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erfüllen und in hygienischer Beziehung nicht einwandfrei ind. Ebensowenig wie natürliche, also kühle und selbst wenig Feuchtigkeit enthaltende Luft eine Trocknung nasser Mauern herbeiführt, reicht auch bloß Wärme für diesen Zweck aus. Nur durch richtiges Zusammenwirken beider läßt sich eine Trocmung Herdeiführen. Nur warme Lust ist fähig, ein verhältnismäßig großes Feuchtigkeitsquantum auszunehmen; indem man also kalte und trockene Lust künstlich erwärmt, stvird sie befähigt, ihrer Umgebung Feuchtigkeit zu entziehen und so eine Trocknung derselben herbeizuführen. Es genügt aber nicht allein die Lust zu erwärmen und in den auszutrocknenden Raum einzu- sühren, sondern man muß auch dafür sorgen, daß sie, wenn mit Feuchtigkeit geschwängert, auch rechtzeitig wieder ^Gelegenheit zum Entweichen findet. Durch stetigen 'Nachschub von frischer, hoch angewärmter Lust und dauernden Abzug der mit Wasser gesättigten Luft ist es, möglich, feuchte Raume in verhältnismäßig kurzer Zeit cruszutrocknen. Vorzügliche Resultate erzielt in dieser Beziehung der, patentierte Tücksche Troctenheizapparat, welcher aus senkrechten Röhren besteht, die unten in einem geschlossenen Luftkasten stehen und oben frei in den zu trocknenden Raum münden. Ein unten angebrachtes Knierohr führt frische Lust aus dem Freien in den Lustkasten. Die in diesen Kasten geleitete und durch die Röyreu in den Raum aussrrömende Luft wird durch Koksfeuer intensiv erhitzt. Nach 1—2 Tagen erscheinen die mit diesem Apparat getrocmeten Räume bis zu einem hohen Grade ausgetrocknet. Dadurch, daß die Verbrennung in dem Apparat eine sehr lebhafte iit, findet eine rasche Lüftern euer ung und eine starke direkte Erwär- statt, ivf Vorteil gegcn das gewöhnliche Verfahren mit offenen Koksofen liegt, außer in hygienischer Beziehung, in der Zuverlässigkeit, mit der das Wieoer- austreten der Feuchtigkeit (der Ruin von Malerei und Tapeten) vermieden wird, und in der Schnelligkeit, welche das sofortige Beziehen der Wohnräume ermöglicht
schließen lassen sollte. Vergebens! Dann an den Kriegs- Minister, und das hatte Erfolg. Die Mauer wurde zwar nicht wieder aufgebaut, aber man hat die Lücke durch einen Draht geschlossen und dadurch sind die frommen Gemüter beruhigt." Offenbar will Herr v. Einem die Vorwürfe, daß die Heeresverwaltung, zumal was die Beförderung im Heere anbetrifft, etwas antisenntifch angehaucht sei, in etwas entkräften und benutzte hierzu diese Gelegenheit.
6 0 0 S t ü ck V i e y u. ui g e t o m m c n. Eine furchtbare Verwüstung hat der Nordoststurm in Apenrade verursacht. Tie Wasserhöhe erreichte zwei Meter über Null und war nur 3/i Meter nteoriger als bei der großen Sturmflut am 13. November 1872. Als Steigen des Wassers eintrat und die Quarantäneanstalt eben bespült wuroe, waren zahlreiche Leute beschäftigt, das Vieh in den Ställen loö- zumachen, und allgemein nahm man noch an, daß eine vollständige Rettung desselben Möglich sei, allein das Wasser stieg so schnell, daß die Leute, die schon bald bis KU den Husten rm Wasser arbeiteten, auf eine weitere Bergung des Vieys verzichten mußten. So mußte ein großer Teil des Viehs in den hinteren Ställen und einiges in den vorderen preiSgegebcn werden. Es gelang das herausgebrachte Vieh teiuoeije nach den Ställen beim Gasb- hos Tanmart zu bringen, d:e des Wassers wegen aber ebenfalls wieder geräumt werden mußten. Viele Tiere liefen ün Gehölz umher und wurden später zusammengetrieben Auf dem Geleise bei den Qucrcantäueställcn stunden vier beladene Eisenbahnwagen, an die des Wassers wegen die Lokomotive nicht utehr herankommeii konnte. Am Nachmittag wurde von den Booten noch Piel umher schwimmend es Vieh ül fast leblosem Zustande ans Land gezogen. Etwa 666 Stuck Vieh find in den .Ställen und auf den Wagen
Kunst uno ZSl^eajchast.
, tz- Darmstadt 4. Jan. Ter Arbeitsausschuß 5ur Vorbereitung der Feier von Schillers lOOsährigem Todes- umer dem Ehrenvoriitz.der Fürstin Erbach-Schönberg bat sich heute abend, destnttiv tonjtituiert. An Stelle des nach Stutt- sart berufenen mtherigeu prov. Vorsitzenden Prof. Harnack tr t der,Vorsitzende des Joumalistm- und
^d)nftsteller-Verems, der als eigentlicher Anreger der Feier nun- hat. Zum Stellvertreter wuroe Ober-
lehier ^autenjchlager .annt. Es wurde beschlossen bas w r n tettorat er Koni, Hoheit des Großher7ogs ,u der oeier nachzuiuchen. xu Finanzierung der Feier wurde dahin
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mnigetommen. Der Schaden der Pächter übersteigt 200000 Mark. Einiges Vieh in den Eisenbahnwagen war am Neu^ jcchrsmorgen trotz des langen Aufenthalts im Wasser noch am Leben; es gelang, etwa 20 Stück zu retten. Ein Tier, das die ganze Nacht auf t>cm Stall der Qju ar an taue an st alt gestanden hatte, wurde gleichfalls gerettet. .
* Ein Mißerfolg des Tabakmonopols in Frankreich scheint in den neuesten statistischen Veröffentlichungen rückhaltlos eingestanden zu werden. Der Verkauf von Schnupftabak ist seit dem Jahre 187a von fast 7 Millionen auf etwas über 4V2 Millionen Kilogramm gefallen. (Der Schnupftabak wird fast überall mehr und mehr von der Zigarette verdrängt.) Der Kautabak, der seine Liebhaber unter den Seeleuten findet, hat die alte Anziehungskraft behalten, denn die Verkaufsmenge ist fett 1875 mit etwa 1025 000 Kgr. nahezu unverändert geblieben. Ten größten Erfolg haben in dieser Zeit die Zigaretten erzielt, deren Verkauf sich beinahe vervierfacht hat, mrmlicl) von 512000 auf 1928 000 gestiegen ist. Es scheint neuerdings mehr Mode geworden zu sein, sich die Zigaretten fertig zu kaufen und nicht mehr selbst zu drehen, woraus sich ein Gewinn für die Verwaltung ergeben hat, weil Der Preis der fertigen Zigaretten den des geschnittenen Tabaks um einen höheren Betrag übersteigt, als er nach den Herstellungskosten gerechtfertigt wäre. Der Verkauf der gewöhnlichen Zigarren ist sehr merklich zurückgegangen. 1875 wurden 2 257 000 Kgr. Zigarren zu 51/2 Centimes verkauft, 1902 nur noch 1350 000. Die Zigarren zu 51/2 Centimes fielen sogar von 560 000 auf 1,9 000 Kgr. An- dererseits hat sich der Verkauf der teueren Zigarren für 10 Centimes und mehr, die entweder direkt aus der Ha- vannah bezogen oder mit Havannahtabak fabriziert werden, mehr als verdoppelt. Wenn ttotz der teilweise günftigen Erfolge die Einführung des Monopols als eine verkehrte Maßregel angesehen wird, so geschieht das unter Hinweis auf den Mißstand, daß die Verwaltung nicht in der Lage ist, die günstigen Bedingungen einer guten Ernte auS- zunutzen, uni sich einen Vorrat guter Qualität zu ver- chafsen. Sie ist vielmehr wegen der Art der Geldbewil- igung seitens der Kammer genötigt, ihren Einkauf und die Fabrikation gewissermaßen von Dag zu Tag zu regeln und sieht sich somit der Gnade der Produzenten und Spekulanten ausgeliefert, auch abhängig von der Beständigkeit ihrer Arbeiter, die durch Veranstaltung eines längeren Streiks sie in die schwerste Verlegenheit versetzen können. Diese Ausführungeii stammen nicht aus ,irgend einem Parteiorgan, sondern aus deni „Journal für indirekte Steuern", einer amtlichen Zeitschrift für Statisttk.
* Mehr als 121/2 Millionen Neujahrsbriefe wurden in diesem Jahre wieder in Berlin aufgegeben. Im eigentlichen Neujahrsverkehr, d. i. in der Zeit vom 31. Dezember 1904 5 Uhr früh bis zum 1. Januar 1905 11 Uhr abends, betrug die Stückzahl dec bei den Postämtern in Berlin aufgegebenen Stabtbricfc in diesem Jahre 10 922 000. Gegen das Vorjahr bedeutet dies wieder eine beträchtliche Zunahme um 282 300 Stück. Nicht in Betracht gezogen ist der Eingang von auswärts, der mit zwei Millionen eine Steigerung von etwa ein Drittel gegen das Vorjahr erfahren hat.
* Erne amüsante Geschichte berichtet mait dem „Fränk. Kur." aus Behringersdorf: Immer hat er doch nicht recht, der alte Ben Akiba mit dem Ausspruche: Alles schon dagelvesen. Daß eine reisende Dame mit einem Abortdeckel — als einzigem Gepäck — den Zug keuchend besteigt, ihn sorgsam unter denr flatternden Uederivurf verwahrt, während der Fahrt erst den unangenehmen Irrtu,m erkennt mi5 unter homerischem Gelächter der Mitreisenden entsetzt zum Fenster hiuauswirft — ist vor einigen Tagen einer dem Handelsstande angehörigen Tame passiert. Sie hatte sich zu dem verschwiegenen Ort des Bahnhalteplatzwärters in Scywaig begeben, als der Zug heranbrauste; den handlichen Abortdeckel am Griff erfassen und hastig einsteigen — den Handkorb aber stehen lassen, das war eins.
* Hygienische Trocknung von Neubauten. Das Austrocknen von Neubauten und feuchten Räumen geschieht, da die natürliche Trocknung durch Sonnenwärme allzn langwierig ist, meist aus künstlichem Wege durch offene Kokskörbe, die aber auch ihren Zweck nur unvollkommen
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag, den 8. Januar 190°, I. „ach Epiphanias.
LandesmiII'onSIcst. p •* 1
Hottesdtenst.
In der Stadttirche.
Vormittags 9 J/2 Uhr: Pfarrer Schwabe
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die'Markusgemeinde.
Abends 5 Uhr: Pros-Ifvr O. StamSchwabe.
laale, Kirchstratze 9,^ Bibelstimde^s. Coriitth., Kap?ll'"' 3,lartuä' _____ Pfarrer Schwabe.
m Ju der IohauneSkirche.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Euler
geinci»bcVmi“a9S “ ' Kindergottesdienst für die Lukas.
Vb-nds 5 Uhr: Pkarrafsistent SchulzEuler.
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Atonlag, öen 9. Januar tihnnhc? « n। sn ‘। t a er-*- ääs
_ Pfarrer Euler. '
Katholische Gemeinde.
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So NN tag den 8. Januar 1905.
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6t6 4L Juli m München siattfindet, und die Landesausstellung der landwittschaftlichen Vereine des Großherzog- strmS, welche im September in Mainz stattfinden soll, geben ben landwirtschaftlichen Vereinen und den bestellten Kom- nisfionen schon jetzt Aufgaben, die in nächster Zeit zur Erledigung kommen müffen. Die Münchener Ausstellung wird beschickt mit etwa 16 Vogelsberger Rindern. Die Auswahl der Tiere muß schon jetzt erfolgen, da die Zahl dieser Tiere am 20. Februar angemeldet werden mnß. Außerdem werden wohl in München an Thieren voraussichtlich noch Ziegen )mb Schweine ausgestellt. Die Vogelsberger Rinder werden aus allen Ausstellungen anerkannt und mit ansehnlichen Preisen bedacht. Man schätzt sie als gute Nutztiere, die alle Anforderungen erfüllen, die der kleinere Landwirt an sie stellen muß. Es läßt sich erwarten, daß unsere Vogelsberger auch von München preisgekrönt zurückkommen werden. Die Landesausstellung in Mainz wird selbstredend aus der Provinz Oberheffen reichlich beschickt werden. Diese Ausstellung wird zugleich eine Jubiläums-Ausstellung fein, denn es werden nunmehr 75 Jahre, daß unsere landwirtschaftlichen Provinzialvereine bestehen. Eine Festschrift wird die Tätigkeit dieser Vereine, die in dieser langen Zeit zum Segen der hessischen Landwirtschaft gearbeitet haben, schildern und den Mitgliedern der landwirtschaftlichen Vereine und sonstigen Jntereffenten zugänglich gemacht werden. — Vielleicht zum letzten Male wird es sein, daß die landwirtschaftlichen Vereine als solche eine Ausstellung ins Leben rufen, denn voraussichtlich bald wird die jetzige Organisation abgelöst werden durch die Landwirtschastskammer. Der Gesetzentwurf liegt der Kammer vor und eine Kommission ist bereits in Tätigkeit, den Entwurf der Regierung zu prüfen.
RB. Darmstadt, 5. Jan. Der Finanzausschuß der zweiten Kammer nahm heute vormittag seine Beratungen über den neuen Staatshaushalt wieder auf. Es wurden vorzugsweise die während der Weihnachtsfestpause fertiggestellten Berichte der einzelnen Ausschußreferenten verlesen und bis Kapitel 52 genehmigt. In der morgigen Sitzung, an welcher auch Vertreter der Regierung teilnehmen werden, sollen die weiteren Berichte über den Rest des Verwaltungsetats fertig gestellt werden, worauf dann die Beratung des zweiten Abschnitts des Etats, des Vermögensetats, beginnt. In etwa 14 Tagen dürften dann die gemeinsamen Beratungen des Finanzausschusses bei den Kammern statt- finden, worauf nach Drucklegung des Ausschußberichts Anfang Februar die Etatsberatung in der zweiten Kammer ihren Anfang nehmen kann.
Kleine Akitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der japanischen Hauptstadt Tokio starb der namhafte Chirurg Scriba, ein geborener Darmstädter.________________________________________________
vermischte».
* Delitzsch, 5. Jan. Die Lokomotive des Güterzuges 8510, von Leipzig nach Magdeburg, geriet heute bei der Einfahrt in den Bahnhof an einer Weiche auf ein falsches Gleis und fuhr aus einen Rangierzug, während die Güterwagen auf dem richtigen Gleise blieben. Die ersten drei Wagen des Rangierzuges wurden aus dem Gleise geschleudert, wobei zwei derselben umstürzten und zertrümmert wurden. Der Zu gführer, der sich im ersten Wagen befand, ist anscheinend schwer, der Lokomotivführer leicht verletzt. Beide Lokomotiven sind wenig beschädigt. Dec Materialschaden an Güterwagen ist ziemlich bedeutend. Der Verkehr wb eingleisig aufrecht erhalten.
* Rom, 5. Jan. Die ^Capitale" mclbet: Die Gräfin M ontignoso hielt sich unter bem Namen einer Prinzessin Murat vier Tage in Rom auf. Sie reifte gestern abenb nach Sarzana ab. Sie sei nach Rom gekommen, um ben Pap st nm seine Vermittelung beim sächsischen Hose zu bitten. Dieser sagte ihr Worte des Trostes und des Mitleids, versprach ihr aber nicht eine Vermittelung zur Wiedcr- aussöhnung mit dem König von Sachsen. Die Worte des Papstes enttäuschten die Gräfin schwer. Sie kehrte sehr bewegt und völlig entmutigt in ihr Hotel zurück.
* Der liebenswürdige Kriegsmini ster. Ein eigenartiges Geschichtchen von dem preußischen Kriegsminister und den Königsberger Juden berichtet die „Welt am Montag": „Für die otthodoxen Juden gibt es eine Vorschrift, daß sie am Samstag nur im geschloffenen Raum etwas tragen dürfen. Nun legten sich die Königsberger orthodoxen Juden die Sache so aus: Die Festung ist ein geschlossener Raum, also dürfen unsere Kinder am Samstag die Mappen zur Schule tragen. Daher große Verlegenheit, als kürzlich ein Teil dec Mauer fiel, um eine Straße nach einer außenliegenden Villenkolonie anzulegen. Man wandte sich an den kommandierenden General, der die Mauer wieder
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Dresden^ 5. Sau Ti- ftmfk- .Str°kk°mmer- b-rurk-Nk- ben betonten 9iomaiiic£)tiftfielter Fre l v - r r „ v O m p t e da wegen Pistolcnduclls mit bem Rr tm-lster vupteto „ drei Monaten Festung. Ti- Uri* d-s ^"-Us war ein Eh-drama im Ompteba'sch-n Vans-. , „ .
Eine angenehm- Schwiea - rmu t t c r rst w RnmmetSbu.rq Irbrnbe g-rau Emilie Schmager, die sich am . woch wegen wissentlich falscher Anschnlbrgnug nur d- .3. Str“' kammer des Landgerichts II in Berlin zn verauiworteu hatt- Sie hatte bei der Lichtenberger ONs-Polw-tbchord- -ui- Anz.g erstattet, in welcher st- ihre zu d!cu-W-is;etts-e wohnhaft- Schn ug tvchter beschuldigte, ein Kind arg zu veruach a srg«r ,md AgeE! verhungern zu lassen. 'Metern b-ichuld:gt- st- d - «-g-r toditcr noch eines Verbrechens gegen kennendes Leb^n am Grund dieser Anzeige eiugeleitete Erunttelungsversahren ergab bic völlige Grundlosigkeit dieser Beschuldigmigen, dft ^uch durch die gestrige Beweisaustlahme alS gänzlich hinfällig erwiesen wuroen. Tier Gerichtshof verurteilte ine Angeklagte wegen der von rhr bewiesenen Z-rivolität zu 6 Monackn Gefängnis
3 u r D i e n ü b o t e n p l a g e. Schlächtermeister Emll Kruger und seine Frau Ottilie zu Rummelsburg bei Berlin hatten in der Bußtagswoche des Jahres 1903 nicht weniger als dreimal nn neues Dienstmädchen engagieren müssen. Tre erste war eine ram- uierte Tiebrn, die Knall und Fall an die Lu t gesetzt werten mußte, um größeren Schädigungen an Hab und Gut vorzubeugen. T-ie zweite Maid liebte es, bei ihren Hausarbeiten sich durch einen frischen Trunk zu stärken, ben sie sich aus der nahen Destillation verschaffte. Tie der Trunksucht verfallene Nummer Zwei wurde entlassen und Nummer Trei gegen Zahlung von 7 Mark Mietsgeld engagiert. Ihre Passionen waren noch gefährlicher, als die ihrer beiben Vorgängerinnen. Das zeigte sich, als das Ehepaar Kruger am Bußtage abends nach L>ause zuruct- kehrte. Tie Wohnungstür war zunächst unter Beseitigung von Hindernissen zwangsweise geöffnet worden. Tann bot sich dem Ehepaar eine große Ueberraschung bar. Im Schlafzimmer, in welchem auch bic Kinder des Ehepaares schliefen, fanden sie das Tienstmädchen Olga in zättlicher Umarmung mit einem ftemden Manne, der sich als der Schmied Schuchert und Olgas Bräutigam entpuppte. Eine von Frau Krüger bereitete Lanüleberwurst und ein Paar Stullen hatte die Olga schon zum Slbschiedsessen für ihren Bräutigam zurechtgelegt. Schuck-ett wurde von Kruger nach Verabfolgung einer derben Lektion vor die Tür gesetzt. Jacke, Weste, Ueberzieher und Uhr ließ Sck)uchert in der Krüger'fchen Wohnung zurück, die Landleberivurst und die Stullen nahm er aber bei der eiligen Uucht mit. Olga wurde sofort entlassen. Ihr Galan war in eine nahebeibelegene Gastwirtschaft geflüchtet, forthin folgte ihm Krüger, der in Gemeinschaft mit seiner Frau Ersatz des für die Olga gezahlten Mietgeldes verlangte, andern- inll3 werde er Jacke, Ueberzieher und Uhr nicht herausgeben. Wad) längerem Sträuben zahlte Schuchert 3 Mark. Deshalb er- jolgte gegen die Eheleute Krüger Anklage wegen Erpressung. Bor der Strafkammer behaupteten die Angellagten, daß sie sich für vollständig berechtigt hielten, Ersatz des Mietgeldes zu bton* spruchen. Da sie nicht Lust hätten, in einer Woche Dreimal 7 Mark dlos an Miet gelbem aufzuwenden. Tier Gcttdstshof nahm zwar das Vorliegen einer Erpressung an, sprach aber die Angellagten jrei, weil ihnen das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit fehlte, als sie 7 Mark als Ersatz "von Schiichert verlangten, durch dessen Schuld sie gezwungen waren, das dritte Dienstmädchen in der Wod)e entlassen zu müssen, zumal Schud)ett das Tienstmädchen unbrauchbar für den Tienst gemacht habe.
Kanbcl und Herkeyr. Dotiiswirtschaft.
11 eher das Verbands wesen im Jahre 1904. Der Zusammenschluß von industriellen Unternehmungen zu Verbänden war im abgelaufenen Jahr nicht so stark, wie 1902. Tas meiste auf diesem Gebiete leistete die Zementindustrie. Allerdings ein allgemeines deutscl-es Zementkartell kam nidjt zu stände, wohl aber wurde eine ganze Reihe von Spezial- oder Bezirksoerbandeir geschaffen. Tie süddeutschen Zementfabriken sdstossen sich zusammen und es konnte am 1. Januar 1904 das Süddeutsche Zementsyndikat ms Leben treten. Von bem Vertaufsverein rheinisch-westfalischer Zementwerke ging bann der weitere Anstoß zu Unterverbänden aus. Am 3. Oktober lourde ein Verkaufsverein mitteldeutscher Zementwerke, am 6. Oktober das Rheinisch-Westfälische Zementsyndikat, am 11. Oktober eine Preiskcmvention der unterelbischen Zementfabriken, am 31. Oktober eine Konvention der hannoverschen Zcmentfabriken mit Anschluß an ben Braunschweiger Betrieben gebildet. Es sind, wie festgestellt wurde, jetzt wieder die fämt- lichen territorialen Unterverbände vorhanden, wie 1900. Eine offene Frage ist es auch jetzt iwch ob bas allgemeine Deutsche Scmenttartell zu staube kommt. In ber Leber ind ustrie sind alle Bestrebungen, einen Zusammenschluß herbeizuführen, gescheitert. In der Eisenindustrie ist nach Gründung des Stahlwerksverbanbes ein gewisser Rückschlag eingetreten. Der Syndizierung der Produkte B durch den Stahlwerksverband stellten sich erhebliche Sck)wierigkeiten entgegen. Ein Zusammenschluß der einzelnen Trahtverbände scheiterte. Tann kam, wie bekannt, die schwerwiegende Verlängerung der Bled)verdände nicht zu stände Trotzdem hat im allgemeinen der Stahlwerksverdand an innerer Kraft gewonnen; Beweis dafür ist. daß mit den obecschlesisdreN Werken eine vollständige Einigung erzielt wurde. Aud) sind verschiedene wichtige Abmachungen wegen Verteilung Der Ervvtt- aufträge getroffen worden. Ties wären die Hauptindustrien die sich, mehr, oder minder stark mit der Kartellierung beschäftigten


