Nr. 28« Drittes Blatt
1S6. Jahrgang
Mittwoch 5. Dezember 1906
Erscheint Oßlich mit AuSnabrn« bei Sonntags.
Die »Siebener Fa»1NenviS1ter- werden dem ,Hnncifler viermal wöchentlich betgelegt Der »Hejftsche toiöwlrt** erscheint monailid) einmal.
Gietzener Anzeiger
Rotationsdruck tmb Berlog bet 8c6 6^ 14W UntDcrfitdtSbmcfcreL 5L Sange,
Redaktion, Txvedttion a Druckerei: Bdniffk 1, Tel. Nr. 6L Lelegr^Adr. r ttryelga Hieße»,
General-Anzeiger, Amts- und AnzeigeblatL für den Kreis Gießen.
Liu Gietzener auf der Annener UnglüüSftätte.
Ein geborener Gießener und Abonnent des Gieß. Anz. in Oelde i. W. hat am Sonntag die Stätte des fürchterlichen Unglücks von Annen besucht und schreibt uns von dort folgende-:
-tr Annen, den 2. Dezember.
Ich fuhr heute nach Annen und konnte schon unterwegs fest- stellen, daß der Verkehr auf jeder Station großer wurde, je mehr sich der Zug der unglücklichen Stadt näherte. In Dortmund wurde außer den fahrplanmäßigen Öligen alle halbe Stunde ein Extrazug abgelassen; aber trotzdem war es der Bahnoerwaltung nicht mög- lich, den Verkehr zu bewältigen; mehr wie die Hälfte der Reifenden mußte zurückbleiben und auf den nächsten Zug warten, in der Hoffnung, dann ein bescheidenes Plätzchen mit Ausbietung aller Kräste zu erhalten. Damen war eS überhaupt nicht möglich, in ein Rupee zu kommen. Auf der Station Barop warteten Unzählige auf jeden Zug, aber es war ausgeschlossen, daß auch nur eine Person noch hätte Platz bekommen können. Am Bahnhof Annen- Nord sah rch eme Anzahl Gendarmen, welche nur mit größter Mühe die Ordnung aufrecht erhalten konnten.
Hier bringt jeder Zug aus allen Richtungen Tausende, welche direkt nach der Unglücksstätte wandern — die Fabrik lag nämlich en. eine halbe Stunde vom Bahnhof Annen-Rord entfernt, in der Nähe von Witten.
In der Stadt Annen sah man heute noch überall ganze Hausen von GlaSsplinern, Dachziegeln rc. auf der Straße liegen; überall sind Glafer, Dachdecker und Schreiner usw. an der Arbeit und viele Häuser sind zum Teil wieder repariert, die meisten Fenster- scheiben allerduigs noch mit Brettern und Pappdeckel re. notdürftig ersetzt. Em merkwürdiges Straßenbild l Rinder sieht man überall aus den Straßen, zum Teil nut verbundenen Röpsen und Händeii, um Almosen bittend. Ein Hilfskomitee hat an den Hauptstraßen Schilderhäuschen aufgeslellt, In denen Geldgeschenke für die Unglücklichen in Empfang genommen werden. Ter Oberbürgermeister von Witten hat eine Volksküche eingerichtet, in welcher denjenigen Familien, welche den Haushalt wegen Zerstörung des ganzen Hausgeräte- rc. nicht weiterführen können, gegen Bescheinigung unentgeltlich Speisen verabreicht werden.
Eme nach Hundertlausenden zählende Menge wandert stillschweigend von Aniien nach Witten zurück, weil man von^hier oben das Trümnierfeld, welches im Tale liegt, am besten übersehen kann. Ueberall sind Schutzleute und Gendarmen zu Fuß und zu Pferde stationiert, um Federt, welcher sich der Unglücks- stätte nähern will, zurückzuweisen.
Von der Roburitsabrik sind nur noch einige Grundmauern stehen geblieben, alles Andere ist wie vom Erdboden verschwunden, einige Feuerwehrleute halten noch Wache, sonst ist dort kein Mensch
Tie ganz in der Nähe liegende Ziegelei ist ebenfalls sehr stark beschädigt, und alle Gebäude ihrer Dächer vollständig beraubt. Einige Wohnhäuser, welche emzusturzeu drohen, werden polizeilich bewacht und dürfen nicht betreten werden, andere, welche von außen nicht so sehr mitgenommen zu sein scheinen, zeigen im Innern ein unbeschreibliches Bild der Verwüstung; hier sind Wände teilweise, ja manche sogar ganz eingestürzt, Türen unb andere zerbrochene Gegenstände liegen massenhaft mit Backsteinen und Mörtel rc. in den Zimmern. In vielen Geschäftshäilfern sind die Laden- einrichlungen vollständig zertrümmert und der Betrieb kann heute nur in sehr primitiver Weise erfolgen.
Aus dem Felde sieht man hier und dort noch Teile von Kleidungsstücken, Hüten usw. liegen.
Infolge des ganz enormen Verkehrs aut der Straße machen die Wirtschasten, welche den Betrieb noch notdürftig ausrecht erhalten können, ein sehr gutes Geschäft. Dasselbe ist auch bei den Papierhandlungen der Fall, denn dort konnte man heute die neuesten Ansichten bekommen von der Unglücksstätte, das Stück zu 26 Pfg., und dieselben wurden massenhaft gekauft.
Daß die furchtbaren Annener Detonationen in unserer Provinz tatsächlich wahrgenommen wurden, beweist eine recht stattliche Anzahl von Zuschriften aus den verschiedensten ober- hessischen Orten, von denen wir zunächst die ausführlichste wiedergeben. Sie kam uns vom Hofgut Merlau zu und lautet:
" Ihr Herr Berichterstatter auS Ulrichstein hat zweifUlos Recht, Wenn er die am 28. Mvember abends vernommene Detonation mit der Explosion in Annen in Verbindung bringt Auch hier in Merlau sowie in Wettsaasen und jedenfalls auch in anderen Ortschaften der Umgebung ist nämlich die Detonation an jenem Abend von vielen Personen wahrgenommen worden; auffallend ist hierbei, daß in U l r r ch st e i n anscheinend nur die erste Explosion um LVs Uhr gehört wurde, wahrend hier nur die zweite Explosion um 9 Uhr 2d Mw. vernehmbar war; die zweite Explosion soll nach den Berichten die stärkere gewesen sein. Ich saß an jenem Abend mit meiner Familie am Tisch, in die Zeitung vertieft, als wir plötzlich um die angegebene Zeit durch einen dumpfen Schlag aufgeschreckt wurden, dessen Ursache wir nicht feststellen konnten; die gleiche Beobachtung wurde zu gleicher Zeit in vielen hiesigen Häusern gemacht Als ich andern Tages den Bericht von dem in Annen staltgehabten Unglück laS, brachte ich die am Abend vorher ver- iwmmene Detonation trotz der großen Entfernung ebenfalls damit in Verbindung und wurde in meiner Vermutung durch die früher einmal erhaltene Mitteilung einer einwandfreien Persönlichkeit bestärkt, welche seinerzeit an einem ruhigen Septemberabend auf dem Lande 1870 den Donner der schweren Belagerungsgeschütze vor Straßburg deutlich vernommen hatte; nun ergab aber eme Messung aut der Landtarte, ba& die bei Straßburg in Betracht kommende Entfernung noch etwas größer ist, als diejenige von hier bis Dortmund! Ein Einwohner von Wettsaasen, den ich andern Tags sprach, hat die Dewnation auf dem Heimweg von Merlau nach Wettsaaten auf freiem Felde um dieselbe Zeit, 9Y- Uhr, und zwar als mehrere kurz aufeinander folgende dumpfe Schläge vernommen, und wurde *u Hause von seiner Frau mit den Worten empfangen, ob es denn gedonnert habe. Der Wind an jenem Abend wehte aus Äesten welchem Umstande es wohl allein zuzuschreiben fein dürfte ' daß die Dewnation auf so enorme Entfernung iwch aebört wurde. Daß in Gießen nichts derartiges gehört wurde, ist erllärlich, weil in einer größeren Stadt wie Gießen abends noch viel Leben und Verkehr auf Straßen und Plätzen herrscht, während bei unS auf dem Lande um fragliche Abendstunde und Jahreszeit für gewöhnlich schon völlige Ruhe emgetreten ist, so dah Vorfälle, wie der geschilderte, nicht so leicht dem Gehör ^^AHnlicke Zuschriften erhielten rmr ans Gründ erg, Lauterbach, Alsfeld, Schlitz, Grebenhain, B o b e n h a u se n u. v. a. O. Herr Stadtpfarrer Hotz in Schlitz schreibt uns folgendes: .
Betreffs der in Ulrichstein gehörten Detonation teile ich Ihnen mit, daß sie in Schlitz vonvieleuLeuten, auch in unterem Pfarrhaus, ebenso in Bernshausen bei Schlitz und in Grebenau ein donner ähnliches Ro llen vern omni e n wurde (Mittwoch abend zwischen 8 und 9 Uhr). Alle Leute, die ick hierüber befragte, hatten die Empfindung, als tarne ffrjTfivjf.'ruua von ärbbeben her. Eine Gr«be»suer Frau
erzählte iu der Schützer Apotheke, daß sie auf der Straße gewesen sei unb gegen 1'29 Uhr einen windstoßähnlichen Luftdruck empfunden habe. In vielen Häusern, auch bei unS, wurden die Wohnungen abgesucht, um das gehörte Geräusch zu ergründen. Offenbar mutz dieses Geräusch doch mit dem Annener Unglück in Verbindung stehen.
Wir können uiimöglid) die große Zahl von Zuschriften hier zum Abdruck bringen und nur einiges aus ihnen wiedergeben. In Köddingen wurde die zweite Explosion zwischen 9 und 10 Uhr deutlich gehört. In Sellnrod ist sogar eine Erschütterung in den Häusern verspürt worden. Manche haben es für entferntes Gewitter gehalten, andere für Erdbeben. Selbst am südlichen Abhänge des Vogelsbergs, also trotz der erheblichen Höhen des Sa uerlandes, des Westerwaldes und R 0 t h a a r - gebirges, die außer dem Vogelsbergs das südliche Ober- Hessen vom Dortmunder Gebiete trennen, hat man Erschütterungen verspürt. So hat in Crai nfeld eine Haustürschelle sich hören lassen. In Grebenhain sind viele Leute in ihre Ställe gegangen, weil sie glaubten, es habe sich Vieh losgerissen. Ein Herr, der Humor hat, schreibt uns aus Grebenhain wörtlich:
Meine Fran war zu Besuch in dem Hause des Hrch. R., und da haben sie geglaubt, die Dickwurz im Keller sei herunter gekollert. Ein Bauer hier ging in seine Scheuer und glaubte, das Gerüst sei herunter gebrochen, wieder ein anderer ist mit der Laterne zum Speicher gegangen und hat geglaubt, der Schornstein sei eingebrochen. Ein Schwerhöriger sitzt gerade an dem Ort der stillen Betrachtungen, und wie es den Krach tut, springt er zu seiner Mutter, unb sagt: „Mutter, eben ist unser Schwein verreckt, ich habe es an der Tür herunter fallen hören." Wie sie in den Schweinestall leuchten, war dem aber nicht so!
Diese SÄweinestall-Komödie ist ja wohl die einzige lustige Folge oes schrecklichen Annener Unglücks.
Vielleicht aber ergreift nun auch ein Geologe das Wort zu dieser seltsamen Erscheinung der Uebertragung Von Geräuschen über Gebirge hin.
Au» StaM und £and.
Gießen, den 5. Dezember 1906.
♦* D i e allgemeine Bau-Ordnung für das Großherzogtum Hessen. Der vierte Teil dieser Gesetzes-Materie, bearbeitet von Dr. Gl äs sing, Bürgermeister zu Darmstadt, ist soeben als Fortsetzung zu der im Verlag von I. Di em er in Mainz erschienenen Psaff'schen Sammlung von dem gleichen Verlag verausgabt worden. Das Werk enthält die A end er ungen der Ausführungs-Verordnungs die seit 18 95 erlaßenen Nachträge und Ergänzungen der Ortsbaustatuten, Bau-Polizeiverordnungen und baupolizeilichen Erlasse mit einem ausführlichen Sachregister. Die lokale Baugesetzgebung hat seit dem Erjcheinen des dritten Teiles in diesem Jahrzehnt eine äußerst produktive Tätigkeit entfaltet, es sind Amtsblätter und Ausschreiben von besonderer Bedeutung ergangen, die in der vorliegenden Bearbeitung eingehend erläutert sind, wie auch die inzwischen erlassenen neuen Aenderungen des Reichsrechts entsprechend ausgenommen wurden. Die Herausgabe dieses Bandes erfolgte durch Ueberlasiung des Materials unter freundlicher Unterstützung des Großh. Ministeriums des Innern, des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Bauwesen, und der Großh. StreiSämtcr. Der Preis des Buches von Mk. 6.— ist dem Umfange des Buches von 650 Seiten gegenüber als niedrig anzusehen. Jedem Interessenten des Baugewerbes dürste diese Zusammenstellung von Nutzen sein.
** Nationalliberaler Verein. Die diesjährige Generalversammlung findet heute Abend in der Restauration „Zum Andres" statt. Die Tagesordnung enthält neben allgemeinen Punkten Referate über den GoS- larer Parteitag und die Darmstädter Protestoersammlung. (S. Annonce.)
** Der volkstümliche Hausmusik-Abend des Evangel. Arbeitervereins am Sonntag abend war stark besucht. Die Darbietungen bestanden in allgemein verständlichen und durch Begleitworte von Dirigent Gernhardt erklärten Werken der Musik. Zur Ausführung hatte man diesmal außer Violine, Klavier, Flöte, Mandoline undVioloncell noch das Harmonium herangezogen. Der Versiich, Beweis zu liefern, daß man mit einfachen Mitteln im Nahmen volkstümlicher Hausmusik minderwertiger Musikware wirksame Konkurrenz zu bieten vermag, darf, wie noch dem vorjährigen, so auch nach diesem HauSmusik-Abend als wohlgelungen bezeichnet werden. Eine Reihe Vorträge löste sogar starke Beifallskundgebungen aus, trotzdem nach der Gewohnheit des Vorjahrs gebeten war, nicht zu applaudieren. Neu waren (auch daS gewiß für weitere Kreise) die Werke für Klavier (Rentamtmann Schäfer) und Harmonium (Musiklehrer Gernhardt), die trotz des etwas einfachen Harmoniums (ein besseres Instrument hätte hier gewiß recht dankbar gewirkt) wunderschöne Klangzusammenstellungen boten. Von den übrigen Vorträgen seien noch hervorgehoben „Morgengebet" von Tschaikowsky, die äußerst flott gespielte Ouvertüre zu „Kalif von Bagdad" (für Klavier vierhändig) u. a. m. Möge die von den Veranstaltern auSgestreute Saat der Pflege guter Musik auch im bescheidensten Nahmen, reiche Früchte tragen und sich dadurch die Bemühungen der musikalischen Freunde des Eo. Arbeitervereins bestens belohnen. Besonderer Tank gebührt dem Musiklehrer Gernhardt für die feinsinnige Zusammenstellung des Programms, sowie für die vorzügliche Durchführung.
** Preissteigerung. Ein am 2. d. M. im Hotel Großherzog m Gießen tagende, vom Streife III des Deutjchen Buchdrucker-Vereins einberufene Allgemeine Versammlung der Zeitungs- oerleger emittiere Gruppe, um'assend Oberhessen, Reg.-Bez. Wiesbaden, den südlichen Teil des Reg.-Bez. Kassel sowie die Reg.-Bez. Koblenz die «Stabte Braunfels und Wetzlar) erklärte in Ueberein- stimmung mit der vom Verein deutscher Zeitungsverleger gefaßten Entschließung einmütig, daß infolge der am 1. Januar 1907 in Straft tretenden, bedeutenden tarifmäßigen Erhöhungen der Arbeitslöhne, der ü^esetzt bedeutenden Steigerung der Preise für alle
Materialien und der unausgesetzt erhöhten Anforderungen an die redaktionelle Ausgestaltung her Zeitungen die große Mehrzahl der Verleger vor die Notwendigkeit gestellt ist, die Mehrkosten auf dte geeignetste Weise wieher e t n 5 u b r i n g e n. Ferner ging uiis folgende Nachricht zu:
d Kassel, ö. Dez. Die Buchdruckereibesitzer des Kasseler Bezirks hielten am Sonntag eine guibesuchte Versammlung im Kausmannshause ad. Es wurde beschlossen, mit Rücksicht auf die vorn 1. Januar nächsten Jahres ab zu zahlenden höheren Löhue für sämtliche Drucksachen eine entsprechende Preiserhöhung eintrcten zu lassen.
*• Das Reichsgericht verwarf die Revision des am 25. September vom Schwurgericht zu Darmstadt zum Tode verurteilten Raubmörders Adam Steinmetz aus Pfungstadt.
to. Eberstadt, 3. Dez. Der s. Z. wegen Kindesmords zu längerer FreiheitSstrase verurteilten ledigen Elise Gürlach ist von S. K. H. dem Großherzog der Nest der Strafe erlassen worden. Dec Fall hatte bekanntlich dem Abg. Köhler auch drei Atonale Gefängnis eingetragen, die ihm bei der Amnestie aus Anlaß der Geburt des Erb- großherzogs erlassen würben.
t. Grün berg, 3. Dez. Am SamStag, Sonntag unb heute fanden durch den hiesigen Kriegerverein KriegSfest- spiele unter Leitung deS Direktors Fiorki auS Berlin in der Turnhalle statt. Von den Vorstellungen, die als lebende Bilder dargestellt werden, erwähnen wir nur: Der Abschied des Kriegers von Weib unb Kind, in der Schlacht, der Heldentod, die Heimkehr rc. Es würde zu weit führen, jedes Bild einzeln zu nennen. Am Sonntag war Vorstellung für Auswärtige und man sah Leute aus der ganzen Umgegend; die Turnhalle war so überfüllt, daß viele zurückgewiesen werden mußten. Heute war Vorstellung für Kinder und es wurden über 1400 Kinder aus Grünbergs Umgebung gezahlt. Alle Besucher sind deS Lobes voll über bas Gebotene.
R.-B. Darm stabt, 4. Dezember. Zwischen der Kammersängerin Kaschowkka und der Hostheater- direktion führten die Emigungsverhandlungen gestern abend 8 Uhr zu einer gütlichen Verständigung. Die Direktion nahin die Kündigung zurück und die Künstlerin, die schon m dieser Woche wieher auftreten wirb, bezieht von heute ab wieder ihre alte Gage.
—। Aus Bad-N auheim, 2. Dez., wird im3 geschrieben: Ein ganz herrlicher Genuß war gestern den Besuchern des vom Vortragsvereine arrangierten musikalischen Abends geboten. War es doch dem Verein gelungen, die C e 110 - V i r t u 0 s i n Fräulein Elsa Ruegger auS Brüssel zu gewinnen, die in aller Kürze eine Konzertreise nach Rußland machen wird. Das Konzert wurde eröffnet durch ein Konzert in D-Moll von ft. de Swert. Dieses sowohl wie die Sonate Adagw-Allegro von Boecherini und einige Heinere Solostücke legten beredtes Zeugnis ab von der großen Kimst,des Frl. R. Ter große Solist, Konzertjänger Karl Ruth aus Kassel verfügt über eine schöne Tenorstimrne, welche besonders zum Vorscheine kam bei der Ballade „Tas Erkennen" unb der Arie aus der Zauberflöte. Einen äußerst günstigen Abschluß machte er in ,,£) laßt mich träumen" von Sullivan und „Ekstase" von WuzÄ. Tie Klavierbegleitung ruhte in den bewährten Händen des Herrn L. Marguth.
Landwirtschaft.
— Die Zahl der „viehbesiqenben Haushaltungen" in Preußen betrug im Jahre 1904 nur 3 495 476 gegenüber 3 662 889 im Jahre 1900. Dieser Unterschieb hat seinen Grunb darin, baß 1900 viel mehr Diehgattungen gezählt wurden als 1904, nämlich außer Pferden, Rindern, Schafen, Schweinen und Ziegen noch Wiaultiere und Maulesel, Esel, Federvieh und Bienenstöcke. Ta es jedoch zahlreiche Haushaltungen gibt, die nur Federvieh, auch wohl nicht wenige, die nur Bienenstöcke besitzen, so mußte unter sonst gleichen Umständen die Zahl der otehbesitzen- den Haushaltungen 1900 erheblich höher sein als 19U4; der Rückgang von 1900 auf 1904 ist mithin nur scheinbar.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
u sik wird oft nicht schön empfunden, weil stets sie mit Geräusch verbunden", sagt Will). Busch. Das mag mancher schon hier in Gießen erfahren haben und auch an dieser Stelle ist schon darüber geklagt worden. Heute soll nur ein Haus herauSgegriffen werden. Wenn man da um die Mittagszeit vorbeigeht, wo die meisten Menschen doch das Bedürfnis nach Ruhe haben, bann hört man unten „Klavier" Donauwalzer, oder sonstige klassische Alusik, aus einem anderen Stockwerke erklingen die lang cmgehallcnen Töne auf dem Harmonium, es werden Weihnachtslieder geübt, habet werden die Bässe als Orgelpuukt behandelt und horch — oben and) noch Klavier, moderne Pleister „Küssen ist feine Sünb'", nicht schön aber schnell. — Daneben und dazwischen wohnen nun auch noch Leute, die diesen Spektakel nut anhören müssen. Könnte man diese musikalischen Ergüsse nicht in die Abendstunden, ober wenigstens in hie späteren Nachmittagsstunben verlegen?--
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