Ausgabe 
7.8.1906 Erstes Blatt
 
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Wallerstädten nach Groß-Gerau aus. Es wurde ein Komitee ge° wählt, das die Vorarbeiten erledigen soll.

ke Mainz, 6. August. Die Einmachbohnen-Ernte fällt in unseren Nachbargemeinden Mombach, Gonsenheim, Finthen usw. in diesem Jahre besonders gut aus. Auswärtige Konserven- fabriken haben mit den Händlern, obwohl die Ernte noch nicht begonnen hat, bereits Abschlüsse gemacht und zwar zu 10 Mark pro Zentner.

Bingen, 5. Aug. In dem GasthausZur Stadt Worms" hatte sich ein Mann von außerhalb einlogiert. Heute abend brachte er sich sieben Stiche mit einem starken Taschen­messer bei und zwar oberhalb der Herzgegend. Die Verletzungen sind tätlich. Zwei andere Männer, die im gleichen Zimmer schliefen, wurden sestgenommen. Auch das Dienstmädchen des Hauses wurde zur Polizei gebracht.

fc Frankfurt a. M., 6. August. Die Kavallerieoffiziere des 18. Armeekorps veranstalteten am letzten Freitag den alljährlichen D a u e r r i t t um den Kaiserpreis. Es beteiligten sich 31 Offiziere an dem Ritt, der in Darmstadt seinen Anfang nahm und über Frankfurt, Homburg v. d. H., und die Saal bürg bis nach Wehr­heim ging. Dann gings zurück über Königstein, Hofheim bis in die Rheinlinie. Es galt, eine Vorpostenstellung in der Nähe Bie­brichs, die von Mainzer Truppen eingenommen war, zu erkunden und das Ergebnis der Erkundung auf dem schnellsten Wege in die Bockenheimer Artilleriekaserne zu bringen. Tie zurückzulegende Strecke betrug 140 bis 150 Kilometer. Die Pferde kamen alle gesund ans Ziel, was um so mehr heißen will, als teilweise recht steinige Wege, z. B. im Taunus, benutzt werben mußten.

Frankfurt a. M., 6. August. Die Frankfurter Brauereien keilen in Rücksicht auf umlaufende Gerüchte mit, daß sie keines- wegs gesonnen seien, von einer Erhöhung des Bier­preises a b z u s e h e u. Es sei nach dem bestehenden Vertrage vollständig unmöglich, daß eine Brauerei aus dem Verba,ide aus­treten könne. Außerdem sei die Beibehaltung der erhöhten Preise eine Lebensfrage für die Brauereien.

Usingen, 6. August. Der Landwirt Karl Lauer von hier wurde aus der Hirschjagd von einem Jagdgenossen durch einen .Schuß in den Unterleib schwer verletzt und mußte in das Krankenharls nach Frankfurt gebracht iverden.

[ ] Marburg, 6. August. In der Nähe von Honiberg wurde ein junger Mann bei einer Schlägerei so gegen den Leib ge­treten, daß er auf der Stelle starb.

[ ] Biedenkopf, 6. August. Der Arbeiter Heinrich Pfeifer in Wallau wurde gestern beim Hochziehen einer Schleuse in einem Wassergraben dadurch getötet, daß ihm der schwere eiserne Hebel aus den Kopf fiel.

Weilburg, 6. August. Prin^ Eitel Friedrich wird als Vertreter des Kaisers an der Tausendjahrfeier der S t a d t W e i l b u r g am 19. August teilnehmen. Das Oberhof- marschallamt hat dies offiziell dem Bürgermeister Weilburgs mit- geteilt.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Erledigt ist eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu G a m- b a ch, Kreis Friedberg. Mit der Stelle ist der Organistendienst verbunden. Der bekannte frühere Beigeordnete in O f f e n b a ch , Dr. Emil Wolff, ist^zum Direktor der Deutschen Holz-Benrfs- Genossenschast mit dem Sitz Hannover bestimmt worden. Dr. Wolff ist -ur Zeit in Frankfurt als Syndikus des Deutschen Brauer­bundes und des Verbandes der Brauereien Frankfurts und Umgegend tätig. In Hanau starb der Zigarrenmacher Friedrich Bott, ein Invalide aus dem Feldzuge 1870/71. Er trug im Schlachten­donner seinen verwundeten Hauptmann aus dem Feuer und dabei wurden ihm beide Beine abgerisien. Er erhielt für seine Tapferkeit das Eiserne Kreuz und andere Auszeichnungen.

Are wirtschaftliche «Lage im Aezirk der Kroßh. Handelskammer Hießen.

(Schluß.)

Die Erzförderung in Oberhessen hielt sich im vergangenen Jahre nicht ganz auf der Höhe des Vorjahres. Produktion und Versand wurden gehemmt durch Arbeiter­mangel, ungünstige Witterungseinflüsse, die die Tagbetriebe längere Zeit verschlammten und den Wagenmangel auf der Eisenbahn. Auch brachte der westfälische Kohlenarbeiterstreik einen erheblichen Ausfall, da manche Hochofenwerke aus Mangel an Feuerungsmaterial ihre Oefen gedämpft be­trieben oder ganz ausgeblasen hatten. Die Hochofen- produktion unseres Bezirkes weist dagegen eine geringe Zunahme auf. Zu wünschen ist, daß endlich die tarifarische Bevorzugung des Siegerlandes gegenüber den Eisenwerken an der Lahn und Dill im Bezug von Koks usw. in Wegfall kommt. In den Preisen für Erze und Roheisen ist inzwischen eine Erhöhung eingetreten, doch nehmen die Erzbergwerke des Vogelsbergs infolge ihrer großen Entfernung von den.Hütten­stationen und der hohen Transportkosten nur einen geringen Anteil an der Besserung im Eisengewerbe. Die Eisen­gießereien waren gut beschäftigt, allerdings bei niedrigen Preisen ihrer Erzeugnisse. Auch im Eisen handel konnte ein flotter Absatz erzielt werden. Die Braunkohlen­förderung wies im Berichtsjahre eine bedeutende Zunahme auf. Auch in unserem Bezirke waren Braunkohlenproduktion und Brikettfabrikation bis zur Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Der Absatz litt unter dem Wagenmangel auf der Eisenbahn und der unzweckmäßigen Zustellung der Waggons. Die Basalt in du strie hatte ebenfalls unter dem Wagen­mangel schwer zu leiden. Eine Besierung dieses Geschäfts- Zweiges ist bei den ungünstigen Frachtverhältnisien noch nicht eingetreten. In der Kalkindustrie und der Ze men t- warenfabrikation sind durch Preisvereinbarungen und Zusammenschlüsse bessere Preisverhältnisie geschaffen worden. Die Ziegeleien hatten meistens flotten Geschäftsgang, da­gegen war die Nachfrage nach Verblendsteinen bei der wachsenden Vorliebe für Putzbauten gering. Im Bau­gewerbe von Gießen und Umgebung herrschte rege Be­schäftigung, die auch auf den Absatz von Baumaterialien günstig einwirkte. Die Förderung von Kieselgur nahm in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres erheblich zu. Auch in dieser Branche besteht eine Vereinigung, die fast alle produzierenden Werke umfaßt. Nach den erfolgreichen Kalibohrungen in der Nähe von Fulda sind auch im östlichen Teile unseres Bezirks Versuchsbohrunqen unternommen worden, die hoffent­lich ein befriedigendes Ergebnis liefern.

In der Werkzeugmaschinenindustrie war die Beschäftigung bester als im Vorjahre und erfuhr durch die Erwartung der erhöhten Einfuhrzölle des Auslandes eine weitere Anregung. Die Preisverhältnisie zeigten jedoch erst im letzten Vierteljahre eine Besierung. Die Herstellung gesundheitstechnischer Anlagen hatte ebenfalls volle Beschäftigung, doch blieben die Preise bei der Preissteigerung der Rohmaterialien ziemlich gedrückt. Die Kassenschrank­fabrikation hatte einen befriedigenden Geschäftsgang. Auch in der Blechwarenfabrikation und Verzinkerei war die Beschäftigung zufriedenstellend und wurde gegen Ende des Berichtsjahres recht lebhaft. Das Ergebnis litt jedoch unter der teilweise enormen Preissteigerung der Rohmaterialien, denen die Verkaufspreise nicht zu folgen vermochten. Die Fabrikation von Lampen verlief ziemlich ungünstig, und

der Handel mit Beleuchtun'gSartikeln gestaltete sich schleppend.

Der Absatz in Sägewerksprodukten war zufrieden­stellend, mit Ausnahme von Eisenbahnschwellen, doch blieben die Verkaufspreise niedrig. Angemesiene Preise konnten nur für Telegraphenstangen und Leitungsmaste erzielt werden. Die Fabrikation gebogener Möbel gestaltete sich lebhaft bei gedrückten Preisen. Die Zigarrenkistchenfabrr- kation hatte unter den hohen Zedernholzpreisen und der Beunruhigung der Zigarrenindustrie durch die neuen Steuer­pläne der Reichsregierung schwer zu leiden.

Die Lack- und Firnißfabrikation hatte zwar einen guten Absatz aufzuweifen, doch waren die Geschäfts- ergebnisse ungenügend. Auch im Drogen- und Farb­warengroßhandel haben die Umsätze zugenommen, während der Verdienst verhältnismäßig geringer geworden ist. Die Seifenfabrikation litt bei steigenden^ Absätze unter dem seitherigen Preisdruck. Im Petroleumhandel machte sich die Konkurrenz des russischen, österreichischen und rumänischen Petroleums gegenüber dem amerikanischen Petro­leum noch stärker als sonst bemerkbar, was sich in einem Weichen der Preise im ersten Halbjahre äußerte. Die bis­herigen Erfahrungen berechtigen zu der Hoffnung, daß es der Standard-Oil-Company und ihren Tochtergesellschaften nicht gelingen wird, den deutschen Petroleumhandel in ihrer Hand zu monopolisieren.

Auf das Geschästsergebnis der Preßspan- und Pappenfabrikation wirkte die ungewöhnliche Steigerung der Lumpenpreise sehr nachteilig ein. Im Papier- und Pappengroßhandel herrschte rege Nachfrage bei teil­weise höheren Preisen. Im Papierdetailgeschäft war der Geschäftsgang weniger lebhaft als im Vorjahre.

Die gesamte Textilindustrie und die damit in Zu­sammenhang stehenden Gewerbe hatten unter der Preis­steigerung der Rohmaterialien Wolle, Baumwolle, Flachs und Jute zu leiden. Die Leinenindustrie war gut beschäftigt, doch blieben die Verkaufspreise hinter den gestiegenen Roh- materialpreiscn und erhöhten Produktionskosten zurück. Die gleiche Erscheinung machte sich in der Schirm-, Korsett- und Hutfabrikation, sowie in dem Handel mit Tuchen, Buckskin, Manufakturwaren, Wäsche u. dgl. nachteilig bemerkbar, ob­wohl die Umsätze oft eine Steigerung aufwiefen.

In der Lederfabrikation gelang eS im Herbst höhere Preise durchzudrücken, doch entsprachen diese immer noch nicht den gestiegenen Häutepreisen. In der Schuhwarenbranche stellten sich die Einkaufspreise höher, aber trotz hinreichender Umsätze konnten entsprechende Erhöhungen im Verkauf nicht durchgesetzt werden. Die Kürschnerei und der Rauch- warenhandel brachten trotz widriger Umstände ein zufrieden­stellendes Ergebnis. Der Handel mit Borsten zeigte eine aufwärtsstrebende Tendenz.

Das Bankgeschäft hatte in Verbindung mit der all- meinen Besserung der wirtschaftlichen Lage eine günstige Ent- wicklung zu verzeichnen.

Hessische Landwirtschastskammer-Wahlen.

In einer am Sonntag seitens der Hesfiscben Landtagsfraktion des Bauernbundes (Hessische Volkspariei) in dem Konkordia- Saale zu F r a n k s u r t a. M. einberufenen nichtöffentlichen Sitzung von Vertrauensmännern wurden zur Besetzung sämtlicher Landwirtschastskammersitze im ganzen Lande Vereinbarungen ge­troffen mit dem Auitrage an die Fraktion, diese Beschlüsse dem Vorstande des Bundes der Landwirte zur Kenntnis zu bringen und in Verhandlungen mit demselben einzutreten. Aus den Beratungen, über die kein B e r i ch t an die Zeitungen gegeben wurde, war nur zu erfahren, daß die Versammlung einmütig war in der An­sicht, daß die hessische Bauernschaft auch in der Landwirtschasts- kammer sich der bewährten organisatorischen Kraft des Herrn Geheinrerats H a a s versichern möge, da es gewiß eine sehr schwie­rige Sache iür praktische Landwirte sein würde, die erstmalige Ein­richtung der Kammer zu bewirken. Infolge dieser Erwägungen will man die Kandidatur deS Geheimerats Haas in folgenden Bezirken der Provinz Starkenburg gleichzeitig in Vorschlag bringen: 1. Griesheim - Gernsheim (3. Wahlbezirk), 2. Erbach - Wimpfen (12. Wahlbezirk), 3. Lampertheim-Biblis (15. Wahlbeznk).

Handel nird Verkehr, Volkswrrtfchaft.

Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vorm. Fernie zu Gießen. Die Gewerkschaft hat im Jahre 1905, wie wir in derVoss. Ztg." lesen, ein ungünstigeres Ergebnis als im Vorjahre erzielt. Der KoMenarbeiterstreik im Ruhrgebiet brachte der Gewerkschaft, laut Bericht des Gruben- vorstandes, insofern großen Schaden, als ein Teil der Fernieerz verbrauchenden Werke mehrere Wochen lang ihre Oefen

gedämpft und zum Teil sogar ausgeblasen hatte. Der Abruf

der Erze stieg nur ganz allmählich während des zweiten Quar­tals, hob sich jedoch im dritten Quartal in erfreulichem Maße,

sodaß ein wesentlich besseres Erträgnis hätte erzielt werden können, wenn nicht die Absatzmöglichkeit durch den Wagenmangel auf der Eisenbahn beschränkt worden wäre. Wochenlang wurden dem Werke statt der erforderlichen 60 Waggons täglich nur 2430 Waggons von der Bahn gestellt. Erst gegen Ende No­vember wurde auf wiederholte Beschwerde hin die Zahl der gestellten Wagen auf 60 Stück pro Tag erhöht, doch konnte in der kurze« Zeit, die bis zum Schlüsse des Jahres verblieb, der frühere Ausfall nicht wieder eingebracht werden. Auf den Absatz wirkte ferner die ungünstige Witterung im Dezember sehr störend ein, da bei der Nässe die Erzgewinnung im Tagebau stark beeinträchtigt wurde. Insgesamt wurden rund 114 000 T. Erze versandt, gegen 117 500 T. im Vorjahre. Die Förderung war im Lause des Berichtsjahres durch die Umwandlung des Betriebes sehr erschwert und verteuert. Die Agglomerieranstalt arbeitet seit dem 10. Okt. des Berichtsjahres. Mit Rücksicht aus den Ausbau der gesamten Neuanlagen für die angestrebte größere Förderung wurden auch die Ausschluß- und Vorrichtungsarbeiten weiter ausgedehnt und Abraumarbeiten in großem Maßstabe in Angriff genommen. Die Bohrversuche ergaben auch im letzten Jahre wieder, daß noch beträchtliche Mengen Erz in den eigentlich als abgebaut geltenden Feldern lagern. Die Erträgnisse der letzten Jahre wer­den, nachdem der Absatz durch mehrjährige Lieferungsabschlüsse gesichert ist, von der Qualität der zu gewinnenden Erze abhängig sein, da diese den Erlös beeinflußt, sowie von dem Mächtigkeits­verhältnis der dlbraummengen zu dem aufgedeckten Lager.

Von der Berliner Börse. Zu den vielen Unannehm­lichkeiten, die die Börse in den russischen Angelegenheiten durch­zukämpfen hat, gehört auch, daß die Depeschen und Korrespon­denzen, die von dort kommen, an großer Unzuverlässigkeit leiden. Uebertrieben wird fast in jedem Fall, handelt es sich um was es wolle. Die Meutereien in den Ostseehäfen sind beseitigt und sollen überhaupt nicht so bedeutend gewesen sein, als sie geschildert wurden. Neuere Unruhen werden bis jetzt nicht gemeldet und aus dem angekündigten großen Generalstreik ist es wieder einmal nichts geworden. Namentlich die letztere Tat­sache nahm die Börse gut auf und es trat für die russischen Fonds einige Befestigung ein, sodaß die Russen von 1902 70,20 gegen 69,25 am Samstag notierten. Die Festigkeit übertrug sich bald auf den Gesamtmarkt, besonders auf die Montanwerte, bei welchen die Meldungen über die Kokspreiserhöhungen anregten. Gclsen- Krrfipn imb Harpener waren bei anziehenden Preisen gesucht;1

erstere standen 227,10 gegen 226,70; letztere 211,70 gegen 210,50. Auch Bochumer und Dortmunder lagen fest. Bankaktien waren wenig beachtet. Amerikanische Bahnen niedriger;' Schiff­fahrtsaktien weiter erholt, Kaliwerte ohne Geschäft. Privatdiskont 38/8°/o.

Kleine Finanzchronik. Die Auswanderung aus Bre­men im Juli belief sich auf 11 843 Personen gegen 9862 i. V. Die Stadt Aachen beabsichtigt eine neue Anleihe aufzunehmen und zwar von 3133 000 Mark und hofft, daß sie eine solche um 34 Prozent Verzinsung erhalten werde.

W o l l p r e i f e. In derNationalztg." wurde kürzlich dar-- auf hingewiesen, daß die Wollpreise zurückgehen, obwohl die Schafzucht in den letzten zehn Jahren in Deutschland bedeutend nachgckassen hat. Die australische Schafherde zähle z. B. gegen­wärtig ca. 60 Millionen Stück, während sie anfangs der 90 er Jahre über 30 Mill. Stück mehr zählte. Auch in Südaftika hat der Schafbestand bedeutend abgenommen und in Rußland hat der Ertrag der Schafschur zuletzt 30 Prozent weniger als früher ergeben. Schließlich ist zu bemerken, daß bei uns auch schon seit längerer Zett zum mindesten Stillstand auf dem Gebiete der Schafzucht herrscht und Stillstand ist Rückschritt. Der kon­trollierbare Schafbestand der Welt stellt sich bisher auf zirka 628 Millionen Stück, die einen Wollertrag von 1350 Mill. Kg< abwarfen. Die Ziff-rn werden aber wohl jetzt beträchtlich kleiner sein. Die Abnahme des Wollangebotes hatte bis vor kurzem ein verstärktes Angebot und ein Steigen der Wollpreise zur Folge, sodaß der Preis für einen Doppelzentner Rohwolle, 1895 in Bremen 274 Mark betragen hatte, im Mai 1905 an demselben Handelsplätze 433 Mark betrug. Trotzdem nun die Wollproduktion weiter abnimmt, zeigen sich sinkende Preise. Das kommt daher, daß der Konsum an Wollwaren erheblich zurückgeht. Cotton is. King. In der Belleidungsindustrie zeigt sich die Präponderanz bcr! Baumwolle ja schon überall in solchem Maße, daß nur noch begüterte Leute Kleider aus reiner Wolle tragen und auch sie^ neigen schon teilweise der billigeren Baumwolle zu.

Märkte.

Gießen, 7. Aug. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmatkte kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.20 Mk., Hühnereier 1 St. 78 Pfg., 2 Stck. 0000 Pfg., Gänseeier 0000 Pfg., Enteneier 0 Psg., Käse vr. Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 56 Psg. Erbsen p. Pfund 22Pfg., Linsen p. Pfund 32Pfg., Tauben pr.PaarO,801,00 9JIL, Hühner pr.St. 1,001,60 All., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stück 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 0000 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfg. 7886 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 7072 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 8094 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8084 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 6080 Psg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr\ 100 Kg. 6,007,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 6,008,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 00 bis 00 Pfg., in Körben 00 Psd., Nüsse 100 Stück 00-00 Pfg., Birnen per Psd. Mk. 0.000.00, Kirschen per Psd. 0000 Pfg., Weißkraut per Stück 00 Pfg., per Zentner Mk. 0.00-0.00. Marktzeit 71 Uhr.

fc. Frankfurt a. M., 6. Aug. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen Mk. 19.0000.00, Kurhessischer Mk. 19.0000.00, La Plata. Mk. 19.5020.50, Kansas Mk. 19.2520.25, Roggen (hiesiger) Mk. 17.2517.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.2517.75, Franken- selder Mt. 17.7518.25, Hafer 17.0018.25, Mais Mk. 13.2513.50, Weizenmehl 26.7527.75, M. 0000, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.75, 3. Qualität Mk. 22.7523.50, Noggenmehl 0 Mk. 24.2524.75,1. Qualität Mk. 22.5028.00, Weizenklete Alk. 10.00 bis Mk. 10.50, Roggenkleie Mk. 10.7511.00, Maiskeime Mk. 12.00 bis Mk. 00.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 17.2518.25. Alles per 100 Kg. ab hier.

ke. Frankfurt a. M., 6. Aug. (Telegr. Orig.-Bericht desGieß. Anz."). Amtl. Notierungen der heutigen Piehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 403 Ochsen, 181 aus Oestreich, 71 Bullen, 6 aus Oesterreich, 0 aus Dänemark, 747 Kühe, Fersen, Stiere lind Rinder, 00 aus Dänemark, 342 Kälber, 294 Schafe und Hämmel, 1441 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaslämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8385 Mk., 2. Qual 7779 Mk., 3. Qual. 6972Mk.; Bullen l.Qual. 73 bis 75 Mk., 2. Qual. 7072 Mk.; Kühe 1. Qual. 8081 Mk., 2. Qual. 7779 Mk., 3. Qual. 64-66 Mk, 4. Qual. 0000 Mk., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber: 1. Qual. 9598 Pfg., Lebendgewicht 5659 Pf., 2. Qual. 8286 Pfg., Lebendgewicht 4852 Pfg., 3. duol. 00-00 Psg., Schlachtgewicht 62-66 Pfg., Schafe: l.Qual. 80-82, 2. Qual. 0000 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 7677 Pfg., Lebdgew. 59.5060.00 Pfg., 2. Qu.75-00Psg., Lebeud- gero. 58.5000 Psg., 3. Qual. 6365 Pfg. Lebendgew. 00 Psg. Geschäft: bet Kornvieh und bei Kleivieh gut, Ueberftanb un­bedeutend.____________________________

ICuiift und Wissenschaft.

Lombroso und d i e Todesstrafe. Der Deputierte Joseph Reinach hat der französischen Kammer eine Petition unter­breitet, die von Mitgliedern aller Parteirichtungen unterzeichnet ist und die Abschaffung der Todesstrafe bezweckt. Wie aus Paris berichtet wird, hat Reinach nun aus diesem Anlaß ein Schreiben von Cesare Lombroso, dem berühmten Autor mehrerer auf das Verbrechertum bezüglichen Werke, erhalten, in dem der Gelehrte seiner Befriedigung über die Aktion Ausdruck gibt. In dem Briese heißt es:Ich war anfänglich ein Anhänger der Todesstrafe, nach reiflichen Studien und ernster Ueberlegnng bin ich jedoch ihr Gegner geworden. Ich halte die Todesstrafe nicht etwa für unlogisch, aber vom sozialen Standpunkt aus müßte man sie häufig anwenden und dies wäre barbarisch. Selten angewandt be- deutet sie nur ein verderbliches öffentliches S ch au - spiel; die Strafe steht mit unseren heutigen Sitten nicht mehr int Einklang. Den Schuldigen zu seinem Vorteil und zum befielt der Allgemeinheit zu bessern, das ist ein unserer Zeit würdiges Beginnen."

Arbeiterbewegung.

Hanau, 6. August. Der Droschkenkutscherstreik ist beendet, lieber tue bestehenden Streitpunkte wurde mit der Behörde eine Einigung erzielt.

Köln, 4. Aug. Eine überaus zahlreich besuchte Versammlung des Baugewerken Vereins beschloß, vom nächstett Samstag ab die Generalaussperrung aller Bauarbeiter vorzunehmen, wenn bis dahin in den in Frage kommenden Ge­werben die Arbeit nicht wieder aufgenommen ist. In den Ver­sammlung wurde behauptet, daß wahrscheinlich auch Düsseldorf und Elberfeld sich der Kölner Generalaussperrung der Bau­arbeiter anschließen werden. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Tragweite der Aussperrung wird alsbald eine Sitzung der Acht- zehnerkommissioit unter Hinzuziehung von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer der fraglichen Gewerbe einberufen werden, um nochmals Einigungsversuche zu unternehmen.____________________

Kirche «n- Schule.

Straßburg i. E., 4. Aug. Der Chef des reichs» ländischen Schulwesens, Ministerialrat Albrecht sicherte einer Mülhauser Deputation die Erlaubnis der Zulassung von Mädchen zur Koedukation in den Knabengym- nasieu und Oberrealschulen von Sexta ab, zu.

Spielptmc drr vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Mittwoch den 8. August, abends halb 8 Uhr: Abschieds- Konzert des Prof. Htigo Heermann. Donnerstag den 9. August, abends 6 Uhr:Tristan und Isolde." Freitag ben 10. August") : Die lustigen Weiber von Winosor." Samstag den 11. Äugust: Der fliegende Holländer/ Sonntag den 12. August:Samson und Dalila." Montag den 13. August:Der Bettelstudent.*

Schauspielhaus.

Mittwoch beit 8. August"):Othello/ Donnerstag den 9. August, abends halb 8 Uhr:Mamsell Nitouche." Freitag ben 10. August:Flachsmann als Erzieher." Samstag ben 11. Aug.: Die rote Robe." Sonntag ben 12. August, nachmittags halb 4 Ubr: Mamsel Nitouche." Abenbs 7 Uhr:Kyritz-Puritz." Montag den 13. August:Uriel Acosta."

") Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.