Ausgabe 
4.3.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 54

Zweites Matt.

155. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Erscheint tLglich mit Ausnahme deS Sonntag».

DieStehen« FamUienblStter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Qtßldp tonöiPttr erjchetM monatlich einmal.

Samstag 4. März 1905 Rotationsdruck und Verlag der Brühllchen UnwersitätLdruckerei. 8t Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition a. Druckerei: Schulstr.A. Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. i Anzeiger Gießen,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

'Die heutige Wummer umfaßt 18 Seiten.

Strafvollzug.

Ein interessanter Beleidigungsprozeß begann E Donnerstag vor der 4. Strafämrmer des Landgerichts I

Berlin. Anfang 1904 erschienen imVorwärts" und in derZ e i t a nv M o n t a g" eine Reihe timt Artikeln, in denen die hygienischen Zustätäe der Zellen und Arbeits- räume, der Arrestzellen, der Verpflegung und des Trink­wassers in »dier Strafanstalt Plötzensee einer ab­fälligen Kritik unterzogen wurden. Ganz besonders wurde die Tätigkeit der beiden 'An st al ts är zt e, des Geh: Ober-Medizinälrats Dr. Bär und des Medizrnalrats Tr. Pfleger als gewissenlos und brutal geschildert. Es wird diesen beiden Aerzten ungenügende Pflichterfüllung, wissentliche bezw. schuldhafte Duldung der Internierung von Geisteskranken, Anordnung bezw. Zulassung von Dis­ziplinarstrafen gegen Geisteskranke, sowie gegen sonstige kranke und schwächliche Gefangene, mange lhafteFür sorge für körperlich Leidende, Ver­schulden von Todesfällen usw. vorgeworfen. Medi­zinalrat Dr. Pfleger, so heißt es, der die Zulässigkeit der Disziplinarverfahren zu begutachten habe, erklärte dieselben fast ausnahmslos mit dem schriftlichen VermerkUnbedenk­lich" für zulässig. Aus diesem Anlaß werde Dr. Pfleger von den Gefangenen nurDoktor unbedenklich" ge­nannt. Ferner heißt es in den Artikeln:

Geisteskranke und Epileptiker werden im Gefängnis gehalten, in den Keller geworfen, von Aufsehern und Kalfaktoren geschlagen, mit Schlüsselbund, Besenstiel, Wasserspritze und dergleichen mißhandelt. Die geringe Be­legung des Lazaretts erkläre sich aus der dort herrschen- den Hungerkur, die viele Kranke aus dem Lazarett ver­treibe; bei einer genauen Untersuchung würde mindestens ein Drittel der Gefangenen krank befunden werden usw." Aus Anlaß dieser und ähnlicher Arttkel haben die Direktoren, Aerzte und sonstige Beamte des Strafgefäng­nisses Plötzensee, bezw. deren vorgesetzte Behörde gegen, die Redakteure Koliski und Büttner, welche die Artikel imVorwärts" verantwortlich gezeichnet haben, sowie gegen den Redakteur derZeit am Montag Schneidt und den Journalisten Ahrens Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Ahrens, ein ehemaliger Ge­fangener, wurde in Plötzensee in der Kanzlei beschäftigt, dadurch sollen ihm die Personalakten vieler Gefangenen zugänglich gewesen sein Auf Grund von Llbschriften aus oenselben soll A. an die angeklagten Redakteure das Ma­terial für die zur Anklage stehenden Artikel geliefert haben. Koliski, Büttner, Schneidt und Ahrens haben sich daher wegen Beleidigung bezw. Behauptung nicht erweislich wahrer Tatsachen usw. zu verantworten.

Welchen Verlauf und ivelchen Ausgang der Prozeß haben mag, und ob auch der von den Angeklagten an- gettetcne Wahrheitsbeweis für die behaupteten Zustände in mehreren deutschen Gefangen anstalten mißlänge es muß nachdrücklich daran festgehalten werden, daß in der Rechtspflege die Neugestaltung des Strafvoll­zugs allen anderen Abänderungen vorangehen sollte. In bezug auf die Reform des Strafgesetzes und der Straf- vrozeßordnung scheiden sich immer noch die Auffassungen der Sachverständigen. Dem Strafvollzug gegenüber herrscht aber in den Kreisen der Juristen, der Rechtsanwälte wie der Staatsanwälte und der Richter Uebereinstimmung, daß die jetzige Art des Vollzuges den ersten Zweck der Strafe verfehlt: den Bestraften zu bessern und ihn auf den richtigen Weg zurückzubringen. Wir sind nicht der Mein- img, daß eine Anzahl von Verwalturrgsverordnungen, die immer der Auslegung weiten Spielraum lassen, die in den verschiedenen Bundesstaaten verschieden lauten, hier Milde gestatten, dort Strenge zur Mrwendung bringen, klarer und nicht deutungsstibiger gesetzlicher Vorschriften, einheitlich für das ganze Reich) bedarf, und daß bei der Ausarbeitung dieser Bestimmungen entscheidend mitzu­sprechen haben der Arzt und der Seelenkenner. Der Arzt in erster Linie. Man braucht keineswegs den Stand­punkt einzunehmen, daß ein großer Teil der Verbrecher geisteskrank oder nicht ganz zurechnungsfähig ist. Wer es werden notorisch sehr viüe Verurteilte dem Strafvoll­zug überliefert, die infolge ungenirgender Ernährung, oder von Ausschweifung, oft auch von ihrem Schicksal seelisch und körperlich zerrüttet, nicht imstande sind, das ihcken. aufgetragene Maß von Arbeit zu leisten. Mancher von den Gefangenen erscheint bei oberflächlicher Beobachtung träge und verstockt, der unrettbarem Siechtum verfallen ist; mancher erscheint widerspenstig und gegen die Ord­nung sich auflehnend, den bereits eine schwere Gemüts­krankheit ergriffen hat. BeKäufig: Disziplinarmittel wie Prügel und Dunkelarrest sollten ganz beseitigt werden. Es geht über die Kraft eines einzigen, nicht so tüchtigen und noch so humanen Arztes an einer großen Gefangenanstalt, bei raschen UntersuH.mgen der Sträflinge ich ein genaues Urteil zu bilden. Die Wärter und Aufseher, )ie durch ständige Beobachtung weit eher dazu in der Lage sind, verfügen in den seltensten Fällen über ein, wenn auch noch so bescheidenes. Wissen, um Kranke als solche zu erkennen. Für sie gibt es in der Regel nur zwei Klassen: Gefangene, die sich gut ausführen, keine Last verursachen und ihr Pensum leisten, und Gefangene, die sich schlecht aufführen und einen Widerwillen gegen die Arbeit haben. Aus die Berichte des Aufsichtspersonals kommt es aber in sehr vielen Fällen an, sie wirken vielfach entscheidend auf Verfügungen, die unter Um­ständen schweres Unheil anrichten können. Wohl nur wenige Verurteilte verlassen die Gefangenemstalten nach längerer Hast und nach einer einförmigen, die Sinne abstumpfenden Beschäftigung in einem körperliche und geistigen Zustande, daß sie fähig sind, ein neues Lebet: zu beginnen, auch Ivenn sie den redlichsten Willen dazu haben. Soviel Gutes und Wohltätiges die Gesellschaften wirken, die sich des entlassenen Strafgefangenen annehnren, es gelürgt doch nur, einem kleinen TeU der Entlassenen Arbeit zu verschaffen, Md das. sind meistens die Widerstands fähigen und Uw­

gebrochenen, die vielleicht ans eigener Kraft sich weiter­helfen konnten. Der größere Teil geht elend zu gründe, endet in dunklen Winkeln, in Spitälern, oder er kehrt nach Begehung eines neuen Verbrechens in die Gefängnisse imt> Zuchthäuser zurück. Es ist die Verderbtheit und die Unverbesferlichkeit, der man gern die Schuld zumißt; selten dem unzweckmäßigen, Kraft und Willen brechenden System des Strafvollzuges, das man von Grund auf umgestalten muß, und das noch aus Zeiten herrührt, in denen als das einzige Ziel der Rechtspflege die Sühne galt, nicht die Läuterung und Wieder au frichtung des Gefallenen.

Anhand in Sturm und Drang.

Drei kaiserliche Erlaße.

Der russ. RegierunHsbote veröffentlichte gestern folgende Kundgebung des Zaren:

Der unerforschlichen Vorsehung hat es gefallen, das Vater­land btrrd) schwere Prü sun gen heimMuchen. Ter blutige Krieg im fernen Osten um die Ehre Rußlands und die Herr- scbaft in den Gewässern des stillen Ozeans, so dringend nötig zur Sicherung des friedlichen Gedeihens.nicht nur un­seres, sondern auch anderer christlicher Völker auf Jahrhunderte hinaus, hat von dem russischen Volke eine bedeutende Anspann­ung der Kräfte verlangt und viele unserem Herzen nahestehende teure Opfer gefordert. Während die ruhmvollen. Söhne Ruß­lands mit aufopfernder Tapferkeit kämpfen und ihr Leben für ihren Glauben, ihren Kaiser und ihr Baterleid einsetzen, brachen in unserem Vaterlande selbst Wirren aus, den Feinden zur Freude, uns zum tiefen Kummer. Von Hochmut verblendet, macken übelgesinnte Führer einer auftührerischen Be­wegung freche Anschläge gegen die heilige otthodoxe Kirche und die durch die Gesetze gefestigten Grundpfeiler des russischen Staates, indem sie meinen, wenn sie den natürlichen Zusammen­hang mit der Vergangenheit zerreißen, würden sie die bestehende Staatsordnu'ng zerstören und statt dieser eine neue Landesverwaltung auf neuer Grundlage errichten, die aber tatsächlich unseremVaterlande nichtangemessen sein würde.

Ter Anschlag ans den Großfürsten Sergius, der vorzeitig inmitten der heiligen Denkmäler des Kremls ums Leben kam, beleidigt tief das Nationalgefühl eines jeden, dem die Ehre des russischen Namens und der Ruhm der Heimat teuer sind. Temütig tragen wir die herniedergesandten Prüfungen und schöpfen ; Kraft und Trost aus dem festen Vettrauen auf die Gnade, die Gott1 stets dem russischen Volk bewiesen hat, und aus der bekannten, uralten Ergebenheit unseres treuen Volkes für den Thron. Mit den Gebeten der heiligen, rechtgläubigen Kirche, unter dem Banner der elbstherrlichen, kaiserlichen Gewalt hat Rußland schon häufig große Kriege und Wirren über­standen, stets mit neuer unbeugsamer Kraft, aus den Nöten und Schwierigkeiten hervvrgehend. Doch die in le^ter Zeit im Innern herrschende Unordnung und das Umfidigreifen der auf Aufruhr und Unruhen geridyteten Gedanken machen es uns zur Pflicht, die RegiLrungsinstitutionen und alle Behörden an ihre Tienst- vflicht und ihren Diensteid zu erinnern und sie aufzufordern zur Wahrung des Gesetzes, der Ordnung und der Sicherheit, ihre Aufmerksamkeit zu verschärfen im festen Bewußtsein ihrer mora­lischen und dienstlichen Verantwortung gegen Thron und Vater­sand, unausgesetzt auf das Volkswohl bedacht, im festen Vertrauen, daß Gott, nachdem er unsere Geduld geprüft, unseren Waffen den Sieg schenken werde, rufen wir die gutgesinnten Leute aller Stände auf, jeder in seinem Beruf und an seinem Platz, sich in einmütiger Mitwirkung uns mit Wort und Tat anzu­schließen. KU dem heiligen großen Werke der Ueberwindung des hartnäckigen äußeren Feindes, zur Ausrott­ung des Aufruhrs im Lande und zum besonnenen Ent- aegenwitken gegen die inneren Wirren. Wir erinnern dabei daran, daß es nur bei ruhiger Stimmung der gesamten Bevölkerung möglich ist, unsere auf Erneuerung des geistigen Lebens des Volkes, auf die Kräftigung seines Wohlstandes und die Vervoll­kommnung der Staatsordnung gerichteten Llbsichten zu verwirk­lichen. Mögen alle russischen Untertanen sich fest um den Thron scharen, getreu Rußlands Vergangenheit, die ehrlich und gewissen­haft in Uebereinstimmung mit uns für die Angelegenheiten des Staates besorgt sind! Gott möge der Geistlichkeit wahre Frömmig­keit, den Regierenden Gereckttgkeit und Wahrheit, dem Volke Frieden, den Gefatzen Kraft und dem Glauben Gedeihen geben zur Befestigung der Selbstherrschaft und zum Wohle meiner teuren Untertanen! Niko lau s."

Das Manifest macht, abgesehen von dem Inhalt, auch in der Form Tcinert guten! Eindruck. Es sind viele schellende und tadelnde Worte, aber man empfängt nickst den Ein­druck der ruhigen und felbstbewußLen Kraft. Befestigung! der Selbstherrschaft, also Abweisung jedes^ Gedankens an> Verfassung, das ist der Höhepunrt der Kundgebung. Wie derVoss. Ztg." aus Petersburg gemeldet lvrrd, hat das Manifest ernsteste Beunruhigung feWst bei den Gleichgiltigen hervorgerrchen.Man mutz befürch.ten", so betrrertt dieVoss. Zkg.",daßa lt leGreueldesTerror bevorstehen". Aehnkiche ^sorgLrisse werden von antp deren Blättern geäußert. Das Gefährlichste ist, worauf die Tagesztg." aufmerksam macht, das Schwanken zwischen Milde und Strwge, zwischen Entgegenkommen und Ver­sagung.

Ein kaiserlicher Erlaß befiehlt ferner, damit es allen Untertanen möglich werde, vom Kaiserunmittel­bar gehört zu werden, daß dem unter dem Vorsitz des Kaisers stehenden Mi Nister rate auch die Durchsicht und die Beratttng der von Privatpersonen und Justttuttonen. an die Person des Monarchen gerichteten Meinungs­äußerungen un-d Wünsche hinsichtlich' der Vervoll- konrmntmg der Staatsverwalttmg und der Fragen, die sich auf die ÄLfbesserung des Volkswohlstandes beziehen, über­tragen werde.

Ter Kaiser richtete endlich an den Minister des Innern folgendes Reskript:

Getreu deut aJtrutfWn Volksbrwicbe, dem Tbrone in ben Taaen der Freude und der Trauer des Vaterlandes seine Gest hl c auszudröcken, brackL^ mir Adels- unb Semstwv-Versammkmigen, die Kaufmannschaft unb Vauerngemeinden auf allen Seiten Rust wnds <mtäßlftl> der Gebutt des Thronfolgers zahlreiche Glückwünsche mit dem Ausdrucke ihrer Bereitwittigckeit tat, für bk erfolgreiche Beendigung dos Krieges ihr Vermögen zu opfern und mir alle ihre Kräfte zrt leihen zur Vertx4lkommnung ber Ordnung im (Staate. In meinem unb Ihrer Majestät Namen beauftrag ich Sie, unseren herzlicheit Tank zu übermitteln für den Ausdruck der lopalon Gesthle, welche in der jetzigen schweren Zeit umso cBfceuItdieT irraren, als die ausgesprochene Bereitschaft, meinem Rufe an der erfolgreichen Verwirklichung der von mir angekündigtcn Reformen rnitzwvirken, zu folgen, völlig meinem Herzenswünsche entfimdjt. Mem Wunsch besteht bann, in

enteinfamer Argbeit der Regierung und reifer Kräfte ber Gesell-- schäft, die Verwirklichung meiner auf das Bolkswohl gerichteten Ab-i sichten zu erreichet. Tie Arbeit meiner gehonten Vorfahren! fortfetzend, die russischen Lande ungoschmälett zu erhalten, habe ich beschlossen, von nun ab mit Hilfe Gottes würdigste, das Vettrauen des Volkes genießende, von der Bevölkerung gewählte Männer zur TeiluaHme cmderAusarbeitung und Beratung der legislativen Entwürfe heran-! z u z i e h e n. In Erwägung der besonderen Verhältnisse des. Vater-, fandes, der Mannigfaltigkeit feiner Volksstämme und der in eini­gen feiner Teile schwachen Entwicklung des Bürgertums habeu russische Herrscher in ihrer Weisheit dem Lande Reformen je, nach den geprüften Bedürfnissen aber nur in folgerichtiger Orb-1 nung geschenkt. Dabei haben sie auch die Kvnttnuität des feste«! historischen, an die Vergangenheit anknüpfenden Bandes beob­achtet, welches das UnterPfMtd für Dauerhaftigkeit und Festig­keit in der Zukunft bildet. Indem ich gegenwärtig diese Reform unternehme, bin ich überzeugt, daß tne Kenntnis der öffent­lichen Bedürstisse, die Lebenserfahrung und das besonnene und aufrichtige Wort der gewählten Männer die Fruchtbarkeit der gesetzgeberischen Arbeiten sichert zum wahren Nutzen dos Volkes, und ich sehe gleichzeitig voraus die ganze Kompliziertheit und Schwierigkeit der Verwirklichung der Reform! unter unbedingter Wahrung der Unerschütterlich- keit der Grundgesetze des Reiches. Ich habe daher, da ich J^re langjährige administrative Erfahrung kenne unb Ihre, ruhige Sicherheit schätze, für gut befunden, unter Jhremt Vorsitze eine besondere Konferenz zur Berattmg der Wege! für die Verwirklichung dieses meines Willens einzusetzen. Got segne mein gutes Beginnen! Möge Gott Ihnen helfen, dasselbe zum Wohle des mir von Gott antiertrauten Volkes erfolgreich^ durchzuführen! Nikolau s."

Die Arbeiterwahlen.

Petersburg, 3. März. W. V.) Die auf heute an* gesetzte allgemeine Versammffimg der Wähler aller Al>- beitergruppen ist nicht zustande gekommen, weil an den, Versammlungsorten eine Kundmachung des Senators Schid-^ lowski ausgehängt war, in welcher die ihm vorgelegteu^ Forderungen als seine Vollmachten überschrei-, tend bezeichnet werdet:. Tie Unverletzlichkeit der Personj der Arbeiterdeputierten würde jedoch garantiert werden^ soweit ihre Aeußerungen in der Kommission in Betracht: kommen. Tie Deputterten, die an der Kommission teil*, nehmen, sollen nicht nur zur Befragung ihrer Meinmpgj hinzugezogen werden. Betreffend die Bedürfnisse der Aa> beiter der Kleinindustrie werde er Maßnahmen treffens damit sie ebenfalls in der Kotnmission beraten werdens Sodann schlägt Schidlowski den Arbeitern vor, daß fiej sich in die hierfür besttmmten Lokale zur Wahl der Depu* Herten für seine Kommission begeben. Die Arbeiter be­schlossen, gruppenweise die Antwort Schidlowskis zu be­raten. Tie Arbeiter der vierten Gruppe, der zahlreichsten^ erklärten, daß sie wegen des Fehlens der Sicherheit in| den Bedingungen für die an der Schidlowski-Kommission- teilnehmenden Arbeitervertreter nichtzurWahl schreitrnr und den allgemeinen Arbeiterausstand prokla-, mieren würden. Die zweite Gruppe, die der Papiersabrst kation und der Druckere-ien, beschloß mit 45 gegen fünf: Stimmen, nicht zu den Wahlen zu schreiten. Die Wahlen, der Arbeiter bet. Gruppe der Holzmanufaktur und des gonbaues, die in der Zahl von 22 cm Stelle von 37 bet* sammelt waren, fanden nicht statt, da die Abgeordneten der anderen Gruppen' sie von ihren Beschlüssen in KemrtniSj setzten. Tie Wahlen der in einer Zahl von drei Mann ev- schienenen Arbeiter ber Gruppe der tierischen Produkte! fanden nicht statt, ebenso nicht die der Gruppen der @i>. zeugung von Sprengstoffen und von chemischen Produkten.! Sechzehn Wähler der Arbeiter aus der Gruppe der Spinne»- reien wählten vier Abgeordnete in die Schidlowski-Kornft Mission.

Reue Verhaftungen.

Warschau, 3. März. Heute wurden zahlreiche Ver­haftungen vorgenommen, unter anderen die Redakteurv mehrerer Zeitungen.

Die Revolittionare.

Au§ revolutionären Kreisen Rußlands liegt hier btfr» Meldung vor, daß die Führer des Aufstandes über eine Anzahl auserlesener Bomben schien derer verfügens Alle geheimen Waffcnlager seien intakt. Man sei auf dem, besten Wege, Petersburg vollkommen zu isolieren, da das! Bahn- und Telegraphen-Personal für den AuSftand ge-< wonnen sei. Die Führer seien in genauester Kenntnis besj öffentlichen Nerteidigungsplanes von Petersburg und hätten! darnach ihre Vorbereitungen getroffen. In die Aemter unbj Kasernen wurden aufrührerische Bücher :md Schriften ge-j schmuggelt, darunter einige mit parodistischen Refrain bet] Kaiserhymne: Gott begrabe den Zaren!

Gorki.

London, 3. März. DerDaily Chronicle" veröffent-' licht eine Unterredung mit Gorki, welcher sagte, daß seine Gesundheit nicht allzu sehr unter der Gefangenschaft gelitten hätte. Er wnrde im Gefängnis gut behandekt, obwohl die LeibeZuntersnchnngen, welchen er ausgesetzt war, etwas lästig unb beleidigend waren. Während der Nacht »vurde er gezwungen, seine Leibwäsche den Gefangenenwättern abzngeben, weil man befürchtete, er könnte sie benutzen^ um einen Selbstmord zn verüben. Der Untersuchungs­richter beschuldigte ihn, eine geheime revolutionäre Verbindung gegründet zu haben und Dokumente zu besitzen, in welchen die nissische Regierung anqegriffen oder verhöhnt wird. Darnnter rechnet der'Ulttersuchnngsrichter die Manuskripte einiger neuer T h e a t c r st ü ck e , welche Gorki ge­schrieben bat.

Per Krieg.

Ter siegreiche Vormarsch der Japaner.

Sack'etun, 3. März. (PeterSb. Tel.-Aq.) Aus der rechten! Flanke fahren die Japaner fort energisch vor-urücken,. auf dem linken Hnnlwufer bestehen die Unfrfaen einen hart­näckigen Kampf. 4 japanische Divisionen, die unfern rechten Flügel am Lia ho umgingen, erreichten heute S e w i n p ii, gegen 18 Kilometer westlich von Mu8>en wo ihnen entgegengefandle Truppen ihren weiteren Vormarsch