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7.2.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 32

Orlftetnt tLaltch aiiBft Sonn lag».

Dem Gießener Anzeiger werden im Wecble! mit dem Kesflschen Landwirt die Siebener Familien, blätter viermal tn der Woche beiqcleflL

Rotanonsdruck u. Ver­lag der B r ü d l'fchen Un iveri.'Buch-u. Stern- bruckeret. R. Longe. Redaktion, Ervedilion und Trurferet:

Schulstrabe 7.

Redaktion 113

Verlag u.Exped.e^öl Adresse für Deoeschen:

«uzeiger Gießen.

Erstes Blatt

156. Jahrgang

Mittwoch 7. Februar 1906

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Wlvilvllvl 44

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen

vezugspretSr monatlich75P'., viertel- jährlich Dik. 2.20; durch Abbolc- il. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Alk. 2. otertel« jährl. ausschl. Bestellst. Annahme von Anzeige» für die Tageslimimier bis vormittags 10 Uhr. Zeilenvrels: lokal 12Pf^ ailStvärts 20 Plst.

Verantwortlich für den volit. und allstem, Teil: P. Wittko: für .Stadt und Land^ und .Gertchtssaaf: Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanS Deck.

Pie Üeutiqe Nummer umfaßt 10 Seiten.

Marokko.

Die offiziöse Pariser Aaence Havas schreibt heute ein längeres Communiqus über oie Konferenz in Algeciras, dem wir folgendes entnehmen:

Die M a ro kka ner zeigen sich entschieden un zu fri e d en. Die Konferenz hat ifrre Vorschläge zumeist abgelehnt, namentlich tveigert sie sich, die Eingänge ans den vvracshlagenen Zuschlngs- bnndcrtsteln der Zölle in die sckzerifische Kasse fließen zu lassen. Als die Marokkaner sich auf Anstiften Deutschlands zur Ein­berufung der Konferenz bereit erklärten, waren sie überzeugt, die Konferenz werde sofort den scherifischen Staatsschatz füllen. Die Mächte »vollen allerdings Reformen bezüglich des Schatzes vorbereiten, indem sse dessen Einnahmen vermehren, aber sie wollen hinsichtlich aller Punkte, daß diese Zunahme nützlich und zweckmäßig verwendet werbe, und sind überzeugt, daß daS nach Fez geschickte Geld ohne Nutzen für die Marokkaner hrie für die Europäer verloren wäre. Diese Sorge der Delegierten, nicht allein Geldquellen aussindig zu machen, sondern auch eine nutzbringende Verwendung für alle zu sichern, scheint die Ma- rollaner tief zu verletzen, die nicht aufhören zu versichern, der Sultan wolle ebenso wie die Europäer die Reformen ins Werk setzen und beabsichtige aufrichtig, sie durck;zuführen. Die Kvn- fcrem schafft gegenwärtig in einem Stück eine Art marokkanisches Grundgesetz, das ein vollständiges T-enkmal der Reformen sein und für jetzt und namentlich für die Zukunst die Grundlage aller Verbesserungen bilden nnrd, die die Umstände fortschreitend in Marokko einzuführen gestatten werden.

Inzwischen fährt ein Teil der italienischenPresse in den Hetzereien gegen Deutschland fort. So behauptet die römischeTribuna", zu ihrem Korrespondenten habe sich ein französischer Delegierter geäußert, Frankreich sei das Spiel müde und beginne sich mit dem Gedanken eines Bruches vertraut zu machen________________________

Arcußisches Abgeordnetenhaus.

Berlin, 6. Februar.

Abg. Goldschmidt (fr. Vp.) polemisiert gegen das preu­ßische .Wahlrecht, das unser Vaterland vor der ganzen Welt lächerlich mache. Sogar Rußland sei uns darin voraus. Redner bittet den Minister, einmal bei dieser Frage den Liberalismus zu zeigen, und kritisiert dann noch daS Verhalten des Ministers zur Berliner Eingemeindungssrage.

Präsident v. Kröcher ruft den 9lbg. Goldschmidt, der ge­sagt habe, unser Vaterland mache sich mit dem preußischen Wahlrecht vor der ganzen Welt lächerlich, zur Ordnung.

Abg. d e W i t t (Ztr.) frngt, vb eine Teilung derRhein- Provinz beabsichtigt sei und bittet um Gleichstellung der Poli­zeikommissare in der Provinz mit den Berliner Kommissaren.

Minister v. Bethmann-Hollweg bemerkt, daß weder ihm noch dem Staatsrninisterium von einer Teilung- der Re­gierung in der Provinz etwas bekannt sei.

Abg. Werner (Antss.) tritt für die Besserstellung der Standesbeamten ein.

Beim Käpi'.el , Polizeiverwaltung in Berlin mtb Umgegend" führt Abg. Münstetberglsr. Bp.) aus, daß die Prostü- tution noch immer große Mißstände zeitige. Dos jetzige System müsse beseitigt werden. Für ihn käme es nur auf soziale und Hygiene weiten an und er bedauere, daß religiöse Männer gewisse Literaturerstbeinungen wie z. B. dieMünchn. Jugend" be­kämpfen., Stöcker habe in Leipzig erklärt, die behördliche Kon­trolle sei zu verwerfen. So dächten auch viele Aerzte, andere toaeder verlangen gleiche Bestrasting für Männer und Frauen, wenn sie, wissentlich andere anstecken. Endlich werde scharfe Reglementierung verlangt. In England und Frankreich sei man längst davon abgekommen. Auch an eine Kvsenierung sei nicht zu denken. Fürsorgeerziehung Erlaß eines guten Wohnungs­gesetzes, Anstellung von Schulärzten müßten hier helfen. Mit Schlaairvrten lasse sich diese soziale Arbeit nicht lösen.

Minister v. Bethmann-tzollweg dankt dem Vorredner für seine Worte und will ihnen Folge geben,

Nutzland.

TieFrkf. Ztg." meldet aus Gotenburg (Schweden): Der Masseur Axel Roman, der seit Jahren den cu s s i s ch e n K a i s e r b e h a n d e l t, ist aus Zarskoje Selo hier eingetrosfen, um für die Unterbringung seiner Familie hier Vorkehrungen zu treffen, da er für Rußland schlimme Zeiten, insbesondere Hungersnotrevolten erwartet. Er deutet an, die Regierung werde vvr allem die Reichs­duma ersuchen, ihr bei der Ausnahme einer Zwangsanleche bei den russischen Klöstern behilflich zu sein. Er erzählt, der Kaiser sei über die Ereignisse tie f b etrü b t. Aber trotzdem lasse seine Gesundheit bisher nichts zu wünschen übrig. Nur klagt er öfters über Kopfweh, wahrscheinlich infolge eines Schlages, den er im Jahre 1891 während seiner Orientreise in Kobe (Japan) erhielt.

Tie Stadt Riga ist von Militär zerniert, die Bahn­höfe werden scharf bewacht, da politisch Kompromittierte zu fliehen suchen. Ter Arbeiterschaft und besonders der Delegierten hat sich eine ungeheure Erregung und Angst bemächtigt. Allgemeine Haussuchungen haben begonnen. Seit Samstag sind drei lettische Vereinshäuser nieder geb rannt. Zahlreiche Verhaftungen auch reicher und angesehener Bürger wurden vorgenommen, mehrere kriegsgerichtliche Todesurteile ausgesprochen. Räuberische Uebersälle, Mordtaten aus Rache, nächtliche Versuche, Ge­fangene zu befreien, dauern an. Trotzdem nimmt das Ge- schästslcben seinen regulären Fortgang. Ms am Abend des 5. Militär das Gebäude des lettischen Vereins Auseknis besetzte, um die Vereinsmitglieder nach Waffen zu durch­suchen, wurde das Licht zum Verlöschen gebracht. Es kam darauf zu unbeschreiblichen Szenen. Mehrere Letten wurden von Soldaten erstochen.

In Kiew verurteilte das Schwurgericht den 18jährigen Saslowsky, welcher einen Polizisten bedroht hatte, zum Tode durch den Strang.

In einem in einer Vorstadt von Odessa gelegenen Hause erfolgte die Explosion mehrerer Bomben, wodurch ein Stockwerk des Hauses zerstört und zwei Kin­der getötet sowie acht Personen schwe,r verl- letzt wurden. Ter Besitzer der Bomben, der gleichfalls!

schwer verletzt wurde, erklärte, et habe die Bomben bereit gehalten, um ein Attentat auf die Polizei zu ver­üben.

Tie Ersetzung des Generals Line witsch durch Grodekow soll wegen Differenzen des ersteren mit leiten­den Petersburger Kreisen veranlaßt worden sein. Linewitsch, welcher anfangs März in Petersburg eintreffen dürfte, wird zum Kommandierenden des Kaukasus ernannt werden.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Februar. Zu den Nachrichten über die Mittelmeerreise deS Kaisers erfährt die ,Tägl. Rund- schau^, daß der Kaiser lediglich die Absicht hat, im April nach Spanien zu gehen, und dabei einen spanischen Mittel­meerhafen anzulaufen. Dieser Besuch gilt als die Erwiderung des letzten Besuches des Königs Alfons und war bei dieser Gelegenheit bereits für den Monat April zttgesagt. Er steht mit den Hochzeitsfeierlichseiten in keinem Zusammenhang, da diese frühestens im Jltni stattfinden werden.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Dem Vernehmen nach erhalt den Posten des Gesandten in Hamburg Freiherr von Heyking, fern Nachfolger in Belgrad wird der der­zeitige Gesandte in Athen, Prinz Max von Ratibor, der seinerseits durch den bisherigen Gesandten in Tokio, Graf Arco ersetzt wird, der den Noten^Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub und der königlichen Krone erhielt. Für den neu zu errichtenden Poften deS Botschafters in Tokio ist der Gesandte in Peking, Freiherr Mumm o. Schwarzen­stein in Aussicht genommen, als dessen Nachfolger in Peking ist der Gesandte in Teheran, Graf Nex, bestimmt, den Ge­sandtenposten in Teheran wird der derzeitige Generalkonsul in Konstantinopel, Stemrich, erhalten.

Die Plenarversammlung des deutschen Landwiri­sch a ft SratS beschäftigte sich hettte mit der Frage der Erb­schaftssteuer. Die meisten Redner bekämpften den Enlwttrs mit scharfen Worten. Mit allen gegen 8 süddeutsche Stimmen wurde ein Beschluß gefaßt, welcher die Ablehnttng dieser Steuer-Vorlagen verlangt. Eoentualtvünsche für den Fall ihrer Annahme wurden verworfen.

Karlsrtthe, 6. Februar. Anläßlich der Finanzdebatte in der Zweiten badischen Kammer führte der sozial- demokr. Abgeordnete und zweite Vizepräsident Geck bezüglich der Prä sidentscha st § frage aus, die Sozialdemo­kratie werde sich in taktvoller Weise mit den Bestim­mungen der Geschäftsordnung abzufinden wissen, und auch er würde garnichtS besonderes darin fin­den, wenn in Baden einmal der Großherzog sich mit einem Sozialdemokraten unterhalten würde. Er werde im Präsidium seine Pflicht erfüllen und seine Ar- beit tun.____________________

Deutschsüdwcftasrika.

Im GesechtbciDochasaml9. Januar gefallen: Unteroffizier Karl Birsner, Reiter Wilhelm Heynen, von einem Kameraden, der ihn für einen Koffern hielt, erschossen. Reiter Franz Darmstadt, auf Krankensammel- stelle Romansdrift an Lungenschwindsucht gestorben.

Für Deutschsüdwestafrika werden derKönigsb. Allg. Ztg." zufolge in nächster Zeit noch ein oder mehrere Nachtrags-Etats dem Reichstag vvrgelegt werden, da die zuletzt bewilligten Mittel bereits er- schöpft seien. _________

Ausland.

Kopenhagen, 6. Febr. In der heutigen Sitzung des Folkething brachte Ministerpräsident Christensen einen Gcsetz- enhvnrf ein betreffend die Zivilliste König Fre- deriks VIII., die Apanage für den Kronprinzen Christian und das Nadelgeld und die Witwenrente für dieKronprinzessin Alexandrine. Es wird vorgeschlagen, die Apanage für den Kronpriuzen auf 120 000 Kronen jährlich und das Nadelgeld für die Kronprinzessin auf 11 200 Kronen jährlich festzusetzen. Im Falle des Todes deS Kronprinzen erhält die Witwe außer einer standesgemäßen Wohnung eine jährliche Witwenrente von 60 000 Kronen. Die Zivilliste des Königs soll unverändert auf eine Million Kronen fest­gesetzt bleiben. Auf die Zivilliste soll das Schloß Christians des IX. übertragen werden, sowie das Schloß Charlottenlund.

Btt dapest, 6. Febr. Das Geschworenengericht sprach den Journalisten FenyeS freu Er war der Majestäts-Beleidigung angeklagt, da er den König deS Eidbruches beschuldigt hatte, weil am 4. Januar 1905 der Reichstag im Ex lex-Zustande aufgelöst wurde. Die Geschworenen nahmen den Eidbruch als Tat- sache an!______ ____________________

Ans Siadt nud Land.

Gießen, 7. Februar 1906.

Ordens Verleihung. S. K. H. der Groß Herzog haben dem Ortsgerichtsvorsteher uno Standesbeamten David Repp JI. in Betzenrod das Silberne Kreuz des Verdienst- ordeus Philipps des Großmütigen verliehen.

**Jn den Ruhestand versetzt wurde der Großh. Bahnmeister Gotthold Sommer zu Dieburg.

* Im Ortsgewerbeoer ein fand gestern abend eine Besprechung über die eventuelle Beteiligung der Gießener bezw. oberhessischen Gewerbetreibenden an der im Jahre 1907 unter dem Protektorat des Grobherzogs in Darmstadt ge­planten .hessischen Landesausstellung für freie und

angewandte Kunst statt. Es wurde mitgeteilt, daß eine Anzahl hiesiger Gewerbetreibender bereits die Absicht ouS* gesprochen hätten, die Ausstellung ztt beschicken, und es wird beabsichtigt, die Beteiligung weiterer Firmen anzuregen, damit das heimische Handwerk und Kunstgewerbe auf der Landes ausstellunq möalichst umfassend vertreten werden wird.

* Zum Ministerwechsel in Hessen. Wie uns! ein alter hier wohnender Herr aus Großen-Busecy mitteilt, war der Großvater des ncucmanntcit Präsidenten! Br au» dort Pfarrer. Tie Angabe derWorms. Ztg.", daß Braun in Gießen Rechtsanwalt gewesen sei, ist nicht richtig, er war vielmehr als Assessor auf dem Bureau des jetzigen Justizrates Tr. Entfleisch tätig. Sowohl der neue Staatsminister, wie Präsident Braun siiid verheiratet, ersterer mit einer Tochter des verstorbenen Geh. Korn.-Rats Fritz Valckenberg in Worms. Einer seiner Vorfahren, Stadt­pfarrer Joh. Ludwig Ewald in Offenbach, war ein Jugend­freund Goethes. Ministerialpräsidcnt Braun ist mit einer Tochter des schlesischen Gutsbesitzers Menk verheiratet uni> besitzt 4 Kinder, 3 Töchter imd einen Sohn. Ms Kuriosum sei noch mitgeteilt, daß das Depeschenbureau Herold gestern aus Darmstadt mitteilte, die Großherzogin von Hessen habe den Justizminister Ewa.d unter Belassung in seiner Stelle zum Staatsministcr und den Ministerialrat Ernst Braun zum Präsidenten des Ministeriums des Innern er­nannt.

** Die Generalversammlung der Allge­meinen Sterbekasse zu Gießen am Montag abend war zahlreich besucht. Der Mitrag des Vorstandes: Auf­lösung der Kasse, durch den Vorsitzenden eingehend begründet, fand c i n st i m m i g e A n n a h m e. In der nun, folgenden außerordentlichen Generalversammlung wurdq dieser Beschluß mit derselben Mehrheit bestätigt, und alS Termin der Auslösung der 1. März d. I. bestimmt. Dem Verein für Sterbeunterstütznng zu Gie ßen, gegr. 19 06" wird das Vermögen des Vereins überwiesen und der Beitritt zu diesem Verein für alle Mitglieder 6e*t schloffen, sodaß nach dem 1. März 1906 cintretende Sterbe/ fälle nach den Satzungen diests Vereins erledigt werden.

Verhaftet. Der von der Kgl. Staatsanwaltschaft Frankfurt a. M. wegcu Einbruchs dicb sta hls steckbrieflich verfolgte Hausbursche Robert Liller aus Homburg v. d. H^ wurde heute morgen hier verhaftet.

Betrug. Im Januar l. I?. werden in einem hie-^ ssgen Geschäft eine Partie Weißwaren im Werte von 31 Mk. ausgeschwindelt. Gestern wurde die Betrügerin in der Person des Dienstmädchens Luise Vogel aus Volkardinghausen fest- gestellt. Die erschwindelten Waren fanden sich noch in ihrenj Besitz vor und wurden beschlagnahmt.

Wegen Trunkenheit und Ruhestörung mußte gestern mittag ein Arbeiter von hier festgenommen werden, ebenso eine fremde Frauensperson.

- Hessisch-Thüringische StaaiSlotterie. Am, heutigen zweiten Ziebungstage der 3. Klasse der 7. Lotteris fiel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 80276 (nach Eisenachs ein Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 28358, ein Gewinn von 400 Mk. auf Nr. 18912, Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 817 34575 64452 76001 81051 86870, ein Gewinn von 150 Mk. auf Nr. 8820. (Ohne Gewähr.)

Zur Hebung der Pferdezucht in Ober­hessen hat sich bekanntlich in Alsfeld eine Hengst-t Haltungs-Genossenschaft gegründet. Dieser Tage fant> in Alsfeld eine Versammlung statt, in der Kreistierarzt $)tj Hofmann .Winke für den Pferdezüchter^ gab. Tann wurde die Errichtung einer Fohlenweide im Kreise AlLfeld in Aussicht genommen.

Grünberg, 6. Febr. Heute feierte unser ältester Mit-, bürget Rentner Gil ler feinen 9 0. Ge burtstag. Ter Hochbetagte erfreut sich einer staunenswerten körperlichen, und geistigen Frische, die ihn bcfäh-igt, dem Amt einest Vorsihendcn des Aussichtsrates des Vorschußvereins, baS er feit einer langen Reihe von Jabren versieht, bis zum heutigen Tage vvrzustehen. Vorstand und Aufsichtsrat des Vorschußvereins überbrachten ihm heute morgen die Glück­wünsche des Vereins und ehrten ihn durch Ueberreichung eines Geschenkes. Ebenso war glückwünsck-end erschienen der Kirchenvorstand, dem er seit langen Jahren als Mitglied angehört.

R. B. Darrnsta dt, 6. Febr. Die Konflikts- bewegung zwischen Rektorat und Studentenschaft an der hiesigen Technischen Hochschule nimmt immer größeren Umfang an. Für hettte Nachmittag war im Orpheum eine von ca. 700 Studenten bestichte allgerueine Versanttulung ein­berufen, die attsschließlich den Zweck verfolgte, zu den Aeuße- rungen des Rektors Geh. Baurat Prof. Gutermuth, be­züglich der katholischen Verbindungen Stellung zu nehmen. Der Rektor hatte schon am Vormittag einige AuSschuß- mitglieder empfangen und ihnen eine schriftliche Erklärung übergeben, die ähnlich der auf dem 8.-6.-KommerS von ihm abgegebenen lautete. In der vom Vorsitzenden in der Ver­sammlung zur Verlesung gebrachten Erklärung versichert der Rektor, er habe nur beruhigend und vermittelnd auf die Studentenschaft einwirken wollen, jeder Eingriff in die Rechte der Studentenschaft habe ihm vollständig fern gelegen. Er bestreitet, in der Frage der konfessionellen Verbindungen eine Kampscsstellung zu Gunsten der letzteren eingcnonnnen zu haben. Seine Ausführungen seien von der Presse entstellt wiedergegeben worden. Ta er auch weitere Verunglimpfungen in der Presse befürchten müsse (!!!) begnüge er sich mit dieser Erklärung und bleibe der Versammlung fern. Die Erklärung schließt mit dem Wunsche, daß mit dieser Aussprache dev