tttntg, weil er sagte, die Einrichtungen in Riga bedeuteten eine Ohrfeige für die Duma. Professor Kusmin Karavaief legt dar, ivelch vergebliches Bemühen es sei, die politischen Morde mit der Todesstrafe in Verbindung zu bringen. Man müsse die Epidemie der politischen Morde bekämpfen durch Beseitigung der Ursachen, deren eine eben die Todesstrafe sei. Dann nimmt die Duma einen Antrag Nabokow ein. eine Kommission zu ernennen mit dem Auftrage, innerhalb fünf Tugen einen Gesetzentlvurf zur Abschaffung der Todesstrafe auszuarbeiten. Das Haus geht dann zur Debatte über die Agrarfrage über. Abg. Prof. Patraiitski ergeht sich in längerer Rede über das Programm der Enteignung von Landbesitz und setzt die Notwendigkeit einer derartigen Enteignung vom Gesichtspunkt des öffentlichen Wohls auseinander. Er sieht jedoch Gefahren voraus bei der Reform, die imstande sein würde, die Ausbreitung der Kultur und Zivilisation in der Zukunft zu beeinflussen, indem sie Rußland zu einem Bauernland pur e<rceftence machen würde. Die Debatte wird sehr lebhaft. Zahlreiche Redner erkennen die Notwendigkeit an, Abhilfe für dieses soziale Nebel zu schaffen. Prof. Herzen st ein, Abgeordneter für Moskau, hielt eine lange Rede, die häufig von tosendem Beifall unterbrochen wird und in der er die finanzielle und wirtschaftliche Politik der Regierung kritisiert, gegen die Angriffe auf die Hebung der Bildung der Bauern protestiert und auf Dänemark? das Land der Bauern, hinweist, wo es hunderte von Volkshochschulen gäbe. Redner kommt zu dem Schluß, daß an dem Grundsatz der Zwangsenteignung für ganz Rußland nicht gerüttelt werden, dürfe, wenn auch die Ausführung im einzelnen eine verschiedene sein könne. (Anhaltender Beifall.)
Der Bauerndeputierte Andrianow hat durch Selb ft« mord geendet, weil er unter dem Einfluß der zarentreuen Bauern die Duma-Adresse als zu scharf verurteilt hatte und seiner Sinnesänderung kein Glauben geschenkt rtnirbe. In einer Versammlung der Kadetten wurde beschlossen, daß die Duma durch Interpellationen die Tätigkeit der Regierung Lms Tageslicht ziehen solle, um sie in^ Lande und vor Europa zu diskreditieren.
Der Petersburger Korrespondent der Londoner „Daily Tribüne", der schon vor einigen Tagen die sensationelle Meldung über eine große Verschwörung gegen die ReichsHuma übersandte, ergänzt seine damalige Meldung jetzt durch unglaubliche EinzelheiteU über den geplanten Anschlag gegen die gewählte Volksvertretung. Danach hätten General Trepow und eine große Anzahl ihm befreundeter Offiziere den Gedanken gehabt, das Gebäude der Reichsduma durch Truppen umzingeln zu lassen. Sämtliche Abgeordneten sollten verhaftet und ohne weiteres ins Gefängnis geworfen werden. Dieser Staatsstreich sollte den 'Weg zur Errichtung einer militärischen Diktatur ebnen. Die vorzeitige Bekanntmachung des geplanten Anschlages habe die Ausführung verhindert, da man in Hofkreisen die Foögen des Attentats fürchtete.
Aus den O stsee p r o v inze n kommen b eun r u Hitz en de Nachrichten. Aus dem Kreise Hasenpoth wird eine allgemeine Flucht der dortigen Besitzer gemeldet, die ihre Ländereien teils verkaufen, teils verpachten. Sie selbst gehen ins Ausland. Aus Mätau wird gemeldet, daß in voriger Woche 9 Mordse, 6 Mordversuche und 21 Raubianfälle in Kurland zu verzeichnen waren, ungerechnet die vielen Erpressungen und Brandstiftungen.
In Warschau beschloß eine Versammlung der christlichen und jüdischen Kaufleute den Boykott deutscher Waren, ausgenommen solche Waren, die aus den Staaten stammen, in denen keine Russenausweisungen statt- gefunden haben.___________________________________________
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 1. Juni 1906.
** Pensionierung. Der Verwalter der chirurgischen und ophthalmologischen Klinik der Landesuniversität Wilhelm Schneider ist auf fein Nachsuchen mit Wirkung vom 1. Juni von Sr. K. H. dem Großherzog in den Ruhestand versetzt worden.
** In den Ruh estand verseht wurden der Oberlehrer an der Volksschule zu Mainz Hch. Horst und der Lehrer an der Gemeindeschule zu Ehringshausen, (Kr. Alsfeld) Ioh. Hü n er gart h, beide auf ihr Nachsuchen und unter Anerkennung ihrer mehr als 50 jährigen treuen Dienste.
** Die Allgemeine hessische Beamten- Sterbekasse hielt ihre 4. Mitgliederversammlung am 17. Juni zu Darmstadt ab.
•• Unsere Regimentskapelle, die seit 14 Tagen in Hamburg mit ausgezeichnetem Erfolg konzertiert, kehrt nunmehr wieder nach Gießen zurück. Am 1. Pfingstseiertag wird sie im Schützengarten zu Wetzlar ein Konzert veranstalten, dos wohl eine starke Anziehungskraft auch auf das Gießener Publikum ausüben wird. Am 2. und 3. Pfingsttage finden wie alljährlich Konzerte im Neuen Saalbau und im Philosophenwald statt.
" Nus Freundschaft. Ein Metzgerbursche hatte vorgestern in einer Nachbarstadt die Arbeit eingestellt, um sich auf Wanderschaft zu begeben. Nachdem erst einer „geschmort" worden war, fuhr er mit dem Rest seines Lohnes nach Gießen, traf aber auch hier gleich einen Kumpanen, den er mit in eine Wirtschaft nahm, ihm Bier bezahlte und Freundschaft mit ihm schloß. Nachdem es Nacht geworden, wandernten die Freunde Arm in Arm über die Lahnbrücke nach der Rod- heimerstraße. Auf einmal sah sich der Metzger von seinem Kollegen verlaßen, er verduftete über das Feld, hatte aber nicht vergessen, vorher das Portemonnaie seines Freundes aus desien Tasche zu ziehen und mitgehen zu heißen.
- Körperverletzung. Gestern abend gerieten am Seltersweg ein Dachdecker und ein Arbeiter in einen Wortwechsel. Der Dachdecker versetzte daraufhin dem Arbeiter mehrere Hiebe mit einem Dachdeckerhammer onf den Kopf, daß dieser schwer verletzt zu Boden siel und in ärztliche Behandlung sich begeben mußte. Der Dachdecker wurde verhaftet.
(X) Lollar, 1. Juni. Eine unangenehme Erfahrung mußte gestern ein hiesiger Metzgermeister machen. Er hatte sein junges Pferd einem seiner Kunden zum Holz- sahren überlassen. Kaum hatte das Gefährt den Bahnhof verlassen, als durch die Unvorsichtigkeit des 17 Jahre alten Fuhrmann? das Tier scheu wurde und mit dem Wagen die OrtSstraße in der Richtung nach Gießen zurannte. Hierbei ging der Wagen in Stücken und das Pferd kam mehrmals zum Fall, wobei es sich so schwere Verletzungen zuzog, daß eS jedenfalls eingehen wird.
** Schotten, 31. Mai. Zu dem vom 23.—25. Juni d. I. hier stattftndcnden 33. Gauturnfest des Gaues Hessen haben sich bereits viele Turner und Gaste angemeldet. Die Vorbereitungen auf dem Festplatz sind in flottem Gange und es laßt sich jetzt schon übersehen, wie sehr das als Festplatz gewählte, das Niddatal beherrschende und einen herrlichen Rundblick bietende, dicht bei Schotten gelegene Plateau, der Bockzahl, zur Abhaltung größerer Veranstaltungen geeignet ist. Wenn der Himmel uns treu bleibt wird das 33. Gauturnfest wohl eines der schönsten werden, die je gefeiert wurden. Im Laufe dieser Woche wird das Turnfestplakat zum Aushang kommen, das insofern von künstlerischem Werte ist, als Dr. Greiner-Traisa, Mitglied der Künstlerkolonie in Darmstadt, zu ihm eine Kopfleiste geschnitten hat, die den Blick auf die Feststadt vom Festplatz aus wiedergiebt. — Die demnächst erscheinende Festschrift wird außer dem turnerischen und auf das Fest bezugnehmenden Teil interessante Episoden aus der reichen Vergangenheit unserer uralten Stadt, sowie auch einen Wegweiser für Touren in unsere nähere, herrliche Umgebung enthalten.
sd. D a rm st a d t, 31. Mai. Ter NeubandesBähn- hofs beschäftigte heute nochmals die Stadtverordneten. Die Versammlung wird vom Finanzausschuß ersucht, zuzustim- men, daß ein st ä d t i s ch e r Z u s ch u ß in Höhe von 500 000 Mark geleistet wird, daß aber der Wert des von der Stadt in natura gegebenen Geländes aufgerechnet wird. Der Finanzausschuß hat sich für die Erhaltung des Güterbahnhofes Bessungeu ausgesprochen, ferner dafür, daß die .Schnellzüge am Bahnhof Bessungen halten. Die Haltestelle Darmstadt-Nw'd soll baldigst ins Leben treten. Die Beteiligung der Stadt an dem freiwerdendeu Gelände beträgt 2,7 Mill. Mark, während der Fiskus mit 4,7 Mill. Mark interessiert ist. Die Versammlung stimmte allen diesen Anträgen einstimmig zu, womit also die Ausführung des Bahnhofsprojektes gesichert ist.
Großgerau, 31. Mai. Gestern sand hier eine zahlreich besuchte Versammlung der liberalen Vereinigung statt, in der Justizrat Gallus aus Darmstadt über oie Lage und die Aussichten des Liberalismus sprach. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Darmstädter Stichwahlparole besprochen und allseitig gebilligt. ____________________________________________________(Fkf. Ztg.)
Unwetter in Kberhessen.
— Gießen, 1. Juni.
Das gestern abend um 7 Uhr über unsere Gegend niedergehende Gewitter, das sich hier hauptsächlich durch einen überaus heftigen Regen äußerte, hat in der nördlichen Wetterau bis über Butzbach hinaus durch den damit verbundenen orkanartigen Sturmwind vielen Schaden an Dächern, Bäumen und Feldern angerichtet.
Am härtesten wurde unsere Nachbargemeinde, das stattliche Dorf Leihgestern getroffen. Außer den vielen sonstigen Schäden hat es den Verlust seiner altehrwürdigen Kirche zu beklagen, die etwa um 7 Uhr mit lautem Geräusch einstnrzte. Ein heftiger Windstoß preßte die südliche Seite des Daches in die Höhe und mit heftiger Wucht stürzte der ganze Dachstuhl teils in das Schiff der Kirche, teils in den nördlich vom Schiff liegenden Hof der Kleinkinderschule. Sowohl in der Kirche wie in dem Hof bilden das Gebälk, die Dachsparren und der Schiefer ein wüstes Durcheinander und die Gewalt des Sturmes war so heftig, daß durch den Winddruck und die weithin fliegenden Trümmer des Daches saft sämtliche Scheiben an den Fenstern des Kleinkinder-SchulsaaleS, sowie mehrere Fensterkreuze zerstört wurden. Es war ein Glück, daß das Unglück nicht am Nachmittag passierte, sonst waren in dem Saal 60—70 Kinder versammelt gewesen und erhebliche Verletzungen waren nicht aus- geblieben. So mürbe nur ein Mädchen, die Tochter des neben der Kirche wohnenden Landwirts Heß. die von dem Hofe kam und 1 gerade den Gang des Wohnhauses betreten wollte, uoii dem stürzenden Gebälk getroffen. Sie erlitt einen Bruch am linken Arm und eine Quetschung am rechten Knöchel und mußte in ärztliche Behandlung genommen werden, befindet sich aber außer Gefahr. Eine Anzahl Hühner und sonstiges Geflügel wurde erschlagen.
Das gewaltige Geräusch rief bald fast die gesamte Gemeinde an die Unglücksstätte, die in Bestürzung und Trauer aber nur den Verlust des Gotteshauses feststellen konnte. Ganz unbeschädigt blieb nur der stattliche massive Kirchturm, da§ Wahrzeichen von Leihgestern, sowie der Vordergiebel. Die nördliche Seitenwand ist erheblich beschädigt, dagegen ist die südliche Wand noch ziemlich intakt.
Die Kirche von Leihgestern, das in politischer Beziehung zum Amt Hüttenberg, und in kirchlicher Beziehung frur Ordenskomturei Schiffen berg gehörte, bis es mit der Reformation Filiale der Mutterkirche zu Großen-Linden und 1574 selbständige Pfarrei wurde, ist in ihren ältesten Teilen (dem Türm' 600—800 Jahre alt, das Schiff wird ettva 200 Jahre alt sein. Die jetzt unzugängliche Orgel konnte vor etwa 15 Jahren ihr 200jähriges Jubiläum feiern. Seit 1891 geht man mit dem Gedanken um. ein neues Gotteshaus zu bauen, die Pläne dazu sind fertiggestellt und die Verhandlungen zwischen der den Bau einstimmig wünschenden Kirchengcmemde-Vertretung und der bürgerlichen Gemeinde, die bis jetzt die Kirchenbaulasten zu tragen hatte, waren im Gange, sodaß wohl schon in Kürze mit dem Neubau des Gotteshauses begonnen werden kann.
Auch sonst richtet das Unwetter in Leihgestern erheblichen Schaden an, dicht neben der Kirche z. B. ist ein mächtiger alter Baum entwurzelt, das Wohnhaus des Ioh. Gg. Velten III. wurde durch einen kalten Blitzstrahl erheblich beschädigt und an dem Neubau einer dent Küsp. Laux gehörenden Scheuer würbe von dem Sturm eine Wand eingedrückt, sodaß der Bau wohl niedergelegt werden muß. Ueberall aber sind bereits eifrige Menschenhände tätig, den Schaden an den Häusern usw. auszubessern, und es spricht am besten für die Größe der entstandenen Schäden, daß in all den Orten, selbst in Butzbach keine Ziegel mehr zu haben waren.
Das gestrige Naturereignis ruft die Erinnerung an ein Unwetter wach, das heute vor 20 Jahren unsere Gegend heimsuchte und sich hauptsächlich in einem heftigen Hagel- schlag äußerte.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 1. Juni. (Telegr. Orig.-Bcricht des , Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viebmarkt- o reife. Zum Verkaufe standen : 44 Ochsen, 0 ans Oesterreich 6 Bullen, 0 aus Oesterreich, 97 Küße, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oester., 1180 Kälber, 26 Schafe und Hammel, 15 Ziegen, 11 Ziegenlämmer, 4 Schaflämmer. Bezahlt wurde für
da? Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 74—76 Mk., 2. Qualität 66—68 Mk., 3. Qualität 56—50 Mk.: Bullen 1. Qual. 66—67, 2. Qual. 00—00; Kübe 1. Qualität 72—74 Mk., 2. Qual. 67—69 Mk., 3. Qual. 47—49 Mk., 4. Qual. 00—00 Mk, 5. Qual. 00-00 Mk. Kälber 1. Qual. 90-95 Pfg., Lebendaewicht 55—60 Pfg., 2. Qualität 90—95 Pfg., Lebendgewicht 55-60 Pfg., Schlachtgew. 60—65 Psg.; Schafe : 1. Qual. 78—80 Pfg., 2. Quäl. 70—72 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend, bei Kleinvieh lebhaft, kein Ueberstand.
kc. Frankfurt a. M., 1. Juni. <Orig.-Telegr. des „Gieß. A-nz.") V i e h m a r k t. Zum Verkaufe standen 00 Kälber, 00 Schafe und Hammel, 479 Schweine: 1. Qual. 68—00 Pfg. Lebendgeivicht 52.50—00.00 Pf., 2. Qual. 67—00 Pf., Lebendgewicht 52.50 Pfg., 3. Qual. 58—62 Pfg. Kälber 1. Qual. 00-00 Pf., Lebendgewicht 00—00 Pfg., 2. Qual. 00—00 Pfg., Lebendgewich: 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 00-00 Ps§. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft: aut, Ueberstand unbedeutend
D n sse ld orf, 1. Juni. Von der Straikainmer wurde der pensionierte Regier ungs- und SchulratDr. Grosse- Bohle wegen Diebstahls zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt.
Freiburg i. d. Schweiz, den 31. Mai. Das Dorf P l a f f h e i in ist durch Feuer vollständig zerstört. 42 Häuser sind eingeäschert, 50 Familien sind obdachlos. Bei dem Brande trugen 2 Personen schwere Verletzungen davon.
Petersburg, 1. Juni. Die Reichsduma beschäftigte sich heute zunächst mit einem Anträge betreffend die Abschaffung der Todesstrafe. LodnitSky führte aus: Die Regierung begehe politische Morde. Sie sei ein wahrer Moloch, der immer neue Opfer fordere. Alauyn führte au§: Die Duma könne sich nicht an den Kaiser wenden, ohne daß Zwerge, die die Negierungsgewalt aus- übten, sich dazwischen legten und sie verspotten. Mit der Komödie der Interpellationen muß man aufhören. Die Duma sei ohnmächtig, sie habe diese lächerlichen Minister nicht zu sich gebeten. Diese aber seien stärker als sie, weil sie Kanonen besitzen. (Beifall.) Der Priester Poyarkoff sagte: Die Regierung achte nicht auf die Duma, sie sei zu dreist. Man müffe den Kaiser bitten, die Todesstrafe abzuschaffen, sonst wäre es bester, von Petersburg fortzugchen und nicht anständig, daznblciben und Diäten zu erheben.
Das Madrider Bombenattentat.
9JI' a b r t b, 31. Mai abends. Wegen des Bomben-An- schlags wurden zahlreiche Personen verhaftet, doch befindet sich unter den Festgenommenen kein Ausländer. Die Bombe war aus poliertem Stahl von einem halben Zentimeter Ticke und wurde vom dritten oder vierten Stock herabqeschlcudert. Das Haus, aus dem sie geworfen wurde (vielleicht wurden auch zwei Bomben geworfen) gehört der KH n i g i n - M u t t e r: es ist das einzige, das' sie in Madrid besitzt und ist ihr durch das Vermächtnis eines reichen Patrioten zugefallen. Gegenüber liegt die Sakramentskirche und das Generalkapitanat. Das kgl. Schloß ist etwa 500 Meter entfernt. Das Haus ist sechsstöckig, hat unten eine Weinwirtschaft und im dritten Stock eine Pension. Sonst wohnen Privatparteien im Haufe. Einige Tage vor der Hochzeit des Königs war das Gerücht gegangen, der König habe einen anonymen Brief bekommen, der ihm den Anschlag ankündigte. Die Behörden erklären dies jedoch für unwahr. Sllsbald nach dem Anschlag 'erschienen bie fremben Fürstlichkeiten, bie außerordentlichen Gesandten, das diplomatische Korps, die Mitglieder der Regierung, und zahlreiche politische Persönlichkeiten im Schloß und trugen sich in bie a ufgelegten Listen ein. Der Bürgermeister ließ einen Aufruf an die Bevölkerung aufchlagen, in dem er gegen die Missetat Einspruch erhebt. An der Stelle, wo des Verbrechen geschah, berrschte den ganzer: Nachmittag ein solches Gedränge, daß es den Mitgliedern des roten Kreuzes kaum möglich war, die Toten und Verwundeten fortzuschaffen. Aus der Menge gibt man laut der Entrüstung gegen den Urheber des Anschlags Ausdruck.
Madrid, I. Juni. Der Urheber de8 Verbrechens ist bekannt: er nennt sich Manuel Duran und ist Katalonier« Das Zimmer, von welchem ans er die Bombe warf, mietete er am 22. Mai für 25 Peseta täglich und zahlte mit einer 500 Pcsetanote im voraus. Er ist elegant gekleidet und legte ausgesprochen Vorliebe für Blumen an den Tag.
Madrid, 1. Juni. Die Bombe fiel zwischen die Vorderräder und das erste Paar Pferde des königlichen Wagens. Marquis von Eornuchuelos riß die Wagentür auf und zog den König und die Könicfin heraus. Der König war bleich, die Königin brach in Tränen aus. Die ausländischen Prinzen umringten sie und brachten sie nach dem Palast. Die Bombe iuar aus poliertem Stahl und hatte eine Wandstärke von einem hälben Zentimeter. Mehrere französische Geheimpolizisten wurden fast 'gelyncht, da man sie für die Täter hielt.______________________________________
Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Heften für Samstag den 2. Juni 1906: Nach vorübergehendem Aussetzen der Niederschlags wieder stackere Trübung, Regen, kühler mib windig.
Näheres durch die Gietzener Wetterkarte.
Telefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mit^eteilt von der Bank filr Handel und Industrie, Giessen.
Frankfurter Börse. 1. Juni. 1.15 Uhr.
Beichsanleihe . . 99.95 3% do. . . 87.95 3%°/ö Konsols .... 99.75 3% do 87 90
Hessen 99.15
3%°/n Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente. . 100.80 4,/6 Oesterr. Silberrente 100.60 4 % Un<rar. Goldrente . . 96.30 4% Italien. Rente . . . 105.80 3% Portne-iesen Serie I . 69.55 3% Portugiesen „ III 70.45 4 %°'Q russ. Staatsanl. 1905 91.25 4xXi°,, japan. Staatsanleihe 95 40 4 % Conv. Türken von 1903 95.50 Türkenlose ... . . 147.00
4% Griech. Monopol-Anl. 54.10 4% äussere Argentinier . 91.00 3°/0 Mexikaner . . . 70.05 4j^o/o Chinesen .... 97.90
Aktien:
Bochum Guss 254.20 Buderus E. W . . 133.20 Tendenz: unentschieden.
Berliner Börse,
Can ad a E. B —.— Darmstädter Bank . . . 142.20 Deutsche Bank .... 238.20 Dortmunder-Union C. . . 88.50 Dresdner Bank .... 160.50
Tendenz: still.
Elektriz. Lahmeyer . . . 154.00 Elektnz. Schlickert . . . 135.00 Esehweiler Bergwerk . 266 00 Gelsenkirchen Bergwerk . 226.10 Hamburg - Amerik. Paketf. 163 20 Harpener Bergwerk. . . 218 90 Laurahütte 248.50 Nordd. Lloyd 130.20 Oberschles. Eisen-Industrie 130.50 Berliner Handels^es . . 173.10 Darmstädter Bank . . . 14190 Deutsche Bank . . . 238 40
Deutsch-Asiat. Bank . . 184.50 Diskonto-Kommandit. . . 186.00 Dresdner Bank . . . 160.40 Kreditaktien 210.70 Baltimore- und Ohio-
Eisenlahn . . . 107.50
Gotthardbahn —.— Lombard. Eisenbahn . . 28.80 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.80 Prince-Henri-Eisenbahu . 155.00
1 Juni. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 218.90 Laurahütte .... 249.30 l ombarden E. B. ... 28.90 Nordd. Lloyd 130.30 Türkenlose . .... 146.80


