zessionen annulliert. In Tokio herrscht großer Unwille, weil die dortige britische Gesandtschaft einen deutschen Arzt anstelltc (?). Der Vorstand des ärztlichen Verein? für Gcoß-Bcitanien ist deswegen beim auswärtigen Amte vorstellig geworden.
Paris, 3. Nov. Der König der Hellenen ist heute nachmittag hier eingetroffcn; er wurde von Vertretern deS Präsidenten Loubet und des Ministerpräsidenten Rouvier auf dem Bahnhof begrüßt.
— General Andre hat sich gedrängt gesuhlt, für Delcassä einzutreten. Er sagte: Delcaffß bat seinem Lande große Dienste geleistet, er bat uns Freundschaften erworben. Wir waren stark und hätten dies benützen sollen. Wir haben nicht daran verzweifelt, Elsaß-Lothringen zurückzu erobern. Wir bereiten uns darauf vor und im günstigen Aligenblick weichen wir vor der Verantwortlichkeit zurück.
Wien, 3. November. (N ic d crö st er re i ch isch er Landtag.) Seitz (Sozialist) behauptet, bei der gestrigen Wahlrechtsdemonstration habe die Polizei unerhörte Noheitsaktc begangen, die von den leitenden Personen der Polizei geplant seien. Die Cbristlichsozialen richten gleichfalls an den Statthalter eine Anfrage, in der sie er- klären, daß die gestrigen Exzesse durch die Agitationen der jüdischen Sozialisten hcrvorgerufen seien, und fragen die Ne- gierung, ob sie willens fei, derartigen Ausschreitungen mit der nötigen Energie entgegenzutreten. Statthalter Gras Kielmannscgg verliest den Polizeibericht, welcher besagt, daß nach Schluß der gestrigen WahlrcchtSversammlung 5 bis 6000 Personen auf die Ningstraße zogen und sich der Aufforderung der Polizei, die das Vordringen der Menge zur Hofburg verhindern sollte, abzuziehen, widersetzte. 9((5 die Menge in ihrem aggressiven Verhalten verharrte und auf die Polizei mit Stöcken ein hieb, machte die Polizei von der Waffe Gebrauch, bis die Menge flüchtete Während der Szenen ivurden 4 0 Personen verletzt und 17 verhaftet. Der Statthalter fügt hinzu, er habe den Polizeipräsidenten aufgefordcrt, schon jetzt durch entsprechende Maßregeln Sorge zu treffen, damit den Aus- schreitlingen wirksani cntgegengetreten werden könne. Der Statthalter weist sodann die Behauptung zurück, daß die Re- gierung für gestern besondere Maßregeln getroffen habe, und richtet unter Hiiiweis darauf, daß die Behandlung der Frage des allgemeinen Wahlrechts in Oesterreich bereits auf gesetzl icheni Wege in Angriff gen o m in.en sei, einen Appell an die Bcvölkeriing, Kundgebungen zu unterlaffen. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Während der Sitzung kain es wiederholt zu Zusauiin e nstö ß en zwischen den Christlich-Sozialen und dem Sozialisten Scitz, so daß einmal die Sitzung unterbrochen iverden mußte.
— Blättermeldungen zufolge sind bei den Zusaininen- stüßen zivischcn Polizei und Wahlrechts - Teinonslranten 12 Personen schwer iind liiehrcre hundert leicht verletzt worden. Das Verhalten der Polizei wird scharf oeriirtciU. Fast übereinstimmend wird mitgeteilt, daß die Polizei ohne ersichtlichen Grund einen Säbelaiigriff gegen die Menge eröffnet habe. Einem Hörer der technischen Hochschule wiirde von einem Polizisten ein Auge ausgestochen. In der Vetsammliing erklärten die Redner aller Nationen, daß der Kampf für daS allgemeine Wahlrecht mit allen Mitteln werde geführt und nötigenfalls „russisch'' vorgegangen werden würde.
Budapest, 4. Nov. Die Installation der auf Vorschlag des Ministeriums Fejervary ernannten Obergefpäne begegnet in den Komitaten Schwierigkeiten, da die Opposition die EideSleistling der neuen Obergefpäne verhindern tvill. Hente.kam es in Klausenburg zu dem ersten Zusammenstoß. Als der Obergespan Graf Tcleki im Sitzungssaal erschien, wurde er mit stürmischen Abzugrufen empfangen. Es kam zu großen Tumulten, wobei der Obergespan vom Galerie-Piiblikum mit faulen Eiern beworfen und von dlusschußmitglicdern mit aufgehobenen Stühlen bedroht wurde, sodaß er nur von Bcaniten geschützt tverden konnte. Ter Obergespan verlas ra>ch die Eidesformel und verließ den Saal. Tas Mitglied des MumzipalauSschusscs Sandor, der einen Stuhl gegen den Obergespan schleuderte, wurde verhaftet.
Jedermann hat Zutritt. Nichtmitglieder zahlen 30 Pfg. zu Gunsten der Sterbekaste.
** DaS Promenadenkonzert fällt morgen, Sonntag, aus.
— Geflügelschau. Die am Donnerstag auf LonyS Bierkeller abgehaltene Geflügelschau deS Geflügel- und VogclzuchtvereinS Gießen und Umgegend 18 9 7 war recht zahlreich beschickt und gab ein anschauliches Bild von dem Fortschritt der Geflügelzucht in unserer Gegend. ES waren meist vorzügliche Stämme vorhanden und der Preisrichter H. Marten sen. von Lehrte i. Hann, konnte für Hühner und Großgeflügel folgende Prämien zusprechen: Fr. Becker hier 1 ersten, 5 zweite, 2 dritte und 3 vierte Preise, Ludwig Hanau hier 2 erste, 3 zweite, 1 dritten und 2 vierte Preise, L. Troß hier 2 erste, 2 zweit-, 2 dritte lind 1 vierten Preis, Conrad Rübs am en hier 2 erste, 1 dritten und 1 vierten Preis, K. Heinzerling hier 1 ersten, 1 zweiten, 1 dritten und 1 vierten Preis, Äug. Schwan hier 2 erste und 1 vierten Preis, Georg Bichler hier 2 erste Preise, Oekonomierat Hoffmann-Hof Gull 1 ersten Preis, C. Tickhaus hier 1 zweiten und 1 dritten Preis, L. Jochem hier 1 zweiten Preis und H. Jentzen hier 1 dritten Preis. Für Tauben wurden folgende Auszeichnungen vergeben: Apotheker Schwieder 3 erste, 4 zweite, 2 dritte und 3 vierte Preise, Ferdinand Schmidt 4 erste, 2 zweite, 2 dritte und 3 vierte, Restaurateur Ruth 1 ersten, 1 zweiten, Restaurateur Dickhaus 1 ersten, 1 zweiten, H. Jentzen 1 zweiten, l dritten, L. Reitzel 1 zweiten, 1 dritten, Adolf Möhl 1 dritten und 1 vierten, Fr. Rosenbaum 1 dritten und 1 vierten Preis.
"Ein Pferd deS Petroleumhändlers Reusch Deren b c t c gestern abend gegen 7 Uhr auf der Lahn- b rücke.
----- Ehringshausen, 4. Nov. Sehr nobel benahm üch der hiesige Ziegenzucht vere in. Er versteigerte nämlich cm Prachtexemplar von Ziegenbock für 18 Mk. und nahm itachher dem Steigerer beim Äbholen des Bockes nurlOMk. als Kaufpreis ab.
Mainz, 2. Nov. Einen Na u bm o rd versuch verübten in der vergangenen Nacht auf der Rhcinstraßc die 17» und 20jährigen Schiffer Eschner von hier und Ferdinand aus Kastel und der 21jährige Metallschleifer Schäfer von hier. Tic Burschen sielen zwei Studenten mit dem Rufe: „Geld her oder das Leben!" an. Die lieber» 'allenen drangen aber auf die Burschen ein und als andere Passanten hmzukamen, flüchteten die Räuber. Heute nachmittag gelang es der Polizei, sie zll verhaften. In der- ’clbcti Nacht wurden in der Altenauerstraße mehrere junge Leute von drei Wegelagerern angefallen und zu berauben versucht. Es wird vermutet, daß auch in diesem Falle die drei Verhafteten die Täter waren. (Kl. Pr.)
Alzey, 2. Nov. Heute nachmittag sand eine Sitzling der Stadtverordneten statt mit der Tagesordnung Wahl des Bürgermeisters. Der seitherige Bürgermeister, Herr Tr. Heinrich Stitor, wurde einstimmig ivi ed ergewä hlt. Die jetzige Wahlzeit beträgt zwölf Jahre. (M. A.)
* .kleine 9)1 i t f e i 1 n n n e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ter Mitinhaber der weit bekannten großen F r a n k k n r t e r Eisenwareukurzhaudlung en gros Karl Marblirg, N u d o l f W i l h e l m M a r b u r g, ist im Älter von 64 Jahren gestochen. — In Hana u beschloß die Bäckermnung den Preis hn >ede Sorte Brot um 2 Pfennig pro Laib zu e r h o b e n. Begrülldel n'ird dieser Preisaustchlag unter Hinweis ouf die Verteuerung der Dteblpreiie. Aehnliche Preiserhöhungen haben die Bäcker in aiideren Orteii der Gegend eintreteit lasten. — Am 5. November begehen die Eheleute Friedrich Wilhelm 91 a u m o n n und Frau Johanctte geb. Wagner das Fest der silbernen Hochzeit in Klein- Linde n.
• Eisenbahn Unfälle mehren sich auch in Italien in beunruhigender Weise. Vorgestern fand ein Zusammenstoß bei Abbiategrasso statt, gestern eine Ziigentgleisiing auf dem Zentralbahnhof z,l Mailand und ein Zusammenstoß zweier Züge der Mailänder Nordbahn, bei dem 2 0 Personen leicht verwundet wurden.
Gießener Strafkammer.
Aus Stadt and Kautz.
Gießen, 4. November 1905.
' Zum N eformati onS fest. Morgen feiern die Evangelischen Christen in ihren Kirchen das Neformationsfest, das der Erinnerung an den Tag gewidmet ist, an dem der Augustmermönch Martin Luther durch den Anschlag seiner 95 Tcheseu an der Schloßkirche zu Wittenberg den Anstoß gab zil der geivaltigen religiösen und weltpolitischen Be- wegimg, die in den nächsten Jahrhunderten die ganze daumls bekannte Kulturwelt ergriff. Vor allem daS deutsche Volk hat Ursache, den Tag als einen Markstein seiner nationalen Entivickelung zu bezeichnen, denn ivenn auch die konfessionelle Spaltung zunächst die unseligen Religionskriege im Gefolge hatte, so ist doch die Vertiefung deS deutschen Geisteslebens, der Grundsatz der GewiffenSfreiheit und der edle friedliche Weitkainpf der verschiedenen Konfessionen, den die Tat Luthers im Laufe der Zeit hervorrief, die haiiptsächlichste Ursache 311111 sittlichen und materiellen Aufschwung des deutschen Volkes geworden. Möge deshalb der Gedächtnistag der Reformation erneut Gelegenheit geben zur Fassung des Vorsatzes, im Sinne Luthers fortzuarbeiten am geistigen und sittlichen Fortschritt der Menschheit.
•• A u S dein Mi l i t.-- Wochen bl. vom 4. November: Wolff, Assist.-Arzt beim Jnf.-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, scheidet am 5. November aus dem Heere aus und wird mit dem 6. November in der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika angestellt.
•• Ter evangelische Arbeiterverein veraiistaltet morgen in Steins Garten, beginnend 8 Uhr, einen Familienabend (Stiftungsfest) mit Ansprache von Pfarrer Kraus, Deklamation von Herrn Schufst und Liederoorträge des gemischten Cbo s. Der zweite Teil des Programms bildet eine „Bunte Bühne", heitere Tichtunaen und Kompositionen, ausgewählt von SUim'lnxirtcn. ES ist das ein Versuch, der Freunde schöner Darbietungen zum Besuche einlaben wird.
)( Gießen, 3. Nov.
Tie Firma B. u. D. hier ließ ohne baupolizeiliche Genchrnig- ung in der Marburgerstraße eine Hausentwässerungsanlage Herrichten. Wegen Ucbertretung der allgemeinen Bauordnung in Verbindung mit Uebertretung der baupolizeilichen Verordnung für die Stadt Gießen, ging jedem der Firmeninhaber ein Strafbefehl über 10 Mart zu. Während B. den Strafbefehl rechtskräftig werden ließ, erhob D. Widerspruch in der Annahme, daß es nicht erforderlich sei, daß beide Inhaber bestraft zu tverden brauchen. Das Schöffengericht erkannte auch auf Freisprechung, aber die Staatsanwaltschaft focht das Urteil an und führte aus, daß, da jeden der Teilhaber die gleiche Schuld trifft, auch jeder bestraft werden müsse. Das Urteil wurde demgemäß aufgehoben und D. in die im Strafbefehl angedrohte Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt. — Bei dem in dem Elsoff er sch en Anwesen in der Marktstraße kürzlich ausgebrochenen Brande haben sich einige Feuerwehrleute Porzellanwaren aus dem Schutt mitgenommen. Drei dieser Leute, die inzwischen aus dem Feuerwehrtorps ansaestvßen wurden, erhielten durch das Schöffengericht wegen Diebstahls je eine Woche Gefängnis. Heinr. M. erhob gegen das Urteil Berufung und behauptete, daß das, was er mitgenommen hat, wertlos war. Demgegenüber wurde festgestellt, daß er nicht weniger als vierzig tadellose Porzellanteller und eine Anzahl Tassen entwendet hat. Seine Berufung wurde mit dem Anfügen zurückgewiesen, daß die Tat einen groben Vertrauensmißbrauch darstelle, da doch die Feuerwehr auch dazu berufen ist, das Eigentum der Brandbeschädigten zu schützen. — Der Taglöhner Joh. G. von Scbwabcurod, ein wegen Betrugs mehrfach vorbestrafter Mensck», gab in verschiedenen Wirtschaften zu Alsfeld fälschlicherweise ■m, er sei von seinem Dienstherrn geschickt, um Essen für die in der Nähe befindlichen Arbeiter zu bestellen. Dabei ließ er sich bewirten, und verschwand dann, ohne zu zahlen. Einen Wirt veranlaßte er auf Grund eines von ihm gefälschten Zettels, »ur Vergabe eines Darlehns und von einem Kaufmann er- er sich unter falschem Namen Handwerkszeug. Wegen Urkunden salschuug und Betrugs wurde er zu 3 Jahren Ge- ! 9 n c5 r 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Mit Rück-
sicht auf fein sofortiges umfassendes Geständnis, wurde ihm die Unlcrsuchungsh ik mit einem Monat angerechnet.
Ocrichlslaal.
-X" Standgericht Gießen. Gestern nachmittag wurde in der alten slaierne eine Standgerichtsverhandlung gegen den Siir Rescnie entlassenen ehemaligen Musketier Albert Klein vom 87. Jns.-Regt. gehalten. Der Gerichtshof bestand aus M/^"r
Kveuder als Vorsitzender, Hauptmann Giese und Overleutnant See- bold als Beisitzer. Leutnant Wolf vertrat die Anklage, welch« aus Achtungsverletzung vor versammelter Mannschaft, die sich als Drohung darstellt, lautete. Der Angellagte wurde wiederholt während seiner Dienstzeit wegen Urlaubsüberschreitung bestraft und es handelte sich fast immer darum, daß er sich einen Rausch angetrunken und dann nicht mehr rechtzeitig in die Kaserne zurückkehrte. Ebenso erging cs ihm am Abend des 8. September dieses Jahres, an welchem Tage die 87 er die Kaiserparade mitgemacht hatten. Gegen ’-?12 Uhr nachts brockte das Mädchen des Angeklagten diesen in schwer bezechtem Zustand vor das Kasementor in Mainz. Der wachehabende Gefreite und noch ein Mann der Wache hatten Mühe, den Trunkenen auf seine Stube zu bringen. Am nächsten Vormittag um 9 Uhr suchte dieser den Wachhabenden auf und frug, ob er den Vorfall melden wolle, w's dieser bejahte. Ter Angeklagte meinte daraus, wenn jener das tue und er kriege ihn später einmal, so schlage er ihm die Knochen im Leibe entzwei oder werfe ihn die Trevpe himmtcr. Nach 'der Bekundung der Zeugen bc3 Vorfalls hatte der Angeklagte dabei mit der Faust gedroht, so daß die Wachmannschaft angenommen Hobe, Klein wolle den Wachhabenden schlagen. Tas Standgericht erkannte _ auf 4 Wochen strengen Arrest, und begründete das Strafmaß damit, daß der Angeklagte, trotibcm er mehrfach vorbestraft fei, doch wieder über Unaub ansgeblicben sei. Der Anlläger batte 3 Docken strengen Arrest beantragt.
[] Marburg, 3. Nov. Ter verheiratete Schneider Heinrich Matthäi aus Sichertshausen wurde beute vor der Stra komm er wegen eines an einem Kinde begangenen Sittlich, k e i t 4 v e r b r e ch e n s zn V, Jahren Gefängnis verurteilt. — Weiter erschien als Angeklagter der berüchtigte P'erdedieb Heinrich Glatthaar von hier, der im Juli in Köln 1700 Mk. gestohlen und dann im Kreise Ziegenhain sieben Einbrüche und Diebstähle verübt hatte. Er wurde einstweilen zu fünf Jahren Zuchi- h a ii s verurteilt, da etwa 20 andere Anklagen noch nicht spruchreif sind.
In welch frivoler Weise oft mit dem Zeugeneid umgegangen wird, zeigte eine Verhandluna. die bei Schwurg-ri^'t Berlin I beschäftigte. Der technische Tircktor R. einer Hofbuchdruckerei Hute in eir-m Ehescheidungsvrozcß mit feiner Frau eine auf Ehebruch gestützte Widerllage erhoben. Diese mürbe in erster Instanz zurückgewiesen, bsr Klage der Ehefrau dagegen stattgegeben und R. kostenpflichtig Der- urteilt. In der zweiten Instanz vor dem Kammergericht nannte R. plötzlich den Koch F'.ihg als Zeugen, der über gewisse Tingc ein ^Aussage macken sollte, wodurch die Fran schwer belastet wurde. Fuhg bekundete vor dem Kammergericht auch verschiedene Tatsachen, die des Ergebnis der ersten Instanz völlig umstürzten und das Kammergericht zu einer wesentlich anderen ^litscheidimg hatten kommen lassen müssen. Bevor indessen das Urteil in der zweiten Instanz gefällt wurde, packte den neu misgetauchten Zeugen die Neue. Er richtete an das Okrid’t ein Schreiben, worin er jene Aussagen widerrief, und zugleich erklärte, von N. zu der falschen Bekundung verleitet worden zu sein. N. habe ihm eine goldene Uhr und ein paar lvindert Mark versprochen. Tie F-olge dieser Erklärung war die Anklage gegen Fuh.i wegen Meineides Der Gerichtshof erkannte auf 4 Monate und 15 Tage Gefängnis.
Mailand, 3. Nov. Cotti, der ehemalige Kassierer der Elektrizitätsgesellschaft Edison, der Aktien im Werte von 1 200 000 Lire unterschlagen hatte, wurde zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.
Arbrilcrkewl'qunK.
Gera, 3. Nov. Bis gestern abend Hot eine große Anzahl Arbeiter der Ortsgruppe Gera sich 'zur Wiederaufnahme der Arbeit nach dem neuen Tarif gemeldet. Die Betriebe werden denn auch Montag eröffnet, wenn in den übrigen Ortsgruppen des Verbundes sich genügend Arbeitswillige gemeldet haben. lB. Tst
Tcr Streik der Bediensteten der b ö h m i s ch e n Staats- bahn in Form von Obstruktion durch'wortgetreue AnsfüHnou? der Dienstvorschriften nach italienischem Muster hat seit beute auch auf die böhmischen Privatbahnen übergegriffen Ter Verkehr der Versoneuzüge in Böhmen erleidet Verspäwngen bis zu drei Stunden.
ßilcNlaljn-Zcilurq.
Berlin, 3. Nov. Eine Eisenbahnkouferenz, an der die Präsidenten der preußischen Eisenb'hndirektionen und der Gte’ neraldirektion in Straßburg teilnehmen, hat heute begonnen Erörtert wurden toübtige Fwagen des Eisenbahnwesens, insbesondere auch die Frage, in welcher Weise den schweren Unfällen der letzten Zeit vorgebeugt werden könne. Nach Beendigung der Beratungen waren die Eisenbahndirektionspräsidenten bei dem Minister v. Budde zu Tisch geladen.
Hnndet und ynkeljr. Volkswirtschaft.
— Der NeichSbank-DrSkont wurde von 5 pkt, auf 5 ', pCt. erhöht.
Die Lage in Rußland. Der neuesten Gestaltung der Verhältnisse auf politisch-sozialem Gebiete wird ein ganz ungewöhnlich geringes Vertrauen seitens der Finanzwelt entgegen» gebracht. Es ist noch nie seit Anfang des japanischen Krieges, auch in den schlimmsten Zeiten nicht, so skeptisch von den tonangebenden Finanzmännern geurteilt worden, wie gerade jetzt Vielerseits wird gesagt, daß der Staat jetzt erst recht nicht dem Kvnstitutionalismus sondern dem Anarchismus verfallen werde. Jedenfalls gehen die Russenwerte wieder ständig zurück. Es schein, uns, daß schließlich nur noch die schwärzesten Pessimisten auch recht behalten werden.
Der neueste Reichsbankausweis, der eine Steigerung der steuerpflichtigen Noten um 120,95 Mill. Mk. gebrach! hat, hat einen recht ungünstigen Eindruck hervorgerufen. Es hat die Steuerpflicht sich von 25,5 auf 146,5 Mill. Mk. erhöht. In der gleichen Zeit des Vorjahres bestand eine steuerfreie Notenrescrve, die sich von 73 aus 22,9 Mill. Mk. vermindert hatte. Die Inanspruchnahme der Bank auf Wechselkonto war diesmal mit 73 Mill. Mk. recht beträchtlich Der Metallbestand betrug im vorigen Jahre 902 Mill. Mk., der Notenumlauf 1379 Mill. Mark.
Reichsbank. Am 13. November wird ins Sensburg (Ostpr.) eine von der Ncicl^sbankstelle in Allenstein abhängige Reichsb.anknebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Plutus. Kritische Wochenschrift für Volkswirtschaft uni Finanzwesen (Herausgeber: Georg Bernhard). Inl-alt vom 44. .Heft des zweiten Jahrganges: Erzherzog Friedrich: Kartelle zur Lutherzeit. Don Hans Leuß-Potsdarn: Revue der Presse: Börsen-Kritik: Lurembi'.rger Agio: Japans Schiff-hrt: Nerlinei Theateranf.ang und Villettpreise: Neue Bank-Aktien: Oeffent- tichkeit uni) Generalversammlung: Erziehung durch Inserate: Gedanken über den Geldmarkt: Aus Fabrik und Werkstatt: Cbeft und Angestellte: Emissionen: Gcneralversammlunaen. lAbonne- ment vierteljährlich '3.50 Mk. Verlag, Berlin-Charlottenburg, Goethestr. 69.)
Märkte.
Gießen, 4. Nov. Marktbericht. 9(itf heutigem Wocheninackt kosteten: Butter vr. Psd. 1.10—1.1b Mk.. Hühnereier 1 St. 8-9 Mg 2 Stck. 00-00 Pia.. Gänseeier 15—00 Psg., Enteneier 6—7 Psg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Stck. 5—6 Pig. Erbken vr. Liter 21 Linken vr. Liter 32 Psg., Tauben vr. Paar0,80- 0,90 D!k., Hühner pr.Lt. 1.00-1,60 Pik., Lahne pr. Stück 0,80—1,80 Dik., Emen pr. Stück 1,80—2,20 Mk.. Gäule vr. Psd. 60-75 Psg., Ochseusteisch pr. Md. 72—82 Big.. Kuh- und Rindfleisch vr. Piuud 70—72 Psg., Schiveinc- steisch vr. Pfttnd 80—90 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Plund 94 Psg., Kalbfleisch pr. Pid. 70—80 Psg., Hammelfleisch pr. l'funi 50—76 Pig. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg 5,00—5,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Dlk., NNlch per Litei 20 Pfg., Aepsel uer Mund 10 bis 25 Pfg., in Körben 00 Pig., Nüsse 100 Stück 30 - 40 Psg,, Birnen per Zentner 6 bis 10 Weißkraut 0.07—0.10 Mk. Marktzeit 8—2 Uhr.


