Nr. 8S Zweites Blatt
156, Jahrgang
Erscheint W-lich mti Ausnahme des Sonntags.
Lie „Gtetzener LamMenblätter- werden dem »Anzeiger vtermal wöchentlich beigelegt. Der EHelsilch« tototrf* ersihetnt monatlich einmal.
Eichener Anzeiger
Freitag 6, Llpril 1906
Rotationsdruck tmb Verlag der Brühl'lch» UnwersttätSdruckerei. ÖL Sange, Gtetze».
Redaktion. Exvedttton o. Druckerei: Schu!str.U.
Tel. Nr. bl. Telegr^Ldr.» eUgtiga
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen.
Kelranntmnlhnng.
Betr.: Landespolizeiliche Prüfung zur Anlage von Schneeschutzanlagen in der Gemarkung Klein-Linden.
Der auf SamStag, den 7. April d. IS., nachmittag? 4 Uhr anberaumte Erörterungstermin in dem Gemeindehaus zu Klein-Linden wird auf
Freitag, den 27. April, nachmittags 4 Uhr,
verlegt.
Die Beteiligten werden alifgefordert, in dem neuen Er- örterungStermin zu erscheinen und etwaige Einwendungen, Anträge und Wünsche daselbst vorzubringen.
Gießen, den 6. April 1906.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.r Dr. Wörner. --------
Deutsches Reich.
Hamburg, 5. April. Heute vormittag gegen 11 Uhr ist der Dampfer „Gertrud Woermann" hier eingctroffen. Das Schiff bringt aus Südtvestafrika lO höhere Offiziere und Militärbeamte und 114 Unteroffiziere und Mannschaften, Vvn denen sechs verwundet sind.
Hagen, 5. April. Das kreiswahlkomitee der freisinnigen Volkspartei beschloß einstimmig, den ersten Bürgermeister Cuno- Hagen den Vertrauensmännern als Kandidaten für die Neichstagsersatzwahl vorzuschlagen. Cuno hat die Kandidatur angenommen. Für die Nationalliberalen kandidiert Prof. Moldenhauer, für das Zentrum Arbeitersckretär Becker und für die Sozialdemokraten Arbeitersekretär König. Ingenieur Dr. K oll mann wird von der freisinnigen Partei wahrscheinlich in Altena-Jsevlohn aufgestellt.
Dresden, 5. April. Landtag. Die 2. Kammer nahm in namentlicher Abstimmung den Gesetzentwurf betr. die veränderte Zusammenstellung der 1. Kammer nach dem Antrag der konservativen Mehrheit, der sich bezüglich der Zahl der einzufügcnden Mitglieder, vier aus den Kreisen des Handels und der Industrie und eines aus den Kreisen des Hcnrdtverks, der Regiermigsvorlage an- schliestt, im Gegensatz zur 1. Kammer aber das Präsen- lationsrecht verlangt, mit 41 gegen 32 Stimmen an. Da aber die zur Verfassungsänderung notlvendige Zweidrittelmehrheit nicht erreicht ist, kann der Entwurf nicht Gesetzeskraft erlangen. Die Regierungsvorlage wurde mit -'-6 gegen 18 Stimmen abgelehnt.
parlamentarisches.
Berlin, 5. April. Die Budgetkommission des Reichstages setzte die Beratung des £{{1310 r^en» sionsgefetzes bei 8 24 fort, der ebenso wie die nächsten Paragraphen Fälle vorsieht, in denen das Recht auf den Bezug der Penlionsgebührnisse ruht. Die Kommission nahm den Paragraphen an und vertagte sich dann auf den 26. April.
In der Kommission des Hilfskassen-Ge- sctzentwurfs scheint eine Einigung zustande zu kommen, uni auf dem Boden der Regierungsvorlage aus dem Entwurf etwas brauchbares zu schaffen. Es liegen bereit? eine Reihe von Anträgen vor, die zunächst bewirken, die auf Gegenseitigkeit gegründeten Krankenunterstühungs- vereine als kleinere Vereine im Sinne dies § 53 des Gesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen anzusehen. Damit fallen natürlich eine Reihe die Geschäftsführung erschwerende Momente weg. Außerdem wird durch eine Reihe .'on Anträgen die Höhe des Reservefonds gesetzlich festgclegt imb damit die Befürchtungen zerstreut, die an eine auf oersichcrungstechnischer Grundlage basierte Berechnung geknüpft werden konnten. Es darf heute bereits als feststehend angenommen werden, daß der Regierungsentwurf allerdings nach gründlicher Umarbeitung (Gesetzeskraft erlangen wird und daß die Hilfskassen gut tun werden, sich beizeiten auf die veränderte Sachlage einzurichten.
Rußland.
Petersburg, 5. April. Ein gestern erschienener kaiserlicher Ukas schreibt bezüglicy der Presse die Beobachtung neuer Verfügungen vor. So sollen die Drucker in Zukunft verpflichtet sein, von periodisch erscheinenden Veröffentlichungen, bevor sie in Umlauf gesetzt werden, der Verwaltung für Prcsse- ongelcgenheiten ein Probcblatt vorzulegen. Druckschriften, welche Zeichnungen enthalten, deren Veröffentlichung mit den Strafgesetzen im Widerspruch steht, können eingezogen werden. Der Herausgeber einer tmobifdien Druckschrift, deren Aushebung oder Unterdrückung von einem Gerichte verfügt ist, kann neue periodische Schriften nicht mehr heraus'gcben, bis er von feiten des Gerichts dazu ermächtigt oder der im Urteil bestimmte Termin ab- gelauseu ist. Zuwiderhandelnde haben eine Geldstrafe bis 3000 Rubel, im Rücksalle eine Gefängnisstrafe bis zu 16 Monaten zu gewärtigen. Dieselben Strafen sind festgesetzt für Drucker, die nach der Verurteilung zur Schließung ihrer Druckerei hie Tätigkeit fortsetzen. Wer schuldig befunden wird, periodische Druckschriften vor Einholung der Erlaubnis oder vor Unterbreitung des Probeblattes der betreffenden Publikation in Umlauf gesetzt zu haben, hat Geldstrafe zu gewärtigen. Außerdem ist das Gericht befugt, die Druckerei solcker Personen auf eine Dauer bis zu sechs Monaten zu schließen.
Das Ministerium empfängt fortwährend amtliche Berichte der Gouverneure und Präfekten betr. die Anzeichen, die von Omen über die Möglichkeit von gegen die Juden gerichteten Unruhen gemacht worden sind. Die in den letzten Tagen eingetroffencn Telegramme lauten in, überwiegender Mehrheit beruhigend. Die Berichte aus Odessa und Bja- l üst o k melden, daß dort eine Bewegung zu Gunsten von Unruhen im Gange ist. In Odessa wird die Agitation hierfür ziemlich offen betrieben, dock ist sie ihrem Umfange nach unbedeutend. In Bjalistvk wird dieser Bewegung durch eine gegen die Unruhen gerichtete Bewegung der polnischen Arbeiter das Gleichgewicht gehalten.
Ausland.
London, 5. April. Im Unterhaus erklärte der Staatssekretär Grey in Beantwortung einer Anfrage, eine Antwort der Pforte auf die Note vom 5. März, in welcher eine Vermehrung der Gendarmerie in Mace- donien in Vorschlag gebracht wird, sei noch nicht cinge- gangen. Falls die Antwort unbefriedigend sein würde, werde die englische Regierung unter Befragung der übrigen
Mächte erwägen, welche weiteren Schritte in der Angelegenheit getan werden sollen.
Paris, 5. April. In dem heute abgehaltencn Kabi- nettsrat wurde beschlossen, den Vorschlag Klotz anzunehmen, nach welchem Militärpersonen, die sich weigern, den Requisitionen von Zivilbehörden Folge zu leisten, vor die bürgerlichen Gerichte gestellt werden sollen. Tie Kriegsgerichte sollen wegen Gehorsamsverweigerungen gegenüber Befehlen von militärischen Vorgesetzten auch ferner zuständig sein, ihre Urteile aber sowohl in tatsächlicher wie in rechtlicher Beziehung begründen.
Durban, 5. April. Tie Truppen, die bei Jmpanza gezwungen wurden, ihr Lager aufzugeben, haben nach heftigem Kampfe Greytown wieder erreicht. Eine andere Abteilung, die Frauen und Kinder zurückführte, die bei Keatesdrift abgeschnitten worden waren, wurde angegriffen, gelangte aber, indem sie Kehrt machte, und sich auf eine Entfernung von sechs Meilen den Rückzug erkämpfte, nach Greytown. Drei Konstabler wurden getötet und mehrere verwundet.
Verständigungsversuche in Ungarn.
Budapest, 5. April. Der Ministerpräsident v. Fejcr- o ary erklärte dem Vertreter des Ungarischen Korrespondenzbureau, seine gestrige Unterredung mit Kossuth sei in dec Weise zu stände gekommen, daß ein Mitglied der Kossut h- p art ei mit Zustimmung des Parteiführers zu ihm kam und ihm einen Vorschlag zur Lösung der Krise unterbreitete, der dann mit Genehmigung des Königs Gegenstand der gestrigen Beratung zwischen dem Ministerpräsidenten und Kossuth bildete.
Nach Meldungen der Blatter hat der Ministerpräsident Baron Fejervary in seiner gestrigen Unterredung mit Kossuth vorgeschlagen, daß daS Abgeordnetenhaus einberufen werden solle, um über die Fragen der Wahl- ceform und der Indemnität zu verhandeln. Hieraus sollten auf Grund der so beschlossenen Wahlreform, durch die das allgemeine Wahlrecht eingeführt wird, abermals Neuwahlen angeordnet werden. Wie verlautet, ist ein Teil der Koalition, nämlich die Kosiuthpartei, geneigt, diesen Vorschlag anzunehmen, während die Fraktion Andrasty und die klerikalen Mitglieder der Opposition ihn ablehnen. Es ist somit zweifelhaft, ob dieser Versuch einer Lösung der Krise, den; der König seine Zustimmung erteilt hat, gelingen wird.
Später wird noch gemeldet: Die Führer der Koalition setzten heute nachmittag die Beratung fort und erzielten eine vollständige Uebereinstimmung. Kossuth und Andrassy begeben sich nach Wien, um morgen vom König in Audienz empfangen zu werden.
Wien, 5. April. Ministerpräsident v. Fejervary ist heute vom Kaiser in längerer besonderer Audienz empfangen worden. Er hatte vor wie nach der Audienz mit ehemaligen ungarischen Abgeordneten Unterredungen. Fejervary bleibt bis auf weiteres in Wien.
DaS Unglück von CourriöreS und die französischen Ausstände.
L e n S, 5. Llpril. Der Schacht 2 in Sallaumines wird noch immer von Truppen bewacht. Während der Nackt wurden zivei Posten von Frauen durch Steiuwürfe angegriffen. Frauen und junge Schlepper rissen die Drähte der Einzäunungen los, bilden einen Ring um die Grube und beschimpfen und bewerfen die Soldaten. Alle Personen, die sie für Ingenieure halten, werden von der Grube gewaltsam ferngehalten. — Ber ton verbrachte eine ziemlich gute Nacht. Das Fieber ist noch ziemlich heftig. Er fühlte sich heute früh sehr schwach und konnte nur mit Mühe sprechen. — Der Chefingenieur Leon ist heute früh wieder an die Oberfläche zurückgekommen, nachdem er während der Nacht die ganze Grube, mit Ausnahme einiger verborgener Winkel ab gesucht hatte. Er fand zahlreiche Leichen von Bergarbeitern, von denen er glaubt, daß sie bei der Arbeit erstickt sind. Von Lebenden zeigte sich keine Spur. Die Nachforschungen werden jeboar fortgesetzt. — Leute wurden etwa fünfzig Särge zur Aufnahme ber gefundenen Leichen in in die Tiefe gelassen. Der Transport ber Särge konnte nicht völlig verlrcimlicht werben und rief unter ber Bevölkerung eine heftige Erregung hervor. — Die beiden geretteten Bergleute NcmY und Pruvost sind heute früh zur Erholung über Paris nach Biarritz abgereist.
Die Nachforschungen sind während der ganzen Nacht auf Schockt 2 bei B'illh-Montigny forMesetzt worden. Die Aerzte loben die Verwendung von K'autschnkhandsckuhen und Tüllmasken sehr, die dazu bienen, die Mäuse und Fliegen, die sich um die Leichen sammeln, abzuhalten. Die Ingenieure glauben, daß sie den Brand vollständig auslöschen werden. — Der Untersuch- ungsrichter Bethune, dem der Auftrag erteilt worden ist, die Untersuchungen über die Katastrophe vorzunehmen,. hat heute morgen die Delegierten der Bergleute beauftragt, die Leichen derjenigen Bergleute zu bezeichnen, die ihrer Ansicht nach nach dem 10. März gestorben find. Diese Leichen werden einer Untersuchung unterzogen werden, um annähernd den Todestag festzustellen, da vorkommenben Falles das Strafverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen die Ingenieure eingeleitet werden soll. Die Untersuchung ber heute morgen zutage geförderten Leichen scheint den Nachweis dafür zu liefern, das; ber Tod am Tage ber Katastrophe infolge Verbrennung eingetreten ist.
St. Etienne, 5. April. Die Delegierten des Berg- arbeiterverbandes des Loire-Beckens hatten gestern eine Unterredung mit den Gruben-Direktoren. Die Sitzung verlief sehr stürmisch Die Vertreter lehnten die an gebotenen Konzessionen ab. Der Generalausstand ber Arbeiter ist somit besiegelt, trotz des Anerbietens bes Präsekten, bas Schiedsrichteramt zu übernehmen. Die Arbeiter-Delegierten hielten gestern abend eine Konferenz ab. Die gefaßten Beschlüsse werden erst heute bekannt gegeben._____________________________
Hin ^ohldnßu z in Augotd.
Wir erhielten gestern nachmittag nach Schluß der Redaktion folgendes Telegramm, das wir alsbald durch Aushang bekannt gaben:
Nagold, 5. April. Nm '/.! Uhr ereignete sich hierein schweres Unglück. Der Gasthof ,,3um Hirsch", der heute Morgen durch den Bauunternehmer Nückgaucr gehoben worden ist, stürzte plötzlich in sich znsammeu, während
gerade etwa 100 Gäste sich im Hause bcfaudcu, die unter den Trümmern begraben wurden. Bis jetzt hat man fünf Tote sowie zahlreiche schwerer oder leichter Verletzte geborgen. Etwa 50 Personen liegen noch unter den Trümmern. , , , .
Spätere Meldungen über die Katastrophe lauteten:
Nagold, 5. April. Um 6 Uhr waren 42 Leichen sowie ca. 70 Schwerverletzte geborgen. Viele befinden sich noch unter den Trümmern, an deren Beseitigung mit großer Anstrengung gearbeitet wird. Aerztliche Hilfe ist in ausreichendem Maße vorhanden. DaS Unglück dürfte auf Nichtei n halten ber nötigen Vorsichtsmaßregeln zurückzuführen fein. Der Gasthof war erst im Laufe deS Vormittags gehoben worden, auS welchem Anlaß dann eine Feier abgehalten werden sollte. Es soll getanzt worden sein, was bei der Ueberfüllung des Hauses zum Einsturz beigetragen haben dürfte.
Um 10 Uhr waren 52 Tote geborgen, jedoch ist die Zahl der Opfer erheblich höher, da auch einige der Schwerverletzten bereits gestorben sind. Mehr oder weniger schwer verletzt sind etwa 100 Personen. 4—5 Personen werden noch vermißt. DaS Gebäude sollte, um einen Saal zu gewinnen, 1.60 Meter durch den Werkmeister Nückgaucr gehoben werden. Die Hebung hatte heute früh 7 Uhr begonnen und war bis auf 5 Zentimeter glücklich beendet, als daS HauS plötzlich um 3/* 1 Uhr ohne vorausgegangene verdächtige Anzeichen in sich zusammen stürzte. An der Hebung deS Gebäudes, eines zweieinhalbstöckigen Baues, waren etwa 70 Arbeiter beschäftigt, während im Haufe auS Anlaß der Hebung etwa 130 Personen zu einer Metzelsuppe vereinigt waren. Der Liederkranz, der sein Lokal dort hatte, trug Lieder vor. Getötet sind großenteils Arbeiter und Bürger von Nagold und der benachbarten Orte. Die Toten sind teilweise durch Erstickung umgekommen, teils zerdrückt und gequetscht. Bei den Verwundeten wurden viele Arm- und Beinbrüche, Quetschungen und innere Verletzungen festgestellt. Die erste Hilfe wurde von der Nagolder Feuerwehr geleistet, der alSbald die Feuerwehren der Umgegend zu Hilfe kamen. Aerzte von Calw, Horb, Altensteig, Haiterbach und Gutingen leisteten Hilfe. Die Toten wurden ins NathauS gebracht, wo sic bleiben, bis die Staatsanwaltschaft ihre Beerdigung gestattet. Die Verwundeten wurden im BezirkSkrankenhaus, im evangelischen Vereinshaus und in Privathäusern untergebracht.
Die Ursache deS Unglücks ist noch nicht sestgestellt. Abends traf der Minister des Innern v. Pifchck ein. Der König sandte ein Bei le idStelegramm. Die Bürgerschaft von Nagold ist in großer Bewegung. Die AufräumungS- arbeiren find nahezu beendet und werden die Nacht hindurch fortgesetzt. DaS zerstörte Haus ist etwa 54 Jahre alt.
Sitzung der Stadtverordneten.
Gießen, 6. April.
Anwesend: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Cucschmann und Georgi, die Stadtverordneten: Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, EmmeliuS, Euler, Faber, Gabriel, Dr. Gutfleisch, Dr. Haberlorn, Helfrich, Helm, Huhn, Iann, Jughardt, Keller, Kirch, Krunmi, Leib, Loder, Loos, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Wallenfels und Dr. Wimmenauer.
Zu Beginn der Sitzung gedachte Oberbürgermeister Ate cum des HinscheidenS deS Stadtverordneten Schiel e. Er hob hervor, daß ber Verstorbene in der Versammlung selten das Wort genommen, wenn er dies aber getan habe, sei sein Wort bei seinen Kollegen schwer in die Wagschale gefallen. In den Fragen des Gaswerks, bei der Erweiterung des Wasserwerkes, bei der Errichtung des Elektrizitätswerkes, sowie bei der Anlage des neuen Friedhofes sei Schieles Rat und Ansicht bestimmend für die Kommissionsbeschlüsse gewesen, die dann vom Plenum gutgeheißen wurden. Die Stadtverordneten-Versammlung und die Bürgerschaft werden dem Entschlafenen ein treues Gedenken bewahren.
Tie Herstellung des Landgraf Philipp-Platzes hat bereits zweimal die Versammlung beschäftigt. DaS Tiefbauamt hat einen Kostenvoranschlag aufgestellt, wonach die Befestigung des Platzes in einfacherer Weise 18 000 Mk. kosten würde. Stadto. Lö ber erklärt, daß, wenn man schon einmal etwas niache, man es auch gleich richtig machen solle. Ihm wäre, wie er schon früher gesagt hat, das frühere Projekt, das für den Platz 26 000 Mk. vorsah, lieber. Stadto. Leib wünscht zu wißen, ob der Platz auch wirklich allen Anforderungen entsprechen würde, wenn man 18 000 Mk. dafür ausgiebt. Auf den Platz fei schon früher viel Lahn- kieS geschüttet worden, um ihn trocken zu legen, aber ohne Erfolg. ES sei zu befürchten, daß nach einigen Jahren sich herausstelle, daß eS ein Fehler gewesen ist, an dieser Stelle zu sparen. — Der Oberbürgermeister betont, daß er eS für wünschenswert halte, den Platz so anzulegen, wie eS der erste Plan vorsah. Nur soll statt der gärtnerischen Anlage in der Mitte eine Bekiesung vorgesehen werden. — Die Stadto. Petri und Wallenfels sind der Ansicht, daß das billigere Projekt vollkommen genüge. — Der Oberbürgermeister weist darauf hin, baß man durch eine ordentliche Befestigung deS Platzes die Mehrkosten jährlich an Unterhaltungskosten sparen wurde.
Stv. Huhn erklärt, daß eS richtig sei, die Straßenzüge über den Platz zu pflastern, wie es das erste Projekt vorsah. Eine bloße Chaussierung sei nicht zu empfehlen. Er empfabl, das erste Projekt zur Ausführung zu bringen. Stv. Gabriel hat einen Kostenvoranschlag ausgearbeitet, wonach sich die Herstellung des Platzes auf 10 bis 12 000 Mark stellt. Die Abstimmung ergab, baß 13 Stadtverordnete zustimmen, den Platz nach dem früheren Projekt ohne Schmuckplatz in der Mitte mit einem Kosten-


