Ausgabe 
28.11.1905 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen

Kvlleacn, daß sie bereit feien, die Ernennung

der Bevölkerung Christianias.

In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde»

Roter

Vom Prinzen Heinrich von Preu^

meldet, daß, als er den Storthing betrat, um der Eides­leistung des Königs beizuwohnen, sich die Stortchingsrnit- glieder von ihren Plätzen erhoben. Prinz Heinrich sei nadfr wie vor Gegenstand lebhafter Aufmerksamkeit von feiten

verhandeln. Man sollte danach meinen, daß gerade äußerste Linke bestrebt sein müsse, diesem Fortschreiten dem Gebiete des Arbeiterschutzes keine Hindernisse in Weg zu legen.

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Überraschenderweise ist bereits im neuen ReichSetat für 1906 die finanzielle Wirkung der Steuerpläne ent'prechend berücksichtigf, obgleich doch die Annahme dieser Pläne noch im Ungewissen liegt. Die Erläuterungen zum Etat bemerken entschuldigend: Dies Verfahren entsvreche zwar im allgemeinen nicht ber Hebung, aber es fei im Verlauf der Etatsarbeiten die Unmöglichkeit zu Tage getreten, den Etatsentwurf aus andere Weise in Einnahme und Ausgabe zu balancieren. Also: es gelangt das Fell des Bären zur Verteilung, bevor der Bär erlegt ist. Der Reichstag wird von dieser neuen Methode nicht entzückt sein und erst recht geneigt, feine Rechte eifersüchtig zu wahren. Aber wer weiß, was mit den Zentrumsführern in verschwiegener Stille verhandelt worden ist! Dann wird erst ein wenig spektakelt, und den Schluß macht die Bewilligung, mit etlichen Abstrichen.

Tas Gesetz für die Arbeiter.

Der jetzt in den Grundzügen bekannte Gesetzentwurf über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine wird zu parlamentarischen Kämpfen Anlaß geben, denn die im Ent­wurf enthaltenen Beschränkungen sind nicht nach dem Sinne der Politiker, die die Arbeiterorganisationen in vollem Umfange in die rechtliche Anerkennung eiubezogen roiffen wollen. Auf der andern Seite ist man überhaupt nicht ge­neigt, zu einer Kräftigung der Arbeiterorganisationen die Hand zu bieten, weil man der Meinung ist, daß der Weg zur sozialen Versöhnung nach »Jena* führen könnte. Auch ivci diese Auffassung nicht teilt, wird seine Erwartungen kaum so hoch spannen wollen, daß er meint, die Anerkennung der Berussvereine schaffe die sozialen Kämpfe aus der Welt. Ta> kann nicht der Fall sein, weil sich bet diesen Kämpfen nichl Staat und Arbeiterschaft, sondern Arbeitgeber und Arbeiter gegenüber stehen. Könnte die soziale Streitfrage durch die BeftigmS der Arbeiterorganisationen zu juristischer Aus- gestaltung gegenstandslos gemacht werden, bann hätte eS sich rür ben BmideSrat erübrigt, bie Rechtsfähigkeit im öffent­lichen Interesse zu beschränken und auf die Möglichkeit der Entziehung der Korporationsrechte Bedacht zu nehmen, z. B. wegen Beteiligung an Ausständen, durch die die allgemeine Wohlfahrt betroffen wird. Regierung und NeichStagsmehrheil sind geneigt, den Arbeiterorganisationen die Möglichkeit weiterer Kräftigung zu gewähren. Sie sind aber nicht ge­neigt, Wasser auf die sozialdemokratischenMühlen zu liefern. Deshalb ist eS ein Fehler, daß baS Organ des Eisenbahnerverbandes unter Hinweis auf die Vorgänge in Rußland das Koalitionsrecht für bie Eisenbahner fordert und gleichzeitig an bie organisierte Arbeiterschaft das Ersuchen richtet, den Eisendahnerverbanb mehr als bisher zu unter­stützen. Damit bekräftigt man nur die Stellung der Parteien, die in ben Berufsvereinen weniger Arbeiterorganisationen als politische Kampfverbände sehen und eS deshalb ablehnen, ihnen die Rechtsfähigkeit zu verleihen. Der betreffende Gesetz­entwurf soll dem sozialen Frieden biehen. Er ist speziell veranlaßt durch bie Weigerung großinbustrieller Arbeitgeber, die Arbeiterorganisationen anzuerkenneu und mit ihnen zu

Komische Tagesschau.

Vor dem ReichstagSbegiun.

B. Berlin, 27. November.

In der Umgebung des ReichstagSgebäudeS sieht man jtü heute wieder die Parlamentarier. Große Tage wird es gtbt n, das steht fest, und ebenso wird das lebhafteste Interesse itr parla ntzsvtarischen Hörer nicht fehlen. Auch die Vertreter kt Bundesstaaten wird man in seltener Vollzähligkeit dem- Üchst auf der Estrade erblicken können. Denn die »Reichs- jiii anzreform', welche die Einzelstaaten endgültig von dem kchreckgespenst befreien soll, daß das Reich als »lästiger loi'lgfinger* anklopft und hohe Zuschüße heischt die »große* sitichssinanzreform, zur Unterscheidung von der »kleinen* vor- .üiiftgen, glücklich von Frhrn. v. Stengel durchgesetzten, Hört die Hauptsorge der verbündeten Regierungen. Wir Irr den wohl Reden von den Finanz Ministern jedes nÜßeren Bundes st aates zu hören bekommen, daß es ,a nicht weiter gehen könne*. Darin haben ja die hinbeSftaaten Recht. Aber ob gerade die Steuerpläne des siichSschatzamls, insbesondere die den Verkehr belästigenden Kiim Stempelsteuern, das taugliche Mittel zur Erreichung

Zieles sind, da? steht auf einem andern Blatt. Ausbau kt ReichSerbschaftssteuer und Abschaffung der Branntwein- Lieb'esgaben, darüber würde sich schon eher reden taffen. Die agrarische Politik wird fortgesetzt werden, ob der Uuitsche Städtetag, der heute in Berlin versammelt k, mach so entschiedene Entschließlingen faßt. Wäre auf den faicWag Verlaß, so würde das vielleicht anders. Aber seit- im: es dem Fürsten Bülow gelungen ist, sich die Zolltarif- Hkterheit zu schaffen, seitdem bildet der Reichstag eine kluitze für die ag rarische Politik.

Nur mit der geplanten Tabaksteuer macht es die Stq.ierung auch den Agrariern nicht zu Tank. Dem j Crq-.in deS »Bundes der Landw.*, der »Tagesztg.*, sind ! reiche Zuschriften zugegangen:

.Allgemein wird der Meinung Ausdruck gegeben, daß der hki nische Tabakbau eine stärkere Belastung n i rf) t tieft vage. Man wundert sich, wie man diese Betastung o'sizws frgrriinben könne durch die Rückstcht auf die Arbeiter, die mit der j iiracrbeitunq ausländischen Tabaks beschästigt sind. Für diese Art

Kit l'ogif hat man fein Verständnis.*

Ta hat die Regierung die Quittung für bic der Laud- luttschaft geleisteten Lielesdieuste.

Rotationsdruck xmb Verlag der BrÜblfck)«» UnuperfuätsbtudcttL R. Lang«, Gieße»,

Redaktion, Expedition u.Druckerei: SckuIstr.V.

Tel. Nr. 5L Te1egr.-Adr.: Anzeiger Greß«».

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Berlin, 27. Nov. Heute morgen machte der Kaiser einen Spaziergang in Sanssouci und hörte die Vorträge deS Staatsministers v. Podbielski und des Chefs deS Zivil- kabinetls Wirkt. Geh. Rats Dr. v. Lucanus. Heute abenb leisten die Majestäten bei ben Kronprinzlichen Herrschaften im Marmorpalais.

Ter Kaiser hat dem Prinzen Leopold von Bayern die Hofjagd uniform verliehen, desgleichen dem öieniituenben Flügelabsutanten Oberstleutnant v. Chelius.

Die Wahlrechts-Erörterung in der Zweiten sächsischen Kammer, blieb ohne praktisches Ergebnis. Die Konservativen wollen keine Reform. Tie kgl. söchs. Regierung hält an dem Standpunkt fest, keine Vorschläge zu machen. Tie Nationalliberalen wollen nach Einsicht in das Regierungsmaterial über das Pluralwahl - recht über weitere Schritte beschließen. W. T. B. meldet über die Kammerverhandlungen folgendes:

Dresden, 27. Nov. (Zweite Kvmmer.) Aus der Tages­ordnung stehen bie Interpellationen der National- liberalen und der Freisinnigen betr. Neuordnung des Wahlrechtes für die Zweite Kammer. Nachdem AbZ. Schick (nl. feine Interpellation begründet und sich dabei auf die während des letzten Landtages von der Regierung veröffentlichte Tenkschryl berufen hat, führt Abg. Bähr (frei).) in Begründung der feinigen u. a. aus, daß die Reichstagswahl von 1903 bie Quittung der sächsisck>en Landtagswähler für ihre Wahlentrechtung gewesen sei und eine Wahlrechtsänderung dringend notwendig mache. Wenn das Reichstags^ hl recht nicht acceptabel fei, solle man das alte Landtagswahlrecht von 1868 wieder entführen, allerdings nur alsUebergang z u m R e i chs t a g s wa hl r e ch t- Staats­minister v. Metzsch erklärt, daß die Regierung keine Vorlage habe machen können, welche sich auf dem Plunllsystem aufbaue, und daß sie auch eine Vorlage auf Grund des allgemeinen, direkten und gleichen Wahlrechts nicht machen werde. Das Vural- system könne als ein gangbarer Weg zur Aenderung des Wahl rechts nicht anerkannt werden schon deshalb weil es keine Kvutelen gegen das Eindringen staatsfeindlick>er Elemente bietet. Tas Proportisnalsystem sei zu kompliziert. Bei einem Zuruck- kommen aus das Wahlgesetz von 1868 dürfe den mit dem jetzigen WaÄrechte Unzufriedenen auch nicht gedient fein. Nach der gegen­wärtigen Gestaltung der BerhälMisse könne die Regierung cm anderes Wahlrecht als das zur Zeit bestellende nicht Vorschlägen. Sie sei aber nach Ivie vor bereit, jedes vorgeschlagene extern auf seine Verwendbarkeit hin zu prüfen und dann Vorschläge ?u machen, wenn damit die angegebenen Kantelen geschaffen und )ie auf die Zustimmung der Mehrheit beider Kammern rechnen könne. Opitz (konf.i gibt im Namen seiner konservativen Parteifreunde die Erkläruirg ab, daß diese den Standpunkt der Regierung teile. Abg. Schick (nl.) bedauert die abwartende .Haltung der Regierung undwünscht baldige Vorlagen zur Aenderung be3 Wahlrechts. Goldstein (Soz.) tritt den Ausführungen des Ministers und des Abg. Opitz entgegen.

solide, vertrauens u. bewährte Spezu als lose, nur m w :n Kartons ä 30 u y lüg für Singer, Sc er, Rezitatoren, Re- tlicbe, Lehrer, ende, Landwirte. ote. Hausfrauen, S- Schülerinnen etc- ieteitig aneri , B. schreibt: Fra«

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Hin hejstschcr A ock der NeaLtionä'e?

Wir erhielten heute sorgende Drahtnachricht:

ifb.) Darmstadt, 28. Nov. Wie aus sicherer (? D. Red ' tulle verlautet, besteht die Absicht, im neuen Landtag )i Nationalliberalen, das Zentrum und die D a u e r n- jfndler zu einem Block zusammen zuschließen, um nriArtigere torl igrn in gemeinsamen Sitzungen vorzuberaten und gegen Sozialdemokratie und Freisinn (? D. Red.) geschlosserr rr-«geben.

Vorläufig halten wir Jiefe Meldung noch für die schlechte friirtbung eines boshaften Kopfes, der sich einen übten Ijnp1 mit einem harmlosen Berichterstatter erlaubte. Wir jögern, an eine so völlig schiefe Auffassung der «genroärtigen Volts st immung in Hessen bei fcn national-liberalen Abgeordneten, ar eine foldje kerkennung ihrer liberalen Pflichten zu glauben. Sie würden sich dadurch zumeist in strikten Gegen- fa tz zu der weit überwiegenden Mehrheit ihrer Wähler kn und die schlimmsten Konflikte mit dem -o l ke heraufbeschwören Sie würden sich damit in daS von Herrn v. Hehl bereitete, den heftigsten Protesten der Bolks- feelc aus gesetzte Lager der Reaktion begeben und darin zugrunde gehen. Tenn daß die Volkskrast stärker ift_ alS brr Wille einzelner, lehrt uns die Geschichte der Völker btr CSrbe. Tie Nation aber dem der Industrie, b. h. dem mtiirlichen volkswirtschafatlichen Aufstiege feindlichen Agra- riet hum und dem kulturfeindlichen Zentrum auszuliefern, tiärt der bedauerlickste politische Fehler von betrübenoster tro zweite, bedeutete jämmerlichsten Rückschritt statt rastlosen Korljjchritts auf der von unserem La n d e s h e rrn und seiner Hcaticning gewiesenen Dahn der Erweiterimg der Volks- ttchlk und möglichst gleichmä,;tgen und gerechten 'Abwägung Her vollskrafte. Tamm sträuben nnr uns, an die Nichtigkeit )i jer Darmstadter Meldung zu glauben, sowohl nach den ftstixgen Kämpfen zwisck)en Nationalliberalen und Bauern- jinblcm um das Friedberger und zwischen Nationallibe- CQlrt» und Zentmm um Da» Niersteiner Mandat, wie na® ' ui nrlid) in der Neberzeugung, eine tiefere Einsicht bei den liberalen Volksvertreter Hessens in die Stimmung, die Pilrsche und die Hoffnungen des Volkes voraussetzen zu hilft 'n. Nicht eine Trennung der Liberalen, zu betten doch wahrlich der Freisinn nicht an letzter Stelle öfljcrt, zumal ein Mann wie Gu t fleisch, der kluge libci alc Sammelpolitiker in Gießen, dessen Führer ili, iionbem ihre Einigung ist dringlichste Pflicht, will man von der hoch reaktionären Ersten Kammer in der Förderung k Rechte und der Verbesierung der Verhältniffe auch der Sliiwberbem ittelten, des kleinen Kaufmanns und Handwerkers, deS Kleinbauers und staatstreuen Arbeiters, etwas erreichen. Nationalliberale und freisinnige mOffen, rote in Bayern und Baden, auch bei un3 in Hessen gegen bte Reaktion von rechts nnb links zu- jammen flehen. Daß im Kampfe gegen die Bedrückung her Minderbemittelten in Stadt und Land, denn nur auj diese Bedrückung hinaus könnte dieser antiliberale Block i jchen, auch mancher aufgeklärte Bauernbündler, mancher ,ichl im MtramontanismuS ganz befangene ZentrumSmann tn Aar vielen Fällen mit auf die Seite eines wirklich liberalen Blockes treten könnte, ja müßte, meint er es thtluÄ) mit feinen Wählern, das wird doch wohl mancher mfeccr Herren Landboten einsehen und eS sich gründlichst libcdlegen, bevor er seine Hand reicht zu einem Volkserdrücker- tatrnmelfuriurn.

/ Y aeeig"^ r nrehef.?l

Ter Regierungsantritt deü Königs von Norwegen.

Bei der feierlichen Eidesleistung des Königs hielt, wte W. T.--B. aus Christianw meldet, ^Storthingsprasident Berner die einleitende Ansprache. König Haakon letstete hierauf ben Eid auf bie Verfassung mit folgenden Wortenr Ich gelobe und schwöre, der Regierung in lieber ein fttnrnfr ung der Konstitution und dem Gesetze vorstehen zu wollen, so wahr mir Gott und sein heiliges Wort helfe!" Dann hielt der Storthingsprösident eine SlNsprache. Er vy u. a. folgendes aus:Mes für Norwegenhoben Eure Majestät zum Wahlspruch genommen. Ties weist auf die großen Aufgaben hin, welche uns alle sammeln werden, in der sich'ren Zuversicht, daß Eure Majestät sich mit dem normen. Volke in vertrauend ollem Zusammen­arbeiten treffen wird, eine Bedingung dafür, daß KönrK wie Volk, jeder für seinen Teil voll das leisten können, was sie zur Förderung ber Wohlfahrt und des Glückes des Landes zu leisten vermögen." Der König begrüßte sodann die Mitglieder des S^orthings als die Repräsen­tanten für Norwegens freies Volk.Es wird, so sagte er, meine größte Freude sein, im Zusammen- wirken mit dem Storthing und in Uebereinstimmung mit dem Grundgesetz allen meinen Willen, alle meine Kraft einzusetzen, um dem Vaterlande zu seineur Frieden und zu feinem Glück' zu dienen."

Unmittelbar darauf hielt der König den ernsten Staatsrat ab. Die Regierung legte ihre Aemter in

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die Hände des Königs.

Ter König erwiderte hierauf:

Herr Ministerpräsident! Mle wissen, daß Ihre Regierung in ben verflossenen Monaten Norwegen mit Klugheit in einer Krise geleitet chat, die ihr die Dankbarkeit und Bewundermrg deS norwegischen Volkes eilt gebt adyt hat. Es würde mir unmöqlutz sein, eine Regierung zu bilden, die in so hohem Maße das Ver­trauen des Storthings und des Volkes besitzt. Teshalb ersucht ich Sie und Ihre Kollegen brmgent), fernerhin dem Lande urn> mir Ihre ausgezeichneten Dienste zu weihen. Ich ersuche Sic, Herr Ministerpräsident, und Ihre Kollegen, mein erster Staats rat in einer Zeit zu bleiben, in der ich gerade den Beistand und die Stütze erprobter und angesehener Manner bedarf. #

Ministerpräsident Michelsen antwortete namens feiner ...... ig anzunebmen.

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Ar. 280 Zweites Blatt. 1S5. Jahrgang Dienstag 8. November 1903

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Zur Erhöhung der Militörpenfionen.

Tcm Vernehmen nach wird von nationalliberaler Seite der Antrag gestellt roerben das Mllitärpensionsgesetz dies­mal nicht der Budgetkommission, sondern einer besonderen Kommission zu Überwelsen. Es ersch-mt allerdmgs nur auf diesem Wege möglich, in ab,ehbarer Zett eine Entkleidung irber d's Gesetz herbei-ufIhren, denn die Budgelkomnussirn hat bis zum Avril vollauf -u tun mit der ifarbcitunq d's Etets und nach den Osterferien ist auf ein beschlubfäblges Haus nicht j mtt Bestimm'heit zu rechnen. Tic LLsicht der Nutlonallchecalen |

entspricht ebmso den Wicns i.-eu d r Regierung wie denen der rntev- c'fierten' Streife. Aller Wahrsckieinlichkeit nach wird aber bafll Zentrum erst selten wollen, wie bei der Finanzreform ..der Vase läuft", ehe es sich mit der Erhöhung der Milttarpensionen bv- 'chästigt. Zustatten kom-"t der. letzteren Materie, daß die Berat­ungen sieb diesmal abkürzen lossert, well auf die früheren. Bezug aenemtmen werden krnn. E? tst mdesien nieht geeignet, die Bewillig''nassreudiekeit d^s Reck^stags im allgemeinen zu. erhöben, daß letzt auch ostrsrikanische Farmer Ennch^dtgunaS- nfprüehe geltend machen wollen, wo noch Nicht einmal daS fixmto b'r f "dwestafrikanifchen beglichen ist. Die Volksvertretung ward mehr als ie den Begriff des unbedingt Notwendigen fu» Mir Richtschnur für ihre Bew-ll-gungen machen.

Die Kapitulation Lamuel Isaak WitboiS.

Wir erhielten gestern abend folgendes Original- Tele­gramm:

Berlin, 27. Nov. Rach einer telegraphischen Meldung de? GonvernenrL v. Rmbeqnift haben sich Samuel Isaak Witboi, mf> sein Unterkapitän mit l7Großleutea iind ihrem'lnhang, sowie der Kapitän der Veldsä>oendrager, Hans Hendrik, insgesamt 74 Männer und -14 Weiber in Bersaba freiwillig gestellt. Dabei find 34 Gewehre abgeliefert morden, lieber d e Bedingungen der Uebergabe enthalt die Meldung keine Angaben.

Eine Woche nach der Kunde vorn Ableben Hendnk WitboiS kommt diese erfreuliche Meldung. Es ist anzuneßmen, daß wir bald von weiteren Kapittilationen hören werde», denn Hendrik ivar offenbar die Seele deS Widerstandes der Hottentotten. Aber rote dieser, war auch der Sohn ein ge­fährlicher Gegner. Nachdem sein älterer Bruder im Kampfe gefallen war, wtirde er llnterfapitän seines Vaters. Bereits 1893 führte er im Gefecht bei NaoS gegen die Deutschen selbständig das Kommando, um drei Jahre spater an der Seite der Deutschen die KhauaS, Herero und Ovambandjeru zu bekämpfen. Am Verrat des Vaters nahm Isaak besonderen Anteil. Er hatte den Absagebrief Hendriks dem BezirkShaupt- mann von Gideon, v. BttrgSdorff, überbracht, der gleich da­rauf meuchlings erschossen wurde. Im jetzigen Hottentotten­aufstande hat Isaak den deutschen Truppen viel zu schaffen gemacht. Allerdings an Einfluß konnte er sich mtt Hendrik, dem »gottgesegneten Befreier* nicht vergleiche«, und so mag er wohl selbst eingesehen haben, daß er den spärlichen Rest der Kämpfer nicht mehr werde zusammen­halten können und zog die Kapitulation dem Tode im Vev- zweiflttngSkampfe vor. Man darf wohl annehmen, daß feiner Kapitulation Verhandlungen vorauSgegangen sind, in denen er sich, wenn nicht Straffreiheit, so doch daS Versprechen ge­sichert hat, sein Leben zu schonen, das er, gleich seinem Vat« verwirkt hatte.