RolatwnSdruck und Verlag der Brühlfich« UnwerfuälSdruckerel. R. Lange, Gtetz«.
Redaknon,ExpedUton ».Druckerei: Schulftr.A, Tel. 91t. 6L Lelegr.-Adr. i Anzeiger Gietzea,
Nr. 28 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Freitag 3. Februar 1905
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sieben.
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Bekanntmachung.
Im Interesse möglichst frühzeitiger Inangriffnahme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist es erforderlich, daß die Anmeldungen neuer Fernsprechanschlüffe spätestens bis zum 1. März au die Kaiserlichen Tele- graphenanstalten eingereicht werden.
Verspätet angemeldete und infolgedeffen außerhalb deS Bauplanes mit einem Mehraufwand (z. B. durch besondere Entsendung einer Baukolonne 2c.) herzustellende Anschlüffe werden in dem nächsten Bauabschnitt nur dann ausgeführt, wenn die Antragsteller zu den entstehenden Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mk. leisten. Uebersteigen jedoch diese Mehrkosten den Betrag von 50 Mk., so wird der wirklich auf- gewendete Kostenbetrag eingezogen.
Darmstadt, den 26. Januar 1905.
Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Kabelt.
Kekanntmachung.
Im Staatsverlag ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zum Preise von 40 Psg. zu beziehen:
Dienstanweisung für die Feldschützen vom 17. Dezember 1904 nebst Anleitung für die Ortspolizeibehörden zur Ausführung der den Feld-- und Forst- schutz betreffenden Gesetzgebung.
Amtliche Handausgabe. 3 Bogen, 8», in Umschlag broschiert.
Gießen, den 30. Januar 1905.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Tr. Kranzbühser.
Die agrarische Woche.
Die jährlich im Februar in Berlin zusammentretenden politisch-agrarischen Veranstaltungen, die mit der Generalversammlung deS Bundes der Landwirte im Zirkus Busch ihren Höhepunkt erreichen, wurden am Donnerstag durch die Plenarversammlung des preußischen Landesökonomie- kollegiums, der offiziellen Vertretung der landwirtschaftlichen Organisationen, Landwirtschaftskammern, landwirtschaftlichen Zentralvereinen eingeleitet. Auf der sehr umfangreichen Tagesordnung steht unter anderem auch die Frage des staatlichen Schleppmonopols auf dem Rhein- Hannover-Kanal. Hierzu haben die Berichterstatter, Landtagsabg. Kammerherr Freiherr v. Erffa-Schloß Wernburg in Thünngen und Kammerherr v. Mahrenholtz-Gr.-Schwulper der Tagung folgende Resolution unterbreitet:
L „Das staatlicbe Schleppmonopol ist geeignet, die finanziellen imd wirtschastlichen Bedenken gegen den Bau eines Kanals vom Rhein nach Hannover erheblich abzuschwächen, denn es er- ^^L^einen schnellen, regelmäßiger! und zuverlässigen Verkehr mit fester Lieferzeit und dadurch eine bedeutende Erhöhung der Älstunqsfähigkeit des Kanals, .
2." eine rationelle Arbeitsteilung zwischen Eisenbahn- und ^^3^ eine größere Schonung der Ufer ond der Sohle des Kanals und dadurch eine Verminderung der Unterhaltungskosten,
4. die Ausdehnung der Tarifhoheit des Staates auf die Wasier- straßen und dadurch eine Stärkung unserer nationalen Wirtschafts- P°Iihn Die Entwickelung des Schleppmonopols zum Betriebsmonopol, welches dem Staate erst die volle Herrschaft über die Wasserstraßen geben wird, ist anzustreben."
Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt
Landwirtschaftsmiuister v. Podbielski das wort zu einer längeren Erläuterung der Handelsverträge. Minister v. Podbielski legt besonders Wert darauf klar zu machen, daß sie ungeheuer viel erreicht haben. Für die Viehzölle z. B. gilt folgendes: Der höchste Satz, den wir bisher für den Ochsen kannten war 25,25 Mk. Nach den neuen Satz zahlt der Ochse 56 Mk. Zoll. Der Zoll aus Kühe und zwar auf ganz leichte Ware (4 Doppel- ^ntner) betrug 9 Mk., jetzt 32 Mark. Der Stückzoll für Schweine ist von 5 aus 13,50 gestiegen. Was die warmblütigen Pferde anbelangt, so haben wir hier eine Steigerung von 20 Mk. auf 72, für wertvollere auf 120 Mk.
Der Zoll für Schafe betrug 1 Mk., für Lämmer 50 Pfg. Ketzt ist dieser Stückzoll auf 8 Mk. festgesetzt, also auch hier um das Fünf- und Sechsfache gestiegen Ich habe weiter einzugehen auf die Viehseuchen-Konvention mit Oesterreich- Ungarn. Ich halte mich für verpflichtet, dem hohen Kollegium gerade hierüber volle Auskunft zu geben. Meine Herren! Darüber herrscht ja kein Zweifel, daß bte bisherige Reg- ressivsperre, das heißt die Sperre, die bei nachweislicher Verschleppung aus diesem oder jenem Bezirk zur Anwendung kam, nicht das brachte, was sie alle wünschten: den Schlitz unserer heimischen Viehzucht. Ich glaube, daß unser Viehstand noch weit über 7 Milliarden wert ist. Die Forderung der Landwirtschaft ging deshalb auf Präventiv- sperre, das heißt Sperre eines Bezirkes, wenn dieser verseucht ist. Wir find nun dahin übereingekommen, daß wir bei den unbedingt ansteckenden Krankheiten (Rinderpest) volle Freiheit haben, nach Gütdünken zu handeln.
Oesterreich-Ungarn hat schon beute das Recht, geschlach. keie Schweine einzuführen. In diesem Falle handelte es i» MW baram, daß Oestnreich-Ungarii Ausgleichs- Immen verlangte. Das tft nichts wctter als di- Erufubr Snet aetoiffen Anzahl Schweine zur Mbschlachtung. cm der Grenze be^ Bodenbach Passau und RoMheim. Die Diffe- lieat Vier einfach in dem 9 Mark-Lebendzoll und dem für geschlachtetes gMftb< W WWntner. Diese Dumme kommt der öfterrerchlschen Verwaltung zu OT.er ich mochte ausührcu: eine Verpflichtung, dm Zchweine mLehmem besteh? absolut nickt! Ueberdies ist d« Konsum dieser Schweine auf ein ganz bestimmtes Gebiet
feffcgefegt, ein Beschluß, der PreußM nicht berührt. Also handelt es sich um eine Zollfrage. Man wird zugeben müssen, daß diese 80 000 Schweine oder die 130 000 aus Rußland ins Grenzgebiet eingeführten Schweine unmöglich von Einfluß auf die Preisbildung sein können, wenn berücksichtigt wird, daß bei uns jährlich 16 Millionen Schweine geschlachtet werden. Zusammengefaßt liegt die Sache heute so: Tie Einfuhr von Rußland her hat abgenommen; sie lohnt sich nicht, weil der Preis zu hoch steht. Ich glaube, daß aus Oesterreich-Ungarn in den nächsten Jahren überhaupt keine Schweine kommen werden. Bei^ unseren ober- schlesischen Schweinen muß i'ch no/h erwähnen, daß es infolge der Notverhältnisse nicht lohnt, ein schweres Schwein zu mästen. Alle Erscheinungen deuten auch, darauf hin, daß in den nächsten Jahren wir zu wesentlich leichteren Schweinen kommen werden. Tas liegt eben an einer Ge- schmacksrichtrmg, der sich die Produktion anpassen muß. Ich hege die Hoffnung, daß meine Ausführungen eine gewisse Klarheit geschaffen haben! Ich hoffe, die wesentliche Besserung wird anerkannt werden, und dem Reichskanzler, der von allen Seiten hart gedrängt wurde, wird man Dank zollen, daß er seine Versprechungen in vollem Maße ein gelöst hat. Es ist für einen Staat unendlich schwer, aus schlechteren Verhältnissen heraus bessere zu erreichen. Ich hoffe, Sie 'werden mich dabei unterstützen, daß nun nicht weiter mehr Unzufriedenheit hinausgetragen wird. Auch hier gilt der Satz: Fm Siege nicht ausschreitend, sondern mäßig sein! Was sollte aus unserer landwirtschaftlichen Bevölkerung werden, wenn man sagte: Es ist nichts erreicht. Wir müssen sagen, es hätte vielleicht noch etwas mehr erreicht werden können, aber soviel ist erreicht, daß w i r l e b e n können. Stellen wir uns auf diesen Standpunkt, damit wir nicht eine verärgerte, verbitterte Bevölkerung haben, sondern damit die Landwirtschaft wieder Wind in die Segel bekommt. (Lebhafter Beifall.)
Zum Schluß ging der Minister noch ein aus die Seuchen der letzten Jahre. (3rr betonte, wie hier durch gemeinsames Wirken mit den Landwirtschaftskanrmern Großes erreicht sei. (Anhaltender Beifalls
Tie Ausbildung der Landwirtschaftslehrer.
Nach einer Pause erörterten Landesökonomierat Dr. Hapen stein (Biolln) und Universitätsprofessor Tr. Gi- sevius (Gießen) die Vorlage des Ministers bett. Vor- und Ausbildung der Landwirtschaftslehrer. Die Referenten legten ihre Ansichten in zahlreichen Leitsätzen nieder. Sie führen namentlich aus, daß das landwirtschaftliche Unterrichtswesen und die der landwirtschaftlichen Jnteressenverttetung «dienenden Einrichtungen einen Umfang und eine Bedeutung angenommen haben, , daß grundlegende Bestimmungen über die Vorbildung sowie die praktische und wissenschaftliche Ausbildung der Landwirtschaftslehrer rmtib der landwirtschaftlichen Beamten nicht länger zu entbehren sind. Tie Ausbildung der Lehrer und Beamten müsse nach einem einheitlichen Plane erfolgen. Als Vorbildung ist zu fordern das Zeugnis der Reife einer Lehranstalt mit neunjährigem Kurs us. Tie praktische Ausbildung soll mindestens drei Jahre umfassen und sich zweckmäßig gliedern in eine zweijährige Lehrzeit und eine mindestens einjährige möglichst verantwortliche praktische Tätigkeit. Tie wissenschaftliche Ausbildung erfolgt aus Universitäten mit landwirtschaftlichen Instituten, auf landwirtschaftlichen Hochschulen oder Akademien und umfaßt min- bestens drei Jahre. Nach bestandener Staatsprüfung haben diejenigen Kandidaten, die sich dem Lehrfach widmen wollen, an einem pädagogischen Seminar teilzunehmen, dessen Tauer ein Semester beträgt Ein zweites Semester ist id-er Probelehrzeit einzuräumen, die auch an landwirtschaftliche Winterschulen verlegt werden kann. Notwendige Voraussetzung für eine deratige gründliche Ausbildung ist aber eine auskömmliche und gesicherte Lebensstellung mit Pensionsberechtigung und Versorgung.
In einer sehr ausgiebigen Debatte wurde darauf hingewiesen, daß die Forderung des Abiturienten-Exa- mens doch eine nicht unbedenkliche Erschwerung bedeute. Namenllich vertrat diesen Standpunkt auch Ministerialdirektor Dr. Thiel. Das Kollegium lehnte diese Forderung denn auch mit großer Mehrheit ab. Ebenso wurde beschlossen, die landwirtschaftlichen Beamten überhaupt ganz« auszuschalten, da die Lanbwirtschaftsgesellschasten bei ihren Beamten nicht nach dem Bildungsgänge, sondern nach der Tüchtigkeit fragen. Für die praktische Ausbildung beschloß man hingegen statt drei Jahre vier Jahre zu fordern. Ter entsprechende Antrag der Referenten wurde diesen zur entsprechenden Revision überwiesen.
5>te Aerqarbeiterb w gung.
Au8 dem Ruhrrevier.
Infolge Kohlenmangels haben die Westfälischen Eisenwerke Hayingen den betrieb stillgelegt. 1000 Arbeiter sind ohne Beschäftigung. — In einem Berliner Bö^enblatt wird mitgeteilt, daß den Arbeitswilligen zum teilweisen Ausgleich für die erlittene Unbilde, die sie täglich von den Streikenden erfahren, von einer Reihe von Zechenverwaltungen bei der nächsten Lohnzahlung eine Prämie gewährt wird. Diese nächste Lohnzahlung bringt den Streikenden das letzte Geld für die noch im Januar verfahrenen Schichten, zumeist wohl auch die Abkehr von ihrer Zeche. Damit tritt der Ausstand wieder in einen neuen Abschnitt.
Die Friedrich-WilhelmS-Hütte kündigte sämtlichen Arbeitern wegen Kohlennwngels.
Der Bergbauliche Verein hat in einem Telegramm an den Handelsminister Möller gegen die in der Reichs- tagssitzung vom Mittwoch vom Staatssekretär PosadowSky abgegebene Erklärung, worin die Meldung der Preffe über Ausschreitungen von Streikenden gegen Arbeitswillige als unrichtig resp. als übertrieben bezeichnet wird, protestiert unter Hinweis auf den vielfach völlig unzureichenden Schutz der Arbeitswilligen und auf die in mehreren Orten deS Industriebezirkes inzwischen er
gangenen gerichtlichen Urteile, durch die wegen Bedrohung Arbeitswilliger Gefängnisstrafen gegen eine Anzahl von Personen verhängt worden seien.
Eine in Mülheim a. d.Ruhr abgehaltene, von 2500 Pn> sonen besuchte Versammlung forderte den Reichstags- Abgeordneten Dr. Beumer auf, wegen der von ihm im Reichstag über den Bergarbeiterstreik gehaltenen Rede sein Mandat niederzulegen.
Die nationalen Verbände der belgischen Verbände haben an alle Gruppen, Syndikate und korporativen Geselle schäften der vier belgischen Kohlenbecken ein Rundschreiben gerichtet, worin sie daran erinnern, daß ein außerordentlicher Kongreß am nächsten Sonntag in Charleroi tagen wird.
In den Kohlenbecken von Charleroi hat die Aus^ stands-Bewegung wahrscheinlich auf eine von den Führern gegebenen Parole hin nachgelassen, sodaß in mehreren Gruben^ wo bereits Teil-Ausstande bestanden, die Arbeit rotebet ausgenommen roorden ist. Die Ruhe ist vollständig. Qm' Becken von Borinage hat der Ausstand Fortschritte gemad& Die Zahl der Streikenden beziffert sich dort zwischen 7 bis 8000. Mehrere Gendarmerieposten sind verstärkt worden, um allen Eventualitäten vorzubeugen. In Mons ist eine Schwadron des 2. berittenen Jägerbataillons konsigniert. BiS jetzt fanden keine Unruhen statt. Jrn Lütticher Becken ist die Lage vorläufig unverändert. Die Ausstandsbe^, wegung macht dort nur langsam Fortschritte. Dep allgemeine Ausstand wird bort wahrscheinlich am nächsten Montag beginnen.
Südwestafrika.
Berlin, 2. Febr. (Amtlich.) Ein Telegramm au8 Windhuk meldet: Gestorben: Reiter Hermann Beese, durchs einen Schuß in den Unterleib, angeblich auf der Jagd bei Epukiro durch Hereros erhalten. Verwundet: Reiter Emil Wolf am 24. Jan. im Patrouillengefecht in der Rahe oonj Okasewa leicht verwundet. Vermißt: Stabsveterinär Joh.' Rogge, früher in der ostasiatischen fahrenden Batterie, Reiter Hermann Feibicke, in den Dünen östlich der Lüderitzbucht verirrt. _____
Truppenbefichtigung durch den Zaren.
Der Berichtinstatter der Zeitung „Esas" schildett trt inttt^ essanter Weise eine Besichtigung von Truppen durch den Zaren' vor dem Mzug derselben in den Krieg: Auf der ausgedehntes Ebene an oer kleinen Station Lowitsch standen die reguläres Truppen, Infanterie und Attillerie, sowie 14 000 mobilisiert« Reservisten, zu einem großen Viereck geformt, in voller Kriegs-^ ausrüstung da. Ter prächtige Hofzug braust heran. An etneirt Fenster des Salonwagens wird die Gestalt des Zaren Nikolaus Lr^ in der Uniform eines Jägerobersten sichtbar. Tie Würdenttäger eilen herbei; an den kaiserlichen Wagen wird im Nu. ein mit rotem Sammet ausgeschlageneS Trevpchen gestellt. Tie Musik spielt und der Zar entsteigt dem Zuge oder vielmehr er eist hastig heraus und nähett sich den zu seinem Empfang erschieneneir vkbordnungen. Hinter ihm erscheint fein Bruder, Großfürst Michael, bis vor kurzem noch Thronfolger, jetzt nur Stells ti er tretet des Kaisers bei besonders wichtigen Gelegenheiten, als-, bann Kriegsminister Sfacharow, wohlbeleibt mit vollem, rotem Gesicht, dann Hofmeister Baron sH:edericks, gewandt, durch und, durch ein Hofmann, zwar schon tüchtig ergraut, doch nicht ohne gewisse Einbildung: schließlich noch mehrere, als Flügeladjutantttü diensttuende Generale. Zar Nikolaus II. sieht genau so aus, toie; auf den zahllosen Bildern und Illustrationen, nur gealtert und durchaus nicht froh gestimmt. Seine Bewegrmgen find nervös^ imficfiier. An den Schläfen bemerkt man Rmrzeln und in dem blonden Batt viele graue Haare. Sein Antlitz ist blaß, bad emeK Märtyrers: ab und zu huscht ein leises Lächeln über feine Züge; aber man sieht, daß es ein gezwungenes ist. Im Gegensatz jm dem glänzenden Gefolge ist er sehr einfach gekleidet. Nach vielen, feierlichen Ansprachen der verschiedenen Deputationen. tritt berj Pope zu dem Kaiser und reicht ihn: das Christusbild. Dw Zar küßt es und verneigt sich dreimal vor demselben, wormts ihm nach russischer Sitte Brot und Salz gereicht wird. Rasch eilt er darauf an den verschiedenen Abordnungen vorbei, gleich alS ob er fürchtete, noch eine Ansprache mehr anhören zu müssen. Er besteigt eine hübsche Fucksstute und reitet an der Spitze dep Generalität zu den Truppen, welche bei seinem Nahen auf Kvm^ mando in den branstnden Ruf ausbrechen: ,,Wir wünschen Ew. Mlerhöchflen Majestät Gesundheit!" Fünf RegiurentskapelLert spielen die Hymne: „Gott schütze den Zaren" . . . Der 3ar rcrid die Reihen ab und hält Musterung. Lange schaut er die ©op baten an. Die diensttuenden Generale machen von Zeit zu Zett einige Bemer'kungen zu ihm. doch der Herrscher antwortet nur mit einem schweigenden, leisen Lächeln. Tie nwbilyietten Ro- servisten brachen immer von neuem in Hurrarufe aus,. indem: sie, Gewehr bei Fuß, kerzengrade dastehen. Der (SefamteinbrucN den sie machen, ist indessen niederdrückend. Hergeholt von der Stolle und'Mlugfchar, nritgenvmmen durch die harte Landarbeit, sind sie der Parade und des Karabiners entwöhnt. Auf eine augenscheinlich lebende Bemerkrmg des Ministers Sfacharow^, der. asthmatisch pustend, im Trab binterherreiiet, erwidert dep Zar, gleick^sam resigniert, mit einer charakteristischen Handbeweg^ ung. Tie Truppenschau ist endlich zu Ende. Ter Zar reitet mnt! in das Viereck hinein, und das ganze Offizierkorps versammelü sich im .Kreise um ihn. Zar Nikolaus II. hält eine kurze Ansprache und empfängt sodann aus den Händen eines Generals zwölf "k ns. Es erfolgt die Einsegnung der Truppen. In der Hintz halt der Zar ein Kästchen ans Eichenholz; in demselben befindest sich, auf einer Silberplatte eingeprägt, das Bild des Heilands oder des wundettätigen heiligen Nikolaus. Mit einem solchen; „Ikon" reitet der Zar der Reihe zrach an die einzelnen Regimenter; heran, macht über ihnen das Zeichen des Kreuzes, spricht inj seinem Namen den Segen aits und itberreicht sodann den Ikon dem Olnwsten. Das betreffcitbe Regiment empfängt den Scg«r in knie-nder Stellung. Nach zwölsinali-ger Eiirsegnimg der z»Ef 9?ei*im n er kehrt der Zar in schlankem Trabe zum Arrge zurück. Er ist bis auf die Haut durchnäßt. Wahrend der ganzen Zeremonvr goß es in Strömen, unb der Zar war nur in einem leichte«! ^fsiziermantel und schonte sich nicht im gemigsten. Glkstch tym fallt auch die ganze durchnäßte Generalität der Pflicht z«m Opfer, rort den Regimentern, welche auf den völlig unter Wastcr gesetzten Wiesen fnictni, gar nickt zu reden.
KirAe unb Schute.
— Der Württemberg. UnterrichtS-Miniftev Dr. v. Weizsäcker brachte den abstinenten Sckülervev-»


