155, Jahrgang
Erstes Blatt.
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eri troortltd) Hhe de.. poltL und allgem. Teil: P. Will ko iür ,(stabt und Vanb* und .Gerichts aal". Ernst Hetz', für den An- ACiqenteil: ÖanS Beck.
Ausland.
London, 3. November. Aus Shanqbai liegen hier Nachrichten vor, wonach die chinesische Regierung, er- mut ißt durch die japanischen Erfolge, olle neuen Kon. Zessionen für Gruben und Eisenbahnen Der* weigert sowie durch Ankauf die früher gewährten Kon-
Nr. 200
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oufter Sonntage.
Fern Gtebener Anzeiger ©erben im Wechsel mit t>«m kfrsfischen tanbroirt die Lietzener Familien. Hättet uiennal in der
Woche betgelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh laichen Nntvers.-Buch-u.Stetn- bruderet. R. Lange. DHebaftton, Ervedtlw« nnb Tnirfcret:
Lchul st ratze 7.
Redaktion 112
Verlag u.Exved.L^dl Jlbrcfic für Deveschen:
Anzeiger Gictzcu.
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new finden cbensoils große Juden hetzen statt. Ter Pöbel stürmte und verwüstete viele Häuser von Juden. 8 Personen wurden dabei getötet, zahlreiche verwundet.
Kiel, 3 Nov. Wie amtlick mitgcteilt wird, ist eine Funk* sprach Verbindung von Memel nachPeterhos durch den Kreuzer „Lübeck" und 7 Torpedoboote hergcstellt. Torpedoboot D 7 ankert vor Peterhos. Die „Lübeck" und das Doot S 120 fuhren Funkspruchapparate.
London. 3. Nov Der „Central News" meldet aus Petersburg: Tic einzige Person der kaiserlichen Familie, welche baflf Anerbieten des deutschen Kaisers an Dord deS Kreuzers „Lübeck" Rußland zu verlassen annchmen werde, sei die Zarin, und zwar wegen ihres gegenwärtigen Gesundheitszustandes.
Eichener MzeiM
General-Anzeiger u
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
ni ft errat enttäuscht. Es ist ein Projekt des Grafen Solski und nicht Wittes, woraus man auf besondere Ein- lüsse schließt und der Ehrlichkeit der Regierung mißtraut.
Tas Arbeiter-Komitee veröffentlicht folgenden Aufruf: Da wir es für notwendig erachten, daß sich die Arbeiter auf Grundlage der erzielten Erfolge so aut als möglich organisieren und sich zum Schlußkampf um die Einberufung einer konstituierenden Versammlung bewaffnen, um eine demokratische Republi k zu begründen, fordern wird die Einstellung des A u f st a n d e s. Er soll wieder ausgenommen werden, sobald die Zeit dazu gekommen ist.
Ueber die nationalen Bewegungen liegen heute olgende Meldungen vor:
Warschau, 3. Nov. Infolge der Krawalle vor dem Rat- Hause hat der Generalgouverneur alle Auszüge auf den Straßen verboten. Trotzdem wurden von den ©Mialiftcn mehrere Volksansammlungen organisiert, welck>e die Hauptstrau.en der Stadt durchzogen. Ein Zug bewegte sich mit einem Priester an der Spitze, der das Lied „Gott rette Polen" anstimnite, nach dem botanischen Garten. Mehrere andere Züge mit natwnal-polntsck-cu Fahnen, deren Stangen von dem weißen polniscl>en Adler gefrönt waren, folgten. Am Minkiewiez-Tenkmal war der Sammelpunkt aller national-polnischen Huldigungen. Dort wurden Festreden auf das polnische Vaterland an die feierlich erregte Menge gehalten. Um 1 Uhr nachmittags wurde vom technisck^n Bereut ein Meeting veranstaltet, das von 10 000 Personen besucht war. Trotz des ausdrücklickien Verbotes erschienen die Zeitungen ohne ^^'Warschau, 3. Nov. Tie Infanterie feuerte aus die Volks menge, wobei drei Personen getötet und 42 verletzt nnirbcn. Anwälte richteten ein Schreiben an den Gasen Witte, in dem sie zur Zurückziehung der Truppen und Aufhebung des Belagerungszustandes bitten. Sechs Prvsessoren der Universität erllärlen, daß die Polonisierungder Universität in Warschau eine berechtigte Forderung sei. .
Krakau, 3. Nov. Da die hiesigen D.ihnbeamten vom Revolutions-Komitee Russisch-Polens Briefe erhalten haben, in denen gedroht wird, daß die Bahnbrücke bei Granitza in dieLuftgesprengt werden würde, wenn der Dchu verkehr nicht eingestellt werde, werden vorläufig die Züge bis Szezakowa abgelassen. , , . . _
Petersburg, 3. Nvv. In Finnland dauert die Entwaffnung der Gendarmerie fort Der Polizeichef hat seine Entlassung eingereicht.
H e l s i n g f o r s , 3. Nov. Die Stadtverwaltung bildere einen Wohlfahrtsausschuß und erklärte dem Streik- Komitee, daß sie sich im stände sehe, die Aufrechterhaltung der Ordnung zu übernehmen, wozu 10 000 Mark bewilligt wurden. Weiter wählte die Stadtverwaltung, die zweimal täglich zusammentritt, einen Ausschuß von drei Mitgliedern, an den sich das Streikkomitee in wichtigen fragen wenden soll.
London, 3 Nov. Der Korrespondent der „Morning Post in Helsingfors (Finnland) telegraphierte über eine Unter rcdung, die er mit einem Führer der finnländischen Bewegung hatte. Dieser sagte: Unsere friedliche Revolution ist erfolgreich gewesen. Wir wollen nur unsere verfassungsmäßigen Rechte wieder Herstellen und dementsprechende Reformen einführen. Wir wollen die P e r s o n a l - u i o n mit Rußland nicht trennen, wollen aber die russische Regierung und das russische Beamtentum nicht dulden.
Ueber die Vorgänge im Reiche selber berichtet eine große Reihe von Telegrammen, von denen mir zunächst folgende Der offiziösen Bureaus hervorheben:
Petersburg, 3. Nov. Ter heutige Jahrestag der Thronbesteigung des Kaisers D rtief durchaus tu h i g Die Straßen nehmen, wenn auch der Straßenbahnbetricb noch nicht wieder ausgenommen ist, allmählich ihr gewöhnlick>es Aussehen an. Im ganzen gelangt immer mehr die D e f r i e d i g u n g über die vom Kaiser gewährten Freiheiten und der Wille, die Bestrebungen Wittes tatkräftig zu unterstützen, zum Ausdruck. Alles sehnt sich nach Ruhe und Rückkehr zu normalen Verhältnissen. Besonders äußert sich dieser Wunsch m industriellen, kaufmännischen und gewerbetreibenden Streifen. Im Laufe der Nacht trafen neue Naclwichten von gegen die Iu d e n gerichteten Angriffen ein. In R o st o w am Don gleichen einige Straßen Trümmerhaufen: der neue Bazar ist niedergebrannt. Die Angriffe gegen die Juden in Mariupol, Jusowka, ebenso in Kiew dauern fort. Dort wurden Bomben auf die Kosaken geschleudert. In Kiew wurden 12 Personen getötet und 44 verwundet. In Pultawa drang die Volksmenge in das G c f ä n g n i s ein, wobei 38 Person e n verwundet wurden. ,
Tie Fleisch preise in Petersburg sind etwas gefallen, da die Zufuhr völlig ausreick)end ist. Peter- Hof ist von der Residenz aus dem Landwege a b g e s ch n i t - ten. Ter tägliche Bedarf des Hofes wird deshalb durch einen Konvoi, von 20 Kosaken gedeckt, nach Peterhos befördert. Tie Straßenpatrouillen sind verlleinert.
Rostow a. D., 3. Nov. Nach amtlicherFeststellung wurden bei den vorgestrigen Unruhen 34 Personen getötet und 159 schwer verwundet. Tie organisierte Selbstverteidigung der Angestellten der Rostvwb^hn nimmt an der Wieder Herstellung der Ruhe energischen Anteil.
O d e s s a , 3. Nov. Angriffe ausJuden fanden gcflerr in stärkerem Maße als bisher statt. In allen Stadtteüen wurden erhebliche Verwüstungen ungerichtet, besonders m den entlegenen Vierteln. Den ganzen Tag über fielen Schüis e. Tie organisierte Selbstverteidigung schritt energstch gegen den Pobel ein Auf einigen Straßen waren Geschütze aufgeiahu n die Stadt gleicht einem Kriegslager. Von Studenten wurden 200 Mann des Pöbels gefangen genommen und in der Universität eingesperrt. Auf den Straßen, auf die sich nur Sanitätsbeamte und barmherzige L-chwestern hmauswagen, ist Polizei nicht zu sehen: bewaffnete Studenten sorgen fiir die Aufrechterhaltung der Ordnung. Die Lage wird als sehr ernst angesehen. , ,,, .
•ftad) privaten Meldungen herrscht u. a. in der Stadt Nikolajew offener Aufruhr, auf allen Straßen vernimmt man Gewehrseuer. Zahlreiche Tote und Verwundete liegen herum. Viele Bomben wurden geworfen, wodurch zahlreiche Personen ums Leben kamen oder verstümmelt wurden. Ter Anblick der Stadt ist trostlos. Tie Mehrzahl der Läden wurde zerstört, nachdem sie vorher vollständig ausgeplündert worden waren. — In Kischi-
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Deutschlands Afrikalorgcn.
In dem nun fast zwei Jahre im Kriegszustand befindlichen Südwestafrika wird die Elle nachgerade länger als der Kram. Man berechnet den Gesamtschaden, für den das Reich Ersatz leisten soll, bis jetzt auf 13 Millionen Mark. Diese Ausgabe geb> so nebenher neben den gewaltigen Kosten für militärische Zwecke, und in den beteiligten Kreisen gibt man sich der Erwartung hin, daß der neue Neichselat die volle Entschäd'gungs- summe enthalten wird, damit der Reichstag in bie Lage kommt, „das Unrecht wieder gut zu machen, das in seinem früheren Beschluß lag". Ta außerdem noch die Kosten für die Bahnlinien Lüderitzbucht—Kubub und Windhuk—Kretin aunshoop angefordert werden sollen, läuft die Sache Darauf hinaus, daß die Erträge der neu geplanten Steuern fürs erste zum Teil durch Südwestafrika beansprucht werden. Tie Ausgaben für die Marine stehen auf einem anderen Blatt. Tas beklagenswerte koloniale Ungemach droht verhängnisvoll für die Reichsfinanzen zu werden, und ein Ende ist noch immer nicht abzusehen. TaS verlustreiche, praktisch ziemli h ergebnislose Gefecht gegen Den gefährlichen Morcnga läßt eine Zuversicht in dieser Beziehung nicht cruskommen.
Herr v. Trotha, so hieß es dieser Tage, kehre demnächst zurück, weil ein Oberbefehl durch einen General angeblich nicht mehr nötig sei. Jetzt hören wir von anderer öeite, ein Kommandowechsel in Südwestafrika sei fürs nächste nicht vorgesehen. Ter Kaiser habe vielmehr bei der Enthüllung des Moltkedenkmals in Berlin von dem Verbleiben Trothas aus dem Kriegsschauplätze gesprochen.
Tie Herero, so wurde berichtet, schickten sich an, nach Norden, die Hottentotten narb Süden das Schutzgebiet zu, verlassen. Aber eine Gewähr, daß sie nicht mit neuer Bewaffnung und Munition wicderkommen, kann niemand geben. Toch den gegenteiligen günstigen Fall angenommen: iv ie soll der wirtschaftliche Wiederaufbau, itt der entvölkerten Kolonie von statten gehen? Die wenigen, deutschen Ansiedler, denen bas Reich die Farmen wieder Herrichten soll, kommen nicht in Betracht, und von dem a(8 unwayrscheinlich bezeichneten Zuzug zahlreicher Burenq familien aus Südafrika versprechen sich auch Kolonial- freunde keineStärkung des deutschen Elements. Daß neue unh zumal kapitalkräftige deutsche Ansiedler hinausgehen werden, muß zweifeihast erscheinen. Wann also werden die für Südwestatrika gebrachten schweren Opfer ausgewogen roeroen? TeuNchland kann von Glück sagen, wenn ihm öftnllcbe Erfahrungen mit den anderen Kolonien erspart oieibm, denn die Rückwirkung auf die Reichst finanzen wäre nicht auszudenken.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet heute, daß im Gefecht am Orange östlich von Hartebeestmnnd Leutnant Paul v. Bojanowsky, früher 4. Garderegiment zu Fuß, gefallen ist. Und der .Köln. Ztg." wird amtlich gemeldet, daß nach telegraphischer Meldung au§ Windhuk die üeu tsche Post über Warmbad vom 29. Oktober unweit Nemansdrift von den Hottentotten genommen worden und vermutlich verloren ist. Es wird sich dabei um diejenigen Brieffendungen handeln, die in Deutschland in der Zeit von? 1.—29. September eingeliefert worden sind.
Der Kommandant S. M. S. ,^l)eti§* meldet auS Tar-es-Salaain unterm 2. November: Augenblicklich und die Kreuzer in Dar-eZ-Salaam. Am 2. November geht „Bussard" nach dem Süden als Stationär, — er soll daS Detachement von Kiomangao zurückziehen. Am 6. November wird .Thetis" eine kurze Fahrt an der Küste machen; Haupt- liegebafcn wird Tar-es-Salaain sein. Oberleutnant z. S. Paasche hat eine kleine Bande Aufständischer auf dem Südufer des Nufidji zerstreut. Aufständische haben sich im Süden von Mohorro gezeigt und sind durch eine zweitägige Expedition von Marine-Infanterie und der Polizeitnippe vertagt worden. Bei Kibata wurde eine aus 10 Seesoldaten und 5 Askari bestehende Truppe hartnäckig angegriffen, es fanden anhaltend Scharmützel statt. Ter Feind hat zahlreiche Verluste gehabt. Tie Manne-Infanterie in Muansa hat im Sultanat Makongolo die Schutztruppe unterstützt. Der Gegner hat ungefähr 30 Tote. Hauptmann v. Schlichting hat die Etappe auf be m Tuwwa-Berg, 90 Km. südwestlich von Kilwa, besetzt. Unsererseits ist niemand verwundet.
SauiStaa 4. November 1905
VezogSprelSi monaltich7bPt„ vierteljährlich DU. 2.20; durch Avhole. il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Ack.2.—v'enel-
Äädchen s.i!aW.ü IftnuX ctemslr, 16^. “ft «cb'ldeies Mädcha •- eas ui der icineien Rbt dein panshali Aeiamd ' ^ellung als Liune, C1 ieii bei allerer Taine. (Tin ulicrcs Ä!allli)r>iraü, 2, li
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Die revolutionäre Volksbewegung in Rußland
?eigt jetzt den Charakter natronalerSonderbestreb- ungen, deren BrcnnMnkte in Finnland, Polen und im Kaiikasus liegen. Tas bedeutet die größte Gefahr für den Bestand des russischen Reiches, denn wenn sich auch der Zar zur Gewährung noch weitgehenderer politischer Rechte an das Volk bereit finden st:ße, in die Lösung einzelner Glieder vom Äcichsverband würde er keinenfalls cinwilligen. Mit Recht meint die „Kreuzztg.", diese nationalen Sonderbe- fttebungen könnten sehr schnell zum Hebel in der Hand ter von Witte gefürchteten „(Gesellschaft" tverden, die seinem Reformprogramm erbitterten Widerstand entgegensetzt und den Zaren zugunsten der schärfsten Reaktionspolitik zu beeinflussen sucht. Tic nationale Sonderbew^gung gewinnt nach ben neuesten Telegrammen an Ausdehnung: wenn sie erst aas solchen Ideen leicht zugängliche Landvolk erfaßt, bann mag man da? Blaue vom politischen Himmel herunter versprechen, oder erneut zum Schreckensregiment übergehen — man wird nichts ausrichten.
Tie Bedeutung der nationalen Sonderbeftrcbungen für des Ausland liegt auf der Hand. Deutschland kann sich ruf eine Verschärfung der Polen ge fahr gefaßt machen, denn die Träume von einem selbständigen oolnischen Reiche müssen auch bei den preußischen Polen Gestalt gewinnen, wenn das ehemalige Kongreßpolen sich von Rußland trennen sollte. Für Oesterreich gilt dasselbe inbezug auf die galizischen Polen. An der Entwicklung der Tinge in Finnland sind die nordischen Ciaaten interessiert, oic selbst erst eine, allerdings friedliche, bin Wälzung erfahren haben, und die Zustände im Kaukasus, wo völlige Anarchie herrschen soll, können für den Frieden im ganzen Orient bedrohlich werden. Je kräftiger also die auf Selbständigkeit gerichtete Bewegung in Rußland sich regt, desto mehr wird sie zu einer internationalen Gefahr. Tas Volk in den Städten kennt in seinen Forderungen kein Maß, und so bleibt an- steinend die letzte Hoffnung Wittes, daß bei der Land-- b^völlerung die Besonnenheit die Oberhand behält auch gegenüber den nationalen Sondcrbestrebungrn. Andernfalls gerät Graf Witte mit seinem Reformprogramm zwischen zrvei Strömungen, die ihn zn.m Scheitern oringen.
Ein hoher russischer Diplomat ist von einem deutschen Journalisten befragt worden Es scheint danach, daß die berliner Vertretung des Zaren vorläufig im wesentlichen efrenfo auf die Zeitungsnachrichten angewiesen ist wie das i brige Publikum. Ter letzte, am 1. November eingetroffene Courier ans Petersburg ist aut dem Seew.'gc über Kopenhagen nach Berlin gekommen und hat in der Hauptsache Nachrichten gebracht, die zum größten Teil bis in den Infana des Monats Oktober zurücktiegen. Ter Gewährsmann der Korrespondenz teilt in großen Zügen die von Professor Schiemann in der , Kreuzztg." vertretene Ansicht, daß bei den maßlosen und unausführbaren Forderunaen t -r Revolutionäre eine sofortig? gedeihliche Entwicklung der treuen Staats form en kaum mealich sein wird. Tie Amnestie für die unter dem bisherigen Regime politisch Bestraften sei eine logische Folge der gewährten freihcttllchen Zugeständnisse, da jene für "in? Idee gelitten hätten, welche mau jei>t regierungsseits als berechtigt anerkannt habe. Tie Frage, ob wohl Großfürst Cyrill von einer folck)en Limnestie betreffen würde, beantwortete der russische T-plo- mat indirekt. Die Enthebung d^s Großfürsten von seinen militärischen Würden sei die Strafe für ein Berge h e n gegen bie Bestimmungen der orthodoxen Kirch e, die lcdialich aus gesuudhettlichen Rücksichten — nicht wie in England aus Gründen der Si 'tsverfassung — die Ehe zwischen Geschwisterkindern nicht g e st a t t e t. Tie gewährte Religionsfreiheit sähe wohl neue Heftimmungcn für Mischehen, Taufe von Kindern aus solchen Ehen usw. vor: die Satzungen innerlrnlb der orthodoxen Kirche jedoch blieben durch die konstitutionelle Einführung der Gleichberechtigung al'er R?l gionen unberührt. Eine Parallele sei in Deutschland dadurch geboten, daß z. B. das Gericht eine katholische Elte trennen könne, die religiös- giltige Lösung einer solchen Ehe aber nur dem Papste z>ustehe.
Die Stimmung am Zarenhofe soll gedrückt sein. Do 2111 c n t n t 5 g c r ü cb t c durch die Luft schwirren, find, zur Dewockn'ng der Person des Zaren die denkbar größten Dorsichts- maßregeln getroffen und die treuesten Diener herangezogen wor- d.rn, die den Dienst abweckf.lnd verfehm: auch die Lindoftancr, die die Zarentochter bewachen, werden auf das schärffte be- ^"^T^ie^'M in i ster und Mitglieder des kaiserlichen Rates hielten am 2. d. M. im Marrne-Palast eine Beratung ab, um über die Amnestie zu beschließen. Tie große Mehr- Beit der Versammelten war der Ansicht, daß eine umfassende politische Amnestie erfolgen müsse, um den Aufstand uieder- xuwerfen. Eine unvollständige Amnestie würde nur die Fortsetzung der Unruhen bedeuten.
Der kaiserliche UkaS, betreffend den Erlaß einer Amnestie iift am 3. d. M. unterzeichnet worden.
Tas Amnestiegesetz soll umwandeln: Lebenslängliche foaft in 15 Jahre, 15 Jahre Hast in ?V2 Jahre, 4 Jahre iin Deportation. Die übrigen Strafen werden aufgehoben.
Ter Wortlaut des Dekretes, welches die Preß- ffreiheit gewährt, liegt in der Redaktion der „Nowoje ^remja" zur Einsicht aus. Graf Witte hat die Chefredak- öeure der Petersburger Blätter ersucht, von dem Inhalt Kenninis zu nehmen und ihm eventuell Abänderungsvorschläge zu machen.
Las soeben veröffentlichte Gesetz über den Mi-
me Wohnung befindet sich jq Krcnzpilch 3 yauje des pem, H. Metta Heimer.
Friedrica Keil Lchuhmacher.
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