg hat, als eine mehr rechtsstehende LLompromißkandi- datur. Damit dürfte auch ein Fingerzeig gegeben sein, auf welcher Grundlage eine liberal Einigung für Hessen (mit Ausnahme von Worms, das wegen der Eigenart seiner Ver­hältnisse w-ohl von vornherein auszuschalten ist) erzielt werden könnte!In Darmstad t-Groß^G er au und Bing em Alzey freisinnige und in den übrigen 6 Wahlkreisen natio-- nalliberale Kandidaturen. Damit würde dem gegenwärtigen Besitzstand der letzteren Partei Rechnung getragen und es wäre nur zu erlvägen, ob nicht bei einem eventuellen Per­sonenwechsel bei der nächsten allgemeinen Wahl in dem einen oder anderen Wahlkreis auch ein Wechsel in der Parteistellung eintreten könnte, um die freisinnigen Par­teien etwas mehr zu berücksichtigen. Auf dieser Grundlage dürfte es möglich sein, im Jahre 1908 nicht allein den jetzigen Besitzstand der liberalen Parteien zu behaupten, sondern ihn auch noch mit dem Darmstadter Mandat zu vermehren.

Wenn also unsere Stammesgenossen ihre Muttersprache, ihre kulturelle und ideelle Zugehörigkeit zum deutschen Volke be­halten wollen, so ist ihr Platz einzig an der Seite der anderen Nationalitäten im Kampfe gegen den gcmcinsameu Femd, daS Magyarcntum. Und wenn sie sich noch so sehr mit den Ungarn zu verbrüdern suchen, so wird sie doch keine ungarische Regierung in Ruhe auf der von ihren Vätern ererbten deut­schen Scholle sitzen lassen, das lehrt die Erfahrung! Der Anschluß der siebenbürgisch-sächsischcn Abgeordneten an das Magyarentum ist also entweder ein Volksocrrat oder eine entsetzliche Dummbeit!

Hlf

rats, die Tnma-Abgeordneten, die Minister uno hohen Würden­träger, die Hofchargen und die (Generalität besohlen. Außerdem sind die Chefs der ausländischen diplomatischen Missionen ge­laden.

Der Kongreß der konstitutionell-demokrati­schen Partei nahm einstimmig nachfolgenden Beschluß an betreffend die Tätigkeit der Partei in der Reichsduma:

Die Tätigkeit der Partei zielt darauf hin, die Lösung der folgenden grundlegenden Ausgaben, die zu dem Programm der Partei gehören, auf gesetzlichem Wege herbeizuführen, nämlich die individuelle Unverletzlichkeit und Gleich- heit Tüt alle Bürger ohne Unterschied der Nationalität, der Religion, deS Geschlechts und des Standes, die bürgerlichen Freiheiten, die Einführung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts in gclximcr Abstimmung ohne Unterschied des Geschlechts, ebenso für die nationale Vertretung wie für die lokale Selbstverwaltung, die gesetzgeberische Regel­ung der Agrarfrage, die unverzügliche Inangriffnahme von Maßnahmen betreffend die Arbeiterfrage, die Be­friedigung der rechtmäßigen nationalen Forderungen. Die Partei will sich bemühen, diese Ziele zu errciclum, ohne in ihrem Bestreben vor der Möglichkeit eines offenen Brucks mit der Regierung innezuhalten; aber sie will derart handeln, daß im Falle eines Konflikts jeder Fehler und jede Verant­wortlichkeit auf die Negierung zurückfällt."

Wie die Petersburger Tclegraphenagentur meldet, wird gegen Maxim Gorki ein neuer Prozeß eingeleitet werden, unter der Beschuldigung, daß er im Auslande die revolutionäre Be­wegung gegen 3Rußland geschürt habe.

Die russische Staatsbank setzte ihren Diskont von ?l/z Prozent auf 7 Prozent herab.

Moskau, 6. Mai. Gegen den Generalgouverneur Du­bassow wurde, als er gestern nachmittag um 1 Uhr aus der Uspenlykothkdrale zurückkchrte, ein Dombcnattcntat verübt. DaS Attentat wurde vor der Anfahrt an seinem Palais aus- geführt. Dubassow wurde am Fuße verwundet, sein Adjutant und eine Schildwacl>e wurden getötet. Einige Personen aus dem Publikum wurden verwundet. Der Attentäter, der eben­falls um gekommen sein soll, trug Offiziersuniform.

Charkow, 6. Mai. Die Juden des hiesigen Be­zirks wandern massenhaft nach Amerika und Palästina aus.

Warschau, 5. Mai. In einer nahe gelegenen Ortschaft wurde in einer Fabrik eine Bombe gesunden, die von einem Arbeiter gelegt war. Unter dem Verdacht, die Bvmbe gelegt AI! hoben, wurden 13 Vr Hai: u n a c n Vürncnommrn

r >

Deutsches Reich.

Berlin, 5. Mai. Zwischen den Mehrh eitSparteien ist anscheinend im Einverständnis mit der Regierung/ oeben eine anderweitige Gesta llung der Besteller- ung der Eisenbahnfahrkarten verabredet worden. Der Stempel soll wieder Fix-Stempel werden, aber mit dem Preise der Billetts staffclförmig ansteigen. Billetts bis zu 60 Pfennigen sotten überhaupt unbelästigt bleiben. Dann beginnen die Fix-Stempel im Preise von 60 Pfg. bis 2 Mk. mit 20 Pfg. bezw. 10 und 5 Pfg. und steigen bis zu 7 Ml., 5 Mk. und 2 Mk. für Billets im Werte von mehr als 50 Mk. Der finanzielle Effekt sott derselbe sein wie der des prozentualen Stempels, den die Kommission vorge» chlagen hat.

Norderney, 6. Mai. Reichskanzler Fürst von Bülow wird auch in diesem Jahre zu längerem Aufenthalt auf der Insel Norderney erwartet. Man nimmt hier an, daß die Ankunft des Kanzlers bereits im Frühsommer er­folgen werde.

Donaueschingen, 5. Mai. Der Kaiser schoß gestern abend einen Auerhahn. Heute nachmittag fand im engsten Kreise Familientafel statt. Der Kaiser trifft am Mittwoch den 9. Mai, mittags 12 Uhr 50 Min. in Karls­ruhe zum Besuche deS Großherzoglichen Paares ein und reist um 4 Uhr 45 Minuten wieder ab.

Breslau, 5. Mai. Der verhaftete Redakteur deS Volksmacht Albert wurde heute auf Beschwerde beim Ober- landesgericht aus der Haft entlassen.

NoLonialpoft.

Berlin, 6. Mai. lieber die im März und April vorgefallenen Gefechte in Deutsch-Ostafrika sind noch folgende weitere Meldungen des Gouvernements auf telegraphischem Wege eingcgangen: Dre vereinigten De­tachements v. Wangenheim und v. Hassel durchstreiften in der zweiten Hälfte des März den südlichen Tert des Ma - hen.gebezirsts. Die Gegner hatten in mehreren Ge­fechten einen Verlust von etwa 200 Toten. Hassel wurde nm 21. Marz von zahlreichen Wagin dos am Lukuba ax>e.

Doiksverrat und Dummheit?

Eine für das nationale Empfinden deS deutschen Volkes recht schmerzliche Kunde kommt aus Ungarn: Die von den (Siebenbürger Sachsen in den Budapester Reichstag entsandten fünf Abgeordneten gedenken sich an die magya- cische Verfassungspartei, die Reste der einstigen liberalen Mehrheit anzuschließen. Der sächsische Abgeordnete Karl Schmidt erklärte nämlich in Vioombak, als er das Mandat aus den Händen seiner Wähler entgegennahm, daß sich die Sachsen den Nationalitäten nicht anschließen können, und infolge kultureller wie auch ethnographischer Verhältnisse den Anschluß an das Magyarentum suchen müssen. DieSma qeltc dieser Anschluß nicht einer Partei, sondern dem Magyaren- tum überhaupt. Unerhört! Seit dem Bestehen des Dualis­mus, also seit vier Jahrzehnten können unsere deutschen Stammesgenossen in Ungarn, denen das Reich der Stefans- krone in erster Linie seine kulturelle Entwickelung verdankt, nur im ruhelosen Ringen ihr Volkstum bewahren. In un­erhörter Weise drangsaliert man alle in Siebenbürgen und im Banat erscheinenden deutschen Blätter, belegt bie Heraus­geber mit hohen Geldstrafen und sperrt die Redakteure em, roenn sie nur einigermaßen kräftigere nationale Töne an» schlagen. Ten urdeutschen Städten Herrmannstadt, Kronstadt, Klausenburg, Schäßlmrg 2C. hat man magyarische Namen verliehen und das neue magyarische Volksschulgesetz ist eigens auf die Magyarisicrung der Deutsch-Ungarn zugeschmtten.

Rußland.

Petersburg, 5. Mai. Wie DieNowoje Wremja" meldet, verbrachte Ministerpräsident Gor em Y kin fast den ganzen gestri­gen Tag in Zarskoje Sselo und legte dort die Mi Nister liste und sein Programm vor. Goremykm wll stch volle Aktiv nsfreil) eit ausbedungen haben. xcS neue mrbinett soll noch vor per Eröffnung der Duma in volle Tätigkeit treten. Seine ersten Ausgaben würden die Durchsicht des Entwuns der Grundgesetze und die Agrarreform sein.

Der türkisch-englische Konflikt.

London, 5. Mai. Die Blätter aller Parteien . unterstützen die Regierung warm in ihrem scharfen Vorgehen gegen die Türkei. Deutschlands korrekte Hal­tung wird dabei allgemein anerkannt und die voll- tändige Isolierung der Pforte im Falle eines Konfliktes mit England herrwraehoben.

Paris, 5. Mai. DemTemps"- wird aus Konstan­tinopel inbetreff der Haltung Frankreichs und Ruß­lands in dem englisch-türkischen Konflikt gemeldet. Es er- olgte feine kombinierte Attro n im diplomatischen Sinne dieses Wortes. Doch erklärte der französische Bot- chafter Constans dem Großvezir, daß Frankreich der Pforte )cit Rat erteile, die englischen Forderungen anzunehmen. Constans wird dasselbe dem Sultan bei seiner nächsten Audienz wiederholen. Der russische Botschafter Sinowjew erhielt den Auftrag, einen gleichen Schrill zu unternehmen. Doch wird derselbe vielleicht infolge der Ministerkrisis in Petersburg ein wenig verzögert werden. In einem Leit­artikel über den englisch-türkischen Zwist sagt derTemps", anknüpsend an die vorstehende Depesche: Ohne in die un­liebsamen Uebcrtreibungen gewisser Blätter zu verfallen, welche schon von einem neuen Dreibund sprechen, darf man immerhin hervorheben, daß dieses Einvernehmen für die weitere Folge der türkischen Angelegenheiten ein inter­essanter Fingerzeig ist. Welche Zukunst immer dieser Kom­bination auch beschützen sein mag, man muß sich zu diesem ersten Versuch, sowie auch zu der ruhigen und höflichen Form beglückwünschen, in welcher ein Zwischenfall geregelt wird, der sonst zu ernsten Verwicklungen hätte Anlaß geben tonnen. . , ... y

Malta, 5. Mai. Das TransportschiffHil­mar a", dessen Eintreffen stündlich erwartet wird, wird zurückgehalten werden, um ein Bataillon des Mor­re st er Regiments nach Alexandrien zu bringen.

Port Said, 5. Mai. iReuter.) Der KreuzerMi­nerva", welcl-er nach El Arisch gegangen war, um Unter­suchungen über die Wegnahme von Grenzzeichen und Tele­graphenstangen an der egyptischen Grenze anzustellen, ist nach dem Piräus weitergegangen.

Ausland.

Amsterdam, 5. Mai. Wie verlautet, soll die Königin einem fronen Ereignisse entgegen sehen.

Prag, 5. Mai. Tas Exekutivkomitee der Iungtl checken beschloß in seiner heutigen Sitzung eine Resolution, in welcher erklärt wird, für die gegenwärtige Regierung könne ,o- lange kein Vertrauen vorhanden sein, als die Regierung den Tsclst-cken gegenüber nicht durch Taten absolute Gerechtigkeit: beweisen werde. x .

Tanger, 5. Mai. TorreS el Mokrr de,uchte heute den italienischen Gesandten Malmuer und teilte ihm mit, daß der Sultan von der Absicht Malmusis, seine Residenz zu besuchen, Kenntnis genommen habe. In kurzem würde eine große Eskorte Fe; verlassen, nm ibn zu begleiten. Torres el Mokri reift am ^Rontag nach Fez. Ter Stadtausrufer gab der Bevölkerung bekannt, daß während der bevorstehenden freier* tage Waffen in der Stadt nickt getragen werden dürfen. Unter den Mohamüxmern herrscht einige Erregung.

Washington, 5. Mai. Tie chinesische Regierung^ gab bekannt, daß sie die v ä se n der M an ds ch ur e i und die stabte im Innern erst öffnen werde, nachdem die Bestimmungen für die Verwaltung der fremdländischen .Kolonien, die dort gc^ gründet rverden iollim. getrosten icin würden.

AuL Darmstadt erh-ülten wir noch folgende ergänzende , Mitteilungen über die Stichwahl:

R. B. Darmstadt, 5. Mast Das gestrige Ergebnis der Reichstagssti chwahl im Wahlkreis Darmstadst-Eroß-öie rau hat, obgleich ja in den nüchtern denkenden Kreisen nacO der Wahl­parole der sog. Vereinigten Liberalen das Ende vorausgesthen . werden bannte, doch eine allgemeine Erregung in der Stadt hervvrgerufen. Schon in den Vormittagsstunden durchzogen zahl-1 reiche Flugblattverteiler die Stadt nach allen Richtungen und verteilten Flugblätter derVereinigten Liberalen" mit bereit Unterschrift, worin der Kandidat Dr. Stein als derschleppen- rräger der Reaktion" bezeichnet wurde. Zum Schluß werden atteentschieden liberalen Wähler zum Kampfe gegen die Reaktion" aufgefordert.. Diese Flugblätter wurden vielfach auch mit Stimmzetteln für den sozialdemokratischen Kandidaten Berthold verteilt. Wie schon früher, wurde auch diesmal wieder viel sozialdemokratischer Wahlunfug getrieben und u. a. ein angeblicher nationalliberaler Stimmzettelverteiler als verkappter Sozialdemokrat entlarvt. Zur Entgegennahme des.Wahlreiultats batten sich die bürgerlichen Parteien in der großen Turnhalle bce Turngemeinde am Woogsplatz versammelt, die oölltg über­füllt war, und die Versammlung folgte mit größter Lpannung der Verkündung der einzelnen Wahlergebnisse. Tie großen Stimmvermehruiigen für Dr. Stein, so in Groß-Gerau von -07 auf 418, in Eberstadt von 240 auf 439, m Bischofsheim von 123 auf 289, in Rüsselsheim von 114 auf 275, in Königstadten von 32 auf 112 uslo. wurden mit stürmischem Applaus begrüßt, frn Darmstadt wurde der sozialdemokratische Kandidat von Dr. Stein um ca. 1550 Stimmen überholt (7702:6159) während die Differenz bei der Hauptwahl nur 230 Stimmen betrug. Tr..totem blieb bis fast zum Schluß relativ in der Mehrheit, die sich allerdings allmählich mehr und mehr verminderte Gegen ' ,10 Ufa, als das Gesamtergebnis bis auf wenig Orttchaften vor lag, stellte Rechtsanwalt Tr. Osann II. fest, daß für Tr. etem 15 139 und für Berthold 14 990 Stimmen gezählt seien. Ta aber noch überwiegend sozialdemokratische Orte, Griesheim und Kelster­bach aiisständen, sei die Wahl des Sozialdemokraten Ucker. (In Griesheim erhöhte sich die Zahl der Stimmen für Tr. vstem von 120 auf 279, die für Berthold von >19 auf 8,0.- -^r. Osann II. gab seinem aufrichtigen Bedauern für das Wahlergebnis Ausdruck, das der von den Vereinigten Liberalen herbeigesührten Uneinigkeit in der bürgerlichen Wählerschaft zudanken sei. Andernfalls wäre diesmal mit mehreren Tausend stimmen £>er Sieg über die Sozialdemokratie erreicht worden. Die Schuld trage nicht die nationallib. Partei, sondern die des- Pfrs. Korett (Pfuirufe der auch der unerhörten Parole an feine Wähler§ur die Sozialdemokratie" mit keinem Worte widersprochen habe toeme Ausgabe als evangelischer Geistlicher wäre es gewesen, den frieden in den bürgerlichen Parteien herbeizufuhren und als vuler für Tlnon und Altar einzutreten, anstatt, wie gefchehen, vatz und Zwietracht zu verbreiten. (Lebh. Beifall.) Tie Handlungs­weise ber Partei, die es verstand, m wenig Tagen fo il-re Gc-' finnung zu wechseln, werde in der Bevölkerung nie 0eigenen werden. Erfreulich sei dagegen. Daß der weitaus grüßte 4,ed ber Üorell Wähler der Wahlparole kerne Folge leistete. Rach herzlichem Dank an alle Mithelfer im Wahlkampf schloß die Ver- sanimliing mit einem dreifachen, »och am Kay er, Großherzog und Vaterland: auch Herrn Tr. Stein wurde für ferne Tatrgkert im Dienste der vaterländischen Sache herzlicher Dank dargebracht.

Weiter wird uns heute aus Darmstadt telegraphisch ge­meldet. Bei der Reichstags-Stickwahl im Meye Darmstadt-Groß- gerav. sind, wie sich immer mehr herausstellt, zahlreiche Unregelmäßigkeiten vorgekommeu, und nicht mvcxn der Stadt, sondern auch aus dein Land, ^-o wurden von den toozral- demotraten, sowohl in Darmstadt wie m Groß-Gerau und anderen Orten, falsche Stimmzettel mit dem Namen -r. h e o bald steril (anstatt Theodor ausgegeben, die natürlich ungrlttg waren. Auch sind verschiedene Fälle bekannt geworden, nt denen sur bereits Verstorbene Wahlzettel abgegeben wurden. Dter wurde also direkter Betrug vvrliegen. Ferner nnd die Wahllisten sehr ungenau ausgestellt gewesen, fodaß eine Anzahl Wahl­berechtigter nicht mit ausgenommen war, wahrend andererseits auch Ausländer darin enthalten waren. Unter diesen Umstanden bürfic eine Anfechtung der Stickvvahl wohl nicht ohne Erfolg bleiben können. __-

Tic Arbeitcrausständc und Unruhen in Frankreich.

Paris, 6. Mai. Ter Leiter des hiesigen Politischen Bureaus des Herzogs von Orleans, Bcziue, erllärte, die Behauptung der regierungsftcundlichen Blätter, nach der die Vertreter des Herzogs von Orleans den Auftrag bekommen hätten, in die Str e ikbemegung ein zu­greifen, sei unrichtig und ein verleumderisches Wühl-- manöver. Die gestern oorgenommenen Ha ns durch- su chungen betrafen die Royalisten Baron Lagrange und de Lorrn ais. Die Durchsuchungen hatten teiner-* lLe i Ergebnisse. Der General de Taradel, bei welchem wegen Komplottverdachtcö eine Hausdurchsuchung vorge­nommen worden war, teilte dem Staatsanwalt von Dra» guinnan mit, er werbe wegen der Beschlagnahme von Schrift, stücken, die in keiner Weise die Sicherheit des Staates üiteressieren konnten, dagegen einen großen persönlichen Wert hotteen, einen Sckfadenersatzanspruch gegen ihn an» strengen.

Paris, 6. Mai. Die vor einigen Tagen verhafteten Sekretäre derConfedöration Generale du Travail", Gris« fu lhues und Levy, wurden heute nachmittag einsd* weilen aus der Haft entlassen, ebenso der in die sogenannte Komplottangelegenyett verwickelte Anarchist Lavier freuib- laut.

In Montpelier tarn es gestern abend nach einer Volksversammlung zwchsch<en Ausständigen und Katho­liken zu einem Krawall. Die Ausständigen bewarfen die 5tatholiteen mit allerlei Gegenständen, während diese Revolver abfeuerten. Ein junger DIann wurde durch einen Steinwurf lebensgeejährlich verletzt.

Lens ,5. Mai. Die Zahl d er feiernden Ar­beiter beträgt jetzt nur noch 11572, einschließlich derer, die wegen des unsicheren Zustandes der Stollen die Arbeit nicht aufnehmen und erst nach Maßgabe der Wiederher­stellung derselben wieder beschäftigt werden können. Die Zurückziehung der Truppen aus dem Ausstandsgebiete nimmt am nächsten Montag oder Dienstag iljaren Anfang.

Die Eröffnung des Reichsrates und der Duma findet am 10. Mai nachmittags 1 Uhr im Georgs t^rons aal des Winterpalais statt. Zu ber Feier sind die Mitglieder des Reichs-