Nr. 104 Zweites Blatt
155. Jahrgang
Donnerstag 4. Mai 1908
Srschetnt S-Nch mit vnSnahms de» Sonntag».
Die „©Usenet FmuiHendlStter" werden dem ytlttgeiger viermal wöchentlich beigelegt Der wQtUHäH LavdVitt" erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag bet VrühiNch« UntoersitätSdruckerei. St. Laag«, Gieße».
Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulyr.T.
Tel. Nr. LU Telegr^Ädr.» Lngetg« Gieß«.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
Nolilffche Tagesschau.
Die akademischen Ortsgruppen Berlin und Charlotteubnrg des Cvaug. Bunde?
3irr Wahrung der deutsch-protestantischen Interessen wenden sich in einer Denkschrift an die Kommilitonen der deutschen Hochschulen, worin sie gegen die Auffassung Verwahrung einlegen, daß sie mit den katholischen Korporationen auf gleiche Stufe gestellt werden. Die Denkschrift legt Wesen und Charakter der akademischen Ortsgruppen des Evang. Bundes wie folgt dar:
Da die Ortsgruppen hauptsächlich auf national-kulturellem Gebiet zu wirken bestrebt ftttb, so liegt es uns durchaus fern, überhaupt kirchliche Fragen im engeren Sinne zu erörtern. Hat doch selbst der Evangelische Bund als solcher im Fall Fischer jede kirchlich-dogmatische Erörterung als nicht zu seinen Aufgaben gehörig zuruckgewiesen. In politischer Beziehung schränken wir ferner die akademische Freiheit unserer Mitglieder nicht im mindesten ein. Im Gegentetl betrachten wir es sogar als mffere Aufgabe, allen die Möglichkeit zu geben, „sich eine unabhängige freie Meinung zu bilden". Zu diesem Zweck haben wir in unseren öffentlichen'Versammlungen die freie Debatte, in der wir gern die Meinung unserer Gegner hören. Ja, wir erteilen sogar Katholiken als Vortragenden in unseren Versammlungen das Wort. Auch den Zusammenhang mit einer bestimmten Partei muffen wir als nicht bestehend erklären, da wir Angehörige aller politischen Richtungen ausnehmen, soweit sie nicht international oder gar antinational sind. So würden wir, selbst wenn wir konfessionelle Korporationen auf der bisher ausgeführten Grundlage wären, keinen Angriffs- punkt für die V o r w ü r f e bieten, die den katholischen oder, besser gesagt, ultramontanen Korporationen von der Studentenschaft gemacht werden. Nun sind wir aber nicht einmal konfessionelle Korporationen, obgleich dies von schlecht unter- richteter Serie angenommen wurde. Zum ersten ist unser Ziel kein konfessionelles im Gegensatz zu den katholischen Korporationen, die in geistiger und materieller Abhängigkeit vom Zentrum ihre Mitglieder aus den konfessionell-politischen Standpunkt des Zentrumskatholizismus führen, der jede Meinungs- äußerung einer selbständigen Persönlichkeit seinem Wesen nach ausschließen muß. Wir sind zwar der Ueberzeugunq, daß nur auf dem Boden der Reformation die hohe geistige und nationale Entwicklung möglich geworden ist, deren wir uns erfreuen, und daß ihre Errungenschaften, insbesondere G e i st e s- und Gewissensfreiheit, darum unbedingt festzuhalten sind. Wir denken aber nicht im geringsten daran, deshalb die r e l i g i ö s e U e b e r- zeugung Andersdenkender zu mißachten. Zum Begriff der Konfeffionellität gehört ferner die Ausschließung anderer Bekenntnisse von der Mitgliedschaft. Die akademischen Ortsgruppen nehmen aber im Gegensatz zu den katholischen Korporationen auch Angehörige anderer Konfessionen auf, sobald sie sich ans ihren Boden stellen, und begrüßen insbesondere mit Freude die Bewegung unter den deutschen Kommilitonen in Oesterreich, die, obwohl katholischen Glaubens, zur Rettung ihrer deutschen Eigenart den Rus „Los von Rom" erhoben haben. Unter diesen Gesichtspunkten betrachten wir uns als interkonfessionell!
Die Denkschrift hebt hervor, daß die akademischen Ortsgruppen des Evangelischen Bundes zwanglose Vereinigungen seien, die nur durch die eigene Ueberzeugung der Mitglieder zusammengehalten werden, und schließt mit folgenden Sätzen: Als vornehmste der Aufgaben, die uns demnach erwachsen, betrachten wir jene Prägung von Charakteren, die dank der Freiheit des eigenen Gewissens sich zu einer in sich gefestigten, nur durch das Bewußtsein der eigenen höchsten Verantwortlichkeit in ihrem Handeln bestimmten, kraftvollen Persönlichkeit durchringen. Und gerade diese Stärkung der eigenen Persönlichkeit verweist uns eben gebieterisch aus die Seite unseres Vo tkstums, dort deutsche Eigenart zu ftarfen im Gegensatz zu dem alles eigene Wesen nivellierenden und unter Rom beugenden internationalen Prinzip des Ultramontanismus. Das nennen wir Wahrung der ^eutsch-protrstautischenJntereffen.
Uedersee-Klatsch?
Neber Tätigkeit und Erfolge der nach Abessinien gesandten deutschen Miss io n wird später dem Reichstag in einem Weißbuche Mitteilung gemacht werden. Wünschenswert erscheint die Beschleunigung der amtlichen Berichterstattung, denn schon wird von privater (Beite, eine wenig erquickliche Darstellung der Tätigkeit bet Mission veröffentlicht. In einem angeblich auf Mitteilungen von glaubwürdigster Seite sich stützenden Artikel der „Tägl. Run"au" heißt es: die deutsche Mission habe eine Fülle von Ungeschicklichkeiten begangen, die in ihrem Gesamtergebnis zu der Annahme zwängen, daß die deutschen Interessen durch die außerordentliche Gesandtschaft nicht gefördert worden seien. Wenn man das in dem Artikel beigebrachte „Anktagematerial" vorurteilslos prüft, dann muß man sagen, daß es nicht hinreicht, um einen so schweren öffentlichen 'Angriff zu rechtfertigen. Sind der deutschen Mission weitere Vorwürfe nicht zu machen — der Einsender will „für jetzt" charakteristische Einzelheiten unerwähnt lassen —, so wäre die öffentliche Herabsetzung der deutschen Gesandtschaft, mit der nur den Neidern und Geg^ nern Deutschlands gedient ist, bester unterblieben. Sie gründet sich zum nicht geringen Teil auf gekränkte Eigenliebe eines Herrn Arnold Holtz, der der deutschen Mission am Hofe Meneliks den Weg geebnet, von ihr aber die verletzendste Nichtbeachtung erfahren haben will im Gegensatz zu Meneliks Minister, dem „franzosenfreund- lichen" Jlg, vor deni die deutsche Gesandtschaft „katzbuckelt" haben soll. Ein nicht geschicktes Verhalten wird insbesondere dem der Mission beigeordneten Grasen Viktor Eulenburg vom Auswärtigen Amt, dem früheren Adjutanten des Reichskanzlers, andeutungsweise nachgesagt. Menelik soll größeren Takt bewiesen haben als Graf Eulenburg. Nun, Minister Jlg, der vielgenannte Zeutsch- Schweizer, ist die einflußreichste Person am Hose Meneliks Wenn also die deutsche Gesandtschaft sich um die Gunst dieses Mannes besonders bemühte, so kann das nicht mißbilligt werden. Im übrigen hatte die Mission einen erprobten Diplomaten zum Führer und erfahrene Handelsfachleute zu Mitgliedern. Es wäre also unverständlich, wenn sie eine Fülle von Ungeschicklichkeiten sich hätte AU schulden kommen lassen. Tatsache ist doch, daß der Gesandtschaft der Abschluß eines Handelsvertrages mit Abessmren geglückt ist, und ob das möglich gewesen wäre, wenn Die
Mission sich mehr an Herrn Arnold Holtz als an den Minister Jlg gehallen hätte, darf bezweifelt werden.
♦
Reichstagsarbeit.
R. Berlin, 3. Mai.
Von parlamentarischer Seite ist herausgerechiiet worden, daß noch rund fünfzig in der Petitionskommission des Reichstags bereits auf gearbeiteter Bittgesuche, fast ein Dutzend Wahlprüfungen und annähernd fünf Dutzend Initiativanträge der Erledigung durch das Plenum des Reichstags harren. Dieses Arbeitspensum würde nicht bewältigt werden können, auch wenn die Volksvertretung bis tief in den Sommer versammelt bliebe, denn eine Probe auf Beschlußfähigkeit, auf die es bei der Entscheidung über Wahlpriifungen anronrmt, würde das Haus am wenigsten in der warmen Jahreszeit bestehen. Zum weitaus größten Teil wird alio dieses Beratungsmaterial unerledigt bleiben, und es hängt von der Frage der Vertagung oder des Schlusses der Session ab, ob der umfangreiche Restbestand in die nächste Session hinübergenommen wird oder unter den Tisch füllt. Adr sonstigen Beratungsstoff fehlt es dem Reichstag bis zum Beginn der Pfingsiferien nicht. Von der Kommissionsarbeit kann hierbei umsomehr abgesehen werden, als bis dahin ein wesentlicher Fortschritt in der Beratung der Börsengesetznovelle und der Militärpensionsgesetze kaum zu erwarten ist. Dcrß aus der ersteren Vorlage überhaupt noch etwas gerettet wird, muß nach dem Stand der Dinge zweifelhaft erscheinen, und die Entscheidung über die Militärpensionsgesetze möchte das wegen der Deckungsfrage so besorgte Zentrum wohl verquickt zehen mit der „großen" Finanzreform, was eine Vertagung bis zum Herbst bedeuten würde. Das Plenum des Reichstags wird sich nach Wiederaufnahme der Arbeit am 10. d. M. zu beschäftigen haben mit dem von der Kommission fertiggestellten Gesetzentwurf über die Rennwetten und mit der auf die En tlastung des Reichsgerichts ab^ielenden Vorlage, über die in der Kommission eine Vereinbarung herbeige führt ist. Hinzu kommt die im Ergebnis zweifelhafte Beratung des Garantiegesetzes betr. die Kamerunbahn, und diejenige weiterer Ergänzungsetats für Südwestafrika (Farmer- Entschädigung, Vahnbau Windhuk-Keetmannshoop). Von dem Fortgang der Verhandlungen über den deutsch-bulgarischen Handelsvertrag wird es abhängen, ob die nächsten Wochen eine neue Handelsvertragsdebatte bringen. Eine Reihe weiterer gesetzgeberischer Neuerungen ist von der Regierung vorbereitet, so die Vorlagen über Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit und über den Schutz der Werke der bildenden Künste und der Erzeugnisse der Photographie. Auf der Liste der in Vorbereitung befinolichen Entwürfe stehen noch diejenigen über Rechtsfähigkeit der Berufs vereine mrb über Sichewrng der Forderungen der Bauhandwerker. Möglicherweise kommt der eine oder der andere noch in der laufenden Tagung ans Parlament. Ms sicher kann dagegen gelten, daß der Gesetzentwurf über den Versicherun vertrag erst in der nächsten Session beratungsreif wird.
Deutsches Reich.
Berlin, 3. Mai. Der Kaiser machte, wie die „Nord- deutsche" berichtet, dem Reichskanzler Grafen v. Bülow zu seinem heutigen 56. Geburtstage eine Standuhr in Goldbronze mit seinem Reliefporträt zum Geschenk.
— Der Wirkt. Oberkonsistorialrat Dr. Brückner, Generalsuperintendent und Propst a. D., ist gestern abend im Alter von fast 81 Jahren gestorben.
— Die »Rat. Zig." bemerkt zu der gestern angetcetenen Reise des deutschen Gesandten in Tanger nach Fez: Es bedarf keines besonderen Hinweises, daß die Mission des Grafen Tattenbach sich nicht darauf beschränken wird, dem Sultan von Marokko den Dank des Kaisers für den freundlichen Empfang in Tanger zu überbringen. Vielmehr gelte diese Mission besonders der Wahrung der deutschen Interessen in Marokko, wie sie in der Festsetzung der Meistbegünstigung Deutschlands auf der Grundlage der Madrider Konvention von 1880 begründet ist. Dabei handelt es sich nicht um spezielle politische oder wirtschaftliche Interessen Deutschlands, wohl aber soll das Prinzip der offenen Tür voll durchgeführt werden.
— Wie aus München gemeldet wird, hat Professor Dr. Freih. vonHertling um seine Entlassung aus dem bairischen Staatsdienst gebeten. Dieser Entschluß soll mit Hertlings Streit mit dem Abg. Dr. Heim Zusammenhängen.
— Der Verein für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund hatte für heute eine Versammlung der Bergbauvereine von ganz Deutschland einberufen zwecks Stellungnahme gegen den vom Abg. Gamp eingebrachten Antrag bezüglich der Mutungen. Der Einladung waren sämtliche Bergbauvereine Deutschlands sowie die bekanntesten Tiefbohrgesellschasten und das Kali-Syndikat gefolgt. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, dem Landtage eine Resolution vorzulegen, worin ausgesprochen werden soll, daß der Antrag Gamp, soweit er eine immer wie geartete Sperrung der Mutungen vorsieht, zu verwerfen sei. Soweit eine Beseitigung von Mißständen in Betracht komme, soll dies auf dem Wege der Gesetzgebung geschehen. Mit der definitiven Feststellung der Resolution wurde der Verein für die bergbaulichen Interessen in Dortmund betraut.
— Durch einen neuen zwsschen der Reichsregierung und der deutschen Jaluit-Gescllschaft abgeschlossenen Vertrag werden die Verwaltung und Handelsverhältnisse der Marschall- Inseln nett geregelt.
Metz, 3. Mai. Gutem Vernehmen nach trifft der Kaiser am 11. d. Mts. mittags von Straßburg in Saar- gemünd ein, macht auf Schloß Remelfingen dem Reichstags- abgeordneten Jaunez einen Besuch und kommt am Nachmittag hierher nach Metz'
Nürnberg, 3. Mai. Das Gemeindekollegium beschloß den Magistrat zu ersuchen, sich mit anderen Städte« zu gemeinsamem Vorgehen gegen die Fleisch Verteuerung zu verständigen.
München, 3. Mai. Prinzessin Rupprecht wä Bayern, die Gemahlin des ältesten Sohnes des Thronfolgers,' ist heute früh von einem Prinzen entbunden worden.
Auslands
Varis, 3. Mai. Der König von England hatte yeutS während eines Frühstücks, das ihm zu Ehren bei dem Maranis von Breteuil staitsand, eine längere Nnterredung mit dem eben^ falls als Gast anwesenden Minister des Auswärtigen D e l e a s s 6.
— Die Großherzogin-Mutter Anastasia von Mecklenburg ist gestern ans Cannes hier eingetroffen und im Hotel Continental abgestiegen.
— Das „Echo de Paris" meldet aus Mailand, dort verlaute mit aller Bestimmtheit, daß währeiü» der Unterredung Golw» chowskys und Tittonis in Venedig alle Einzelheiten einer Zn« sammenkunft zwischen Kaiser Franz Josef »nbi König Viktor Emanuel vereinbart ivott>en seien.
Rom, 3. Mai. Ein drittes Bomben-Attentat sitz gestern gegen das bischöfliche Palais in Brindisi ver>^ übt worden. Die Attentäter sind wiederum unbekannt geblieben.!
Wien, 3. Mai. Das Abgcordn et en Haus nahm heute! seine Sitzungen wieder auf und begann! die zweite Lesung des! Zolltarifs. Der Berichterstatter Bärnreiter betonte die Not-' Wendigkeit der raschen Erledigung der Zolltarifvorlage nicht nur] wegen des Abschlusses der Handelsverträge, sondern auch mit' Rücksicht auf die Verhältnisse Oesterreichs zu Ungarn.. Die (&> ledigung des Zolltarifs iverde gleichzeitig ein Prüfstein für die, wahrhafte Arbeitsfähigkeit des Hauses bilden. Jin weiteren Vev- laufe der Sitzung erklärt sich Peschka (deutsche Bauernpartei gegen den Abschluß einer Viehkonvention mit Ruß^ land oder den Balkanffnaten und gegen die Getvährun^ irgend welcher Ver;iünstigungen für den Grenzverkehr an Serbien.. Schrasfl (christl.-soz.) wendet sick gegen den vorgelegten Zolltarif! und tritt für die Aufstellung eines selbständigen Zolltarife^ ein, dem Ungarn, bei den Verhandlungen mit dem Auslände bei* treten könne.
Kanea, 3. Mai. Die aus dem hiesigen RegierungA-GebLlch^ gehißt gewesene griechische Flagge ist von den Eug», ländern wieder durch das kretische 25 timt er ersetzt worden.
Washington, 3. Mai. 50l)Tellnehmer des itttetnttA tionalen Eisenbahnkongresses trafen heute ein. .Dev Präsident der amerikanischen Abteilung des internationalen Eise»-, bahnkongresses, Fish, wies in enter Ansprache darauf hin, auf dem Kongresse zum ersten Mole Deutschland und Kuba; durch Delegierte vertreten seien. George WeUnyhvuse hob hervor, daß ein neues Zeitalter für die Eisenbahnen bevorstehe durch Ersetzung des Dampfes durch die Elektri^itätt! MarinesekrättMorton eröffnetedreAusstellungsür Eisens bahn Materialien. Er sprach die Hoffnung aus, daß btefe internationalen Zusammenkünfte eine billigere, sicherer« und bessere Beförderung der Reisenden und dep Frachtstücke in der ganzen Welt herbeiführen werden. Er betonte, daß die Frachtsätze in Amerika im Durchschnitt eürni 40 Prozent niedriger, dieLöhne dagegen 50 Pro«-; zent höher als in anderen Ländern sind, ob^eich die Ma--, terialpreise die anderer Länder überschreiten, und er bezeichnet^ dies als einen Triumph des Verkehrswesens.
Aus Stadt rmd Land.
Gießen, 4. Mai 1905.
** Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft. An- 5. April wurde, nach dem Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 8, welches u. a. auch die Promotionen an der Landes Universität im Jahre 1904 enthält, dem Rechtsanwalt Frttz Fischer in Friedberg, nachdem er die Zulassung bei bemj Amtsgericht Friedberg aufgegeben hat, die Zulassung bei d«« Landgericht der Provinz Öberheffen erteilt; der RechtSanwaL; Rudolf Link zu Nidda wrrrde zur Rechtsanwaltschaft bei bet» zu errichtenden Amtsgericht Dieburg zugelaffen.
** Personalnachrichten der Ober-Postb«eeE^ tion Darmstadt. Versetzt find: der Postsekretär Bu nitz von Gießen nach St. Andreasberg unter UebertragrmA der dortigen Postmeisterstelle und der Postassistent Vogt von. Caternberg nach Bad Nauheim. — Angenommen sind? als Postgehilfen die Realschüler Arndt in Echzell, H^n« in Romrod und Möller in Schotten.
** Amtliche Ermittelungen über die Vergift^! ungen in der Alice-Kochschule in Darmstadt Habers zu einem erfreulichen Ergebnis geführt. Man erinnert sich^ daß dort im Jahre 1904 verschiedene Vergiftungen infolge; des Genusses eines aus Konservebohnen bereiteten SalatA vorgekommen sind. Man nahm damals an, daß die 23er giftuug von dem sog. Fleischgift herrührte. Die Untersuchungen haben ergeben, daß in Gemüsekonserven auch bei Luftabschluß Spa ltpilze sich zu entwickeln vermögen, deren giftige Stoff» wechselprodukte die menschliche Gesundheit in ähnlicher Weisej zu schädigen geeignet sind. Es liegt der Verdacht vor, bafs durch Bespritzen oder Begießen von Pflanzen mit fauche»« haltigen Flüssigkeiten die giftbildenden Keime in dieselben gelangen und auf ihnen, unbeschadet ihrer Lebensfähigkeit^ eintrocknen. Ein gemeinsamer Erlaß des preußischen Kullns^ und Landwirtschaftsministers an den Polizeipräsident» do» Berlin und die Regierungspräsidenten läßt deshalb zur Vo-r» sicht bei der Anwendung von Jauche in der Gemüsezucht mahnen und auf die Gefahren hmwersen, die der menschlichen Gesundheit erwachsen, sobald Jauche un-, mittelbar mit den oberirdischen Pflanzenteilen in Berührung kommt. Auch andere durch Spaltpilze hervorgerusenen menschlichen Krankheiten wie Typhus und Ruhr können so verbreitet werden. Durch das Besprengen mit Jauche wird auch der; Wuchs und der Ertrag der Pflanzen beeinträchtigt. Bei dep Zubereitung^von Büchsengemüsen soll auch im Haushalt mit peinlichster Sauberkeit und Sorgfalt verfahren werden. Ein^ gehörige Erhitzung tötet etwaige giftige Keiuie. Der Inhalt von Büchsen, d:c bei der Oeffnung einen verdächtigen Geruch erkennen taffen, ist zu Genußzwecken untauglich und darf voy allem ohne vorausgegangene abermalige Erhitzung als Salat xv keine Verwendung finden.


