Ausgabe 
30.11.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

gr. 282

Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

lT

Vtzepräfidenten und der Schriftführer.

Präsident (9rat Balleslrem eröffnet die Sitzung mit der Rtnliatieniiig der noch Ilie dagewesenen Tatsache, bnfo die oer» blnbeien Regierungen dein Reichstage bei seinem Zusammentritt yu drer neuen Session noch vor seiner Konstituierung 85 Vorlagen Eiten zugehen lassen. (Drohe ficitcrfeit.) Dieser Fleiß, den die Bonner der verbündeten Regierungen im Bundesrate bewiesen Eilen, möge auch dem Reichstage vorschweben, wenn wir an b,( Gtlebignng dieser 35 Vorlagen herantreten. (Heiterkeit und

Rotationsdruck und Berlag der 8rüf)f*1Afll UnivcdiidiöbrudcreL R. Lange, Dreß«.

Redaktion,Expedition u.Druckerei' Sckulstr-7.

Tel. Nr. 5L Tetegr.-Adr. Anzeiger Dietzen.

Deutsch r ^eichslasi.

2. Sitzung vom 29. November. Jm Tische des BundesrateS: Frhr. v. Stengel u. a. Ta5 Haus ist gut besetzt.

r ns der Tagesordnung stehl die Wahl d e S Präsidenten,

Heer und A otte.

Wie auS dem nunmehr dem Reichstage vorgelegten Etat hervorgeht, soll der Personalservis der Offi­ziere, Militär- und Marinebeamten beseitigt werden im Verfolge der im Reichstage gegebenen Anregung. Da er jedoch einen Teil der Besoldung ausmacht und diese nicht verkürzt werden soll, so müssen bei seiner Beseitigung die Gehälter entsprechend erhöht werden. Die Erhöhung wird so zu bemessen sein daß die Offiziere und Beamten weder in ihren pensionsfähigen, noch in ihren tatsächlichen Bezügen beeinträchtigt werden. Es wird den Gehältern ein Turchschmttsbetrag des Servises zugelegt und als solcher kommt in erster Linie der pensionssähige Durchschnittsservis in Betracht. Tie neuen Gehälter werden gleichmäßig bei allen Offizieren und Beamten im wesentlichen den Bezügen entsprechen, die bisher in Seroisklosse I an Gehalt und Per- sonalferois gewährt wurden. Ein abweichendes Verfahren ist hinsichtlich der Leutnants insofern vorgesehen, als die Ge­hälter dieser Osfiziersklasse nur um den pensionsfähigen Durch- schnlttsservls erhöht werden und die bietbei in den Ort«»

e solide, vertrag ea. bewährte Spa- mals lose, nur in* benKartnns^1- chtig für Sänger. - der, Rezitatoren, g S°, Ud«' isende, Undwi^e, am.e, d Säol«"' *

treog. Kg. -ar fr r iusgt^kl W 1 H g^üiW siiionen. ,

-SS

Kaufmau o°"SUissg, C1 °^"chsüh^7 c'pmrmn,bV.

! Äanfmani, [ "er, sucht ertraueU stelluno Kapltaleiv,^ erb. unter k.l(> Jein »«oflkr,! Frankfurt o.Ä, i OekonoL solide sofort Stelle.

>lb. Llmdiv.-LteHr erg (Men) Qm'- Televbon 9h. u

'Vfispz.

?.Ä

TieWahldesPräsidenten erfolgt sodann durch Stimm- zettel. Abgegeben werden 298 Zettel, von denen 224 aus den Shunn des Grafen v. Ballestrem, je einer auf Singer und Grat Öolbevg lauten, während 72 Zettel unbeschrieben sind.

ttras B a l ( e st r e m ist somit zum Präsidenten deS Reichs» löget, iviedergewählt.

Aus die Anträge deS Vizepräsidenten Grafen Stolberg, der die Dahl geleitet hat, erklärt Gras Ballestrem: Ich nehme die kohl an. (Beifall.)

Präsident Graf Ballestrem (das Präsidittm übernehmend): Slemi hochverehrten Herren I Sie haben mich wieder auf diesen (Heu Ebreiiplah, der zugleich hochverantivortlich ist, mit nam- iiher Mehrheit berufen. Ich sage Ihnen für diesen Beweis des Saniueii6 meinen herrlichsten Tank. Am besten glaube ich den Sont Ih> en abzustatten, wenn ich auch in dieser neuen Periode Sm a. ten Grundsätzen, welche ich Ihnen bei früheren Wahlen schon Meu! andergeletzt habe, treu bleibe (Beifall), indem ich die Würde euib tue Ordnung des Reichstages sowohl im Innern wie nach eur.m nach jeder Richtung hin wabmehmen werde (Beifall), indem it mDlid} die Arbeiten deS Reichstages zu «örbem suchen werde, |o dah. sie zu einem guten Ende für das Wohl unseres Vaterländer- lonmien mögen. (Bestall.) Dieses alles aber werde ich nur Bömie®, wenn ich von allen Seiten des Hauses die notige Unter» giit.imfl finde. und um die bitte ich hiermit. Die beste Unter» sit 0 h u n g können Sie mir aber dadurch gewahren, rudern Eie immer recht zahlreich hier sind. (Heiterkeit.) Denn nw; kann der Präsident machen, wenn kein beschliitzfahigeo t»u< da ist? (Sehr richtig.) Was ist das für eine Stellung, ötim man dasitzt und Immer das Damoklesschwert der Beid.mbuulähiflfeit über dem Haupte deS Präsidenten hängt? Lst sm d e r n sl e Zeiten, unter denen wir leben, eimite Zeiten, »mer denen dte Session zulammentritt, e r n ft n a ch innen, das fcirot il en die großen, schweren Vorlagen der Regierung, und ernst mad) außen. Sollte dieser Emst der Zeit auf die Atitqlleder mich! vahin cinroirfen, daß sie das Amt, ba5 sie freiwillig an» ymonumen, auch auSüben, wie es ihnen von ihren Wählern über» tttr-flnii (ft (Lebbaste Zustimnnmg.) Ich bitte Sie, daß Sie sich ibiri t rdit ernstlich überlegen und daß Sie hier immer zu unseren ÜffoiKuiflen möglichst in voller Zahl da sind. (Bestall.) Schließlich Boule ich Ihnen nochmals für daS Vertrauen. (Beifall.)

ifri der Wahl des e r st e n V i z e p r ä si i d e n l e n werden e deii'alll« Zettel abgegeben, von denen 223 auf den bisherigen Vize- pMbrntcn Grafen Stolberg fallen, während 66 auf den Rimci Singer lauten. Je eine Stimme entfielen auf die Ab- nwrbnu Dietrich (Zentr.), Liebennann von Sonnenberg (Antis.), It l..ialdie matt), Stadthagen (Soz.) und von Vollmar (Soz.i. b. ß(i:i»i waren ungültig. Graf Stolberg ist also fleroäbli.__

awim zweiten Vizepräsidenten wird mit 201 Stimmen b.(t b wtjcriae zweite Vizepräsident Dr. P a a s ch e gewählt, während 1 o tiiimmen auf den Abg. Büsing fielen; je eine Stimme er- bittltrn : die Abgg. von Gerlach (freis. Vgg), Liebermann von Eonnerberfl (Antis.), Tr. Wa 11 au (natl.) und Wurm (-Loz.) WÄditel waren unbeschrieben bezw. ungültig.

Es <olflt die Wahl der S ch r if t f ü hr er. Das Resultat wird Ipqkt bekannt gegeben. Zu Q ii ä sl o r e n werden per Akklamation bou Af.'gg. fBa{|ermann und Rintelen ernannt. Hiermit ist d» Reichstag konstituiert.

isiu Ehren der verstorbenen Mitglieder Stohel (Zentr.), Graf «a Dohna-Schlodien (koist.s Fries (natl.) und Weißenhagen erhebt fti d..is HauS von seinen Plätzen.

Acächsle Sitziing - Donnerstag, 1 Uhr. (Interpellation botr Sozialdemokraten wegen der F l e i s ch t e u e r u n g.)

daß ber Mehrbetrag, der für Fletsch im 3. Quartal 1905 gegen das gleiche Quartal 1904 in Deutschland gezahlt wurde, 91 Millionen Mark betrage. Für ein ganzes Jahr mache dies die ungeheure Summe von 360 Millionen Mr. aus Die Denkschrif des Tatschen Landwirtschafts- rats habe viel Papier, ober wenig Inhalt. Trotzdem überall ein Rückgang der Schlachtungen in großem Um­fang zweifellos amtlich festgestellt sei und die deutschen Landwirte ungeachtet der schwindelnd hohen Preise, die für 7 stweine gezahlt werden, nicht rmstande sind, den Bedcn auch nur ann-chernd zr befriedigen, wage der Land- wirtschaftSrat sich gegen das einzige Mittel, das Abhilfe zu bringen geeignet ist, n; mlich die Öffnung der Grenzen, zu erklären und die Besttebungen für die Erleichterung! von Vieh ans b?m Auslände als eine unberechttgte und künstliche Ägitatto" zu bezeichnen. Für die dreiste Behaup­tung der Existe' von Schlächter- oder Händler-Ringen ei der Deutsche L ndwirtschaf srai nicht imstande, in seinem ncken Buch" ""ch -w ^'w"is zu führen.

gesagt. Es wird ihm nicht versclvviegen, daß ber internationale Horizont zwar für jetzt von Wolken befreit ist, aber die Möglichkeit fortbestcht, daß neue sich sammeln. DoS ist ür niemanden eine Drohung und ist auch kein Zei­chen von Furcht. Man kann im (Gegenteil aus dieser offenen Aussprackx- des Kaisers mit dem deutschen Lott den Grund zu der .Hoffnung entnehmen, daß die Erhaltung dcsFri c- dens auch weiter gelingen -wird. Das starke Deutschland kündigt an, daß es sich stärken werde, um im Verein mit seinen Verkündeten desto sicherer den Frieden zu i 41 England hat die Thronrede natürlich gr o ß e s Auf

eh en Hervorgernfen, hauptsächlich der .Hinweis aus dm N n - terschied zwiscl>en korrekten und freundschaftliche!' Beziehungen zu anderen. Regierungen. Die Erwähnung ber Schwie­rigkeiten, gegen welcl^e Deutschland zu kämpfen hat, g'.bt Dcraw lassnng zu der Bemerkung, daß d^s deutsche Reich sich isoliert fühle. Die kaiserlichen Worte wären in ihrer vollen Tragweite ernst gemeint und kennzeichneten den Grundgedanken, auf welchem die auswärtige Politik Deutsck'lairds jetzt aufgebaiit werde. Obwohl die Thronrede im Ganzen einen ungünstigen Eindruck in England gemacht hat, wird doch anerkannt, daß der deutsche Kaiser einen hervorragenden An- teil an dem Zustandekommen des Friedens zwi- chen Rußland und Japan hat. Auch wird zugegeben, » der Hinweis auf die inner-m Zustände Rußlands em für allemal feststellt: der deutsche Mer fabe fernen reakt'onärcn Einsiuß gegen die verfassungsmäßige Bewegung im russischen Reiche auSgeübt. , n <

Tie Kommentare, ^ie in der französ. Treffe über die T&nmrebe zutage treten, sind auf einen ruhigen Ton gestimmt. Man be­greift den Ernst der Thronrede, weil man ihr tue Aly'cht zu pricktt, die deutsch,« Intervention in Marokko sowie die Ber mehrung der Flotte tu rechtfertigen. Im einzelnen ist hervor- rnheben, was derTemps" über die Klage bemerkt, daß die deutsch« Sinnesart verkannt werde. Diese Klag« sei nicfyt neu ie offenbare die sonderbare Stimmung eines Nationalgeistes den d"s Bewußtsein bet deutschen Stärke leicht kaltblütig um ruhig stimmen sollte, und der sich doch, w"n wisse nicht warum in der Aufrüttelung eines beständigen Mißtrauens bebaupl^ Tie in französ. Regierungs'kreisen berrfckx-nde Zuversicht, dal die Konferenz von Mgecifs einen glücklichen Verlauf nehmen werde, wird durch die Thronrede noch verstärkt. Die vom Kaiser zur Kennzeichnung des Vetlwltnisses zn Frankreich ge­wählten Watte m"ck'ten in Vatis e-'nm gufn Eindruck

Zu den llevo steß«" den p<irfam-.ntan|d)fn Der- handfungen.

Nach Konstituierung der neuen hessischen zweiten Kammer wird wohl bald wieder ein altes Werden zum Ausdruck kommen, nandtd) das Ueberschwemmen unseresParlaments mit Vorstellungen und An t r a gen. Tas W tllaufen um die Volksgun stdurch das Mittel flüchtw, zuweilen sogar unbedacht hingeworsener Anträge ist nach- aerade schmerzhaft für Publikum wie Presse. Beide können sich unmöglich die Mühe nehmen, den sich binnen kurzem in Unmenge aufhäufenden Stoff sachgemäß zu prüfen, dre ihnen vorgesetzten S>peisen zu verdauen. Wir halten es überhaupt für unnötig, alle dem Parlamente vorgelegten Eingänge durch den Truck zu vervielfälttgen und mit diesen Drucksachen Mgeordncte wie Presse zu über- chütten. Es könnte doch wohl eine weise Prüfung des Wertes der Anträge der Veröffentlichung vorhergeben, etwa durch ein paar einsichtsvolle und erprobte Parlamentarrer, dte ich zu einer Kommission vereinigen.

Etwas anderes ist es natürlich mit den Entwürfen der Regierung. Diese braucht zur Ausarbeitung ihrer Vorlagen oft viele Monate. Deren Veröffentlichung kann daher gar nicht früh genug geschehen, damit die Presse in den Stand gesetzt wird, dem Publikum gründlich Gelegen­heit zum eigenen Urteile zu geben. Wenn dann ein b:8 ins kleinste durckchachtes Wer. der Regieruna in ein paar Stunden von einer Kammer vernichtet wirb, dann wird der Entrüstungssturm noch lebhafter und allgemeiner sein, als er zurzeit zutage tritt.

Viel wird fast in der gesamten nichtsozialdemokratischen Presse über den Niedergang des Parlamentaris­mus geklagt, und wer heute aus Hess. Negierungskreisen absprechende Urteile über ne parlamentarischen Leistungen hört, der weiß, daß diese eine ganz andere Zielscheibe als die Sozialdemokratie haben. Wie aber sott das erst noch werden, wenn das auf dem sozialdemo­kratischen Parteitage kundgegebene Verlangen, die sozialdemokratischen Albgeo'chneten möchtennoch ruppiger" auftreten, erfüllt würde. Blicken wir aus Hessen hinaus nach Berlin. In der letzten Reichstags­session sind im ganzen an 23 Abgeordnete Ordnungsrufe erteilt worden, darunter an 13 Sozialdemokraten. Mehr als einmal haben Ordnungsrufe sich zugezogen: die Abgg. Bernstein, Singer, Gras Neventlow und Zubeil ie zweimal, Stadthagen viermal und Bebel sogar siebenmal. Tie Ord­nungsrufe sind in ihrer Mehrzahl natürlich von dem Präsi­denten Grafen v. Ballcsttem erteilt worden, doch auch der zweite Vizepräsident Dr. Paasche hat an nicht weniger als neun Abgeordnete Ordnungsrufe ausgeteilt, während der erste Vizepräsident Graf zu S-tolberg deren nur zwei ver­hängte. Die Zahl der Ordnungsrufe würde indessen noch weit größer sein, wenn nicyt seit einiger Zeit das milde Verfahren sich eingebürgert Hütte, wegenparlamentarisch unzulässiger Aeußerungeu", denen oft weite Grenzen ge­zogen werden, bloße Mahnungen auszusprechen. Solcher Mahnungen sind in der verflossenen Reichsta^ssession nicht weniger als 37 ergangen, außerdem sind Zwischenrufe und Zwiegespräck)« vierundsiebzigmal gerügt worden. Insgesamt also haben in fast 150 Fällen Zuwiderhandlungen gegen die parlamentarisch" Sitte und Ordnung im Reichstag fest-- gestellt werden müssen.

Wenn man nun auch keineswegs die Zahl der Ord­nungsruf?, die ja bei uns in Hessen auch verhältnis­mäßig sich sehr erbcbliai niedriger stellt, als alleinigen Gradmesser für die Höh' eines Parlaments hin­stellen kann, denn das ist ein rein formeller Maß­stab, so muß doch immer wieder gesagt werden, daß nur gegenseitige Rücksichtnahme und ver­ständnisvolles Zusammenarbeiten von Re­gierungen undVolksvertretungen dem Gemein­wohl dienen können.

! itrtöehU ttgUch mit Ausnahme deS Sonntag«.

! JieGießener Zomlllendlätter" werden dem j ,Anzeiger viermal wöchentlich beifleleflL Der Hrsstjch« Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Zweites Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 30. November 1905

Giehener Anzeiger

v. ^an.mbeü.bdr- §mabdieniiirflltit Henbach.Tonim

Frl. 25 st a. W' t a. Stütze, b. tiau? Heilbach, Sonnt-

Jädoben

Herr, Eonvenfi'

Besseres Slobin ev!l. auch im Colt i, Löwcngasse 80. 'Scheu. :e§ Grimberg

Kreßlttmmen zur^onreve.

DieKr e u z z t g." schreibt: Die Thronrede atme tat Geist M Friedens und lasse mit Deutlichkeit erkennen, daß das

Volk genullt sei, allen Nationen gegenüber in diesem Al'c zu handeln. Aber als Dort des Friedens wewe es sich tr «rweiscu, wenn es jederzeit firr eine kräftige Schutzwchr $ ii äufocrc Angriffe sorge. TieB e r l. N. N." heben hervor, lo-i diejenigen Mächte, mit denen wir keine guten und fieundsmast- |-<.rt Beziehungen haben, jetzt wißen, daß wir nicht zuur, sondern Mm den Angriff uns rüsten. Auch dieDe u Ische Tag c 5 = utj" betont die ungewöhnliche Offenheit und Bedeutung der slnrrrcbe über unsere auswärtige Politik und hofft, daß der des Kaisers im Reichstage das richtige Echo finden roeroe.

Ausland müsse sehen, daß in Fragen der nationalen Ebre .t x-t nationalen Wehr Kniser und Volk eins sind-

tr m a n i <xu wünscht, daß es der Politik des Kaisers und M 'L Regierung gelingen möge, unsere mtemationale Stellung i- dckscrn, und verhehlt nicht, daß ein Hauptmittel dazu die gib Tung unserer Schutzwehr ist. DieNation al z tg. fip i ebenfalls die große Bedeutung der Thronrede in der Er- ttln mg, die der Kaiser mit Bezug auf unsere Beziehung nach r.Vn abgab. Das93 erb Tageb l." meint, die Notwenmg- I*.. siner Schutzwehr gegen ungerechte Angriffe erscheine für > DaNeien unumgänglich, die an der Weltmachtstellung des Litts'chen Reiches nickt rütteln lassen wollen. Man könne nur tirjnrtai, d^ die Befürchtungen, die zwischen den Zeilen der Di'^rede zu lesen sind, nicht in Erfiillnng gehen. Dlk so ß s. Z t g." bezeichnet es als bemerkenswert, wie in der 2T.nrr.rcbe die Worte über Rußland, Japan geschickt abgetönt jo), Japan gegenüber höflich, Rußland gegenüber herzlich, wett fänrrfenirperter sei das offene Eingeständnis, daß Deutschland firrichrend der Verkennung seiner SinneSart und Vorutteilen Ac-a die Fortschritte deutschen Fleißes ausgesetzt sei.

Die WienerNeue Fr. Pr." schreibt: Ernst und bc= bfiitfaom, wie schon seit langem nicht, ist die Thronrede, mit n«:i)«r Kaiser Willielm den deutschen Reichstag eröffnet hat. Lr s.blck»er Stelle und bei einem so feierlichen Anlaß ist selten □ii .gleicher Ilnuniwundenbeit in Form und Inhalt die inter- □üiomale Situation gezeichnet worden. So rückhaltlos pflegt in Thronrcchen mit ihren abgemessenen und gedämpften gj;era und Wendungen die wahre Stimmung, von der sie diktiert ji\ der Welt nicht kundgetan zu werden. Gleichwohl braiicht mn aus der Thronrede keine über die momentane Deschanen- Xii über internationalen Situation hinansgehende Beunruhig- in zu sckwpfen. Dennes ist mir eine heilige Sache nm den Tr/dcm des deutsckten Volkes", gelobte Kaiser Wllhelm m feier- injinn Tone oor dem Reickstage und auch noch aus emem an- b*:t?n Grunde braucht man ans der Sprache der Thronrede kein e Ül nl rieben e Furcht nir den Frieden zu sckwchrn. Dem« LutL> mirh biß. Wahrheit über die Lage Deutschlands

Kolililche Tnaec-schan.

Zur Fleischteuerunq.

Dem Reichstage ging eine Denkschrift de? preußi- chen LandwirtschaftSminifieriumS Ober die Fleisch» teuerung de« IahreS 1905 zu auf Grund der Untersuchuna, welche da? Ministerium mit Hilfe der LandwittschaftSkammern, der Regierungspräsidenten, deS statistischen LandeSamtS und der deutschen Vertretungen im AuSlande veranstaltete. Das Ergebnis der Untersuchung wird wie folgt zusammengesaßt: Die Fleischpreise erreichten 1905 eine unerwünschte, bis­her nicht beobachtete Höhe. Die Preissteigerung rührt hauptsächlich her von gestiegener Nachfrage infolge ver­besserter Lebenshaltung der Bevölkerung und Preis­steigerung in den nach Deutschland exportieren­den Staaten. Der Mehrverdienst der Landwirt«- durch erhöhte Stallpreise ist durch e rb ö h te P r o d u kt i o n S- kosten gerechtfertigt. Der geringe Rückgang des in­ländischen Angebots und die Preissteigerung im Auslande, herrührend won der schlechten Ernte im Jahre 1904, sind oorüberge hende Erscheinungen. Die Teuerung werde gesteigert (? D. Red.) durch die aus Oeffnung der Grenzen und Bruch mit dem gegenwattigen wirtschaftlichen System gerichtete leidenschaftliche Agitation der Preffe und der Parteien, durch die nicht einwandfreie Rotiening aus den Schlachtvieh­märkten und die, wenn auch nicht allgemein, doch vielfach beobachteten Machenschaften der den Vieh bandel be­herrschenden Händler, Kommissionäre und Grosischlächter. Besonders bemerkbar traten 1905 einige Umstände hervor, welche die Fleischpreisss dauernd zu erhöhen geeignet find. Hierher gehören die hohen Einnahmen der Städte auS den Viehhösen und Schlachthöfen, die stets steigende Ausdehnung deSZwischenhandels über das Bedürfnis hinan? und die großen Unkosten der Fleischer; das Fleischbeschaugesetz wirkt nur in ge­ringem Umfange verteuernd. Die Teuerung veranlasse ein nur sehr geringes Nachlassen des Fleischkonsums (? D. Red.). Der bedauerliche kleine Rückgang des Konsums rechtfertigt keineswegs außerordentliche Maßnahmen (? T. Red.) umsomehr, als der Fleischverbrauch sich nach der Fleisch- beschaustatistik bedeutend größer herausstellte, als früher an­genommen wurde. Der Verdienst der Fleischer ist etwas geschmälert worden, von einem Niedergange des Gewerbes kann aber nicht gesprochen werden. Tie Land- wirtschaft wird wie bisher den Fleischbedarf in der Haupt- fache durch eigene Produktion decken können, falls sie auch künftig auf genügenden Seuchen schütz und Beibehal­tung des jetzigen wirtschaftspolitischen Systems rechnen kann.

Im Anschluß daran ist es recht interessant, zu erfahren, was der Obermeister der deutschen Metzgerinnungen, der F-rankfurter Stadw. Marx, auf dem ersten deutschen Städtetage gesagt hat. Wir haben bereits kurz darüber berichtet. Nach derAllg. dtschn. Fleischerztg^" führte er aus, wie schwer die hohen Viehpreise gerade die kleinen Leute belasten. Es sei ein gewaltiger Irrtum des Landwirtschaflsministers, Wenn er sage, daß die Zucht der Schweine in den Händen der kleinen Leute liege. Tie Ferkelzucht werde von den Großgrundbesitzern betrieben und der kleine Mann kaufe bann die Ferkel, um sie zu mästen. Tie enorm hohen Preise, die der kleine Manu dem Großgrundbesitzer für die Ferkel zahlen müsse, belasten ersteren schon ungeheuer. 'Aber noch vwl schwerer würde es ihn treffen, wenn die Schlachtschweine im Preise zurückgingen und er dann angesichts des teuren Einkaufs ber Ferkel unbebingt Geld verlieren müßte. Man gewinne ein Bild von ber Belastung der konsumierenden Bevölkerung durch die Sic Steuerung, wem» man sich öct gegenwärtige,