155. Jahrg
Samstag, 2. Dezember 1905
Nr. £83
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flcneral-Anzelgki, 2lmts= un6 AnzelgcblaN für Öen Kreis fliehen.
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(Beifall links.)
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Die Grund übrigens
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itbobnhof ftieäfni zu niflibfin ?r onmnfeflefteOliws jri'tlidje Tlelbtnw 6-358 an ben #ifle yryetger erbeten
Parlamentarische Verhandlungen.
1 <t 4 6 r u d ohne Vereinbarung nicht g e ft a t t e t.
Deutscher Dcichstag.
4. Sitzung vom 1 Dezember.
1 Uhr. Tas Haus ist schwach besetzt.
Am Lundcsraisnsch: Gras Pojodowsky u. a. _
Zunächst wird ein schleuniger fl n^t rag auf Einstellung eiirS Strafverfahrens gegen den Abg. Schmidt- Franlsurt (Soz.) angenommen.
Sodann setzt das Haus die Besprechung der Fleischnot - Interpellation fort.
die Seuchen hineingetragen werden, die wir mit schweren Cbfern im Laude bekämpfen. (Lebhafte Zustimmung.) Gerade die kleinen Leute müfirn aus ihrer mühseligen Arbeit auch einen gewissen Nutzen erwerben können. Daher sind wir dafür, das; man nicht bet derartigen Erscheinungen sofort die Klinke der Geset-geounq in die Hand nimmt, sondern wir mii^n konsequent Vorgehen und da. wo es möglich ist. der bestehenden Not enta"aentreten unter vollem Schutz unseres Viehbestandes. Es ist nicht daran zu denken, eine Umkehr ans wirtschaftlichem Gebiet eintreten zu lasten. Wenn der Abg. Herold es bedauert hat. daß diese Geleaenheit benutzt ist. um einen Gegensatz zwischen Stadt i-nd Land hinein,utragen und eine £>e<*e gegen die Agrarier steten zu rufen, die durch die gegenwärtigen Verhältuisie nicht bedingt ist, so unterschreibe ich das Wort für Wort. Gerade in so ernsten Zeiten sollte man e5 vermeiden, die einzelnen Vevölkeruimsklassen gegeneinander auf« znhetzcn. Nur durch gemeinsame Arbeit werden wir imstande sein, den ernsten Aufgaben der Zeit gerecht zu werden. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Graf Neventlow (Antis):
Meine Freunde können dem Londwirtschaftsminister nur die vollste Zustimmung aussprechen. Sehr mit Unrecht sagte der Abg. Sche demann, in einem wirklich konstitutionellen Staate würde Herr von Podbielski keine 24 Stunden mehr Minister fein. Wie kann er das annehmen? Im Gegenteil. Die Stellung des Landwirtschaftsministers würde noch mehr befestigt werden, wenn der Reichstag mehr Rechte hätte, denn die große Mehrheit des Hauses steht auf seiner Seite. Gewünscht hätte ich allerdings, daß der Minister bei dem Empsanae von Deputationen nicht so sehr in Details über die Fleiscbuotfraae cingegnngcn wäre, und daß er die An-apfuni-n W Abt. Scheidemann überhaupt unbeachtet gelosten batte. Auf solche Dinge ist Schweigen die einzige Antwort. Der Sozialdemokratie bin ich zu Dank verpflichtet, denn sic hat sich in Meier Frage die längst verdiente Niederlage vor breitester Oeffem- lirbkeit geholt. (Lachen bei den Soz.) Wenn ich Reichskanzler wäre l^eiterkeit). dann würde ich diese Tatsache in das Zitat kleide,, von iener Kran, die das Böse will und das Gute schafft, fßjrore H iterkeit.) Ich überlaste den unvernünftigen Kampf gegen den Mittelstand gern den Herren von der Linken und vielleicht noch dem Ministerialdirektor Thiel. (Erneute Heiterkeit und Zustimmung rechts.} Herr Scheidemann hat auch von dem Schweineverkauf gesprochen, den Herr Pattmann in Schmalkalden organisiert hat. Hierbei bat er aber die Hauptsache zu erwähnen vergesten — den Ab,ng der Tara von 20 Proz. Im übrigen ist der Abg. Scheidemann mehr wide'legt, als seine Ausführungen selbst nach Abzug von 50 Proz. Tara wert gewesen sind. (Heiterkeit und Zu- itimmi-ng reckst? 1 Die Interpellation war absolut unbegründet; wer die Denkschrift des Landwirt'ckiaftsministeriumS und deS Lindwirtschaftsrats studiert bat, muß das einseben. Herr Dove hätte die ratio lepis des Reichsseuck'enaefetzes gewiß bester ver- stond-n, wenn er Jurist wäre. (Zuruf,: Er ist ja Jurist!) DaS glaube ich nicht! (Große Heiterkeit) Aber merkwürdiger Weise ist er Vertreter eines ländlichen Wahlkreises. Seiner Rede hat man , das nicht angemerkt. Die Ursachen der jetzigen Fleischteuerung werden in den beiden Denkschriften richtig angegeben. Sie liegen ?um Teil am Futtermangel, aber wesentlich ist mich die Haltung der Vreste daran schuld, welche angeblich die Interessen der Fleisch- frnfnmcnten wahrnimmt, aber mir e’ne gewiste Suggestion auf die FsM'^-r ausübt. dabin. daß sie die Preise erhöben. (Lebhafte Zu- stimmuna rechts.) Wir erkennen selbsweri'tändlich das Fleischer- oewerbe wie auch das Vermittelungsgewerbe zwischen Fleischer und Produzenten als woblberechtigt an: ober es ist ja natürlich, daß, wenn das Fleisch erst durch vier bis fünf Hände geht, ehe es an den Konsumenten kommt, »5 dadurch erheblich verteuert wird. £ic Gewinnansorüche des Zwischenhandels werden auch immer größer. Am Iabre 1A05 betrug der Zuschlag des Zwischenhandels mif da? • Schwein pro Zentner 6 Mark, beute beträgt er 14 bis 15 Mark; er i bat sich also in diesen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Daß die ^effnung der Bremen eine Verbilligung des Fleische? berbei- füfirf, iff aanz zweifellos unrichtig. Oesterreich hat kein Über« zäbliae« Vieh und müßte geradezu ein Ausfuhrverbot erlassen, wenn wir die Grenzen öffnen wollten. Irrig ist es auch, daß keine , Leuchengefabr vom Auslande drobe. Die Viehseuchen sind noch
8u aller Art,., hirfit für io'o-: ■
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immer vom Aiislande zu uns aekommen.
Der Ausgleich zur Herbeiführung normaler Fleischpreise wwv sich von selbst voll-ieben. denn es ist ni<*t anzunebmen, daß wir eine ""übe schlechter Futteriabre hintereinander haben werden. Viel könnten aber mich die Städte selbst zur Verbilligung des Flei- sches beitragen, wenn die Vertr-ter der Städte endlich ein|ehen wollten, daß nach der doppelten Fleischbeschau auf dem Lande noch eine dritte B-schm, -um Nutzen der Stadtkasse in der Stadt selbst vollkc men überflüssig ist. Wenn die Städte auf ihre hohen Schlachtsvorteln verzichteten, dann brauchten sie sich nicht auf ihren Städtetagen zu blamieren. (Heiterkeit und Zustimmung rechts^ Sie (links) stellen sich stets nur auf den Konsumentenstandpunkt und vergessen, daß Mr Produzent auch Lust und Lickst brauch <mjr werden wie bisher eine volkssreundftche Wirtichaftsvolttck treiben: Sie aber (zu den Sozialdemokraten) werden, wenn Sie da? auch tun wollen, erst eine bedeutende Anleihe aufnehmen müssen. (Zuruf des Abg. Bebel: Bei Ihnen? — Heiterkeit) Ja. bei uns. und zwar an Kenntnis der volkswirtschaftlichen Vor gänge, an Urteilsschärfe und an Aufrichtigkeit gegen sich selbst und gegen andere. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. v. Skarzpnski (Pole) poTcmifiert gegen die gestrigen Ausführungen des Wg. Pohl, wo- gegen die des Abg. Herold seinen Beifall finden.
Abg. Molkenbuhr (Soz.): r
Tie Behauptung, man müsse die Grenzen wegen der Maul- und Klauenseuche scblic' ist eine Ausrede. Wenn )ie Sinn haben sollte, so müßte die - und Klauenseuche auch in Den Grenz- distritten am hänfigi ..(treten. Davon ist aber gar keine Rede. Im Gegenteil, die m n verseuchten Gehöfte liegen im Innern, nicht in den Grenzprovinzen. Und nun fordere ich Den öJrafen Neventlow auf, fein Versprechen einzulösen und nachzuweisen, über welche Grenze in jedem einzelnen Fall Die Seuche eingeschleppt ist. Er hat ;a sicher mit seinem eminenten Wissen (Heiterkeit) jeDen Fall einzeln untersucht. Sonst hätte er bei seinem Ernst und seiner Gewissenhaftigkeit sich hier nicht hingestellt und ;o geiprochen. (Heiterkeit ) Der Landwirtschaftsminister beklagte sich über die hohen Schlack'thofgebühren. Tie Schlachthäuser sind aber durchauA nötig. Ohne Schlachthäuser würde das Fleisch noch bedeutend teurer werden. Hamburg hat 510 000 Mk. für Schlachthausgebühren eingenommen. Aber diese verteilen sich auf 803 Schlächtermeister,
Abg. etnbbcnborf (Rp.):
jetzige Fleischteuerung hat ihren weientttchen in der ungünstigen letzten Futterernte, über die nicht bloß in Deutschland, sondern auch im Auslande geklagt wurde. Auch die Fleischteuerung ist daher nickst auy Teutschland beschränkt, sondern international. Em Grund mit für die Teuerung liegt aber wohl auch dann, weil ue ijihtterung bei den jetzigen Ansprüchen an die Qualität De-.- Fisches immer schwieriger wird. Die Schweine tollen zwar idxmer werden, aber nicht fett fein. Tie Leute wollen alle nur mo-geres Fleisch kaufen. Ich meine, es wird aber noch lange dauern, bis eS möglich fein wird, mit Erfolg das sog. Karbonadenschwein
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Tie Seuchengefahr ist mehr al? einmal erwähnt worden, und es ist mehr als einmal von Der Linken gesagt: So gefährlich kann es mit Der Seucheneinschleppung gar nicht fein! Wer m der Praris steht weiß, daß nichts für die Schweinehaltung gefährlicher ist a'.-, die gegenwärtigen Seuckien, die zum Teil in latenter yprm in Deutschland durch Die Ställe gehen, Die bon den Bauern nickst beachtet werden, aber den allergrößten Schaden zufugen, insofern al- Der ganze Verdienst dadurch verloren gebt, daß die Tiere, wenn sie überhaupt durchkommen, Monate spater erst schlachtreif ^sind. (Sehr richtig!) Sehr viele aber'gehen vorzeitig ein, und die tfolg? davon ist, daß kaum noch ein größerer Besitzer größere Sck'w.-ine- bestände hält, weil das Risiko ein zu großes ist. Es gibt auf Dem Lande keinen Ackerbürger, keinen Tagelöhner, keinen Kleinbauern, der nicht ein oder zwei Schweine halt. Daß in diesem Jahre minderwertige Produkte auf Den Markt gebracht werden, erklärt lief zum Teil daraus, daß Die Leute aus Angst vor der Seuche die Tiere vorzeitig verkauft haben. (Sehr wahr!) Diese Seuchengefahr ist für die Entwicklung unserer Viehzucht unendlich tnei größer als viele Stadtbewohner sich träumen lassen. (Sehr richtig!) Diese Gefahr müssen wir uns fern halten. Wir haben in den letzten zehn Jahren einen schweren Kampf gegen die Seuchen geführt. Mit Recht konnte der Landwircschaftsminister darauf hu - lueifen, daß die Seuchen, Die uns so viel Schaden bereitet haben geschwunden sind, daß die Maul- und Klauenseuche zum großen Teil erloschen ist. Wenn wir in derselben Weise Den Kampf weiter führen, werden wir auch der Schweineseuchen Herr werden. Welche Opfer den kleinen Leuten, den einfachen Handwerkern auf dem Lande heute zugemutet werden, das ahnen die meisten von Ihnen gar nicht. Wenn diese Opfer gebracht werden und weiter g.hrach werden müssen, und wenn wir dadurch Die Aussicht haben, den Viehbestand allmählich gesund zu erhalten, so ist es unsere doppelte Pflicht, bei einer vorübergehenden Erscheinung die No läge zu er*
>d dafür zu sorgen, daß nicht durch Oefsnung von äugen
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n. e< «M>endi<l D»
legenheit mich erklären: Ein guter Teil meiner Freunde, der dieie 1 Agitation energisch mißbilligt, ist ebenso wenig darüber erfreut, i daß von amtlicher Seite, namentlich von dem preußischen Mini icr für Landwirtsckxift, die ganze Frage am Anfang nickt mit Dem Ernst behandelt zu sein scheint, der ihr unbedingt zukonmit. ite Aeußerung, die der Landivirtschaftsminisier bei dem Diner im Kaiser Hof getan hm. die offenbar scherzhaft gemeint war, D;' aber von seinen guten Freunden leider in die Lcssentlichkeit c orächt worden ist — ich nehme cs niemand übel, wenn er auch in einer an sich ernsten Sache mal einen Scherz macht, aber nachdem es dem Landwirisct^ftsminister nun nickst mehr flum ersten Male passiert ist, daß das. was er im vertrauten Kreise gesagt bat. hinausoe- tragen wird, und daß es dann von Der Presse, Der man es idihef? lid» auck nicht weiter besonders übelnchmcn fann, mirgcbauidit wird, bedauere ich es wirklich auf das Lebhafte daß solche scherzhaften Aeußerungen gemacht werden, die verletzen können und verletzt haben. Umsomehr, als ick anerkenne, daß Die preuß-icke Landwirtschaftsverwaltung alles getan bat, um Der Sache selbst mit Emst zu Leibe zu gehen. (Lebhafter Widerspruch bei den Sozialdemokraten. Zuruf: Oberschlesien I) 03 m ja, cöauärc vielleicht möglich gewesen, in Lberschlenen Schlachtvieh V^die Grenze -u lassen (Zuruf bei den Soz.: Na also!), aber ^Mber zu entscheiden, ob man daS hätte machen können, da? ist O Laien sehr schwierig (Zuruf bei den Soz.: Veschräi.tt.r Unteriancnver- siand!) das erfordert einen Einblick in die Unter,uchunaeu iclber, in die ganzen veterinären Zustände. Wer a aber mit dem, was im einzelnen gesclsthen ist, beschäftigt, Der werkt, daß die »vrngc später jedenfalls sehr ernsthaft untersucht worden ist. Ware Die,et Ernst von Anfang an auch äußerlich zutage getreten, }o wäre em gut Teil der Agi:ch'on unmöglich gemacht worden.
Die Denkschrift des Landwirtsckaftsmiiiisters ist mit großer Sachkenntnis und großem Ernst ausgearbciict, jedem Unparteiischen ist darin die Möglichkeit zur 'Beurteilung der Sachlage vo.lauf gegeben Daß die Frage der Fleischnot von hoher Bedeutung ist, bedarf keiner Erörterung, das ist von den verschiedensten Seiten l:er- vorgehoben. Der Minister hat durchaus lorrckt zwischen voruber- gchenden und dauernden Erscheinungen unterschieden. Lind die Zustände vorübergehend, so muß man sie ertragen, ,tnd sie dauernd, so Hal man unter allen Umständen Abhilfe Dagegen zu treffen. TaS ist durchaus korrekt. Meine Freunde sind dann einig. e,ag die gegenwärtigen hohen Preise für Schnxinefle.sch eine vorübergehende Erscheinung sind, deren Gründe für den, der die praktuchen Verhältnisse kennt, ziemlich klar zu Tage treten. (Lehr richtig! rechts und bei den Natl.) Das deutsckie Volk und die beut,ehe Landwirtschaft ist unserer Auffassung nach vollauf imstande, wenn ihr Viehbestand gegen die Seudiengcfabrcn geschützt wird Den durchschnittlichen Bedarf an Fleisch zu decken. (Wiberipruch links.) Andere mögen das bestreiten. Ick und meine Freunde stnD übereinstimmend Dieser Ansicht. Wer infolge der jetzigen Zustande eine Aenderung unserer Wirtschaftspolitik empfiehlt, der zieht durch ms falsche Konsequenzen. Wie oft kommt es nicht in anderen Braneben vor daß vorübergehend der Bedarf an einem Artikel nickst gcucft weiden kann, daß die Preise dieses oder jenes Produktes steigen! Wenn dort den veränderten Produktionsbedingunsten entsprechend die Preise steigen, so sagen Sie (nach links), das sind natürliche Erscheinungen, die muß man geduldig hinn. hmen. Da spricht niemand von einem Wechsel der Wirtschaftspolitik. Denn aber im Lain ber Zeit in der Wirtschaftspolitik gute Zeiten m.t
billigen Preisen abwechseln mit knappen Zeiten und teueren freuen, I so heißt es sofort, da muß die Gesetzgebung eingrcifen. sie verlangen einen Wechsel des gesamten Wirtschafts,hiiems. Cie hauen langfristige Handelsverträge verlangt für die Industrie, aber daß- selbe, was für die Industrie gefordert wird, muß doch auch für die Landwirtschaft gefordert werden, und wenn sich beweisen laßt, daß die Zustände vorübergehende sind, so liegt fern Grund vor $u einer Abänderung der Gesetzgebung oder womöglich zu einer ruckiichts- losen Oefsnung der Grenzen. (Zurufe rechts.) Ich verstehe die Zurufe nicht. In der Interpellation wird ausdrücklich gefragt, ob Der Kanzler bereit ist, die Grenzen zu offnen (ZM.ufe inks: Aber nickst eine rücksichtslose Oefsnung!) Auch für dw beutle "andwirtschaft bildet eine stabile Gesetzgebung die Grundlage, wie sie notwendigerweise gebraucht wird. Wir brauchen für »mere Landwirtschaft, insbesondere für die Viehzucht feste Grundlagen, und wenn wir die haben, dann bin. ich überzeugt, baß die Landwirtschaft die Ansprüche, die man nut Reckst an ,ie stellt, auch befriedigen kann. Ich erinnere daran, daß 1904 die Futter- und Kartoffelernte eine ganz miserable war, wir hatten zu ^inn ics Jahres 1904 ziemlich hohe Lchweinesleuchpreiie, die Folge davon war eine Ausdehnung der Schweinezucht, und die wettere tfolge war, daß im vorigen Sommer kleine Ferkel gar nicht zu verkaufen
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iheim, 'M w1 lunfl fltfltn btn «t IV von Muihch r ziinilt.
Abg. Tove (frei). Vgg.):
Ich habe gewiß festes Vertrauen zu dem agrar»- schcii Verständnis des Landwirtsckxiftsminijters, aber es pi nicht zu vergessen, daß bei der Frage ber Fleischnot auch noch y an:crc als agrarische Gesichtspunkte mitsprechen. Meine ^rcunde « uni ick sind zum großen Teil in landwirtschaftlichen Bezirken ge- .2 wäßlt und wir wissen, daß die kleinen Züchter von den erhöhten ssltäschpreisen einen verhältnismäßig geringen Nutzen haben, weil : jit i)ie Futterfrage nickst so leicht losen können, wie ber Aroßgruno- «ilef:her. Aber man barf hier Überhaupt nicht das Interesse der N *Bi;buftion in den Vordergrund stellen, ebenso wichttg sind die U ^nrerefjen der Konsumtion. Es handelt sich hier nicht nur um eine ■ imitsckfastlickie, sondern auch um eine staatsrechtliche und politi|che 1 Angelegenheit. Das Fleischbeschaugesetz bestimmt ausdrücklich, daß 1'He Sperrung Der Grenze nur dann erfolgen barf, wenn in Dem ■ tetreffenben Nackibarlanbe eine drohenbe Seuchengefahr besteht. ■ 2i' ie Voraussetzung ist jetzt nicht gegeben. Auch bas Uejrer- ■ wochungsreckst bes Reichskanzlers ist ganz anbers geartet, als die,er | fehlt annimmt. Sein Inhalt umschließt die Verpflichtung des U Aei chSkauttcrs, persönlich zu prüfen, ob Die Turcofuhrung des j Rei cksseuchengeketzeS im Sinne des Gesetzgebers crrolgt, er aber I (fwint sich mit den Aeußerungen der Regierungsvertreter in Den ? cm-zelstaatlicken Landtagen zufrieden geben zu wollen. Ueber Die ; nn,1 eblidie Apothekerrechnung, die dem Laudwirtsck>astsminister beim ■ Aei kauf seiner drei Schweine von der Berliner Kommune gemackt * wurde, hatte er keinen Grund, sich zu beschweren. Die Tiere |Md bomir transportiert, gefüttert und versichert worden, und bas Fstisch hat dadurch nur eine Verteuerung von 5% Prozent cr- fof ren, was gewiß nickst unbillig ist. Auch wir halten den fetzigen Ur.xclftanb, dessen Eristenz sich nickst Hinwegleugnen laßt, mcht für dauernd, sondern für vorübergehend, wir wissen aber, daß er |ich in mehr ober minber kürzeren Zwi'chenräumen wiederholen muß, wcrm nicht durch Oefsnung der Grenzen seine Ursachen betettigt wc -en. (Sehr richtig! links.) Die Aussckialtung des Zwi'ch.-n- haudelS würde keine Verbilligung deS Fl^isck)es herbeifiihren, bei an- betvn Artikeln ist auf diesem Wege auch keine Preisminderung friert worden. Mit Herrn von Oldenburg stimme ick Darin übet» tln ba6 in dieser ernsten Zeit alle Kräfte zusammengefaßt werden mieten zur Arbeit für das Wohl deS Vaterlandes, das Wort vom ,ediäbel finfd'lagen“ mochte ich nur aber nicht zu eigen machen, bei 'm dieser Scherz wird rirfit allgemein verstanden werden. Es kSninte inöbesoudeie im Auslande leicht zu Mißverständnissen fuhren. Ich meine, in einer Zeit, wo man Dem deutschen Volke so schwere Opfer für die Wehrkraft zumutet, wie eS fetzt fortDauemb ■ Wirbt, hätte man allen Anlaß, ihm zu zeigen, daß man auch feilte Lebensinteressen an leitender Stelle mi^ Verständnis zu be- urtcilcn weiß und Dort nickst gewillt ist, die sonderinteressen em- ztlner Kreise den Gesmntinteressen deS ganzen Volkes voranzu- sielen.
Vermittln 7^56,1
S-beiSv.
JjJnHfit: 'üdchen inbieüt.
?labAen, lr ’ttnen bnlr.
iiSarbelt ? Mädchen mj
zu züchten.
Abg. Dr. Paasche (natl.): .
ES ist vielfach und namentlich auch von feiten des Begründers ber Interpellation der Standpunkt vertreten worden, daß die Zlvischteuerung eine Folge unserer ganzen Wirtschaftspolitik |ci mit» daraus hindeute, daß diese sich auf einer falschen Bahn be- fir be, daß daher die Schlußfolgerung daraus zu ziehen |ei, man miiffe möglichst bald umkehren auf Dem Wege, den wir in den Irrten Jahren in unserer Wirtschaftspolitik beschritten haben. 9?einc politischen Freunde haben nun gerne mitgearbeitet an ber Ausgestaltung dieser Wirtschaftspolitik, speziell an dem Zustande- - (emrnen des Zolltarifs und der Handelsverträge, und ich erkläre ausdrücklich, daß wir das, was wir damals gewollt haben, einen whöhten Schutz für die Landwirtschaft, speziell für die vieh- fp^uzierenden kleinen Bauern, auch nach wie vor weiter verfolgen (Zustimmung), und daß wir nickst dem zustimmen können, daß aus diesem Wege irgendwie muegehalten wird. Daran wollen wir fest- {alten. Wir sind aber auch mciter der Ueberzcugung, daß wir aus tean rechten Wege sind mit den Mitteln, die eingeschlagen worden fir b, um der Landwirtschaft zu helfen. Tie Herren, die hier mit nehr ober weniger Temperament auf Die Fleischteuerung und ihre Ui iaefcn hingewiesen haben, scheinen ganz vergessen zu haben, baß t3m einer Wirkung Der neuen Wirtschaftspolittk hier noch ga£ feine siede sein kann, daß diese Fleischteuerung ja noch unter dem System teir alten Caprivischen Handelspolitik entstanden ist, die ja gerade
Der Linken so energisch unterstützt worden ist. (Zurufe lei lern Soz. und Freis.) Ja, Sie können bas boch nicht bestrc ' bür stehen noch heute unter dem Zeichen der Caprivisckstn Han Anträge. Unter diesem Zeichen noch ist die jetzige Teuerung' sanden, die auch wir als eine Notlage einzelner Kreise anerkcu .u rn.b von der wir zugeben, daß sie im Interesse namentlich auch der Lcundwirtschaft besser vermieden worben wäre. ^Auch von den lie-.bnern Der Rechten ist zugegeben, daß eine Fleischteuerung be- fe.ht, und deren Vorhandensein wird auch niemand leugnen. Von teir Rechten, wie von Der Linken ist sie auch lebhaft beklagt worden, slbeer wenn diese Teuerung nun so furchtbar aufgebauscht roirp, vemn nun, wie vor drei Jahren, in einem großen Teil der Preße tirae Agitation gegen die Lan-bwirtsckxtft getrieben wird, |o be» Urnern wir das auf bas Lebhafteste. Ich muß aber bei biejc’- «ag<
Giehener Anzeiger ==£=


