Ausgabe 
23.12.1905 Fünftes Blatt
 
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sorge ausübt, die heute schon segensreich wirkt, trotzdem die weitere Fortentwickelung des Hortes dringend geboten erscheint. Ist es doch Tatsache, daß die Zahl der für den Hort angemeldeten Knaben größer ist, als die Zahl derer die Aufnahme finden können.

"Die neue Anlage. In der Heimatskunde trug kürzlich der Lehrer unserer Volksschule einen achtjährigen Knaben:Wie viel Anlagen haben wir in unserer Stadt?* 2luf die Antwort fünf frug der Lehrer erstaunt, wie heißen diese:Die Südanlage, bic Nordanlage, die Wcstanlage, die Ostanlage und die Kläranlage* antwortete der Knabe mit schlauem Gesicht.

X Laubach, 22. Dez. In hiesigem Gymnasmlichuler- kreise ist in letzter Woche der zweite Scharlachfall ein­getreten. Der Patient wurde m geschlossenem Wagen sofort nach seiner Heimat Lich verbracht.

Mücke, 22. Dez. Aus dem benachbarten ckers- üorf wurde ein Arbeiter, der in den Eisensleingruben in Flensungen beschäftigt ist, verhaftet und in das Unter- suchungsgefängnls verbracht. Derselbe wird der Ver- gewalligllng eines schulpflichtigen Mädchens im Jlsdorfer Walde beschuldigt.

p. Werdorf (Kreis Wetzlar), 22. Dez. Heute wurde anstelle einer abgängig gewordenen Glocke eine neue probiert und für gut befunden. Wunderschön ertönt jetzt wieder die Dreiheit in dem harmonischen Klang a-c-e.

** Mainz, 22. Dez. Das hier erscheinendeKatho­lische Volksblatt für alle Stände", em religiöses Wochen­blatt für die hessischen Katholiken, beginnt am 1. Januar feinen 5 0. Jahrgang.

Babenhausen, 21. Dez. Bedeutendes Aufsehen er­regte die gestern auf Requisition der Staatsanwaltschaft er­folgte Verhaftung des Stadtrechners Allvater hier. Er soll sich erheblicher Unterschlagungen zum 'Nachteile der von ihm verwalteten verschiedenen Kassen schuldig ge­macht haben. Rian spricht von einem Defizit von annähernd 19 000 Mk. (M. I )

Frankfurt a. M., 22. Dez. Zu der Famrlien- Lragödie im Stadtüxrld wird der Kl. Pr. noch folgendes mitgeteilt: Ter ältere 5-err, von dem sich die unglückliche Familie Wen dl an dl in Isenburg so ruhreno verab­schiedet hat, heißt tatsächlich Bröcker und ist aus Han­nover. Brücker war von der Militarzeit mit Wendlandt sehr befreundet. Sie standen bei demselben Regiment. Am 18. Dezember bekam er von Wendlandt eine etwas dunkel abaefaßte Depesche, er solle auf jeden Fall sofort nach Darm­stadt tommen. Er fuyr noch in der Nacht weg und kam am Dienstag kurz nach 9 Uhr in der Frühe in Frankfurt am Hauptbahn Hof an und wurde dort zu seinem grotzen Er­staunen von Frau Wendlandt und Sohn abgeholt. Beide machten einen verstörten Eindruck und wollten nicht mit der Sprache heraus. Er ahnte etwas Schlimmes. Unter Tränen gestand ihm schliißlich Frau Wendlandt, datz ihr Mann sich ein dienstliches Vergehen habe zu schulden kommen lassen. Tie Staatsanwaltschaft sei ihnen auf den Fersen und an eine Rücklehr nach Darmstadt sei niajt zu denken Sie führte Bröcker dann nach dem Neustädter Hof. Tort trat er seinen Freund, der ihn stürmisch umarmte und -küßte Ter Sohn begann zu meinen. Der Vater schilderte seine Lage und wie er einUnehrlicher" geworden fei.

Kirchliche Zc a ch r r ch t en. Katholische Gemeinde.

Momag, den 25. D ezember 1905.

WcihuachtSfest.

Vormittags um 5 Uhr: Chnsimeite.

von 5 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

_ um 61/, u. 71/, Uhr sind heil. Blessen.

, um 8 Uhr: Milüargoucsdiecht. In der Chrisimmr u. m jeder hl. Messe wird die bl.Roininuan ausgeteüi.

, um 97, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 3 Uhr wird ein polnischer Priester eine poir!^ Predigt hallen u. darnach polnisch le$ hören.

, um 57, Uhr: «Zest-Andacht mit Segen.

Nachminags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelq^ zur heil. Beicht.

Dienstag, den 26. De» emb er 1905.

Fest des heil. Stephanus.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht

um 7 Uhr: Tie erste Herl. Messe, vor unbmte selben Austeilung der heil. Roimru.-.

um 8 Uhr: Die ziveile heil. 'Messe. MilitärgEe?.

um 9>, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 77, Uhr: Fest-Andacht.

Raucht Meine Sonne io Stück 65 Pl-,

Feinste 7 Pfg. Zigarre ß C\ Vft 1fr Gieren, empfiehlt U« V« 1 UlÄ, Grünbergcretr. 4

versteckt gehalten haben. Die folgende Nacht itnirbe avs^-. und der Dieb in der Person dcö Obengenannten abgiür, in das Rathaus gesperrt. Am andern Morgen mar er Derirf»«.1 den: er hatte sich an einem Seil, das sich in der befand, hinunter getanen und begab sich zu seinen m uiigci, loohnenden Eltern. Es erfolgte nunmehr seine $ -7" ung. Im Lause der Untersuchung leugnete er die ja sogar bei der Gegenüberstellung, der Zeugen dir ihn^ genommen hatten, beharrte er, daß er der Täter n-.cht - Den Irrtum einer Zengin zu Erfurt, loo er iulcct im gestanden hat, wußte er so zu seinen Gunuen auszunuben Vil man nahe daran war, an seine Unschuld zu glauben aZI volle vier Monate gelang es ihm, die Behörden man hielt es für angezeigt, ihn aus seinen Geine^zusland i«,- uchen zu lassen, wobei es ihm gelang, anfänglich auch Sachverständigen zu täuschen. Dieser fand aber bald U daß er es mit einem sehr geriebenen Burschen Ju tUn * dessen Angaben feinen Glauben verdienen. Nach und nach. quemte er sich zu einem Geständnis, das er in der Verhau«^ vervollständigte. Aus seinen Borsirafakteu mürbe jeftßcucat . er jdfon als 12 jähriger Junge, gciegentlui) beä

einen Kameraden, eine große Anzahl von Diebstählen vcr.ich 1 zum Teil mittels aufbrechen von Türen und Behältern >7 der Fugend hielt das Gericht mit Ruasicht auf bic trnrin» eine erhebliche Strafe am Platze, rechaiete ihm aoit 1 ,

der erlittenen Untersuchungshaft an. Wegen Widerstand * Ruhestörung wurde der Arbeiter E. M. aus Liienbacy

-öfsengericht zu 4 Wochen Gefängnis und 1 Haft verurteilt. Er hatte mit einem betrunkenen Äamtu^ cmige Tarnen in_ der Bahnhofirraße angercmpelt. Als X dies von einem Studenten verwiesen wurde, verfolgt laut schiinpsend, sodaß die PoUzei zu feiner Mitnahme sch^i mußte. Hierbei leistete er Widerstand und zerriß einem 3^ munn die Kleider. Er focht das Urteil an und 1x^57 daß seine Fewnahme zu unrecht erfolgt sei. xie Beweisanma.,^ ergab aber das Gegenteil, jodaß die Berufung des iwgen tatigkeiten sehr oft vorbestraften Ange Nagten z u rück ge wie,,, wurde.

Tann machte Bröcker mit der Familie einen Spazier- an q durch den Wald nach Isenburg. <zn einer Wirtschaft in ix er Nähe des Waldbahnhofes aßen sie zu Mittag. Tie Zeche machte vier Mark und einige Pfennige, die Bröcker bezahlte. Um drei Uhr verließen sie die Wirt­schaft und gingen durch den Wald zum Main-Ncckar-Bahn- hof in Isenburg. Unterwegs raffte sich Wendlandt unter heftigem Schluchzen des Sohnes zu dem furchtbaren Ge­ständnis auf, daß er heute noch mit der ganzen ^-amUte !n den Tod gehen werde. Bröcker war entsetzt über das Vorhaben, bat und weinte---er konnte hichts aus-

richten. Mle Versuche, die Familie vor dem schrecklichen Schicksal zu bewahren, schlugen fehl. Um 3 Uhr 41 Mm. fuhr er nach Frankfurt zurück. In dem ^senburger Restaurant hatte Wendlandt noch jene ftarte an die Polizei geschrieben. Zusommen mit seiner Uhr und Briefen an seine Angehörigen steckte er sie Bröcker in bie Tasche, der sie bei seiner Ankunft im Hawptbahnhof in den Posttasten warf. Tann nahm das Schicksal seinen Lauf. Aber immer noch ist es unaufgeklärt, ob die Armen am Abend des Tienstags oder am Mittwoch Morgen aus der Wett geschieden sind. Tie Beerdigung ist Sonntag vormittag um 11 Uhr. Ein Pfarerr von Tarmstadt, der die Kinder seiner­zeit konfirmiert hat, wird bu? kirchlichen Handlungen vor- nehmen.-------

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 22. Dezember.

Auf dem Kirchweihfeste zu Lauter gerieten einige junge Leute in einem Tcmzsaal in Streit, in den sich auch ältere Leute ein­mischten. Hierbei wurde der Pflastermeister K. L. angegriffen und zu Boden geworfen. .Als er wieder auf die Beme tarn, mehrte er sich und schlug um sich, wobei er zweieuteverletzt haben soll. Aus erjolgte Anzeige verurteilte ihn das -Lchöffen- gericht Grünberg wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 20 Mark Er focht das Urteil an und behauptete, in Notwehr gehandelt zu haben, bestritt aber, daß er den Verletzten bie Verwundungen beigeüracht hat, da er sich mit den bloßen Händen gewehrt habe. Da die Verletzten an jenem Abend sehr rauflustig maren, und der eine mehrfach mit dem offenen Messer in der Hand gesehen wurde, auch um genannte Zeit em großer Tumult herrschte, hielt ks das Berufungsgericht nickst für ausgeschlosten, daß die Verletzungen auch anberdioo hemihren können, weshalb F reispruch erfolgte. Ter Maurer I. »t. aus Butg-Grafen- robe, ein trotz seiner Jugend wegen Körperverletzung und anderer Gewalttätigkeiten mehrfach bestrafter Mensch, tarn in eine Wirt- jdkift, um sich seine Kleider reinigen zu lasten, die infolge eines Falles vom Rad beschmutzt waren. Er wurde von einigen jungen Leuten darüber gehäuselt, woraus er diese au.forderte, mit ihm hinauszugehen, et gedenke mit ihnen fertig zu werden, wie er auch schon mit andern fertig geworden ist Er stellte sich an die Türe neben sein Rad nut geöffnetem Mesfer und versetzte den zuerst htnauStommeiiden zwei Burschen mehrere ^tickje, ichwang sich auf sein Rad und fuhr davon. Bas Schostew- aerickst Friedberg öerurteUte ihn dafür wegen Körperverletzung ;u 6 Wochen Gefängnis. Er erhob Berufung unter der Be­hauptung, daß er in Notwehr handelnd von seinem Mester

Gebrauch machen. mußte, da er von acht Personen angefallen

worden sei Dos Gericht war aber auf Gruiid der Beweis­aufnahme anderer Ansicht und kam Tank der Berufung der

StaatSanwaltschast zur E r h o h u n g der strafe auf 3 Mon a t e. Wegen schweren Tiebstahls wurde der Illjaljtige Schweizer A Sch. aus Sabine (Schlesien' zu 4 M o n a t e n G e f ä n g n i s verurteilt Im verflossenen Sommer wurde einem Kaufmann zu Münzenberg nachts mittels Einsteigens 17 Mark ans der Ladenlasse und eine Anzahl Zigarren entwendet. Tie zwei folgen^ den Nächte erhielt ein Gastwirt Besuch, dem eine große Anzahl Zigarren gcftoljlen wurde. Tie Bestohlenen sind Nachbarn und nach den Spuren zu urteilen, mußte sich der zieh in der Scheuer

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