Florenz imb hatte mehrere Konferenzen mit dem Rechtsbeistand der Gräfin, Mvokaten Rosadi. Hiernach hatte Dr. Jvers in E^egenwart des Advokaten Rosadi eine ausgedehnte Besprechung mit der Gräfin Montignoso. Dr. Jvers wurde später in Dresden vom Premierminister v. Metzsch rmd dem Zustizminifter Dr. Otto empfangen. Es ist Grund zu der Annahme vorhanden, daß die peinliche Angelegenheit jetzt ihr Ende finden wird, da mir noch einige Formalitäten vor Abschluß eines endgültigen Abkommens zu regeln sind. Die kleine Prinzessin wird in die Obhut des sächsischen .Hofes übergehen. — Wie die Blätter berichten, hat ein in Berlin wohnender Bankier M. plötzlich infolge von Nervenüberreizung in eine Heilanstalt gebracht werden müssen. Er hatte voriges Jahr fünf Millionen von einem Onkel in Florenz geerbt. Seitdem nahmen seine Extravaganzen überhand. Er reifte vor kurzem mit seiner Vorleserin nach Meran und erstand dort eine Villa. Dann depeschierte er an die Gräfin Montignoso und bot chr die Villa und gleichzeitig die ihr vom sächsischen Hofe verweigerte Apanage an. Die Gräfin ließ angeblich zurücktelegraphieren, daß sie das Anerbieten mit Dank annehme und hoffe, der großmütige Spender werde sich bald in Florenz persönlich vorstellen. Der Bankier telegraphierte darauf au seine Berliner Bekannten, sowie mehrere große Banken, Laß er in der Affäre der Gräfin Montignoso sensationelle Enthüllungen wüßte. Gegen Zahlung größerer Summen würde er bereit sein, diese Enthüllungen preiszugeben. Man wurde stutzig, die Bruder des Bankiers begaben sich nach Meran und von dort nach Bozen, wo M. unterdessen eingetroffen war, um nach Florenz zu reisen. Es gelang chuen noch, den Bankier zu treffen und nach Berlin zurücl- Tuschasfen, wo er in einer Anstalt untergeüracht wurde.
* Direktor Heck über den „klugen Hans". Lor kurzem sprach der Direktor des Berliner Zoologischen Gartens, Dr. Ludwig Heck, vor den Mitgliedern des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller über „Menschen- und Lierseele". Im Verlauf seiner Ausführungen erörterte der Redner u. a. die Bedeutung und das Wesen des „fingen Hans". Direktor Heck hat der Kommission angehört, die zu- schnmengetreten war, um zu ermitteln, was es denn in Wahrheit mir der Klugheit des Ostenschen Gaules auf sich habe, lind diese Wahrheit ist zwar nicht von jener Kommission, aber von einem jungen Physiologen, Dr. Pfungst, einem Assistenten des Geheimrats Stumps, gesunden worden. Ter junge Gelehrte hat nun seine Entdeckungen in einem Buche niedergelegt, über dessen Inhalt der Vortragende einige Andeutungen machte. Danach ist es durch Dr. Pfungst experimentell erwiesen, was Dr. Moll zuerst ausgesprochen Hut: der kluge Hans ist ein Gedankenleser ä la Cumberland. Das heißt, er liest es seinem Befrager vom Gesicht ab, ob er mit der Lösung der gestellten Aufgabe fertig sei oder noch weiter mit dem Fuß zu scharren habe. Die Regungen der Seele, die in den Mienen und Muskeln des Examinators nach dem für die Lösung der Aufgabe entscheidenden Huftritt sich widerspiegeln, merkte das Pferd, und es hörte mit Scharren aus. Als Dr. Pfungst durch lange Hebung sich so in die Gewalt bekommen hatte, daß auch nicht mehr die leiseste Aeußerung seine Spannung verriet, war es mit Hänschens Kunst zu Ende. Immerhin ist ein gedankenlesender Gaul ein Phänomen, und als solcher ist nach Meinung des Direktors Heck der 9iuhm des Pferdes und seines Erziehers, des Herrn v. Osten, für alle Zeiten gesichert. Aber selbst dieses „Heberwerb" gilt dem Vortragenden nur als ein Beweis dafür, daß w-s Pferd nur
mach Sinneswahrnehmungen rmd ans diesen heraus zwecks mäßig handelt, im Gegensatz zum Mensö)en, den die Gedanken zum Handeln bewegen. Darum mangele den Tieren das Hilfsmittel, die Gedanken auszudrücken: die Sprache, die denn auch im Gehirn und nicht im Kehlkopf oder in der Zunge ihren Sitz habe. Dr. Heck schloß seine Ausführungen, mit denen er fein großes Auditorium vom ersten bis zum letzten Worte gefesselt hatte, mit der Mahnung, daß man, um ein wahrer Tierfreund zu fein, auch hier die goldene Mittelstraße wandeln müsse, damit unsere TOtge^ schöpfe nicht unter-, aber auch nicht überschätzt würden.
W o chenv er i ch t vermure na bi eilu n g des Bankhauses H. S. Oppenheimer jr., Hannover.
Hannover, 30. März.
Auf dem Kali-KurenmarktL hat die seit einigen Tagen ein- g-c treidle Depression eine allgemeine Zurückhaltung bei den Käufern zur Folge. Die Kurse geben empfindlich nach, ohne daß jedoch, selbst bei den gewichenen Preisen, das Material Aufnahme findet. Am meisten von dem Rüagang betroffen wurden leichte Papiere, von denen zunächst Hansa-Silberberg 2000 Mk. Br., Deutschland 1425 Mk. Br., Hattorf 1200 Mk. Br., Immenrode 1400 Mk. Br., Günteröhall 2400 Mk. Br., Friedrichshall-Akt. 1925 Mk. Br. usw. hervorzuheben sind. Ausbeutepapiere, im Hinblick auf die fällig werdenden Ausbeuten, einigermaßen preishaltend. Als schwach sind noch zu bezeichnen Alexandershall 8500 Mk. Br., Earlsfnnd 9750 Mk. Br. und Bürbach 12 000 Mk. Br. Im übrigen werden in dieser Kategorie von Werten schon neue Meinnngskänfe getätigt.
Auf dem Kvhlenkuxenmarlte werden letzttägig bis 400 Mk. höhere Kurse namentlich für schwere Papiere genannt Die Umsätze harten sich in recht bescheidenen Grenzen. Gehandelt wurden Konstantin der Große bei ca. 35 250 Mk., König Ludwig bet tu. 28 UüO Mk., Herkules bei ca. 900.0 Mk., Auguste Viktoria bei ca. 9400 Mt., Gortessegen bei ca. 3950 Mk., Siebenplaneten bei ca. 32o0 Mk., Borns na bei ca. 2200 Mk. usw. Sonst ist (£r- wähmuswerres nicht zu verzeichnen.
und Aerket-r.
Berliner Börse vom 30. Mürz 1905.
(Mitgeteill von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Prrvat-Tiskont 2*/2 Prozent.
Anfangs- il Schluhkurse.
Ceft Kredit .... 214.50 214.25
Deutsche Bank . . . 242.25 242.12
Darmstädter Bank . . 144.90 145.00
Bochumer Guß . . . 245.00 245.10
Harpener Bergbau . . 209.80 209.60
Tendenz: fest
(th.) Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke vorm. Fernie in Gießen. Der Grubenvorstand bat die Gewerken zu einer ordentlichen Gewerkeversammlnng nach Gießen für den 8. April d. I. nachmittags 2 Uhr in das Hotel Großherzog von Hessen eingeladen. Auf der der Einladung beigefügten Tagesordnung stehen nachfolgende Gegenstände, die verhandelt werden sollen: Erteilung von Geschäftsberichten durch den Grubenvorstand und den Werksdirektor. — Vorlage der Bilanz und Entlastungserteilung. — Wahl von 2 Revisoren. — Wiederholte Festsetzung des Statuts. — Aufnahme einer Hypothek von 1 Million Mark, statt schon genehmigte 500 000 Mark. — Wahl zum Grubenvorstaitd. — Am Vormittag findet eine Besichtigung des Werks und dessen Reitanlagen seitens der Gewerke statt. Nach der Bilanz sind vom Jahresgewinn, der 557 152,56 Mk. betragen hat, in 1904 an die Gewerken 300 000 Mark als Ausbeute zur Verteilung gekommen, sowie ans dem Jahresgewinn für 105 000 Mart Obligationen getilgt und weitere 13 650 Mk. zur Tagung von Obligationen in 1905 reserviert worden. Nach den vorgenommenen Abschreibungen verbleibt ein Gewinn-Vortrag auf neue Rechnung von 100 000 Mark. Von den ausgegebenen Obligationen des Werks wurden bis Ende 1904 im ganzen 406 Stück getilgt im Betrag von 406 000 Mark.
Hamburg, 30. März. (W. B.) In der heutigen Generalversammlung der Hamburg-Amerika-Linie erklärte Generaldirektor Ballin, das; Pläne bezüglich der Herstellung einer Jnteressen-Gemeinschaft zwischen der Hamburg- Amerika-Linie und dem Norddeutschen Lloyd nicht bestehen.
Nene deutsche N eich sank eihe. Daß für die bevorstehende Emission die SV? Proz. Verzinsung gewählt wird, steht so ziemlich außer Zweifel. Es heißt, daß in den nächsten Tagen der Ministerrat sich mit der Angelegenheit befassen soll. Auch über den Umfang der Emission konnte bisher eine endgiltige Entscheidung noch nicht getroffen werden. Man vermutet, daß die neue Reichs anleihe 300—400 Mill. Mark betragen wird. Weiter glaubt man, daß die öffentliche Zeichnung in allernächster Nähe liegt. Die vorbereitenden Dispositionen feien bereits getroffen. Für die Begebung besteht die Absicht, fein so ausgc- breitetcS Konsortium wie bei den letzten Anleihen heranzuziehen, sondern im wesentlichen nur das alte Hauptkonsortium zu beteiligen.
Kl e in e Fin a n z ch roni k. Die Aktien der M ainke t ti Akt.-Ges. werden für diesmal mit einer 4 proz. Dividende bedacht werden. Sie sind an der Dresdener Börse gehandelt. — Nach den neuesten Meldungen dürfte die japanische Anleihe reichlich überzeichnet fein, Nach. Hamburg sind besonders zahl- reiche Zeichnungen ans Süddeutschland gegangen.
trchliche a chrichten.
Evangelische Gemeinde.
Ju der Stadtkirche. Hottesdienft.
Am Sonntag Lätare, den 2. April: Vormittags 9 */» Uhr: Pfarrer Schwabe.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.
Pfarrer S ch iv a d e.
Abends 6 Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
Montag den 3. April, abends 8 Uhr: Vereinigung der kon» firmierten weiblichen Jugend der Ai a t t h ä u s g em e i n d e.
In der Johauncskirche.
Vormittags 9^ Uhr: Pfarrer Euler.
Vormittags 11 Uhr: Kindergotlesdienst für die Lukas» gemeinde. Pfarrer Euler.
Abends 6 Uhr: Piarrassistent Schulz.
Beichte unö heiliges Abendmahl für die Lukas- und btt Johannesgemelnde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Sonntag, Abends 8 Uhr, Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirma,idensaal der Joyanneskirche.
Mittwoch den 5. Aprü, abends 6 Uhr:
5. P a s s i o n s - A n d a ch t.
Pfarrer D. Schlosser.
Katholische Gemeinde.
Samstag, den 1. April 1905:
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 2. April 1905, 4. Fastensonntag: Vormittags von 6 ‘/2 Uhr an: Gelegenbeit zur heil. Beichte.
e um 7 Uhr: Die erste Heck. Messe, vor und m derselben Austeilung der heil. Kommunion.
„ um 8 Uhr: Tie zwecke heilige Liesse.
„ um 9 */2 Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 5'/, Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.
Aililivocl; abend um 6 Uhr ist Fastenaiidacht.
Grosse Auswatd in Kon/irimitionsgesc/ienken vom billigsten bis zum reinsten Genre empfiehlt
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