Ausgabe 
1.3.1906 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 1 März 1906

ISS. Jahrgang

Erstes Blatt

ZSZS25

33

Ire Üerrtiqe Kummer umfaßt 8 Serien.

L-ejftjcher' Landtag

Frau Bayrhammer sprach die Verse

Hörer zu ernüchtern.

von von

fol- nrir

mit herzlicher Wärme und sehr, fast allzu lebhafter Bewegung. Tann erhob sich der an der Ecke einer der vordersten Reihen des Parketts sitzende Oberbürgermeister, um in kurzen Worten den Kaiser zu feiern als Friedenserhalter und Schirm­herrn des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft. Er schloß mit einem dreifachen Kaiserhoch, worauf von den Ver-

bevölkert und Plenum

werden? Zur Beschlußfähigkeit

nahezu 200 Mitglieder. ,

Run wird von den Diäten gesprochen. Es darf aber gewiß nicht damit gerechnet werden, daß der Reichstag nach Ostern Diäten oder Anweseuheitsgelder erhält. Gewiß

BezugSvretSr monatlich7b Pi., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go Pk.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» sür die Tagesnumm« bis vormittags 10 Uhr, Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pkg.

Verantwortlich <üt den poliL und allgern. Teil: B. Wittko: »irr .Stadt und Land^ und Gerrchtsfaal": Ernst p e b; {ür den An­zeigenteil: Hans Beck.

Biegeleben, Becker.

Glilckwnuschluubgebung für das Kaiserhaus.

Präsident Haas hält vor Eintritt in die Tagesordnung

Wappen um alle Säulen und Brüstungen. An Licht fteiltch hatte man mehr gespart als nötig war.

Dankbar aber war da§ Festpublikum. Den ganzen Abend über gab es gar lebhaften und intensiven, den Herzen entspringen­den Beifall, aus dem wohl auch bei diesem oder jenem der Stolz über die Tatsache, daß ein solcher Dichter zu den unserigen gezählt hat, und das späte Mitgefühl mit dem tragischen Lebensende des unglücklichen Sohnes einer unglücklichen Zeit sprechen mochte. Gewiß ist Kleist? dramatische Technik nicht vollkommen, das Zerschneiden der fortlaufenden Hand­lung in kleine Episoden, das allemal durch den Zwischen­vorhang markiert wird, wirkt störend und beeinträchtigt das Bestehen einer gleichmäßigen Stimmung; es gibt etwas viel Kanonendonner, Flintengeknatter, Säbel- und Sporengerassel, alles Zutaten, die mit Recht von der modernen dramatischen Technik zum alten Eisen getan sind. Wie unendlich hoch aber steht trotzdem dieses Bühnenstück mit seinem markigen, kräftigen Dialog über den Werken der Mehrzahl unserer heutigen Dramatiker!

Doch sei der Reihe nach berichtet. Der von unserer Regimentskapelle mit Bravour gespielten Weber'schen Jubel- ouvcrture folgte zunächst ein Prolog, von Herrn Direktor Steingoetter verfaßt und von Frau Bayrhammer ge­sprochen. Eine ansprechende Gelegenheitsdichftmg, die nicht sowohl sich auszeichnet durch hohen und kühnen Gedankenflug, als vielmehr den Empfindungen, die diese Kaiserhausfesttage in vielen unter uns wachriefen, einen schwungvollen, form­schönen Ausdruck verlieh und es glücklich vermied, durch ab­gebrauchte Phrasen, die allmählich in jedes Biedermeiers gutgemeinte Festrede als Prunkstücke übergegangen sind, die

Eeneral-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Giehen

R. B. D a r m st a d t, 28. Febr.

Die zweite Stimmer der Stände ist heute vormittag IOV2 Uhr zur Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen zusammengetreten.

Am Ministertische: Staatsminister Ewald, Fiuanzmmister Gnauth, Präsident Braun, Geh. Staatsrat K'rug Nidda, Geh. 9lat Wilbrand, Ministerialräte Frhr.

Gietzeirer Stadttheater.

Prinz Friedrich von Homburg.

Schauspiel in 5 Akten von H. v. K l e i st.

Die Silberhochzeit unseresKaiserpaares konnte nicht würdiger in unserem Stadttheater begangen werden als durch die Aufführung von KleistsPrinz von Homburg", diesem echt vaterländischen Schauspiel mit dem Hintergrund hohcnzollcrnscher Siegcsgeschichtc und mit der Verherrlichung der Achtung deutscher Fürsten vor der Unbeugsamkeit des Gesetzes. Man erfreut sich gern immer wieder an dem gol­denen Kern glühender Vaterlandsliebe und hoher dichterischer Begeisterung, der Heinrich von Kleist eigen war. Des Schau­spiels Vorgänge gruppieren sich um den Großen Kurfürsten, für dessen Heldengestalt unser Kaiser bekanntlich oft eine be­sondere Verehrung bekundet hat.

Eine der köstlichsten Prophezeiungen deutscher Dichtung von der Abwendung großer vaterländischer Stürme (auch die jetzt, fast ein Jahrhundert nach dem Entstehen des Schall­spiels aus freilich recht unvolkstümlichem Anlasse uns um» dräuenden Stürme werden hoffentlich sich abwenden lassen), von des Vaterlandes Ausbau und Erwettcrungunter Enkels Hand" wand Kleist bald nach dem unglücklichen Frieden zu Tilsit im Jahre 1807 in sein Drama von: Prinzen Friedrich von Hom- bürg Man verglich vor etwa einem Jahrzehnt zuweilen E v Wildenbruch mit Kleist. Welche Idee! Dort die stete Sucht der Wirkung auf die Massen, hohlklmgendes Pathos, kaum je der Versuch einer Charakteristik oder gar seelischer Vertiefung hier zarteste dichterlsche Feinheiten, eine nicht f.'ir jedes Auge sofort erkennbare vielverältelte Psychologie. . Sie verlangt freilich zu voller Würdigung die Aufmerksamkeit eines festtägigen Gemütes, das alich mit dem Auge der Liebe hinwegschalien muß über einige Härten in der Sprache, wie über die einmal geradezu kraß erscheinend? Peinlichleit der Situation unhcldiichen, sinnverwirrten Bettelns nmS Leben, die aber seelisch begründet ist durch die allerdings klemmensch- tiche, jedenfalls absichtlich unantike brennende Liebe des phcm-

würden sie, am Anfang wenigstens, volle Häuser schaffen, aber nod) sind sie nicht einmal vom Bundesrat genehmigt.

Die Lage ist demnach recht kritisch. So sehr sich die Reichsregierung anscheinend von der Steuerkommisfion lenken läßt, so drohend ist die Zeitfrage. Man wird nicht fertig werden. Als die Kommission Blatt um Blatt vom Blumensträuße satten ließ, stand die Reichs- tagsauflösung drohend im Hintergrund. Nun bemüht man sich, neue Steuerquellen zu finden und die Summe zu komplettieren. Damit schwindet die eine Gefahr, aber es droht die andere: die Versandung. Werden wir das gleiche Schauspiel erleben, wie im letzten Sommer?

Fom Reichstag.

Tie kurze Pause, die in den Neichstagsverhandlungen aus Anlaß der Festlichkeiten im Kaiserhause eingetreten ist, hätte gut benutzt werden können zur Vorlegung einiger Fragen. Zunächst Die: wohin steuern wir in der Steuer­frage? Es ist anzunehmen, daß sich nicht einmal die Mit­glieder der Steuerkommission darauf eine klare und bündige Antwort geben können, denn die Zerfahrenheit hat einen geradezu erschreckenden Umfang angenommen. Niemand weiß, was daraus werden soll. Der Strauß des Herrn v. Stengel, der ja durchaus nicht im besten Geruck stand, ist bis auf ein paar traurige Blüten entblättert, und mit Bienenfleiß haben die Volksvertreter andere Blümlein zusammengetragen, deren Duft die nötigen 200 Mill, auf­bringen soll. Es steht wohl fest, daß das Plenum nicht ohne weiteres auf diese Vorschläge eingehen wird, daß es also Kämpfe geben muß und Reden in Hülle und Fülle.

Run liegen die Dinge aber so: der Etat muß gesetz­mäßig bis zum 1. April fertig gestellt sein. Er ist aber mit der Reichsfinanzreform verwachsen, und seine Erledigung ist nicht denkbar ohne vorherige Verabschied­ung der Reform. Doch es ist nicht die geringste Aussicht dafür vorhanden, daß die Finanzreform bis zum 1. April zustande kommt. Die Kommission steckt noch zu aller­tiefst in der Angelegenheit und sie hat, was noch schlimmer erscheint, jeden leitenden Faden verloren. Dar­aus ergibt sich, daß auch der Etat liegen bleiben muß, und daß wieder ein Notgesett auf der Basis der bisherigen Finanzgesetze eingebracht werben muß. Das hätte sich die Neichsregierung ohne besondere geistige Anstreng­ungen selber sagen können, als sie den Reichstag erst Ende November zusammentreten ließ. Entweder mußte der heurige Etat noch auf der alten Basis aufgebmrt werden, oder mau mußte für die nötige Zeit zur gründlichen Durch­

ernannt hat. t

Das Haus erklärt sich darauf dem Antrag des Wahlaus­schusses entsprechend für die Giltigkeit der Wahl des Abg. Dr. Glässing-Darmstadt.

Nachdem darauf eine Anzahlzur vorläufigen Beratung im Plenum" gestellte Anträge und Vorstellungen in üblicher Weise dem zuständigen Ausschuß überwiesen, genehmigte die Kammer

Nr. 51

Erscheint tägttch

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener ZamUien» blätter Dtermol tn der

Woche beigelegt.

Rotationsdruck v. Ver­lag der Brüh l'scheu Unioerf.-Buch-u.Stein- brurferet. 9t Lange. Redaktion, ErvedUiox und Druckerei:

Schulstratze 7,

Redaktion es© 112

Vertag u.Exved.SEbl Adresse für Depeschen:

Anzeiger Gießen.

beratung der Finanzreform sorgen.

Nun hängt bekanntlich nicht allein der Etat von den .neuen Steuergesetzen ab, sondern vor allem auch die Be­willigung der neuen Marineforderungen. Man wird nicht" an die Beratung dieser Forderungen Herangehen können, ehe man weiß, wie die Finanzreform ausfällt. Gewiß besteht bei der Reichstagsmehrheit die Absicht, den Wunschzettel des Herrn v Tirpitz zu genehmigen, aber man hat zu bedenken, daß die Minderheit auch noch da ist. .Wenn es bis jetzt glückte, auck bei sehr schlecht besetztem Hause Heinere Vorlagen durchzudrücken, ohne daß die Frage nach der Beschlußfähigkeit gestellt wurde, so darf man dar­aus noch nicht folgern, daß frei den Flotten- und Steuer­fragen das Gleiche möglich ist. Im Gegenteil, die äußerste Linke wird alle Hebel in Bewegung setzen, die Schaffung von Steuern zu verhindern, die ihr nicht gefallen.

Nnn kann man kaum mehr damit rechnen, daß die Steuerfrage vor Ostern erledigt wird. Die Flottenforder­ungen bleiben ganz bestimmt bis nach Ostern liegen. Man weiß aber wohl, daß es nach Ostern immer recht schwierig war, ein beschlußfähiges Haus zusammenzubringen. Jetzt, zur besten Parlamentszeit, gibts in Berlin Sitzungstage, an denen ein knappes Dutzend von Reichsboten den Saal spielt. Wie soll das erst nach Ostern ußfähigkeit oes Reichstags gehören

gotbe Ansprache:

Meine sehr geehrten Herren Kollegen! Ich kann es nicht versagen, ehe wir in die Verhandlungen eintretcn, eures frohen Festes zu gedenken, das gestern in unserem Kaiserhause begangen worden ist, eines Festes, das in der Brust jedes echten deutschen Patrioten freudige Gefühle erregt. S. M. der Kaiser und I. M. die Kaiserin haben gestern den Tag feierlich begangen, an welchem sie vor 25 Jahren den Ehebund geschloffen haben und sich zu der Ehe vereinigt haben, die eine vorbildliche, emc musterhafte für ganz Deutschland geworden ist. Am gleichen Tage hat ein prinzlicher Sohn mit einer deutschen Fürstentoaiter den Ehebund eingegangen, der für alle Zeit ein gesegneter sein möge. War es auch der Wunsch des Ktiiserpaares, daß diese Feier den Charakter einer einfachen internen Familienfeier trage, so läßt es sich das deutsche Volk doch nicht nehmen, das ge- wohnt ist, Freud und Leid mit seinem Kaiserhause und seinen Fürstenhäusern in herzlichem Einvernehmen zu tragen, an diesem Tage das Fest mitzufeiern und herzliche Glückwünsche dem Silber- Hochzeitspaare sowohl wie dem jungen prinzlichen Ehepaar dar^u- bringen. Mit ganz besonderer Liebe und Verehrung blicken alle Pa- ttioten an diesem Tage in ganz Deutschland zu dem Oberhaupt des Reichs, in dessen kräftiger Hand die Leitung der Geschicke unseres Vaterlandes gelegt ist, und zu der herrlichen, echt deutschen Hrau empor, die gestern in eine 25 jährige gesegnete Ehe zurückblicken konnten. Meine Herren, auch wir vereinigen uns zu dm wärmsten Ohückwünschen. die wtt sow"hl b';n Kttserpaar wie den: j.mgen Elp? Pa ar darbringen. Ich bin überzeugt, daß Sie alle herz­lichen Anteil an dieser schönen Feier nehmen und mit mir sich in dem Wunsche vereinigen, daß Gottes reicher Segen allezeit auf unfcrcm Kaiscrpaar und auf dem inngen Ehepaar^ ruhen möge. (Bravo!) Meine Herren, ich bitte Sie, wenn tsie _nut meiner Ausführung einverstanden sind, sich von Ihren Plätzen zu erheben. (Geschieht.) _

Das Haus hat sich bei dieser Ansprache von den Platzen erhoben und ermächtigt den Kammerpräsidenten, die Gesinnungen der Liebe und Verehrung der Kammer dem Kaiserpaar t e l c g r a - phisch zu übermitteln. (Die Sozialdemokraten verweilten in­zwischen im Foyer und betraten unmittelbar nach Beendigung dieser Kundgebung in corpore den Sitzungssaal.) ~

Präsident Haas teilt darauf ein Schreiben des «taats- ministeriums mit, worin mitgeteilt wird, daß der Großherzog den Justizminister Ewald zum Staatsminister und den Geh. Rat Braun zum Präsidenten des Ministeriums des Innern

lasuschen, ruhmberauschten Hitzkopfs zum Leben, und die dann durch das alsbaldige schöne Erwachen aus der wohl wieder halb somnambulen Verstörtheit verwischt wird.

Die Verkennung das Dichters durch seine Zeitgenossen ist bezeichnend für jene Zeit selbst, sie birgt ein tragisches Element in sich: die Jahre des tiefsten Niedergangs alt­preußischer Waffenehre und der völligen Versumpfung des deutschen Nationalbewußtseins ließen einen Dichter von so lauterer vaterländischer Gesinnung nicht 51t Worte kommen! Andererseits erklärt sich die Tatsache wohl auch daraus, daß der Glanz dieses Sternes von dem des Weimarer Doppel- sternS weit Überstrahlt wurde. Slbcr auch unsere Zett, die wahrlich keinen Schiller und noch weniger einen Goethe auf­zuweisen bat, ist Kleist nicht in dem ihm gebührenden Maße geneigt. Man pflegt ihn nur bei außerordentlichen Anlässen auf die Bühne zu bringen, lobt ihn, empfiehlt ihn den Pri­manern und höheren Töchtern und geht dann zur Tages- ordnung über.

Tas volle Aufgehen de§ Herzens, der reine Genuß wird beim erstmaligen Hören oder Lesen dieses Schauspiels, das von so intimem Charakter ist wie etwa eine Schubert'sche Sonate, kaum je möglich sein. Deshalb wäre die mehrfache Wiederholung der Aufführung dieses Werkes recht wünschens­wert. Denzerbrochenen Krug" haben wir ja in unserem Stadttheater in den letzten Jahren wiederholt gesehen. Aber auch die anderen Stucke des Jdealrealisten Kleist sind nicht nur für eine kleine Gemeinde da.TaS Käthchen von Heilbronn" undDie Hermannsschlacht" sollten unserem Publikum gleichfalls nicht vorenthaltcn bleiben.

Welches seltene Antlitz trug die gestrige Aufführung vor einem das Theater wohl bis aufs letzte Plätzchen füllenden Publikum in Festtoilette: Die Damen vielfach in lichten, leuchtenden Farben, die Herren schwarzberockt, die Offiziere in Extrauniform. Das alle Haus war so schmuck und feierlich als möglich hergerichtet. Tanncnguirlanden kündeten schon am Eingänge von einem außerordentlichen Festabend, und im Saale selbst zogen sie sich m reicher Fülle zwischen bunten

ohne Debatte die Regierungsvorlage, betreffend den Anschluß der Stadt Bab-Nauhcim an das staatliche ElektrtcitätSwerk Bad- Nauheim.

Die Besprechung der Anfrage des Abg. Bähr, das Vorgehen der Behörden bei Untersuchung deS Ki n d S m 0 c de s in HergcrsHausen, wird wegen Verhinderung des Abg.l Bähr vertagt.

Anfrage wegen Verseuchung von Flüssen.

* Auf die Anfrage der Wgg. Horn, ».Brentano und Gen. in betreff der Verseuchung des Rheinstromes und des M a i n c s verliest Präsident Brau u eine längere Regierungs­erklärung, worin mitgcteilt wird, daß das Reichsamt des Innern, von den verschiedenen Bundesstaaten Berichte über die in Rede stehende Frage eingefordert habe. Es sei als festgeüellt zu be­trachten, daß die Ursache der Verunreinigung des Mainstvomes von Aschaffenburg abwärts in den Abwässern, der Papierfabriken zu suchen sei. Es komme nun vor allem auf die Frage an, welche Mittel zur Beseitigung des Mißstandes zur Anwendung gebracht werden müßten. Die Regierung werde eine Prüfung bhjer Mittet und die Maßnahmen zum Schutze des Fischereigewerbes in via Wege leiten. _

Abg. Horn beantragt Bestechung der Anfrage und dankt der Regierung für ihr Entgegenkommen. , . .

Abg. Ulrich geht des Längeren auf die Angelegenheit em und stellt das Verlangen, daß die Regierung zum Schutz bcS Fischereigewerbes energisch eintretcn und auch schon mit Hilfe von Polizeivorschriften die Fabriken anhalten solle, nur genügend geklärte Abwässer in den Mainstrvm abzuletten.

Ministerialvräs. Braun gibt darauf ein Gutachten von sach­verständigen über diese Frage ab, welches aus Veranlassung der preußische» Regierung aufgestellt wurde. In diesem wir» gesagt, daß die Schädlichkeit von Abwässern der Cclluloidfabrikeir für Fische und sonstige Lebewesen im Wasser ganz außer Frage stehe. Mit bloßen Verordnungen, so bemerkt der Präsident dem Abg. Ulrich gegenüber, die Fabriken zur Klärung der Abwässer an­zuhalten, sei wenig getan. ES fei notwendig, eine gründliche Prüfung der event. in Anwendung zu bringenden Mittel vorzu­nehmen.

Abg. v. Brentano dankt der Regierung für die Zusage auf Erwägung von Mitteln zur Abhilfe, ,

Abg. Reinhart verlangt, daß auch für den Rhemstww die Fabrikbesitzer durch gesetzliche Maßregeln angehalten werden sollten, eine Klärung ihrer Abwässer vor der Ableitung m den Rhein zu veranlassen. Der Rhein werde namentlich von Mann­heim her auch durch die dortigen Petroleumlager verseucht, die Fischereiinteressen würden durch das schnelle Absterben dev Fische aufs schwerste geschädigt. .

Die Anfrage deS Abg. liebet und Gen. bett, bic Verun­reinigung der Weschnitz, beantwortet Präsident Braun dahin, daß gegenwärtig eine Untersuchung deS Schlammes bet Weschnitz stattfinde. Das Ergebnis diejcr Untersuchung müffe ab* gewartet werden, bevor die Regienmg weitere-rttte unternehmen könne: sie habe aber die feste Absicht, energisch für die Beseittg- png des beklagten Uebelstandes einzutteten.

Abg. Hebet bemerkt, daß er durch die Erklärung der Re­gierung beftiedigt sei und dafür seinen Dank ausspreche. Et hoffe, daß die zu treffenden Maßnahmen von Erfolg sein nrerben und daß die Regierung auch auf die Vetbcsserimg btt Verhältnisse tut Landarabeu bei Lorsch bedacht fein werde.

Kastelet Angelegenheiten.

Es folgt die Beratung übet den Antrag Schmitt und Gen., betreffend die Verlegung der Eisenbahnwerkstätte von Kästet. Nach kurzer Begründung durch den Antragsteller teilt

Staatsminister Ewald den darüber zwischen der Negierung und der Eisenbahnverwalttmg stattgehabtcn Schriftwechsel mit. Es sei von einer Verlegung der Werkstätte nach (Station Kürve die Rede, die noch auf hessischem Gebiet liegt. Doch sei die Regierung für die Beibehalttmg der Werkstätte in Kastel em- getreteiL Die Entscheidung darüber stehe aber noch ans.

Auf Antrag Tr. Schmitt wird bis zum Abschluß der Ver- hanvlungen die Sache von der Tagesordnung abgesetzt.

Ein Antrag Dr. Schmitt und Gen. verlangt, die Kämmet wolle beschließen, beim Reichspostamt dahin zu wirken, daß Amöneburg mit seinen fast 2000 Einwohnern eine eigene Pvstagentnr erholt und daß im Verkehr zwischen Kastel und