Nr. 78 Erstes Blatt
156. Jahrgang
Montag Ä. April 1906
Erscheint täglich außer EonnlagS.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen» blätter otermal In der Woche beigelegt.
Rotationsdruck il Verlag der Brühl 'sehen Univers.-Buch-u.Stem- bruderet, üt Lange. Redaktion, ErvedUton und Druckerei:
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Anzeiger Gießen.
SietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis: monatlich 7bPi., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6b Pi.; durch diePost Mk.2.— otertel- jährl. ausichl. Beflellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Pig.
Verantwortlich >üe den polit. und aQqem. Teil: P. Witt ko: für ,Stadt und Land^ und -Genchtssaal"-. Ernst Heß; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Kekanntmachmtg.
Bctr.: Landespolizeiliche Prüfung zur Anlage von Schneeschutzanlagen in der Gemarkung Klein-Linden.
Zwecks Vermehrung der Vorkehrungen zur Verhütung von Schneeverwehungen beabsichtigt die Kgl. Eisenbahndirektion in Frankfurt a. M. in der Gemarkung Klein- Linden an der Bahnstrecke Frankfurt a. M.—Gießen Schneeschutzanlagen herzustellen.
Da durch die Anlagen die Zugänge 51t den angrenzenden Grundstücken versperrt werden, ist die Verlegung des seither von den Grundeigentümern benutzten Feldweges erforderlich.
Mit Offenlegung des Planes ist die Großh. Bürgör- tneisterei Klein-Linden beauftragt und es wird ErörterungS- tcrinin
Samstag, den 7. April ds. IS., nachmittags 4 Uhr,
in deut Gemeindehause zu Klein-Linden slattstnden.
Die Beteiligten werden aufgefordert, in dem Erörterungs- termine zu erscheinen und etwaige Einwendungen, Einträge und Wünsche daselbst vorzubringen.
Gießen, den 30. März 1906.
Großherzogliches Kretsamt Gießen.
I. V.: Dr. Wörner.
Der MaroLLoüreit beendet.
Wir erhielten am Samstag nachmittag folgendes Telegramm:
Algeciras, 81. Marz, lieber alle Fragen ist eine Eini» gung erzielt, welche heute nachmittag in einer Plenarsitzung protokolliert wurde.
Das endgültige Einverständnis über die letzten Piinkte des Konferenzprogramms, soweit es von den beteiligten Regierungen und ihren Delegierten abhängt, ist also gerade am Jahrestage deSBesuchs des deutschen Kaisers in Tanger erzielt worden. Deutschland erstrebte, wie es von Anfang an betonte, keinerlei politische oder wirtschaftliche Sonderoorteilc. Sein Ziel, die unbehinderte Entwicklung seiner ivirtjchaftlichen Jnteresicn zu sichern, ist durch die Beschlüsse der Konferenz erreich: worden, Durch £ie ein» zuführcnden Verbesserungen im Zoll-, Steuer- und Polizei- wcsen, sowie die beabsichtigte Errichtung einer Staatsbank sind der iiiarokkanischen Negierung bei voller Wahrung der Souveränität des Sultans die Mittel an die Hand gegeben, den Angehörigen aller Nationen den zur offenen wirisch. Erschließung des Landes nötigen staatlichen Schutz und Vorschub angedeihcu zu lassen. Insbesondere wird in der Staatsbank durch sorgfältige Gewährleistung der politisch unparteiischen und finanziell zuverlässigen Handhabung eine roertuoie Einrichtung geschaffen werden. Andererseits ist der möglichen Gefahr, daß die durch Europäer zu organisierende Polizei in irgendwelchem einseitigen Jntereffe wirken könne, dadurch vorgebeugt, daß eine eingehende, wirksame und auf internationaler Grundlage beruhende Aufsicht geschaffen worden ist.
Das Einvernehmen ist in einer langen Unterredung zwischen dein deutschen Delgierten Grafen Tattenbach und dem französischen Delegierten Revoil hergestellt worden. Die Verteilung der Häfen auf die Polizei ist derart geregelt worden, daß die Spanier Tetuan und Karachcn überwiesen erhalten, in Casablanca und Tanger eine auZ Spaniern und Franzosen gemischte Polizei eingerichtet wird und den Franzosen Mogador Saffi, Mazapan und Rabat zugeteilt werden. Als Zeitdauer für das in der Polizeifrage getroffene Arrangement sind 5 Jahre festgesetzt worden, die von dem Datum der Ratifikation an gerechnet werden. Das in der Bankfrage getroffene Arrangement schließt den Verzicht Frankreichs auf das Vorzugsrecht an der Bank gegen die lieber» lassung von zwei Anteilen am Kapital in sich, so daß auf Frankreich drei Anteile, auf die übrigen Länder je einer kommen. Die Rechte, die den Inhabern der französischen Anleihe vo>n Jahre 1904 zukommen, werden anerkannt. Die Frage der Zensoren bleibt so beschlossen, wie sie ursprünglich vorgcschlagen war. Die Bank wird vier Zensoren haben, die durch die Bank von England, die Bank von Frankreich, die Deutsche Rcichsbank und die Bank von Spanien bezeichnet werden.
Tas Uebereinkommen wurde in einer Vollversammlung der Konferenz zu Protokoll gegeben. Man hofft, die Schlußakte in längstens 8 Tagen vollziehen zu können.
Die Presse der Welt hat erfreut 51t diesem befriedigenden Ausgange der Konferenz ihre Stimme erhoben. Bemerkenswert sind vor allem die Auslassungen in der eng- lisch en Presse. Tie deutschfreundliche »Empire Review" betrachtet das Ergebnis der Konferenz als einen deutschen Erfolg, mit dem aber auch England zufrieden sein könne. Die deutsch-feindliche Wochenschrift „Outlook" meint, Deutsch, lads Stellung sei sehr gestärkt durch die Zustimmung Frankreichs zur Internationalisierung Marokkos, denn künftig könne Frankreich nur von Deutschland das erlangen, was es mit Englands Hilfe nicht erreicht habe. — Der »Observer" bemerkt:
„Die Politik einer nominellen Internationalisierung, wie üe oon Frankreich beansprucht worden war, ist gegen die deutsche Politik einer wirklichen Internationalisierung ausgelauscht worden, was zu erreichen von Beginn an das Ziel derdeut-
f cf) en Politik gewesen ist. Durch Ausgabe des Rechtes des unabhängigen Handelns in Marokko h a t Frankreich demWesen nach alles zugestanden, was Deutschland wünschte und wofür diese Macht so hartnäckig kämpfte."
Selbst der noch am SamStag von der ,Nordd. Allgem. 3tg/ als .dreist* gekennzeichnete Pariser .TempS* begrüßt die erzielte Verständigung und erblickt in ihr die erwünschte Grundlage für ruhige und courtoisievolle Beziehungen. DaS Blatt erinnert an die vor vier Jahren vom Reichskanzler Fürsten Bülow gesprochenen Worte: „Europa ist ein Haus, wo wir und die anderen, je nach Zeit und Ort, mehr oder weniger bequem untergebracht sind. Unser gemeinsames Jntereffe ist es, daS Gebäude, das uns einen Schutz bietet, zu befestigen." Dieses Haus wohnlich zu gestalten, daran, so sagt der „Temps", sollten die (Staatsmänner Frankreichs und Deutschlands in der nunmehr beginnenden Periode arbeiten. Dieses Werk, so bescheiden es aussehe, genüge für den Augenblick. Das sei der beste Abschluß der Friedensarbeit von Algeciras.
Welche ganz eigenartige und zugleich heftig feindliche Stellung eine Anzahl italien. Blätter Deutschland gegenüber einnehmen, hat jetzt das Neapeler Blatt v (Storno" gezeigt. Es schreibt:
Die Konferenz hat Deutschland gestattet, eine ehrenvolle Kapitulation zu unterzeichnen. Sie hat Deutschland verhindert, sich im Ai ittel meere fe st zusetzen und die Rolle eines Schiedsrichters der europäischen Nationen für sich zu beanspruchen. England hat diese Gefahr erkannt und den Berliner Größenwahn bekämpft. Der glorreiche Feldzugder französisch en Diplomatie hatDeutsch- land gezwungen, Schritt für Schritt zurückzugehen. Es ist Deutschland nicht gelungen, auch nur ru einer einzigen Frage durchzudringen. Die Konferenz hat, indem sie Deutschland verhinderte, in Marokko festen Fuß zu fassen, den französischen Einfluß befestigt und diesen offiziell anerkannt. Unser französischer Nachbar geht aus der Konferenz intern Grade g e ft ä r f t hervor, wie Deutschland geschwächt.
Eine neue Hiobspost aus SüdwestafriLa.
Wie das W. T.-D. von maßgebender Stelle erfährt, ist eine aus einem Offizier und 16 Mann bestehende deutsche Truppenabteilung in Südwestafrika von Hottentotten üoer- fallen worden. Der Offizier und zehn Mann sind gefallen, vier Mann sind verwandet worden. Einem gelang es, zu entkommen und einer wird vermißt. Näheres steht noch aus.
Eine amtliche Depesche besagt:
Am. 26. Mürz üb er fiel eine stärkere Hottentottenbande zwischen Ukamas und der Ostgrenze einen Transport von 6 leeren Wagen. Bon dem nur 17 Manu starken Begleitkomnumdo fielen der Führer des Transports Leutüant Keller, früher im 3. Württembergischen Feldartillerie-Regiment Nr. 49, und 10 Reiter; schwer verwundet wurden 2, leicht verwundet 2 Reiter. Die Wagen wurden von den Hottentotten verbrannt, die Ochsen in südwestlicher Richtung abgetrieben. Nur 1 Mann der Bedeckung kehrte zu Fuß nach Ukamas zurück, von wo sofort 24 Gewehre der 7. Komp, des 2. Feldregimeuts nach Nakab (an der Ostgrenze östlich Ukamas) entsandt wurden. Der gleichfalls benachrichtigte Hauptmann von R a p p a r d ging mit 40 Gewehren am 27. früh von Ar tarn nach Nakab vor. Er stieß an der Ueberfallstelle auf 30—40 Hottentotten, die nach kurzem F e u e r g e f e ch t auf Nakab abzvgen. Die Patrouille Rappard hatte keine Verluste, während vom Feinde 6 Tote und zahlreiche Blut- fpuren aufgefunden wurden. — Nakab wurde am 28. März durch unsere Truppen besetzt. Eine Offizierspatrouille, die am 27. März von Ariam auf die Gamsibkluft aufftärte, erhielt am Raitde der Kluft Feuer. Ein Reiter wurde leicht verwundet.
Karlarnentarisches.
Berlin, 1. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, daß das Königl. preuß. Staatsministerium der Vorlage des Reichskanzlers wegen Gewährung einer Entschädigung an die Mitglieder des Reichstages seine Zu - l't i m mung erteilt hat._________ ___________
Rolonialxost.
London, 1. April. Wle das „Reutersche Bureau" erfährt, ist in London von englischen und deutschen Kommiffären ein 2t bkommen ad referendum über Festsetzung der Grenzen zwischen dem östlichen Teil von Nord- Nigeria und Kamerun bis an den Tschadsee unterzeichnet.
Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke Gedern-Grebenhain.
(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.)
§ Gedern, 1. April.
Tie Eröffnungsfeier der Bahnstrecke Gedern-Grebenhain fand am Samstag unter großer Beteiligung der Bevölkerung des südlichen Vogelsbergs statt und gestaltete sich zu einer herzlichen Kundgebung für die seit Jahrzehnten ersehnte Vogelsbergbahn, die den Vogelsberg mit Frankfurt a. M. in bessere Verbindung bringen sollte. Schon in den 70 er und 80 er Jahren wurde der Plan einer Vogelsbergbahn angeregt. Längere Jahre ruhten bann die Bestrebungen bis endlich als erstes Glied die Nidder- talbahn Stockheim-Gedern und dann vor ca. 5 Jahren die längere Teilstrecke Lauterbach-Grebenhain erbaut wurde. Ende der 90 er Jahre wurden vom Staate Vermessungen Dorgenommen, um den höchsten Teil der Bahn von Grebenhain nach Gedern zu erbauen. Der Plan, die Bahn über das preußisck-e Dorf Völzberg zu führen, um die erhebliche Steigung zu sparen, wurde fallen gelassen und beschlossen, die Bahn trotz der großen Gclände- schwierigkciteu über Hartmamtshain zu führen, sodaß die Bahn nur durch hessisches Gebiet geht. Dadurch wurde erreicht, daß die Bahn dem Herzen dcS Vogelsbergs näher kam und mehr Dörfer an schloß. Im Frühjahr 1903 wurde mit dem Bahnbau begonnen.
Zu der Einwcihungsfeier traf um V3II Uhr von Frankfurt über Gelnhausen-Stockheim ein stattlicher Souderzug ein, dessen Lokomotiven reich geschmückt waren. Der Zug brachte die Vertreter der Regierung und Verwaltungsbehörden mit. Die Zahl der Ehrengäste war äußerst groß und die Einweihungsfeicr erhielt besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Finanzministers Exz. G n a u t h, der die Grüße und Wünsche des LaudeS- sürsten überbrachte. Die übrigen Ehrengäste waren: Ministerialrat Süsfert, Oberregierungsiat Meyer, Vertreter der Direktion Frankfurt, Provinzialbaurat Diehm-Gießen, Fürst Franz Joseph zu Jsenburg-Birstem, Regierungsrat Wol^rt-Franksurt, Geh. Regierungsrat Schönfeld-Schotten, Betriebsinfpettor Roth-Gießen, bie Kreiseätc Bockmaiin-Büdingen und von Bechkhold-Lauterbach, Reichstagsabg. Dr. Aallau, Landtagsabg. Dr. Weber usw.
Tie Feierlichkeit begann am Bahn h 0 f Gedern, wo die Vereine, die Schuljugend, der Ortsoorstand und eine große Menschenmenge Ausstellung genommen hatte. Hofprcdiger F. (S e r ni e r begrüßte die Gäste, gedachte der Bedeutung der Bahn für das Aufblühen Gederns und brachte ein Hoch auf den Großherzog aus. der dem Projekt viel Sympathie entgegengebracht habe. Geh. Regierungsrat Schönfeld übergab die Bahn dem Verkehr mit herzlichen Dankesworten für die Regierung. Finanzminister Exz. Gnauth betonte, daß die Negierung den Interessen des Vogelsbergs stets Rechnung tragen und darauf bedacht fein werde, Handel und Industrie durch Bahnbauten zu fördern. Die Gemeüwe Gedern hatte am Bahnhof ein Bufett ausgestellt und bot den Vertretern ein Frühstück. Unter Hurrarufen fetzte sich der Zug um 11 Uhr nach Oberseemen in Beweg urig. Der Zug erklomm keuchend in einer mächtigen Kürve von ocr Talsvle aus die Hohe des Seemer Bergs, von wo aus man eine herrliche 2llcs- sicht über Gedern und das Niddertal und Seemental hat. Die Strecke hat hier die höchste zulässige Steigung, 1:40, die Kürve führt 2Vs Kilometer rückwärts, bann gelangt ber Zug ins schöne Seemenbachtal. Ein prächtiges Stationsgebäude, im FeslsckMiuck prangend, winkte schon von Weitem. Bor ihm standen bic Schuljugend, die Vereine und Ortsbehörden von O b c r f e e m c 11. Pfarrer Repp brachte ein Hoch auf Kaiser und Grvßherzog aus und betonte, daß die Dahn die Leute nicht dem Lande entführen und entfremden werde, sondern die Bevölkerung des Vogelsbergs mehr an ihre Scholle binden werde, sie werde die Landwirrfchast heben und eine bessere Verwertung ber Probukte mit sich bringen. Auch hier erwiderte ber Finanzminister. Nack Besichtigung bes Stationsgebäudes erfolgte bie Abfahrt. Es ging durch herrliche Wälder, die noch ihr Winterkleid trugen. Plötzlich hielt der Zug mitten im Wald vor ber nach bem Aalddistritt Alteburg genannten Holzverladestelle. Diese bient auch bem Personenverkehr der 20 Minuten entfernt liegenden Gemeinde Vvlkarts- hain. Die Einwohnerschaft hatte vor dem kleinen Stations- Häuschen, das an das Häuschen Hänsels und Gretels eri Liierte, Aufstellung genommen. Bürgermeister Winnecker hielt eine Ansprache, und die Schuttiitber trügest unter Leitung des Lehrers Hofmann vierstimmig das Lied vor: „Es lächelt der e>ee" aus Teil. Der Vortrag und bic hellen klaren Stimmen der kleinen Vogelsberger fanden das höchste Lob der Gaste. Allgemeine Heiterkeit erregte bas am Häuschen prangcnbe Derschen: „Zwar kommt ihr spät, doch kommt ihr noch, der liefe Schnee entschuldigt euer Säumen." Mit der Steigung 1:40 ging eS weiter, um den höchsten Punkt der Bahn Hartmannshain, um 12 Uhr zu erreichen. Pfarrer Wolff-Herckenhain erinnerte an den verdienstvollen Förderer der Bahn, den verstorbenen Land- tagsabg. Weidner. Ihm sei es zu banken, baß bic Bahn nicht über Völzberg, sondern über Hartmannshain geführt worben sei. Nach ber Abfahrt burcf) beit 13 Meter tiefen, 700 Meter langen mächtigen Einschnitt ging es bergab über bie H 01zverlade- st e 11 e Oberiualb nach Bermuthshain. Bürgermeister I ost wies auf die im Entstehen begriffenen Kaliwerke hin und hofft, daß die Bahn nur friedlichen Zwecken dienen möge. Hier an der Kpeisgrenze zwischen Sckwlten und Sautcrbaa; begrüßte Kreisrat von Bechtholb-Lauterbach die Festgäste. Dann erfolgte die Abfahrt nach ber Haltestelle Erain selb. Auf die Begrüßung durch Landtagsabg. Schmalbach, gedachte der Finanzminister in humorvollen Worten der regen Tätigkeit deS Abge- orbneten, ber aufs beste für feinen lieben Vogelsberg sorge. Um V?2 Uhr traf der Zug auf der Enbstation Grebenhain ein, wo sich eine große Menschenmenge eingefunden hatte. Die Ansprache hielt Bürgermeister I 0 st. Auch hier erwiderte der Finanz- minifter. Um N/z Uhr erfolgte die Rückfahrt und gegen 4 Uhr traf der Festzug wieder in Gebern ein. Die Festteiln:hmer versammelten sich im Bergwirtshaus zum Festessen. Unterbetten war von Gießen aus als ein weiterer Ehrengast Provinzial- birekwr Geheimrat Dr. Breibert, gekommen. 23eint Festessen eröffnete Finanzminister Gnauth bic Reihe ber Festreden ourch 'eine längere Rede, in der er ben Vogelsberg und seine fleißigen Bewohner feierte und die Segnungen Der preußtsch-heffischeu Eifenbahngemeinfchaft hervorhob. Er führte folgendes aus:
„Es war eine verheifzungsvolle Fahrt. Der Künst der Ingenieure ist cs gelungen, Herr zu werden über bic Schwierigkeiten ber Gebirgsgegenb, sie hat uns über bie Wasserscheide geführt, in eine Gegend, die bisher nur ber Tourist kannte und hock)sckätzte und bie auch heute im Winterschmuck prangte. Es ist eine Natur von eigenartigem Reiz unb Schönheit. Heute blickt das geistige Auge weiter auf die Entwicklung einer unerschlossenen Gegend, neue Scküitze einer gesegneten Natur gilt eS auf den Markt zu bringen, zum Segen einer arbeitsamen, strebsamen unb genügsamen Bewohnerschaft. > Bravo!) Daß sie es verstauben hat, ben heutigen Tag zu mürbigen, zeigte der begeisterte Empfang, den wir allenthalben fanben. Der Tank ist vor allen Dingen auf unsere Fürsten Kaiser und Großherzog zu richten. Mit regem Interesse hat der Landesherr die Eittwicklung der Bahn verfolgt und erst vor kurzem die Gegend bereist. Die Regierung hat nahezu zwei Millionen zum Dahnbau zur Verfügung gestellt. Der Landesherr hat mich ausdrücklich beauftragt, Ihnen heute seine Grüße zu überbringen unb seine herzlichsten Wünsche für bie Dahn unb für das Wohlergehen feines lieben Vogelsbergs unb seiner biederen Bewohner auszusprechcn. (Lebhafter Beifall.) Tie Aufwenbung ber vielen Millionen für Bahnbauten war nur möglich burdj bic preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft, bem Kaiser gilt beshalb ber Dank unseres Landes. Die Organe seiner Eisenbahnverwaltung sinb bemüht, für das Jntereffe Hessens ein- zulreten. Die Segnungen unserer Bahnen können nur zur Geltung kommen im Frieden. Ich erwähne bic Mühe und Sorge des Kaisers um die Umgestaltung der Wirtschaftspolitik und für die Erhaltung eines ehrenvollert Friedens. Wir können uns glücklich sÄätzLu, folck^ Fürsten zu besitzen."
Begeistert stimmte die Festversammlung in das Hoch auf Kaiser und Großherzog ein. Stehend wurde die Nationachymne gelungen. Geh. Regterungsrat Schönfeld- Schotten sprach unter lebhaftem Beifall den beiden Regierungen und ihren Vor-


