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5.4.1905 Erstes Blatt
 
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roerbm.

Ausland

Univ ersität Studenten sind neymen.

Wie man

flüchten.

Das Ministerkomitee beschäftigte sich am 4. d. Mts. mit der Beratung des die Revision der Rechte von Ausländern und Eingeborenen besonderer Reichsgebiete betreffenden Punktes 7 der kaiserlichen Verord­nung vom 25. Dezember 1904 in seiner Anwendung auf die westlichen Gouvernements. Das Ministerkomitee beschloß die Abschaffung einiger Bestimmungen, welche den Grunderwerb für polnische Untertanen erschweren, mit der Einschränkung, daß die Gesamtoberfläche des polnischen Grundbesitzes nicht auf Kosten der russischen Grundbesitzer vermebrt wird. Das Komitee beschloß ferner, den Rechten der Polen auf An­stellung im Staatsdienst eine genauere Auslegung zu geben.

Die Frühjahrsparade, welche alljährlich vom Zaren in Begleitung des gesamten kaiserlichen Hauses ab­gehalten wird, sindet in diesem Jahre nicht statt, ein Fall, der in der russischen Geschichte einzig dasteht. Auch die Herb st Manöver in Zarskoje Sselo sind für dieses Jahr abgesagt.

Kaiser Wilöclms Meerfal-rt.

Maddalena (Sardinien), 4. April. Der Semaphor signalisierte heute abend die Durchfahrt derHamburg", die, vomPrinz Friedrich Karl" begleitet, nach Neapel geht.

Athen, 4. April. Der Kaiser wird am 10. ds. Mts. in Korfu mit dem König von Griechenland zusammen­treffen.

voll besetzt werden. t

** Fleischer-Innung. In der gestrigen General­versammlung wurde anstelle des verstorbenen Obermeisters Pirr der seit 15 Jahren stellvertretende Obermeister Ernst Ludwig Sack per Akklamation gewählt.

** Zur Frage der Lotteriegemeinschast wird uns heute aus Darmstadt geschrieben:

Aul Grund bester Jnsormationen formen wir versichern, daß entgegen anderweiten Nachrichten Liber die preukischchesiischen Lotterieverhandlnngen an einen A b s ch l u ß derselben vorläufig n i cd t a u denken ist, e4 auch noch fraglich erscheint, ob ein solcher ü b e r h a u p t zu Stande kommen wird. Zunächst steht nur das eine lest, daN zwischen Hessen und den Thüringischen Vertragsstaaten volle Ueberein- st i m m u n g herrscht, die auf der jüngsten Konferenz in Eisenach erreicht wurde. Tie Behauptung, daß Preußen eine Million jähr­liche Entschädigung an Hessen zahlen werde, ist völlig willkürlich; laliachlich ist über die Höhe der Entschädigung überhaupt noch nicht verhandelt worden. Bezüglich der Ent» ch L d i g u n g der h e j s i s ch e n K o l l e k t e u r e hat der Finanz

Aeullch-Siidwestalrika.

Berlin, 4. April. Wie der kaiserliche Generalkonsul in Kapstadt unierm 4. April mitteilt, ist nach dem Bericht der englischen Grenzpolizei Abraham Morris aus dem Rückzüge gefallen. Dagegen ist Mar eng o aus den Korasbergen vertrieben und nach Oliiantkloof bei Kunobis geflohen. (Kunobis liegt auf deutschem Gebiet dicht an der Grenze nach Betschlianaland, ungefähr 22 Grad südlicher Breite, Olifantkloof liegt südwestlich davon in Betschuana- laüd.) Die Kapregierung sandte sofort Patrouillen nach der Kalahari.________________ __

«Heer und Alotte.

Berlin, 4. April. Dem Vernehmen nach werden die vom Reichstage bewilligten neuen Kavallerie-Regimenter als RegimenterJäger zu Pferde" formiert und behalten ihre seitherige Ausrüstung, zu der, soweit es nicht bereits der Fall ist, auch die Lanze tritt. Dies gilt indessen nur für die preußische Armee. Sachsen beabsichtigt, ein Husarenregiment und ein Ulanenregiment zu errichten, Bayern stellt roal)^ cheinlich ein Eheveaurleger-Regiment aus.

fort. In Tiflis haben neuerdings blutige Exzesse statt- gefunden. Auch in den baltischen Provinzen ist die Ruhe noch nicht wieder hergestellt. Die Behörden von Riga haben, um eventuelle Unruhen infolge der Anwesenheit Maxim Gorkis vorzubeugen, letzterem die Erlaubnis gegeben, nach der Krim abzureisen. In Petersburg selbst ist die Ruhe nur scheinbar. Wie uns mitgeteilt wird, sind auf Grund der seiner Zeit bei dem durch die Explosion einer Bombe im Hotel Bristol getöteten Nihilisten gefundenen Aufzeichnungen 14 Personen verhaftet worden.

Ein Unbekannter erschien, wie aus Warschau gemeldet wird, im Hospital der Vorstadt Praga und gab zwei Re­volverschüsse auf den bei der Explosion im Hofe der Pragaschen Polizeiverwaltung am 26. März verwundeten, im Hospital liegenden Polizeibeamten Sarapa ab. Dieser wurde an der Schulter verwundet. Der andere, dort eben­falls in Behandlung befindliche Polizeibeamte wurde infolge-

demN. W. Abendbl." von gut unterrichteter

Aus Stadt uud Land.

Gießen, 5. April 1905.

* Personalien. Uebertragen wurde dem Schul­amtsaspiranten Schmidt aus Sprendlingen, im Kreise Offenbach, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Knoden- Schannenbach, im Kreise Bensheim.

Hundesperre. Es ist ein zweiter Hund, bei welchem starker Verdacht aus Tollwut vorlag, in die hiesige Veterinär­anstalt eingebracht worden. Da der Hund alsbald verendet ist, mußte der Kopf zur weiteren Untersuchung an das König­liche Institut für Infektionskrankheiten eingeschickt werden. Wir weisen deshalb wiederholt daraus hin, daß Hunde nicht frei herumlaufen und auch nicht ohne polizeiliche Er­laubnis in eine andere Gemarkung verbracht werden dürfen. Da der dringende Verdacht besteht, daß in den beiden hier bekannt gewordenen Fällen Tollwut vor­lag, sind die polizeilichen Anordnungen strengstens zu be-

Die Gemäldeausstellung am Brand bleibt wegen der Weitersendung der Kollektion von Paul Schad- Rossa, am morgigen Donnerstag und am Freitag, ge-

ist es dem Mörder des Ministers

dessen in das Militärlazarett gebracht.

Den Studenten in Warschau ist auf Verfügung des Unterrichtsministers bekannt gegeben worden, daß die Warschauer bis auf weiteres geschlossen bleibt. Die entlassen und können ihre Papiere in Empfang

große Heiterkeit erweckte. Neben ihm wetteiferten die anderen, um die Stimmung und frohe Laune unter dmr Zuhörern wachzuhalten. Herr Lüttjohann rezitierte in vorzüglicher Weise plattdeutsch und Herr de Giorgi env fesselte mit Gedichten in Frankfurter Mundart stürmome Heiterkeit. Einen tragischen Schluß bildete die schillern sächsisch nachempfundenetraurige Geschichte von der Kabale und Liebe", die Herr Conradi heraufbeschwor. Nächsten Freitag abend wird, wie wir hören, der Vortragsabend wiederholt, und zwar sollen VolksVorstellungs­preise erhoben werden. Dann wird das Haus noch einmal

Deutsches Reich.

Berlin, 4. April. Bei dem Grasen und der Gräfin Bülow fand heute abend ein Diner statt. Einladungen ergingen u. a. an die Präsidenten der Parlamente mit ihren Damen, die Reichstagsmitglieder v. Normann, Gras Oriola mit Gemahlin usw. .

Der Oberlandesgerichtspräsident, Wirkl. Oberjusnz- tat Dr. Eccius ausEassel ist zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz sowie zum Präsidenten der Justizprüfungskommission ernannt worden

Tie Revisionssumme beim Reichsgericht wurde, wie die Nationalztg." berichtet, von der Reichstags- 'kommission zur Vorberatung der Zivilprozeßnovelle von 1500 auf 2500 M k. h er au fg e se tz t.

Die Matrikularbeiträge fürl905 belaufen sich nach den Beschlüssen des Reichstages in dritter Lesung auf 226,6 Mill. Mk. oder ans 30,1 Mill. Mk. mehr als im Etat für 1901. Auf Preußen entfallen davon 163,8 Mm. Mark oder 18,3 Mill. Mk. mehr, auf Bavern 28,3 Mill. Mark oder 3,5 Mill. Mk. mehr, auf Sachsen 19,9 Mill. Mark oder 2,2 Mill. Mk. mehr, auf Württemberg nahezu 10,1 M ill. Mk. oder 1,2 Mill. Mk. mehr, auf Baden 8,9 Mill. Mk. oder nahezu 1 Mill. Mk .mehr. Elsaß-Lothringen wird 8,2 Mill., Hessen 5,2, Mecklenburg-Schwerin 2,6, Braunschweig 1,9, Oldenburg 1,7, Sachsen-Weimar 1,5, An­halt 1,3, Sachsen-Meiningen 1,1 Mill. Mk., jeder der übrigen Bundesstaaten unter 1 Mill. Mk. an Matrikularbeitragen zahlen müssen. ,

Zur neuen Reichs anleihe schreibt dieNordd. Atlg. Ztg.": Gegenüber den aus Anlaß des Krieges zwischen Rußland und Japan von diesen Staaten ausge­nommenen hoch verzinslichen Anleihen erscheint für die Reichsanleihe ein 3V2prozent. Papier umsomehr angebracht, als auch mehrere deutsche Bundesstaaten in letzter Zeit den Markt mit 3Vsprozent. Anleihen angegangen haben. Mithin handelt es sich bei obiger Slnleihe nicht um ein grundsätzliches Verlassen des 3prozent. Tvpus, sondern um eine ausschließlich durch die derzeitige Beschaffenheit des Geldmarktes bedingte Abweichung, von der erwartet werden darf, daß sie für die Zprozent. Schuldverschreibungen zur Erleichterung in Angebot und Nachfrage beitragen wird.

Alles soll bekanntlich schon dagewesen sein. Ob es sich aber schon ereignet hat, daß ein Gendarm zum Bürgermeister einer Stadt gewählt worden ist? Dieser Fall hat sich jetzt in der Provinz Posen zugetragen, denn aus Kosten wird berichtet:Die Negierung in Posen hat die Bestätigung des zum Bürgermeister der im hiesigen Kreise gelegenen Stadt Kriewen gewühlten berittenen Gendarmen Kohlmeier von einer viermonatlichen Verwal­tung dieser Stelle abhängig gemacht." Kriewen zählt 1600

Seite meldet, Plehwe, Sassonom, gelungen, aus der Peter Paul- Festung zu entkommen und nach dem Auslande zu

In her Kammer und im Senat toigent>e m nult er.

klärung des Ministervräiidenten Fortis verlesen. .Tar­in beißt es u. ai.:Wir haben k e in e n e u e poli11s ch « Richtung zu verkünden. Der feste Entschluß, dem Lande die Segnungen des Friedens zu sichern, darf uns nimt ao- halten, unsere V e r t e i d i g u n g s m i t t e l v o r z u b e r e i t e n. Gfcrabc w-il Itali-u b-n Trieben will, mufi es frr bte SBcrbcneruns her militärischen Organisation Sorge tragen. An» der Flotte, diesem wichtigen Faktor der Friebmspslttlk, muiz besondere Sorg- falt zugewandt werden. Wir müssen aber die Versicherung geben, daß wir niemals die Grenzen aus dem Auge lassen werden, die unsere Finanzlage uns auserlegt, und daß nur es uns an­gelegen sein lasten werden, Sparsamkeit in jedem nur mög­lichen Umfcnige zu üben. M r

Konstantinopel, 3. April. Bei der Bahnltativn Tabo- novee im Bezirke Knmanowo wurden dre gruppen ticm einer serbischen Bande angegriffen. In dem Kampfe, der sich vorauf entspann, wurden vier Soldaten und vier Serben getötet. Unter den letzteren befanden sich ein Hauptmann und ent -eut- nmt. Tic übrigen 80 Mitglieder der Bande wurden -lcfangen genommen und nach Kumanowo gebracht, wo vier durch die über die Tötiing ihrer Landsleute erbitterten Muhamedaner getötet wurden. . ... . . .

Petersburg, 4. April. Prinz und Pnnzesim S e t n r i ch von Prcustcu sind heritc in Z a r s k o i e S s e l o -mg-troff-n. Aus dem Dal>nhose war zum Empfange das Kaiserpaar -richicnen. Um den Charakter eines Familienbesuches zu wahren, wurde einem Wunsche des Prinzen entsprechend von Jebem offiziellen Empfange abgesehen. Die Dauer des Besuches ist bis zum Ende dieser Woche in Aussicht genommen, worauf der Prinz jr .Wiel zurückkehrt, während die P r in z e s s i n He inr i ch ihre ^ci)weiter, die Großfürstin Seraei. nach Moskau beasisten wird.

in Kopenhagen erwarteten Zarinmutter zusammentreffen wolle.

Prag, 4. April. DieWiener Amtsztg." verossentliÄt »ahl- reiche Ernennungen richterlicher Beamter beim Prager Lande-- gericht und bei den Kreis- und Bezirksgerichten Bohmnis, hie in Deutsch-Böhmen große Mißstimmung erregen ttegen vielfacher Ernennung von Tschechen fürbeutsche G erji cf) t e und Uebergehung deutscher Beamter, unter 108 neu ernannten richterlichen Adjunkten sind npr 9 Deutsche

London, 4. April. Mberhau s.) .3^ richtet an L<ms- downe eine Interpellation betreffend die oigl.

.Hau del streik'en den auf den Marsch al l - und K ar_c»11 rt - Inseln. Er protestiert gegen die Haltung D e u t s ch l and. und erklärt, das Vorgehen der deutschen Behörden sei eine 23er- letzung der von beiden Regierungen im Jahre 1> unt r-

zeichneten Erklärung. Lansdowne erwidert, die Regierung be ickästige sich mit dieser Frage. Unserer Avs.cht noch N - Handlung des e u g l i s ch en Handels auf den -Warman Lin sein w' >e' n ig zufrieden stellend. e, . ,

London,!. Avril. Ueber die Art der Krankheit des Thronfolgers ist bisher amtlich noch nichts bekannt gegeben worden." Man glaubt, daß txr Grund

heit in dem wahren Charakter der Krankliett öu inchen ist und daß man nicht zugeben will, daß er an Krebs leide. Alles 1was bisher über den Gesuudheitszustlmd Pnuzen von Wale^ ;u erlaben war, träyt zur Bestätigung dieser: Anffttht den Sein AusiAren läßt feit längerer Zeit auf eine innere Krankheit

chlossen. , . . _

** Vortragsabend von Mitgliedern des S t a d t t h e a t e r s. Ein beinahe vollsiesetztes Haus lauschte gestern abend unseren Künstlern, die an der gewohnten Stätte ihres Wirkens zum Schluß dieser Spielzeit den Theaterbesuchern noch einen Extragenuß bieten wollten. Ein langes Programm ernster und heiterer Dichtungen, vorge­tragen in bunter Abwechslung von sechs Künstlern, ist wohl ein etwas gewagtes Experiment, wenigstens was das künst­lerische Zu'sammenweben in der Stimmung anlangt. Doch dieses Experiment erlitt keinen Schiffbruch: die meisten der Vorträge fesselten die zahlreichen Zubörer und wurden mit großem Interesse bwgenommen. Von bemerkenswerten neueren Dichtern, die zum Worte kamen, sind zu nennen! Julius Wolff und Emil Rittershaus. Herr Lüttjohann eröffnete den Abend mit einem Gedicht von I'. WolffAus> Sturmes Not", welches im Motiv dem bekanntentiieh vom braven Mann" oderSiehst Du die Brigg dort auf den Wellen" stark ähnelt. Herr Lüttjohann brachte auch in stiner zweiten Darbietung,Unerkannte Schätze" vonj Kneisel, eine sentimentale Dichtung, die die Treue besingt/ die nirgends auf der Welt sich findet, als allein im Mutter­herzen und die, wie so viel andere Schätze, erft, entdeckt werden, wenn es zu spät ist, und die Herzen, die fte in sich trugen, ins Grab gebettet worden sind. Das Freilig- ratscheO lieb, so lang du lieben kann" ist allerdings wert­voller, aber Herr Lüttjohann wußte das längere und dra­matischere Gedicht mit gutem Ausdruck und lebhafter An­schaulichkeit vorzutragen. Ein hübsches Pendant zu die,em Kneiselschen Werk bot Herr de Giorgi mit einem inter­essanten Manuskript Ernst v. Possarts,Das Wasser des Vergessens", gleichfalls ein Hoheslied auf das Mutterherz. Sehr wirkungsvoll warDer Henker" von Rittershaus, den Herr de Giorgi mit guter Charakterisiernng vortrug. Fwl. Gartner rezitierteDie kleine Versetzerin" von Proschko, ein niedliches Merkchen, das ebenso wieDie zerbrochene Puppe" aus dem Munde des Frl. Ruf vorübergehend unterhalten konnte. Auch die beiden Damen, die im zweiten, humoristischen Teil hübsche, zum Teil mundartliche Scherz­gedichte vortrugen,' ernteten reichen Beifall. Hr. An d r e a § hatte sich ein ziemlich seltsames dichterisches Produkt in demKunstreiter" ausgesucht, mit welchem er weniger An­klang fand als im humoristischen Teil mit Gedichtchen von Barthel und Presber. Zu den erwähnten Künstlern I trat im hmnoriflrschen Teil der Komiker Conradi, her

Einwohner.

Greiz, 4. April. Amtlich wird fetzt bekannt gegeoen, daß der Fürstregent den Direktor der fürstlichen Kammer Dr. Oehrlauf sein Ansuchen" in den Ruhestand ver­setzt hat. Damit findet ein Vorfall seinen Abschluß, der seinerzeit hier das peinlichste Aufsehen hervorrief. Tr. Oehrl, her früher in Gera Vortragender Rat im Ministerium war, hatte den Posten eines Direktors der Greizer fürstlichen Kammer erhalten. Bei der Bestellung hierzu kam auch die Frage eines neuen Titels mit zur Sprache. Richt wenig staunte man hier, als das Amtsblatt bekannt gab, daß Dr. Oehrl zum Geheimen Oberkabinettsrat ernannt sei, zumal Exzellenz v. Geldern, der Vorgänger Dr. Oehrls, nur Geh. Kabinettsrat war. Schließlich stellte sich heraus, daß Dr. Oehrl zur Führung dieses Titels tefine Berechtigung hatte. Ein von Dr. Oehrl gegen den Fürstregenten in Dresden angestrengter Prozeß wurde ab gewiesen. Dr. Oehrl soll jetzt Rechtsanwalt in Dresden fein.

Stuttgart, 4. April. In der Abgeordnetenkammer Finanzminister v. Zeyer, wenn man eine Sanierung 8er ReiÄsfinanzen herbeiführen woNe, so bliebe nur die Ein- Snetter Reichssteuern Übrig. Der Bundesrat H in dieser ^Hinsicht hem Reichstage Vorschläge zu- ^men lassen Diese werden ftd) aber nicht auf dein Gebiete Reichseiukomrnen- oder Rerchsver-

mögenssteuer bewegen, da man diese Steuern der Finanzhoheit her Einzelstaaten überlassen müsse. Minister- >räsident v. Breitling gab die Erklärung ab, daß der Ent­wurf einer Verfassungsänderung noch diesem Land­tage und zwar nach Durchberatung des Etats und der damit zusammenbän^euden Vorlagen vor^eleat werde.

Londo n, 4. April. Ueber die Gründe zu dem plötzlichen Enff^luß König Eduards, mit der Königin Alexandra dem Ge­burt staqe des dänischen Königs nießt beiznwahnen, hüllt sich die Presse in Schweigen. Rur derDailh Expreß meint, hny Unwohlsein des Königs sei schlimmer geweien, als man bisher geahnt hat, was jedoch wenig glaubwürdig ist, da die Königin dann vermutlich direkt von Lifiabon Mrückgekehrt wäre. Glaubwürdiger scheint die Tatsache, daß ernste Diffe­renzen zwischen dem en gl ischen und dem r u H11 ct) e n . irai xm iyUmvvL^ycn wi ucy Hofe vorliegen, und daß das englische Königspaar nicht mit der besonders durch einige Vortrage in fach «sicher Mundart

parlamentarisches.

Berlin, 4. April. Die Börsenkommission des Reichstages genehmigte § 52 in der Fassung der ersten Lesung ohne Debatte und nahm sodann nach längerer Debatte unter Ablehnung der Regierunasfaffung dos 8 67 a den dazu vorliegen­den Antrag Colsborn (Ztr.l an welcher dahin gebt, hie Ein­tragung in das Börsenregsiter ist, wenn der eine Dell zurzeit des Geschäftsabschlusses gemäß § 66 in das Borsenregsiter ein­getragen war, zur Wirksamkeit des Geschäftes m Ansehung der­jenigen Kaufleute nicht erforderlich, welche zu der Zeit des Geschäftsabschlusses in das Handelsregister eingetragen waren und ein Handelsgewerbe betrieben, mit welchem fern offener Laden und keine Gast- und Schankwirtschaft verbunden war. ZuGunsten desjenigen, welcher zurzeit des Geschästsabschlusws gemäß § 66 in das Börsenregister eingetragen war, t!t das Borsentermin-

geschäft auch daim als giftig anzusehen, wenn der andere ^.eil! zurzeit des GeickiSstsabschlusses berufsmäßig Bursen- oder D-nkeer- geschäfte betrieben hat.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses für die Berg­gesetznovelle setzte die Debatte über die Arbeiter aus,chusie fort und lehnte nach längerer Debatte die Zentrumsantrüge auf die Einführung von Gr u b en ko n t r o l e u r e n und betr. die Mitwirkung der Ar b e i t e r au s i ch u ss e an Wohl­fahrtseinrichtungen ab, sowie den Antrag Hirsch, daß die Arbeiterausschülffe »auch Beschwerden an die Staatsbehörden zu richten befugt sein sollen Die Kom­mission nahm dagegen den Antrag Hevdebrand und Frhr. v. Zed­litz an, welcher dahin geht, dem Msatz 2 des 8 80 folgenden Zusol, zu geben: Es ist die Aufgabe des Arbeiter- Ausschusses auf geordnete und friedliche Verh alt - nisse in der Arbeiterschaft des betreffenden Bergwerkes f zuwirken und Storungen der öffentlichen Ordnimg sowie si .- drängung von Arbeitswilligen, insbesondere auch gelegentlich von Arbeitseinstellungen bintanzuhalten. Bezüglich des aktiven Wahlrechtes wurde beschlossen, daß eine einjährige Arbeit auf der Grube erforderlich ist, nicht aber Kenntnis der deutschen Sprache; dagegen wurde die Kenntnis der deutschen Sprache für das passive Wahlrecht aufteLterhalten und zugleich die Bestimmung, daß dazu eine dreffährige Arbeitszeit aisi der Grube erforderlich ist. Das geheime Stimmrecht wurde aufrecht» erhalten. Sodann wurde beschlossen, daß das Oberbergamt bei UcberfLrcitung d-r Zuständigkeit drr Arbntcrmisichusse sie auf- heben soll und unter Umständen ihnen die Mitgliedschaft ab­erkennen kann. Die Einführung obligatorischer Arbel- terausschüsse mit Stimmengleichheit wurde ab- qelehnt Angenommen wurde der nationalliberale Antrag, daß mehr als dreimalige Bestrafung wegen unreiner Förderung oder ungenügender Belad ungin einem Monat mit sofortiger Entlassung bestraft werden kann Zu § 80 g wird der Antrag des Zentrums, daß die Arbeitsordnung dem Oberbergamt innerhalb drei Tagen zur Genehmigung vor­gelegt werden soll, abgetebnt. Sie braucht also nur eingereicht

tohtiTm, 4 Avril. Generalkomitre, boS beauftragt ist. di- R-gi-rung in d-r Dc>rb-reitung dcr Kcmftren» zurSchaffung eines internationalen landwirtschaftlichen Zn stituts zu unterstützen, begann heute seine Arbeiten. Minister Tittoni und Rava wohnten der Sitzung bei., ^^bent gab die Beitrittserklärungen der sremdev Regier­ung e n bekannt.