Ausgabe 
6.3.1906 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Nr. 55

Erscheint E-Nch mit Ausnahme beS Sonntags.

Die Lietzener Lamlttenblatter" werden dem eHnüetqeT viermal wöchentlich beigelegt Der EHejßjch, Landwirt" erscheint monatlich einmal.

156. Jahrgang

Dienstag 6. März 1806

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'lch« UnwerfUäiSdruckerei. R. Lange. Gie^e».

Redaktion. Expedition u. Druckerei: ©cbufftr-t»

Tel. Nr. 6L Telegr^Sldr. r Anzeiger ätefcm.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen.

itzung des Provinzial-rlusfchusscs der Provinz

tun al§ darauf hinwirken, das der oeutteye Exporteur nici)i meinde. Infolge eines Vertrages mit einem Gutspa Cyrc- gezwungen werden solle, diejenigen erhöhten Zollsätze zu tragen Altenburg ist diesem die Anschaffung und Unterhaltung ioie die geforderten, weil durch Ereignisse, die nickst den Charakter > G^meindeebers übertragen worden. Da der Pächter

selbst

n

Schweinezüchter ist, so lag es in seinem eigenen Znteresse^daß er nur erstklassiges Zuchtmaterial anschasstc, sodatz cm Grund zur Aage für die Gemeindcmitgliedcr seither nicht gegeben war. Wohl aber beanstandete das Großh. Krcisamt Alsfeld das Ver- tragsverhältnis, da nach dem Gesetz bett, das Faselweien die Faseltiere in der Regel im Eigentum der Gemeinde sich befinden ollen. Der Kreisausschuß beschloss denn auch, das; die ^Ge­meinde den Eber in Eigentum zu erwerben habe, da keine G-rnnoe Vorlagen, um eine Ausnahme von der gesetzlichen Bestimmung zu gestatten. Der hiergegen an den Provinzial-Ausschust gerichtete Rekurs war von Erfolg begleitet, denn dieser entschied heute, das; die Erneuerung des seitherigen Pachtverhälttiisses zugelasten werden könne, wenn wahrend der Dauer des Pachtverhältnisses in der Person des Gntsvächters ein Wechsel nicht einttitt.

Zölle ihres Zollgesches nicht erhoben habe, weil Rußland dieser Stoffe bedürfe. Gegen eine solche Mißachtung deutscher Jntereffen

der höheren Gewalt tragen, sondern vielleicht hätten vermieden iverdcn können, Abfertigungs-Schwierigkeiten eingetretcn seien. Der Reichskanzler werde seine Bemühungen nach dicsr Richtung fortsehen und man hoffe bestimmt, daß es geling-n werde, mit der russischen Regierung zu einer Verständigung ;n gelangen, wonach diejenigen Exvorteurc, die an der Forderung des höheren Zollsatzes gewissermaßen unschuldig seien, in gewißen Grenzen schadlos gehalten würden.

Abg. Schrader (fr. Vg.l beantragt Besprechung der Jnter-

j)otttische Tcrgesschatt.

Abeffynien.

Der Fragezettel de§ Reichstags in Sachen der auswär­tigen Politik ist um eine Nummer bereichert durch das Bc- , kanntwerden der'Verhandlunaen zwischen England, Frankreich ' und Italien über eine abessqnische Konvention. Ob Fürst Bülow bei der demnächst stattfindenden Beratung seines Etats in der Lage sein wird, hierüber nähere Auskunft zu erteilen, erscheint allerdings zweifelhaft. Vermutlich wird der Abschluß der abess. Konvention bis zu den im Mai erfolgenden fran­zösischen Neuwahlen hingezogcn werden, damit Rouvier ein Trumpf für diese Wahlen aufgespart bleibt. Aber die Tat­sache, daß solche Konvention angestrebt wird, ist von Allge­meiner, symptomatischer Bedeutung, und unter diesem Gesichts­punkt dürfte es dem Fürsten Bülow nicht nur möglich, sondern sogar erwünscht sein, von der Entschlossenheit der Regierung, Deutschlands Interessen in Abessynien zu wahren, Zeugnis abzulegen. Zwischen dem Reich des Ncgus und Marokko besteht zwar ein wesentlicher Unterschied insofern, als Menelik denn doch nicht so mit sich umspringen läßt, wie Abdul Aziz es geschehen lassen müßte, wenn sich nicht Deutschland hinter die Forderung der Unabhängigkeit Marokkos gestellt hätte. Aber die Spuren im Dattetlandc schrecken, und deni Druck einer Vereinigung von Mächten würde am Ende auch Menelik nachgeben müssen, wenn nicht die anderen interessierten Mächte beizeiten gegen Uebergriffc Front machten. Neben Deutsch­land sind dies die Vereinigten Staaten und Oestcrrcich-Uu- garn. Das kürzlich vom Reichstage angenommene Handels­abkommen mit Abessynien ist ein Meistbegünstigungsvertrag, demzufolge Deutschland alle Rechte, Vorteile und Privilegien zufallen, die Abessynien anderen Staaten zngestcht. Das bezieht sich selbstverständlich auch auf den für die Erschließung des abessynischen Wirtschaftsgebietes so wichtigen Eisenbahnbau, bei dem Deutschland ein Mitbestimmungsrecht verlangen muß, wenn es nicht bei dem kommerziellen Wettbewerb in Abessynien in den Hintergrund gedrängt werden will. Fürst Bülow rorb also wohl keinen Zweifel darüber lasien, daß zwischen Eng­land, Frankreich und Italien die abessynische Rechnung nicht ohne Deutschland gemacht werden darf, und daß es anderer­seits ein Trugschluß wäre, wenn man annähme, Deutschland werde dadurch, daß man die abesiynische Frage aufrollt, zur .Kapitulation* in Marokko sich veranlaßt sehen.

Submissions-Grundsätze.

Die Stadt Trier hat neue Bedingungen für die Ver­gebung von Leistungen und Lieferungen zu städtischen Bau­ausführungen ausgearbeitet, in denen für die Zuschlags- crteilung folgende ziemlich sachgemäße Grundsätze enthalten sind: Angebote, die nach Ablauf der Einlieferungsfrist ab­gegeben werden, sind nicht zu berücksichtigen. Bei der öffent­lichen Vergebung soll der Zuschlag die Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit des Unternehmers, sowie die Angemessen­heit nicht die unbedingte Niedrigkeit der Preise zur grundlegenden Voraussetzung haben. Bei gleichen oder nicht erheblich höheren Preisen sind die einheimischen Ge­werbetreibenden, sowie diejenigen Handwerker vor­zugsweise zu berücksichtigen, welche zur Führung deS Meister­titels berechtigt sind. Firmen, die inbezug auf die Arbeits­zeit, den Arbeitslohn und die Behandlung ihrer Arbeiter un­billig handeln, sind von der Zugschlagserteilung auszuschließen. Bei beschränkter Verdingung hat die Vergebung an den Mindestfordernden zu erfolgen, wenn die Angebote nach allen Richtungen gleichwertig sind. Stadtverordneten und Mitgliedern der städtischen Deputationen dürfen Arbeiten und Lieferungen für städtische Bauaus­führungen nur mit jedesmaliger Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung übertragen werden. Der Zuschlag wird bei Beträgen unter 1000 Mk. durch den Oberbürgermeister bezw. seinen Stellvertreter erteilt. _ Diese Befugnis kann für Betrage unter 500 Mk. den Vorstehern bcc Dienstzweige (Abteilungsbauincister) und für Beträge unter 100 Mk. den mit der betreffenden Bauleitung betrauten Beamten übertragen werden. Bei Vergebungen über 1000 Mk. beschließt die Baudeputation. Die laufenden kleineren Unterhaltungsarbeiten sind unter die als zuver­lässig bekannten Handwerksmeister Trier's auf gründ von Einheitspreisen zu verteilen, die alljährlich durch die Baudeputation nach vorheriger Anhörung von Sachverständigen aus den Kreisen der bezüglichen Gewerbe- treibenden festgesetzt werden.

Deutscher rieschstcrg.

5 7. S i tz u n q vom 5. März 1906.

In dritter Lesung wird die Vorlage wegen Ueberleüung von Hypotheken des' früheren Rechts definitiv- angenommen. Es folgt die Interpellation G o t h e i n - c m m l e r-Mn l l e (Meiningen) betrefferid die zollamtliche A b s e r 11 g u n deutscher Ausfuhrgüter a n den russ. Grenz

russischerseits müssen wir protestieren.

Staatssekretär Graf Posabowsky: Der Untorsch'.ed zwischen dem deutschen und russischen Verfahren bei der Zoll-Ver­waltung bestehe darin: für die Anwendung eines Zollsatzes^ ist bei uns maßgebend der Zeitpunkt, zu welchem die Ware zur Ver­zollung angemeldet und zur Verfügung gestellt wurde; bei der russischen Regierung maßgebend ist der Zeitpunkt der Dcendig- ung der Zollrevision. Ter Staatssekretär teilt")obami dem Haine das gesamte ermittelte amtliche Material mit. auch über die Verhandlungen mit der russisckren Regierung. Daraus geht her­vor, daß die russische Regierung sich gegenüber allen Vorstell­ungen zu einem entgegenkommenden Verfahren nicht gewillt gezeigt habe, daß aber im Wesentlichen nur in Wirb al len und Svsnowice die rechtzeitige Annahme von Waggons verweigert wurde. Der Reichskanzler töime unter diesen Umständen nichts tun als darauf hinwirken, daß der deutsche Erporteur nicht

pellation. .. ~ .

95bg. Beumer (nl.> betont nacgdrucllich u'ierc Export- intcressen und hebt hervor, wie ungemein entgegenkommend unsere Zollverw'ltting sich gegenüber Rußland erweise.

Damit endet die Besprechung. _

Dos Haus tritt dann in die Beratung bes P o st e t a t s ein.

Abg. Gröber (Ztr.> verbreitet sich über die Arbcitsverhalt- nissc der Postbeamten und Unterbcamten an Hand der darüber vorliegenden Tenkschrisl. Er äußert seine Befriedigung nament­lich über die Art, wie je'.tt die Sonntagsruhe geregelt sei. Tie Besserung der Lage der Postbeamten müsse in der begonnenen Weise fortgesetzt werden. Tie Zeit bis zur unkündbaren An­stellung müsse herabgesetzt werden. Weiter verbreitet sich Redner u. a. noch über die Frage der Portofreiheit.

Staatssekretär Kr ä tke verheißt auf Wunsch des Vorredners noch eine Vervvllständigung der postalischen Statistik. Was> die Wünsche wegen Verbesserung der Beamtengehälter anlange, ;o stehe er nicht auf dem Standpunkte, daß die Gehälter nicht ver- besseriistgsfähig seien, schlecht seien die Besoldungen rm Postwegen ober nicht. Bezüglich der Unterbcamten dürfe doch auch nicht vergessen werden, daß eben wieder eine Erhöhung der Wohnungs- geldzuschüsse stattgesiindcn habe. Daß wegen kleiner Verfehlungen Unterbeamten in der festen Anstellung zurückgesetzt würden, treffe nicht zu. Die völliae Portosreiheit für Soldatenpakete sei Nicht angezeigt. Was die besondere Freiheit der Fürstlichkeiten an lachte, so liege es gar nicht in dem Wunsche derselben, solche Berechtig­ungen auch auf ihre gewerblichen Unternehmungen ausgedehnt $U Singer (Soz.) stimmt dem Abg. Gröber in dem Wunsche nach Verkürzung der Arbeitzeit für die Beamten, be­sonders die Unterbeamten, bei. Unerläßlich sei eine Aufbeyerung der Unterbeamtengchälter.

Redner beklagt sodann lebhaft, daß in Bezug auf die Ge­währung des vollen Kvalitionsrechtes an die Beamten der Wind sich leider iit neuerer Zeit wieder etwas gedreht zu haben scheine. Dringend erforderlich sei eine Statistik darüber, in welcher Höhe denn eigentlich die Post von den Portofreihett- Berechtiaten in Anspruch genommeff werde. Redner führt dann c'ne Reibe vlon Fällewan, in denen Untcrbeamte Scherereien fettens ihrer lokalen Vorgesetzten ausgesetzt gewesen seien.

Abg. K o p f ch (irf. Vp.) erklärt zunächst die Zilstimmimg seiner Partei zu den uon der Budgetkonimifsion beantragten Rcsolutioneii betreffend Vortofreihcit für Solbatenvackete, betreffend Erleichterung der Fernsprech- und Telegraphenbenutzung auf deni platten Lands und betreffend Abschaffung des Bestellgeldes und betreffs einer Enquete über die Möglichkeit einer Einschränkung der Vortofreihett fürstlicher Personen. Weiler tuenbet sich Redner gegen ben an­scheinend in der Reichsjustizveriualtung cinqeriffencn rückschritt­lichen Geist. Auch sei die Verwaltiuig au? Erinäßigung der Porto- gebühren im Interesse des Verkehrs nicht bedacht. Selbst dagegen habe der Staatssekretär in der Steuerkomniission bem Verlangen iwch Erhöhung be-3 Portos im Orts- nnb Nachbarortsverkehr und nach Erhöhung der Zeitungsbeförderilngsgebühr fernen Widerstanb entgegen gesetzt, sonderii ihn gebilligt, öobann bringt Redner Be­schwerden" über bit lange Dienstzeit ber Unterbeamten, ungenügende räumliche Unterbringung des UnterbeamtenpersonalS an einzelnen Orten Tie Behandlung der Unterbeamten lasse trotz der guten Absichte,i des Staatssekretärs nicht fetten zu wünschen übrig. Gegen Aeußeriing vo,i Unzufriedenheit seiner Beamten moqe der Staats­sekretär etwas weniger nervös fein.

Hierauf ferfolgte Vertagung. Morgen Fortsetzung, vorher erste Lesung der Hompesch'jchen Gesetzesvorlage. __________

ftationen. .... . , .. . . ,

Staatssekretär Gras Posadowsky erklärt sich bereit, sofort xu antworten. .. _ . .

Abg. Gothein (frs. Vg.) befürwortet die Interpellation und legt bar, in ivelchem Umfange an den russischen Grenzstationen Verkehrsstockungen infolge von Wagenmangel rinsischerseiG statt- gesunden haben, im wesentlichen im Zusammenhänge mit der Revo­lution, außerdem aber auch infolge der durch die bevorstehende Zollerhöhung erhöhten Anhäufung von Waren, -rie russischen Grenzzollämter hätten vorn 27. Februar ab sich äußerst ablehnend verhalten, nicht nur in Bezug auf die Annahme uon (nitci'juqen, sondern auch in Bezug auf Entgegennahme von per Fuhrwerk an Die Grenze kommenden Güter. Die rusiische Eiseiibahnveiwaltung habe, wie es heißt, die Lieferfrist einfach auf 10 -tage verlängert, angeblich auf Grund eines Abkommens mit der unserigen. In Eydlkuhneii-Wirballen und in Akexandrowo standen Ende tfcbriiai- Hunderte von Waggons mit Waren uiiabgefertigt. Von rustischer Seite sei uon Verschulden der deutschen Spediteure gefprocfcn worden. Von einem solchen Verschulden deutscher Spedtteiire sei aber nicht im mindesten die Rede. Charakteristisch sei dabei, dag bie russische Regierung für Rohseide und Halbseide die höheren

Ateines LenslleLon.

A u f d e r D a r m st ä d t e r K n n st - A u s st c l l u n g 1907 werde, wie uns geschrieben wird, die I n n e n ar chi t,e kl u r und die Bildhauerkunst die Hauptrolle spiewn. Tie Vertreter der genannten Kunstgattungen sind bekanntlich die Profeyoren Olbrich und H a b i ch. Alter, Glückcrt, Bembe, Bindewald und andere werden ihre Möbel int DarmstAter etile zeigen, die leider zuteuer sind, um sich allgemein Eingang zu verschonen. Die Darmstädter Bo ! k0 m ö be^l-Jnd u st ric: die Möbel zn mäßigen Preisen im modernen Darmstadter etil herstellt, fehlt uns noch und ihr Erscheinen durfte auf abfehbare Zeit hinaus ausgeschlossen fein.

Berlin, 5 März. Tas Museum für Meereskunde an der hiesigen Universität wurde heute feierlich eröffnet, u-er Feier wohnten bei der Kaiser mit dem Fürsten von Mo­naco, die Minister Studt und von Tirpitz, Vertreter der ge­lehrten Welt und der Marine, fvwie Vertreter zahlreicher Städte. Tvrnf <?,r E v Drvaa lski hielt eine Ansprache, in ber er die Ausgaben des Museums und des Institutes für Meereskunde barlegte und auf die geplanten öffentlichen Vo^rage hinwies, die der breitesten Allgemeinheit nutzen wurden. Er gedachte erchlich des um das Institut hochverdienten verstorbenen Professors Frhr. v Richthofen. Dann folgte die Vorfuhriing einer Reihe von Lichtbildern, die sich aus die Meeressorfchung bezogen xer Rektor der Universität, Prof. Tr. DieiS brachte ein Hoch, aus den Kaiser aus, der hieraus mit dem Fürsten von Monaco einen Rnndgang d urch die Sammlungen machte.

Görlitz 5 März. Iw Stadttheater fand Jon Leh­manns riesige KomödieDas Liedvom braben Mann" bei seiner gesttigen Uraufführung Beifall. Das ^tuck bringt satirische Gegenw-artsoilder aus dem Milieu der haupt­städtischen Presse und Theater.

_ Eine Art Reformtheater soll das neue Schiller- Theater in Charlottenbnrg wtzrden, das am 1. Januar

1907 eröffnet wird. Das Haus soll der Typus des A).Ss- theatcrs sein. Ter griechische Typus hebt die Rangunterfünede aus Das Haus wird nach dem Entwurf des Professors Litt- mann-München ausgesührt. Es wird 1450 Platze enthalten, 1000 int Parkett und 400 auf einer Galerie, die sich über den Hinteren Parkettp'ätzen erhebt. Es soll einen sieben Meter breiten Wandel- gang besinn und durch eine große Anzahl von Türen, die auf diesen Gang münden, die größtmögliche Sicherheit für das Publi­kum bieten. Auf Anordnung des Ministers sei die Zahl der nebeneinanderliegenden Plätze, die sonst 28 int Maximum be­trägt, auf 40 erhöht Worden. Bon einer Trehbühne hat man abgesehen, dagegen ist eine Drehscheibe geplant. Die Garderoben­frage wird dadurch gelöst, datt int ,,Kassenflur" (Vestibül) 8 Gar­deroben nebeneinander angelegt sind und daß jeder Besuches die Garderobe benutzt, deren! Nummer auf seinem Billet angegeben ist und die er gleich bei der Entnahme des Billets^mit bezahlt. Neben dem eigentlickien Theater wird ein großer -Saal gebaut, in dem Volksunterhaltungsabende veranstaltet werden. Der Ver­trag mit der Stadt Cha.rlottenbura basiert darauf, daß die Ge­sellschaft Schiller-Theater 2Vi Millionen erhält, die sie mit 113 000 Mark pro Jahr verzinst.

In ber Münchener Dramatischen Gesellschaft plaubert« biejer Tage Harb en, ber Herausgeber ber ukunf t*, über Münchener Tbeateruerhältmsse. Er sprach besonbers über ben Fall Bah r. Er sprach bie (nach neuester Melbung sich er'üllenbe) Hoffnung aus, baß Bahr Gelegenheit finben möge, sein Können zn zeigen, benn Possart habe zwar uerftanben, sich unb manche Stücke in Szene zti setzen, sei aber boch ein Schauspielerregisseur gewesen, während Bahr wohl das Zeug habe zur kritischen, dichterisch nach- bilbenben unb architektonisch ar.ibmienben Regie Anarchistische Gelüste, bie bei ihm mehr artistisch zu oerstehen seien, würbe er wie jeher verlieren, ber Hofluft atme. Richarb Strauß habe in Berlin schon einen Kaisergeburtstagsmarsch komponiert, worauf ihm ber Kaiser aus bie Schulter geklovit habe: ,2 eh en Sie, lieber Strauß, ich werbe schon noch was aus Ihnen machen".

Oberhessen.

Gießen, 3. März 1906.

Aus Antrag einer Partei war bie für bie heutige öffentliche Sitzung zuerst vorgesehene Sache, bas Schulhaus itz,^?llcny^iM bett., ertagt Nwrben. Statt bessen wurde in nichtöffentlicher Sitzi'v zunächst über die Ge m e i n d e r a t se r g ä n z un g s - waht zu A l m e n r o d : hier K>ostenfestsetzung und noch über einige andere Sachen entschieden. Hiernach kam die Mage des Ortsarmenverbandes Rödgen, Kreis Friedberg gegen! den Ortsonnenverband Wisselsheim Ivegen Unterftiihung bet Wilhelni^tötzer Ehefrau vonRöbgen zur Berhanblung. Nach Ber- nehmnnMbcr erschienenen Zeugen setzte ber Provinzialausichuß die BesMußsassung aus, da er die Sachlage für noch nicht genügend geklart erachtete, um schiw jetzt eine Enttcheibung zu. sällen. Sodann verhandelte man über die Anschaffun g des Faselebers zu Altenburg in Eigentnm der Ge- Infolge eines Verttages mit einem Gutspachter zu

Turntag des Gaues Hessen.

h. Gießen, 4. März 1906.

Unter dem Vorsitz des Gauvertreters Helm- Gießen fand am Sonntag vormittag im Neuen Saalbau der Tnrntag des GaueS Hessen statt. Ans dem Jahresbericht beS Vorsitzenben sei mitgeteilt, baß 1905 7 neue Vereine (Bieber, Gambach, Münzen­berg, Neuslabt, Nieber-Mörlen, WalbgirmeS unb Wißmar) aus­genommen würben, wahrenb sich Amöneburg unb Lützellinben n« angemelbet haben. Die Gautumfahrt fanb am 4. Juni nach Nieber-Wöllstabt statt, bas Gauturnfest vom 13. Juli in AlSfelb. dlusgeschieben ist ber Turiiverein Anspach. Die Zahl ber zum Gau gehörigen Vereine stieg von 64 auf 60, bie Zahl ber Mu- glieber von 7006 auf 7371, bie Zahl ber Steuerzahler von 5911 auf 6287, bie ber Zöglinge von 958 auf 1084, an ben Turnübungen nahmen teil 2617 ( 4- 207), bavon 1580 (1372) Turner unb 1087 (923) Zöglinge. Die Frauenabteilimgen zählen 130 (4- 24) Turnerinnen.

Dem Bericht bes GauturnwartS Will- Gießen sei entnommen, baß bie 4 Bezirksturnerstunben ber 5 Bezirke von zusammen 492 Teilnehmern besucht waren. Außerbem fanb eine Uebung im Keulenschwingen unb ein Turnen ber geübteren Turner am 29. Oktober in ber Tuniballe bes Turnvereins Gießen statt. Du tumerifchen Wettkämpfe bei ber Gauttirnfahrt unb bem ©autum- feft sowie bem Tünsbergfest waren befriebigenb unb ließen Fortschritte erkennen. Von Wettkämpfen aiißerhalb bes Gaues iDitrben bas Felbbergfest unb baS Spichererberg- feft mit gutem Erfolg von Gauangehörigen besucht. Die Rechnunsablage für 1905 ergab eine Einnahme von 1676.95 Mk. (darunter 1523 Mk. Beiträge) unb 1519.76 Mk. AuS- oabc. Das Vermögen bes Gaues beläuft sich auf 549.85 Mk. Tem Rechner Post wurde Entlastung erteilt unb die seitherigen Rechnungsprüfer Atthoff, Vaubel unb Völzel-Gießen wurden roieber- gewählt. Cobaun wurde beschlossen, mit Rücksicht daraus, daß vom Mittelrheinkreis bie Grünbung einer Kreiszeitung beabsichtigt ist, bas VeitragSverhältnis mit bem Verleger ber Turnzeitung für ben Gau Hessen zu lösen. Dem verstorbenen 2. Gau- ichriflführer Pabst wibmete sobann ber Vorsitzenbe einen warmen Nachruf unb ber Tnrntag ehrte bas Anbenken bes Verstorbenen auf bie übliche Weise. Als 2. G a u s ch r i f t w a r t würbe hierauf G r ü n»Kirchhain gewählt. Ein Antrag bes Turnvereins Bab- Nauheim, baß, zunächst probeweise auf 3 Jahre, bas Wettumen bei ben Gauturnfesten am Sonntag abgehalten werben soll (morgen? Einzelwetturnen unb nachmittags Musterriegenturnen), )oird nach längerer Debatte abgelehnt. Ein Antrag beS Turnverein? Grim­berg, aus bem 4. in ben 2. Bezirk zurückversetzt zu werben, fmbet Zustimmung, ebenso bie beantragte Versetzung bes Turnvereins^ Homberg m O. auf Zuteilung zu bem 1. Bezirk. Das G a u - t iir n t eft in Schotten soll am 24. unb 25. Jun t itatt- finben unb Herr Engel-Schotten labet zu einem zahlreichen Besuch des Festes ein. Zur G a u t u rn s a h r t 1906 hatten sich gernelbet Robheirn a. b. B., Frankenberg, Heuchelheim unb Großen-Linben, gewählt würbe mit 59 Stimmen Franken berg, Robhemr erhielt 16 Stimmen, Heuchelheim unb Großen-Linben hatten oor ber Abstimmung für bieses Jahr verzichtet. Um bas n ach st- jährige G a u t u r n f e st bewarben sich Bab-Nauheim unb Kirch- Hain. Bab ° Nauheim erhielt bas Fest mit großer Mehrheit