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1.11.1906 Erstes Blatt
 
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Postkutscheusozialismus.*

In denSoz. Monatsh.schreibtGenosse" Eduard Bernstein über dieNotwendigkeit, die Begrisfswclt des Sozialismus zu korrrigieren":

Allerdings, wenn man unter sozialistischer Produktion aus­schließlich Produktion behuss ratiouenmäßiger Verteilung oder un­entgeltlicher Darbietung zum beliebigen Genuß versteht, dauu ist sozialistische Warenproduktion ein Widerspruch in sich. Aber mit dieser beschränkten oder beschrankenden Auslegung würde man zugleich den Sozialismus ins Utopenlaud verweisen. Die Vor­stellung, daß nur eine b e st i m m t e V e r t e i l u ii g s w c i s e mit dem Sozialismus vereinbar sei, entspringt einer sehr rohen, noch ganz utopischen Auflassung des Sozialismus. Sie entspricht einer Zeit, wo die Produktionsverhältnisse noch überwiegend kleinbürger­liche waren und das Verkebrsrvcsen noch in den Kinderschuhen steckte. QJiait könnte sagen, sie entspricht der Zeit der alten Post­kutsche. Dieser P o st k u t s ch e n s o z i a l i s in u s spukt jedoch auch noch in der marxistischen Literatur als natürliche Folge der Tat­sache, das; die Notwendigkeit, gemäß den veränderten Produktions­und Verkehrverhältnissen auch die Begriffswelt des Sozialismus zu korrigieren, von der marxistischen Theorie zwar prinzipiell an­erkannt worden ist, im marxistischen Lehrgebäude aber nur nach einer Seite bin Berücksichtigung gefunden hat."

Genosse" Dr. David läßt sich in demselben Heft fol­gendermaßen hören:

Mit der kurzen Maienblüte dieses R e v o lu t i o n a r i s m n s ist es jetzt glücklicherweise wieder vorbei. Die Partei wird sich wieder mit ungeteiltem Herzen und voller Kraft der positiven Ausnutzung und Erweiterung ihrer parlamen­tarischen Macht hingeben. Trotz der Kautskpschen Lehre, das; der Parlamentarismusimmer greisenhafter und ohmnächtiger" werde, wird die Partei daran festhalten, das freie Wahlrecht sei das Zeichen, in dem wir siegen. Man wird die Eroberung der politischen Macht in nichts anderem, als in der geistigen Er­oberung der großen Mehrheit des Volkes sehen. Unter der Revolution wird man wieder einmütiger als vorher die Revolutionierung d e r K ö p f e durch Wort und Schriit sehen. Und man wird wieder zu der Auffassung zurückkehreu, daß, wenn wir einmal die ideelle Macht haben, die Maschinen­gewehre umzudrehen, wir s ch w e r l i ch m e h r n ö t i g haben, dies zu tun."

Stadt rind Land.

Gießen, 1. Nov. 1906.

** Nationalliberale Versammlung. Wir werden 'um Veröffentlichung nachstehender Mitteilung gebeten: Die von dem geschäftsführenden Ausschuß der nationalliberalen Partei Hessens in der Sitzung von; 22. v. Mts. beschlossene Landesversammlung ist auf Sonntag, 4. November, nach­mittags 21 /2 Uhr, in den Saal der Turngemeinde in Darm­stadt, Woogsplatz Nr. 3, einberufen. Einziger Punkt der Tagesordnung ist:Die Bestätigung des sozialdemo­kratischen Beigeordneten in Offenbach."

** Zur Fleischteuerung wird uns geschrieben: Bekanntlich setzte die Fleischteuerung schon |int vorigen Jahr ein. In den Monaten Juli, August und September 1905 wurden im Großherzogtum Hessen nach der amtlichen Statistik über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau 817 20 Schweine geschlachtet gegen 93 933 im gleichen Zeitraum des Jahres 19 0 4. Der Rückgang betrug also 12 213 Stü ck. Unter diesen Umständen sah sich damals dieHess. Landwirtschaft!. Zeitschrift" veran­laßt, in der Oktobernummer auf S. 264 auf Grund ein­gehenden Zahlenmaterials fol^nde beruhigende Er­klärung abzugeben:Ter.gegenwärtige hohe Stand der Preise wird bei der verhältnismäßig guten Kartoffelernte die Landwirte wieder bewegen, die Schweinezucht wieder auszudehnen, und in kurzer Zeit werden die Preise wieder erheblich sinken." Wie steht es mit dieser Prophezeiung? Statt einer Steigerung der Schweinezucht ist ein weiterer Rückgang gefolgt und die Preise sind noch mehr in die Höhe gegangen. In den Monaten Juli, August und September 1906 wurden nämlich nur 76 338 Schweine geschlachtet, also 5382 Stück wenig er als im gleichen Zeitraum 1905. In den letzten zwei Jahre.n sind demnach die Schweine­schlachtungen um 17 595 oder 19 Proz. zurückge­gangen. Bedenkt man, daß auch das durchschnittliche Ge­wicht der Schlachttiere geringer geworden ist, so liegt die bedauerliche Tatsache vor, daß seit zwei Jahren der Ver­brauch von Sch tp eine fleisch, auf das besonders die unbemittelte Volksklasse angewiesen ist, im Gr o ß h e r z o g- tum um mehr als ein Fünftel abgenommen hat.

** Eine erfreuliche Erscheinung ist bei der all­gemeinen Verteuerung des Fleisches, daß die Wild- pretpreise davon ganz unberührt geblieben sind und genau auf derselben Stufe stehen, wie sie vor Jahren standen, als das Fleisch um 20 Pfg. das Pfund billiger cingekaufl wurde. Der Feldhase erster Güte wird, wie man uns aus dem Vogelsberge schreibt, den Jägern mit 2,80 Mk. bezahlt, das Rebhuhn mit 1 Mk., das Pfund Rehfleiseh mit 50 Pfg. Dieser billige Stand des Wildpretpreises läßt sich nur daraus erklären, daß man auf dem Lande fast gar kein Wildpret kauft, so daß es allgemein in die Städte geht. Es muß aber Wunder nehmen, daß man angesichts der hohen Fleischpreise die Billigkeit des Wildprets im Verein mit seiner Güte ans dem Lande nicht zu schätzen weiß. Die Zuschrift schließt: Ob in den Speisewirtschaften der Städte die Wildpretspeisen entsprechend ihrem billigen Einkaufspreis angeboten werden, bezweifle ich. Dann aber muß in diesem Artikel kein übles Geschäft gemacht werben." Ganz unsere Ansicht!

** Zur Tuberkulose-Bekämpfung in Hessen. Während für an Lungentuberkulose erkrankte Personen, Bei denen noch Aussicht auf Heilung vorhanden ist, durch die Ernst Ludwig- nnd Eleonorien-Heilstätte, sowie sonstige Anstalten einigermaßen gesorgt ist, fehlt es in unserem Lande fast vollständig an Ein­richtungen, umschwererkrankteTuberkulöseauf längere Zeit unterzubringen. Gerade für derartige, schwer erkrankte Per­sonen Sorge zu tragen, dürfte aber eine Hauptaufgabe der mensch>- lichen Gesellschaft sein, da gerade diese Personen die Hauptherde der Weiterverbreitung der Tuberkulose bilden, da ferner mit Pflege und Wartung derartig Kranker Schwierigkeiten verbunden sind, denen lediglich gut geleitete Anstalten gewachsen sind. Der richtige Weg, der auch bereits anderwärts eingeschlagen ist, ist wohl der/ in vorhandenen Krankenhäusern besondere Ab -- teilungen vorzusehen, in denen schwer erkrankte Tuberkulöse möglichst abgesondert von den übrigen Kranken Ausnahme finden können. Die Landesvcrsicherungsanstalt Großh. Hessen will nun den Versuch machen, tuberkulöse Jnvalidenrentenempsänger in dieser Weise in Pflege zu geben. Sie hat sich dieserhalb mit den meisten der im Grobherzogtum Hessen bestehenden Krankenanstalten wegen Aufnahme solcher Personen ins Benehmen gesetzt, und den­jenigen Anstalten, die Abteilungen für schwer erkrankte Tuberkulöse noch nicht eingerichtet haben, nahe gelegt, der Einrichtung solcher näher zu treten.

** Die Deutsch-Sozialen und die neuen Reichs steuern. Wir erhalten Vom Deutschen Verein Meßen folgende Zuschrift:

In dem Berichte desGieß. Anz." über unsere Versamm­lung am Dienstag ist gesagt, die Dcutschsozialen seien in ge- pnffem Sinne mit verantwortlich für die Erhöhung der Bier-

und die Einführung der Falwkartensteuer, da unsere Partei ^in der Gesamt abstimmung dafür votiert habe. Dazu bemerken wir: Unsere Vertreter im Reichstage haben die Finanzreform in ihren verfehlten Teilen auf das schärfste bekämpft und Ersatz­mittel für ungerechte Steuern vorgeschlagen. Bier-, Tabaks-, Fahrkarten steuern usw. wurden und werden von uns abgelehnt. So ist es auch im Reichstage geschehen, in den Kommissionen, und in beiden ersten Lesungen. Bei der Gesamtabstimmung über dasMantelgesetz" traten unsere Abgeordneten für die eini­germaßen verbesserte Vorlage ein, weil diese außer den von Konservativen, Zentrum und Nationalliberalen belassenen und verschlimmbesserten" oderverböserten" Steuervorschlägen auch solche durchaus gesunder Natur enthielt. Z. B. Automobil-, Erbschafts- und Tantieme st euer. Unser grundsätzlicher Standpunkt wurde dabei vollständig gewahrt. Unsere Abgeord­neten haben im Plenum nnd in den Kvmmissionsberatungen die unvolkstümlichcn Steuern der Regierung bekämpft und statt deren einen Ausfuhrzoll auf Kali, eine Wehrsteuer, und die Besteuer­ung des Bodenwertzuwachses gefordert. Daß die Mehvheit nicht für diese neuzeitlichen Vorschläge zu haben war, ist doch nicht Schuld der Deutschsozialen. Die Verantwortung für Fahrkarten­steuer, Ortsportoerhöhung, Biersteuer und sonstige schöne Sachen tragen die genannten Parteien. Unsere kleine Schar hat und hätte diese Dinge nicht verhindern können. Sie hat mit ihrem Schlußvotum nur für den guten Teil der Reform gestimmt, den schlechten schon vorher bekäinpft nnd abgelehnt.

Mehr wurde in unserem Bericht nicht behauptet, als diese Zuschrift zugibt, und es wird allen Angehörigen des Mittelstandes, die die in Rede stehenden Steuern zu tragen haben, ziemlich einerlei sein, daß die Partei, die die Interessen des Mittelstandes in erster Linie zu vertreten behauptet, in den Einzellesungen gegen die Steuern ge­stimmt hat; man wird sich an die Tatsache zu halten haben, daß das Schlußvotum der Partei der Einführung auch dieser Steuern ^ustimmte. Daran ändert auch der etwas sophistisch anmutende Schlußsatz der vorstehenden Zuschrift nichts.

AuS einer höheren Schule. In der ReligionS- stunde wurde, wie uns ein auswärtiger oberhess. Leser schreibt, ein Schüler nach der bekannten Stelle in der Geschichte vom reichen Jüngling gefragt, worauf er antwortete:Es ist leichter, daß ein Kamecl durch einen Nadelwald gehe, als daß ein Reicher in§ Reich Gottes komme." Auf die Frage, welches die schönste Stelle in der Bibel sei, antwortete eine Schülerin:Siehe, der Bräutigam kommt."

k. Rodheim a. d. Bieber, 31. Okt. Mit dem Ausbau des Hochbehälters amBraunscheidsberg" dürfte die von der Firma Schröder-Franifurt für unsere Gemeinde ge­schaffene Wasserversorgung zum endgültigen Ab­schluß gekommen sein. Die Quellen, die in der Gemarkung Königsberg gelegen sind, liefern ein reichliches, durchaus einwandfreies Wasser. Das Quellengebiet wurde Dort der Gemeinde Königsberg für. 11000 Mk. erworben, und die Ausführung des Gesamtprojckts wird sich auf 120 000 Mk. stellen.

Ober-Ohmen, 31. Okt. Auf der zu unserem Orte gehörigen Rahnsmühle verlangte ein Handwerks­bursche unter der Drohung, die Hofraite in Brand zu setzen, wenn ihm nichts verabfolgt würde, einen Almosen. Da man ihm wegen dieser Drohung nichts gab, machte er Miene, seine Drohung wirklich auszuführen, und trug Stroh zusammen. Die inzwischen herbeigerusene Gendarmerie verhaftete den gefährlichen Burschen.

x Aus dem Ohmtal, 31. Okt. Durch die hohen Flcischpreise angelockt, beginnen die Landwirte viel­fach, ihre fetten Schweine selbst zu schlachten und das Pfund für 80 und 78 Pfg. zu verkaufen. Obwohl die Preise auch für die fetten Schweine sehr hoch sind, verdienen die Seide bei eigener Schlachtung doch mehr. In letzterer Zeit sind die Preise um 24 Pfg. für das Pfund Lebendgewicht gefallen. Die Fleisch- und Wurstwaren zeigen wie gewöhn- lich noch keinen Abschlag.__________________________________

Städtische Bebauungspläne.

Es wird uns geschrieben:Uni unserer sich immer mehr ausdehnenden Stadt Raum für weitere Bau­quartiere zu geben, sind jetzt die Bebauungspläne für das Gelände der ehemaligen Aktien Brauer ei, um­fassend das ca. 120 000 Quadratmeter große Terrain zwischen der Oberhessischen Eisenbahn, dem Leihgesternerweg, der Ebel­straße und dem an der Hegligenstaedtschen Fabrik sich hin­ziehenden Aulweg, sowie für den Westabhang des Nahr- ungsbergeS, festgestellt, und nachdem sie von den Stadt­verordneten angenommen, auf dem Tiefbauamt zur Einsicht­nahme offengelegt worden. Interessieren wird, daß in der Verläntzerung der Wilhelmstraße unmittelbar an diese an­schließend und mit seiner Längsseite zur Straße parallel laufend, ein großer Schmuckplatz vorgesehen ist, an dem im Bebauungsplan der Grundriß eines öffentlichen Gebäudes, anscheinend eines Schulhau§baues, Vormerkung gesunden hat. Der Bebauungsplan für den Nahrungsberg bringt in jeder Beziehung für die bauliche Ausgestaltung und Entwickelung unseres Gemeinwesens wesentlich neues. ' Der für die Be­bauung vorgesehene Geländeblock, der von der Gartenstraße aus scharf ansteigt, ist für eine Villen-Kolonie vorgesehen, in der die einzelnen Besitzungen durch eine Umfriedigung von einander abgeschlossen gedacht sind. Die zu den einzelnen Grundstücken führende Straße ist so gedacht, daß sie serpentin­artig allmählich zur Höhe führt. Durch Polizeiverordnung und Ortsstatut wird die Bebauung des westlichen Abhanges deS Nahrungsberges etwa wie folgt geregelt: Die Errichtung von Reihen-, Gruppen- oder Doppelhäusern ist nicht gestattet, vielmehr muß jedes zu errichtende Gebäude frei liegen. Betreffs der Tiefe der Vorgärten ist man von der seitherigen Gepflogenheit abgewichen. Zugelassen ist nur eine villen­artige Bebauung, und es ist Vorsorge getroffen, daß die Fassadendurchbildung nach der künstlerischen Seite durch nichts beengt wird. Die kleinste Fläche, die als Einzelgrundstück zur Bebauung zugelassen ist, beträgt 800 Quadratmeter, auch darf nur 1/4 des einzelnen Gesamtgrundstücks bebaut werden. Die Stellen, an denen entlang der neuen Straße Bauten er­richtet werden dürfen, sind im Bebauungsplan näher be­zeichnet und so festgelegt, daß der Ausblick auf die weitere Umgebung der Stadt, über diese hinweg nach der Gegend deS Gleibergs und Vetzbergs rc. gegenseitig nicht verbaut wird. Auch die Dachhöhe jedes in dem geplanten Villen­viertel zu errichtenden Gebäudes ist je nach seiner Lage be­stimmt. Bei cücnt. Grenzverschiebungen ist Vorsorge ge­troffen, daß dis vorstehenden Gesichtspunkte für die Bebauung gewahrt bleiben. Entlang der Eisenbahn, an der in einer Entfernung von 10 Meter Hintergebäude errichtet werden dürfen, müssen die Fassaden nach dem Bahnkörper hin ein gefälliges Aeußere zeigen. Das für die Vitlen-Kolonie in Aussicht genommene Terrain ist groß genug, um ca. 30 Villen

errichten zu können. Der gesamte Bebauungsplan für den Nahrungsberg umfaßt ca. 60 000 Quadratmeter, die vom Friedhof, dein südlichen Teil des Schiffenbergerwegs, der .Eisenbahn und de,r Linie, von der der Nahrungsberg nach Süden hin abfälll, begrenzt werden."

* K l - i n e TageAchroui f. Bei Man ns Wörth (Ocsterr.) wurde die Leiche des 26jährigen Gürtlergehilfen Fuhrmann aus Dresden aus der Donau gezogen. Dieser hatte sich eine Kugel in den Kopf geschlossen und sich dann in die Donau gestürzt. Bei Graz wurde der Fabrikant Spitz bei einer Spazierfahrt mit seinem Automobil auS dem Wagen g e s chl e u d e r t, wo­bei Frau Spitz sowie eine andere Dame schwere, der Chauffeur leichtere Verletzungen erlitten. Diesen Fruhfommer erregte eine Reihe von scheußlichen Lustmorden in Attikon Bei Zürich und in der Nähe von Kvnstanz großes Aussehen. Alle Fahn­dungen nach dem Täter waren bisher vergeblich. Am 30. Okt. wurde nun der Mörder in der Person eines kaum 20 jährigen Burschen namens Wohlgemuth von der französischen Frem- den-Legion in Algier verhaftet. Ein Deutscher namens D a e b e hat unweit Naneh in dem Dorfe Sainteilim Verlause eines Wortwechsels den 25jährigen Belgier Lahaye getötet. Durch Ueberschwemmungen infolge großer Regenfälle ist int französ. Departement Var großer Schaden angerichtet worden. Ein Postbote und ein Gärtner sind ertrunken. In der russischen Botschaft zu London brach Feuer auS, das erst gelöscht werden konnte, als bereits der Dachstuhl und ein Teil der zweiten Etage abgebrannt war. Der Botschafter konnte sich nur mit Mühe in Sicherheit bringen. DerDaily Telegraph" meldet aus Tokio, daß in Aketa ein heftiges Erd­beben großen Schaden anrichtete. Nachdem es längere Zeit angedauert hatte, begann der SVrater des Vulkans seine un­heimliche Tätigkeit und ein Lavastrom ergoß sich auf die Um­gegend. Die Einwohner flüchtc-ten, vom Lavastrom verfolgt.

Nrrsvsrtzstäts-Nachrrchren.

Straßburg i. E., 31. Okt. Nach einer amtlichen Meldung bat die Angelegenheit des Privatdozenten Dr. Schmid l in, dem die Lehrbefugnis entzogen wurde, eine befriedigende Lösung erhalten. Schmidliu hat eine schriftliche Erklärung ab­gegeben, die die hiesige katholische theologische Fakultät und ihren Ordinarius Prozessor Dr. Ehrhardt zufrieden stellte. Schw.idlin wird aber in diesem Semester nicht lesen.

rrnH LVrsyenschaft.

Paris, 31. Okt. In der medizinischen Akademie machte gestern Professor Poirier interessante Mitteilungen über Krebs- iorschungen. Nach Schluß des Vortrages wurde ihm ein Brief Henry NothschiIds überreicht, worin ihm dieser 100000 Francs gut Errichtung eines Instituts f ü r Krebs­forschung anbietet.

Arbeiterbewegung.

Wien, 31. Okt. Heute begann in Wien der Streik der Metzger nie i st c r, die ihre Läden bis auf weiteres geschloffen' haben, da die Gehilfen wegen Verweigerung einer Lohnerhöhung die Arbeit einstellten. Ta schon feit einigen Tagen kei n eWu r st­und Rauchwaren mehr hergestellt werden, macht sich der M a n c\ c l an diesen Nahrungsmittel n f ü r d i e armen Klassen sehr fühlbar. Die streikenden Gehilfen dulden auch nicht, daß von Meistern öiugeführte Ware aus anderen Städten verkauft werde.

Äanbel nnd verkehr, voLkswirtschaft.

Die Berliner Börse war am Mittwoch Bei Eröffnung im ganzen ziemlich verstimmt, obwohl Nussenfonds weiter ge­steigert waren auf Pariser Besserung. Im weiteren Verlauf trat auf Londoner Festigkeit auch hier Festigkeit ein, zumal die 4proz. Staatsrente in Petersburg bis 75.25 ging. Der Montanmarkt hingegen war fchwiach, infolge der fortgesetzten Zurückhaltung des Publikums, das der Börse nicht gefolgt ist, sowie auf west­liche Preßstimmen, die als Folge der Geldspannung bereits ein Nachlassen der Jnlandsbestellungen konstatieren. Bochumer ver­loren 2i o Proz., Laurahütte 2 Proz., Harpener 1 .Proz.; schließ­lich waren auch Amerikaner lustlos, der Privatdiskont jedoch wesentlich ermäßigt 47/8 °/0.

Märkte.

c? Ortenberg, 30. Okt. Die beiden Markttage des Kalten Pt ar kl es" führten eine selten große Menschenmenge zusammen, wie beim auch das Wetter nicht schöner zu wünschen war. Tie bäuerliche Vevölkerimg strömt aus diesem volkstümlichen Markt aus 45 Stunden der Umgegend zusammen. DerPferde- m arkt war gut befahren und die Preise außerordentlich hoch. Saugfohlen gingen zu 300330 Mk. rasch ab ; 2/. jährige Tiere kosteten 700800 Mk. und noch mehr. Auch eine größere Anzahl Schlachtpserde wurden aufgekaust. Ebenso flott ging der Handel mit Rindvieh, für das gleich hohe Preise zu verzeichnen waren; schönes Zucht- und Milchvieh war aufgetrieben und bald verkauft. Die S ch w e i u e p r e i s e waren gedrückt; für 78 Wochen alte Ferkel wurden höchstens 2830 Pst. erzielt. Einleger waren mehr begehrt. Der Krämermarkt nahm infolge der hohen Viehpreise einen guten Verlauf. Auch der Juxplatz wär gut frequentiert.

Landwirischaft.

Der Gesamtwert der Badischen Tabakernte in 1905 betrug nach derSüdd. Reichskorr." Mk. 7.65 Millionen gegen Mk. 6.67 Mill, in 1904, obwohl die Zahl der Pflanzer von 33 378 auf 30 000 und der. Anbau infolge Hagelfchlages sowie wegen Uebcrgang zu dem infolge der hohen Viehpreise ren­tableren Futterbau erheblich zuruckgegangen ist. Der Durchschnitts- ertrag in 1905 war 24.63 Dz. pro Hektar. Die Preise für ferti­gen Tabak stellten sich auf Mk. 19 bis 43 im Minimum und auf Mk. 32 bis 63 int Maximum, im Gesamtdurchschnitt aus Mk. 53 pro Doppelzentner oder Mk. 9 mehr als in 1904.

Lübeck, Vrockestraße 31, den 30. Mai 06.

Vioson

mit Herzschwäche der Influenza vorlreffl.

fallend schnelle Zunahme des Körperge­wichtes und gesundesAus- sehen folgten.

Ich halte Bioson" für ein Präparat, das den Ge- samtorganis- mussehr kräf­tigt, hierdurch chronische

Leiden mil­dert und Bei akuten Fällen

das beste Morgenge­tränk für

Blutarme, Schwache« Nervöse usw.

Dienste ge­leistet. Tie Influenza- rücksälle, an Benen ich feit mehr als 2 Jahre leide, schwächten sich bald nach Be­ginn der Kur ab;derKräste- verlust hob sich rasch wie­der : die Herz­tätigkeit wurde kräf-

hat mir bei einem schweren Nervenleiden, verbunden und heftigen inneren Schmelzen eine Folge tiger. Auf-

rasch zur Genesung führt. A m 6 (i e Hinze, Schriftstellerin. Unterschrift beglaubigt durch den Lübeckifchen Notar Arnold Hach.

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