schäft über sein Rad, fuhr wider daS Geländer und der kühne Reiter flog auf seinem Stahlroß die etwa 2 Meter hohe Brücke hinab in die Nidder. Außer bedeutenden Hautabschürfungen an Kopf und Gliedmaßen kam der Radfahrer mit bloßem Schrecken davon. Ein besieres Schutzgeländer wäre sehr am Platze.-
△ Hungen, 5. Sept. Unsere Kirche wird gegenwärtig einer gründlichen Erneuerung unterzogen. Sowohl das Innere als auch daS Aeußere des Gotteshauses ist in der Renovierung begriffen. Die Teile der Kirche sind in den verschiedensten Zeiten und Stilarten erbaut, der Hauptturm ist frühgotisch, das Chor gotisch, das Schiff weist mittelalterlichen, der Seitenturm barocken Baustil auf. Das Chor enthält eine ganze Anzahl von Grabsteinen, Inschriften und Votivtafeln von zahlreichen Rittergeschlechtern, darunter hauptsächlich von dem Geschlecht Hohensolms und Solms-Braunfels, welche die Herren von Höingen oder Hungen waren. Die größte dieser Votivtafeln ist dem Herrn Grafen Otto von Solms-BraunsfelS gewidmet. Die Kirche wird in einigen Wochen wiederhergestellt sein.
x Laubach, 5. Sept. Der Assistent des forstlichen Instituts zu Gießen, Herr Forstaffeffor Leo, ist schon seit längerer Zeit mit Arbeiten in der hiesigen forstlichen Versuchsstation am Ramsberg beschäftigt.
x Einartshausen bei Schotten, 5. Sept. In den umliegenden Wäldern werden seit längerer Zeit wieder einmal Kohlenmeiler gebrannt. Ein Unternehmer aus Ulfa hat Holzkohlenlieferungen für verschiedene größere Firmen (Eisens werke Buderus, Hirzenhain u. a. m.) übernommen, die den in letzter Zeit unrentabel gewordenen Köhlerbetrieb lohnenswerter machen. Vor kurzem besichtigten die Teilnehmer einer forstlichen Exkursion aus Gießen unter Leitung des Professors Dr. Weber die auf dem Kirchberg bei dem Jägerhaus brennenden Meiler.
- Ulrichstein, 5. Sept. Zu dem am Sonntag ein» geweihten Aussichtsturm auf dem hiesigen Schloßberg hat die Sektion Ob er Hessen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins eine Gabe von 177 Mk. gespendet, wofür ihr bet der Einweihung vom Schloßbergverein in herzlichen Worten gedankt wurde. Eine andere Sektion des Alpenvereins hat den Turmbau nicht unterstützt.
fc. Worms, 5. Sept. Der 22jährige Sohn des ZimmermeillerS Jakob Schäfer in Mettenheim tanzte in vergangener Nacht bis 4 Uhr morgens in einem hiesigen VergnügungSlokale. Dann geriet er mit anderen Burschen in einen Wortwechsel, über den er sich so aufregte, daß er stch von dem um 6.23 Uhr auS Worms in Mettenheim eintreffenden Zuge überfahren ließ. Der Tod ist sofort eingetreten. Der Selbstmörder soll betrunken gewesen sein.
)( Frankfurt a. M., 5. Sept. In der Altstadt, einem Teil der Schnurgasse, spielten sich gestern abend aus geringfügiger Ursache entstandene gewalttätige Szenen ab, zu deren Bewältigung die gesamte verfügbare Polizeimannschaft aufgeboten wurde. Die angesammelte Menge begnügte sich mit Lärmen, Schreien und Johlen, doch geriet auch die Schutzmannschäst, so wird der „Frkf. Ztg." gemeldet, in Bedrängnis — unter der Menge befanden sich viele schlimine Elemente — und mußte in einzelnen Fällen von der Waffe Gebrauch machen. Die Zähl der Verwundeten läßt sich im Augenblick nicht feststellen. Die meisten Verwundungen scheinen leichter Natur zu sein. Mer auch von einer schweren Verletzung wird berichtet. <Än Mann, dessen Name noch nicht bekannt ist, wurde von der Rettungswache ins Krankenhaus gebracht. Er hatte Säbelwunden am Leib und' im Rücken, die lebensgefährlich scheinen. Ter Rettungswagen würde von der Menge, meist jungen Burschen, angefallen und mußte von der Schutzmannschaft befreit werden. Die Zahl der Verhaftungen ist bis setzt nicht bekannt. Sie soll nicht groß sein. Gegen 11 Uhr war die Ruhe so weit hergestellt, daß ein Teil der Be- tinrten zurückgezogen werden konnte. Mer ein starkes Aufgebot blieb für alle Fälle an Ort und Stelle zurück. Von weiteren Ruhestörungen in später Nachtstunde ist nichts bekannt geworden. Das' in der Stadt verbreitete Gerücht, daß die Krawalle aus Anlaß des Bierkrieges entstanden leien, ist unrichtig.
p. Dutenhofen, b. Wetzl., 4. Sept. Noch vor wenigen Jahren war man der Meinung, ein Güterbahnhof an hiesigem Orte würde sich nicht rentieren. Die letzte und zugleich erste Jahreseinnahme, rund gerechnet 36 000 Mk., für Personen- und Güterverkehr setzte deshalb in Erstaunen. Au8 eigenen Antrieben hat daher die Bahnverwaltung bereits für eine vorzügliche Beleuchtung des Bahnhofs gesorgt, ja sie will sogar demnächst den Bahnsteig überdachen, was auch von vielen hier verkehrenden Wetzlarer und Gießener mit Freuden begrüßt werden dürfte.
fc. Diez, 5. Sept. Der Dachdeckermeister Glöckner von hier fiel in Altendiez infolge Dachhakenbruchs von einem Gebäude. Er erlitt einen Bein- und einen Armbruch ssowie schwere Verletzungen am Kopfe.
0 Biedenkopf, 6. Sept. Mit dem heutigen Tage hat |bag landwirtschaftliche Fest nach viertägiger Dauer sein Ende erreicht. Die Zahl der Festbesucher gelegentlich beS FestzugeS dürste mit 10000 nicht zu niedrig gegriffen fein. Abends konnte die Eisenbahn trotz eines Sonderzuges den Verkehr nicht bewältigen. Gestern wurden auch etwa 9000 Mk. und viele sonstige Prämien an die besten Aussteller verteilt. Jedenfalls hat die Ausstellung gezeigt, daß im Hinterlande die Vogelsberger Rindviehzucht in hohstr Blüte steht.
Die Kinder in der Strafrechtspflege.
' es schürt allgemeine Ueberzeugung geworden, daß ker Werdegang der erwachsenen Verbrecher vielfache von "äußeren Umständen, von Einflüssen der Umgebung, von un- günffigen wirtschaftlichen Zuständen usw. abhängt, so ist es um so sicherer, daß äußere Einflüsse bestimmend und entscheidend eingewirkt haben, Wenn ein Kind zum Verletzer deS Strafgesetzbuches wird. Verbrecherische Neigungen der Dltern, Mkvholismus des Vaters, schlechte Nahrrmgsver- chältnisse mit ih'ren vielfachen Schädigungen an «Leist imb Körper, Kinderarbeit unter besonders ungünstigen Beding- imfltn, die fehlende Beaufsichtigung der Eltern und viele ändere Momente führen dazu, die Kinder in eine Situation izu bringen, in der sie der Versuchung zum Opfer fallen "und irgend eine Straftat begehen, die sie zum erstenmal vor das Gericht und ins Gefängnis führt. Und mit dieser ersten Bestrafung hät dann gewöhnlich die Laufbahn begonnen, die weiter zu langen Freiheitsstrafen und zum gewerbLw.äßiZM .VerbrechersilM Mrl. BespnderA. in. den
Gefängnissen der Großstädte sitzen genug Kinder, die nur infolge ungünstiger sozialer Verhältnisse dorthin gekommen sind. Deshalb ist eine vor kurzem erlafsene-Verfügung des preußischen Ministers des Innern zu begrüßen, wonach darauf hin gewirkt werden soll, daß bei Uebertretungen von Kindern in der Regel von der Verhängung einer Haftstrafe abgesehen wird. Kann durch diese Verfügung erreicht werden, daß Kindern bei Uebertretungen, also bei ganz leichten Verletzungen des Strafgesetzbuchs das' Absitzen einer Haft- strase nachgelassen wird, so sollte aber auch darauf h ingewirkt werden, daß an Kindern weniger häufig Gefängnisstrafen vollzogen werden.
Statt bei Begehung von Verbrechen von Kindern nur zu fragen, ob die Betreffenden die zur Erkenntnis der Strafbarkeit erforderliche Einsicht besessen haben und' dann bei Bejahung dieser Frage die Kinder zu bestrafen, wäre es besser, die vom Wege der Ehrbarkeit abgewichenen Kinder zurückzuleiten, wie dies durch die in Amerika eingeführten Gerichtshöfe für Jugendliche geschieht. Diese Gerichtshöfe, die zuerst bereits vor 16 Jähren im Staate Wis- konstn eingeführt wurden, haben sich schon über die verschiedensten Staaten ausgebreitet und zeigen sich, trotz der noch mit ihnen verbundenen Mängel als Einrichtungen, die hemmend auf die Kriminalität der Kinder einwirken. Tie amerikanischen Kindergerichtshöfe sind Behörden, die vollständig von den übrigen Gerichtshöfen getrennt sind und, soweit Haftstrafen verhängt werden, auch eigene Hafträumlichkeiten besitzen, sodaß also schon der ungünstige Zustand wegfällt, daß Kinder und ganz jugendliche Personen mit ergrauten Verbrechern, wenn nicht in denselben Zellen, so doch im gleichen Gebäude untergebracht werden müssen und unter einem Aufsichtspersonal, das bei Beurteilmig der jugendlichen Häftlinge nur zu leicht geneigt ist, den Maßstab für erwachsene Verbrecher anzulegen. Jeder Gerichtshof hat eine Reihe von Männern und Frauen zur Verfügung, die das weitere Leben der entlassenen Kinder überwachen, die auf die Umgebung des Kindes Einfluß zu ae- toinnen suchen Und die Eltern und Verwandten nötigenfalls in der Erziehung und Heranbildung unterstützen. Jedoch wird von vornherein der größte Teil der vorgeführten Krnder wieder entlassen, nachdem diese die Versicherung abgegeben haben, daß sie künftighin strafbare Handlungen nicht mehr begehen wollen. In Philadelphia sind ohn insgesamt 1008 Kindern, die nach Begehung einer Gesetzesverletzung wieder in die Familie Aurückgeschickt wurden, nur 24 zum zweiten und 3 zum dritten Male wiedergekommen. Tie Aufsichtsbeamten der Kindergerichtshöfe messen die Hauptschuld an der Vernachlässigung der Kinder der gewerblichen Tätigkeit zu. AUch dies gibt uns einen Fingerzeig zur Bekämpfung der Kriminalität der Kinder. Wenn bei uns in Deutschland nicht zur Einrichtung solcher Kindergerichts- böfe geschritten wird, so sollten doch wenigstens verschiedene Funktionen dieser Kindergerichtshöfe übernommen werden; denn daß die Gefängnisstrafen vor allem bei den Kindern demoralisierend wirken, nnrd wohl sicher allgemein anerkannt.
vermischte».
* Statistisches vom deutschen Keglerfest. Ain 12. Deutschen Bundeskcgeln in Magdeburg, vom 8. bis 13. Juli er., beteiligten sich 1668 Bundesmitglieder. Zur Verteilung kamen auf den Ehrenbahnen 383 Ehrenpreise, wovon der erste Preis mit 68 Holz, der letzte Preis mit 53 Holz auf 10 Kugeln errungen wurden. Außerdem wurden noch 50 Preise für die besten Asphaltkegler, sowie 31 Trostpreise verteilt. Insgesamt sind während des Festes auf den 30 Bahnen 46 163 Karten mit 209 362 Kugeln abgekegelt worden, wofür 3294 Preise (Wertgegenstände und Geldpreise) im Betrage von Mk. 48 088 den Siegern zufielen.
"Togo im Kuh st all. Die Japaner sind wirklich einzig. Alle Fortschritte der Kultur wollen sie ihrem Lande zugänglich machen. Jetzt gehen sie daran, ein Gebiet zu reformieren, in dem sie bisher zurückgeblieben sind: die Vieh: zücht. Sie wollen in ihrem Lande das beste Rindvieh der Welt züchten, und deshalb bereisen, wie ein Pariser Blatt erzählt, japanische Viehzüchter die ganze Welt, um die schönsten Zuchtstiere, die sie antreffen, anzukaufen und zur Veredelung der einheimischen Rasse nach Japan zu schaffen. Dabei ist ihnen im Berner Oberland eine amüsante Geschichte passiert. Ein Schweizer Großzüchter läßt sie in seine Ställe führen, die in bewunderungswürdiger, allen neuzeitlichen Anforderungen entsprechender Weise für die Wiederkäuer eingerichtet sind. Die Japaner aber waren sehr verwundert, als sie über den Krippen der besten Stiere die Namen — Togo, Kuroki, Oku, Oyama und von anderen Generalen des russisch-japamschen Krieges lasen. Der biedere Schweizer aber wies stolz, ohne an den Wert dieser Auszeichnungen zu denken, auf die rassigen Tiere hin: »Das sind meine tüchtigsten Stücke!"
* Ein Eisenbahnunglück. Wie aus Asch gemeldet wird, ereignete sich am Dienstag vormittag bei der Station Roßbach der Lokalbahn Roßbach-Adorf ein Eisenbahnunglück, wobei ein Oberingenieur getötet und ein Inspektor schwer verletzt wurde.
* Von 3000 Kugeln durchschossen. Wieder wird aus den Vereinigten Staaten von einein furchtbaren L y n ch m o r d berichtet. In Greenwod, Süd-Karolina, hatte ein Neger, Bob Davis, eine junge weiße Frau namenS Brooks angegriffen und verwundet und war von einer Schar von etwa 1000 wütenden Bürgern nach
Frost im Frühling.
Aus Berlin wird uns geschrieben: Das „Neue Theater", das unter der Leitung Dr. Alfred Schmiedens mit einem Moliöreabend eröffnet wurde, brachte als erste Premiere ein dreiaktiges Drama „Frost im Frühling" von Leo Lenz. Es war das Werk eines Anfängers, das einen recht lebhaften Erfolg erzielte. Mer der Erfolg schien unverdient . . . Ein Leutnant dringt in die Wohnung eines Assessors, die seine Schwester soeben verlassen hat. und stellt ihn über die Art dieser „Beziehungen" zur Rede. Der Assessor, der gerade dem jungen Mädchen in der brüskeften Form erklärt hat, daß er als überzeugter Ehefeind garnicht daran denke, sie zu heiraten, wird angesichts des freundlichen Winkes mit der Pistole kleinlaut; sie beide, versichert er, hätten nur die Gelegenheit gesucht, ungestört von Gaffern einander wirklich kennen zu lernen, morgen schon wolle er um die Hand deS Mädchens anhalten. Und der Leutnant glaubt ihm: eben noch hat er racheheischeud den Mann angebonnert, und schon sinkt er ihm fast in die Arme, von seinem Biedersinn, bezwungen. ... So ist das Leben! Und in diesem Stile spinnt der junge Dichtersmann den Faden weiter. Das junge Mädchen, das am Tage zuvor den Geliebten um den Ehering gebettelt hat, läßt sich zuerst zwar willig durch die kleine Umkehrung des Sachverhalts täuschen, die der Bruder und der Assessor öereinbart haben, und glaubt an die „Ueberraschung", die ihr der Bräutigam zu ihrem Geburtstag bereiten wollte. Aber bann bringt ein leidiger Zufall — es gibt in dem Stück eine ganze Reihe von solcher; unerwünschten ZMflkm! --r- Pie WMW W den Tag,.
zweitägiger Verfolgung gefangen worden. Der ©taat§gouDemein?' Heyward suchte sich ins Mittel zu legen und versprach der Menge, daß über den Neger so schnell, wie es das Gesetz nur irgend erlaubte, Gericht gehalten werden sollte. Aber während der Gouverneur noch zu den Leuten sprach, hatte»: einige von ihnen den Neger schon beiseite gedrängt, und die drohende 9)!enge erklärte Heyward, daß er sich unnütz bemühe. Schließlich beschwor der Gouverneur die Lyncher, da er ihnen gegenüber machtlos war, den Neger wenigstens nicht zu verbrennen. Das wurde ihm zugesagt, obwohl der Vater der Miß Brooks dagegen protestierte und den Tod am Marterpfahl für den Neger verlangte. Schließlich wurde das Opfer an einen Baum gebunden, und während einige ein Gebet sprachen, eröffnete die Menge das Feiler. Voii über 3000 Kugeln wurde der Körper des Negers durchbohrt und buchstäblich zerfetzt.
* D j c Kleinbahn-Idyllen der Witzblätter fonuneit auch in der Wirklichkeit vor. Das beiueift wieder ein hübscher Zwischenfall, der sich am Sonntag auf der Kleinbahn Wildpark— Naueii abgespielt hat. Als der von Wildpark kommende Vor- mittagszug die Station Satzkorn verlassen hatte, wurde plötzlich die Notbremse gezogen... Der Zug hält... Was ist passiert?... Alles springt auf und blickt gespannt ziiln Fenster hinaus, um die Ursache dieser plötzlichen Fahrtunterbrechung zu erfahren. Nichts I Doch halt . . . Was kraucht dort auf dem Damm heruin? Ich glaub’ es ist der Z u g f ü t) r e r . . . Ist dem Beamten vielleicht ein Unglück passiert? Oder . . . Nichts von alledem. Kein Grund zii Ohnmachtöanfällen! ... Ja, aber was sucht denn der Mann mit der roten Tasche so emsig ? . . . Nun — seine Mühe! . . . Die königlich preußische Dienstmütze des Zugführers hatte sich plötzlich von den: £)aupte ihres würdigen Trägers entfernt unb war den Bahndamm hinuntergekollert, um dort Siesta zu halteii. Und das ohne Bescheinigung der Fahrunterbrechung ! So was muß bestraft werden. Also zurück! . . . Unter „allgemeiner Heiterkeit* konnte der Zug nunmehr seine neu romantische Fahrt sorlsetzen . . - Und da sage noch einer, daß es aus den preußischen Bahnen ungemütlich sei . . .
* Kleine Tageschronik. In Rathmannsdorf bei Güsten ist eine Typhusepibemie ausgebrochen. Bis jetzt sind 36 Erkrankungen zu verzeichnen. — Der Bahnwärter Hös - gen in Walbtrop würbe auf der Bahnstrecke Dortrnund- Harnrn erm orbet ausgefunden. Der Tob war burch vier Revolverkugeln herbeigeführt worben. Sämtliche Wertsachen fehlen. Der Täter ist unbekannt. — Der Redakteur Franz Eck vom „Düsselb. Generalanz.", ber als Kritiker über bilbenbe Kunst über Düsseldorf hinaus bekannt ist, ertrank in Kaiserswerth beim Baden im Rhein. — In Krefeld verursachten Kinder die Explosion eines Spirituskessels. Sieben Kinder wurden schwer verletzt, drei davon sind ihren Verletzungen bereits erlegen. In einer Beamtenfamilie wurden drei Kinder von dem Unfall betroffen. — Jrn Walzwerk der Hagener Gußstahl-Fabrik entstand heute nach Großfeuer. Zwei Ab- teilungen Feuerwehr waren anderthalb Stunden mit Löscharbeiten beschäftigt. Der Schaben beläuft sich auf 30 000 Mark. — Bei Hockenheim stürzte ber Bäckerlehrling Förster, welcher ben Galgenberg mit seinem Rab ohne Bremse herunterfuhr, so unglücklich, baß er sich einen Schäbelbruch zuzog. Er wurde in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus gebracht. — Ein Lustmord wurde bei Obertheres (Unterfranken) an der 21 Jahre alten Dienstmagd Anna Gaß aus Knetzau verübt, die bei dem Oekonom Lutz bedienstet war. Der Täter ist flüchtig. — Bei einem Bootsausflug, den ber Steueraufsichtsbeamte Dlouky in Trieft mit seiner aus vier Personen bestehenden Familie unternahm, kenterte das Boot im Kanal Risana. Alle fünf Personen, mit dem Bootsführer ertranken. — InMöning in ber Oberpfalz sind 31 Gebäube, barunter bas Gasthaus, bas Pfarrhaus unb ein Kaufhaus nicbergebrannt. Acht Familien sinb ohne Obbach.
Eine Kindesentführung.
(Unberechtigter Nachdruck verboten.)
S. u. H. Dortmund, 3. Sept.
Eine Kindesentführungsaffäre, deren Motive noch vollständig im Dunkeln liegen und die seinerzeit weit über die Grenzen Westfalens hinaus Lkufsehen erregt hat, soll heute vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts ihre Aufklärung und Sühne finden.
Am 6. Mai b. I. verbreitete sich in ber Dortmund benachbarten Jnbustriestabt Hamm, bie seltsame Nachricht, baß eine, verheiratete Frau, um einen Witwer zur Eh>e mit ihr zu zwingen/ besten Kinber in einem Automobil entführt habe unb biefe erst bann toieber zur Stelle schaffen wolle, wenn ihre bisherige Ehe getrennt unb ihre neue Ehe mit dem Witwer und Vater ber geraubten Kinber zur Tatsache geworben fei.. Diese saft ungeheuerlich klingenbe Nachricht 'erhielt eine gewisse Bestätigung burch bie Tatsache, baß a-m Vormittag des 7. Mai bie Gattin bes Verzinkmeisters Schäfer in Hamm bie beiden neun und sechs Jahre alten Söhne des Verwaltungssekretärs Viebahn zu einer Automobilfahrt eingelaben hatte unb seit biefer Zeit spurlos verschwunden war. Das Ehepaar Schäfer wohnte in einem Haufe mit bem verwitweten Sekretär Viebahn, besten Söhne oft bei bem Ehepaar verkehrten. Frau Schäfer, ber bas Haus gehörte, soll nun eine starke Leidenschaft zu wrem Mieter hingezogen haben, ber ihk jedoch auswich und dadurch bie verliebte Person zu ber fast unüerftänblidjen Tat trieb, bie ihr heute zur Last liegt unb bie auch ben Selb ft m o r b eines b i s bahin angesehenen Mannes zur Folge gehabt hat. Die Untersuchung ber mysteriösen Angelegenheit ergab, datz am Sonntag vor ber Entführung zu bem Besitzer Dröge in Werl ein unbekannter Mann gekommen war, ber bei biesem für ben fommenben Morgen einen Wagen nach Hamm für eine halb- ftünbige Fahrt bestellte. Dieser Wagen traf an bem bestimmten Termine um 6 Uhr am Kleinen Exerzierplätze in Hamm em unb machte vor bem Zirkus Mthoff halt. Gegen 71/2 Uhr kam eine Dame mittlerer Größe aus ben Wagen zu. Sie war austallenb bleich unb fragte, ob bies ber Wagen von Werl sei, was ber Knecht bejahte. In ihrer Begleitung befanb sich ein ungefähr 8 bis 9 Jahre alter Knabe, ber ein Gebetbuch in ber Hanb trug unb kein Wort sprach. Mit bem Kinbe setzte sich bie Frau in ben Wagen unb flüsterte ihm etwas in bas Ohr. Der Kutscher mußte bis zur Lippebrücke fahren, wo bie Frau ihm befahl, zu halten, ba sie noch ein Kinb aus ber Stabt holen wollte. Als bie Frau sich entfernt hatte, fragte ber Kutscher ben Jungen, ob er mit ber Frau gleich weiterführe, was biefer bejahte. Auf bie Frage, wo es incitn hinginge, zuckte ber Knabe bie Achseln.
Sie erkennt, baß nur bie Feigheit ihn zu ber Werbung getrieben hat, unb nun gibt s i e ihm ben Lauftpaß, bem Wiberspruch ihrer Familie zum Trotz . . . Drittes Bilb: Die Fürsprache bes Brubers unb bes Vaters, bie ber Assessor bald zu gewinnen wußte, hat bie aus bem Vaterhaus (Hitflohnene unb verzweifelt Umberirrenbe boch wieber — im Zwischenakt! ,— bekehrt unb sie kommt noch einmal zu einer Aussprache mit bem Geliebten in besten Wohnung. Unb hier muß sie infolge einer unglücklichen Verkettung ber Umstände sehen, wie ber junge Lebemann mit einem Freunde unb zwei Dirnen zu einem lustigen Gelage heimkehrt. Jetzt ist's vorbei mit ihrer Fassung: nach einer großen Rebe stürzt sie bavon — ins Wasser. Der Leutnant aber forbert nun ben Assessor doch noch, und „auf wen er gezielt hat, ber frühstückt nicht mehr" ... So ist', wie gesagt, bas Leben inj>er Spiegelung von Leo Lenz, ber schüchtern Subecmaiins Spuren folgt. Beisteuern haben ihm auch viele anbere Dichter liefern müssen, aber ber Geist, ber ihn inspirierte, ist ber Subermanns. Er hat bewiesen, baß er sein Publikum zu packen versteht; gerade bie technische Geschicklichkeit bes Anfängers verstimmt jeboch, sie läßt wenig Hoffnung, baß hier ein ringenbes Talent sich noch entfalten könnte. Er arbeitet mit krassen Effekten unb groben Mitteln: von psychologischer Motivierung, von lebenswahrer Cha- rakteristik sinb kaum Ansätze zu verspüren. . . Die Darstellung vermochte ba nicht viel zu retten. In ber Rolle bes Assessors interessierte Rubolf Christians, ber biefe kalte Ego ist en- natur mit ben äußerlich liebenswürdigen und gewinnenden Manieren mit einem Schein, des Lebens barzustellen w.ustte. O. K,


