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5.3.1906 Erstes Blatt
 
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«JRrrtei mi?" IüKNvonw WoSnesscrrÄ, die bcnt Kvi-ser bic ©cfüfite Sbet Einwohner unb Eisenbohnarbcitcr von Iwanowo-Wosnessensk rübninitteltc. Der Aar richtete folgende Älnsprachc an bic D c p u - totion: .

,J3d) Tenne unb schäle Ihre Gefühle, für bic ich Ihnen sowie der gesamten nittokratischen Partei von Herzen banke. Sagt beiten, bic Euch 31t mir sandten, bi& bic bnrch bas Mani­fest' vvm 30. Oktober angekünbigten Reformen unentlvegt zur Durchführung gelangen, unb baß glcicksallS bie durch mich dem ganzen Volke gewährten Rechte unveränbert bleiben ttfrrbcn, meine autokratische Macht aber wirb so bleiben, wie sie es immer gewesen ist."

DerrtseheV AercL^sLag.

5 6. Sitzung u 0 in 3. März 1906.

Eingegangen ist die A u t 0 in 0 b il - H a s t p s l i ch t ° Gesetzes- Vorlage. Bei schwach besetztem Hause wirb bic Beratung ber Reichsj u st i z - B e r w a l t u n g fortgesetzt.

Abg. Stadthagen (Soz.) wendet sich gegen denAbg.Lenz- inann und führt dann aus: Das 21 und O aller Nesormen sei die Unabhängigkeit aller Organe der Rechtspflege. An dieser Unab­hängigkeit der Organe unserer Rechtspflege fehle es zur Zeit. Die Strafprozeß Kommission habe es sich offenbar zur 2lusgabe ge­macht, die letzten Garantien für eine Freisprechung Unschuldiger zu beseitigen. Weiter verbreitet sich Redner über die Verurteilung ides verantw. Redakteurs derLcipz. VolkSztg." wegen des histo­rische Rückblicke enthaltenden ArtikelsAlbcrtinische Profile". Tas Urteil selber habe zugegeben, daß der gegenwärtige König von Sachsen in dem Artikel nicht einmal genannt sei und trotzdem habe das Gericht Majestätsbeleidigung angenommen. Zum Schluß geht Redner noch näher ein auf den bekannten Milchringprozeß und das pekannle Kammergcrichtsurteil und auf einen Beeinflussungsversuch .des Ministers.

Staatssekretär Tr. N i e b e r d i n a erklärt, der Verfasser des Urteils sei gleich nach Abfassung deS Urteils schwer erkrankt und befinde sich jetzt noch in einer Nervenheilanstalt. Der Minister Habe den Präsidenten des Kammergerichls auf vorgekommene Nach- läfsigkeiten auimerksam gemacht, auf den Senat aber in keiner Weise eine Beeinflussung unternommen. Ter Staatssekretär protestiert nochmals gegen die Unterstellung, als ob Organe der Rechtspflege, insbesondere Richter ihr Urteil abhängig machten von politischen oder anderen Umständen, die mit dem Rechtsfalle an sich nichts zu schaffen haben.

Sachs. Geheimrat Börner erklärt, die Gründe des Urteils in dem vorgestrigen Leipziger Prozeß seien ja überhaupt erstmünd- Uch verkündigt und noch nicht schriftlich. Die nähere Begründung -werde daher überhaupt noch abgeivartet werden müssen. Das Volk -verstehe es nicht, wenn der Verfasser, der Täter, nicht für seine Tat einstehe, sondern einen anderen als verantwortlich vor Gerichi stellen lasse. (Widerspruch links). Redner sucht dann noch gegen­über dem Abg. Dr. Müller-Meiningen die relativ milde Bestrafung des Fürsten Kotschubei damit zu entschuldigen, daß Kotschiibei im Affekt gehandelt habe.

Abg. Tr. Stöcker (chr. Soz.) polemisiert gegen Müller- ,Meiningen und gegen die gewissenlose Presse, vor allem die scham­losen Witzblätter. Wie veriverflich sei das Predigen der freien Liebe im Siniplizissimus und der Jugend. 2luch der verkommenste Mensch könne dies nicht billigen. Neben Bild und Wort wirkten in glercher^Weise dann auch die Schauspiele, die heutzutage zum Teil wahre Sauspiele feien. Das Schlimmste sei, wie der Verführer sieh an die Jugend heran mache. Die Nationen sollten zusammen treten amd auf einem gemeinsamen Kongreß beraten, was gegen diese Seuche, gegen diese Pest zu tun sei.

Abg. von ©erlad) (irs. Vg.) weist die persönlichen 2(ngriffc zurück, die der Abg. von Tirksen neulich gegen ihn gerichtet hat. Ihn und seine Freunde unterscheide von Stocker, daß sie eben wirkliche Kunstwerke nicht verfolgt wiffeu wollten, lieber die Zeugniszwangshaft wolle er nur sagen, daß das schöne Gemälde, idas Dr. Nieberding heute entworfen habe, doch nicht für alle rinzelstaatlichen Justizverwaltungen zutreffe.

Abg. von Brockhausen (kons.) verbreitet sich nach einer -kurzen Polemik gegen den Vorredner über die Vorgänge bei der Pyritzer Genoffenschaft, die von dem 2Ibg. Krösell unrichtig dar- gcstellt feien. Eine Bemerkung des Redners, daß der Abg. Krösell 'eine verhetzende Agitation entfalte, bezeichnet

Vizepräsident Graf Stolberg als unzulässig.

946g. Herbert (Soz.) verbreitet sich über Urteile haar­sträubendster Art und dahin gehöre das Urteil in Stargard gegen Flugblattverteller im Wahlkreise Eolberg-EöSlin. Einzelne Flug­blattverteiler seien sogar wegen Hausfriedensbruch verurteilt worden.

Abg. Heine (Soz.) sagt, der Staatssekretär habe mit großer Emphase bestritten, was er, Redner, gar nicht gesagt habe. Er habe nicht den gesamten Richterstand angegriffen, sondern eine ge­il vifie Sorte politischer Justiz kritisiert, die über die Gesinnung des -Gegners zu Gericht sitze und daß es eine solche politische Justiz gebe, hätten alle Redner anerfannt, die nach ihm zu Wort ge- komnien wären. Man sage, es seien das Ausnahmen. Im Westen und Süden gebe es so etwas nicht. 21 ber er habe auch in Saar- Ebrütfen und Dortmund verteidigt, und dieselbe Erfahrung gemacht, idtebner wendet sich dann gegen Stöcker.

Staatssekretär Dr. Nieberding bemerkt, der Vorredner habe das große Talent, feine Worte so zu wählen, daß sie hier Mid)t zu beanstanden seien (Sehr richtig! rechts), ober draußen Hätten sie eine ganz andere Wirkung, und das sei es, was der .Staatssekretär bedauere und was ihn innerlich errege. Er erkenne dankbar au, daß sick) Herr Heine heute dagegen verivahre, den Richterstand im ganzen zu meinen, aber seine neulichen Worte.hätte -nicht nur er, Redner, sondern da-S ganze Haus so aufgefaßt, '(^in istimmung rechts.) Der Staatssekretär wiederholt, es seien Ans- nahmesälle, die vorgeführt werden und er ersucht Herrn Heine, ihm die Namen der Richter zn nennen, die er als Schulte bezeichnet habe. An bie Richter ober richte er bie Mahnung, alles zu unter­lassen, was mißdeutet werden könne. Wte die Strömung heute sei, wird es mißdeutet. (Sehr wahr! rechts) und das ist ein un­geheurer Schaden für die Würde und das Interesse unserer Nation. (Lebhafter Beifall.)

Abg. von Dirks en (koiis.) wendet sick) nochmals gegen von Gerlach.

Abg. 5k r 0 s e l l (Antis.) polemisiert scharf gegen den Abg. Brockhaujen.

2tbg. Stadthagen kommt nochmals aus den Milchring zn sprechen, ivorauf ihm ber

Staatssekretär erwidert, wobei er seine Angaben ans- redjt erhält.

Nach einer Entgegnung des Abg. v. B r 0 ck h a n s e n schließt die Debatte.

Im Lause einer Reihe persönlicher Bemerkungen erhält 2lbg. Stadthagen einen Ordnungsruf wegen des gegen Dirksen gerichteten 2lnsdrucks R ü p e l e i.

Der Titel Staatssekretär des Innern unb der Rest des Spezial» vtats der Reichs-Justizverwattung werden genehmigt, bie Ab­stimmung über bic 4 Resolutionen ausgesetzt.

Montag: Freisinnige Interpellation wegen der Verzollnngs- ^rschwernisse au der russischen Grenze, dann Postetat.

Kongreß des Deutschen Vereins für Armenpflege und WohttäUgKeit.

(Original-Artikel desGießener Anzeigers")

Berlin, 3. März.

Zn ungewöhnlicher Zeit, nicht wie sonst int Herbst, sondern mitten int Winter, tritt diesmal der Kongreß zu- santmen. Auch der Anlaß dazu ist kein gewöhnlicher. Richt, wie sonst, handelt es sich um friedliche, mehr wissenschaft­liche Erörterung der auf dem Gebiet der Armenpflege und Wohltätigkeit schwebenden Fragen, sondern vielmehr darum, zu der von der Reid)sregierung dem Reichstag vorgelegten Novelle zum Gesetz über den Unterstützungs- Wohnsitz Stellung zu nehmen. Gegen diese Vorlage be­stehen bei allen, die sich von Berufs lnegen mit der Armen­pflege beschäftigen, die schwersten Bedenken. Zmn Teil

wegen der Bestimmungen, die sie der Gesetzgebung- vor­schlägt, teils wegen dessen, waS sie nicht bringt. Der ein­zige Gesichtspunkt, von dem die Vorlage beherrscht ist, ist der, die Armenlast zu verschieben, und zwar zu ungunstett der Städte. Der Grund dafiir ist die Tatsache der immer stärker werdenden Abwanderung vom Land nach den Städten, wodurch nicht nur dem Lande die Arbeitskräfte entzogen werden, sondern dem Lande Armenkosten für solche, die ihm nichts mehr nützen, aufgebürdet werden, Kosten, die zudem von einem immer kleiner werdenden Kreise von Personen getragen werden müssen. Tiefe Lasten zu erleich­tern, hatte schon die Novelle vom Jahre 1894 das Alter, von dem an der junge Mensch den Unterstützungswohnfitz in der Heimat verliert und sich einen neuen erwirbt, vom 24. auf das 18. Lebensjahr herabgesetzt. Außerdem wurde die Pflicht, einen Hilfsbedürftigen zu unterstützen, der Ge- nreindc, in der er in Arbeit steht, für die ersten >3 Wochen endgiltig aufgelegt. In dieser Rick- nng geht nun die neue Vorlage weiter. Das Alter zur Erwerbung des Unter- stützuugswohnsitzes soll iwd) einmal vom 18. auf das 16. Lebensjahr und dazu die Frist für diese Erwerbung von 2 Jahren auf 1 Jahr herabgesetzt werden. Dagegen soll die Dauer der vorläufigen Unterstützungspflicht von 13 auf 26 Wochen ausgedehnt werden, und sie soll dem Arbeitsort auch dann aufgelegt werden, wenn der Unterstützungsbedürf­tige seinen Wohnsitz an einem anderen Ort hat. Wenn also z. B. bei einem Eisenbahn- oder Wegebau ein aus­wärtiger Arbeiter 8 Tage in einer Gemarkung arbeitet und da krank wird, so soll nicht seinem Wohnort, sondern dem Arbeitsort die Tragung der Kosten für ein halbes Jahr aufgelegt werden. Dagegen haben bei dieser Vorlage alle die Mängel, die sich in einer bald vierzigjährigen Uebung herausgestellt haben, und die in den Verhandlungen des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit seit 25 Jahren eingehend erörtert wurden, keinerlei Be­rücksichtigung gefunden. In beit Kreisen des Vereins stand es sofort fest, daß es ein Unglück wäre, wenn diese Novelle Gesetz würde, und wenn auch diese Gelegenheit wieder vor­überginge, ohne die gesetzlichen Grundlagen der Llrmen- pflege zeitgemäß fortzubilden. Nachdem der Reichstag schon im Januar die erste Lesung der Novelle vorgenommen und sie einer Kommission zur Beratung übergeben hatte, war es deshalb höchste Zeit, den Bedenken dagegen einen nicht zu überhörenden Ausdruck zu verleihen. Dazu imirbe ber Kongreß in die Neichshauptstabt zusammenberufen.

Wie sehr die Bedeutung dieser Tagung überall ge­würdigt wird, zeigt die große Schar der Teilnehmer, die aus ganz Deutschland zusammengeströmt sind, zeigte u. a. auch bpr glanzvolle Empfang, den die Stadt Berlin, der Magistrat mit dem Oberbürgermeister Kirschner an der Spitze, alle Stadträte und Stadtverordneten, mit der gol­denen AmtSkette geschmückt, im großen, prachtvollen Fest­saal des Rathauses Bereitet hatte.

Auch die heutige Tagung des Kongresses findet in diesem Saale statt. Leider scheinen auch hier die Reichs­tagsabgeordneten, auf die die Verhandlungen besonders berechnet sind, durch Abwesenheit zu glänzen. Dagegen hat sich der Landtagsabgeordnete Pastor D. von Dodel- schwingh, der Vater der Arbeiterkolonien, eingefunden, und auch die Regierung ist vertreten. Nach kurzer Begrüßung durch Oberbürgermeister Kirschner, und nach den ge- schäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden, Stadtrat Lud- tv i g - W 0 l f, vertrat Staütrat M ü n st e r b e r g - Berlin in längeren Ausführungen den Standpunkt des Vereins. Der Zentralausschuß hatte diesen Standpunkt in einer Anzahl von Leitsätzen niedergelegt und beantragte dazu folgende Resolution:

Auf Grund der vom Zentralansschuß vorgelegten Leit­sätze, denen sie in den wesentlichen Punkten zustimmt, spricht die Versammlung ihre Hoffnung aus, daß der Reichstag der von der Reichsregierung vorgelegten Llenderung des Ge­setzes über den Unterstützungswohnsitz in der vorliegenden Fassung die Zustimmung versagt."

In der Diskussion sprach sich Justizrat Dr. Ruland aus Colmar int Namen von Elsaß-iLothringen, das im Begriff steht, das Reichsgesetz über beit Unterstützungswohn­sitz einzuführen, gegen die Verschlechterung dieses Gesetzes durch eine Novelle aus, die nur den Säckel der Unterstützen­den, nicht aber das Wohl der Armen ins Auge fasse, und indirekt auch auf die Privatwohltätigkeit lähmend einwirke. In gleicher Richtung bewegen sich int ganzen die Ausführungen der übrigen Redner. Von besonderem Interesse war es, als Pastor v. Bodelschwingh auch hier für seinelieben Brüder von der Landstraße'" eintrat und wünschte, daß bei dieser Gelegenheit endlich auch der auf diese bezüglich^ § 28, der feit 35 Jahren völlig versagt und nur zur Beförderung des Bettels gedient habe, geändert werde. Dr. Kl um ker-Frankfurt a. M. brachte die Bedenken, die auch vom Standpunkt der Privatwvhltätig- teit gegen die Novelle bestehen, zum Ausdruck und empfahl, die von ihm in Gemeinschaft mit Dr. Levy-Berlin und Pfarrer Schlosser-Gießen an den Reichstag gerichtete Peti­tion. Natürlich waren die Vorsteher der Landarmenverbände, wenngleich auch sie eine weitergehende Revision des Ge­setzes wünschten, int allgemeinen geneigter, die Novelle als eine brauchbare Grundlage der Verbesserung anzusehen.

Zum Schluß wurde die vorgelegte Resolution mit über- wattigen der Mehrheit angenommen. S.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. März 1906.

Eine Sitzung bc§ ProvinzialauSschusscS ber Provin z Ober Hessen findet am 10. b. M., norm., mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wahl eines Bei­geordneten für die Gemeinde Homberg a. d. Ohm. 2. Schulhausbau zu Massen heim.

** Der Verein der Bürgermeisterei-Sekretäre des GroßhcrzogtumS Hessen hatte am Sonntag in Frankfurt a. M. seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz de§ Bürgermeisterei-Sekretärs Horle-Rüssels-- heim. Vertreten waren 40 Delegierte aus den drei Pro­vinzen. Nach Erstattung des Jahres- und Geschäftsberichts beriet man über eine Petition an den Landtag. Der Vor­sitzende führte aus, daß jetzt bet der Beratung der neuen Landgemeinde-Ordnung der günstigste Zeitpunkt sei, um den Landtag die Wünsche ber Sekretäre wissen zu lasten. Sie bilbctcn einen Stand, ber nur Pflichten und fast keine Rechte habe. Sie hätten weder ein Kündigungsverhältnis, noch eine Kündigungsfrist. Jeder Bürgermeister könne den Sekretär brevi manu entlassen, ohne Angabe des Grundes. Diese Rechtlosigkeit mäste beseitigt werden. In der Debatte wurden Fälle erwähnt, die zeigten, daß auch in Bezug auf bic Bureau­stunden keine Einheitlichkeit bestände. Die Arbeitszeit sei un­begrenzt, nicht selten müßte bis spät in den Abend hinein gearbeitet werden ohne Extravergütung. In der Petition,!

die dem Landtage zugehen soll, wird gefordert, daß die neue Landgemeinde-Ordnung auch die L 0 h n - u n d Arbeits­verhältnisse der Bürgermeisterei-Sekretäre gesetzlich regele, daß die Gehalts- und Anstellungsverhältnisse nicht mehr vom Bürgermeister willkürlich festgelegt werden können, sondern daß dies seitens der Regierung erfolgt. ES wird weiter eine Altersversicherung gewünscht und gebeten, ähnlich gestellt zu werden, wie die Gehilfen an den Kreis- ämtern. Man hofft, daß die Wünsche Berücksichtigung finden werden.

** Th eater-Verein, In der 8. Vorstellung am 9. März gelangt, ebenso wie in der siebenten, neben einem meluaktigen Schauspiel noch ein Einakter zur Aufführung. Die Schauspieler des Kaisers" von Wartenberg s» unseres Wissens hier noch nie gegeben worden, obwohl ' seit 1878 ihren Weg über alle größeren deutschen Bühnen genommen haben und, in alle Kultursprachen übersetzt, auch un Auslande sehr viel gegeben worden sind. Es ist ein leibhaftiges Theaterstück, denn die austretenden Personen sind der Intendant, der Regisseur und die Schauspieler des thi^ätre frangais in Paris zur Zeit des Kaisers Napoleon I. Der Gast des Abends, Herr Bayrhammer vom Frank- fnrtcr Schauspielhaus, tritt als Schauspieler Urbain Sansnom auf, Frau Baprhammer spielt die einzige weibliche Rolle. Den Schluß des Abends wird ber EinakterDer Bär" von Anton Tschechow bilden. Die Schöpfungen der russischen Dramatiker haben ja entgegen den russischen Romanen und Novellen bis jetzt nur sehr spärlich in Westeuropa Ein­gang gefunden, unsere Kenntnis der russischen Dramenliteratur beschränkt sich zumeist auf TolstoisMacht der Finsternis" und GorkisNachtasyl". Aber neuerdings erobern sich auch bic dramatischen Arbeiten von Anton Tschechow unsere Bühne und zwar mehr als seine Dramen (Die Möwe",Onkel Wanja" 11. a.) seine stark grotesken satirischen Bilder auS der russischen Gesellschaft (Der Bär",Ein Heiratsantrag", Sommerfrischler" u. a.) Es ist das Verdienst des augen­blicklich in Berlin im Berliner Theater gastierenden Moskauer künstle Theaters, Tschechows Dramen in Rußland zuerst in ..r.giltiger Weise aufgeführt und dem längst bekannten und berühmten Romancier und Novellisten auch als Dramatiker zur Anerkennung verhalfen zu haben. Die Handlung imBär" spielt im wesentlichen zwischen zwei Personen, bie hier von Herrn unb Frau Bayrhammer dar- gestellt werden.

Freidenker- Vereinigung. Am kommenden Donnerstag wird im Saale desHotel Einhorn" hier ber bekannte Philosoph unb Schriftsteller Dr. Bruno Wille aus Berlin einen öffentlichen Vortrag über ,Goethe's Faust, das Hohelied vom Sinn des Lebens" halten. (Näh. s. Inseratenteil.) Dr. Bruno Wille ist bekannt durch seine religiös-philosophischen Schriften, von denenDie Offen­barungen des Wachholderbaums", die ihm seinerzeit den Schillerpreis eintrugen, seinen Namen für alle Zeiten in ber deutschen Literaturgeschichte befestigt haben.

X Laubach, 3. März. Auf der Tagesordnung ber' gestrigen Sitzung des Gemeinberats stand die Beratung über das Eisenbahnprojekt Gießen Steinbach Laubach. Man beschloß Zustimmung für den Fall, daß bie Bahn durch bic preußisch-hessische Gemeinschaft auSgeführt werde. Anläßlich ber Silbernen Hochzeit unseres Kaiser- paareS wurde durch die Oberpostbehörde dem langjährigen Stadtbriefträger Bager ein eingcrahmtes Bild, die kaiser­liche Familie darstellend, als Geschenk übersandt.

() Wetzlar, 4. März. Heute nachmittag fand int, Schützengarten die Generalversammlung be3 Kreiskriegerverb andes Wetzlar statt. Hauptmann Braß eröffnete die Versammlung nnb gedachte des lang­jährigen Vorsitzenden, Hauptmann Hardt-Groß-Rechtenbach, der am 21. Mai v. I. gestorben ist. Der Vorsitzende hob ferner die opferwillige Tapferkeit unserer Kameraben in Südwestafrika hervor. Im Hinblick auf den Ehrentag un­seres Kaiserhauses in der verflossenen Woche schloß er mit einem Kaiserhoch, in das die Anivesenden begeistert ein» stimmten. Der Verband zählt 65 Vereine mit 3142 Mit­gliedern und das Kapitalvermögen betrug am 31. Dez. vor. Jahres 1706,82 Mk. Bei der Vorstandswahl wurde Generas Kastendiek-Braunfels einstimmig zum Vorsitzenden gewählt, die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden wie­der- und Bürgermeister Goldmann-Groß-Rechtenbach neu- gewählt. Eine längere Debatte entstand über die Wahl des Ortes für das in diesem Jahre abzuhaltende Verbands- fest. Es hatten sich^ 8 Vereine gemeldet, und Wshausen an der Lahn trug den Sieg davon.

h. F r a n k s u r t a. M., 3. März. Die Restaurateure unb Gast Hofbesitzer wollen eine Erhöhu n g der Preise vornehmen. Zu diesem Zweck haben sich die Vor­stände des Vereins Frankfurter Gasthofbesitzer, des Gast- wirkvereins (Innung) und des Wirtevereins vereinigt. Gestern fand die erste gemeinschaftliche Sitzung statt, die zur Beseitigung der Notlage in dem Wirtschaftsgewerbe eine Preiserhöhung für dringend notwendig erklärte und be­schloß. Im 5. Stock eines Hauses in der Herbartstraße wohnte früher eine Familie, die am 1. Mörz in eine neue Wohnung gezogen war. Gestern kam die Frau nochmals in die alte Wohnung, um verschiedenes in Ordnung zu bringen. Sie war kaum int 1. Stock angelangt, als ihr eine Krampfader am linken Unterschenkel platzte. Sie schleppte sich noch bis zum 5. Stock, wo sie auf der Treppe ohnmächtig zusammensank. Erst spater wurde die Unglück­liche bemerkt, unb bis Hilfe zur Stelle war, hatte sich die Frau verblutet. In ber neuen Schlesingergasse wurde gestern ein älterer Mann in einem Hausflur halb verhungert aufgefunben unb nach dem Krankenhause gebracht. In Offenbach a. M. wurde ber Brauer Haas aus Siegen f c ft g c n 0 m m c n, ber in der Papagei- gaffe eine Schneiderin durch einen D 0 lchsti ch in die linke Arustfeite verletzt hatte.

Herzkranke und Bleichfuchtige können keinen Kaffee und Tee vertragen unb sind dotier um ein Getränk oft in Verlegen­heit, da sic bic ihnen so wohltnenbe VUlch nicht längere Zeit ge­nießen können. Durch Zusatz von Kusckes 51inbermebl mit ober offne ein wenig Kakao kann man sich aus ber Milch ein seffr woffl- schmeckenbes Gelrank fferstellen, das seines angenehmen Geschmackes ivegeil nicht nur seffr lange Zeil offne Wiberwillen genossen werben kann, sondern daS auch dic Ntilch zrigleick) leichter vcrbau(rd) macht und die Näffrkraft derselben nicht unbedeutend erhöht. Auch bei Erwad)iencn zeigt sich die anregende Wirkung des Kufekes Kinder- meffles am den oft ganz fehlenden Appetit. Durch etwas größeren Zusatz von Kufekes Kmbcrmchl macht man aus dem Getränk eine ivohlschmeckcndc Suppe.