Ausgabe 
6.1.1905 Erstes Blatt
 
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Jakobsbergerstraße verübte gestern abend der Schornstein­fegergeselle Zlatschke gegen 9 Uhr Selbstmord. Der Mann gab zwei Schüsse auf sich ab. Der sofort herbeigerufene Arzt ließ den Schwerverletzten in da§ Rochushospital bringen. DaS Motiv zu der Tat ist Eifersucht. Seit heute ist der Rhein wieder eisfrei, nur der Main treibt noch ziemlich Eis an der Stadt vorüber. Die Schiffahrt ist hier wieder in vollem Gange.

fc. Mainz, 5. Jan. Im Alter von 86 Jahren ver­schied gestern abend nach einem arbeitsreichen Leben, dessen Spur Opfer, Erfolg und Entsagung kennzeichneten, der frühere langjährige Stadtverordnete und Landtagsabgeordnete Johann Fak III. Seit 1873 war der Verstorbene Besitzer des Hauptorgans der Zentrurnsparlei in Hessen und den angrenzenden Landesteilen, desMainzer Journals". In jungen Jahren gründete Falk im Verein mit Moufang, Professor Rüffel in den Märztagen des Jahres 1848 den Piusverein für religiöse Freiheit und war Mitveranstalter der ersten Generalversammlung der katholischen Vereine Deutsch­lands, die vom 3.6. Oktober 1848 in Mainz tagte. Der Verstorbene wurde im Jahr 1875 von Papst Pius IX. zum Ritter des St. Georgs-Ordens ernannt und von Papst Leo XIII. durch Verleihung des silbernen EhrenkreuzesPro ecclesia et pontifice ausgezeichnet.

S. W. K. Mainz, 5. Jan. Angeblich wegen Aus­stellung von unsittlichen Bildern und Büchern in den Schaufenstern sind der hiesigen Kunst- und Buch­handlung Viktor von Zabern ihre Ladenlokalitäten in den Domhäusern vom Domkapitel gekündigt worden. Wie die. Mainzer Blätter dazu bemerken, dürfte außer dem Domkapitel wohl niemand etwas Anstößiges in den Schau- feustern der genannten Kunsthandlung entdeckt haben.

Dcrmifcbteße

* Der HeidelbergerSchwabens-Streich. In dec Angelegenheit der Herausforderung des Chefredakteurs und des Theaterrezensenten desHeidelb. Tagebl/ zum Zwei­kampf auf Säbel hat jetzt die Staatsanwaltschaft gegen den ersten Chargierten vom dortigen KorpsSucvia" das Strafverfahren eingeleitct.

* Kleine Tageschronik. In ganz Norditalien herrscht bedeutende Kälte. An der Riviera ist die Vegetation vielfach zugrunde gerichtet. Auch'der Verlust zahlreicher Menschenleben durch Erfrieren ist zu beklagen. Vorn Vomina- paß werden 39 Grad Kälte gemeldet. Auf dem großen Sankt Bernhard lind acht Personen elfteren. In München wurde bei einer Uebungsfahrt der Bernfsfcuerwehr der Ingenieur Pfund, städtischer Brandmeister, von der Automobil-Tampfspritze über­fahren und getötet. . 'In H anno ver verübte Mord und Selbstmord die Modistin Witwe Lina Hackel. Sie war im Oktober v. I. mit ihrem 7 Jahre alten Töchterchen von Hamburg nach H. gekommen Diurch einen starken Gasgeruch wurden die Bewohner aufmerksam und verständigten die Polizei, die in die Wohnung eindrang und beide Personen tot aus dem Boden liegend Vorsand Nahrungssorgen scheinen das Motiv der Tat zu sein. In Koburg ist der Eisberieselungsapparat der Vereinsbrauerei infolge der Last schwerer Schneemassen cin- gestürzt. Neun Arbeiter wurden verschüttet. Militär und Feuerwehr eilte sofort zu Hilfe und barg fünf Tote, zwei schwer und zwei leicht Verletzte. ' In Salzburg wurde der Tirektor des Regierungsarchivs Dr. Richard Schuster in seiner Wohnung tot aufgefunden. In Metz erschoß sich der Oberstabsarzt Dr. Mehltretter vom 8. baverischen Infanterieregiment. Tie Gründe, die ihn zum Selbstmord trieben, sind nicht bekannt. In Plauen (Vogtl.) ist Bürgermeister a. D. Wieprecht im 90. Lebensjahre gestorben. Er war früher Journalist und mehrere Jahre verantwortlicher Redakteur im Vogtl. Anz.".

Arbeiterbewegung.

Langendreer, 5. Jan. Die Verwaltung der Zeche bruchstraße verweigerte heute die Abgabe von Kohlenscheinen und erklärte sich bereit, auf je 10 Berglfute von jeder Abteilung der.Belegschaft, also je einem Drittel Kohleiffcheine abzugeben. Diese Tatsache rief unter den Arbeitern große Erregung hervor,, weil seit Wochen ein großer Teil der Belegschaft um Kohlenscheine eingekommen war. Auf diese Weigerung hin wollte die heutige Nachmittagsschicht nicht einfahren, aber auf ylnraten der Führer der Organisation ist sie doch schließlich eingefahren!. Morgen finden zwei Versammlungen statt. Heute nachmittag fuhren die Mitglieder ^der Kommission nach Dortmund zum Oberbergamt. Wird, der Anschlag nicht zurückgenommen, so ist anuznehmen, daß schon morgen (Freitag') die Belegschaft nicht mehr cinfährt.

Bochum, 5. Jan. In einem heute mittag von,der Ver- waltung der Zeche Bruchstraße bei Langendreer veröffentlichten Anschläge auf die Eingabe der Arbeiter wegen Aushebung der Maßregel betreffend die Verlängerung der Schichtdauer lehnt Verwaltung die Forderung der Arbeiter ab und. wricht die Hoffnung aus, daß die Arbeiter, welche nicht geireigt sind, sich mit den Mänderungen der Seilfahrtzeit ein­verstanden zu erklären, den Weg der Kündigung antreten und nicht in den Ausstand treten werden. Tie Gefahr eines Ausstandes ist dadurch wesentlich erhöht.

. re Lagc im Ruhrrevier wird in derKöln. Volksztg." tote folgt geschildert: Eine Gärung besteht, und sie besteht nicht ohne Grund Nach unseren Informationen ist aber, von un- erwarteten Zwischenfällen abgesehen, an einen allgemeinen Ausstand zurzeit, nicht zu denken. Tie Bergarbeiter und namentlich die Führer der verschiedenen Organisationen verhehlen uch Nicht, daß der Zeitpunkt für einen großen Streik sehr Ichlecht gewühlt sein würde, und beobachten daher eine be- lonnene, int Grunde abmahnende Haltung, wenn sie auch nicht verkennen tonnen, daß mehrfache Gründe zur Beschwerde für die Arbeiter voruegen. Das Hauptmoment für die Aussichts- losigreit emes allgemeinen Ausstandes im gegenwärtigen Augen- blicke rst die Uebcrfüllung des Kohlenmarktes, welche zu der Ab- nahmcf-iliigkett der STtbuprie in feinem Verhältnis steht. Mm darf ruhig entsprechen, daß manchen Zechenverwaltungen ein Streik augenblicklich in hohem Maße erwünscht wäre, um sich die aufgeiammelten Vorräte vom Halse zu schaffen. Tas wisftn auch die Führer der Arbeiter sehr gut. Nichtsdestoweniger kann man die Zechenverwaltungen nur dringend mahnen, nicht darauf zu sündigen, sondern die berechtigten Beschwerden der Arbeiter abzustelten: noch haben die Führer die Masstn in der Hand, das ist der Segen der Organisation. Sammelt sich aber allzu viel Unzufriedenheit nmd Verbitterung an, so könneii die Tinge leicht sich ändern, und dann wird man, wenn die verschiedenen Organi­sationen Hand in Hand gehen, eine Bergarlniterbewegung er- leben, gegen welche alle früheren ein Kinderspiel waren.

Wochenbericht der Kuxcnabteilung des Bankhauses H. S. Oppenheimer jr.

.Hannover, 5. Jan.

Der Kali-Kuxen markt hat in der abgelaufenen 53c* /chtSperiodc sowohl an Lebhaftigkeit wie auch am Festigkeit namentlich für die in den letzten Wochen so sehr favorisierten, Mittelwerte eine erhebliche Abschwächung erfahren. Durch den Ausbeuteabschlag hat das Interesse für oben genannte Kuxe wesentlich nachgelassen und zeigen dieselben im Gegensätze zu den Kursen der Vorwoche fast durchweg einen Verlust von zirka 150 Ms. bis 200 Mk. Schwere Papiere, wie Wilhelmöhall und Hohenfels werden vergeblich bei 13250 bezw. 11 450 Mk. angeboten. In Karlsftnid überwiegt bei 8350 Mk. Br., Beienrode bei 8675

Mark Dr., Hohenzollern bei 7850 Br., Bürbach bei 8675 Mk. Br. ebenfalls das Verkaufsbedürfnis. (Änigkeit gingen b is 4050 Mark Br. yurficF, während Justus I. bei 7775 Mk. und Heldrungen bei 3950 Mk. Geld besser gefragt werden. Größere Umsätze bei steigenden, .Kursen machen sich für kleine Werte bemerkbar, von denen besonders Ronnenberg-Akt. auf das Anfahren des Kali­lagers im Schacht bis 1550 Mk. bezahlt wurden, um jedoch späterhin wieder auf 1460 Mk. cckzuflauen. Feste Tendenz be­kundete sich ferner bei großen Umsätzen bei Schieferkaute (1450 Mark G.), Hansa-^Silberberg (±275 Mk. G.), Friedrichhall-Äkt. (1630 Mk. G.), Oelerse (1625 Mk. G), und Güntershall (1650 Mark G). In Hannoverschen Kaliwerk-Akt. wurde Material in Posten. bis 993/i Proz. ausgenommen. Deutschland, Adolfsglück, sowie junge und alte Sigmnndshall-Akt. konnten ihren Kurs gleichfalls etwas befestigen, während Hatterdorf bei 650 Mk. Br. nach wie vor flau liegen.

Auf dem Ko hlen-Kuxen markt hat sich seit einigen Tagen eint kleine Besserung bemerkbar gemacht, die 8irr Folge hatte, daß die Kurse der einzelnen Werte, wie Lothringen 21 400 Mark G, Langenbrahmen 10 850 Mk. G. und Dorstfeld 14 900 Mr. G. in, eine kleine Aufwärtsbewegung eintreten konnten. Ein­tracht Tiefbau gehen mit 8525 Mk. und Graf Schwerin mit 8600 Mk. Geld aus dem Verkehr hervor. Alle übrigen Werte begegnen bei fast durchweg veränderten Kursen mehrfach Nach­frage, wobei sich die Umsätze jedoch in sehr bescheidenen Grenzen bewegen. Durch größere Lebhaftigkeit zeichnen sich Freie Vogel und Unverhofft aus die nach Zahlung der Zubuße 1325 Mk. Geld, 1.350 Mk. Brief notieren.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Direktor Jnderfurth von den Jülicher Leder­werken in Jülich ist ins Ausland geflohen. Morgen oder übermorgen findet eine Gläubigerversammlung statt, lieber diese Angelegenheit meldet dieKöln. Volksztg.": Tie Jülicher Volks­bank, die jetzt von der Türener Bank erworben wurde, ist als Gründerin mit dem größten Akttenbetrag an den Jülicher Leder­werken beteiligt und hat von diesen mehrere hunderttausend Mark zu fordern. Als die Dürener Liank und die Rheinische Tiskonto- gesellschaft die Prüfung der Bestände der Lederwerke forderte, floh Direktor Jnderfurth ins Ausland.

Neue 4V2prozentige Russische Anleihe. Wie der Telegraph gemeldet hat, beträgt der ZeichNungsoreis der neuen Anleihe 95 Prozent. Börsenblätter sind nun der Ansicht, daß das Interesse für diese Anleihe bei diesem .Kurs sehr lebhaft werden dürfte. Besonders würden sich 'solche Kapitalisten dafür inter­essieren, welche Wert auf eine dauernde 4V2prozentige Anlage legen. Dann sei anzunehmen, daß auch solche Kapitalisten Interesse hätten, die event. nach sechs Jahren die Rückzahlung al pari ins Auge fassen. Bei Besprechung dieser Prosvekteinzeichnung macht übrigens dasB. T." «auf folgendes Mrsmerksam: Wenn man bedenkt, daß Rußland für eine IV-Prozentige Anleihe einen Kurs von 95 Prozent erhält und event. in sechs Jahren die Anleihe mit pari tilgen muß, so bedeutet das, daß Rußland diesmal 6Vs Prozent Zinsen zahlen muß. Als vor kurzem an eine, an den russischen Finanzen interessierte Persönlichkeit die Frage gerichtet wurde, ob Rußland 5 Proz. Zinsen zahlen werde, lautete die Antwort:Rußland ist noch nicht bankerott!" In einem Augen­blick, wo sich die Verzinsung auf 6Vs Prozent stellt, ist es jeden­falls nicht unintereffant an diese Aeußerung zu eriimern.

Märkte.

ko. Frankfurt a. M., 6. Jan. i-Orig.-Teleqr. des ^Gieß Anz.") Schweinemarkt. Zum Verkauf standen 142 Schweine. Schweine: 1. Qualität 5960 Psg., Lebendgewicht 4700 Psg., 2. Qual. 5800 Pfg., Lebendgewicht 46-00 Pfg., 3. Qualität 5254 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft gut, kein lleberstand.____________________________

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 7. Januar 1905: Trüb, windig, Niederschläge, zunächst noch etwas kälter.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Kriefkasten der Redaktion.

(Anontzme Nnfragen bleiben nnberücksichtigt.)

R. Sch. in L. lieber die Frage, ob die drei Jahre Post- dienstzeit bei der Berechnung der für die Ausstellung eines Zivil­versorgungsscheins notwendigen Dienstzeit berücksichtigt werden können, können wir Ihnen keine zuverlässige Auskunft geben. Wir glauben aber nicht, daß diese Zeit anrechnunqsfähig ist, denn der Zivckversorqungsschein wird doch allgemein nur für die Milttär- dienstzeit verliehen. Sie machen sich aber u. E. unnötige Sorge; der Zivilversorgungsschein dürfte Ihnen sicher sein, da nach den §§ 58 und 75 des Militärpensionsgesetzes vorn 27. Juni 1871 Unter­offiziere, die nach achtjähriger Dienstzeit invalide werden, Anspruch auf diesen Schein haben.

Neutstt Meldnnaen.

Original dratztmeldimssen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 6. Ian. In einer geheimen Sitzung beschäf­tigten sich die Stadtverordneten mit der Vorlage de§ Magistrats betreffend die Beteiligung der Stadt Berlin an einem gemeinsamen Geschenk der preußischen Städte zur Hochzeit des Kronprinzen. Wie dasB. T." erfährt, wurde die Vorlage angenommen.

Berlin, 6. J<rn. Zu dem Falk des hiesigen Land- a e r i ch t s r a t s Hoffmann, dessen Leiche vor etwa drei Wochen im Landwehr-kau al gesunden hnitfre. will derVor­wärts" von bertT<nten§toiirbigtr Seite erfahren haben, daß es sich hierbei nicht um einen Z5tfälligen UnglückSkall, sondern um einen Selb film ord handelt, der mit Er­pressungen in Beziehung zu bringen ist, bfe unter Wusr- nntzung des § 175 Str.-G.-B. verübt wurden. Die Kri- minerl-Polizei habe tu der Angelegenheit Erhebungen an­gestellt und Man meldet, dast der Erpresser bereits ge­sunden worden ist. Eine Bestätigung dieser Meldung müsse indessen aügewcrrtet werden.

Langendreer, 6. Jan. Ein VermittelungS- v ersuch vom Ob er berg amt steht bevor, wird indes all­gemein nur als Formsache betrachtet. Der Streik auf der Zeche Bruchstraße wird spätestens Montag erwartet, doch wird er wahrscheinlich schon eher auSbrechen. In der Belegschaft wird auch der Generalstreik für Montag erwartet.

London, 6. Jan. Tas Reutersche Bureau meldet auS Peschawur vom 10. Tezemb^r: Ter Emir bon Afghanistan ließ den Mörder des Deutschen Fleischer vor ein Geschütz binden und in Stücke zerschießen.

Wien, 6. Jan. In den Kreisen der deutschen Studentenschaft Wiens macht sich eine AbfallS- bewegung von der katholischen Kirche benwrkbar. Man ist unzufrieden mit der strengen Bestrafung anläßlich der Studenten - Demonstrationen gegen den Universitäts- Sekretär und wegen der Haltung der Negierung bei der Schulreform. Die Studenten erachten als beste Antwort darauf den Uebertritt zur evangelischen Kirche. Der Uebertritt soll mit besonderer Feierlichkeit vor sich gehen.

Rom, 6. Jmi. Die Nachricht des BlattesEapitale" über ben Empfang der elieintrli^n Kronprinzessin« von Sachsen durch den Papst beruht auf einer Vcr- wechsellnnjg. In einem hiesigen Hotel war eine 35jähr. Dame unter dem Namen einer Pi'inz.essin Murat adge- stiegeu, die wegen ihrer häufigen Fahrten in den Vatikan von Reportern umgeben wurde. Jn^ärrischen veröffentlicht ein Florentiner Blatt folgende Mitteilung: (Gräfin Mon-

tignoso will mit ihrer Tochter Moniea in größter Ruhe imfcP Zurückziehung leben.

Schanghai, 5. Jan. DerNordchina Daily News" zufolge ernannte der Vizekönig einen Deutschen Namens Bosse zum Leiter des chinesischen Arsenals von Schanghai. Diese Ernennung bedeutet nach Ansicht des Blattes, wahrscheinlich, daß der englische Leiter seinen Platz raumen muß und daß die chinesischen Arsenale unter die Verwaltung von Deutschland konrmen. In der An- gelegenheit der Ermordung eines Chinesen durch einen Matrosen des russischen KriegsschiffesAs- kold" wurde durch den russischen Konsul eine Untersuch­ung vorgenommen. Tas Ergebnis derselben war, daß es sich um Totschlags nicht um Mord, handelt.

Washington, 5. Jan. (Reuter.) Senator Bailey stellte den Antraa, die Konstitution dahin zu ändern, dast die Amtszieit des Präsidenten in Zukunft sechs Jahre dauern und eine Wiederwahl nicht möglich sein soll.

Bom Kriege.

London, 6. Jan. TerStandard" meldet aus Peters» bürg von qestern: Heute nachmittag fand im kaiserlichen Palaste ein Ministerrat statt. Wie dem Korrespondenten des Blattes versichert wird, wurde folgendes beschlossen: Der Krieg wird mit Nachdruck fortgesetzt. Kuropatkin soll bis Ende Februar Verstärkungen von 2 00 000 Mann erhallen; die Leistunasfähiqkeit der mandschurischen Bahn soll durch Einführung emes neuen Bahntyps erhöht werden; die sofortige Rückbernfung des b attischen Geschwaders nach Rußland soll angeordnet werden. Ter Zar und seine Rat­geber erklärten einstimmig, der Vorschlag, Frieden zu schließen^ verstoße gegen die Würde des Reiches-

Petersburg 6. Jan. Admiral Ros chbjestw en s ki soll vor zwei Tagen an den Marinemrnisker telegraphiert haben, daß er angesichts der Unfähigkeit der Offiziere und Ma­trosen seines Geschwaders zögere seinen Kurs fortzusetzen. Er verfügt auch nicht über genügende Streitkräfte, um sich dem Admiral Togo mit Aussicht auf Erfolg ent gegen stellen zu können.

Paris, 6. Jan.Petit Journal" meldet aus Petersburg: Angesichts der großen Opfer, welche der General dem Lande gebracht habe, werde Stössel nach seiner Rückkehr nicht vor ein Kriegsgericht, sondern vor einen Rat von Gene­ralen gestellt werden, welche über seine Haltung urteilen sollen.

Petersburg,.6. Jan. Wie aus dem Hose nahestebenden Kreffen verlautet, hat Fürst Meschtscherski, dessen Einfluß auf den Zaren in den letztm Jalwen unverkennbar war, sein Prestige- vollkommen eingebüßt und Mimster v. Witte soll angenblicllich am Hofe wieder persona grata sein. Von ihm wird viel erhofft und es scheint, daß er der Regierung aus ihrer jetzigen, schwierigen Lage heraushelfen soll. Großadmiral Großfürst Alexis soll täglich eine Menge Drohbriefe erhalten. Man will ihnr für die Mängel der russischen Flotte die Verantwortung, zuschreiben. Ten Großfürsten, der sonst häufig durch die Sttaßen der Residenz fuhr, erblickt man in der letzten Zeit fast gar. nicht mehr.

Petersburg, 5. Jan. Der Kommandierende des erstens Geschwaders im Stillen Ozean. Korrtreadmiral Jessen, wurde- zum Kommandierenden der Kreuzerab-teilung im Stillen Ozean ernannt. Ter Kommandeur der 5. Infanteriedivision, Generalleut­nant Kakurin, wurde zum Kommandierenden des 14. Armeekorps^ ernannt.

Paris, 5. Jan. Der Spezialkorrespondent desMattn^^i in Tschifu telegraphiert, er habe sich nach Port Arthur be»; geben wollen, doch sei er zweimal von der Küste von ehtenrj japanischen Torpedoboot abgebalten worden. Es sei ihm erklärt worden, daß, falls er den Versuch machte, nach Port Arthut. zu gelanaen, festaenonnneir werden würde, da die Blockad« noch nicht aufgehoben sei.

Tschifu, 5. Jan. (Reuter.l Hier wird heute die Ankunft^ von 1000 Nicht kombattanten aus Port Arthur er­wartet. Die eirropäischen Kolonien in den chinesischen Häfen; hatten die Absicht, Kranke und Verwundete aus Port ^rtfrirr in den Hospitälern von Tlchifu, Tierrtsin. Schanghai, SBei»; haiwei und Tsingtau zu verpflegen, ©ine serenz zwischen^ dem englischen mid japanffchen Konsul in Tsck rgab, daß dort^ nur für 60 Verwundete Platz sei. Auch Dientsui und Schanghai- genügten nicht annähernd, und alle Orte zusammen könnten^ nur einen Bruchteil aufnehmen. Jnfolgedeffen würde die Mehr^ zahl der Kranken in Port Arthur blechen.

Telephonischer Kursbericht.

F«nkfnrt a. fflee 6. Januar.

3l/a°/o ReichBanleibe . . 101.85 do. . . . 90.15

V/,% Konsole . . 101.80

30/0 do. . . . . . 91.20 *V/n Hessen .... 100.40 3l/t% Oberhessen . . . 99.80 4% Oesterr. Goldrente . . 101.70 4x!f% Oesterr. Silberrento 100.50 4% Uner&r. Goldrente . . 100.15

Italien. Rente . . . 104.80

41/2 96 Portugiesen » . . 64.10

*c/ Portugiesen. . . . . 63.70

1 % 0. Türken . . . ..

Türkenlose......131.00

4% Griech. Monopol,-AnI. 49.90 4'/,% äussere Argentiner.

3°/o Mexikaner .... 32.9K 4,/8% Chinesen .... 92.35 Electric. Sehuckert . . . 130 50 Nordd. Lloyd . . . . 104.90

Kreditaktien ..... 216.00

Diskonto-Konnnandit . . 195.10^ Darmstädter Bank . . . 143.00; Dresdener Bank .... 159.201 Beniner Handelsges. . . 166.401 Oesterr. Staatsbahn . . . 13950, Lombarden . . 17.80

Gotthardbahn . ... .. . 194.501 Laurahütte . J.. . 259-50c, Bochum . . «H» . . . 241.00, Harpener . . 312.90]

Schatzscheine . . . . . ,

Tendenz: fest.

* - - - - ......-----\

Holzv erkaufe 4

Königliche Oberförsterei Krofdorf.

Montag, den 16. Januar 1905, vormittags 10 Uhr kommen im Ebert'schen Saale zu Fronhausen zum Verkaufs Schutzbezirk Waldbaus Distrikt 55, 57 und 58 (Lindenschied) Eichen: 10 Rm. Schichtnutzholz, 3 Rm. Knüppel, 157 Rm.^ Reiser. Buchen: 6 Rm. Schichtnutzh. (Felqenh.), 1020 Rm., Scheit und Knüppel, 1705 Rm. Reiser. Schutzbezirk Salz^ büden Distr. 77, 79 und 80 (Hardt und Hasengartens Eichens 21 Rm. Schichtnutzh., 12 Rm. Scheit und Knüppel, 537 Rm. Reiser. Buchen: 23 Rm. Scheit u. Knüppel, 723 Rm. Reiser.

Mittwoch den 18. Januar 1905, vormitt. 10 Nhr im Klinkcl'schen Saale zu Odcnhausen: Schutzbezirk Salz* böden Distr. 61 (Hohenschied") Fichten: 680 Stück Derbstangen mit 42 Fstm., 480 Reiser-Stangen mit 3 Fftrn., 5 Rin< Knüppel, 570 Rm. Eichen-, Buchen» und Nadelholz-Reisig.

Holz-Versteigerilttg.

Donnerstag den 12. d. MtS., von nachmittags 12 Uhr an, sollen an her Kreisstraße NeiSkirchen-Lindenftrutd nach- verzeichnete Holzarten und -Mengen öffentlich an den Meist* bietenden versteigert werden:

1. 19 Stück Rüsternstämme von 4 bis 8 Mtr. 8änge und 23 bis 46 Ctm. Durchmesser,

2. 11 Rm. Prügel bolz,

3. 5 Haufen Reisbolz.

Grünbcrg, den 2. Januar 1905. . B

Maringcr. Kreisstraßbnmeistrr.