Ausgabe 
31.10.1905 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

bie Zahl Der Kinder, die warmes Frühstück erhalten, auf 370 greftiegen. Es ist die Anregung' erfolgt, die Verabreichung auf die L a n d o r t e auszudehnen. Bei 96 Prozent aller Verstorbenen seien Spuren von Tuberkulose vorhanden. Gute Ventilation der Schulsäle und turn erhebe Hebungen seien die besten Mittel 'gegen Krankheiten. Zum Schlüsse wies der Redner auf die vor­zügliche Einrichtung des Unterrichts in Blumcnpflege und im Kochen hin, der seit etwa zwei Jahren an der Stadtschule eingeführt ist. Ter Vortrag erntete lebhaften Benall.

Aas Kani.

Gießen, 31. Oktober 1905.

L.U. Dem Landrichter Dr. Friedrich wurde die venia legendi für das Fach des Kirchenrechts an der Landes-Universität erteilt. Seine Habilitationsschrift handelt über:Die Entstehung ber Reformatio Ecclesiarum Hassiae von 1526."

Das Großh. Regierungsblatt Nr. 27 vom 27. Oktober enthält u. a. eine Verordnung, die Herstellung, Aufbewahrung und Verwendung von Azetylen betr., und eine Bekanntmachung, Elektrische Straßenbahnen in Darmstadt (hier zweigleisiger Ausbau am Luisenplatz und am Hoftheater­platz betreffend).

* Eine Sitzung desProvinzial-Ausschusses der Provinz Oberhessen findet am Samstag, 4. Nov., vormittags V,9 Uhr mit folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch des Karl Dick haus in Gießen um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Walltorstraße 28. 2. Ge- such des Heinrich Schneider von Rödgen um Erlaubnis zum Gastmirtschaftsbetrieb. 3. Das Faselwesen in der Gemeinde Großen-Buseck.

* Eine Sitzung der Stadtverordneten-Ver­sammlung findet am Donnerstag nachmittags 4 Uhr, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Baugesuch von Peter Berg für die Bahnhofstraße; hier: Dispens. 2. Ver­gebung von Erdarbeiten zum Ausbau der Friedrichstraße, des Wetzlarer Wegs und des Mittelwegs. 3. Gesuche um Her­stellung gepflasterter Uebergänge in der Stephanstraße und der Marburgerstraße. 4. Uebernahme der Hcnselstraße. 5. Verkauf eines Bauplatzes an der Licherstraße. 6. Ver­kauf eines Grabens an der Marburgerstraße. 7. Dienst­kleidung für den Vorarbeiter des Filial-Arbeitshauses. 8. Ge­bühren für Benutzung des Sektionszimmers. 9. Wasserver­brauch des Postamtes. 10. Gesuch der Firmen Gebrüder Kaufmann und P. I. Mobs um Ueberlasiung einer Fett­einkaufstelle im Schlachthaus.

* Plötzlicher Tod. Der auf der Gailschen Dampf- ztegelci seit 7 Jahren beschäftigte 69 Jahre alte Arbeiter Heinrich Hedderich aus Wcttsaasen nmrbc gestern mittag in der Mittagspause tot auf dem Abort gefunden. Ein Herzschlag hatte dem Leben des alten Mannes plötzlich ein Ziel gesetzt. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle des neuen Friedhofs gebracht.

Diebstähle. Bei der Tanzmusik wurde einem hiesigen Schneider, während er das Tanzbein schwang, der Ueb erzieh er gestohlen. Ein Laufmädchen hatte seiner Logisgeberin in deren Abwesenheit nicht allein das Bargeld, sondern auch diverse Kleidungsstücke c;estöhlen. Das Geld hatte es bereits verausgabt, während ein Teil der Kleidungsstücke sich noch vorfand und der Bestohlenen zurückgegeben werden konnte. Einem hiesigen Einwohner, der sich am vorigen Sonntag einen angetrunken hatte, stahl sein Begleiter 60 Mark. Der ! größte Teil des Geldes fand sich beim Täter noch vor.

* * Eine für alle Hundebesitzer hocherfreultche Nachricht enthält eine heute veröffentlichte Bekanntmachung: Die seit Mai d. Js. bestehende Hunde sperre wird vom heutigen Tage ab durch das Kreisamt aufgehoben, da seit dem letzten verdächtigen Fall so lange Zeit vergangen ist, daß ein Verdacht der Tollwut vollständig beseitigt er­scheint. Ein Hundefreund wurde durch die Mitteilung hier­von zu folgendem poetischen Erguß begeistert:

Nu freut eich alle heut, ihr Hund', Ihr Karros, Bellos, Schnautze, Weil uffgehowe is die Schberr Ihr kennt frei Widder ganze.

Es schteh' eich uff die Schtraße all, Wo frieher nor e Weilche

Un mit de Maulkorb uff der Nas Ihr fchbaziern dürft am Seilche. Weil von eich aaner doll sollt fei, Wie in Berlin qefunne, Do bot mer eich, ob grüß, ob klei, Druff nix wie aagebunne.

Un eingeschberrt in kaale Schtäll,

In Keller un in Hitte, In GaartehäuScher schauderhaft In aale Heringsvütte.

Ihr kennt nu widder, wenn ihr wollt, Uffschtöwere alle Katze

Un aach troßdem 's verbotte is

Die Südaalag verkratze;

Kennt, wem ihr nett gewoge seid, Die Hoosebaa verreiße

Un Hinkel, die eich sein im Weg, Mir nix dir nix tutbeifee.

Un kollegialisch kennt ihr eich, Wo's eich beliebt, berieche Und den, der io was sich oerbitt, Gleich am Schlaffittche kriege. Doch rat ich eich zu guterletzt: Tut manierlich eich betrage, Damit die Polizei nett mehr Wie schun emool kam: sage: Der Hund' ihr Sindebuch is voll, Mer finge aan des Oos war doll. ^Elpenrod, 30. Oktober. Der hiesige Forstwar Jager, der den Feldzug 1870/71 mitgemacht hat, hat jetzt seinen siebenten Sohn zum Militär geschickt. Fünf dieser Söhne dienten bei der Artillerie, zwei bei der Infanterie. Jäger ist stolz darauf, daß seine sieben Söhne des Kaisers Rock trugen bezw. tragen.

Pommcrschc Lchulzustände.

Stolp, 30. ort.

Wegen Beleidigung des Pastvrs nndOrtsschul- ärvspektors Pötter hatte sich vor der hiesigen Straf­kammer der Redakteur des konservativenBütower Anz." Röhl zu voran tivor ten. Pastor Pötter ist als Nebcnlläger zugelasson. Der Anklage liegt eine Reibe von Artikeln zugrunde, die Röhl in seinem Blatte veröffentlicht bat und die sich mit der Tätigkeit des Pastors Pötter als Schulinsocktor befassen. Diese Tätigkeit wurde einer scharfen Kritik unterzogen: dem Pastor Würbe vorgeworfen, daß er ein Schreckensregiment in der Schule sichre: ferner wurde gesagt, daß Pötter

Denunzianten züchte, die Lehrer chikaniere usw. Wegen btejer Behauptung erhob die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Röhl, der sich erbot, einen umfangreichen Wahrheitsbeweis zu libren. Er hat eine Anzahl Lehrer als Zeugen geladen, xer erste Zeuge war der Lehrer Wvckenfuß. Wockenfutz yt aus dem Schuldienst entlassen worden, weil er sich mit Pötter nicht vertragen konnte. Der Angeklagte erklärte, Frau Wockensilst habe ihm gesagt, sie habe nur mit großer Mühe ihren Mann von einem Selbstmordversuch zurückhalten können. Wockenfutz bekundet, daß Pötter die Lehrer wegen der nichtigsten Sachen mit Protokollen und Anzeigen überschüttet habe und datz er einen 70 Jafwe alten Lehrer, der an seinem Lehramt hing, wider dessen Willen entlassen hätte. Pötter beftreitet, die Ausl­agen. Die Entlassung des alten Leiters sei erfolgt, toeu dieser nicht mehr Orgel spielen konnte. Dann kommt zur Sprache, daß Pötter Personen, die bei irgend welcher Gelegenheit vor Gericht andere Aussagen machten, als er es wünschte, bet der Staatsanwaltschaft wegen Meineids angezeigt hat. xtc Staatsanwaltschaft hat jedoch in feinem Falle der Anzeige stattgegeben. Nach einer solchen Anzeige hat Graf v. Schwerm- Schojow dem Pötter den Vorwurf ber Unwahrhaftigkeit gemacht. Angeklagter (zum Nebenkläger Pötter : Haben Ste nicht wegen dieses Vorwurfs des Grafen Veranlassung ge­nommen, diesen zu fordern? Pötter: Es mag sein, datz ich davon gesprochen habe, den Grafen wegen dieser Aeußerung zu fordern. Tatsächlich aber habe ich ein Duell zu ver­hindern gesucht. .

Wvckenfuß schildert ausführlich einen Auftritt, den er mit dem Pfarrer erlebt habe. Zur Weihnachtszeit sei er eines Abends aus dem Bette geholt wordender Pastor wolle ihn sprechen. Er sei darauf sofort zum Pastor gegangen, der ihm zunächst ein langes Kapitel aus der Bibel vorgelesen habe. Als das dem Zeugen zu lange dauerte, fragte er den Pfarrer^ was dieser denn von ihm wolle, worauf ihn^der Pfarrer barsch angefahren habe mit den Worten:Halten Sie den Mund. Sie gehören auch zu jenem Abschaum der Menschheit, der den Tod des Krupp he rbeigeführt hat". Dazu habe der Pastor mit einem Stock in der Lust b-rumgefuckstelt und gesagt, den Stock habe er dazu, um einem jeden aufs Läster­maul zu schlagen. Ms der Zeuge fliehen wollte, sah er, daß der Pastor an ber Tür zwei Kirchenvorsteher postiert hatte, die ihm den Ausweg versperrten. Erst als feine Frau erschien und den Pastor unter Tränen bat, ihn, den Zeugen, zu entlassen, habe Pötter ihn entlassen. Lehrer Pagel bestätigt, daß Wockenfuß unter der Einwirkung ber fortgesetzten Ehika- nierungen Selbstmordgedanken geäußert habe. Lehrer Kusse- row erklärt, daß auch er sich chikaniert glaube und Lehrer Halfpap meinte, daß Pötter an seiner Pensionierung schuld ei. Die Vernehmung weiterer Lehrer ergibt, daß die Lehrer in Silkow eine förmliche Angst vor Pötter gehabt hätten und nicht zu widersprechen wagten.

Unter Ausschluß ber Oefseutlichkeit wurde über bic angeblichen Beziehungen des Pastors Pötter zu seiner 27 jährigen Wirtin verhandelt, denen ein Kind entsprossen sein soll: es stellt ich jedoch heraus, daß dieses Kind nicht von Pötter, sondern von dessen Bruder, einem 19 jÜbrigen Gvmnasiasten, stammt.

Graf Schwerin-Schoiow gab zunächst an, daß et dur ch den Pastor G) Maibaue, r zum Duell mit demPaftor Pötter gefordert worden sei, weil er diesem Umvahrh'it vorgeworfen hatte. Der Zeuge hat sich an den Regierungs­präsidenten gewandt, der seine Handlungsweise vollständig korrekt gefunden habe. Das Tuell sei bann unterblieben. Der Zeuge übt bann eine ausführliche scharfe Kritik an der Tätigkeit Pötters und schildert auch, wie er selbst den unglaub­lichsten persönlichen Beleidigungen seitensPöt- ters ausgesetzt gewesen sei. So habe Pötter gesagt, die Schön­heit seiner (des Zeugen) Kinder rühre daher, weil sie von Friedrich Wilhelm III. abstammen. Man könne einem alten Adelsgeschlecht keinen schwereren Vorwurf machen! Ferner habe sich Pötter in den ödesten Klatschereien über seine ,des Zeugend Familienangehörigen ergangen und habe etyrlidje Leute des Meineids bezichtigt. Zum Schlick erklärte Graf Scbwerin-Schojow, daß Röhl, der durch diesen Prozeß offenbar wirtschaftlich ver­nichtet werden sollte, von ihm unterstützt worden fei

Der Zeuge, Lehrer Bertan, nannte den Pastor Pötter einen Birinosen in Lehre rKränkungen. Der Zeuge gibtz an, daß Pötter ihn einmal bei der Inspektion des Reli­gionsunterrichtes vor versammelter Klasse einen Narren genannt (!) habe. Wockenfuß ift^_ das Muster

eines Lehreres. Staatsanwalt Vertan: Wenn Sie von Pastor Pötter eine so schlechte Meinung hatten, weshalb verkehrten Sie noch weiter in seinem Hause? Der Zeuge schweigt. Röhl: Der Zeuge schämt sich wohl zu bekennen, daß er Angst vor Pötter hatte. Dors.: Stimmt das? Zeuge Bertan: Ja, so ist es. (Mrhaltende Bewegung.)

Der Patronatsherr Graf Schwerin bestätigt, daß die Lehrer eine heillose Angst vor dem Pastor Pötter hatten. Ter von dem Augellagteu gebrauchte Ausdrrick, daß Pötter ein Schreckensreg im eut führe, sei nicht zu stark. Vors. (zum Grasen Schwerins Haben Sie dem Angeklagten Geld gegeben? Zeuge Graf Schwerin: Es war zweifellos die Absicht des Pastors Pötter, den Redakteur Röhl durch diesen Prozeß wirtschaftlich zu ruinieren!

Frau Wockenfuß sagt als Zeugin aus: Ms ihr Mann vom Dienste suspendiert worden sei, habe der Pastor dies im Neujahrsgottesdienst von der Kanzel herab verkündet. Unter Tränen erklärte die Zeugin, daß ihr das am meisten zu Herzen gegangen sei. Sie sei nach dem Gottesdienst zum Pastor Pötter gegangen und habe ihn gefragt, ob denn diese Kränkung, notwendig gewesen sei. Herrisch habe Pötter geantwortet, das das kömre er machen, wie er wolle. ^Schluß folgte

© ro i n c m ü n b c, 30. Oki. Die deutsche Rote Krcuz- Expebition ist aus der Mandschurei zu Schiffe aus Peters­burg unter Führung von Dr. Eollmcrs hier eingetroffen.

London, 29. Oktober. Ein seit einiger Zeit in Eng­land lebender junger Deutscher, Baron Nau von Holz- ba nsen, beging heute Selbstmord im Hause der Schau­spielerin Gertie Miller, der Gattin des Komponisten und Kritikers Lionel Mockton.

Antwerpen, 30. Ott. Gestern entstand eine neue Senkung am Kai Herbonvillc. Die Kaimauer ist um 40Ztm. gesunken. 200 Arbeiter sind damit beschäftigt, die Mauer zu stützen.

Hiftnvahn-Ieilung.

Der Betriebsausweis der vr en ß.- h e ssisch en Eisenbahnen für das erste Halbjahr 1905'06 zeigt eine b e - t r ä ch t l i cb e Z n n a h m e der Einnahmen. Es sind in diesem ersten Halbjahr des laufenden Etatsjabrs 51 Mill. Mk mehr eingenommen worden als im gleichen Zeitraum des vorigen. Da die vorjährige Einnahme den Etatsanschlag nm etwa 75 Mill. Mk. überstiegen bat, ,während der Anjchlag für 1905 um 98 Millionen über dem vorjährigen liegt, würde bei gleichbleibenden Ueber= schliffen das laufende Etatsjahr eine Einnahme erzielen, die um etma 80 Mill. Mk. übet der des EtatsanschlagS liegt. Durch die Erfahrungen des Vorjahres, wo in den letzten Monaten ber Aus- r0» tt' Ruhrgebiet die Einnahmen dec Eisenbahnverwaltnng stark schmälerte, wird man aber in ber Schätzung des Etats- abfchlnsses zur Vorsicht ermahnt. In den ersten'6 Monaten des laufenden Etatsjahres nnirben vereinnahmt ans dem Personen- nnd Geoackoerkehr 272 271 000 Mk. gegen 253 757 060 T?f. im gleichen Zeitranm des Vorjahres, ans dem Güterverkehr 540 402 000 Mark gegen 509 582 000 Mk ans sonstigen Quellen 47 964 000 Mk. gegen 4a 954 000 Mk., zusammen also 860 637 000 Mk. gegen 809 293 000 Mk. Die Einnahmen ans dem Personenverkehr liegen hiernach um 18,51 Mill. Mk. oder 7.3 v. y., die aus dem Güter- verkehr um 30,82 Mill. Mk. ober 6,0 v. H., die ans sonstigen nellen um 2,01 Mill. Bit. oder 4,4 v.H., die gesamten Einnahmen um 51,34 Mill. Mk. oder 6,3 v. H. über den vorjährigen.

Kircklicke Nachrichten. Katholische Gemeinde.

Dienstag, den 31. Oktober 190 5.

Nachmittags um 5 Uhr und. abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Mittwoch, den 1. November 1905.

Allerheiligenfest.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

r um 7 Uhr: Die erste heil. Meffe, vor und m der« selben Austeilung der heil. Kommnnion.

, um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe. Militärgottes, dienst mit Predigt.

um 9V? Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 5'/, Uhr: Rosenkranz-Andacht mit Segen.

, um 6 Uhr: Predigt; darauf Andacht für die Ab­gestorbenen.

Mittwoch, d e ii 1. November 1905.

_ um 5 Uhr Und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Donnerstag, den 2. November 1905. Allerscelentag.

Vormittags von 6'/, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 6 V, Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in der- selben Austeilung ber heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Seelenamt für alle Verstorbenen ber Pfarrei. um 9 2 Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um fr1/, Uhr : Rosenkranz-Andacht mit Segen. Schluß des Rosenkranzgebets.

Freitag, den 3. November 1905.

Vormittags um 7 Uhr: Segensmesse. J

Gerichtssaal.

Gotha, 30. Okt. In dem EhescheidungSprozetz des Prinzen Philipp von Sachsen-Koburg-Gothg gegen die Prinzessin Luise sprach in der heutigen kurzen Verhandlung vor dem Landgericht ber Vorsitzende die Zu st an- digkeit des Gothaer Landgerichtes aus. Der nächste Termin findet nm 4. De^niber Natt.

Sandes urb Werkel r. Aos rswirrsffmft.

Essen a. d. Ruhr, 28. Oktober. Wie dieRh. Wests. Ztg/ erfährt, beschloß der Aufsichtsrat und die Direktion ber Gelsen' kirchenerBergwerks-Aktien-Gesellschaft einer dem» nächst einzuberufenden Hauptversammlung eine Erhebung des Aktienkapitals um M k. 1 4 Millionen und die Ausgabe einer neuen Anleihe von 3 0 Millionen Mark vorzuschlagen, von welcher vorläufig ein Betrag von Mk. 20 Millionen begeben werden solle. Weiter erfährt das Blatt, der Hatiptzweck dieses An­trages sei die Beschaffung von Geldmitteln für die Gemeinschaft Gelsenkirchen, Rote Erde und Schalke. Dazu komme noch der Erwerb eines Stamm-Anteiles der Schiffahrtsgesellschasr Raab, Karcher und Co.

Märkte.

Gießen, 31. Okt. Marktbericht, Auf heutigem Woebenmarsl kosteten: Butter pr. Pfd. 1.101.15 Mk., Hühnereier 1 St. 8-9 Pfg. 2 Stck. 00OO Psg., Ganseeier 15OO Psg., Enteneier 67 Pfg., Käs« vr. Stck. 68 Pf., Käsematte2Stck. 56 Pfg. Erbsen pr. Liter 21Psq., Linien pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr.Paar0,80- 0,90Mk., Hühner pr.Tt. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,801,80 Mk., Enten pr. Stüct 1,802,20 Mk., Gänse vr. Pfd. 6075 Pfg., Ochsenfleisch pr. M. 7282 Pfg., Knh- und Rindfleisch pr. Pfund 7072 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 8090 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 7080 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5076 Pfg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 5,005,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,006,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Pfund 10 bis 25 Pfg., in Körben 00 Pfg., Nüsse 100 Stück 3040 Pfg., Birnen per Zentner 8 bis 10 Mk. Weißkraut 0.070.10 Mk. Marktzeit 82 IIhr.

Tic Marktpreise für Bich und Frucht und die Gietzeuer Fleisch- und Brotpreisc

am 30. Oktober 1905.

Weizen 100 Kg. 19.25 Mk. «Weißbrot 2 Kg. 52 P,g.

Roggen 100 Kg. 17.5017.75 Mk. jSchwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg.

Höchste Schlachtviehpreise in F r a n f f u r t a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

Kälber Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 79-81 Mk.

l/2 Kg. Schlachtgew. 8690Ps.

V, ,, 7900

V, Kg. 72-82 Pfg.

V, , 7080 , , 80 - 90 ,

Getreidepreise in Mannheim

Brotpreise in Gießen

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktstn dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Bor kurzem wurde an dieser Stelle auf den mangelhaften Zustand der oberen Hammstraße hingewiesen. Einsender dieses will nun für den unteren Teil, vom Neustädter Tor bis zum Viadukt an der Westanlage, ein Wort einlegen. Seit Wochen befindet sich 'diese Strecke in einem fast unpassierbaren Zustande, so daß die Anwohner gezwungen sind, täglich mehren Schlammbäder zu nehmen, um auf das ebenfalls recht not' dürftige Trottoir zu gelangen. Von Uebergängen ist bei nasscni Wetter überhaupt nichts zu sehen. Ter starke Verkehr natb dem Güterbahnhof, die nicht unbeträchtliche Aalst der Anwohner dieser Straße und der Verkehr am Biebertalbahnhof, dies alle? sind Gründe genug, welche für Mhilfe sprechen. Es würden sich Mittel und Wege finden lassen, um diesen Stadtteil in einen menschenwürdigeren Zustand zu gestalten: den Anwohnern wäre dann einem dringenden Wunsche entsprochen und ihr Dank den verehrlichen Städtvätern sicher.

*

Allgemeine Anerkennung findet die reizvolle Lage uuferet lieben Vaterstadt Gießen, die wie das ewige Rom in einem lieb­lichen Flußtal zwischen grünenden Hügeln eingebettet liegt.

Weniger bekannt dagegen dürste es der Gesamtheit unserer Bürger sein, daß Gießen auch noch in einem weiteren Punkt der Siebenhügelstadt gleicht. Wir meinen die t»ontini(<fien Sümpfe. Wanderer willst du dieses erhebende Naturschaujpiä genießen, so begieb dich auf den Brandplatz wir wollte« sagen:Landgraf Philipp-Platz". Schlimmer hätten sich die bittersten Gegner des großen hessischen Fürsten nickt an seinem Andenken versündigen können, als daß sie seinen Namen durch diesen Sumpfehrten". Daß bei anhaltender Trockenheit selbst derLandgraf Philipp-Platz" ohne Gefahr des Versinkens passierbar ist, werden die Stadtväter wohl nicht zu Gunsten des seitherigen Zustandes dieser Gegend ins Feld führen, da wir leider nicht im trockenen Südwestafrika, sondern in einem Klima wohnen, das gelegentlich auch Regenzeiten mit sich bringt, was in einem kultivierten Lande feine ernsteren Verkehrsstörungen im Gefolge haben sollte. Daß aber tat­sächlich bedenfliche Verhältnisse in der erwähnten Gegend ob­walten, konnte man am Samstag abend wieder einmal satt­sam beobachten. Der mit Getreide beladene Rollwagen einer hiesigen Frnchthandlnng stak bis an die Achsen der Räder im Landgraf Philipp-Platz", so daß es selbst bei tierquälerischer Ileberanstcengiing der vorgespannten drei Pferde kaum gelang, ihn wieder flott zu machen. Gegen solche Austritte sind die bedauernswerten Anwohner diests vernachlässigten Stadtteils aller­dings mit der Zeit abgetrumpft worden, dagegen ioerden die­selben nicht aufhören in kategorischer Weise aus Gründen der Gesnndl)eit, Reinlichkeit und Aesthetik die Best--igunq dieser gänzlich unwürdigen Zustande in fordern.