156. Jahrgang
Erstes Matt.
GietzenerrlW, rr
General-Anzeiger
Zmi§- md ÄZeigMaiL für den Ureis Sichen
Die Beutifle Bummer umfaßt 8 Seiten.
Das HeichSloloaialsMt.
Zeilenpreis: lokall2Pft auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich füt den polit und atigern. Teil: P. Wittko: füt Stadt und Land" und .Gerichtssaal": Ernst Heb', für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Vslitische Tagesschau.
Ter deutsche Tabakverem
Aus guhmterridjtefen Reichstagskreisen erfährt man, die Stimmung im Reichstage nicht darauf schließen läßt, daß die Vorschläge der Negierung bezüglich der Umwandlung der Kolonialabteilung in ein Rcichskolonialamt unbedingt Z u si i m m u n g finben werden. Es haben sich Politiker verschiedener Parteien mehr dagegen wie dafür ausgesprochen, da eine ganze Reihe von Gründen für bte Beibehaltung des jetzigen Verhältnisses zwischen der Kolonialabteilung und dem Auswärtigen Amte sprechen. Jedenfalls ist der Inhalt der betr. Denkschrift, die die Errichtung eines ! 'elbständigen Amtes zu begründen sucht, nicht dazu angetan, i. Die Zahlen, welche angeführt werden, um zu beweisen, welchen bedeutenden Umfang die zu erledigenden Eingänge bei der Kolonialabteilung angenommen haben, können' deswegen als Beweismaterial nicht recht in Frage kommen, weil man nicht angegeben hat, welcher Art diese waren und auf welche Weise sie erledigt werden konnten. Jedenfalls läßt sich aus benjn der Denkschrift enthaltenen Mitteilungen kein Urteil über^ den Geschäftsumfang der Kolonialabteilung gewinnen. Wenn nun, wie die Vorlage es fordert, die vollständige Trennung des Kolonialamtes vom Auswärtigen Amte erfolgt, so wird vermutlich eine Erschwerung des Schriftwechsels zwischen beiden Behörden die Folge sein, so daß das bisherige Verhältnis dem vorzuziehen fein dürfte. Bei Prüfung dieser Fragen im Reichstage wird man möglichst eingehende Ermittelungen über den Umfang des Verkehrs zwischen der Kolomalablcil- ung und dem Auswärtigen Amt, wie er sich jetzt stellt und wie er sich später gestalten würde, fordern müssen. Abgesehen hiervon scheint die Umgeltaltung der Kolonialbehörde jedenfalls keine dringliche Frage zu sein, und man ist recht geteilter Ansicht, ob sie überhaupt notwendig ist. Die Ernennung des Kolonialdirektors 3 u m Unter* staa tssekretär und kleinere Veränderungen in der Organisation der Abteilung würden zunächst wohl genügen. Die für ein Reichskolonial amt erforderlichen Ausga den sollte man jetzt lieber sparen, zumal sie nicht die Gewähr für eine wirklich sachliche Verbesserung bieten und Geld siir bte Kolonien gerade genug gefordert werden muß. Im Zeiitrum machen sich besonders gewichtige Stimmen gegen die Regierungsvorlage geltend.
Nr. 6
erscheint tärltch
au per Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit bem hessischen Landwirt die Siebener §amtliew blätter viermal In der
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Anzeiger Gießen.
Verbraucher, abgesehen von der gleichzeitig,vorgeschlagenen neuen Riaarettenfteuer, 28 000 000 Mark und einschließlich Zlgarettensieu« und Roll 44 000 000 Aiark jährlich mehr b>r ihren ^abakgenuß aufroenben werden. Wir haben dem hohen Neichstag bereits unter dein 1. Dezember 190d nachgewlesen daß dem deutschen Volk sogar über 55 Millionen, oder richtiger einschließlich Mehr- sabrikatzölle, 6 OMillionen Mark M e h r a u s g a b e daiur jugemutet werben sollen. Nun ist der Tabak das weitaus am meisten differenzierte Genußmittel. Vom
30 Pfennige das Pfimd an amwarts durch Hunderte von Sorten und Preislagen biiiaitf bis zur feinsten importierten 8g« und Zigarette, von welcher 1 Psund 50 Mark und mehr kostet, jeder Verbraucher mit Ausnahme der für diese Frage kaum mit zählenden oberen Zehntausend, mr welche eme Mel)rau^abe kur ihren Tabnkgennß nicht m Betracht kommt, siw das aus gewählt, was feinen Mitteln, bezw. dem nach seinem Haushaltsplan für Tabak angesetzten Aiifwand entspricht, «nb er genießt bavon sein festbegrenzteS Quantum. Wurde er m d« Lage sein, mehr ausgeben zu können, so wurde er mehr Tabat genießen ober sich eine bessere Sorte zulegen, denn aus persönlicher Liebhaberei wird niemand das Geringere genießen, wenn er sich das Bessere erlauben kann. Nach dem frafttreleit der vorgeschlagenen Mehrbelastung des Tabaks wird c as deutsche Volk, da es noch sehr erhebliche andere sMhraufwenbungen für die Neichskasfe zu machen haben soll, also eher wemger^Geld als seither für seinen Tabakgenuß misgeben. Die hohen Fleisch preise werben voraussichtlich nur roemg zuruckgehen. Auch die Brotpreise werden auf die Dauer hoher werden, da beispielsweise für Mai 1906 die Weizenpreoe mit ca. 180 und die Noggenpreise mit ca. 170 tzftter werbetp was eine erhebliche Steigerung gegenüber den Preisen Anfang 1905 deutet Der neue Zolltarif wird weitere 150 Millionen Mr. Zollerbohungen bringen, und anßerdern soll^i durch die vorgeschlagenen Steuern auf Bier, Quittungen, Frachtbrrese, Fahrkarten und Erbschaften 200 Millionen Mk. mehr ausgebracht werden. Es ist deshalb ganz undenkbar, daß das deutsche Volk nach1 (Srfuüung : all dieser neuen und erhöhten Anforderungen, welche die Reichs
kasse an seine Steuerleistungsfähigkeit stellt, nun auch noch erheblich . mehr Geld für seinen Tabakgenuß aufwenden kann/
Der Verein schließt seine Eingabe mit den Worten:
Mir hoffen, daß die von uns vorgetragenen, auf Sachkunde und sorgfältiger fack)män>iischer Erwägimg beruhenden Grunde aus- reichen werben, um dem hohen Reichstag zu einer Ablehnung des Gesetzentwurfes unb damit zu einer Verhütung drohender schwerer wirtschaftlicher und sozialer Schäden Anlaß zu diesen. Auch das Z i g a r e t t e n st e u e r g e s e tz muffen wir wiederholt als unannehmbar bezeichnen, weil dasselbe die Zigarettenfabrikation schwer belasten jmb nach sachverständiger Ansicht technisch unausführbar sein würde."
Montag 8. Jarmar 190»
BezngSPvetSr monatlich 75 Pf., viertes jährlich Mt. 2.20; durch Mhole- xl Zweigstellen monatlich 05 Pf.; durch biePostMk.2.—viertel- jährl. ausschl. Aestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr.
Volttische Wochenschau. ■
Im Mittelpurrkt b^ Weltmt^esses steht Marokko- Frage. Ungestüm gebärdete sich in dm letzten Tageii ticTrm.nri\'rh<' Mii-sssse die aus den Worten des deutsclnni.
Kaise^ von seiner Pflicht vor Gott und dem Volk, den Friedeii »iS herauslesen 'zu Vnncn glaubte . daß^DeutManb der franrösisa'EN Rea'erung in Marokko völlige freie $)aitb geben Sto die deutsche Presse sie ans ihren IntU7N aunnersiam m7L, mit d^m Becken, daß der K^ znxar von Zedern aber von einem Frieden in Ehren gespro^ habe erhob die französische Publizistik einen gewaltigen SMrm, der abermals bewie« d^ß Frankreich wieder erneut zu der Hoffnung greift, die Protektoratsgewalt über Marokko. zu erlmrgem Maul kann hierin eine. Rückbildung der sr-mzosischen ^uffaffung m der marokkanischen Angelegenheit erblicken. Denn xm Lummer hatte liran in Paris die Protektoratsidee bereits völlig fallen gelaffem Wenn jevt Frankreich neue Aspiratwnen. auf GesEtmarokko betätigt, so kann man das w-olsi mit der mtwiattonälen Polrtt- scken Situation begründen. Es heißt, daß der neue Minister der ausm Anaelegenheitcn Englands, Sir Edw. Greh, farme(1 Mitgeteilt habe, er werde bei der Marokko-Kvnftrctiz dtc Politik LatLsdv.vncs rerfoTgcn und die ^rde^mgen ^ankreichs kräftig unterstützen. Es sei, so äußerten sich emflnsirnche Londoner B'ätter nicht wahrscheinlich, daß Deutfchland ^iber bre ?vran^ reich bewiesene Treue Englands^ erzuriitseinwerbe Mrst -ülow werde daher wohl, so lange die RMe Deutschlands gewahrt wurden, die besondere Stellung jfranFre^. gegenüber anerkennen müssen. Möglich, daß ermge Minister im ^ndon.r Kabinett gegen Greys Politik Widerstaiid leisten, doch bersten sie es bei einem formellen, also gänzlich ntüllSsagcmden, Protest bewenden lassen. - In Italien hat der neue Mmlster des Ai s- wärtigen M arguiS die San G i u l i a n o dem italienischen Vertreter Silvestrelli den bereits erteilten Auftrag der 58er--. trstung wieder genommen und Biseonti Venosta mit der Vertretung Italiens desiMi<ntt, tenen Staatsmann,, der die Abwendung Italiens von der strikten ^ibundpolitik sciner Zeit eingeleitet und das ftanko-italicnische, Truvernehmen iM dNittel- me er gebiete begründet hatte. Wie m Nom verlautet, vwrde Marquis Visconti Veuostu bei der Konferenz sogar IM Vorsitz fuhren. 9hm heißt es allerdings daß dieser Derr mzwische w'eniger deutschgegnerisch geworden fern soll Ch' veröffentlichte eine interessante Unterretnmg»erf.
deuten mit einem Legatwnsrat rm deutschen auswärtigen Amt Dieser bdiefte, so heißt & die Vesiu.edigung der deutsche Kreise über die Wohl Visconti Venostas aus und siihr dann fort, Deutschland verlange von Italien uicht ettoa. daß es m Mgeciras vx deutschen Interessen öerteibige. ^ebe Macht siLle selbst SN thve eigenen Interessen denken. Wenn übrigens Frankreich sich an von Nouvier in der Knnnner ausgeführte h^'
so seien keine unüberwindlichen Schwierigkeiten zu befürchten. Alles hänge von Frankreich ab. Deutschland werde nur eme Defensiv-Politik treiben. Schließlich denientierte dertz^die Ansicht, daß die Marokkoftage für die Mitglieder des Dre bnndes nicht eilten easus foederis bilden ^nntem Em casussoederis liege in jedem Mngriff von fetten Frankreichs; welches mtmn die Motive seien, das wäre sür die Verbsmdeten ganz gletchgilttg. Sie müßten unter allen Umständen Deutschland zu
Mer auch die Pariser Presse äußerte sich, sehr befriedigt über die Absendung Visconti-Venostas. Es liege nn eigenen Interesse Italiens, die Rechte ^M^eick)s nick^ nur zu ve^dtgen, sondern sie auch mit den Interessen Deutschlands zu veiRohnen. Deshalb falle Italien die Rolle zu, an dem nötigen. ^nver- nehmen zwischen Frankreich und Deutschland mttzuarbeittn, '.md niemand fei besser als Visconti - Venosta, der Wber ber italienisch-französischesn.' Annäherung, dazu berufen, btqe Rolle
^^Das^?e'u tsche Weißbuch über die MaroMfrage, das schon ht den ersten Tagen dieser Woche dem Reichstage zu gehen wird, ist, wie verlautet, wenig umfangreich ausgefallen. Jttcnt der zehnte Teil der auf Marokko bezüglichen tm dentschen au^- toärtigen Amt vorhandenen Dokumente gelangt zur Vervsimit- lickung. Die deutsche Regierung ist bei der vorgenommenen Sichtung des Materials von der Msicht ausgegangen, Alles zu vermeiden, was etwa kurz vor der K'onterenz zu 0^10- ungen oder Streitigkeiten Anlaß geben könnte. Rur jene Aktenstücke sind ausgewählt, die eine gewisse Einseitigkeit m der Darstellung des ftanz. Gelbbuches zu ergänzen geeignet er/cheme.L Die den nmerifanifdjen Delegierten für die Marokkokonferenz erteilten Instruktioneii wurden nach offtziösen.Washmgtoner .. celv- ungen mit dem speziellen Hinweis auf die Auftechterhattung der offenen Tür in Marokko ausgestellt und besagen, die Delegierten sollten die guten Dienste Amerikas auf der Konferenz-mr Anwendung bringen, um alle Kanten zu W-\tmen und die Entwicklung einer Friktion zwischen Frankreich und DeutMano M verhindern, die den Weltfrieden geräbrben konnte. — Endlich ist zu bemerken, daß der ftanzös. Ministerpwsident einem
französ. Kapitalisten, der mit f r a n z ö s i s ch e n u u d d e u t s ch e n Kapitalisten verhandelt habe, um bte Kohlengruben in Lothringen auszubresteii, auf dessen Frage, ob em wlches Unternehmen nicht im Widerspruch siebe mit den Direktiven, der ftanz. Regierungspolitik, geantwortet haben soll, er habe Nichts gegen das Untcrnelnnen einzuwenden. Im Gegentech er sei glücklich, wenn die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Landern sich ausdehnten, besonders wenn es sich darum handelt, eme Interessen - Gemeinschaft herzuitellen. --Auch moch.e nh" siihr nre es beißt, Nouvier fort, „einem Wunsche dahm Ausdri'ck aebni daß die deuffchen Bankiers und Industriellen ih?m aanzm Einfluß bei ihrer Regierting aufwenden mochten, damit d'ese mich in der Marokkoftage unterstützt, um gute Beziehungen Zwischen beiden Ländern herzustellen."
9 Jedenfalls bildet der bevorstehende Zusanimentritt der Kbn- f-renz in^llgeeiras ein Ereignis, das mit den schwerstwiegenden Wn Me ewosärfcfc »«toPft s-in kmm. auch den besonderen Äistikel „Marokko .) . . r .,
^Ueberlaut und allzu demonstrativ enchterien m der le-zten Reit die ablreichen V e rf 0 hn u n g sa kt i 0 n e n zwischen E n g- l a n d und Deutschland. Erst am Scwistag wieder ^tben m München und Stuttgart deutsch-englische Fnedenskundge^ unae^ stattaefundm Die in Stuttgart erfolgte im Laute der R 'h«sversammluua' der Volksvartei (vgl „Deutsches Reichs;
M^SmOkbeimr 1 d ■ in. ulüuckstM angenommene Reso-
WLM L'si'Md.!' di- 1-iitiM- Gründ- für TorKmermid
Pflege Iprzlicher Freuichschaft. Die Versammsim^. verurteilte auf ' das schärffte das Hetzerisck>e Treiben ^rweranllm-rtlicher Persönlich- keilen, die Unftieden Mischen den beiden Volkern Susaen suchen. TaS ist richtig, aber man sollte doch 'an anderen Orten em be- । stimmtes Maß bei einer so erfreulichen Bergung nicht überschreiten. Fern steht es dem Deutschen Reiche wdeiffalls, die englische Freundschaft mit Opfern auf dem Gebiete der internationalen Politik zu erkaufem An Konsequenz ^d UnersHütter> lichkeitwird es die dentsihe Regiemmg bet der Vertretung ihr es Standpunktes auf der Marokkokon seren z hosfentlich nM WM en lassen. Don den deutschen Rechten darf mcptS geopfert werden.
Eiii bemerkenswerter Telegrammaustausch vollzog vA zu Neujahr zwischen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef, sowie zwischen letzterem und bem Könige von ^taaen. Erneut wiirde gemeldet, ber italienische Botschafter in Berlln Graf Lcmza habe geäußert, daß Kaiser Wilhelm im Fruylmg^Mailand besuchen werde. Dem Kvrresvondenten der romtzchen Tribuna wurde indes seitens der italienischen Botschaft dementiert, daß Lanzg diese Reise in Aussicht gestellt habe.
Der preußische Lehrertag hat eme schärft Absage errt den Studtschen D ol ksschul en t Wurf ergeben lasstn. Der Pwtest ist ein Beweis von t<r hohen sittlichen Energie, die m der Lehrerschaft steckt. Möge sie stets aiff der Bresche^stehen, wenn es gilt für bie Volks- und Kulturentwicklung einzutreten. Möge e5f niemals einem engherzigen KMiseffionalismus ehrgeizigen Bureaukratismus gelingen, Lehrerschaft, tb« Wnen Jd-ale imb ihren echten männlichen Mut, für sie einziitreten, zu rauben. — Auf der Tagimg des gesckmftsfähi.-enden Ausschusses der nationalliberalen Partei W<ffffaleus erklärten '-brigens, mehrere Ab- georincetc, bie nationalliberale Partei werde dus Vvlkssch'ulgesetz ablehnen, wenn ber Entwurf nrcht wesentlich geändert und namentlich auch die ^chte ^r Gemeinde gewahrt würden. Das ist endlich mnmal em wahrhaft liberales Dokument der preußffchen Nationalliberalen.
Die Hamburger Wahl re ch' t 3 vo rl a ge, sie aas der Kommiffion hervorgegangen ist, hat Mit eingehenderKotiöicr- ung das Licht der Welt erblickt. Der Entwiirf ist ebenso bebaucr- lick? wie unpolitisch. Selbstverständlich wird setzt m ^vlrmck^n Volksversammlungen gegen ine geplante Wahlrechtsverscksiechtec- unq testiert. Man ist entschlossen, mit allen verftgbaren Machtmitteln jedem Versack-, b-e DollÄrechte zu lkhmalern, ent- acaensutreten imd will dm Kamps energisch durchfüyren und - Ungleich der Federung eines freiheillickmi
burgischen' Staatswesens Geltung versch^u-
• ist zunächst die etwas rabiat auftretende Forderung des allgemeinen, aleicben und direkten Wahlrechts. .
0 Eingehende Disü'.ffion und starke Demonstrationen entfesseln unaufhörlich die neuen Rei co s - S te ue r v ^rla gern , geg.n die nachgerade fast alle Do.kslrei.se entschieden mobil machenAu. Veranlassung des deutschen T abakv er eins m Frankfurt und Köln dieser V^soiimchiimen von Tabaft
interessenten nahmen S cklung gegen die V^^tierte O^hohung. der Tibaksieuer. In beiden Versammlungen wurden Resolutionen angenommen, worin die zuversichtliche Hoffnung misgespwoaen wird, daß der Reichstag ber Vorlage ferne verfassungsmäßige
Parlamentsbeginn in Berlin.
Morgen, Dienstag, tritt in Berlin nach der WeihnachtS- pause der Reichstag wieder zusammen und gsleichzetttg! öffnet auch bas preuß. Abgeordnetenhaus seme '/ orten. F-ür beide Parlamente l weit cs sich damit um bte Eröffnung der parkvmentarischen Hauptkampague, -n r-ey schwere Arbeit ,v.t bewältigen ist. Namentlich das Avgeord- netenbaus steb-: vor einer sehr wichtigen Taauna, da es ich um die Verabschiedung des Schn lunterhaltungsgesetzes handelt. Des Reichstags piece de reftsiance ist die Re: ■1 §- sinanzresorm. Dazu kommt die stets sehr artsgcd . .e Etatsdebatte, die firn auch diesmal wertiger durch Liefe der ? aus-eichnen dürfte. Cs stehen zwar bis
hat, rote roir schon kurz meldeten, dem Reichstage eine zweite Eingabe zu der geplanten Abänderung bj?§ Ta b ak- steuergesetzeS zugohen lassen, roorin er zunächst bte Ver- brattchsstatistik der Vorlage richtig stellt. Die Aufmachung des Freih. v. Stengel über den Verbrauchsrückgang nach der Steuererböhnng von 1879 sei grundfalsch; damals habe sich der Konsum erheblich vennindert, und so muffe es auch jetzt kommen, falls die Vorlage der Regierung Gesetz werde. Dann heißt es weiter:
Es ist aam unerfindlich, weshalb, rote die verbündeten 0te- flierunflen annehmen, die jetzt geplante Mehrbelastung des Tabak- teinen Verbrauchsrückgang zur p-okge haben soll, trotzdem feststeht, daß die Vermehrung der Abgaben auf Tabak des Jahres 18/9 einen Rückgang von mindestens 162/3 v. H. bevbetgefiibrt hat. Nach der Anlage 2f des jetzt dem Hause uorliegenben Geietzenkwunes > erwarten die verbündeten Regierungen, daß die deutschen -r.abak°!N -
soll eine Reform des Reichsrats bevorstehen Danach sollen die von ber Regierung ernannten Mitglieder mriit das Recht haben, an jeder Reichöratssitzung teilzunehmen. Die Regierung werde vielmehr für jede Zession die zur Teilnahme berechtigten Mitglieder ernennen. (Vergl. im übrige» den heutigen Sondercirtikel über Rußland.)
England steht tm Zeichen des erbittertsten Wahl- kamvfes, ber zu Gunsten ber neuen, liberalen Regierung aus- M.qchen scheint. Wenigstens hatten L h a m b e r l a i n unb B a l - LL ss ä« ä «« ...........-......
Versammlungen tm Lande verliefen ebenso unruhig. Die politischen Leidenschaften sind durch den Wahlkampf aufS höchste erregt
Frankreich soll, nach der endgiltigen Annahme des Ge etzes, betr. bie Trennung von Kirche und Staat, in eme Anzahl von Kirchenvrovinzen eingeteilt werden, von denen lebe aus mehreren Diözesen bestehen wird. Für einen m der Provinz erledigten Bischofssitz werden die Bischöfe dem Pap,te eme» drei Namen um- fnn'enbe» Vorschlag zu machen haben. In den Pariser ^tenlt- vermittelunqsbureaus sollen gegenwärtig nicht weniger als 6000 ehemalige K l o st e r s ch w este r n , welche durch bas Rongregationsgesetz brotlos geworden se.en such um Stellen als Gesellschafterinnen, Köchinnen und Dienstmabchen de mpUJn Die frmizösischen Kardinale erwarten die Zustimmung des Papstes, um ein Konzil der sranzösifchen Bischöfe einzuberufen, bas seinen Vorsitzenden selbst wählen und zum Trennungsgesetz Siellung nehmen wird und ztvar zweifellos versöhnlich.
In der unga risch eii Stadt D e brecz rn kam es zu Gewalttaten gegen den dorthin entsandten neuen Obergespan, so daß militärische Hille nötig wurde, um bte Unruhen zu untei» b?ücfcn Auch in'anderen Städten wurden die iieuen Obergesvane verhöhnt. Die Regierung ist entschloffen, gegen bte renitenten Komitats mit aller Strenge vorzugehen. In Tebreczui erfolgte dte Verbafttmg bes Redakteurs des bortioen ^positioneNen Blattes, beÄ Advokaten und Stadtrepräsentanten Dr. Revay und des Staa.-.- hahnoberkontrol!curs Kastel. Tie Oberbemnten der Komrtate protestieren ober gegen bas Vorgehen der Regierung und beschloffett die Fortsetzung des Widerstandes.


