Nr. 25S
Fünftes Blatt.
156. Jahrgang
Samstag 3. November 1606
Erscheint Hgfiä? mit Ausnahme des Sonntags.
®te „Ctegener §amillenbI8tter- werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der tonörotrt** erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzel
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'sch«! UnioersitätZdruckerei. R. Lang«, (Btcftm,
Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulftr.^ Tel. Nr. BL Telegr.-Adr.: Anzeiger Gietz«.
Eemral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen.
politische Tagesschart.
Abg. v. Eyner» f.
Gestern nachm. erhielten wir folgende Telegramme: Barmen, 2. Nov. Der Abg. v. Eynern^ ist in der vergangenen Nacht hier in der Wohnung seines Sohnes, bei dem er zu Besuch weilte, plötzlich gestorben. Er wurde im Schlafzimmer tot aufgefunden. Der „Allg. Ztg." zufolge liegt Gasvergiftung vor.
Barmen, 2. Nov. Herr v. Eynern weilte bei seinem Schwiegersohn, dem Fabrikanten Oberdeck, zu Besuch und wollte heute nach Berlin zurückkehren. Der Unglücksfall ist dadurch entstanden, daß der Gashahn in seinem Zimmer nicht geschlossen war.
Der Tod Eynerns wird namentlich bei allen deutschen Nationalliberalen, aber auch weit über deren Kreis hinaus aufrichtige Teilnahme erwecken. Eynern war nicht nur einer der ältesten Parlamentarier — er gehörte seit 1879 dem toreup. Abgeordnetenhause an, wo er den Wahlkreis Lennep- Remscheid-Solingen vertrat —, er war auch von Anfang an einer der eifrigsten Arbeiter. Seine Bedeutung, die sich auf große pratt. Erfahrungen im industriellen und kaufmännischen Leben gründete, wurde von seinen Frak- tionsgenossen bald erkannt, denn sofort nach seinem Eintritt in das Abgeordnetenhaus wurde er zusammen mit Miquel und Hammacher in die die Verstaatlichung der Eisenbahnen vorbereitende Kommission gewählt; auch später war er stets Mitglied der wichtigeren Eisenbahn-, Kirchen-, Schul- und Steuerkommissionen. Eynern war aber nicht nur ein sachkundiger Parlamentarier, er gehörte auch zu denen, die, mit reichem Humor und lebhaftem Temperament begabt, auch durch die Form ihrer Rede stets „das Ohr des Hauses" gewannen. Nicht selten steigerte sich sein launiger Humor ru scharfem Sarkasmus. Im Rheinland zu Hause, hat er den Kampf gegen den Ultramontanismus als eine Hauptaufgabe der nationalliberalen Partei betrachtet und behandelt. Ein Mann von selbständigem Urteil, vertrat er gelegentlich auch gegenüber der Fraktion eine abweichende Meinung, wußte die parlamentarischen Köllen aber auch gar häufig für seine Auffassungen zu gewinnen, und die geachtete Stellung, die er in verhältnismäßig jungen Jahren in der Fraktion sich errungen, hat er «sich dauernd zu behaupten gewußt.
Ernst v. Eynern war 1838 zu Barmen geboren. Sein Vater (f 1882) war der Geh. Kommerzienrat und Handels- gerichtspräsident Friedrich v. Eynern, der von 1849 bis 1873 fast ununterbrochen dem Abgeordnetenhause als Vertreter von Elberfeld-Barmen angehörte. Die Schulbildung erhielt Ernst v. E. auf dem Realgymnasium in Barmen, dann trat er nach mehrjährigem Aufenthalt im Ausland als Teilhaber in das väterliche Handlungshaus, das er 1897 auf löste. Bis zur Verstaatlichung war er auch Mitglied des Verwaltungsrates der Bergisch-Märkischen Eifenbahngesellschaft, und auch nach Auflösung seines Geschäftshauses war er im Aufsichtsrat großer Aktiengesellschaften und an kaufmännischen mit) industriellen Unternehmungen interessiert. 1875 bis 1897 war Eynern Stadtverordneter in Barmen. Auch literarisch betätigte sich Eynern vielfach.
Ist die holländische Vieheinfuhr gefährlich?
AuS Amsterdam wird der nationat-.lib. „Rhein.-Wests. Ztg/ geschrieben:
Der „Nieuwe Notterdamsche Courant" weist in einem langen Artikel die Vorwürfe zurück, die eine Betrachtung unter dem Titel „Holländische Wirtschaft" in der agrarischen „Dtsch. TageSztg/ gegen die holländische Regierung gerichtet hat. Man sollte- im Auslande billig anerkennen, daß wir auch gute Einrichtungen besitzen. Zum Glück gilt dies besonders für die Gesundheit des lebenden Viehes, dessen man
Kunstausstellung am Brand.
Gießen, 3. November.
In der hie^gen Künstausstellung befindet sich eine größere Anzahl sehr interessanter Arbeiten aus dem Nachlaß des verstorbenen Professors Augu st Noack zu Darm st ad t. Der Künstverein für das Großherzogtum Hessen, dessen Ehrenmitglied der Künstler war, hatte im April dieses Jahres in Darmstadt eine Gedächtnis-Ausstellung seiner Werke veranstaltet, die sich auf den in der Wohnung NoackS vorhandenen Nachlaß beschränkte. Eine Auswahl dieser Arbeiten ist nunmehr in Gießen vorgeführt und zeugt von dem vielseitigen Können des Verstorbenen, der meist nur als Vertreter der kirchlichen Historienmalerei und als geschickter Porträtist bekannt war. Seine Leistungen als hervorragender Zeichner, als Landschafts- und Architekturmaler waren weniger in die Oeffentlichkeit gedrungen und nach diesen Seiten bringt die hiesige Ausstellung viel Bemerkenswertes. Zu erwähnen sind in erster Linie die Oelsrudicn von Architekturen, figürlichen und landschaftlichen Motiven aus Italien, Salzburg und Antwerpen, zwei Aquarelle aus Civitella und Olevano, Entwürfe zu Deckengemälden, eine Farbenfkizze zu dem großen historisäien Gemälde Paulus vor dem hohen Rat in Jerusalem und eine Komposition „Auf zum Licht" mit dem in Notenschrift beigefügten Leitsatz „So Ihr mich von ganzem Herzen suchet, so will ich mich finden lassen." Ferner sind zwei religiöse Kompositionen, der auferstandene Christus und Christus auf dem Oel- berg vorhanden, die im Großen ausgeführt die Kirche Sacrö coeur zu Santiago in Chile schmücken.
Besondere Beachtung verdienen auch die virtuos dargestellten Zeichnungen aus Italien, die mit großem Verständnis den Land- schaftS- und Architekturbildern die charakteristischen Seiten ab- acwinnen und besonders als Erinncrungsblätter aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen historischen Wert für sich beanspruchen können. Dem Gießener Publikum ist Noack nicht unbekannt; die Besucher der Stadt kirchc sind seit langen Jahren an ihn erinnert beim Anblick des großen Gustav Adolf-Bildes, das Grvßherzog Ludwig III. im Jahre 1861 der Stadt Gießen zum Geschenk machte. Die Ausstellung des Kunstvereins wird den noch 'lebenden Bekannten und Freunden unseres verstorbenen hessischen Landsmiannes einen dankbaren Einblick in dessen Vielseitigkeit bieten und auch denen, die von Noack's Künstlerschaft rwch nichts kannten, keine Enttäuschung bereiten.
♦
— Der Gießener Konzertverein eröffnet seine diesjährige Saison mit einem Orchesterkonzert, deni die großen Namen Haydri, Mozart, Beethoven und Schubert dc.s Gepräge ausdrücken sollen. Die Ouvertüre „Zur Weihe
in Deutschland jetzt so sehr bedarf. Was von agrar. Seite darüber berichtet wird, ist ziemlich tendenziös. Im Lande selbst spüren wir von Viehseuchen f a st nichts. Wie der „R. R. C." mitteilt, ist die Maul- und Klauenseuche seit 21/2, die Lungenseuche seit 20 und die Viehpest seit 35 Jahren in Holland nicht vorgekonuncn. Dagegen Milzbrand sei hier nicht häufiger als in Deutschland, wohl kämen mehr Fälle anS Licht durch die Maßregeln der Negierung.
Ueberhaupt ist die Bekämpfung der Viehseuchen in den letzten Jahren kräftig betrieben worden. Sehr bedeutend nennt das Blatt mit Recht das NeichSserum- Jnstitut in Rotterdam. Dessen Impfstoffe werden in großem Maße kostenlos unter die Vichärzte verteilt. Holland ist mit diesem Neichsinslitut allen Ländern voran. Auch zur Bekämpfung der Tuberkulose wird hier mehr getan, als anderwärts. Die Gesundheit des ViehstapelS, sagt daS Blatt, darf heute sehr günstig genannt werden, und die Behauptung, die Statistiken seien unzuverlässig, beantwortet es mit Achselzucken. Es hofft, die deutsche Presse werde diese Verteidigung mitteilen.
Wir tun dies, so schließt das genannte nat.-lib. Blatt, mit Vergnügen, und hoffen, daß man sich an maßgebender Stelle von einer interessierten Minderheit nicht bestimmen lassen werde. Die Oeffnung der Grenze unter Modalitäten ist ein von Tag zu Tag dringenderes Bedürfnis. Und sollten selbst diejenigen Recht haben, die behaupten, Holland könne keine allzu großen Viehmcngen an Deutschland abgeben — kann das ein Grund dagegen sein, den ungefährlichen Versuch zur Herabminderung der überhöhen Fleischpreise vorzunchinen?
•
Bafftrmann über die auswärtige Politik.
In einer Versammlung der Wiesbadener Jungliberalen hielt der nationalliberale Führer Basjermann eine Rede, in der er auch auf die auswärtige Politik näher einging. Der „Rhein. Kurier" berichtet darüber:
„Mit ein paar Strichen hielt er die Lage fest. Die große vergangene Blsmarckjche Zeit, Deutschlands tonangebende Stellung, heute Deutschlands Isolierung. Und merkwürdig — diese außerordentlich zahlreiche Zuhörcrjchast, die bei allen Poftulaten der inneren Politik über den Zustand mäßiger Versaminlungs-An- geregtheit »licht hinauskam, iuurbe plötzlich lebendig, als Basser- manu versicherte, daß inon zwar früher unter Bismarck im Parlament hätte schweigen können, die Zeiten seien aber andere geworden und es iväre Pflicht der Reichsboten, im Parlament auch über auswärtige Politik mitzureden. Ein spontanes, stürmisches Händeklatschen und Bravorilsen setzte ein. Und Bassermann trttlsierte nicht allzu lind. Scharf hob er hervor,,daß Eng l all d der Angelplinkt der auswärtigen Politik ist, daß dessen K ö n i g geräuschlos durch d i e W e 11 reise, u m Bündnisse zu schmieden und T e ll t s ch l a n d z u i s o l i e r e n, und mit allerscharsster Deutlichkeit betonte der Redner, wie diese Isolierung Deutschlands mit der Preisgabe d e s r u ss i j che n Rückversicherungsvertrages — dem Meisterstück Bismarckscher Staalskunst — einjetzte. Redner besprach den Dreibund, klassifizierte den Wert Jtalielis an diesem, kam auf Algeciras und feine Konsequenzen und blieb bei Clenienceau, dem Revanchepolitiker stehen, der vielleicht jetzt schon eine fr a nz ö s i s ch - e n g l is ch e Ai i l i tä r-K o n v en t i o n abgeschlossen hat, die selbstverständlich ihre Spitze gegen Deutschland kehrt. So ist die internationale Lage Deutschlands prekrär. Es f e h l e der deutschen Diplomatie an fähigen Köpfen: solche seien iiotroeiibig, nicht Handlanger.. . Ist auch unsere Diplomatie nicht erstklassig, so steht doch die Armee intakt da; sie ist volleiidet im modernsten Sinne und schlagfertig. Ulisere Marine ist im Ailsbau; hier ist der Kaiser der Führer der Ration ge- wesen. Der Redner hat seine Umschau auf deni auswärtigen Gebiet vollelidet; er kommt zum Schluß ani den großen nationalen
des Hauses" (op. 124), die Beethoven zur Eröffnung des neuen Theaters in der Jostphsstadt komponierte, die aber, da sie nicht rechtzeitig vollendet war, diesem Zweck nicht dienen konnte, ist eine seiner reifsten Schöpftmgen. Doch wird sie verhältnismäßig selten zu Gchör gebracht und ist in Gießen überhaupt noch nicht ausgeführt worden. Schuberts H-Moll-Symphonie dagegen mit dem wunderbaren Ländlermotiv im großen Satz, das aus dem Celli aussteigt, kennen wir alle. Sie ist unvollendet geblieben, obwohl sie älter ist als ihre noch berühmtere Schwester, die große E-dur-SymPhonie, der sie durch die gedrungene Form überlegen ist. Auch Haydns' 11. Symphonie, eines der graziösesten Erzeugnisse seiner Muse, haben wir in Gießen noch nicht gehört, so oft sie'aucy in unseren musikalischen Häusern von vier Händen auf dem Klavier mehr oder weniger geläufig gespielt worden sein mag. Sie verdankt ihren Beinamen „Militär symphonie" dem zweiten Satz, dem Allegretto, das in dieser Symphonie die Stelle des langsamen Satzes vertritt und für das die reichste, aber vornehme Verwendung der Schlaginstrumente (Pauken, Triangel, Becken, große Trommel) charakteristisch ist. Tas berühmte Trompetensignal, so einfach und doch so überzeugend, wird auch bei uns seine Wirkung nicht verfehlen, so wenig wie die flotten Motive des ersten und des letzten Satzes und das behagliche Menuett, das uns den alten Herrn in seiner liebenswürdigsten Laune zeigt. Der für den solistischen Teil des Konzertes gewonnenen Geigerin, Frl. Gabriele Wietrowetz, geht ein ausgezeichneter Ruf voran. Daß sie sich das entzückende A-dur-Konzert von Mozart, eines von Meister Joachims Lieblingskonzertcn gewählt hat, ist ein Zeichen von gutem Geschmack, und auch die kleineren Solostucke passen sich dem Rahmen des ganzen Konzertes würdig an. Atöge em voller Saal die Anstrengungen der Mitwirkenden und des Vereins lohnen!
•
Frankfurt a. M., 2. Nov. Vor gut besetztem Hause ging gestern zum erstenmal die Detektiv-Komödie „Sher- lo t Holmes" von Ferdinand Bonn im Orpheum in Szene. Das Berliner Schauspielensemble mit Freiburg in der Titelrolle bot Gutes. Gerdy Waldau war vorzüglich als Lady Katogan und auch Siegfriev Böhm als Dr. Mors
— Die Familienblattliteratur unterzieht Ernst von Wolzogen im Novemberheft des „L i t e r a r r s ch.
Gesichtspunkt. Zwei Forderungen erhebt er: man muß in Beherzigung der Lehren von Jena und Auerstädt in die maßgebenden Stellen Männer von unabhängiger und standhafter Gesinnung, Männer von g e r a d e r D e n k a r t u n d steifein Rück - grat setzen. *
Im Etat für Kiautschau
sollen rund 5 Millionen Mark für neue Hafen- an la gen gefordert werden. Diese Summe erscheint allerdings nicht auffallend groß im Vergleich zu den 9(uf» Wendungen, die in den neun Jahren des deutschen Besitzes der Kolonie aus Reichsmitteln gemacht worden sind. Aber auf der anderen Seite eröffnet sich geringe Aussicht, daß endlich einmal die int Durchschnitt jährlich 10 Millionen betragenden Reichszuschüsse für Kiautschau sich verringern. In welcher Höhe die eigenen Einnahmen der Kolonie im neuen Etat veranschlagt werden, darüber verlautet nichts. Sie dürften aber schwerlich in einem den Reichszuschuß in absehbarer Zeit erübrigenden Maße steigen. Man hat sich beim Abschluß des Pachtvertrages über Kiautschau wohl allerseits die Zukunft dieses Schutzgebietes weniger-kostspielig vorgestellt. Wie der sonst zu Gunsten Deutsch-Chinas bewilligungsfreudige Reichstag sich zu den diesmaligen Neu- forderungen stellen wird, dürfte sich erst beurteilen lasten, wenn die Höhe des für die afrikanischen Schutzgebiete beanspruchten Kredits bekannt fein wird. Wahrscheinlich wird der Reichstag an den größeren Etatsausgaben der Reihe nach kräftige Abstriche vornehmen.
Aus S»aOt uno Luus.
Sprechstunden der Redaktion 11—1 Uhr vorin., Vs7—V28 Uhr abds. Gießen, den 3. November 1906.
•• Künstverein. Mit einer recht ansprechenden Ausstellung, die besonders im Landschaftlichen Tüchtiges aufweist, hat der Verein seine gewohnte Wintertätigkeit begonnen. Wir hoffen auf Einzelheiten noch zurückzukommen und begnügen uns heute auf ein Stück alter Kunst hinzuweisen, das auf kurze Zeit in dieser modernen Umgebung dem Publikum vor- gcführt wird. Es ist ein gemaltes Epitaphium aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, da§, von dem Frankfurter Gemäldercstaurateiir Windschmitt wieder hergeftellt, auf der Heimreise nach Steinbach hier Halt macht. Nicht um als bedeutendes Kunstweik zu glänzen, aber als ein interessantes Beispiel einer spärlich erhaltenen Gattung von Grabdenkmälern, das darum in der Steinbacher Kirche, die es von ihrer Vorgängerin übernommen hat, wieder seine Stelle finden wird. Ins Malerische übertragen stellt die Tafel die auf Stein- und Metallgrabplatten jener Zeit übliche Szene bar, wie der Verstorbene im Kreise der Seinen das Kreuz anbetet, das in einer schlichten, ganz oberhessisch anmutenden Landschaft aufragt. Tas Stück ist unseres Wissens daS einzige der Art im ganzen Kreise Gießen, und man darf, ohne den Wert der braven Handwerkerarbeit zu überschätzen, sich darüber freuen, daß der Denkmalschutz hier noch rechtzeitig gekommen ist. B. 8.
** Gießener Volksbad. Im Oktober 1906 wurden 911 2 Bäder verabreicht gegen 8802 int September 1906 und 8399 im Oktober 1905 oder im Durchschnitt den Tag 294 Bäder gegen 293 im September 1906 und 271 im Oktober 1905. Der Besuch hat sich im einzelnen wie folgt verteilt:
Schwimmbad: 4486 Männer, darunter 882 zu 10 Psg., „ 1146 Frauen, „ 335 „ 10 „
Wannenbäder 1. Klasse 260 Männer, 95 Frauen, „2. „ 607 „ 465
(einschließl. 15 Kohlensäure-Bäder), ...ijmil n^nCTgaiiaBii 1,1 ■■■aBMiJ.'Xkuauiiirrmnifiw E ch 0" einer sehr scharfen Kritik in einer Art Klagelied! des armen Dichters über das reiche Familienblatt, auf dessen Honorare der -von Haus aus nicht unabhängige- Schriftsteller angewiesen sei. Der Schriftsteller, der von seiner Feder leben will, muß sich nach Wolzogen, der aus. eigener Erfahrung spricht, wohl oder übel dazu bequemen, für Kinder und Greise der breitesten mittleren Bildungs-i schicht zu schreiben. Tas will heißen, „daß er auf alle die Gegenwart stark bewegenden Probleme verzichten muß, weil diese ohne Berührung politischer, sozialer und ethischer Streitfragen nicht möglich ist; er darf nicht leidenschaftlich Partei nehmen, weil er dadurch berechtigte Empfindlich-, leiten stören könnte; er mutz sich in seinen Schilderungen; absoluter Stubenreinheit befleißigen und sich die Gesetze des Anstandes vom diplomatischen Gouvernantenstandpunkt vorschreiben lassen. . . . Seine ganze Tätigkeit als Schil-, derer der Gegenwart wird also darauf hinauslaufen müssen, verlogene Dorfidyllen, spannende Kriminal- oder reizende Liebesgeschichten aus der guten Gesellschaft mit der soliden Hochzeit als Schlußeffekt zu verfertigen. Ist das noch Literatur? Nein." Wohlzogen erzählt interessante Beispiele aus der Praxis.
— Björn ft ferne Björns on, Mary. Roman. Umschlag nach Tonatello. Preis geheftet 4 Alk. Verlag von Albert Langen in München. Fünfzehn Jahre lang war der Erzähler Björnson verstummt, und der Tramattker hatte da§ Wort. Jetzt endlich gibt der große norwegische Dichter wieder einen Roman heraus. In der ganzen zivilisierten Welt wird man mit starker Spannung und hohen Erwarttmgen an dieses Werk herantrelen. Und diese Hoffnungen werden nicht betrogen. Es ist ein zartes, warmes und bedeiltendes Buch, das uns der greise Dichter schenkt. Daß jein Haar heute weiß ist — in diesem Roman verspürt man nichts davon. Er ist jung int besten Sinne des Wortes; temperamentvoll, irisch, reich überströlnt von Sonnenschein. Der Dichter predigt nicht, sondern schildert knapp und kiirz, bildhaft, farbenprächtig und tief. Er erweist sich als ein Seelenkünder von höchstem Rang, er macht uns seine Menschen erstaunlich lebendig und durchsichtig bis auf den Grund, ohne sich auf psychologische Erörterungen einzulassen; an ihren Talen erkennen wir sie. In der Heldm des spannenden Romans, der schönen Atary Krog, hat Björnson dem Reigen der vielen eigenartigen und lieblichen Mädchen- gcftalten, die er geschaffen hat, vielleicht die fchönsle zugesellt; es liegt ein Duft der Persönlichkeit imb ein Zauber über diesem jungen Weibe, daß keiner ihr Bild wieder vergessen wird, der das Buch gelesen har. .


