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1.8.1906 Erstes Blatt
 
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Nr. 178

Erscheint täglich außer Sonntag-.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- bruderei. R. Lange. Redaktion, Erpeditton und Druckerei:

Schulstraße 7.

Redaktion 112

Verlag n.Exped.^^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Erstes Blatt 156. Jahrgang

Mittwoch 1. August 1906

EietzenerAnzeiger

5 General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis: monatlich7bPs^ viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen nwnaklich 6o Pf.; durch diePost Alk.2. viertel- jährl. auöschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnninlner bis vornrütags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokall2Pf* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich tüt den polit. und allgern. Teil: P. Witt ko: für »Stadt und fianb* und ^Gerichtssaal": Ernst Heß; für den An­zeigenteil: HanSBeck.

Ire heutige Yummer umfaßt 10 Seiten.

Aischer-TippclsKirch und IuttKarner.

Der Kaiser hat am Dienstag seine Nordland­reise beendet und ist in Swinemünde eingetrofsen. Seine Gäste sind von S. bereits abgereist. Am nachinittag trat aus der .Iduna" die Kaiserin in Swinemünde ein.

Der Kaiser findet bei seiner Heimkehr viel Unerquick­liches vor. In erster Linie den neuen Kolonialskandal. Das Wort Skandab ist scharf, zumal auf deutsche Verwal­tungszustände bezogen. Aber man weiß beim besten Willen keinen anderen, milderen Ausdruck. Wir sind überzeugt, daß der Kaiser selbst solchen tief bedauerlichen Vorkommnissen gegenüber, wie der Affäre Major Fischer-Tippelskirch, die gleiche Bezeichnung für am Platze hält.

lieber die Beziehungen dec Firma TipHelskirch u. Co., EquiHiernngsgeschäft für KolonialtruHpcn, zu verschiedenen ©teilen, ist in der letzten Reichstagssession viel gesprochen Ivvrden. DasKonto hat Redakteuren Strafen wegen Beleidigung eingetragen, die Regierung ist vom Reichs­tag aufgefordert Nwrden, die Vertrüge mit der Firma so­fort zu lösen, aber sie hat es nicht getan, denn die Firma TippelsLirch u. Co. verlangte pro Jahr eine Viertel Million Entschädigung.

Major Fischer, der überschuldete Offizier, hat von einem Teilhaber der Firma Tippelskirch sehr hoheDarlehen" erhalten. Man hat sich also ein Hintertürchen offen ge­halten und es wird nicht ganz leicht sein, dem Major nach­zuweisen, daß er wegen dieser Darlehen die Firma besonders begünstigt hat, zumal die Firma von Reichs wegen schon mehr als gut begünstigt war. Noch schwerer würde es sein, dem splendiden Darlehnsgeber der Firma den Dolus nachzu­weisen.

In dieser Angelegenheit gibt es unzweifelhaft drei Schuldige". Eirnmal den Major Fischer. Es ist schändlich, daß ein Offizier sich unter solchen Umständen Geld lechen läßt; aber ein Milderungsgründ ist vorhanden: die brillante Gelegenheit. Und damit kommen wir zu dem Hauptschuldigen: der Firma Tippelskirch il Co. Rian ist geneigt, im allgemeinen den Hehler für schlechter zu halten als den Stehler. Die moralische Hauptschuld in diesem -traurigen Fall trägt die Firma Tippelskirch, die fortan mit dem Stigma der feilen Bestechung vor der Oefsent- lichleit gebrandmarkt ist. Unter Ausnützung der finan­ziellen Notlage eines Offiziers hat diese Firma ihre schlech­tere Ware für teuereres Geld an die Schutztruppe ver­kauft. Die Firma hat Millionen vom deutschen Reiche ver­dient. Trotzdem hat sie aus Geldgier einen armen banke­rotten Offizier mißbraucht.

Der dritte Schuldige ist der Staat oder viel­mehr die Verwaltung der Schutztruppe. Hatte man an dieser Stelle keine Kenntnis von prekären Ver­hältnissen öes Majors Fischer? Sonst ist man doch in der Regel wohlunterrichtet über die Verhältnisse der Offiziere. Wußte man's, dann durfte man den Mann an der Stelle nicht belassen, ihn der Gefahr aussetzen, der er er­legen ist. Gewiß darf man annehmen, daß ein Ofsizier sich zu dergleichen Dingen nicht hergibt, aber die Probe sollte man lieber nicht machen, denn auch ein Offizier kann eine schwache Stunde haben, besonders wenn er sich in ständigen Geldverlegenheiten und in familiären Wirrnissen befindet. Major Fischer gehörte nicht auf diesen Posten, und die Schuld. an den traurigen Vorkommnissen tragen die mit, die ihn auf diesem Posten belassen haben.

Was wird nun geschehen? Es ist eine Forderung, die in der gesamten Oeffentlichkeit erhoben wird, daß die Meichsregierung die Beziehungen zur F-irma Tippelskirch it. Co. sofort ab bricht, und zwar ohne jede Kündigung. Dazu liegt eine Handhabe vor, denn die Firma hat sich tzegen Treu und Glauben vergangen und in solchem Falle dürfte nach dem bestehenden Recht ein sofortiges Zurück­treten vom Vertrag wohl möglich sein. Daß die Firma dabei schiuere Verluste erleidet, kann nicht in Betracht ge- Fvgen werden; die Firma hat auch widerrechtlich schweren Gewinn in die unergründlichen Taschen gesteckt. Zum anderen muß man von den maßgebenden Stellen fordern, daß sie alle Konsequenzen aus diesem traurigen Fall ziehen. Es wird sich fragen, ob nicht das Reich selbst die Fa­brikation der Equipierungsgegenstände in die Hand nehmen kann. Und zum dritten und Hauptsäch­lichsten: es muß dafür gesorgt werden, daß an derartig exponierten und gefährlichen TPosten, wie der des Vor­standes der Bekteidunasabteilung es ist, nur Offiziere sich hesiuden, an die sich die Bestechung nicht heranwagt, weil sie Bestechungsgelder nicht nötig haben.

Unsere Reichsregierung ist wieder einmal um eine bittere Erfahrung reicher wenn sie die Nutzanwendung zu ziehen versteht, die sich aus diesem Fall ergeben, wird man sie leichter verschmerzen können.

Auf das Eingreifen des Kaisers wird es zurückgeführt, daß jetzt die Untersuchung auch auf den unmittelbaren Vorgesetzten des Majors Fischer, den Chef des Stabes beim Oberkommando der Schutztruppe, Oberst Ohne sorg, ausgedehnt worden ist. Dem Obersten, der, nebenbei be- auch außeretatsmäßiges Mitglied des Reichs-Mili­tärgerichtes ist, wird mangelnde Kontrolle seines Untergebenen zum Vorwurf gemacht.

Das Verfahren gegen den Major Fischer ist, wie die ^ägl. Rundfch." erfährt, auf die Anze ige eines Herrn Diettrichs eingeleitet worden, der vier Jahre bei der Firma Tippelskirch beschäftigt war.

, Die Untersuchung gegen den Gouverneur v. Puttkamer geht ihrem Ende entgegen. Es ist eine große Reihe Zeugen zum Teil eidlich vernommen worden, sodaß die Haupt- perhandlung vor dem Disziplinarhos in Potsdam in nicht

allzu ferner Zeit zu erwarten steht. Das bisher geführte Verfahren hat ergeben, daß Herr v. Puttkamer seiner früheren Freundin einen falschen Reisepaß unter dem Namen einer Freiin von Eckhardtstein aus­gestellt hat. Wie festgestellt ist, hat Herr v. Puttkamer jene Dame im Jahre 1896 als Fräulein Ecke kennen ge­lernt. Er wußte auch, daß sie damals zur Bühne gehen wollte und unter dem Namen Eckhardt öffentlich aufzw treten gedachte. Was ferner den zweiten Teil der gegen Herrn v. Puttkamer geführten Disziplinaruntersuchung be­trifft, so ist, wie verlautet, bclvicscn, daß der Gouverneur sich im Besitz von Ehrenanteilscheinen gewisser Kameruner Gesellschaften befindet. Diese Ehren- anteilfcheine haben nichts voraus gegenüber anderen au einen Anteil an Gewinn ausgestellren Scheinen.

Sollte der Disziplinarhof zu Ungunsten von Puttkamer erkennen, so wird dieser, wie von einem alles wissenden Berliner Lokalpresse jeltsamerweise kühn versichert wird, noch am selben Tage eine hoch dotierte leitende Stellung in einer der afrikanischen Gesell­schaften einnehmen, die ihm als Gouverneur von Ka­merun nahe gestanden haben!!

politische Tagesschau.

Eine Rüge des bayrischen Ministeriums durch einen Prinzen.

In der Kammer der bayrischen Reichsräte spielte sich am Dienstag ein hochdramatischer Vorgang ab. In Gegen­wart seines Vaters, des Generalfeldmarschalls, und seines OheimS, des Thronfolgers, richtete der jugendliche Prinz Georg von Bayern an die Negierung die Frage, ob sie in der Tat gesonnen sei, den Landtag zur Nachsession einzu­berufen. Minister Graf Feili tzsch wiederholte die jüngst in der Kammer abgegebene Erklärling, daß die Regierung aus rein sachlichen Gründen, ohne einer Partei nachzugeben, den Landtag zu einer beschränkten Nachsession zur Erledigung des Wassergesetzes einberufen wolle. Prinz Georg erklärte, die Haltung der Negierung in dieser Frage sei zu miß­billigen. Die Negierung sei ftüher gegen eine Nachsession gewesen und würde mit Festigkeit viel erreicht haben. Die Kammer der Abgeordneten hätte dann eingesehen, daß sie schneller arbeiten müße. Mit Gewährung der Nachsession schaffe die Regierung einen bedenklichen Präzedenzfall, eine Prämie für einen schleppenden Gang der Land­tags-Verhandlungen. DaS schrittweise Zurück­weichen der Regierung sei ein Zeichen der Schwäche. Minister Graf Feilitzsch betonte im Namen des Gesamt­ministeriums, daß er sich einer Inkonsequenz nicht schuldig fühle und daß er die Mißbilligung nicht für berechtigt halte. E handle sich lediglich um die Fertigstellung eines einzigen Gesetzes in dieser Nachsession. Konsequenzen für die Zukunft konnten daraus nicht entstehen. Er müsse den Vor­wurf der Schwäche ganz unenergisch als unberechtigt zurückweisen. Sämtliche Minister seien in dieser Sache einverstanden ge­wesen.

Es ist nicht das erste Mal, daß bayerische Prinzen gegen die Regierung Front machen und auch nicht das erste Rial, daß sich die Spitze solcher Angriffe gegen die ausgesprochen klerikale Tendenz des Ministeriums richtet. Graf Feilitzsch, das eigentliche Haupt der bayerischen Regierung, wird wohl alsbald seine Entlassung am Hoflager des Regenten an­geboten haben, denn seine Niederlage ist zu groß. Nicht einmal von dem dem Zentrum nabestehenden Mitgliedern des Hauses hat sich auch nur eine Stimme zu seinen Gunsten erhoben. Der Prinz wird ja wohl auch seinen geschickt ge­führten Vorstoß nicht anders als auf Verabredung mit den älteren anwesenden Mitgliedern des Königl. Hauses unter­nommen haben. Jedenfalls muß es als ein Unikum be­zeichnet werden, daß der in 25 Negierungsjahren durch die wachsenden Schwierigkeiten weiß gewordene, vielgewandte Graf Feilitzsch schließlich im Neichsrat durch einen Königl. Prinzen in eine Lage gebracht wurde, in die ihn seine ärgsten Widersacher bisher vergeblich zu bringen trachteten.

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Ein wichtiger Punkt für das neue Tierquälereigesetz.

Der heutige Strafgesetzbuch-Paragraph (360, Ziffer 13) taugt nichts; denn er ist so verklausuliert, als wenn er nicht die Tiere vor Grausamkeiten, sondern die Tierqäler vor Strafe schützen sollte. Deshalb rufen die Tierschutzvereine nach einem bcfferen Gesetz. Dieses ist nun in Aussicht, wenn auch erst in ferner, weil doch die überlasteten und mißhandelten Zugtiere, die auf dem Transport oder beim Schlachten gequälten Schweine und Kälber, kurzum, weil doch alle die vielen Hunderttausende geplagter Tiere in einem Kultnrstaat nicht erwarten dürfen, daß die Vorarbeitungen und Beratungen zu einem humanen Tierschutzgesetz so schnell erledigt werden, wie z. B. das Gesetz zur Einführuna der Fahrkarten­steuer fast im Handumdrehen angeregt, beschlossen und eingeführt worden ist. Gut Ding braucht Zeit, und so geht die erste Eingabe auf Verbesserung des Tiergälereigesetzes schon bis in das Jahr 1877 zurück. Seit dieser Zeitschwebt" die Frage, die .Ermittelungen sind im Gange", die .Vorarbeiten haben begonnen", doch sind die Beratungen noch nicht abgeschlossen". Wenn es aber mal zu einem neuen und wirklichen Tierschutzgesetz kommen wirb, dann vergesse man den folgenden Punkt nicht: Dem heutigen Gesetz fehlt der Nachtrag, daß die Erlassung besonderer polizeilicher Vor­schriften, welche im Rahmen des Tierqälereigefehes die Ver- hinderung von Tierquälereien bezwecken, gestattet ist. Die Recht- prechung vertritt nämlich allgemein die Ansicht, daß, wenn die Gesetzgebung eine Materie geregelt hat, sie damit dem Verord­nungsrecht der Polizei entzogen sei. Aus diesem Grunde sind, weil heute die ausdrückliche Ermächtigung im Gesetze fehlt, die Polizei­behörden meist nicht in der Lage, gegen tierquälerische Unsitten mit Verordnungen einzuschreiten; sie können es nut da tun, wo durch die Mißbräuche auch Interessen der Menschen verletzt werden. Und das ist selten.

Deutsches Reich.

Berlin, 31. Juli. Anfang des Monats führte der Kaiser in Bergen an Bord derHamburg" mit dem fran­zösischen Deputierte n GastonMenier eine Unterhaltung. Dazu bringt der Pariser ,Matin" jetzt noch einige Nach­träge:Von einem Teile der Preffe wurden", so sagte der Kaiser,meine Absichten, während die Marokko frage zur Erörterung stand, mißdeutet. Es ist befremdend, daß selbst hervorragende Blätter die wichtigsten Aufgaben mit­unter ganz jungen Leuten anvertrauen, die gewiß nicht der bona fides, wohl aber der Erfahrung und der maßvollen Darstellung ermangeln. Der junge Journalist, welcher keinen staatlichen Befähigungsnachweis zu erbringen hat, sucht sich zuweilen durch Brandartikel bemerkbar zu machen". Als der Kaiser dann auf das in Gegenwart Meniers vor vier Jahren mit Waldeck-Rousseau geführte Gespräch zurückkam, erinnerte Menier daran, daß alles pünktlich eingetroffen sei, waS der Kaiser über Japan? KriegSvorbereitungen vorhergesagt habe, und der Kaiser fügte hinzu: .Japans Wcltstellung ist heute eine solche, daß man sich kaum wundern würde, plötz­lich einen japanischen Admiral auftanchcn zu sehen, während die europäischen Großmächte über eine rein europäische Frage, zum Beispiel über die Zukunft Kretas, verhandeln."

Den Abendblättern zufolge wurde heute im Kaiser­lichen Automobilklub eine Motorluftschiff-Studien- Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet, deren Zweck die Förderung der Technik und der Anwendung von Luftschiffen, insbesondere von Motorluftschiffen ist. Der Vor­sitzende des Aufsichtsrats ist Admiral Hollmann.

Bei den Verhandlungen des englischen Ober­hauses über das Flottenbau-Programm hat, wie wir meldeten, der erste Lord der Admiralität behauptet, Deutsch­land, Frankreich und Amerika seien mit ihren Schiffs­bauten in Rückstand geraten. Hierzu erfährt der ,Lok.- Anz." von unterrichteter Seite: Für Frankreich stimmt dies in gewissem Maße; was den Hinweis auf Deutschland anbelangt, könne von einer Nichterfüllung des Bau­programms in diesem Sinne nicht die Rede sein, da vor einiger Zeit schon gemeldet werden konnte, daß der Bau­auftrag für das Linienschiff .Ersatz Bayern" der Werft in Wilhelmshaven und der für den neuen großen Panzerkreuzer Eder" der Werft in Kiel erteilt worden ist.

Dem Vizepräsidenten des Neichsbankdirektoriums, Dr. von Gallenkamp, der am 1. August in den Ruhe­stand tritt und bei seinem Abschied den Kronen-Orden erster Klasse erhielt, widmet der .Reichsanzeiger" folgende Worte:

Ter Name dieses hochverdienten, in Krieg und Frieden be­währten Beamten, ist mit der Geschichte der Bank imauslöschlich verbunden. Alle Geschäftszweige tragen Spuren seiner umsichtigen, umfassenden, rastlosen, bis zum letzten Tage feiner Dienstführung fortgesetzten Tätigkeit. Sein Scheiden bedeutet einen großen Verlust unb wirb als solcher nicht bloß von seinen bisherigen Mitarbeitern, ionbern von allen, bie mit ihm in bienstliche Berührung gekommen |inb, auch seiner unveränbert liebenswürdigen Formen wegen empfunden."

Die Germania bestätigt heute abend, daß im Reichs­tage eine Anzahl Abgeordnete der entscheidenden Ab­stimmung über das selbständige Kolonialamt fern geblieben ist, weil sich die Verhandlungen mit einem der in zweiter Lesung für Bewilligung der Forderungen eingetretenen Mehrheit angehörenden Parlamentarier wegen Ein­tritts in die Kolonialverwaltung zerschlagen hatten.

Polizeiliche Haussuchungen bei Anarchisten haben in jüngster Zeit wieder hier stattgefunden. Die Polizei will in Erfahrung gebracht haben, daß eine geheime Ver­bindung, die ihren Sitz in Zürich hat, auch auf Berlin ausgedehnt ist. In Zürich sollen bei einem Anarchisten Sprengstoffe gefunden worden sein, ebenso Adreffen, die das Einschreiten der Polizeiorgane an anderen Orten zur Folge hatten. Bei den BehauSsuchten wurden Druckschriften, Notizbücher u. s. w. beschlagnahmt. Einige Personen, bei denen man Haussuchungen vornahm, wurden auf dem Polizei­präsidium photographiert.

Ausland.

London, 31. Juli. Unterhaus. Unterstaatssel'retär Chur­chill erklärte betr. Transvaal, daß nach Ablauf der ersten Parlamentssession auch die Mitglieder der zweiten Kammer aus Wahlen Hervorgeyen sollen, daß die Parlamentsmitglieder Gehalt beziehen sollen und daß nur Männer das Stimmrecht haben sollen. Sir Alfred Lyttelton verurteilte die Vor­schläge der Regierung, die er als unglücklich und unopportun bezeichnete. Der Redner forderte die Regierung auf, ihr Augen­merk auf die allgemeine Lage in Südafrika und aus die Ge­fahr von Rassenkämpfen zu richten, und wies dann auf die Wahrscheinlichkeit einer holländischen Mehrheit in der Kapkolouie und auf die Lage der Eingeborenen hin. Im Da- maralanbe befänden sich außerdem 15000 Mann d eut- cher Truppen nebst einer beträchtlichen Anzahl von Bnren- freiwilligen. Redner kam dann auf die im Mai dieses Jahres im deutschen Reichstage erfolgte Ablehnung des Eisenbahnbaues und auf das Anerbieten der deutschen Regierung zu sprechen, im Falle des Baues der Bahn 5000 Mann zurückzuziehen. Er führte darauf aus, die Anhänger der Friedens- und Sparsam- keckspartn in Deutschland hätten hervorgehoben, daß jener Vor- chlag der deutschen Regierung besage, daß 5000 Mann mehr an Truppen in Damaraland standen, als zur Be­kämpfung der Hereros notwendig seien. Obgleich er jetzt nicht behaupten wolle, daß die Truppen dort zu unfreund­lichen Zwecken wären, wäre es doch wichtig, in Betracht zu ziehen, daß, falls Streitigkeiten in Europa entstehen sollten, die Anwesenheit einer derartigen Truppenmacht ein Faktor wäre, der nicht außer acht gelassen werden dürfte. Sir Charles