Ausgabe 
5.6.1905 Zweites Blatt
 
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Waltet geteilt hatten, fuhren Sie nach Mannheim und kauften sich einen Revolver? Hudde: Jawohl. Vors.: Was war das für^ ein Revolver? Ein sechsläufiger. Vors.: Diesen trugen Sie stets geladen bei sich? öubbe: Jawohl. Vors.: Weshalb taten Sie das: halten Sie die Zustände im Deutschen Reiche für derartig gefährlich, um mit einem sechsläufigen ge­ladenen Revolver das Land zu durchziehen? Der Angeklagte schweigt. Vors.: Sie taten daS offenbar, weil Sie sich mit Waltet verabredet hatten, das Land zu_ durchziehen, um mit diesem gemeinsam weitere Einbruchs-diebstähle zu begehen? Dudde: Verabredet war nichts. Der Angeklagte erzählt danach auf Besvaaen des Vorsitzenden: Er sei von Mannheim nach Frank­furt a. M., von dort nach Köln _ und von da nach 'Marburg gefahren. Er habe schon in Frankfurt mit vollen Händen Geld ansgegeben, er habe bei Dirnen genächtigt und mit diesen Retsen unternommen. In Marburg habe er sich einer umher zieh enden Sängergesellschaft angeschlossen. Er sei schließlich wtederum mit Walter zusammengetrofsen und sei mit diesem nach Wissen ge­fahren. In der Nacht vom 24. zum 25. Oktober 1904 habe er mit Walter einen Einbruchsdiebstahl auf den Gewerken Lud­wig Spies i n W i s s e n ausgeübt. Sie haben dort 1 silberne Uhr, 2 Broschen, 1 Meßband, einen Kvntschuckstempcl, zwei Taschenmesser, zwei Taschentücher und Versicherungsmarken ge­stohlen. Sie fuhren von dort nach Herdorff. In der Nacht vom 26. zum 27., Oktober 1904 haben sie bei dem Pfarrer Maur einen Einbruchsdiebstahl begangen. Vors.: Sie seien dabei auch in das Schlafzimmer des Pfarrers gekommen? Angell.: Jawohl. Vors.: Was wogten Sie nun machen, wenn der Pfarrer aufwachte? Angekl.: Dann wollten wir weglaufen. Vors.: War das verabredet? Ange kl.: Jawohl. Vors.: Sie trugen aber Ihren geladenen sechsläuftgen Revolver und Walter ein großes Stemmeisen bei sich? Angekl.: Jawohl. Vors.: Der Pfarrer Maur ist auch aufgewacht? Angekl.: Jawohl. Vors.: Sind Sie danach weggelaufen? Angekl.: Jawohl. Vors.: Sie hatten aber vorher schon gestohlen: 50 Mk. bares Geld, einen Feldstecher, ein Rasiermesser, zwei Broschen, zwei goldene Kreuze, einen Stempelkasten, Quittungsmarken, Pho­tographien, Patronen, 1 silbernes Gefäß. 1 Medaille und ein Stemmeisen? Angekl.: Jawohl. Vors.: Hatten Sie sich nicht schon vorher in der Nähe des Pfarrers gütlich getan? Angekl.: Jawohl, wir aßen Schinken und Brot. Vors.: Haben Sie nicht auch eine Flasche Wein und eine Flasche Kognak aus­getrunken? Angekl.: Jawohl. Vors.: Sie sind alsdann mit Walter nach Garbeck gefahren und haben in der Nacht vom 28. zum 29. Oktober 1904 bei dem Pfarrer Schmitt daselbst eingebrochen. Sie haben dort gestohlen 100 Mark bares Geld, 1 goldene Uhr nebst Klette, und ein goldenes Kreuz. Sie smd danach in die Kirche eingebrochen und haben dort den Opfer­kasten geplündert? Angekl.: Jawobl. Vors.: Wieviel Geld war in dem Opferkasten? Angekl.: Vier Mark. Ober­staatsanwalt : Weshalb haben Sie sich gerade katholische Pfarr­häuser zu Ihren Einbrüchen ausersehen? Angekl.: Das kann ich nicht so genau sagen. Vors.: Dann sagen Sie es ungenau. Angekl.: Weil ich glaubte, daß in den katholischen Pfarr­häusern das meiste Geld sei. Vors.: Sind Sie nicht auch der Ansicht gewesen, da die katholischen Geistlichen unverheiratet feien, sei in diesen Pfarrhäusern die geringste Gefahr vorhanden, ergriffen zu werden? Angekl.: Das wohl auch. Ter Angeklagte erzählt danach auf Befragen des Vorsitzenden: Nach der Tat in Garbeck habe er Walter aus den Augen verloren. Er habe alsdann seine Wanderschaft allein, fortgesetzt und acht bis zehn Tage lang in Scheunen genächtigt. Vors.: Hatten Sie denn kein Geld mehr? Anaekl.: Jawohl, Geld hatte ich. Vors.: Weshalb schliefen Sie da nicht im Wirtshause? Der Angeklagte schweigt. Vors.: Sie werden doch selbst zu- geben, daß es höchst auffällig ist, daß Sie im November 1904 8 bis 10 Tage lang stets in Scheunen übernachteten, obwohl Sie Geld genug besaßen, um in W'rtshäusem zu übernachten. Angekl.: Ich "wollte mich nicht sehm lassen. Vors.: Gingen Sie denn nicht bei Tag durch die Dörfer? Angekl.: Jawohl. Vors.: Also bei Tag vaffterten Sie ganz offen die Dorfstraßen und des Nachts mieden Sie die Wirtshäuser, sondern schliefen in Scheunen, um sich nicht sehen zu lassen, das ist doch ganz unlogisch? Angekl. schweigt.

Einbruchsdiebstahl in Klein-Schwalbach.

Der 9Ün gefragte erzählt hierauf auf Befragen W Vorsitzen­den : Am 8. November sei er nach Kfrin-Schwolbach gekommen. Nachdem er dort Mendbrot gegessen hatte, habe er bei dem Pfarrer Hartleib einen Einbrucksdiebstahl unternommen. Er habe dort 30 Mark, 1 silberne Uhrkette und ein Tranchiermesser gestohlen. Alsdann sei er in die katholische Kirche eingebrocben. Dort habe er zunächst den Opferkasten aufgebrochen und diesen geplündert. Alsdann habe er eine Kerze angezündet und habe die Sakristei aufgebrochen. Dort habe er einen silbernen Llbeud- mahlskelch gestohlen,. Vors.: Sie, sind, doch selbst Katholik scheuten Sie sich nicht, in die Sakristei einzubrechen und einen Abendmahlskelch zu stehlen? Angekl. schweigt. Der An­geklagte erzählt ferner auf Befragen des Vorsitzenden: Er fei danach nach Frankfurt a. M. gefahren, habe dort eine ihm be­kannte Dirne besucht, bei dieser genächtigt, fei in mehreren Wirtschaften gewesen, und fet abends in den Zirkus gegangen. Dort feien Ringkämpfer ausgetreten; ganz besonders habe es ihm Spaß gemacht, daß ein Russe seinen Gegner geworfen hatte. s.Hei- terfeit im Zuschauerraum.) Auf Befragen des Verteidigers R.-A. Dr. Jung, bemerkt der Angeklagte: In Frankfurt a. M. habe er int GasthofZum Taunus" unter dem Namen:Schnei­der, Monteur aus Hagen" gewohnt. Vors.: Sind Sie außer­dem noch unter falschem Namen aufgetreten? Angekl.: Bis­weilen. Der Angeklagte erzählt weiter auf Befragen: In einer Wirtschaft in Frankfurt a. M. habe er einen Arbeiter, namens Abels kennen gelernt. Er habe mit diesem Freundschaft geschlossen, auf dessen Einladung bei ihm, genächtigt, und mit diesem verabredet, mit ihm gemeinsam Einbruchsdiebstähle zu begehen. Abels hatte ihn aber betrogen, deshalb habe er sich von diesem getrennt.

Die Begegnung mit dem Handwerksburschen Willy.

Nunmehr erzählt der Angeklagte auf Befragen des Vor- /stzenden: Am 11. November sei er auf der Hanauer Chaussee einem Handwerksburschen begegnet. Vors.: Woraus entnahmen Sie, daß es ein Handwerksbursche war? Angekl.: An seinem schlechten Anzug. Vors.: Beschreiben Sie diesen Willy einmal möglichst genau. Angekl : Er war etwas größer als ich, etwa 28 Jahre alt, hatte ein auffallend basses Gesicht, dunkle Haare, ciitcit großen dunklen Schn"rrbart. Er grüßte mich und bat mich um eine Zigarette. Er erzählte mir: er sei in Frankfurt a. M. Zuhälter gewesen: sei nun auf die Wanderschaft gegangen, da er von der Polizei wegen Zuhälterei verfolgt werde. Er habe den Willy aufgefordert, sich ihm anzuschließen und mit ihm gemeinsam Einbruchsdiebstähle zu begehen. Willy habe sich sofort einverstanden erklärt und den Vorschlag gemacht, nach "Helden­bergen zu gehen und in dos dortige katholische Pfarrhaus einzubrechen, da der Pfarrer daselbst ein sehr reicher Mann sei. Abends gegen 8 Uhr seien sie in Heldenbergen angekommen. Sie haben zunächst im Wartesaal des Bahnhofs gegessen und getrunken. Gegen 11 Ubr abends seien sie in den Garten des Pfarrhauses über einen Zaun gestiegen und dort durch ein Abort- senster in das .Haus gelangt. Er habe ferne elektrische Taschen­lampe, die er kurz vorher gekauft batte angezündet Ich hatte wahrgenommen, so etwa fährt der, Angeklagte, wörtlich fort, da> in einem Parterrezimmer der Pfarrer schlief. ,Jch sagte zu Willy:Hier dürfen wir nicht hineingchen". Wir drangen in die anderen Zimmer ein, fanden aber nirgends Geld. Da sagte Willy:Ohne Geld gehen wir hier nicht heraus, wir müssen in das Schlafzimmer des Pfarrers gehen, da ist zweifellos Geld. Willy holte aus der Küche ein großes Tranchiermesser und sagte: Wenn der Pfarrer aufwacht, dann mache ich ihn damit bonge." Ich öffnete das Pult im Schlafzimmer, in dem einige hundert Mark lagen. Durch das Geräusch erwachte der Pfarrer und schrie:Au!" Ich drehte mich um und wollte entfliehen. Willi, der am Bett des Pfarrers stand, sagte:Bleib nur da, es ist schon alles v orüber." Vors : Was. verstanden Sie darunter? Angekl.: daß er den Pfarrer

ermordet hatte. (Große allgemeine Bewegung.) Vors.: Sie verließen alsdann das Schlafzimmer?, Angekl.: Ich öffnete die Tür, in demselben Augenblick hörte ich aber eine Tür auf- gehen. Ich blieb, einen Augenblick stehen,^ da aber alles riihig blieb, begab ich mich auf den Hausflur, auf den ich meine Schuhe gestellt hatte. Ich zog mir diese an, schlich mich in den Garten und gelangte von diesem ins Freie. Ich erwartete Willy an der Landstraße, am Aus gange des Dorfes. Nach etwa zehn Mi­nuten kam Willy. Ich fragte ihn, weshalb er den Pfarrer er­mordet habe. Willy antwortete: Ich konnte nicht anders. Wenn der Pfarrer auf einmal geschrieen hätte, wären wir ertappt worden. Ich wollte mit einem solchen Menschen nichts weiter zu tun haben. Ich, schlug vor, daß wir feder einen andern Weg nehmen: Willy ging die Chaussee nach Büdesheim, ich die nach Hanau hinunter. Von Hanan fuhr ich mit dem ersten Frühzug nach Frankfurt. Wir hatten verabredet, uns auf dem Frankfurter Hauvtbahnhof zu treffen, Willv kam iedoch nicht, ich habe ihn auch nicht mehr gesehen. Vors.: Was hatten Sie von dem Raube in Heldenbergen erhalten? Angekl.: Hundert Mark. Vors.: Wo haben . Sie den Raub geteilt? Angekl.: Auf der Landstraße, wo sich die Chaussee nach Büdesheim und nach Hanau teilt. Es tritt daraus eine kurze Pause ein. (Fortsetzung folgt.)

Den fortlaufenden Bericht über den ersten Tag des Hudde- prozesses werden wir heute abend schon durch Aushängen in unseren Kästen und im Schanfenster dem Pub'k"rn bekannt gchen.

Aus Stadl m:d Land.

Gießen, 5. Juni 1905.

Zum Huddeprozeß.

Hudde, der vielgenannte Raubmörder, hat sich heute vor dem Schwurgericht zu verantworten. Es ist das große Tages­ereignis in Gießen, dessen Ausgang, der voraussichtlich erst in 3 Tagen stattfinden wird, mit größtem Interesse erwartet wird. Die Zulassung des Publikums zum Schwurgerichts­saal bereitete keinerlei Schwierigkeit, da jedermann nur gegen Vorweisung von Eintrittskarten Zulaß fand. Alles ging in schönster Ordnung. Einen ausführlichen sachlichen Bericht bringen wir heute an anderer Stelle. Den Hauptinhalt der Sitzung des heutigen Vormittags bildete die Vernehmung Huddes über seine sämtlichen ihm zur Last gelegten Straftaten, die er im Anschluß an die Erzählung seiner Familienverhältnisse chronologisch vorbringen mußte. Hudde ist verhältnismäßig elegant gekleidet, trägt tadellos ge­bügelten, weißen Stehumlegkragen mit dunkelm Anzug und etwas helleren Hosen. Bevor er das Wort genommen hat, macht er den Eindruck eines Menschen aus besseren Gesell­schaftsklassen, ja, man könnte ihn seinem wohlgenährten Gesicht mit dem gepflegten blonden Haar und Bart nach für einen Studenten in älterem Semester halten. Hochintelligent sieht er allerdings nicht aus, wohl aber kaltblütig, besonnen. Er ist blaß, bewahrt aber bei seinem Eintritt in den Saal wie auch während der Vernehmung vollständig seine Ruhe. Sein Genosse hinter ihm aus der Anklagebank mit seinem langen, blon­den Haar und dem etwas stierenden Gesicht sieht gewöhnlicher aus . Auch er sitzt ruhig auf seiner Bank während Hudde vor­treten und erzählen muß. Dieser schwere Verbrecher macht seine Angaben mit etwas gepreßter, ziemlich gaunermäßiger Stimme; er erzählt seine unglaublich gemeinen Einbrüche mit völlig ge­werbsmäßigem Geschäftston. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Prätorius, stellt ab und zu in ruhiger und eindringlicher Weise seine Fragen, während Hudde den Bericht für die wenigen Tage vor der Heldenberger Tat völlig aus sich selbst heraus berichten muß. Das unglaubliche Zusammentreffen mit Willi auf dem Weg von Frankfurt nach Heldenbergen bringt er äußerst fließend und lebhaft vor. Wahrscheinlich will er überzeugend werden und durch Berichte über kleine Umstände und Begegniffe seinen Bericht glaubhafter machen. Kurz vor 12 Uhr wurde die Sitzung für 5 Minuten ab­gebrochen. Der Bericht über die Heldenberger Sache ist noch nicht völlig abgeschlossen. Hudde schiebt, wie das seither bekannt geworden ist, die Schuld des Mordes selbst auf Willi, den er genau beschreiben mußte. Diese durchsichtigen Angaben über den großen Unbekannten, die allerdings so bedächtig und geschickt wie möglich vorgebracht wurden, werden ihm allerdings nicht viel helfen.

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* Schillerausstellung der Großh erzogt. Uni­versitätsbibliothek. Einem Wunsche der Teilnehmer an dem diesjährigen Fortbildungskursus für Volksschullehrer entsprechend, hat der Direktor der Großherzogl. Universitäts­bibliothek in liebenswürdigem Entgegenkommen bestimmt, daß die Schillerausstellung für die Teilnehmer an dieseni Kursus noch nächsten Mittwoch, 7. Juni, nachmittags von 3 bis 4 Uhr geöffnet bleibt.

** Eine Kommission von Stadtverordneten begibt sich, wie wir lesen, morgen nach Nürnberg und Fürth und trifft dort mit dem Oberbürgermeister Mecum zusammen, um die dortigen neuen Theater zu besichtigen. Das Nürnberger Theater ist übrigens zugleich ein Saalbau von riesigen Dimensionen, in feiner äußeren Gliederung recht uneinheitlich. Der Stil ist mittelalterlicher Burgstil mit An­klängen an deutsche Renaissance.

Gauturnsa hrt. Am Südende des Turngaus Hessen, in Niederwöllstadt, fand gestern die Frühjahrs-Gau- Turnfahrt statt. 150 Wetturner hatten sich angemeldet, 143 stellten sich zu den Stabübungen, 114 wurden gewertet. Von diesen gingen als Sieger hervor:

Karl Schwarz M.-T.-V. Gießen 36 V2 Punkte, Dalth. Dort T.°V. Großenbuseck 34 % Gottlieb Kuins T.-V. Marburg 33 1 /,, Kart SalzmcmmBad-Nauheim 32 V Albert Münch-Wetzlar 32, Heinrich Hamel T.-V. Gießen 30, Ernst Koch-Alsfe!d 29 9,, Heinrich Erle-Usingen 27, Franz Riegel-Wetzlar, Wilhelm Schmidt-Lauus° bach und Herrn. Accularius-Schotteu 26, Wilh. Wiederstein M.-T.--V. Gießen 25, Karl Rees-Butzbach und Wilh. Feger-Aiffvach 24, Och. Hahn-Großenbuieck 23 '/ Ocb. Wunderlich-Kirchhain und Peter Bangert-Anspach 23, Rieb. Schnbecker T.-V. Gießen 22 V-, Rob. Eli-Anspach und Jakob Steinmüller M.-T.-V. Rodheim an d. Bieber 21 V5, Gg. Fischer-T.-V. Marburg, Karl Dörr-HlUigen, Guido Jhrmgcr-Alsfeld, Karl Schneider-Wetzlar nub Hermann Lehrmund LangLdorf 21, Wilh. Menges-Leihgestern, Karl Oierony' mus-Friedberg, Och. Ernst-Anspacb, Julius LangsdorbBad-Nau- beim und Hch. Schmidt-Schotten 201/2, Och, GrieS-Bad-Nanheim, Otto-Müller-Alsield, Karl Svamer-Schotten, Ocb. Wagner-Großen- liiiden, W. Ooiniaiin-Großenlilideii, Beriihard Wack-Bad-Nauheim und Wilh. Thöt M.-T.-V. Gießen 20 Punkte.

tz Fulda, 5. Juni. (Orig.- Dra htmel du ng.) Bei dem gestrigen von vielen Tausenden besilchten Boni­faz i u s f e st e ereignete sich ein Brandung! ü cf. Am Abend wurde die Fassade des Domes bengalisch beleuchtet und ein Feuerwerk abgebrannt. Eine Patrone vom Feuerwerk ist

in das Innere des nördlichen TurmeS hineingesahren und Hai dort die Dohlennester entzündet. Das Feuer muß ge­glimmt haben, denn gegen 12 Uhr stand auf einmal der ganze Dachhelm des nördlichen Turmes in Hellen Flammen. Die berühmte Osanna-Glocke und die Bonifazius-Glocke, welche sich in diesem Turm befinden, sind vernichtet. Abgesehen von unbedeutenden Beschädi­gungen des Dachstuhls hat der Dom keinen weiteren Schaden erlitten. Gegen 2 Uhr war die Gefahr des Umsichgreifens bereits vorüber. Die Feuerwehren von Fulda und sämtlicher Nachbarorte waren in Tätigkeit. Auch ein Teil der Frank­furter Feuerwehr war requiriert worden. Die Garnison be­teiligte sich an den schweren Löscharbeiten. Die Bonifazius- Festwoche, die gestern begonnen hat, wird programmmäßig ihren Fortgang nehmen.

Märkte.

Gießen, 5. Juni. Vieh markt. Bei dem 'am 80. und 31. Mai d. Js. abaehaltenen Markte waren aufgetrieben 1495 Stück Rindvieh, 1131 Schweine. Der nächste Markt findet am 27. und 28. Juni statt, am letzteren Tage auch Krämermarkt.

fc. Frankfurt a. M., 5. Juni. (Orig.-Telegr. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpre is e. Weizen V>k. 18.5000.00, Kurhessischer Mk. 18.5018.75, La Plata Mk. 18.2519.25, Kansas Mk. 18.5019.25, Roggen (hiesiger) Mark 15.7500.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.7518.00, Franken­felder Mk. 00,0000,00, Oafer Mk. 15.0015.50, Mais Mk. 12.2512.50 Weizenmehl 0 Mk. " 26.7527.75, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.5023.00, Roggenmehl 0 Mk.22.7523.25,1. Qualität Mk. 20.2520.75, Weizenkleie Mk. 10.75 bis Mk. 11.00, Noggenkleie Mk. 11.5012.00, Maiskeime Mk. 11.50 bis Mk. 12.00, Franken, Pfälzer, Nied Alk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 5. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 530 Ochsen, 210 aus Oest­reich, 52 Bullen, 3 aus Oestreich, 839 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 278 Kälber, 243 Schafe und Hämmel, 1555 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen--, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht' Ochsen 1. Qualität 7173Mk., 2. Qual 6567 Mk., 3. Qual. 5962Mk.; Bullen l.Qnal. 62 bis 64 Mk., 2. Qual. 5961 Mk.: Kühe 1. Qual. 6769 Mk., 2. Qual. 5961 Mk., 3. Qual. 4850 Mk, 4. Qual. 4143 Mk., 5. Qual. 0000Mk. Kälber: l.Qual. 8790Pfg., Lebendgewicht 5254 Pf., 2. Qiral. 8286 Pfg., Lebendgewicht 4951 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg., Schlachtgewicht 6064Pfg., Schafe: l.Qual. 7274, 2 Qual. 6466 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.: Schweine 1. Qual. 6970 Pfg., Lebendgew. 55.05 Pfg., 2. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 5400 Pfg., 3. Qual. 6365 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, Uederstand unbedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Uederstand.

Krrgmaf-Draöfmeldttngkn.

Die Berliner Festlichkeiten.

VerIin, 4. Juni. Die Tafel bei dem heutigen Gala­diner war hauptsächlich mit Rosen in allen Farben ge­schmückt. Das goldene und silberne Tafelgerät schimmerte im Glanze der elektrischen Beleuchtung. Der lange.Zug der höchsten Herrschaften bot eine Fülle von Pracht, Würde, Reichtum und Anmut. Die Kaiserin trug eine weiße Seiden­robe mit einer blaßblauen Sammetschleppe, die Herzogin- braut eine rosafarbene Robe mit reichen Silberstickereien. Die Kapelle der Gardefüsiliere konzertierte. Heute abend brachten 4000 Studierende der sechs Berliner und Charlottenburger Hochschulen einen Fackelzug dar. Mit dem Porkschen Marsche bewegte sich der Zug, in welchem sich zahlreiche Kapellen befanden, einer feurigen Riesen­schlange gleich von den Linden her zum königlichen Schloß. An den Fenstern der Prunkgemächer erschienen die Gäste des Kaiserpaares, auf den Balkons die Majestäten und das Brautpaar. Bei deren Anblick erhoben sich die Chargierten in den Wagen, die Schläger wurden geschwungen, die Fahnen gesenkt. Ein Hurra folgte dem anderen. Der Vor­überzug dauerte eine Stunde. Das Wetter war herrlich.- Prinz Arisugaw a schenkte dem Brautpuare zwei Blu­menschalen von wunderbar getriebener Arbeit in Silber in außergewöhnlicher Größe. An die fremdländischen Würden­träger wurde eine große Menge von Ordensauszeichnungen verliehen. Unter anderen erhielten Fürst Alfred zu Win­disch gr ätz (Oesterreich) den Schwarzen Adler­orden, General de Lacrois (Frankreich) das Großkreuz des Roten Adlerordens 1. Kl., bevollmächtigter Minister A r a g o (Frankreich) den Kronenorden 1. Kl.

Bom Kriege.

Tokio, 5. Juni. Togo besuchte am 3. Jurü Noschdjestwensky int Marinehospital zu Sasabo, drückte ihm seine Sl)mpathie aus, lobte die Tapferkeit und zähe Ausdauer der Russen, welche sie int Kampfe an den Tag legten, und sprach die Hoffnung aus, daß Roschdjestwensky bald nach Rußland werde zurückkehren können. Tief bewegt dankte Roschdjestwensky und beglückwünschte Japan zu dem Mute und dem Patriotismus der Seeleute. Der edle Charakter der Sieger vermindere den Kummer um die Niederlage.

Moskau, 5. Juni. Die hiesigen Lazarethe sind verwundeten und geisteskranken Offizieren und Mann­schaften überfüllt.

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Varis, 5. Juni. Nack b?m gestrigen Galadiner und Gala- Vorßcckung verließ derKönigvonSpanienurn Mitter­nacht Paris, um sich von Cherbourg nach England einzu- schisfen Bei bem Eintreffen des Königs in Paris sind, wie nunmehr mitg-eteilt wird, an dielen zahlreiche anonyme Schreiben, darunter auch Drohbriefe gerichtet worden, welche man dem König jedoch nicht zustellte. Auch mehrere Liebesbriefe sind dem König zugegangen. In Ganat wurde ein 25 jähriger Mann verhaftet, welcher Frauenkleidung trug. Man glaubt in ihm den spanischen Anarchisten Ferras, den vermutlichen Attentäter ergriffen zu habcn. Jedoch heißt c5 auch, es handle sich um einen flüchttgcn Kassierer, der 20 000 Fc. unterschlagen hatte.

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Gesiebtsansschläge Äse"*

Ich bescheinige hiermit, dass Obcrmcyers Herba-Seife meinem Gesichtsausu schlag, an dem ich Jahre lang auf die unangenehmste Weise litt, nach einigen Wochen vollständig Heilung brachte Grh.Geom.LKl. Krämer, Bad-Nauheim. Z. h. j. a. Apoth., Drog. u. Part p. St 50 Pfg. u. 1 Mk. Obermeycr & Co tiauan.