Erstes Blatt
Freitag 1. Juni 1906
mit
ein
156. Jahrgang
in die Büchcr der Geschichte eingereiht werbe, wenn and) dem Merkzeichen Heroslratischen übelsten Unruhmes.
Ein königlicher Hochzeitstag in Spanien! Meld) malerischer Vorwurf für einen modernen Velasquez I
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Mai. Auf dem Tempelhofer Felde fand heute die Frühjahrsparade deS Gardekorps statt. Heute abend sand beim Kaiser und der Kaiserin im weißen Saale deS Schlosses Paradetasel statt. Im Laufe der Tafel trank der Kaiser mehreren ihm gegenübersitzenden Herren, so dem argentinischen General Roca zu. Später hielt das Kaiserpaar Cercle ab. Dann fand im Opernhaus eine Aufführung von LortzingS ,Waffenschmied" statt, welcher der Kaiser und die Kaiserin beiwohnten. Der Kaiser verlieh dem General Roca das Großkreuz des Roten AdlerordenS.
— Im Herbst wird wieder ein englisches Kreuzer- geschwadcr, nämlich das, welches Kronstadt besuchen soll, dec deutschen Ostseeküste einen Besuch abstatten. Im vorigen Jahre galt er Danzig und Neufahrwasser, diesmal will sich die englische Marine die Gegend von Travemünde und P illau ansehen. Die üblichen Mitteilungen sind schon erfolgt. Die englische Flotte wird natürlich so freundlich wie im vorigen Herbst ausgenommen werden.
— Die Generalversammlung des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands nahm folgende Resolutionen an :
I. Die Generalversammlung bedauert den Beschluß des Reichs-ags betreff, die F a h r k a r t e n st e u e r und protestiert gegen die dadurch herbeigeiührte Belastung des Reiseverkehrs; sie erjricht den-Bundesrat, dem Gesetze die Genehmigung <u versagen.
2. Die Generalversammlung begrüßt freudig die Bestrebungen für einheitliche Regelung des Personentarifs auf den deutschen Eisenbahnen, bedauert indessen die mit den Tarifsätzen verbundene Verteurung des Reiseverkehrs und verknüpft mit dein Protest gegen letztere die Hofsining, daß die Eisen- bahnverwaltungen ivenigstens den Zuschlag auf Schnellzüge in Wegfall bringen uiid an Stelle des Zonengepäcktariss eine einheitliche verbilligte Grundlage von 0,3 Psg. für 10 Kgr. bei 1 Kilometer mit steigenden Gewichtsstufen 5 zu 5 Kgr. treten lassen.
und cs muß daher so umgestaltet werden, daß ein Mißbrauch mindestens erschwert wird. Da8 ist nicht etwa nur eint Forderung der Börse, sondern die Notwendigkeü gebietet all- gcmein. Treu und Glauben im Verkehr zu schützen.
nicht an die Möglichkeit eines so schatterlichen Verbrechens an einem so freudigen Tage glauben. Nun ist das Fürchter- lid)c doch cingctreten. Trotz der vorherigen Entdeckung aber hat die spanische Polizei die entsetzliche Tat nicht verhindern können. Das junge Ehepaar ist zwar unversehrt geblieben, aber der Nitchlosigkeit eines entmenschten Mordbuben sind mehrere andere Menschen, ihrem Könige treue Soldaten und zwei harmlose, den prunkvollen Feierlichkeiten zuschauendc Damen, zum Opfer gefallen, lind leider ist man noch nicht sicher, ob man deS den halbkranken Irrlehren des internationalen Anarchismus verfallenen Täters habhaft geworden ist zur Sühne seiner Freveltat. Auch ihm selber war cs wohl, als er die Tat plante, darum zu tun, daß sein Name
Heer und Flotte.
Paris, 31. 2)iai. Die „Agence HavaS« meldet: Zur Stärkung der militärischen Macht wurden außerordentliche Ausgaben gemacht, ohne daß für diese Ausgaben ein Kredit vorgesehen war. Dieselben werben daher wahrscheinlich durch die Ausgabe kurzfristiger Obligationen gedeckt werden. Gleichzeitig werden durch diese Emission gewisse ergänzende einmalige 9(ufrocnbuugen gedeckt, die im Biidget für 1907 für Zwecke des Heeres und der Flotte, so- wie für Materialbeschaffung bei der Post eingestellt sind, die dilrd) die Herabsetzung des Briefportos notwendig geworden sind. Zu decken bleiben dann noch für das Budget von 1907 die dauernden Neuausgaben im Gesamtbeträge von etwa 194 Millionen infolge der neuen Gesetze über die AlterS- pcnsionen, die zweijährige Dienstzeit u. s. w. Hierfür müssen neue Einnahmequellen erschlossen werben, über bie sich bic Negierung noch nicht enbgiltig schlüssig ge- mad)t hat.
Politische Tagesschau.
Auf die Borsengesetzuovelle
soll, wenn ber „Lokalanz." Recht behält, bie Börse nur noch bis zum Herbst zu warten brauchen. Im Bunbesrat wäre baS Gesetz bereits vor Ollern verabschiebet. Die Geschäftslage des Reichstags habe jebod) die Negierung veranlaßt, die Vorlage einstweilen zurückzuhalten. Diesen (Srunb der Verzögerung will die agrarische ^Tagesztg." nicht als den einzigen gelten lassen. Das Blatt meint, auch die Rücksicht auf die Lage der Börse selbst sei für den Entschluß deS Bundesrats bestimmend gewesen. Denn die Wiederholung der Bchauptrmg, daß das Börsengesd)üft infolge deS geltenden Gesetzes dar- niederlicge, wurde in einer Zeit höchster Ertrage der Börsen- stcucr dem Fliiche der Lächerlichkeit verfallen sein. Hier tritt wieder eine Gegnerschaft gegen die Börse auf, die nur als eine grundsätzliche zu bezeichnen ist. Von einem Tarniebcr- liegen des Geschäfts zu sprechen, hat die Börse nicht nötig. Worauf es bei ber Abänderung des Börsengesetzes, daS nun» mehr zehn Jahre in Kraft sich befinbet, hauptsächlich ankommt: bas ist bie Verhinberung des Mißbrauchs des Börsengesetzes. In nur zu vielen Fällen wird das Börsengesetz von Privatleuten, die sich in Spekulationen eingelassen haben, daz»l benutzt, um nach Mißlingen solcher Spekulationen dem Bankier ein Schnippchen zu schlagen. Die in ihren Erwartungen auf Gewinnst Enttäuschten, an bic Begleichung ihrer Verbinblich- feiten gemahnt, erheben einfach ben ,Spieleinwand"; bic Forbcrung wirb baburch uneinklagbar unb ber Bankier hat das Nachsehen. Dieselben Personen, bie so das Gesetz für ihre Zwecke handhaben, würden natürlich sich auf das stärkste entrüsten, wenn ihnen gegenüber, solange sie ihrerseits etwa im Gewinn sind, ein solches Mittel zur Anwendiing gelangte. Einmal ist, soweit erinnerlich, der Fall vorgekommen, daß eine kleine rheinische Bankfirma gegen eine größere Bank den Differenzeinwand geltend machte. Der Fall war so ungewöhnlich und eigenartig, daß er überall bas größte Aussehen erregte. Im Publikum aber, scnvcit es mit der Börse zu tun hat — unb ber Kreis der Interessenten in allen möglichen Berufen ist heutzutage ein ziemlich ausgedehnter — wirb ber Spielcinwanb von manchem als gar nid)t so unehrenhaft angesehen, eben weil das Gesetz dieser Flucht vor dem Verlust seinen Arm verleiht. Doch dazu ist das Gesetz nicht gemacht,
Iic intereflanten „Duma-Iledlrzeichriungen" des Berliner Universitätsprofessors Dr. Schiemann in den Wochenübersichten der „KreuHKta." über auswärtige Politik zeigen, daß selbst einem so gründlichen Kenner slaviscyen Volkstums ein Fehlstrich unterlaufen kann. In einem! früheren Artikel war über die Wirkung ber Diäten der Dumamitglieder — 2400 Rubel für die Session — gesagt worden, daß das den russischen Bauern mit einem Schlag zum reichen Mann macye. Er fahre auf Staatskosten nach Petersburg, brauche dort einige hundert Rubel und fei im übrigen bei allen ihm unverständlichen Fragen — das seien die meisten — dem Stimmen tauf zugänglich. Jetzt ist in der „Krenzztg." von einer charakteristischen Szene am Buffet der Duma die Rede. Zwei Bauerndevu- tierte möchten Tee trinken, verzichten aber, weil ihnen ber Preis von zehn Kolpelen für die Tasse zu hoch erscheint. Journalisten, Zeugen dieses Vorgangs, äußern ihr Erstaunen über die Enthaltsamkeit bei einem täglichen Diätenbezug von zehn Rubel. Die verblüffende Aufklärung ergibt, daß die Bauern deputierten von diesen zehn Rubeln neun, im Monat also 27 0 Rubel, ins heimatliche D o r f s ch i ck e n, auf Grund einer mit den dortigen Bauern getroffenen Abmachung. Dieser in der Parlamentsgeschichte aller Zeiten einzigartige Pakt hat eine bedenkliche Seite. Tie Bauerndeputiertensindvollständiginden Händen ihrer Wähler. Letztere haben ein materielles Interesse einmal an ber Nichtauflösung der Duma, unb ferner daran, daß die Duma die Gewährung von „Land und Freiheit für die Bauern" der Regierung abtrotzt. Der Zar und seine Minister werden diese "Forderung in vollem Umfange niemals erfüllen, und die Angst bpr Bauerndepu- iierteii, vorzeitig oder unverrichteter Dinge nach HauS geschickt zu werden, ist ebenso erklärlich, wie die wiederholt angebeutete Gefahr des Ausbruchs von Bauernunruhen, die verhängnisvoller für Rußland sein würden, als dis revolutionären Bewegungen in ben Großstädten, Industriezentren und baltischen Provinzen. Diese Entwicklung des russischen Verfassungslebens i.abcu die Ratgeber des Zaren schwerlich vorausge-ehen, und sie überlassen es anscheinend dem Zufall, einen Ausweg aus den ungeheuren Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage zu zeigen.
Petersburg, 31. Mai. Im Laufe der heutigen Dumasitzung rief der Präsident den Abg. Aersychow zur Ord-
Nr. 137
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werben tm Wechsel mit Dem hessischen Landwirt die Siebener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Bruhl'schen Univers.-Buch-u. Steinbruderei. R. Lange. Redaktion, Expedition unb Druckerei:
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Redaktion 112
Berlagu.@rpeb.e=^51 Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
Man stelle sich einen spanischen Volksfeiertag im Mai vor. Die an sich schon so malerischen, im blendenden Lichte ber südlichen Sonne schimmernden Straßen werden burdpuogt von einer das Bunte über alles liebenden festfrohen Menge, und wie sie, Jo sind bie Häuser farbig brapicrt, unb alles leuchtet unb glänzt doppelt im Maienglanze. Süßer Duft strömt aus den Gärten über bie ganze in Licht und Farben schwelgende Stadt. Und darinnen spielt sich ein Schauspiel ab von märchenhaftem Gepränge.
Welche Prachtentfaltung war bereits aufgewandt worden, und was sollte nod) alles folgen 1 Wir haben gestern kurz aufgezählt, was alles von Fcierlid)keiten geplant war. Und nun ist schon nach ber ersten Stunbe ber hochzeitlichen Freube aller Jubel größtem Entsetzen unb herbster Scham über solcher Greueltat eines Mitmenschen gewichen.
Einen Schmuck von! 5 Millionen hatte der spanische König Alfonso seiner Braut als Hochzeit-, gescheut dargebracht, unb die Prinzessin En« von Battenberg halte von ihrer Mutter, der Prinzessin Henry von Battenberg, eine Mitgift von 100 000 Pfd. Sterl, gleich 2 Millionen Mark, erhalten, ohne daß dadurch ihr spater zu erwartendes Erbteil geschmälert wird. Unb was alles wurde gespendet von den fremden Monarchen, von Kaisern und Königen, von Herzögen unb Fürsten. Doch niemand wird der gleißenden Wundergaben, die im kgl. Schlosse zu Madrid prangen, adjten. Die Feierlichkeiten sind vorüber, nachdem sie täum begonnen hatten. Der jungen Ehe ist in der ersten Stunde bitterster Schmerz bereitet worden.
Möge dem jungen Königspaare nach diesem schauder- vollen Ereignisse, das in den Herzen Beioer für alle Zeiten tief fick) eingraben wird, eine gnadenreiche Zukunft beschieden sein! Auf die greulichste Weise sind sie an ihrem ersten gemeinsamen Ehrentage daran erinnert worden, daß das schone Land Spanien in unleidlickien Zuständen verschmachtet. In finanzieller Sorge befinoet sich seit langem die Regierung, und am Hungertuche nagt ein großer Teil der erschlafften unb tat losen Bevölkerung, während der Klerus Spaniens seine Kirchen mit Gold putzt und seine Säckel füllt.
Es gibt für das junge Königspaar überreichliche Arbeit.
Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
Ein ZäombenattentaL auf das junge spanische Königspaar.
Ein siuchwürdiges Verbrechen, daS bie Welt mit tiefstem Abscheu aufnimmt, ist am letzten Maitage auf das spanische Königspaar unmittelbar nach feiner Vermählung verübt worden.
Wir lassen zunächst bie unS üorliegenben Telegramme folgen:
Madrid, 31. Mai. Bei prachtvollem Wetter vollzog sich heute bie H o ch z e i t K ö n i g Altons mit der P r i n z e s i i n Viktoria Eugenie von Battenberg. Um 6 Uhr morgens war bie Prinzessin mit ihrer Mutter im Automobil nach Mabrib gekommen unb tm Marineministerium abgesliegen, um hier bas Brautkleid anzulegen. Auch bie Königin-Mutter hatte sich eingekunben, um ben Damen beim Frühstück Gciellschaft zu leisten. Ungeheure Menschenmengen burchwogten bie Straßen, die gesamte Garnison bildete Spalier. Etwas nack) 9 Uhr setzte sich der Zug unter dem Geläut aller Glocken von ber Piazza da Armas aus in Bewegung. An der Spitze ritten Trompeter und Paukenschläger, bie mittelalterliche Märsche bliesen. Tann kamen Herolde mit Stallmeister unb Vorreitern. Darattf würben bte zahlreichen Leibpferbe bes Königs, teils mit prächtigen Parabedecken behängt, teils in feldmarschmäßiger Ausrüstung vorgeinhrt. Dann kam bie Vronzekutsche mit Wappeuträgeru, ber sich etwa 25 Galawagen der spanischen Grandezza anschlosfen. Ter Glanz dieses Aufzuges erfuhr noch eine Steigerung durch die darauf folgende altertümliche Slaatskulfche mit den Fürstlichkeiten. Im letzten Wagen mit der Königskrone faß Don Alfonso mit seinen Trauzeugen und Schwager, dem Jnianten Don Carlos und desien kleinen Sohne, dem derzeitigen Thronerben. Tann folgte eine glänzende Schar von Offizieren aller Waffengattungen und bie glänzenbe Leibgarde in blitzenden Kürassen. Daun folgten nach einer kurzen Pauje die Wagen mit der Battenbergifchen Familie und dem englischen Gefolge. Im letzten Wagen saß die Braut mit ihrer Muller und der Königin Christine, die ihre Trauzeugin ist. Bei dem Anblick der Braut kam es zu großartigen Ovationen. Gegen 11 Uhr erreichte der lange Zug die San Jarouimokirche.
Tie Trauung wurde vorgenommen vom Kardinal Sancha, Erzbischos von Toledo unb Primas von Spanien. Als Diakon fungierte ber Bischof von Nottingham.
In ber Menge bemerkt man zahlreiche Leute in malerischen Kostümen aller Provinzen Spaniens. Die Truppen bilben Spalier in ber Feststraße. Aus allen Stabten unb Ortschaften treffen Telegramme ber Behörden mit der Mitteilung ein, daß die dortigen Einwohner gleichfalls Feste veranstalten, daß überall Gottesdienste abgehalten, Illuminationen veranstaltet und Almosen verteilt werden.
Madrid, 31. Mai. Auf deu königlichen Hoch- z e i 1 s z u g wnrdc in der Rahe des Wagens des Königs in (Lalle Mayor bei der Rückfahrt zumSchlosse eine Bombe geschleudert.
Madrid, 3L Mai. (W. «.) Der König und die Königin laugten nachmittags 2 vhr 30 Minuten wohlbehalten im Schlosse an.
Ter Bombenanschlag geschah, als der Wagen, in dem der König uiid die Königin saßen, einen Moment vor dein Hause Nr. 88 in der Lalle Mayor anhielt. In diesem Augenblick, so meldet W. T. B., schleuderte jemand aus einem der oberen Stockwerke dieses Hauses eine Bombe, die an der Seite des Wagens zwischen dem hintersten Paar Pferde und den Vorderrädern des Wagens nieder- fiel uiid explodierte. Ein Reitknecht wurde getötet. Ter Herzog vou Sotomayor, der rechts neben dem Wagen ritt, wurde leicht verl etzt. Vier Soldaten vom Truppen- fpalicr wurden aiif der Stelle getötet, ein L e u t n a n t, der eben den Degen präsentierte, wurde tätlich verletzt. Einem P o l i z e i h o r n i st wurde ber H a l s a u i g e r i s j c u. Zahl- reich s i n b bie Verletzten, barunter sinb einige, bie sich auf den Balkons dcS zweiten Stockwerkes bes Hauses befanben, von dem aus bic Bombe geworfen wurde. Sofort nach ber Explosion sprang ber Herzog von Carnachuelos an den Wageiischlag, öffnete ihn und war dem König unb ber Königin beim Aussteigen behilflich. Beide waren aui das Tiefste bewegt. — Als das Königspaar die Treppe zuin Schloß emporgesliegen war, brachten die fremden Fürstlichkeiten, die sich um sie drängten, ihnen die wärin- sten Glückwünsche zu ihrer Errettung dar, und gaben ihrem tiefsten Bedauern über den Anschlag Ausdruck.
Das Attentat, so wird der „Frkf. Ztg." depeschiert, hat mit einem Schlage die Hochzeilsfreube geendet. Die Explosion der Bombe hatte,' ohne das Königspaar selbst zu verletzen, eine furchtbare Wirkung. Die Staatskarosse, wenn bas junge Königspaar saß unb nach beiden Setten iür bic jubelnbe Begeisterung dankte, ist leicht beschädigt. Ter König und die Königin mußten in einem anderen Wagen bie Fahrt zum Schloß iorljetzeu. Ein Pserb der Staatskarosse unb ein anderes Pierb sinb getötet. Eine auf dem Balkon eines nahen Hauses zuschauende Gräfin wurde getötet, ihre Tochter schwer verletzt. 15 Leute aus dem Publikum sollen getötet rvorden sein. Die Zahl der Verwundeten ist groß und soll über dreißig betragen. Sicher ist, daß außer der Explosion auch die fürchterliche Panik zur Größe des Unglücks beitrug. Als bie Detonation erfolgte, stürzte alles wie wahnsinnig in bie nächsten Häuser. Sofort würben zahlreiche Verhaftungen vorgenommen unb auch Kinber als verdächtig ausgegriffen. Ter Täter scheint bis jetzt jedoch nicht gefunden zu sein; doch fommt ein junger Menfch in Betracht, der vor vier Tagen im Hause 9hr. 88 der Calle Mayor sich cmloqicrte, wo das Attentat erfolgte. Er sprang nach der Explosion in toller Hast die Treppe hinab und ist seitdem ver- schiviuiben.
Die B o mb c war in einem Blumenstrauß verborgen. Ter Wagen des Königs ist stark beschädigt worden. Die Behörden verhafteten einen Ausländer und einen Spanier. Letzterer ist 18 Jahre alt, angeblich ein Student und tut sehr niedergeschlagen. L
Paris, 1. Juni. Tie Nachricht von dem Madrider Attentat hat in Paris' uniso größeren Eindruck gemacht, als gefteut qerabe ein Jahr verflossen tft fett dem Pariser Attentat aui ben König von Spanien unb den ehemaligen Präsidenten Loubet. Dieser h atte gestern Abend sogar eine Anzahl Freunde zu sich geladen, um den Jahrestag seiner Rettung zu feiern, unb bie Freube würbe durch bie Nachricht von bem neuen Attentat grausam gestört.
Unser gestriges Lvnboner Telegramm, wonach in Lonbon unb Mabrib eine anarchistische Verschwörung zur Ermorbimg bes Königs Alfons an feinem Hochzeitstage aufgcbccft sein sollte, begleiteten wir mit Fragezeichen, benn wir wollten
Glchener Anzeiger W
General-Anzeiger **
v v ben poliL unb allgem.
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" zeigenteil: Hans Be^,


