Ausgabe 
5.1.1905 Zweites Blatt
 
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Nr. 4

Zweites Matt

155. Jahrgang

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Redaktton. Expedition n. Druckerei Schulftr.^

Tel. Nr. 5L Lelegr.-Adr. i Anzeiger Gletze»

scheint lL-Nch mtt vu-nahm« der DonntagS.

Diegteftcner Kamiltendlätter" werden dem ,^HAetget viermal wöchentlich beigelegt. Der «hesülchr Landwirt- erscheint monaUlch einmal.

Donnerstag 5. Januar 1905

* . Rotationsdruck und Verlag der Brüh leches

" llnwersitätsdruckerei. R. Lange, Gieße»

Du dcn Dorgäilgeu in ZcntsH-SüdwcstaftiKa.

Dem Reichstag ist vom 2^ichskanz>ler ein weiterer Be- rid)t über die Tätigkeit der Kommission zur Feststellung Der Schäden aus Anlaß des Hereroaufstandes vorgelegt worden, den der Vorstzende der Kommission, Oberrichter

aus b £r Q/egcnb zwischeii Windhuk und Gobaors und an Witwen

eunovi

beschlossen worden ist. Zum Sckstuß luird ausgesührt, daß

zeraub-t und sortgesckstcppt sind, säst bis auf das lebte Sur Unbrauchbarkeit zertrümmert. Einen besonders trost- >iicE bot das Innere des Wohnhauses des Farmers m Kaltenhausen, ivclchcr eine sehr reichliche HauScin- rcsaß. Aehnlich war es auf der Farm Okakango bei

tebei im

rler Farmer. Larrehen lind im Gesamtbeträge von

schaden hi sie nicht 1

16173)6 Mk. zur Zahlung angewretem Der Bericht geht bann e einzelnen Falle ein, in denen die Gewährung von Lar-

Stück bis losen Vinl Bo Hustedt richtung IJ OkahaudZ^. ES sind noch nicht sämtliche aus den bereisten (legenden eiugegaMgene Anmeldungen erledigt. Tie Auszahlung von Tar- when uLnd HilseleiMngen ist weiter erfolgt in Höhe von einem Sieben *el des noch nicht endgiltig fest-gestellten, jedoch glaubhast gemachten Schadens. Dieses Versahren hat sich bisher bewahrt. Ditfele'kjtungen sind bisher im ganzen gezahlt: 922 862 Mk., davon 183 33(1 Mk. als Vorschüsse^ letztere zum grüßten Teil an Farmer

noch nicht Wieder bezogen werden Eo nuten. Wahrend der Äebaude- $rf'*nS-,H Hiser nur gering ist, sind die beweglichen Sachen, soweit

Richter in Windhuk erstattet hat. Die Kommission Hut vom 24. August bis zum 21. Oktober eine SLife nach Okahandja, Karibib, Otjingbingwe, Swatopmund uud Omaruru ans- geführt und ihre Arbeit an diesen Plätzen sor^esetzt. Von Okahandja aus wurde zum Zweck der Besichtigung und, Feststellung des Geländeschadens Otsosasu und die Farm Okakango der Damaratand-Farmgesellschast zu Pferde be­sucht, von Otjimbinawe aus zu dern gleichen Zweck die Farmen Tsaobis, Kaltenhausen rmd Ultdraai. Wir ent^ nehmen dem Bericht folgende Angaben:

.Festgestellt ist bisher im ganzen (einschließlich des in dem Berichte vom 21. August erwähnten Betrages) auf Er und von 177 Anmeldungen ein Schaden von3 134 6 5 1 Mk. 3 4 Pf.; abgcseüt ist von diesen Anmeldungen der Betrag von 96 581 Mk. 80 Pf., also rund nur 3 Proz. Aussichtslose Anmeldungen wer­den e von ben Geschädigten bei ihren Vernehmungen meist frei­willig wieder zurückgezogen; solche zurückgezogenen Beträge sind in dem eben erwähnten abgesetzten Betrage nicht mit enthalten. Trotz dieses Umstandes bleibt der bisher ststgestellte Schaden­betrag nur unwesentlich sowohl hinter den Anmeldungen, als auch hinter den/im April vom Gouvernement eingeforderten vor­läufigen Anmelidungen zurück. Au-ch nach den bisherigen Fest­stellungen -ckntfällt mehr als die Hälfte des Schadens auf den Viehverlust. Muf den bereisten Plätzen war ferner ein größerer Gebäud^jchadem festzustetlen. Einige größere Geb. ude sind von dcn Aufständischen bis auf dcn Grund niederae- s iss en ebey durch durch Feuer so weit zerstört, das; sich eine Reparatur nickst mehr lohnt; zu letzteren gehört auch das Missionshaus in Otjosasu. In Omaruru ist der Gebäude schaden nur gering gewesen. Auf den Farmen Tsaobis und Kalten­hausen hatte./ die Kommission Gelegenheit, den Schaden noch in seinem ursprünglichen Zustande zu besickstigen, da die Farmen

egenfatz zu den Ausführungen des Farmers Erdmann die &ominui)ion die verwrcn gegangene Nachzucht nickst als unmittel- bai jn Sachschaden im Sinne des § 5 der Verfügung vom 2. Juni l)0C fgen Jahres habe auf fassen können, sondern nur als ent-

öQl Iigen en Gewinn, der für die von der Kommisfton zu treffenden rse Ilstellungen außer Betrackst zu bleiben baue. Die Menge des Hereroiande erbeuteten und zur Vorteilung an die Ge- ^/wdlgten in Betracht kommenden Viehs soll sich, nach Privat- n'ßitteilungen, die der Berichterstatter erhalten hat, nur auf 3 0 0 0 5|i3 5 0 0 0 Stück Großvieh belaufen, während die Menge 5 es von den Herero bei Ausbruch des Aufstandes geraubten Großviehs auf über 20 000 Stück z uschätzen ist.

Tie letzte Nummer derTeutsch-Südwestüfr. Ztg." meldet aus 2üdcritzbuckst, 19. November: Heute ist hier mit dem Bau eines neuen Landungssteges, der eine Länge von 72 Meter und ieine Breite von 4 Meter erhalten soll, im Roberthafcn seitens !der Truppe begonnen worden. Zum Zwecke der Versorgung mit

Ltöcn uns Dccketzr in H'vtt Arthur.

Ein Kölner, der mehrere Jahre in der gefallenen Festung Selelst hat, schreibt derKöln. Ztg.":

Man ist mehr oder weniger geneigt, sich "unter Port Arthur eine durchaus neuzeitliche Staat mit mäckstigen foafen- und Werft­anlagen, großen Kasernen und schönen modernen Häusern vor­zustellen, umgeben von hohen schön bewaloeten Bergen, die von uneinnehmbaren, mit Kanonen gespickten Forts gekrönt sind. Was ist aber Port Arthur in Wirklichkeit? Ein elendes Städtchen mit einllöcligen Käufern, größtenteils aus Lehm, nur wenige von europäischer Bauart, uno mit Wellblech gebeut, die Straßen klein und eng, die Umgebung trostlos, braune, mit Geröll bedeckte Berge ohne Baum und Strauch, selbst im Frühjahr nur für wenige Wochen mit einer spärlichen Grasschicht überzogen, im Sommer glühende Hitze, im Winter strenge Kälte, da selbst die hohen Berge den eisigen Wind der Wüste Gobi nicht abijaUcn können. Tie berühmte Neustadt mit den wenigen, neuen Geschäfts­häusern, die seit dem Sommer 1904 dort entstanden sind, die einitöckigen neuen langgestreckten Kasernen am Innen Hafen, auf dem Tigerschwanz, gegenüber dem Berg Tumulus und in dem Tal hinter den Seesrontsorts des Tracymschwanzes, bic wenigen Ofsiziersvillen, was bieten sie alle in der Steinwüste für einen verlassenen, trostlosen Anblick! Viele Millionen hat man zur Besesligung des Platzes ausgewendct, an Geld ist nicht gespart worden, um Port Arthur fast uneinnehmbar zu machen, und die Bauunternehmer sind in wenigen Jahren reich geworden, aber für die Stadt selbst und deren Zivilbevölkerung ist herzlich wenig geschehen. Was es heißt, in einer solch abgelegenen Stadt, die militärisch verwaltet wird, zu leben das weiß nur der wirk­lich zu beurteilen, der dort gewohnt und gelebt hat.

Die Bevölkerung bilden zum grüßten Teil Militär und Beamte, wenige Kaufleute, aber desto mehr abcnteuerliche Kramer, ar­menische und polnische Inden, die durch Handel mit allerhand GcbrauchSgegeuAanoen und Lebensmitteln, vor allem Wodka, den Soldaten der viellöpjigeti Besatzung das wenige Geld recht gründ­lich abzunehmen suchen, um jckmell wohlhaoend zu werden und dann den Kramhandel in einer anderen Goldgrube im fernen Osten sorlzusetz^n. Unzertrennlich von einem Platz, wo eine große russische Beiatzung liegt, wo viele abenteuerlich« Elemente ver­sammelt sind, ist der Zuzug von weiblichen Geschöpscn, die in sittlicher Beziehung aus einer recht tiefen Stufe stehen; Port Arthur ist hierfür an der ganzen ostafiatischen Küste berüchtigt. An keinem Platz im fernen Osten sieht man auch so viel curo- päisck/eS Proletariat, liirgcnds mit Ausnahme der fudchinesischeli Millionenstädte derartig ^itiinipte und verkommene Kulis, nirgends iiiu> WohnungS» uno Hotelverhaltnisse so erbärmlich, und nirgetlds wird man so geschröpft, wie in dieser Stadt, einem Dorado für alle, dw vom or^mdenverlehr leben.

Die Berlehrssprachc mit den Ehinesen ist ein wunderbares

Wasser soll ein großer Kondenser, der 50 Kubikmeter Wasser täglich zu liefern im stände ist, bestellt sein. Tas vom Dampfer Hans Woermann von Swakopnulnd aus in Schlepptau genommene Lan-- dungsfloß hat die Fahrt nickst ausgehalten. Desgleick>en ging ein Leichterpunt, das für die Lüderitz-Gesellschaft mit dem Tampfer General von 5kapstadt nach Lüderitzbucht geschleppt werden sollte, kurz vor dem Hafen bei hohenc Seegang verloren. Zum Hotlen- tottenaufstand berichtet dasselbe Blatt: In Bethanien tarnen die Aufständischen nach dem Abfchießen der Patrouckle des Unter­offiziers d. L. Raabe von Norden her bis eine Reitstunde an den Platz heran. Glücklicherweise war inzwischen hie Verstärkung uon 50 Mann unter Leutnant Effnert eingetroffen, und es ge­nügte das Vorgehen einer starken Patrouille, um die Hotten­totten zu veranlassen, sich zurück zuziehen, ohne das Feuer der Unserigen zu erwidern.

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Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Typhus ge­storben: die Reiter Heinrich Müller, Paul Ahrendt, Kaspar Hubert, sowie Sergeant Eduarb Schröter.

Lentscr-es Reich.

Berlin, 4. Jan. Der Kaiser sprach heute nach einem Spaziergange beim Reichskanzler vor, hörte im König­lichen Schloß den Vortrag des Chefs des Zivilkabinettö und entpsing darauf den Geh. Rat Professor Otzen.

Als .Hochzeitstag des Kronprinzen ist nach den bisherigen Dispositionen MitUvoch der 2 4. Mai in Aussicht genommen.

Ter deutschen Kotonialgesellschast in Berlin ist die Erlaubnis erteilt worden, eine Geldlotterie z u Zwecken der deutschen Schutzgebiete mit einem Rein­erträge von 2 i/2 Millionen Mk. zu veranstalten und die Lose im ganzen Bereiche der preuß. Monarchie zu vertreiben.

Bremen, 4. Jan. Die ersten Reichs münz en mit bremischem Ho h e i t s r e cy-t sind vorgestern in den Verkehr gelangt. ES sind Zweiiaaristücke, denen aber bald Fünf-, Zehn- und Zwanzcgraaeistuae folgen sollen, lieber die Gründe, die den bremischeic Senat veranlaßt haben, im Rahmen des Reichsmunzgesetzes eigene Münzen prägen zu lassen, wird derVoss. Ztg." mitgeteilt:Wie alle Reichsmmizen tragen sie au, der einen Seice Den Reichs­adler, auf Der anderen das emzolstaatliche Wap-pen, in diesem Falle also das bremische Schlüsselwappen mit Der Krone darüber und D<ji beiden Löwecc zar Secre. Sie sind auf der Hamburger Pragcanstalt hergestellc worden. Bremen nwllte es bisher niaji, weil eS nuiiue, vurch eigene Münzen Dem PartiluluriSmus zu dienen. Der Gebaute ist jedoch unhaltbar, denn auf jeder deutscht.n Münze über 1 Mk. befindet sich, der Kops etnes Fürsten oder das Wappen eines Emzelslaates, unb doch weiß jebermann, daß alle von gleichem Gewicht, Wert und Bedeutung sind. Mit Der bayerischen Brresmarte kann man Die bverwische Münze gar nicht vergleichen, weil jene eben nur in Bayern gilt. Diese Ansicht hack ün Senat erst nach vieler Müye Die Ober- haub gewinnen können. Im Publnmn aber freut man sich, baß uiifeiet einzelsraatlichen Selbständigkeit nun auch burujt Die Münzen Ausdruck gegeben ist."

Detnivld, 4. Jan. 2lnf einer Reise durch Lippe- Deimold wurde der Berliner Vertreter der Lippeschen Landes- zeitilng, Redatteur Stärcke, in Zeugniszwangshaft genommen. Dian will von Stärcke den Warnen des Beamten erfahren, durch dessen Vermittelung seiner Zeit die bekannte Diesseits"-Depesche des Herrn Kökiile von Stradonitz an den Präsidenten des Lippe-Detmoidlschen Landtages, Hofs- mann-Salzuslen, den Weg in die Oesfentlichkeit gefunden hat.

Stuttgart, 4. Jan. Ministerpräsident von Breit­ling begeht heute seinen 7 0. Geburtstag.

Gemisch von Eh meiste, musfgcy uno dem uu ganz-en Osten üb­lichen Pidgin-Euglisch.Kapitan, wanlschie riashmv ting quei ti la?" Herr, wollen Sie eine sehr schnelle Rickscha habens ist die ständige Frage der Rickschatiuis. Bezahlt mau nach der Fahrt, und man bezahlt im Osten bekanntlich nie zu viel, so bekommt man bestimmt zu hören:Kapilau, djeneg mah mal) kuschatz no can, ting buhau, ting buljau!"Herr, zu wenig Geld, kann nicht einmal Essen davon kaufen, sehr schlecht, sehr schlecht von Ihnen!" Noch schöner sind beinahe die Anpreisungen von Waren auf dem Bazar:Madam, kapusta ti hau de Heu wantschie kupitj, djeneg otschemale, mah, iga saut dwa kopeck!"Frau, wollen Sie allerschönsten Kohl kaufen, sehr wenig, sehr wenig Geld, ein Pfund zwei Kopeken!" In diesem Kauderwelsch werden alle Geschäfte mit Ehinesen abgejujloii.ii, nur wenige gibt es, die die russische Sprache aanz beherrschen.

Ohne Zweisel ist das Leben in der Altstadt Port Arthurs sehr interessant, denn eine derartige Verquickung von chinesischem, russischem und europäischem Leben kann man selten anderswo iinDcn. Europäische Damen, nach der letzten Mode gelleidct, russisckie Soldatenfrauen mit hohen Stiefeln, Wollrock, Baumwollbluse und buntem Kopftuch, chinesische Frauen im blauen Baumwollrock, blauen Beinkleidern und mit veniüppeltcn Füßen, kleine Japane­rinnen im bunten Kimono, auf Holzschnhen hertrippelnd, Kosaken, Den Karabiner aus dem Klüden, die Mütze ans beni Ohre sitzend, auf dem kleinen schwerbepackten SteppenpscrH, Tsck^crlessen mit Pelzmütze und Burka und dem unvermeidlichen Dolch, elegante russische Gardeojsiziere, Tschinowniks (Beamte), Matrosen und Soldaten, Chinesen in seidenen Gewändern oder notdürftig mit Lumpen bekleidet, bettelnde russische Nonnen und um Almosen fieljenöe chincsija/e Krüppel, alles drängt sich in den engen Straßen zu einem bunten Bild zusammen. Uebcrall sind Läden und Ver- kaufsslunde; vom europäischen Laden mit Luxuswaren bis zum chinesifMN Al^varenhündler ist der Handel vertreLen. Verlauss- buden mit Kwas, dem russischen Nationalg-Kränk, Zigaretten und Brot, fliegende chinesische Garlüchen, Schmieden mti) Flickschuster sieht man allerwärts auf Den stark belebten Straßen, auf denen eine grobe Zahl russischer Polizisten die Ordnung aiprccpt erhält, Denn die chinesische Beförderungsart für Lasten, Schiebkarren in endlos langen Zügen, führt oft zu Verkehrsstockungen. Rickschaö, rustische Troschlen, Lastivagcn, zweiräderige Ehineseniarren, Hand- luagcn und Schieb karren schieben sich in buntem Gemisch durch­einander. Tie Straßen, bic uon der großen breiten Usvrstraße abzweigen, und an Denen die großen Geschäftshäuser liegen, sind sauber gehalten, chaussiert miD auf beiden Seiten mit breiten liefen, meist oficnc.i vckiinsteincn versehen, die zur Opcrzcit von selig gcidinniten luitrofen und Soldaten stark besetzt sind. Die Straßenbeleuchtung mit Peirmenmrampcn haben die Hausbewohner au bewirten, jeder hat für eine Laterne vor seinem ^aus zu )orgcn. Bei Nacht ist das Gehen aus wenig belebten Strafen aUciomg-j unüiigcu.bni, Denn hier j)cr., . egyptiscye Fiusterniv und grundloser ^u>inub. Nur die HaupGraßen bauen den Vorzug

Ausland.

Budapest, 4. Jan. Der Kaiser hat heute in der Ofener Hofburg mittelst kurzer und rein sachlicher Thron­rede den Reichstag geschlossen. Bemerkenswert war, daß, entgegen dem sonst üblichen Brauch, die Hofburg keinen Fahnenschmuck zeigte unb baß während des Gottesdienstes beim Tebeum statt des Gott erhalte Franz den Kaiser dies­mal bic ungarische Nationalhymne gespielt wurde. Ebenso trat heute zum ersten Mal die neu geschaffene ungarische Lcib-Trabanten-Garde in Funktion.

Lemberg, 4. Jan. Wie man polnischen Blättern meldet, herrscht in russisch 2tttbauen eine große Gährun g. Die Erregung hat bedenkliche Dimensionen an­genommen, so baß blutige Zwischenfälle sich schwerlich werben vermeiden lassen. Für das russische Neujahr werben Ruhe­störungen befürchtet. Infolge Ausschreitungen bei Kirchen- plünberungcn mußte Waffengewalt aufgewenbet werben.

Nach Meldungen polnischer Blatter au§ Petersburg steht bie Veröffentlichung eines kaiserlichen Ukases bevor, burch welchen russisch Polen die Selbstverwaltung der Städte, Reorganisation ber Genieinbeverwaltung und Verbesserung ber Schulen zugesichert wirb.

Moskau, 4. Jan. Eine in Petersburg abgehaltene Versammlung von 49 6 Ingenieuren aller Zweige der Technik sandte an bic Moskauer Stabtverwaltung ein Tele­gramm, in bem sie ihr die größte Hochachtiing aiisbrückte, in der festen, von den besten russischen Männern geteilten Ueber- zei'.gung, baß ber von ben Vertretern ber ersten russischen Stabt gewiesene Weg einzig unb allein Rußlanb zur Macht unb zum Fortschritt führen könne.

Konstantinopel, 4. Jan. Aus Monastir wirb be­richtet, baß am 2. Januar nachts angeblich eine aus 150 Mann bestehenbe bulgarische Banbe ben Ort Streben, 5 Siilomctcr südwestlich von Newesla, unizingelte, wobei fünf ben griechischen Bewohnern gehörige Häuser nieberge- bräunt worden seien. Aus Tarsija, 8 Kilometer südöstlich v.on Florina, wirb gemeldet, baß der dortige patriarchistische Priester, sowie der Ortsvorsteher von Bulgaren entführt unb bei Erulija ermorbet worden seien. Andere ähnliche Ätorbe werden aus Dtetimer oder Mramorica, 17 Kilometer nordöstlich von Resna, und aus Selce, 8 Kilometer nördlich von Kruschewo, gemeldet.

Die Bergarbeiterbewegung im Ruhrgebiet.

In den Reihen der Bergarbeiter des Ruhrgebietes mackt sich, zum ersten Male nach dem großen Streik vom Jahre 1889, wiederum eine lebhafte Bewegung bemerkbar, welche leucht einen neuen B erg arbeite raus stand mit allen seinen unabsehbaren Folgen sur den Bergbetrieb, die Jnduilrie und weite Arb eit er kreise herauf-» befchivören kann. Die Unzufriedenheit der Belegsck-aften macht sich zunächst in allgemeinen Vorwürfen gegen die Arbeitgeber- Luft, denen man naa/sagt, daß sie selbst durck) kränkende Behand­lung der Arbeiter einen Aus stand herbeizufü hren suchten, weil dies bei der gegemvartigen Atarrtlage des Bergbaues und der Industrie ihren Zwecken'besonders pa,se. Diese Behauptung wird von den Arbeitgebern mit voller Entschiedenheit zurückgewiejen. Gerade die bNontanindustrie sei durch den schweren Wettbewerb mit dem Auslande auf stetige Verhältnisse und auf die Zufrieden­heit in der Arbeiterschaft angewiesen. Beack-tet will auch sein, daß die Lohnfrage bei der gegenwärtigen Arbeiterbewegung aus Dem Spiele bleibt. Wirtschaftliche Gründe als treibende^ Ursachen kommen diesmal jedenfalls weniger in Betracht. Ns Grund für bic Unzufriedenheit der Bergarbeiter wird vielmehr lediglich bic jetzige Tauer der Schicht und eine willkürliche Aende-

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Der Beleuchtung und Reinigung. Tic Nebensttaßen find viele zu schmal und gewuirden, für Wagen gar nicht benutzbar, am Tage der Aufenthaltsort und Spielplatz von Kindern, Schweinen uno Geflügel. Huiwc, zum Teil furchtbar zugerickftet, verkommen und verkrüppelt, suchen sich in dem auf die Straße geworfenen; Abfall Nahrung.

Tie Wohnungsverhältnisse in der Neustadt, in der die wenigen, wohlhabenden Europäer wohnen, sind gut, in der Altstadt, wo die weniger bemittelten Russen und die ganze chinesisckje Bevöl­kerung dicht zusammengcdrc.ngt lebten, dagegen äußerst nmngel* hast. Tie Gasthäuser, Die sich am Hasen, in Den Hauptgeschästs* praßen unD auf dem Südabhauge des WachlclbergeS befinden, sind trotz des starken Frcmdenverrehrs schauderhaft. Tie Zimmer, notdürftig mit Bett, Tisch und Stuhl auSgestattet, liegen zu ebener Erde entweder nach dem Hof, fvdaß der Bewohner die Annehmlichkeit hat, den Dust der Kück-enabfälle zu genießen, oder nach der stets staubigen Straße. Tie bekannte russisch-sibirische Rceinlichkeit macht ihrem 9?amcn auch hier alle Ehre, ganz ohne ^Mitbewohner wird man nie sein. Essen und Getränke in den Gasthäusern und Konditoreien )iub gut, wenn auch recht teuer, prisches Fleisch ist in der Stadt stets zu l>abcn, Schlachtvieh Obst und Gemüse werden regelmäßig aus dem nahen Tschifn in großen Mengen aus Lschuulcn nach Port Arthur gebracht> auf dem Bazar, in der Nahe der großen Hospitäler am Süd- abhange des Wachtrldcrges, sellgebodcn, frisches Wasser liefern viele Brunnen in Der unmittelbaren Nähe der Stadt, aus gesund- heitiichen Rücksichten ist es aber der Zivilbevölicrung gestattet, täglich zu bestimmten Stunden Wasser and der militärischen Wasser- l'tanon in der Nähe des Docks zu entnehmen^ scharen von K.ius tragen Dann daS köst'ckche 'Jiafe unbekümmert um Staub und schmutz, in ossenen Lünern^ Die meist auö alten Petroleuinkcuustern hergesteut sind, nach den Häusern.

Russen und Chinesen sind bekannt als große Freunde von Musik und Theater, unb cs i)i daher erklärlich, daß uuut in Port Arthur cm ictjr schönes großes asinesischeS und ein kleines rusiisches Heater sinidet; in diesem treten des öfter« russische Schauspieler aus Wiavi.vostok auf. Zwei- oder dreimal in Der Woche finden in einer kleinen Gartenanlagc, demStadtpark^^ vor dem Gouvernementshause Militarkonzerte statt. Dies ist außer einer uon Den Angcsi>eUten der ersten großen deutschen Firma unicrljailcncn Kegemahn und der üssentlick-cn Lesehalle des etaDt- rated das einzige, was an Zerstreuung geboten wird. Industrielle Anlagen außer dem Dock inii) Dem Arsenal, die noch aus der ajiuciihvCii Zeit von Port Arthur stammen, sind nickst viele vor- Ij.iuoai; $iuCi Wodlasavrilcn, eine Sägemühlc, in der koreanischeL Holz geschnitten, und cii.e Mühle, in d<r Mneftsck^cS E^ctrerdc geniuh.cu luiro. eine bicparaturanlage und Sck)Miede bilden das ^nouni'ieyicricl. Wie cs jeiu in Port Arthur auSsieht, werden mir U...0 eriahren. Jedenfalls dürste es letzt ein trolttojes ixx ocnuuuuug und Verödung bieten.