X Mücke, 3. Mai. Die während des Winterhalbjahres an den um 6.20 Uhr hier eintreffenden Zug von Gieren anschließende Personenpost Mücke—Ruppertenrod— Ulrichstein hat mit dem vorgestrigen 1. Mai diesen Anschluß nicht mehr; er findet dagegen mit dem um 10 Uhr von Gießen kommenden Zuge statt. Da erfahrungsgemäß viele Reisende diesen Wechsel übersehen, so sei hiermit darauf besonders hingewiesen. Es steht übrigens wohl außer allem Zweifel, daß es viel zweckdienlicher und viel nicht* im Interesse der Reisenden gelegen wäre, wenn die Post nicht an den allerletzten, sondern wie im Winterhalbjahr an den 6-Uhr-Zug von Gießen anschlöffe. Wer in aller Welt mag denn zu so später Nachtstunde noch reisen? Ferner würden dr: von der Post berührten Orte noch am selbigen Abend die von Gießen kommenden Zeitungen und Briefe erhalten können. Durch den Anschluß der Post an den 10-Uhr-Zug geschieht dieses aber erst am anderen Tage.
[] Franken b erg, 3. Mai. Außer der schon viel gekannten Eddertal-Sperre beabsichtigt man auch im benachbarten Sauerlande, in den Seitentälern der Mohne, der Glenne und der Lörniecke zwei Talsperren mit einem Gesamtfaffungsvermögen von 9—10 Millionen Kubikmeter Wasser zu erbauen.
T Hohensolms, 2. Mcri. Die Hoffnung, daß die unheimliche Typhusepidemie in der benachbarten großen Gemeinde Erda sich nicht weiter ausbreiten werde, hat sich leider nicht ganz, bewahrheitet. Trotz der Fürsorge der Behörden, worunter die Einrichtung eines Krankenhauses innerhalb der Gemeinde, sowie die Berufung zweier Krankenpflegerinnen zu erwähnen sind, sind im Laufe der vorigen Woche drei neue Krankheitsfälle bekannt geworden. Mle transportfähigen Kranken werden in die Klinik nach Gießen verbracht. Solcher wurden bereits fünf dahin über- gefuhrt, während zu Erda zurzeit noch sieben Kranke interniert sind. Da bekanntlich die Gemeinde Erda zu den ärmeren Gemeinden unseres Bezirks gehört und es meistens ärmere Familien sind, bei welchen diese gefürchtete Krankheit Einkehr gehalten hat, so hat sich zur Unterstützung dieser Betreffenden ein Komitee gebildet. Bürgermeister Huttel-Hohensolms, Pfarrer Brünger-Erda sowie die Geschäftsstelle des Wetzlarer Anzeigers nehmen Gaben entgegen.
w Wetzlar, 3. Mai. Die Lescvereinigung von Wetzlar veranstaltet morgen, Donnerstag, im Schützengarten eine Schillerfeier. Die Ausgestaltung des Abends hat die Ortsgruppe Gießen des Dürerbundes übernommen. Als Redner ist Pfarrer Lic. Emil Fuchs von Rüsselsheim gewonnen worden. Mitwirkende find künstlerische Kräfte aus Gießen. Die drei vorgesehenen Chornummern hat der musikalische Verein von Wetzlar übernommen. Das Programm enthält Chöre, Rezitationen einzelner Gedichte and dramatischer Szenen, Gesangssoli und die Festrede.
Frankfurt, 3. Mai. Wie der Homburger ^Taunus- Zote^ schreibt, ist die elektrische Bahn Frankfurt- Homburg ernstlich in Frage gestellt. Wenigstens verlautet, daß infolge der Schwierigkeiten, die Homburg neuerdings diesem Projekt entgegenstellt, ernstlich von den Frankfurter Unternehmern in Erwägung gezogen sein soll, die Strecke Heddernheim—Oberursel auszubauen und in Oberursel für diesen Zweck ein neues Elektrizitätswerk zu errichten, das gleichzeitig den elektrischen Bahnbetrieb nach der Hohen Mark und von dort eine Zweiglinie nach dem Gothischen Hause -ermöglicht.'
vermißtes.
* Der Wille der Schwiegermutter. Die zukünftige deutsche Kronprinzessin wird in einer Toilette vor den Altar treten, von der nicht ein Stückchen deutscher Herkunft ist. Die ganze Aussteuer der Herzogin von Mecklenburg ist in Paris angefertigt worden, mit Ausnahme der Courtoilette, die ein Geschenk der preußischen Krone ist, und deren Schleppe dieser Tage im Berliner Gewerbemuseum ausgestellt war. Für diese Zurücksetzung kann die deutsche Konfektionsindustrie sich bei der Großherzogin Anastasia von Mecklenburg bedanken, deren Verachtung für alles Deutsche bei dieser Gelegenheit wieder zum Durchbruch gekommen ist. Der Kaiser und die Kaiserin haben sich umsonst bemüht, sie umzustimmen. Sie bestellte von Cannes aus alles in Paris. Nur die Stickereien am Brautkleide hat sie in Berlin anfertigen lassen, weil sie da billiger dazu kam, und sie hat auch dabei die Preise noch fürchterlich gedrückt. (Warum hat man sich das gefallen lassen? In Paris hätte man sich's nicht gefallen lassen.) Die zugeschnittenen Teile des Kleides wurden aus Cannes an die Stickerin nach Berlin gesandt und wanderten dorthin zurück. Es gilt jetzt in Hofkreisen für gänzlich ausgeschlossen, daß Großherzogin Anastasia zur Hochzeit ihrer Tochter nach Berlin kommt.
Straßburg, 2. Mai. Wie die „Straßb. Reuest. Nachr." mitt eilen, wurde in Rodemachern ein Brudermord verübt. Der 37 jährige Peter Frigand lebte seit Jahren eines alten Erb- schaftsftreites wegen mit seinem jüngeren verheirateten Bruder in Streit. Gestern nacht drang er in das Haus des Bruders und siel zuerst über dessen Frau her und verletzte düse mit einer Mistgabel schwer. Aus die Hilferufe der Fran c’ffc der Marrn herbei. Der Bruder gab auf diesen zwei Flintenschüsse ab In den Hals getroffen stürzte der Unglückliche tot nieder. Die Frau soll 15 Verletzungen erhalten haben, doch gilt ihr Zustand nicht als hoffnungslos.
* Wien, 3. Mai. Während der heutigen Opernoorstellung der „Zauberflöte" entstand auf der Hinterbühne infolge Kurzschlusses ein unbedeutender B r a n d, der vom Publikum bemerkt wurde und eine Panik verursachte. Zahlreiche Besucher des Parketts und der Galerien drängten zu den Ausgängen, wobei viele stürzten. Nur durch die Geistesgegenwart des Direktors Mahler, der auf dem Piano ben unterbrochenen Chor intonierte, beruh'gte sich das Publikum, worauf die Vorstellung fortgesetzt wurde.
*Die Malerin in Männerkleidern. Zu dem Folie der in Sori verstorbenen Wiener Künstlerin Hermine (oder Emilie?) Gärtner, die seit Jahren als „Anton Hermann" durchs Leben wanderte, wird noch berichtet: Die alte Dame hatte, wie ihr eigener Bruder, Professor Gärtner aus Innsbruck angibt, die Schrulle, dem Beispiel oer Georges Sand und Rosa Bonheur zu folgen und ihr Geschlecht zu verleugnen; ja sie trug sogar einen falschen Schnurrbart, und zwar hatte sie sich als philiströse Germanin einen Werktags- und einen Sonntagsnachmit^agsausgehschnurr- bart ä la „Es ist erreicht" zugelcgt. Ganz Sori kannte diese falschen Schnurrbärte und amüsierte sich darüber in der Annahme, es handele sich um einen bartlosen alten Herrn, der sich aus harmloser Eitelkeit die Zierde des Mannes auf künstlichem Wege verschaffen wollte. Die ein- ygp Person in Sori, die um das „Geheimnis der alten
Mamsell" wußte, war die Besitzerin der Villa, wo „Litton Hermann" wohnte, Baronin Redtwitz.
* Eheroman eines ungarischen Edelmannes. Der ungarische Edelmann Julius v. Takacs gelangte aus höchst romantische Weise zu einer Gattin, die die Tochter eines amerikanischen vielfachen Millionärs ist. Er war früher Komitatsbeamter und bezog als Sohn einer Gräfin Esterhazy eine monatliche Apanage von 400 Kronen. In Karlsbad lernte er die Tochter des amerikanischen Fabrikanten Charles Hardt kennen, dessen Vermögen auf 20 Millionen Dollars geschätzt wird. Takacs und die chöne junge Charlotta Hardt schlossen heimlich ein Herzensbündnis; als jedoch der Papa dahinter kam, verschwand er mit Frau und Tochter wsort aus Karlsbad. Von. da ab gelangte Herr v. Takacs auf die Suche, und in Verfolgung der stets vor ihm fliehenden Familie Hardt kam er durch alle Hauptstädte Europas. Zuerst erfuhr er durch seine Privatdetektivs, daß sie in Moskau sei. Kaum dort eingetroffen, war die Familie schon abgedampft. So gings nach Petersburg,' von da nach Berlin, dann nach Paris, London usw. Das Geld für'die kostspieligen Recherchen und Reisen entlehnte Takacs von Wiener Geldgebern gegen Wechsel. Endlich war das Herz des Vaters erweicht, und er erfüllte den Wunsch der einzigen Tochter. Am 25. November 1903 wurde sie in Berlin mit Takacs getraut. Die Schulden des jungen Ehemannes waren inzwischen auf eine halbe Million Kronen gestiegen, und als das Paar nach der Hochzeitsreise in Nom angelangt war, wohin Herr und Frau Hardt nachkamen, erschienen plötzlich die Wiener Gläubiger und präsentierten Herrn Hardt ihre Wechsel. Dieser machte große Augen, bedeutete ihnen aber, sein Schwieger- ohn werde in Wien altes ordnen, er sende ihn zu diesem Zweck dahin. Takacs gehorchte und fuhr nach Wien, wo ein Ausgleich arrangiert wurde, dann fuhr er nach Rom zurück — hier war von Gattin und Schwregereltern schon wieder keine Spur. Nun begann die Jagd aufs neue. Wiederholt entdeckte man den Aufenthalt der Gesuchten, 'tets verschwanden sie aber wieder, bis man erfuhr, sie seien in ihre Heimat nach Cleveland gereist. Am 27. März v. I. schiffte sich Takacs mit neuer materieller Hilfe der alten vereinigten Gläubiger nach Amerika ein, um dort seine Gattin zu suchen und vom Schwiegervater Genugtuung zu fordern. Während er in Amerika nach Frau und Geld Jagd machte, wurden in Wien zahlreiche Prozesse gegen ihn und gegen die Gattin „unbekannten Aufenthalts" geführt. Dieser Tage ist Herr v. Takacs wieder in Wien angelangt, ohne Frau und — ohne Geld!
* Eine furchtbare Familientragödie hat sich in der verflossenen Nacht in Hamburg zugctragen. Ein 36 jähr. Brothändler, namens Fr. Kruse, ermordete seine vier Kinder, zwei Knaben und zwei Mädchen im Alter von 7 bis 14 Jahren und tötete sich dann selbst. Kruse hatte vor zwei Monaten ein Geschäft im Stadtteil Barmbeck errichtet, aber der Erfolg blieb aus. Der Mann war ein harter verschlossener Charakter, der es nicht verstand, sich mit seinen Kunden gut zu stellen. Schließlich war ihm jeder Kredit abgeschnitten. Die geschäftliche Misere fiel mit dem Tode seiner Fran zusammen. Diese erkrankte plötzlich vor zwei Wochen und starb nach wenigen Stunden. Sie. soll sich aus Gram über den Fehlschlag des Unternehmens vergiftet haben. All' dies Unglück brachte den Mann zu dem entsetzlichen Entschluß, sich und seine Kinder zu töten. Mit welcher Ueberlegung Kruse die Tat geplant bat und welche Energie er aufwendete, um den grauenvollen Kindermord auszusühren, geht aus den umständlichen Vorbereitungen hervor, die er vornahm. Er sägte ein Rohr der Gasleitung in seinem Laden sorgfältig ab, fügte dann eine neue Schraubenmutter ein und leitete von dieser Oesfnung einen langen Gummischlauch in das Zimmer, wo die Kinder schliefen. Dann drehte er das Gas voll an und ging selbst in das Schlafzimmer. Heute morgen schlugen die Nachbarn, durch den durchdringenden Gasgeruch alarmiert, die Türe zu dem Laden ein und fanden den Vater und die vier Kinder tot im Schlafzimmer. Eines der Kinder muß die Absicht des Vaters gemerkt haben, denn es sprang aus seinem Bett, hatte aber nicht mehr die Kraft, die Türe zu erreichen. Es lag tot vor seinem Bettchen auf dem Fußboden. Auf dem Tisch fand man ein Schreiben des Mörders und Selbstmörders, in dem er der Polizei mitteilte, daß er wegen zerrütteter Vermögensverhältnisse m't seinen Kindern in den Tod gehen wolle.
Ein neuer Mordprozetz. II.
München, 2. Mai.
Zu dem heutigen zweiten Sitzungstage ist der Mdrang des Publikums wieder sehr groß. Kreisarzt Dr. Wetzel hat die Leiche obduziert. Der phpsiologische Befund sprach gegen die Annahme eines Lustmordes. Ter Ermordung muß ein heftiger Kampf voraufgegangen sein, denn bei der Toten fanden sich an Kopf und Händen viele Kratzwunden und außerdem eine große Beule am Hintertopf. Die Tote muß zunächst mit der Serviette erwürgt und dann mit einem scharfen Messer in Gesicht und Hals gestochen worden sein. Die Halsschlagader und die Luftröhre waren glatt durchschnitten, sodaß bei den letzten Atemzügen der Ermordeten das Blut in die Lunge gelangt und so der Tod eingetreten ist. Nach dem Leichenbefunde, ist es auch als wahrscheinlich anzusehen, daß zwei Personen die Tat ausgeführt haben. Jedoch könne auch, wenn der Täter nicht fürchten brauchte. überrascht zu werden, einer der Mörder sein. .Die Leiche könne, wie Dr. Wetzel weiter angibt, sehr wohl in einer Kiste von einem Meter Länge verpackt worden sein, da die Centa Falch nur 1,55 Meter groß war. Nach dem ganzen Befunde zu urteilen, muß der Mord am Vormittag des 1. Sept, aus geführt worden sein. — Tie Kellnerin Rosa Mitterer, eine Hauptzeugin, war mit der Angeklagten und der Ermordeten ntfantmen in Holzapfelkreut bedienstet. Sie bekundet unter großer Bewegung, daß Frau Huber ihr gesagt habe: die scheint. Geld zu haben, die hat ein paar Hundertnoten und viel Geld bei sich. Vors.: Wie kommt es denn, Angeklagte, daß Sie durch die ganze Voruntersuchung immer in Abrede gestellt haben, daß Sie vom Besitz des Geldes der Centa Falch etwas wußten? Angell.: Daß sie Geld hatte, habe ich nie bestritten. Ich habe ja gesagt, daß die anderen Kellnerinnen darüber sprachen. Vors.: Diese Zeugin hat doch aber ganz deutlich gesagt, daß Sie wußten, 'wie viel Geld die Falch hatte. Es muß Ihnen doch also aufgefallen sein, daß die Falch gut situiert war. Angellagte murmelt ein paar unverständliche Worte und setzt sich dann sehr blaß geworden schweigend nieder. Am 29. und 30. August habe,, so bekundet die ,3eitgin weiter, die Ceuta Falch Ausflüge in die Umgegend gemacht und erzählt, sie habe auf diesen Ausftugen einen reichen Metzger kennen gelernt, der ihr Blusen gekauft habe und der mit ihr auf dem Starnberger See herumaefahren sei. Am 31. August ist die Zeugin mit der Falch in München gewesen. In der Nähe des Cafö Harras sei der Angeklagte Huber mit einem Bries an die Centa herangetreten und habe leise gesagt: „Den hat mir ein Metzger für dich mitgegeben. Er hat heute keine Zeit uni) kann nicht mit dir nach "Starnberg fahren, weil er geschäftlich verhindert ist. Vors.: Aus welcher Richtung kam wohl die Angellagte? Zengin: Von ihrer Wohnung in der Forstenrieder Straße. Vors.: Können Sie das auf Ihren Eid nehmen? Zeugin: Ja. Dors.: Babette Huber, was sagen Sie dazu? Angell.: Bitt schön, das ist nicht wahr, ich bin von der an hem Seite hergekommen, wo der Metzger mir kurz vorher den Brief übergeben hat. Ich erwartete dort die Centa Falch. — Tie Zeugin bekundet weiter, daß die Angellagte das Bestreben zeigte, sie von der Falch abzutrennen. Bors.: Es ist höchst bemerkenswert, daß dieses die letzte Gelegenheit war, wo die Angeklagte mit der ^Ermordeten in Verbindung treten konnte, da diese am nächsten Tag" abreisen wollte
Der Wirt der Waldivirti chatt voczapseirreui zcurzoen (tätigt, daß die Führung der Centa Falch eine gute war. Vors.: Wie entstand denn nun der Verdacht? Zeuge: Ausschließlich durch den Bries, die eine meiner Kellnerinnen in der Tasche der Centa Falch gesunden hott" und in dem es hieß: wenn nicht anders, so können wir uns auch in der Wohnung der Babette treffen. Babette aber l'.eß nur die Angellagte mit Vornamen. Der Zeuge bekundet weiter, da^ am 12. September wmcmd mit verstellter Stimme am Telephon, anrief und sagte: Der Babette ihr Schwager ist krank, sie müsse sofort kommen. Tie Angeklagte war aber den ganzen Tag über nicht zur Arbeit gekommem Frau Knrzbeck bestätigt im wesentlichen die Angaben ihres Mannes. Die Verhandlung w"rd>» aui Mittwoch vertagt.
iHeriiÄtslaal.
Kiel, 2. Mai. Tas Kriegsgericht des 1. Geschwaders verurteilte au Bord des Linienschiffes „Zähringen" in öffentlicher Sitzung den Kommandanten des Linienschiffes Mecklenburg, Kapitän z u r S e e A d o l s P a s ch e n wegen Auslaufens seines Schiffes auf Hatteriff im Belt zu eintägigem Kammer- Arrest. Der Navigations-Offizier, Kapitänleutnant Fischer wurde freigesprochen.
' L e i p z i g, 3. Mai. Tas Reichsgericht verbandelte heute über die Revision d es Kö n i g s b e r ge r Hochverrats- Prozesses. Reichsanwalt Trentlein-Mördes vertrat in eingehender Rede die Ansicht, daß Rußland dem Deutschen Reiche die Gegenseitigkeit verbürgte. Die Rechtsanwälte Heinemann, Liebknecht und Haase traten diesen Ausführungen entgegen. Die weitere Revisionsverhandlung und die Urteilsfällung wurde auf den 6. Mai vertagt. .
Ein bestrafter Schuhhändler. Bei dem, Schöffengericht in Lahr in Baden kam, nach der Zeitschrift ,.Schuh und Leder" jüngst eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs zur Verhandlung, welche damit endigte, daß der Angellagte zu der schweren Strafe von 400 Mark und 7, Tagen Haft, Veröffentlichung des Urteils in beiden dortigen Zeitungen und Tragung sämtlicher Kosten verurteilt wurde. Der Angellagte, Carl Kaufmann, Schuhhändler aus Pforzheim, hatte letzten Herbst einen großen reellen Aus verkauf in L. abgehalten und sich infolge seiner unlauteren Reklame eine Anklage von feiten der Staatsanwaltschaft zugezogen. Die Verhandlung bot ein interessantes Bild, wie in derartigen S ch l e ud er g e s ch L s- t en gearbeitet wird und wie groß, ost der Nutzen trotz des angeblich »'norm billigen Preises ist. So fanden z. B. Chevreaux-^Stiesel, die in Pirmasens für 3.75 Mk. angekauft waren, flotten Absatz zu 7,50 Mk., also wt einem Verdienst von 100 Prozent. Der Sachverständige, A. Bea, Vorsitzender der Handwerkskammer in Freiburg, stellte allerdings fest, daß die ,,echten Chevreauxstiefel" aus Schafleder hergestellt und in keinem reellen Geschäft solche Stiefel als Chevreaux verkauft werden. In der Urteilsbegründung wurde besonders darauf hingewiesen, daß der öfters vorbestrafte Angeklagte schon zweimal wegen unlauteren Wett- bewerbes bestraft worden, also kein N^nkina^an^diesem^Felde^seu
Arbeiterbewegung.
Rüdesheim, 1. Mai. Nachdem bereits vor einigen Tagek die Maurer an verschiedenen Baustellen die Arbeit niederlegten, erfolgte heute an sämtlichen Baustellen der Ausstand.
Stockholm, 3. Mai. Da es nicht möglich war, ernt Verständigung mit den Gewerkschaften der Felssprenger, her Zementarbeiter und der Klempner zu erzielen, beschloß die Zentrale des Arbeitgeber-Verbandes die A u s s p e r r- ung, beginnend am 4. Mai, zu erklären. Diese Aussperrung umfaßt in erster Linie die Mitglieder der genannten Gewerkschaften, wird aber wahrscheinlich auf mehrere andere Gruppen des Baugewerbes ausgedehnt werden. Es handelt sich 'im wesentlichen bei dem Streite um die Frage des Rechtes der Arbeitgeber, Arbeiter anzunehmen und zu entlassen ohne Einmischung der Gewerkschaften.
Chicago, 3. Mai. Bei den gestrigen StraßcnkämpfeN ans Anlaß des K u t s ch er ft r ei ks wurde eine Person getötet, vierzig verletzt. Die Unruhen in allen Teilen der Stadt dauerten, fort bis spat in den Abend.
Kisenöahn-Zeilmig.
— Die Verbindung mit Süd-Frankreich hat mit dem Inkrafttreten des neuen Sommersahrplans eine wesentliche Verbesserung erfahren. Der neue D - Zug mit allen drei Wagen- klassen, welcher um 3.15 Uhr nachm. im_ Fahrplan des früheren Schweizer Expreß und des Riviera-Expreßzuges über Thüringen, Frankfurt und das Elsaß nach Basel abgeht, findet in Mühlhausen! Anschluß lan den Frühschnellzug über Belfort nach Lyon. Er geht von Mühlhausen 6 Uhr 23 Min. und ist in Lvon 2.4 Uhr nachm. Etwas später findet er Anschluß nach Marseille, an 10.11 Uhr. Der Gegenzug verläßt Marseille 11.5 Uhr abends, Lyon morgens 7.26 Ühr, unb ist in Mühlhausen 4.36 Uhr nachm. Hier trifft er den neuen D-Zug Basel — Straßburg — Frankfurt — Berlin (Stadtbahn) über Gießen, Kassel, Sangershausen, Güsten, an Friedrichstraße 7.50 Uhr morgens. Dieser Zug hat aber nur die 2. Klasse. In Berlin findet er Anschluß an die Schnellzüge nach Posen — Thorn — Insterburg, Dansig — Königsberg — Eydtkuhnen — Petersburg, Stettin — Saßnitz — Stockholm. Rostock und Warnemünde — Gjedser Kopenhagen.
Kunst und Wissenschaft.
Berlin, 3. Mai. In der Vormitta^sitzung des heuttgett letzten Tages des Röntgenkongresses besprach Professor L a s s a r, Berlin, die Heilung der Hautkrankheiten durch Röntgenstrahlen. Bisher wurd-en Heilwirllmgen nur bis Vs Zentimeter Tiefe erzielt. Es folgten weitere Vorträge von Albers, Berlin, und ausländischer Forscher über Erfahrungen mit^Röntgenstrahlen. bei den verschiedensten Krankheiten. In der Schlußsitzung berichten Schild-Magdeburg über die Heilung eines Falles von Krebs mittels Röntgenstrahlen, welcher durch eine eigentümliche Hautkrankheit entstand, Wichmann-Hamburgi über ein eigenes System, lyeilfräftige Wirkung der Strahlen auch in der Tiefe zu erzielen, Hennecart-Sedan und Bacher-Berlin über gesetzlichen Schutz vor dem Mißbrauch der Röntgenstrahlem Darauf wurde die Resolution gefaßt: „Der Röntgenkongreß erfiärt, die Untersuchung und Behandlung mit Röntgenftralilew ist eine rein ärztliche Leistung; dem muß in der allgemetnen medizinischen Gesetzgebung Rechnung getragen werden." Die Weitergabe der Resolution übernimmt der Ausschuß des .Kongresses. Nach weiteren wissenschaftlichen Vorträgen schließt Dorfttzender Professor Eberlein den Kongreß. _____.__
Aniverstläts-Äachrichten.
— An der Schiller-Gedächtnisfeier der B e r l i n er Universität, die am Dienstag Vormittag im könrgllchen Opernbause statt findet, wird, wie verlautet, der Kronprinz als Vertreter des Koisers teilnebmen.
Telephonischer Kursbericht.
Frankfurt a. M., 3. Hat Offizielle Schlusskurse.
gu/j, Mexikaner
30/
4l/,% äussere Argentinei
67.30
67.30
88.50
136.00
51.20
4%
4°/
. 270.00
247.00
. 216 40
. 100.55
. 101.55 . 90.60 . 101.50 . 90.50 . 100.30 . 99.00 . 101.85 . 101.15
. 99.80
4 % Oestorr. Go’dronto
4l „ % Oesterr. Silberrento
Ungar. Goldrento Italien. Rente .
Portugieser I portnfiesen. HI Unif. Türken .
-iVe'Vo Chinesen . Electric. Soluckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Komroandil Darmstädter Bank Dresdener Bank .
Bor'iner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden , , Gotthardbahn , . Lanrabötte . . Bochum . . . Harpener .
Reichbanleihe do.
Konsole . do. . .
Hessen Oberhessen
i'ilrken'ose ....
4% Griech. Monopol.-Anl.
34 75 . 96.25 . 137 40 . 123.80 . 209 00
187.90 . 142.40 . 155 50 . 168 90 . 142 60 . 1630
3Vtn/0 37, 3‘/,%
3 Wo
ir —•— St aatschatzscheine
Tendenz; ruhig.


