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Redaktion. Expedition u.Druckerei: Schulstr. L, Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieß«.
Uchetnt tLgllch mit Ausnahme des Sonntags.
„Giehener ZamilienblLtter" werden dem B|rt neiget viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt' erscheint monatlich einmal.
Zweites Blatt. 155. Jahrgang Montag 27. November 1805
fiSÄ Q Notattonrdruck uird Verlag der Brühl'sch«
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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen
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Aus Stadt und Fand.
Gießen, 27. November 1905.
" Oberbürgermeister Mecum hat sich am Sonntag nach Berlin zur Vertretung der Stadt Gießen bei dem dort stattfindenden deutschen Städtetag begeben, (oergl. Deutsches Reich.)
** Diebstahl. Vor einigen Tagen wurde hier ein Sparkassenbuch der Frankfurter Sparkasse über 800 Mark gestohlen. Da die Kass' alsbald benachrichtigt worden war, wurde der Dieb in Frankfurt in der Person des Pflegers Wendnagel, als er im Begriff stand, das Geld durch einen Dienstmann abbeben zu lassen, verhaftet. Er will das Sparkassenbuch nrcht selbst entwendet, sondern von einem Bekannten erhalten haben. Die Untersuchung ergab, daß auch noch weitere Wertgegenstände gestohlen und auch diese Diebstähle von Wendnagel ausgeftihrt worden sind.
** Unfug. Weil er eine Polizerstrafe erhalten hatte, warf ein 5) a u s b u r s ch e in der Marburgerstraße eine Straßenlaterne entzwei. Die Polizei erhielt davon Ürnntnis und es wird sich der Bursche, der noch nicht 16 Jahre.
Der Einzug des norwegischen KönigSpaareS in Lbristiania.
Christiania, 26. Nov.
Wenige Minuten nach 12 Uhr tauchte gestern der dänische ; ItKr.pfer „Heimdall" mit der Konigsfamilie an Bord, be- t feitet von zahlreichen Kriegsschiffen, aus dem Nebel auf i iirib wurde mit Kanonenschüssen begrüßt. Tas Königspaar i •jÜfinb mit den Mitgliedern der norwegischen Regierung auf ( Txi Staatsminister Micheften hielt an Deck der „Heimdall" , dH Äe grüßungsrede (vgl. die heutige „Polit. Wochenschau), . nieraus König Haakon etwa folgendes antwortete:
„Durch das Vertrauen dieses Volkes berufen, Nor- ivegens König zu sein, werde ich all meinen Willen, all meine Kräfte einsehen, um Norwegens Wohlfahrt und itürf zu fördern. Voraussetzung dafür, daß diese meine trbeit glücken werde, ist, daß ich auf das Vertrauen imb die Unterstützung des norwegischen Volkes rechnen tarf. Ich bitte Sie, m. H., alle nach Kräften, jeder in feiner SteUung, mir diese zu gewähren."
Aach der Landung wurde die königliche Familie von C2n Behörden der Stadt empfangen und zum Empfcrngs- 1-nvitton geleitet. Hier hielt der Präsident der Stadtver- t Ettling eine Ansprache, die mit einem Hoch auf die könig- I i<je gnmifie schloß. Ter König sprach mit weithin schallen- Stimme seine Fweude über den Empfang aus. Dann ftitrn der König und die Königin, Mischen denen der kleine ilstrinz Olaf saß, in einem zweispännigen Gabcrwagen unter Sem Geläut aller Glocken und den Jubelrufen der Bevöl- Dfeniiiß durch die festlich geschmückten Straßen zum Schloß. Särtt bewillkommnete der Storthingspräsident Berner den eftniß, der mit warmer: Worten dankte. Darauf empfing •finig Haakon das diplomatische Korps und die Admirale tter frrmben Schiffe. Am Abend "war die Stadt illuminiert, inte ist der Geburtstag der Königin. Festung und Sichegsschisse gaben Salut ab Tie ftemden Admirale mach- tÄi bei dem K'önigspaar Glückwunschbesuche. Tas Volk tteakhtt den Majestäten stürmische Huldigungcm dar, als sie f fab nird) der Erlöserkirche zum Gottesdienst begaben, dem a.uch Mitglieder des Storthings und der Regierung bei- r»vhntk'n.
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Aussische MeuiqLeiteu.
Deutschland und Polen.
Die »Nordd. Allg. Ztg.^ schreibt: Die Warschauer "ß«Ise fährt fort, die schwindelhaften Gerüchte über mische Gelüste zur Einmischung in Polen auSzu- »ftinnen. Neuerdings wird verbreitet, das in Galizien Mobil- , maLung angeordnet sei, und zwar als Gegenmaßregel gegen dn von deutscher Geile deobfichtiote Einmischung in die ML-polniscben Angelegenheiten. Deutschland habe seine Lltstchi noch Wien mitgeteilt, habe aber dort keine Billigung , pfunbrn. Auch bei dieser neuen Version handelt rt sich l ttitzlich um Erfindungen. Da Deutschland niemals die Ab- s^t einer Einmischung hatte, konnte eS von dem Bestehen gin solchen Absicht auch nicht in Wien Mitteilung machen. 53g eine solche Mitteilung nicht gemacht wurde, kann sie auch ni^l Anlaß zu einer Mobilmachung in Galizien gegeben fy^btn. Die polnischen Blätter stützen also eine Lüge immer d!»ich die andere.
Der Kongreß der SemstwoS
linü der Städte zu Moskau beschloß mit 156 gegen 12 (Ritimm en bei zwei Stimmenthaltungen die ev d!oe-Annahme wm gonzen vom Bureau deS Kongresses vorgeschlagencn Rlchtuüion. In der Beratung über die Polenfrage machte FM Dolgoruki Mitteilung über die Quelle de« Gerüchts vvi einem vorgeblich drohenden Einmarsch deutscher T Wuppen in Polen. Angeblich habe nämlich der E'snneealgouverneur von Warschau Skalon beim Ed iwsaing der Deputation in deutscher Sprache gesagt, er htadl? doch sehen, wie die Polen sich halten würden, wenn Wilhelm mehrere Korps nach Polen herüberwerfe, um flüHe zu schaffen. Redner meinte, falls Skalon derartiges .icoMidj) gesagt habe, müsse er vor der ganzen zivili- Ffinden Welt gebrandmarkt werden. Tokarti führte n uH, an eine deutsche Intervention sei nicht zu denken. SWichtpkin versicherte, in seinem Gehirn habe der Gedanke fctiinm Raum, daß der Monarch Rußlands sich auswärtiger Iklftl-rftützung habe versichern können. Gutschkow, der energisch jßmn die Autonomie protestierte, weil das Bestehen seperatisti- schh« Bestrebungen in Polen nicht zu verkennen sei, erinnerte inim He sich hartnäckig erhaltenden Gerüchte, daß Deutsch- Ü «Id nb eine Note gesandt habe, in der cs den Einfall in rajdm androhe für den Fall, daß dieses die Autonomie er- HUllk. Bei der Abstimmung über die poln. Frage nmrden n:iri{!Fc<mmen: Aufnahme der Autonomieforderung in 1) Ürdloiemeine Kongreß-Resolution mit 167 gegen 12 Stimmen, ^•tang der Aufhebung des Kriegszustandes mit 170 gegen 4* Stimmen, Aufnahme der Forderung der Autonomie für in das Programm der ReichSduma mit 176 gegen ,21 klimmen, Verlangen nach zeitweiligen BcruhigungSmaß- rvyitn und nach Freiheit deS Gebrauches der polnischen S^rach»r mit 174 gegen 3 Stimmen.
Der Bauernkougreß.
Ter Bauernkongrcß in Moskau ist geschloffen föfabem, nachdem er eine Resolution gefaßt hatte, Ende einen zweiten allrussischen Bauernkongreß einzu- PÜM'kM. In der ReichSduma wollen die Bauern die Auf- hie-bunig der ständigen Armee und ihre Ersetzung sine Volksmiliz anstreben.
Meutereien in Sebastopol und Charbin.
Dcer Admiralstab der Marine teilt aus Sebastopol rmti: Die Ereignisse in Kronstadt fanden ein Echo bei der tyldte des Schwarzen Meeres. Admiral Tschuknin berichtet, dctßdie;Matrosen unter dem Einflüsse der sozialistischen Pscspcoganda in Sebastopol eine Reihe von Kundgebungen D60C4n|li.aUcten. Die Bewegung breitete sich über verschiedene
Auszeichnungen zu ohhe zogs Geburtstag.
Außer ben bereits veröfsentlichten Auszciclnningen erhielten des Silberne firer- deS Verdicnswiveus Philipps des Yiroßmütigen: GardeSergeant Göl5, sowie die Garde-Unteroffiuere totorF und Scbwin n in der Gro^h. Garde-.Unteroffizier-K'vTTrpagnre: Lberwackitmeister Seibel, die Wachtmeister Schneeberger und Haus, sowie der 6er. Gendarm Dietz, mt 0>roßh. Gew« darmcrie-Korps. , ~ w
Kaufmann und Stadtv. 'i'h.wdor Stemmer m Darmsta» das Ritterkr"uz 2. Kl. des Verdienüor-dens Phuwps des Gro^-. mutigen, und Hoffiitscher i. P. PH. G ö risch in Worms das Ml- gemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift ,,Fur ^ue -.rcnsve^.^
D<s Ritterkreuz 2. Klasse des Vcrdtenswr^ns Vhil'pvs deS Großmütigen- .Hofkmzleisekretär Hch< Meinhard, Hoflellev- meister Tb. Schmitt, Hofgärtner Fnedr. W e t g o I d und öoj-t gärtner Ludw. Dittmann: das Stlberne Kreuz dessew«r drdens: Hoffvurier Ioh H a b e r k o r n , Schloßperwalter HA. Obst zu F-riedberg. Sä^loßvertvaltcr Hch. Günther zu Wolf» garten und Hvfkoch Ludw. Kloß. ... .
Das Ritterkreuz 2. Kl. des VerdieTrstordcns Phü'VV^ des Großmütigen Hofkanzleisckretär striedr. Engel: daS Sübemc Kreuz desselben Ordens Setlelmeister Rob. Muller; das Ml gemeine Ehrenzeichen" mit der Inschrift ..I ür treue Dienste Vvftettknecht Konr. Ior: di-- Hoffittscher Phil. Reichert und Gg. Gerst, dem Hvfwagenwärter Christian Döring.
DirektionSrat Ludw. 25 i n t c r das Ritterkreuz 1-.Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen; vauptkassier ixS (^rof-b. .^esibetters Rechmmgsrat Peter Wambold das R:tter> kreuz 2. Kl des Verdienstordens Philipps des Grotzimuttgen^ Oberinsvelier am Großh. Hoftheater Ern^. S/)w crdt fe gev, das Ritters..... 2. Kl. desselben Ordens. Tre Hofmusiker Franr
Köhler, Iritz Mchmel, Will). Omnus, Emrl Schultze und Rich. Walter wurden zu Kammernmsiker ernannt
s Ritterkreuz 1. Kl. des Vcrdimstordens Phrstpvs des Grv»-' mutigen: Postdir^kter Gg. Blaß zu Darinstadt, Postrat Rach. Rogetzktz zu Darmstadt: das Ritterkreuz 2. Kl. desselbA Ordens- Ministerialregistrator bei dem Staalsmmchter'.um Rech^ nunasrat Phil. Spam er, die Oberrechnungsrevrsoren der dev 2 Iustisikaturabteilung der Ober-Reckmungskammer, RechirungS- räten Hch. Graubert und Ludw. S ck» m i t t zu Darmstadt, Dbey Postsekretär Hermann Plaz in Mainz.
Das Allgemeine Ehrenzeichen mtt ber Fnschnst „S-ur wng iährige treue Dienste" am 2saude des Verdienstordens PH>luw» des Großmütigen: Ober-Postschaffner Hch ^olz m ^.armstadt.
Tas Mlgemeine Ehrenzeichen m't der Fnschrcht „Für^langjährige treue Dienste": Ober-Postsch ffner Hch Seim rn Dcmn- stadt, Briefträger Ioh. Müller in Marnz, Postschaffner Ogu Lücker in Darmstadt. <.
Der Charakter als „Rechnungsrat" Oberrechnungsrevrsor M der zweiten Justifikaturabteilung der Ober-Rechnungskanrmer Christoph W e sp. „
Der Charakter alS „Kwnrleira^ Ministerial-Kanzlei-Fnsverwv bei dem Staatsministerium Adam Neuling, Kunzlei-Jnspekt« bei der Oberrechnungskammer Kvrl Klotz. 3
Das Ritterkreuz 1. Kl. des Verdienstordens Milivps, deS Großmütigen : Pfarrer Karl Agnntius zu Dolgesheim, Vbe^ lehr er an dem Realghnmasium zu Darmstadt Prof. ®r. Baly, Oberlehrer an dem Gymnasium m Worms Prof. spritz Becker, Reichsbankdirektor Franz Dietrich zu MaMT. Dekan Geistlich-r Rat Dr. Friede. El, zu Drrmstad^ Oberleyretz "N dem Schullehrerseminar zu Bensheim Prof. Wilhelm Fleg-- ler, Pfarrer Ludw. Göhrs zu Bickenbach, Beigeordn. de^ Stadt Mainz Kommerzienrat Eugen Haffner, Oberlehrer an, dem Realgymnasium und der Obcrrcalschule zu Mainz Prof., Dr. Peter .Heinrichs, Dir-ktar der Taubstummenanstalt -w Bensheim Wilb. Hemmes, Pfarrer Gg. ?ldam Herrmanw' zu Gernsheim, Oberregierungsrat und Bortr. Rat im Ministerium des'Innern Franz H öl zin g er zu Darinstadt, TiEow des Seminars für Bolksschüllehreri ’m zu Darmstadt Dr. PHL Jacobi, Beigeordn. der Haupt- imb Residenzstadt Tarmstad« Bziurat F-riedr. Jäger, Oberlehrer an dem Gymnasium zu Offens bach Prof. Dr. Hans KeuKer, Direktor des Gymnasiums $nf Bensheim Dr. Friedr. Kieier, Direktor der Real- und Land- wirtschaftsfchule zu Groß-Umstadt Dr. Wilh. Lahm, Kreisa^V des KreisgesundbeitSamts Darmstadt Medizinalrat T-r. Ludtv. Le hü zu Darmstadt, Kaufmann Eugen Lipp zu WormS, Direktor «s Gymnasiums zu Worms Dr. Rich. Löbell, Direktor bet werde- und Handwerkerschule Dr. Ferd. Meise! zu Darmstadt, Fabrikant Dr. Willy Merck zu Darmstadt, Oberlehrer an bentf Gymnasium zu Offenbach Prof. Dr. Beruh. Metz, Rittmeisteck z. D. Ernst Nägels, Sekretär des LandesvserdezuchtvereiNs,, zu Darmstadt, Bürgermeister der Stadt Bingen Frz. N e ff, Dbew lehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschile zrr^ Mainz Prof. Dr. Aug. Nies, Kaufmann Gust. Ad. Ritteri zu Worms, -Oberlehrer an der Diktorrafchule und dem Lehrermnen-, seminar zu Darmstadt Prof. Tr. Jul. Röll, Rabbiner Dr., Sigm. Salfeld zu Main’, Oberlehrer an dem Herbitgymnasium zu Mainz Prof. Dr. Ludw. Schaum, dem ordentl. Professor der Botanik und Direktor des Botanischen Gartens der Techn. Hochschule Dr. Hch. Sckenck zu Darmstadt, Oberlehrer an bet Oberrealschule zu Darmstadt Prof. Dr. Christoph Schmehl, Pfarrer Johs. Schneider zu Neckar-Steinach, Oberlehrer mt dem Realgymnasium zu Darmstadt Prof. Dr. Frch. Scriba, Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Oberrealschule zu! Mainz Prof. Dr. Gustav Storck, Pfarrer Jvhs. Stu mH? zu Dieburg, Oberlehrer an dem Ostergvmnasium zu Mainz Prof. Johs. Vogt, Obeafehrer an der Oberreaffchule zu Offenhachs Prof. Dr. Erwin B o l ck m a r, Oberregierungsrat und Vortr. Rat im Ministerium des Innern Dr. Eugen W a g n e r zu Darmstadt. Kreisamlmarrn bei dem Kreisamt Darmstadt Regierungsrat, Dr. Ferd. Wüst, Oberlehrer an dem Ludwig Georgs-Gymnasiumv zu Darmstadt Prof. Dr. Otto Zimmermann.
(Fortsetzung folgt.)
£>cereßteilc auS. Bei einer Versammlung wurde A dmira l PissarewSkg schwer verwundet.
Nach anderen offiziösen Meldungen unterscheidet sich die Meuterei in Sebastopol von der Kronfiadter durch den Beschluß der Matrosen, welchem sich die Arbeiter der Admi- ralität angeschloffen haben, nicht zu plündern, nicht ju morden und für die Aufrechterhaltung der Ordnung Sorge zu tragen. Das Regiment .Brests ging zu den Meuterern ftber, nachdem sie den Festungskommandanten, den Regimentskommandeur und fünf Offiziere ver- haftet hatten. Die Einwohner flüchten ans der Stadt. Tie Meuterer erzwangen die Einstellung de8 BabnverkehrS. Dem Reuter'schen Bureau wird telegraphiert, daß die meuternden Matrosen einen Offizier getötet haben sollen. Dem Ehefadmiral gaben die Metiterer auf, innerhalb dreier Tage die Stadt zu verlaßen. Der Ernst der Lage scheint noch zuzunehmen; von Odeffa sind Truppen nach Sebastopol abgegangen.
Nach Privatnachrichten au8 Charbin meuterten Abteilungen der Mandschurei-Armee, darunter die Besatzung von Charbin, welche die Stadt in Brand setzte. Die Behörden find machtlos. Die Offiziere wie ärztliches Personal befinden sich in Lebensgefahr.
Ter AuSstand in Moskau nimmt wieder an Umfang zu. lieber tausend Personen warfen die Fenster einer Weberei ein, drangen alsdann in dieselbe ein, demolierten die Maschinen und warfen die fertigen Waren auf die Straße, während andere Personen sie fortschleppten. Tann drangen sie in die Burearls ein und vernichteten sämtliche Geschäftsbücher. Ms sie sich anschickten, die Wohngebäude zu demolieren, wurden sie von Dragonern zerstreut. Mhnliche Plünderungen fanden in zwei weiteren Moskauer Fabriken statt. Ter Straßen- bahncrausstand dauert fort.
Die agrarischen Unruhen haben sich nun auf die Gouvernements Noschazlzu und Smolensk ausgedehnt. Im Gouvernement Woronesch steckten die Bauern das Eigentum des Herzogs von Oldenburg in Brand.
AeierltchLetten zum Keöurlslag S. K. K. des Kroßgcrzogs.
Den offiziellen Festakten der Schicken, des Militärs rrsw. folgten am SarnStog abend zahlreiche besonder Vereinsfeiern, die nach den uns vorliegenden Berichten alle bestens verliefen und dem patriotischen Sinn der Einwohner HeffenS das beste Zeugnis ausstellen.
AuS Odenhausen wird uns berichtet: Heute abend feierte der Gesangverein, wie alljährlich, den Geburtstag unseres GroßherzoqS. Zu der Feier waren die mtt Orden bedachten Bürgermeister Lang, Lehrer Schweitzer und Kaspar Roll eingeladen worden. Nach einem paffenden Liede hielt der Präsident, StattonSvcrwalter Weber, die Festrede, die mit einem Hoch auf den Großherzog schloß. Weitere Gesänge deS Vereins verschönerten den Abend. In einer weiteren Ansprache gedachte der VereinSpräfident der Dekorierten. Bürgermeister Lang erwiderte, es sei für ihn eine Freude gewesen, durch die Gnade deS Landesherrn ausgezeichnet worden zu sein. Er faffe für ihn und seine Mitdekorierten alle Wünsche und den Dank in die Worte: ^Seinc Kön. Hoheit möge lange lange Zeit zum Segen deS Lande? regieren". Sodann folgte eine Ansprache de« LehrerS Schweitzer mit einem Dank für die Worte deS Präfidenten, zugleich daS treue Gefühl für den Landesherrn aussprechend, deffen Liebe Alle umfasse. Darum sei eS Pflicht, daß jeder Hesse in Treue seines Berufes walte, wodurch Segen für Gemeinde und Staat erwachse. Die Gemeinde sei mitgeehrt worden, indem drei Angehörige deS kleinen Ortes Auszeichnungen erhalten haben.
Eine hübsche Feier veranstaltete, wie uns geschrieben wird, auch die israelitische Gemeinde in Lich, die einen erhebenden Festgottesdienst veranstaltete.
R.B. Darmstadt, 26. Nov. Den GlanMmkt der Festlichkeiten zum Geburtstag unseres Grvßherzogs bildete die Festvor stellnng im Hoftheater, für welche die große Oper von Saint Säens „Samson und Ta- lila" bestimmt war. Die Vorstellung bot ein besonders festliches Gepräge durch dre vielen Uniformen, die hellen Toiletten der Tomen und namentlich durch die zahlreichen Ncudckorierten, die während der Pausen Foyer und Wandelgänge ausfüllten und die stereotypen Glückwünsche cntgLgennahmen. In der großen Hofloge wohnten das Großherzoglick)e Paar, Prinzessin Heinrich von Pi'eußen, Prinz und Prinzessin Fran^ Josef von Battenberg, die fürstlich Svlms-Licher und bte fürstlich Erbach-Schänberg- scben Herrschaften bei. Die 'Aufführung war eine Musterleistung unserer Hofoper. Dw Partie der Dalila hatte Frau Gitta Tolli, früher hier, jetzt am Stadtthrater zu Bremen, übernommen und führte sie gesanglich wie darstellerisch in bester Weise durch Ihr Partner Samson war Herr Spe- mann, der in dieser Rotte eine Glanzleistung ersten Ranges bot. Ten Oberpriester des Dagon fang anstelle des erkrankten Herrn Weber der Baffist des Frankfurter Opernhauses, Herr Richard Breitenfeld; er war gleich hervorragend in Gesang und Spiel imt) wurde ebenso, wie die beiden Vorgenannten, unter sturmisch"m Applaus oftmals vor die Rampen gerufen. Vortrefflich waren auch die Herren Riechmann als alter Hebräer und Gaßner als Abi Melech. Mle Anerkennung verdiente auch das Hof- orchester untex Hofrat d e H a a n, und die prächtige szenrsche Ausgestaltung unter Herrn Valgecks Leitung. Ein paar effektvolle Dalleteinlagen, Tanz dcr Priesterinnen des Tagon und Bacchanale rm dritten Mt, arrangiert von der Battetmcistereiu Frau Tbiele-Leonb-crrdt, trugen viel zur Erhöhung der Festai'ffüln-'mg bei. — Nach Schluß der Bor- - stellnng war im Residenzschog noch F ' st t a j e 1, an welcher । alle hier weilenden Fürsttichkciten tciluahmen. Am Nach- i mittag hatten dieselben mit dem Großherzogspaar einen : größeren Spaziergang durch die Stadt unternommen.


