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8.6.1906 Erstes Blatt
 
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einen oder in der anderen Weisegedeckt" ist. Es lastet ein ungesunder, unschöner Druck auf den Gemütern, übertriebene Sorge um das wirtschaftliche Fortkommen, die Karriere, nicht zuletzt das gesellschaftliche Ansehen, den Ruf der politischen Harmlosigkeit undtadellosen" kon­ventionellen Wohlanständigkeit. Sind wir an sich schon nicht großzügig veranlagt, außer im luftigen Reiche der Ideen, so drückt auch die Enge unserer Behausung auf uns und verengert unseren Sinn noch mehr. Wir wohnen im Reichshäuschen schon zu eng und. dicht neben- und aufeinander und stoßen bei jeder freien Bewegung auf irgendwelche anderenberechtigten" Interessen, Ansichten, Gepflogenheiten u. dergl. Unsere Verhältnisse werden immer kleinlicher, und wir mit ihnen. So treten wir auch immer seltener aus uns selbst heraus, und bald nur noch, wenn uns der Wein die Zunge löst, der sich dazu besser eignet als das volkverdummende Bier. Kurz: ein Idyll, ist es aber ein schönes?

Kvangeüsch-sozialer Kongreß.

(Unberechtigter Nachdruck verboten.) IH.

H. F. Jena, 6. Juni.

Der Maximalarbeitstag.

Nach einer langen Mittagspause beschäftigte sich der Kongreß mit dem Maximalarbeitstage. Der Berichterstatter, Privatdozent Dr. Bernhard Harms-Tübingen, führte u. a. aus: Die in den meisten Arbeitszweigen bestehende Arbeits­teilung, wonach der Arbeiter nur immer einen Teil dcs Pro­dukts anfertigt, hat die Arbeitsfreudigkcit erheblich herab­gedrückt. Es ist daher notwendig, die Arbeitszeit zu 'verkürzen. Minister a. D. v. Berlepsch hat ausgerechnet, daß eine Fabrikarbeiterin, die gleichzeitig Gattin und Mütter ist, einschließlich der notwendigsten häuslichen Ver­richtungen täglich 17 Stunden arbeiten muß. Daher die große Säuglingssterblichkeit in den Jndustrieorten. Aber selbst wenn letzteres nicht der Fall wäre, so muß man sich doch fragen: was soll aus den Kindern werden, die der mütterlichen Erziehung vollständig entbehren? Eine Ver­kürzung der Arbeitszeit für verheiratete Fabrikarbeiterinnen muß gefordert werden. In den Zeißwerken hat Professor- Abbe die achtstündige Arbeitszeit mit dem Erfolge eingeführt, daß sowohl die Unternehmerrente, als auch der Akkord­arbeitslohn durch die größere Arbeitsintensität sich erhöht hat. Der Redner faßte schließlich seine Ausführungen in einer Reihe von Leitsätzen zusammen. Es müsse dafür ge­sorgt werden, daß nicht ganze Volksschichten durch zu lange Arbeitszeit gesundheitlich Schaden erleiden. Der internationale Wettbewerb gestatte den Maximalarbeitstag nicht. Aber auch die Saisonarbeiten, insbesondere die Ernte arbeit auf dem Lande, machen einen Maxima la rbeitstag un­möglich. Es komme hinzu, daß die Einführung des gesetz­lichen Maximalarbeitstages ein häßliches Tpionagesystem züchten würde. Er halte es für richtiger, daß die Arbeiter sich den Maximalarbeitstag selbst durch ihre Organisation er­kämpfen. Vom Staate sei nur zu verlangen, daß er den Arbeitern das Koalitionsrecht in unverkürzter Weise gewähre und für gesetzliche Vertretungen sorge, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gemeinsamer Weise sich über die Arbeitsverhältnisie verständigen können. Weiter dürfe der Staat in gesundheitlich einwandsfreien Betrieben in die Arbeitszeit für erwachsene Männer nicht eingreifen. (Leb­hafter Beifall.)

In der Besprechung nahm zunächst das Wort Prof. Dr. Franke-Berlin, Herausgeber derSozialen Praxis": Nach Aeußerung des Grasen PosadowSky sei die Einführung des zehnstündigen Maximalarbeitstages für Frauen in nächster Zeit zu erwarten, und zwar sprach Graf Posadowsky ausdrücklich von kurzfristigen Uebergängen. Seit 1900 bestehe zwecks Regelung der Arbeitszeit eine inter­nationale Vereinbarung, zu der, außer vielen freiwilligen Persönlichkeiten, mit Ausnahme von Rußland, einigen Balkan­ländern und Spanien, alle Negierungen Europas gehören. Amerika habe sich diesem Bunde angeschlossen. Die Tarif­bewegung, in der die Regelung der Arbeitszeit eine her­vorragende Rolle spiele, vollziehe sich in der ruhigsten und friedlichsten Weise, ohne daß die Industrie oder das Unternehmertum irgend welchen Schaden erleiden. Wenn das Unternehmertum des Saarreviers diese Bewegung zu verbieten suche, so sei das eine Frivolität, die an Wahn­sinn grenze. (Lebhafter Beifall) Zu den gefährlichen Be­trieben gehöre auch der Bergbau. Deshalb sei die For­derung der Bergarbeiter nach Arbeitszeitverkürzung voll berech­tigt. Es wurde einmal gesagt: Diejenige Nation werde auf dem Weltmärkte siegen, deren Angehörige in ihrer Mehrheit helläugig und breitbrüstig seien. Hoffen wir, daß dies die Deutschen sein werden, dazu ist aber die notwendige Voraus­setzung die Verkürzung der Arbeitszeit. (Lebhafter Beifall.)

Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Adolf Wagner-Berlin: Auf der Versammlung des Vereins für Sozialpolitik 1905 in Mannheim wurde gesagt: die christlichen Gewerkschaften seien noch viel gefährlicher als die sozialdemokratischen, denn erstere bildeten die Vorfrucht der Sozialdemokratie. (£Ört! Härt 1) Nach diesem Vorgang sei an eine Verständigung mit den Unternehmern nicht zu denken. Ungemein traurig sei es, daß auf der Mannheimer Versammlung selbst der Kurator der Bonner Universität, die ehemalige rechte Hand des Fürsten Bismarck, Geheimerat v. Nottenburg, mit Hohn ein Sozialmoralist" genannt wurde, weil dieser Mann seine sozialpolitische Ueberzeugung aussprach, die dem Unternehmer­tum nicht behagte. Die Verkürzung der Arbeitszeit sei nicht bloß eine Forderung der Arbeiter, sondern der deutschen Nation, ja der ganzen Kulturwelt. (Lebhafter Beifall.) Mögen Sekretäre und Unternehmer noch so sehr über uns spotten, wir erachten es für unser Recht, ja für unsere soziale Pflicht, die Verkürzung der Arbeitszeit auf gesetz­lichem Wege zu fordern. Sollte es nicht gelingen, diese Forderung durchzusetzen, daun hat das Zeitalter der Maschinen für die Menschheit keinen Segen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.)

Prof. Dr. Bernhard-Posen: An eine Verständigung mit den Unternehmern sei nach den Vorgängen im Berg- und Metallarbeiter streik nicht zu denken. Ec sei ge­fragt worden, wohin solche Zustände führen sollen. Er sei nicht in der Lage, hierauf zu antworten. Oftmals sei aber

eine bloße Frage bester als eine abgeschlossene Antwort. (Stürmischer Beifall.)

Die Lehrerinnenfrage auf dem Deutschen Lehrertage.

Wie wir bereits meldeten, hat sich der in München ver­sammelte Deutsche Lehrertag mit der Lehrerinnenfrage be­schäftigt. Dabei kam es zu stürmischen Auftritten und zu ziemlich heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Lehrern und ihren Kolleginnen. Der Referent Oberlehrer Laube aus Chemnitz hatte folgende Leitsätze beantragt:

1. Für die Anstellung von Lehrerinnen an den Volks­schulen darf nicht das Bedürfnis der Frauen nach Erweite­rung des Kreises weiblicher Berufstätigkeit, sondern nur das Interesse der Schule bestimmend sein. 2. Die Erziehung der Jugend ist die gemeinsame Aufgabe beider Geschlechter. Da aber in der Familie der weibliche Erziehungseinfluß vorherrscht, so muß die öffentliche Schulerziehung, die eine Ergänzung der Familienerziehung bringen soll in Knaben- und Mädchenschulen vornehmlich unter männlichem Einflüsse stehen. 3. Die Forderung, an Mädchenschulen nur Lehrerinnen anzustellen, muß über­dies noch aus folgenden Gründen abgelehnt werden: Die Lehrerin kann für sich weder ein tieferes Verständnis der Mädchennatur noch eine größere Kenntnis des weiblichen Pflichtenkreises beanspruchen, noch verfügt sie als Frau dem Mädchen gegenüber über eine reichere Auswahl wick- sanfr Erziehungsmittel als der Lehrer. 4. Nach ihrer physischen und psychischen Verfassung, nach ihrer Vorbildung, nach ihren sozialen Verhältnissen sind im allgemeinen bic Lehrerinnen nicht in dem Maße für die Arbeit der Volksschule geeignet wie der Lehrer. Sie können daher in der Volksschultätigkeit die Lehrer nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. 5. In der Verweiblichung des Lehr­körpers der Volksschule liegt eine Gefahr für die Ent­wicklung der Schule, für ihre Unabhängigkeit und für unser gesamtes Volkstum."

In einer Begründung führte Oberlehrer Laube u. a. aus:

Solange auch nnc noch eine männliche Lehrkraft wirkt, wird es immer als unangenehm empfunden werden, etwa ein mcibl'ches Direktorat erstehen zu sehen. Das entspricht auch iiicht dem germanischen Gefühl. (Heiterkeit bei den Lehrerinnen.) Ich unterschätze dabei keineswegs das oft scharf allsgeprägte Herrschertalent der Frau. (Stürmische Heiterkeit.) Sie mögen sich oft sogar ganz sicher besser eignen zum Rektorat als ein im Pedantismus erstarrter Schulmonarch. (Lebhafter Beifall.) Aber selbst Helene Lange sagt, daß das Rektorat an einer Berliner Gemeindeschule schwerlich immer mit weiblichen Waffen auskommen dürfte. (Sehr richtig!) Ueberdies trägt aiich die weibliche Natiir Eigenschaften in sich, die sehr unnn= genehm inbezug auf Zu- und Abneigung in die Erscheinung treten können. (Heiterkeit und Beifall.) Und wenn es trotz der aus diesem Gesichtspunkte sich ergebenden Bedenken gelungen ist, der Frau den Weg zur Schule immer mehr zu erleichtern, so kommt dafür alles mögliche in Frage, nicht zuletzt aber gewisse stadtväterliche Fürsorgebestrebungen (Heiterkeit), der Lehrmangel und die Billigkeit der Frauenarbeit. Der alten, verbitterten, trockenen Lehrerin wird jene sonnige Heiterkeit des Gemüts fehlen, die die erste Vorbedingung für ein ersprießliches Wirken an der Volksschule ist. (Ohorufe und Unruhe bei den Lehrerinnen.) Dem könnte ja nun vielleicht begegnet werden durch die Aufhebung de§ Cölibats. (Heiterkeit).

Die Leitsätze und die Begründung des Referenten erregte den Unwillen der Lehrerinnen, der in der nachfolgen­den Erörterung zum Ausdruck kam. Dem Berichte über diese Erörterung entnehmen wir folgendes:

Hierauf nimmt, mit Beifall und Unruhe empfangen, Helene Lange das Wort: Gestatten Sie, so führte sie aus, einer alten, verbitterten, trockenen Lehrerin, einer unverheirateten, hier aufzutreten. (Heiterkeit), Beifall, Zurufe.) Sie können es uns nicht verargen, wenn wir durch den ganzen Verlauf der heutigen Verhandlungen das Gefühl gewonnen haben, daß mit uns hier nicht gerecht verfahren wird. (Unruhe.) Meines Er­achtens hätten Sie mindestens eine Lehrerin zur Korreferentin bestellen müssen, da es nicht möglich ist, in zehn Minuten Sandkorn auf Sandkorn zu häufen gegenüber dem Schwall kalten Wassers, das der Referent über uns auSgegossen hat. Sollten Sie aber wirklich die Ihnen von dem Referenten vorgelegten Thesen annehmen, die eine Beleidigung für uns sind (Unruhe, Zurufe), ich wiedevhole, die eine Beleidigung für uns sind (Beifall bei den Lehrerinnen, Unruhe und Zu­rufe), so ladet der Allgemeine deutsche Frauenverein Sie hier­mit zu einer Protestversammlung gegen diesen Beschluß für den Donnerstag ein, einer Protestversammlung, in der wir Ihnen auch nur zehn Minuten Redezeit gewähren. (Zuruf: Nur zu, wir kommen!) Ich behaupte auf Grund meiner reichen Erfahrungen, daß die nicht verheiratete Frau noch immer besser die Mädchen unterrichtet als der Lehrer. (Unruhe.) Inbezug auf die Frauenfrage hat der Referent in jedem Satz eine Unrichtigkeit behauptet. (Unruhe. Beifall bei den Lehrerinnen.) Er hat behauptet, daß die Frauenfrage der wirtschaftlichen Not entsprungen sei, während tatsächlich immer die Idee dem wirtschaftlichen Zwang vorausgeeilt ist. Wir verlangen nicht, daß die Lehrerin den Ausschlag gibt. Versperren Sie uns aber nicht den Weg ohne Grund, halten Sie uns vielmehr die Bahn frei. (Beifall und Unruhe). Lassen Sic die Lehrerinnen auch in Zukunft treu zu dem ihr anvertrauten Kinde stehen! Helfen Sie den Bestrebungen der rechten Frauen­bewegung die Bahn bereiten, den Geist der Mütterlichkeit pflegen und diesem Eingang verschaffen in unserem öffentlichen Leben und in den sozialen Institutionen. Nach dieser Rich­tung heißt es auch für uns Frauen: Vorwärts! (Großer Beifall bei den Lehrerinnen.)

Bürgermeister M atti n g-Charlottenburg erklärt: Er­halte es für ein Gebot der Wahrhaftigkeit, hier zu erklären, daß die Frau sich im Schuldienst bewährt habe. (Stürmischer Beifall bei den Lehrerinnen.)

Dr. Barth-Stuttgart: Die Frauen haben in der Debatte über diese Frage eine unehrliche Kampfesweisc angewandt. (Unruhe. Beifall.) Wenn das so weiter geht, kann man noch sein blaues Wunder erleben. (Zuruf einer Lehrerin: Besonder? bei Ihnen! Stürmische Heiterkeit.) Zu welchen Anschamingen die Damen fähig sind, zeigt das Beispiel Maria Lischnewskas, die sich das sexuelle Gebiet ausgesucht habe, wohl, weil sic unverheiratet sei. (Stürmische Pfuirufe

bei den Lehrerinnen, die sich in diesem Moment erhoben haben und unter der Führung von Helene Lange mit Aus­nahme von Frl. Lischnewska zum Protest den Saal ver­lassen.

Der Protest der Lehrerinnen.

Nachdruck verboten.

8. H. München, 7. Juni.

Der allgemeine deutsche Lehrerinnenverein hielt heute die angekündigte Protestversammlung ab. Die Versammlung war äußerst zahlreich besucht, nicht nur von Lehrerinnen, sondern auch von Lehrern. Den Vorsitz führte Helene Lange, die mitteilte, daß die Thesen des Hauptreferenten Laube-Chemnitz zwar nicht vom Lehrerverein angenommen seien, daß also die hiergegen beabsichtigte Protestkundgebung eigentlich in Wegfall kommen müßte, daß aber andererseits der Lehrertag die Lehrerinnen so wenig habe zum Wort kommen lassen, daß es durchaus angebracht sei, gegen die Injuri en zu protestieren, die auf dem Lehrertag gegen die Lehrerinnen erhoben worden seien. Tie Rednerin behandelte ausführlich die Ausführungen der verschiedenen Lehrer auf dem Lehrertag und wurde dabei durch lauten Beifall der Lehrerinnen unterstützt, während die anwesendenLehrer wiederholt durch lebhafte Zwischenrufe ihren Gegenstandpunkt zu wahren suchten. Nachdem in der Diskussion eine ganze Reihe von Lehre­rinnen das Wort genommen hatten, einigte man sich schließlich auf folgende Resolution: 1. In jedem Lehrkörper, und zwar sowohl an Mädchen-, als auch an Knaben­schulen unterrichten männliche und weibliche Lehrkräfte in der Weise, daß der ausschlaggebende Einfluß bei der K n a b e n e r z ic h un g dem Manne, beider Mädchenerziehung der Frau cingccäumt wird. 2. Bei gleicher Vorbildung und beruflicher Tüchtigkeit der Bewerber ist in den Knabenschulen dem M a n n e, in den Mädchen­schulen der Frau der Vorzug bei der Besetzung leiten­der Stellungen zu geben. 3. Der Lehrerin ist eine Aus­bildung zu gewähren, die der des Lehrers gleich­mäßig ist. Aiich auf die körperliche Ausbildung ist Gewicht zu legen. 4. Für die Besoldungsverhältnisse gilt der Grundsatz: gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Sitzung des Provinzial-Ausschusses.

Gießen, den 6. Juni 1906.

Johann Höxter mann von G r ü n b e r g war um die Er­laubnis zur Errichtung einer S ch a n k w i r t s ch a s t in Alsfeld eingekommen. Der Gemeinderat uon Alsfeld halte die Bedürfnis­frage bejaht, der Kreisausschuß des Kreises Alsfeld aber das Gesuch mangels Nachweises eines Bedürfnisses abgelehnt. Ter Anwalt des Gesuchstellers verfolgte hiergegen Rekurs an den Provinzial- Ausschiiß. Nachdem iit der heutigen Sitzung festgestellt worden war, daß es sich um einen neu aufstrebenden Stadtteil handelt, in dem die Wirtschaft errichtet werden soll, und daß sehr wohl ein Bedürfnis nach einer Wirtschaft vorhanden ist, genehmigte der Provinzial-Aiisschiiß die Erteilung der nachgesilchten Kon­zession. Aus den gleichen Gründen wiirde auch das Gesiich des Herniann Alfred I e n i d) e n von Alsfeld um Erlaubnis zum Betrieb einer Schank wirtsch ast genehmigt. Dieser will in der Nähe des vorerwähiiten Höxtermann'schen Hauses ein Gebäude errichten, das dem Wirtschaftsbetrieb dienen soll. Auch dieses Gesuch war von dem Gemeinderat zu Alsfeld befürwortet mid von bem Kreisausschuß abschlägig beschieden worden, weil et ein Bedürfnis nicht als vorliegend erachtete. Ter Provinzial-Aus- schuß fant aus den dessallsigen Rekurs in seiner heutigen Sitzung aus gründ der Zeugenvernehmungen zu einem anderen Ergebnis.

Tie Brüder Rothschild besitzen in A l s f e l d ein Geschäfts­haus, das sie einer größeren Reparatur zu unterziehen beabsichtigen. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Alsfeld b e a n ft n n b e t e die von denselben eingxreichten Pläne und zwar in der Haupt- sache deshalb, weil eine Mauer nach dem Nachbargrundstück nicht als Brandmauer aufgeiührt werden sollte. Tie Pläne wurden zwar abgeändert, gleichzeitig aber and) ein Gesuch eiugereicht, in welchem um Erlaß dieser Bedingung gebeten wurde. Jnsbesoitdere suchten die Gesuchsteller nachzuweisen, daß ihnen durch die Aus- sühruiig der fraglichen Brandntauer tinverhältnismäßige Kosten erwachsen würden. Der Provinzial-Attsschuß hatte daher gemäß Artikel 25 der Allgemeinen Bauordnung heute darüber zu ent» scheiden, ob dieser Emwand bered;tigt ist ober nicht. Er kant zu der letzteren Ansid)t und wies daher die G e s u ch st e l l e r k o st en- pflichtig ab.

Der Gemeinderat zu Vilbel plant schon seit längerer Zeit bfc E r r i ch tung einer Gasanstalt. Um nun über die Rentabilität einer solchen Anlage eilten Anhalt zu gewinnen, erließ die Großh. Bürgermeisterei ein Rundschreiben, in bem sie zur Be­teiligung an der Anlage aufforderte rntb zugleich für die, die binnen einer bestinimten Frist ihre Beteiligung zusagten, die kostenlose Ausführung der Hausanschlüsse bis 3 Meter hinter die Grundstücks- grenze, einschließlich der Aufstellung der Gasmesser in Aussicht stellte. ES liefen dann eine ganze Anzahl Anmeldungen ein, sodaß der Gemeniderat die Errichtung der Gasanstalt beschloß. Kurz darauf langte eine Beschwerde einer Anzahl Ortseinwohner ein, die der Zusicherung der kostenlosen Ausführung der Hausanschlüsse usw. widersprachen, da sie hierin eine Schädigung des Gemeinde­vermögens erblickten. Sie protestierten als Steuerzahler hiergegen und verlangten die Aufhebung des Beschlusses des Gemeinderats, durch den die Errichtung deS Gaswerks zur Tatsache wurde. Der Kreisausschuß des Kreises Friedberg, an den die Sache zur Ver­handlung erwud)s, erklärte die Beschwerde, insoweit sie sich gegen die Ausführung des Gasiverks durch die Gemeinde in eigener Regie und auf deren Risiko ridttete, für unzulässig und erkannte weiter, daß die Anmeldungserklärtmg nochmals 14 Tage in der Gemeinde offen zu legen, und den Einwohnern, die ftd) noch nicht angeschlossen hätten, der Anschluß unter den gleichen Bedingungen zu ermöglichen sei, unbeschadet der bereits vorliegenden Verpflichtungs­erklärungen. Tie Anwälte der Besd)werdesührer legten gegen diese Entscheidung Rekurs an den Provinzial-Ausschuß ein. Zum Beweise der Aktivlegitimation der Beschwerdeführer wtirde be­hauptet, daß auch den als Steuerzahler Geschädigten ein Rekurs­recht nach der Landgeineindeordnuiig zustehe. Die Rid;tigkeit dieser Behauptungen wurde von der Gegenseite bestritten. Der Provinzial- Ausschuß bestätigte heute das Urteil desKreisaus- s chuss es, da die Rekurrenten nad) der Rechtssprechung der Verwaltungsgerichte als zur Beschwerde nicht berechtigt zu be- trachten seien.

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt i ..g . i_,.r JiubriE stehenden Artikel

übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

In unseren herrki len Anlagen ist bei schönem Wetter für E r w a ch s e n e t a t s ä ch l i ch fein Platz z u finden, da alle Sitzplätze von Kindern und Kindermädchen besetzt sind. Es dürfte sich empfehlen, noch eine größere Anzahl Bänke in den Anlagen aufzustellen und davon einige mitNur f ü r Erwachsene" bezeichnen zu lassen.

EinPrivatier, der von Gießen nicht gern weg- ziehen nt ö ch t e._____________________________________________

Laniilien-tlachriebten.

Geboren. Herrn Brand und Frau, Elsbeth, geb. Zahn, Dillenburg, einen Sohn.

G e st o r b e n e. Herr Heinrich Lange, Marburg. Herr Jacob Müller HL, Alsfeld. Frau Auna Brauer, Marburg. Frau Pauline Dörr, geb. Knaup, Marburg.