Freitag, den 22. Sept.,
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Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 4. September 1905.___________
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Kunst und Wissenschaft.
— Frankfurter Oper. Man schreibt uns: Wagner's Ring des Nibelungen wird in der Zeit vom 13. bis
gold"; Freitag, den 15. Sept., 1. Tag ‘ c'n" - e ’ie^//
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— Aus Stockholm wird gemeldet, daß eine Teilung der Nobelstiftung vorbereitet wird. Die Preise für Schrifttum und Wissenschaft sollen künftig von den Schweden, der Friedenspreis von den Norwegern verteilt werden. (23. Z.)
— Eine tragikomische Theater-Anekdote erzählt der jüngst verstorbene, übrigens mit unserem Wilhelm Oncken befreundet gewesene Prof. Bult Haupt in seinen dramaturgischen Skizzen. „Als bei einer Vorstellung des Fiesto im Leipziger Stadttheater Gianettino im letzten Akt erstochen auf der Bühne lag und die Statisten die Leiche fortzuschassen Miene machten, ergriffen sie, die als Abräumer gewohnt sind, alles, )oas von ungefähr auf der Bühne liegt, aufzusammeln, auch Hut und Mantel des Erstochenen, eben jenen £>ut und Mantel, welche Leonore finden und zu ihrer Verkleidung benutzen muß, und schleppten sie fort. Da ertönte aus der Kulisse der Angstruf des Fraulein Steinburg, welche die Leonore gab: „Liegen lassen!" Und die Braven legten Hut und Mantel und — den Gianettino wieder auf die Erde. Erst als dieser ihnen hörbar zuflüstertc: ..Nein, mich nickt!" kam wieder Ordnuna in die Sacke."
Hauses entgegengenommen.
— Das neue Nürnberger Stadttheater, das dieser Tage festlich cingewciht wurde, repräsentiert sich auch als Baudenkmal so künstlerisch schön, daß es schon als solches zu den Sehenswürdigkellen der zweiten Stadt Bayerns künftig gerechnet werden muß. Der interessante Bau, der in den Jahren 1901 bis 1905 von Seeling (Berlin) fertiggestellt worden ist, imponiert bereits durch seine 41 Meter breite Fassade, die sich in ihrem Stil an den des alten Rathauses anschließt, mit besonderer Berücksichtigung des Renaissancehofes. Mit feinem künstlerischen leiste war man auf die Einheitlichkeit des bildhauerischen und malerischen Schmuckes der Innen- wie Außenräume bedacht. Die Hauptsront krönt eine Kränze und Lorbeerzweige spendende Noris (kann der erhoffte Bühnenerfolg besser charakterisiert werden?); dann sehen wir reckts und links die zwei Figuren des „lustigen Rates" und des -„Meistevsängers". Tas große, in Stein ausgefülirte Schlußrelief des Triuniphbogens zeigt uns Erda mit Aehrenkroue und Widderköpfen, zeigt uns Urd, Naranda und Skuld, die Nowren unter dem Wellenbaum. Den Schluß des dekorativen Schmuckes der 23orderftont bildet — als Ueber- gang zur deutschen Poesie — Dornröschen, von Rosen und Dornen umschlossen. Im Gegensatz zu außen hat das Innere des Hauses einen mehr modernen, aus dem Leben geschöpften künstlerischen Schmuck erhalten. Eine Sehenswürdigkeit des Hauses wird das in Gestalt einer offenen Halle erbaute Foyer sein; auch hier gibt es prächtigen bildnerischen Schmuck. Eine Neuerung der Gesamtanlage aber bedeutet die völlige Zusammenziehung der Rangumgänge und des Foyers und die Gestaltung der sell-
Vermtjdfrus»
>artatt, 4. Sept. Gestern nachmittag wurde die beim Kürort Wilhelmsbad vmr Stadt und Landkreis Hanau gemeinsam errichte Bismarcksaule fererllchst eingeweiht. Die Festrede hielt Gvmnasialdirektor Dr. 23raun aus Dann.
* Eisenbahnunfälle. In Suhl (Thüringen) erfolgte ein Zusammenstoß zweier Lokomotiven auf dem Bahnhöfe, wobei ein Lokomotivführer getötet und ein Heizer schwer verletzt wurde. Beide Lokomotiven sausten davon, durchbrachen die Wände mehrerer Gebäude und richteten großen Schaden an. — Am Sonntag abend stieß der Zug Nr. 399, der Thale um 81/4 Uhr verläßt und um 10 Uhr 56 Min. in Magdeburg eintreffen soll, etwa 300 Meter vor dem Bestimmungsort auf eine Rangiermaschine. Verletzungen kamen nicht vor, dagegen ist der Materialschaden groß.
"Was ist ein ,,Dr." wert. Eine billige Taxe ftn- 6en wir im Anzeigenteil des „Berl. Tagebl." Nr. 442: „Zur Firmengründung Herr mit Doktortitel gesucht; Fakultät gleich- güttig. Entschädigung 100 Mark. Gest. Zuschriften unter R. P. 4236 an die Exped. d. Blatt., Berlin, Potsdamer- sttaße 33." Eigentlich sollte die uns unbekannte, aber offenbar sehr vortreffliche neue Firma dem Firmen-Doktor doch so viel anbieten, als er an Gebühren, Druckkosten rc. für seinen „Dr." bezahlt hat, und dafür werden 100 Mark nicht langen. Vielleicht ist es aber dem Reflektanten gestattet, auch noch andere , Firmen" zu ,gründen", und dann bringt -6 die Masse.
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der Berufungsinstanz ist Frau v. Lenbach jetzt zur Herausgabe des Kindes verurteilt worden. Die Gerichte nehmen an, daß für das Verhältnis der Frau Professor Schweninger zu ihrer Tochter der Art. 203 des Einf.-Ges. zum V. G. 23. maßgebend ist, nach welchem das Rechtsverhältnis zwischen den Eltern und einem vor Jnkraft» treten des B. G. 23. geborenen ehelichen Kinde sich jetzt nach den Vorschriften des 23. G. 23., nicht nach Landesgefetz bestimmt. Die in Frage kommenden Paragraphen des 23. G. 23. legen aber der Mutter, die sich anderweit verheiratet hat, das Recht und die Pflicht aus, für ihr Kind zu sorgen (§ 1697), und diese Sorge um- aßt (nach §§ 1681/2 das Recht und die Pflicht, das Kind zu erziehen, 51t beaufsichligen und seinen Aufenthalt zu bestimmen. An diesem gesetzlichen Fürsorgerecht der Frau Prof. Schweninger habe weder die letztwillige Verfügung Lenbachs über die Erziehung einer Tochter Marion noch der zwischen ihm nnd der Klägerin vor >er Scheidung geschlossene Auseinandersehungs-Verttag etwas ändern können.
Kerichtsjaal.
Oppeln, 2. Sept. Die Strafkammer verurteilte den Fried- üofsinfpektor Karl Piechullek, der am 3. August a u f d e r H i r s ch- 1 a gb den Kolonisten Kolodziej aus Geovgenwerk aus Fahrlässigkeit erschossen hatte, zu sechs Monaten Gefängnis. ,
Das Kußrecht des Ehemannes. Auch unter erschwerenden Umständen darf der Ehegatte seinen Anspruch auf Gewährung eines Kusses bei seiner „besseren" Hälfte geltend machen. Vor dem Bezirksgericht der Wiener Josefftadt hatte sich der Wurstmacher Laurenz Lacksinger wegen Mißhandlung seiner Frau zu verantworten. Ms sie eines Morgens mit dem Aufräumen des Schlafzimmers beschäftigt war, kam der Mann aus dem Geschäftslokal herein und wollte sie küssen. Sie ivendete sich ab und wollte nicht in der Arbeit gestört fein. Der Mann wollte seinen Willen durchsetzen und wendete Gewalt an, indem er sie so fest am Arme faßte, daß sie vor Schmerz aufschrie. Als er sie nicht losließ, versuchte sie das Fenfter zu öffnen, damit man ihr Sckwcien höre. Doch der Mann hinderte sie und würgte sie am Halse. Sie riß sich los, lief zur Polizei, lieh sich die blauen Flecke am Arme und die roten Streifen am Halse attestieren und lehrte nicht mehr in 'das Haus chres Mannes zurück. Der kußbegierige Ehegatte Ivar des Tatsächlichen geständig und machte gellend, daß ihn die Frau gereizt habe. Der Richter sprach den Angeklagten frei, da eine Neber- schreitung seines Zü ch t igungsr e cht es nicht vor- li ege.
Ein Prozeß um das Kind. Die geschiedene Gattin des Malers Pros. Dr. v. Lenbach, die sich mit dem Professor Schweninger wieder verehelicht hat, hatte gegen die Witwe des Künstlers, Frau Charlotte v. Lenbach, einen Prozeß auf Herausgabe ihres erstehelichen Kindes, Marion, angestrengt, itn$
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Weizen 100 5tg. 18.00 'JJif. «Weißbrot 2 Kg. 52 Psg.
Roggen (neuer) 100 Kg. 15.50 Mk. fLchwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg.
Märkte.
Gieße«, 5. Sept. Riarktbericht. Auf heungem Wocvenmarll kosteten: Butler pr. Pfd. 1.15—1.20 Hühnereier 1 St. 7—8 Pfg. 2 Slck. 00—00 Pfg., Gänseeier 15—00 Pfg., Enteneier 6—7 Pfg., Käse pr. Stck. 6—8 Pf.,' Käsematte 2Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,80-0,90 Dtk., Hühner pr.St. 1 00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 55—65 Psg., Ochsenfleifch pr. Pfd. 72—82 Pfg., Kuh-und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweme- leisch pr. Pfund 76—86 Pfg., Schweinefleifch, gesalzen, pr. Pfund 90 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Pfg. Welsche per Pfund —Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—8,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk^ Milch per Liter 20 Psg., Aepfel per Zentner 0 bis 0 Mk* in Körben 00 Pfg., Kirschen pr. Pfd. 00—00 Pfg., Zwetschen per Zentner 0.00 Mk. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15 ML Marktzeit 7—1 Uhr.
□ Bleichenbach, 4. Sept. Der H er b st - S ch w ei« e* in ar ft war bei gutem Wetter von Verkäufern und Käufern gut besucht. Sehr schöne Ferkel waren in großer Zahl aufgefcchren Die Preise waren besonders für jüngere Ferkel sehr hoch, pro klopf luurben für 6 Wochen alte Tiere 16—18 Mark bezahlt. V,jährig< Einleger kanren pro Paar auf 125—130 Mark. Die Preise waren wohl zu hoch; deshalb wurden viele Tiere unverkauft wieder abgetrieben.
Spielpla« der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus.
Dienstag den 5. September*): „Tannhäuser." Mittwoch bat 6. September, abends halb 8 Uhr: „Tie Geisha." Donnerstag bat 7. September: „Lucia von Lammermoor." Freitag den 8. September: „Zar und Zimmermann." Samstag den 9. September: „Oberon." Sonntag den 10. September: „Samson und Dallla/ Montag den 11. September: „Violetta."
!* •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
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22. September uni) zwar an nachfolgenden Tagen zur Aufführung gelangen: Mittwoch, den 13. Sept., Vorabend: „Das Rhein- ~ '■ 1 j; ,Die Walküre"; ALow-
tag, den 18. Sept., 2. Tag: „Siegfri.
2. Tag: „Götterdämmerung". Vor . „ .....
weiden von Mittwoch, den 6. September an den Kassen des Opern-
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Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.
September 1905.
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Höchste Schlachtviehpreise in Frankfurt a. 9)1.
Fleischpreise in Gieße"
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50 Kg. Schlachtgewicht 78—80 Mk.
Kg. Schlachtgew. 86—90 Pf.
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7, Kg. 70-80 Pfg.
7» r 70—74 „
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Getreidepreise in Mannheim
Brotpreise in Gießen
Kreisblatt für den Krds Gietzen


