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5.10.1906 Erstes Blatt
 
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Vkr. 234

Erscheint tügltch nutzer Sonntags.

Dein Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamillen- blätter viermal in der

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Redaktion es® 112

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Erstes Blatt

156. Jahrgang

Freitag 5. Oktober 1906

Eichener Anzei

** General-Anzeiger

er

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

vezngspret-r monatlich 7bPf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Aik.-?, -viertel» jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokalI2Pf^ auswärts 20 Pfg.

Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Witiko- für »Stadt und Sonb* und »Gerichtssaal': Ernst Heb; für den An­zeigenteil: HansBeck.

Kie HmLige Kummer umfaßt 10 Seite«,

MüLow und Araunschweig.

Auf die Schreiben des braunschweigischen StaatKmini- steriums, mit denen die Resolution des braunschweigischen Landtages vom 25. September dieses Jahres mitgeteilt wurde, hat Fürst Bülow wie folgt geantwortet:

Homburg vor der Höhe, den 3. Oft. 1906.

Dem Großherzogl. Braunschweigischl-Lüneburgischen Staats­ministerium beehre ich mich aus das an mich als Reichs kan z- l e t gerichtete Schreiben zu erwidern, daß ich den Bundesrats- bcschlutz vom 2. Juli 1885, durch welchen die Regierung des Her­zogs von Cumberland in Braunschweig für nicht p er - c i n o a r erklärt worden ist, mit den Grundprinzipien der Bünd- nisverträge und der Reichsverfassung, für mich so lange, als maßgebend behandeln muß, als derselbe nicht durch einen neuen Beschluß des Bundesrates aufgehoben, oder abgeändert worden i]t. Einen solchen aus hebenden oder a bänder ir­den Beschluß herbeizusühren, sehe ich mich n i cht inderLage.

Demgemäß habe ich die Möglichkeit einer Ueber- nahme der Negierung von Braunschweig durch den Herzog von Cumberland unter der obwaltenden Sach­lage außer Betracht zu lassen.

Es ergibt sich aus dem Vorstehenden, daß ich eine weitere Antwort aus die von dem Heroal. braunschw. Staatsministerium an mich gestellten Fragen, welche die Möglichkeit einer Regier­ung des Herzogs von Cumberland in Braunschweig zur Voraus­setzung haben, zur Zeit nicht zu geben vermag.

Die in dem Schreiben des Herzogs. Staatsministeriums wie auch in der damit mitgeteilten Resolution des braunschw. Land­tages zum Ausdruck gebrachten reichstreuen Gesinnungen gaben die Zuversicht, daß das Herzog!. Staatsministerium auch bei der ihm jetzt obliegenden Regelung der Verhältnisse im Herzogtum die allgemeinen Reichsinteressen im Auge behalten wird."

Der Reichskanzler. Homburg vor der Höhe, den 3. Okt. 1906.

Dem Großl-erzogl. Branuschweigisch-Lüneburgischen Staats­ministerium beehre ich mich auf das an das K ö n i g l. Ministe­rium der Auswärtigen Angelegenheiten gerichtete Schreiben mitzuteilcn, daß die in dem Bundesratsbeschlusse vom 2. Juli 1885 ausgeführten Gründe, aus denen damals die Regier­ung des Herzogs von Cumberland für nicht vereinbar erklärt worden ist, mit den Grundprinzipien der Bündnisverträge und dec Reichsversassung, nach der Ueberzengnng der Königlichen Staatsrcgierung noch heute Geltung haben. In dem durch den früheren Beschluß gekennzeichneten Verhältnis des Herzogs zu Preußen ist eine entscheidende Aenderung nicht ein getreten. Auch bestehen noch immer, und zwar unter mindestens stillschweigender Duldung des Herzogs, wel- fische B e st r e b u n g e n, die sich in ihrem Endziele auf die preußische Provinz Hannover erstrecken. Es kann Preußen nicht zugemutet werden, daß es in dem benachbarten Bundes­staate eine welfische Regierung dulde, durch'die der preußische, unter dem Schutz der Reichsversassung stehende Besitz­stand gefährdet werden würde. Die königl. Staatsregierung würde hiernach einem etwaigen Anträge auf Aufhebung oder Abänderung des Bundesratsbeschlusses vom 2. Juli 1885 ihre Zustimmung versagen müssen. Sie glaubt auch zur Zeit nicht in der Lage zu sein, ihrerseits Schritte zu unternehmen, um eine Aenderung des in dem Bundes­ratsbeschluß gekennzeichneten Verhältnisses des Herzogs zu Preußen herbeizusühren.

Dec Königlich preußische Minister der Auswärtigen Angüegenheiten.

An das Herzoglich Vraunschweigisch-Lüneburgische Staats- ministccium, Braunschweig."

Zur Frage der Fleischteuerung.

Auch die Zentralstelle der preußischen Land­wirtschaftskammern (Bieh dermertun gs- stelle) läßt sich in der neuesten Nummer ihrer Mitteil- ungen über die Fleischnot in längeren Ausführungen ver­nehmen. Die Zentralstelle Bttont, taie andere agrarische Kreise, die Notwendigkeit der Unabhängigkeit vom Ausland, die Zwecklosigkeit der Grenzösfnung wegen des ausländi­schen Viehmangels und biie Seucheneinschleppungsgefahr. Neu ist die auf Grund des Vetlaufs der Diehmärkte und der Steigerung des Auftriebs ausgesprochene Ansicht, daß Vieh genug im Lande sei und daß daher auch ein all­mählicher Rückgang der Biehpreise in Aussicht stehe, nach­dem schon in den letzten Wochen die Rinderpreise ab- gebröckelt seien; die fortschreitende Räumung der Weiden werde wohl ein weiteres Sinken Veranlasser:. Auch die Schtoeinepretse würden fallen, da die Schtoeineproduktion größer geworden sei.

Ob' die hier eröffneten Aussichten sich überhaupt und in naher Zeit verwirklichen werden, läßt sich mit einiger Sicherheit nicht Voraussagen. Jedenfalls wird man dadurch der Notwendigkeit nicht enthoben, nach Mitteln und Wegen auszuschauen, wie der Fleischteuerung einigermaßen ab- zühelfen fei. Die Zentralstelle der preußischen Landwirt- schaftskammern gibt in ihrem in Rede stehenden Artikel nicht nur selbst zu, daß wir schon seit längerer Zeit in Deutschland außerordentlich hohe, für manche Kreise fast unerschwingliche Fleisch preise haben, sondern es wird auch von landto. Seite die Höhe der jetzigen F'leischpreise als ungesund und auf die Dauer unhaltbar be­zeichnet. Ja, man geht,_ wie die Mitteilungen sagen, in landwirtschaftlichen ökreisen sogar noch viel weiter, indem man nicht nur die Höhe der Fkeischpreise, sondern auch die jetzige Höhe der Biehpreise als unnatürlich und unerwünscht und ihre Herabsetzung als erstrebenswert ansieht, da bei denr jetzign Stand der Preise ohne einen Rückgang auch der,Viehpreise <nt einen ausreichenden Rück­gang der Fleischpreise nicht zu denken sei.

Die Zentralstelle lehnt, wie bemerkt, die Grenzöff­nung auch nur um ein weniges a b. Man weiß daher, abgesehen von den unbestimmten und zweifelhaften Aussichten, welche sie eröffnet, nicht, wie sie den von ihr .selbst als in hohem Grade Wünschenswert bezeichneten Vieh­preisabschlag sich denkt.

Konkreter tritt die freikonservativePost" der Frage näher. .Sie behandelt zunächst die Ursachen der Fkeisch-

teuerung und kommt dann aus die Mittel zur Abhilfe zu sprechen. Da die Fleischpreise innerhalb Deutschlands noch verschieden hoch seien und auch in nicht allzu großer Ent­fernung von den Zentren des Konsums, welche die höchsten Preise aufwiiesen, noch erheblich niedrigere Preise be­ständen, will die Post den Gedanken, hier einen gewissen Ausgleich durch Ermäßigung der Eisenbahn­frachten für frisches Fleisch herbeizusühren, keines­wegs von der Hand tveisen. Für ausländisches Fleisch will sie aber diese Erleichterung nicht anerkannt wissen. Jnbezug auf die Oeffnmig der Grenze formuliert das Blatt seine Ansicht jetzt dahin:Immerhin wird es sorg­fältigster Prüfung bedürfen, ob die gesundheitlichen oder veterinärpoli^eilichen Verhältnisse in dem einen oder an­deren unserer Nachbarländer sich inzwischen soweit ge­bessert haben, daß eine Aenderungn des bisherigen Schutz­systems ohne ernstliche Gefährdung unseres heimischen Vieh>- stapels sich herbeisühren läßt."

Aus dieser Auslassung geht hervor, daß der Wider­stand gegen eine Oesfnung der Grenze auch im konservativen Lager nicht mehr so groß ist, wie noch vor kurzer Zeit. Ganz selbstverständlich kann es nur um eine teilweise und mit allen möglichen Kautelen umgebene Grenzöffnung sich handeln, durch welche eine Seuchengefahr in keiner Weise herbeigeführt würde. In den Ruf nach einfacher Grenzöffnmrg wird niemand einstimmen, der es mit dem Gedeihen der deutschen Landwirtschaft ernst meint.

politifc^e Sngesseharr.

Zwischen Zentrum und Sozialdemokratie

ist eine heftige Preßfehde in Schwaben entbrannt. Mit welchen Kraftausdrücken dabei dem Gegner zu Leibe ge­rückt wird, zeigen folgende Stilblüten, mit denen ein Ar­tikel der sozialdemokratischenSchwab. Dagwucht" ein Zentrumsblatt beehrt:Offener Brief an Mephisto Sch windel Huber, Schmähschriftsteller des württembergischen Zentrums", lautet die Ueberschrift.Ver­ehrungswürdiger Wahrheitsfreund", geht es weiter,Du bist ein ganz raffinierter Kunde."Du hättest dir eine täuschendere Maske auffetzen sollen; in deiner jetzigen Physiognomie erkennt man den ollen, ehrlichen Schwindel­huber auf den ersten Blick."Die Sozialdemokratie hast du anschwärzen wollen; das war deine einzige Absicht, du alter Sünder."Du bist trotz deiner Verschlagen­heit sehr auf dem Holzweg."Du weydeft alle deine Schliche an; dein Fälscher Hand werk soll dir aber ge­legt werden."Gleich mit deiner ersten Anschuldigung beißest du dich in den eigenen Schwanz, du diabolischer Geselle."Du ehrbarer politischer Clown." Du gottseliger Wahrheitsbeuger",'Du verschlagener Volksbeschwindler",Du unerschöpflicher Lügen­beutel",Du betriebsamer Schwarzkünstler mit deinen Roßtäuscherpraktiken und einer guten Dosis Gemüts­roheit."Wenn ich alle deine Gemeinheiten und Lächer­lichkeiten aufdecken ivollte, müßte ich ein großes Buch schreiben; das bist du nicht toert",Du Wahrheits- tiger",Du alter Heuchler",mein oller ehrlicher Me­phisto Schwindelhuber".

Die bekannte sozialdemokratischeLeipz. Volksztg," aber eifert gegen dieFrkf. Ztg." folgendermaßen:

Die Mandrille derFranks. Ztg." turnen mit affen­artiger Gelenkigkeit an dem Reck höheren Blödsinns. In­dessen dieses kapitalistische.Satyrspiel gehört nun einmal zu dem ernsten Drama der Arbeiterbewegung, und wenn sonst etwas daran gelegen wäre, so würden wir mit aller Sicher­heit prophezeien können, daß dieselben Hanswurste inner­halb eines Mondwechsels ihre langen Ohren hängen lassen müssen, aus Kummer über die verblendeten Arbeiter, die sich nicht zum.Spielball für bankerotte Politiker der bürger­lichen Welt hergeben.

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Zur Vermehrung der mittleren Beamten im kolonialen Verwaltungsdienst

werden durch die preußischen Minister der Finanzen und des Innern die bei den Nachgeordneten Behörden tätigen Bureau- beamten zu Meldungen aufgefordert. Zweifellos im Ein­verständnis mit dem Kolonialdirektor Dernburg, der vom Kaiser freie Hand bekommen hat in der Zusammenstellung seines Beamtenkörpers. Die bure aukratische Vorbildung scheint also Bedingung zu bleiben für den Eintritt in die mittlere Kolonialbeamtenlaufbahn. Es würde sich aber viel­leicht empfehlen, namentlich für die Verwendung in den Schutz­gebieten selbst, versuchsweise auf Studierende der deutschen Handelshochschulen zurückzugreifen, die in der Kaufmannschaft praktisch und wissenschaftlich ausgebildet sind und über ausreichende Kenntnisse fremder Sprachen verfügen. In den Kolonien selbst so wenig Bu- reaukratie wie möglich, das sollte zum leitenden Grund­satz dec Aera Dernburg werden, die ja das kaufmännische Element in den Schutzgebieten in den Vordergrund stellen will. Durchbricht man schon bei Besetzung leitender Stellen die Tradition, dann ist nicht einzusehen, warum im ©ii6Qnerm dienst an »Schema F* festgehalten werden soll.

^Wiedergesunden."

So könnte man das Drama überschreiben, da§ sich hinter den Kulissen der goldenen Stadt Mainz neuerdings ab­gespielt haben muß und dessen wirkungsvollen Schluß. Monolog wir allein, außer der Exposition, mckzuteilen ver­mögen. Der Held dieses Dramas ist der Frhr. v. Zucco u. Cuccagna, der in der schönen Stadt am Main und Rhein jahrelang als freireligiöser Prediger gewirkt und dem Klerus dort viel zu schaffen gemacht hat. Er ist

auch als Sozialdemokrat in die Arena des politischen Kampfes getreten und hat als Kandidat für die Stadt» verordneten-Versammlung viel Aufhebens von seiner Person zu machen verstanden. Die Wahl wurde für ungiltig er­klärt, da Frhr. v. Zucco als Geistlicher zu betrachten sei. Heute nun lesen wir an der Spitze der neuesten Nummer des kathol. ,Mainzer Journ." folgenden »Oeffentlicherr Widerruf-:

Irren i st menschlich, aber eigensinnig aus Rechthaberei im Irrtum verharren, ist eines mit gesundem Verstand begabten Menschen unwürdig.

Achteinviertcl Jahre habe ich leider vergeudet, um Irr­lehren und Unglauben zu verbreiten. Nicht durch äußere Umstände veranlaßt, sondern von innerster Ucberzeugung und oon iviedererw achtemgläubigem Empfinden gedrängt, bin ich endlich zur Erkenntnis gelangt, einen schweren Fehler, einen großen Irrtum dadurch begangen zu haben. Ich bedaure tief und aufrichtig das A e r g e r- nis, welches ich durch meine bisherige Tätigkeit in Mainz und Umgegend, sowie in anderen Städten während dieser 8*/4 Jahre gegeben habe, ich widerrufe alle Irrlehren, die ich wahrend dieser Zeit, sei es mündlich oder schriftlich, verbreitete, und bitte sowohl den katholischen K l e r us, wie auch das katho­lische Volk, mir u verzeihen.

Auf meine bisherige Stelle, sowohl hier als auch in der Um- gegerid, habe ich Verzicht geleistet, auch bin ich ans allen Vereinen und Verbänden ausgetreten, deren Tendenz im Widerspruch steht mit den H e i l s iv a h r h e i t e n der katholischen Kirche. Ich bin bereit, für das gegebene Aergernis jede von den berufenen tirchlichen Autoritäten geforderte Genugtuung zu leisten. Oeffentlid) war die Verirrung und öffentlich muß der Wider­ruf sein.

Ich erkenne an, daß die katholische Kirche als göttliche Heilsanstalt die Trägerin der höchsten Autorität auf Erden und des vollkommensten Rechtsideals ist, da­her sind die Rechte der Kirche höherer, ja allerhöchster Art, höher als alle anderen Rechte menschlichen Ursprungs. Durch die Taufe und Priesterweihe hat die katholische Kirche ein unauslöschliches und mwerjährbares Recht über meine ganze Persönlichkeit er­worben, daher kehre ich reumütig in den Schoß dieser erhabenen Heilsan st alt zurück.

Gott der Dreieinige wird mir meine bisherigen Glaubeusdelikte in seiner unermeßlichen Barmherzigkeit verzeihen, so hoffe ich, daß auch der hochwürdige Klerus und das gläubige katholische Volk in altbewährter christlicher Milde mich nachsichtig beurteilen werden.

Ascarlius Frhr. v. Zucco u. Cuccagna, Wellpriester.

Andere Mainzer Blätter werden ja vielleicht demnächst in der Lage sein, Näheres über diesen durch seine Jäheit doppelt überraschenden Wechsel der »innersten Ueberzeugung" mitzuteilen. Darum enthalten wir uns vorerst jeden Kom­mentars zu dieser Erklärung, die in ihrer ganzen Tonart, in ihrer allen Mannesftolz verleugnenden, nahezu die Selbst­achtung preisgebenden Demut in der Geschichte der christlichen Kirche ihres Gleichen wenig haben dürfte.

Ausland.

Kopenhagen, 4. Okt. Das norme fische Königs­paar mit dem Kronprinzen Olaf trafen auf dem hiesigen! Bahnhofe ein. Zum Empfange waren anwesend: die dänische Königsfamilie, die russische Kaiserin-Witwe, der König von Grie­chenland, und hohe Würdenträger. Nach herzlicher Begrüßung fuhren die Herrschaften nach Schloß Amalienborg.

London, 4. Okt. Die Zeitungen besprechen heute die Sage; welche durch eine Reihe der auf bcr Konferenz der Eisenbahn­angestellten zu Cardiff gefaßten Beschlüsse geschaffen wurde. Diese Beschlüsse bedeuten einen großen Sieg der Arbeiter­partei über die Ge'werkschäften. Bell, ein Unterhaus- mitglied, der jahrelang Generalsekretär der Eisenbahnergewerk­schaft war, weigerte sich, die Herrschaft der Arbeiterpartei an­zuerkennen, er wurde jedoch auf der Konferenz überstimmt. Die Konferenz nahen eine Resolution an, die von ben Kandidaten für das Unterhaus fordert, daß sie sich schriftlich verpflichten, Ämn Hardie und die Partei zu unterstützen, und verwarf eine Reso­lution, die das Ausscheiden des Eisenbalmerverbandes aus der Arbeiterpartei fordert. Bell behauptet bestimmt, daß die Reso­lutionen der Konferenz nicht die Ansicht der großen Menge der Eiseirbahner wiedergegeben haben und verlangt nach einer all­gemeinen Abstimmung.

Wien, 4. Okt. Der Wahlreformausschuß des Ab­geordnetenhauses lehnte heute den Eintrag Tellinger (Zentr.) betr. das Pluralwahlsystem mit 26 gegen 20 St. ab.

Aus jpsaOt uns fcaito»

Sprechstunden der Redaktion 1J1 Uhr Dorrn., Vs7V28 Uhr abds. Gießen, den 5. Oktober 1906.

Zahl der Eheschließungen, Geburten und Todesfälle in Hessen während des Jahres 190 5. Es wurden 10 143 Ehen geschlossen, die meisten im Spät­herbst und Frühjahr, nämlich im November 1063, April 1023 und Mai 1001, dagegen im August nur 609 und Januar 631. Geboren wurden 38 328 Kinder (im Januar 3447, im November 2850). Von diesen Geborenen waren: lebend 37 157 und tot 1171, ehelich 35 678 und unehelich 2650, männlich 19 280 und weiblich 18 508. Mit großer Regel­mäßigkeit kommen immer mehr Knaben als Mädchen zur Welt, auf 100 Mädchen ungefähr 107 Knaben. Mit der­selben Regelmäßigkeit ist aber auch die Sterblichkell bei den männlichen Säuglingen größer als bei den weiblichen. Denn cs starben im ersten Lebensjahr von den 19 163 lebend ge­borenen Knaben 3225, oon den 17 994 lebend geborenen Mädchen nur 2480. Nach dem ersten Lebensjahr besteht des­halb zwischen der Zahl der Knaben und Mädchen kein wesent­licher Unterschied mehr. Im ganzen sind einschließlich der Totgeborenen 20 060 Personen gestorben. Da diesen nach der Darmst. Ztg. eine Geburtenzahl von 38 328 gegenüber» steht, so bedeutet dies für das Großheczogtum einen Geburten­zuwachs von 16 268 im Jahr 1905.

* Reiche Zmetsch en ernten. Welche großen Mengen