richtsdirektor Hasse hat sich nach Berlin gewendet, auf' einen Erpresser geschossen, und sich dann der Polizeibehörde gestellt. Haffe leidet an hochgradiger nervöser Depression infolge seiner Schuldenlast. Der Erpreffer ist ein 19- jähriger stellungsloser Kaufmannsgehilfe namens Lächel. Haffe ist, nachdem er L. am Donnerstag abend durch einen Schuß leicht verletzt hatte, zwei Tage planlos in Berlin umhergeirrt und hat sich dann der Polizei gestellt. L. ist in Hamburg dingfest gemacht worden, doch ist es noch nicht gelungen, seinen Komplicen zu ermitteln. In der Sache selbst soll es sich um eine belanglose sittliche Verfehlung handeln, die angeblich nicht einmal strafbar ist und zu der sich der Beschuldigte in einer momentanen Verwirrung hat hinreißen laßen. Seine ursprünglich gehegte Absicht, die Täter zur Anzeige zu bringen, hat er später wieder fallen lassen und den Erpressern immer mehr Geld geopfert, so daß er durch fortgesetzte Aufnahmen von Darlehen zu hohen Zinsen schließlich ruiniert wurde. Hasse leidet übrigens an einer schweren Zuckerkrankheit und war außerdem durch die Verfolgungen durch die Buben und seine trostlose finanzielle Lage in letzter Zeit schwer deprimiert. Seine Suspension vom Amte ist noch nicht erfolgt, da wohl die völlige Klarstellung der Affäre abgewartet werden soll. Hasse führte ein durchaus einwandfreies Leben; seine Breslauer Berufsgenossen haben von der über ihn hereingebrochenen Katastrophe mit allseitigem Bedauern Kenntnis genommen. Der in Hamburg verhaftete Lächel war in einen am 15. Juli verhandelten Strafprozeß wegen Sittlichkeitsvergehen nach § 175 des Strafgesetzbuchs verwickelt. Lächel wird zunächst zur Aburteilung nach Breslau transportiert werden. Es bestätigt sich, daß er dem Landgerichtsdirektor Hasse 4 0 000 Mk. abgenommen hat. Die Erpressungsbriefe waren in verschiedenen Orten, auch in London aufgegeben worden.
* Kleine Tageschronik. In Brontetz '(Schlesien) wurde der Auszügler Wiendlocha in seiner Wohnung durch einen Schuß durch das Fenster getötet. Wegen dringenden Verdachts der Täterschaft wurde der Sohn des Ermordeten ver- haft et. Vater und Sohn standen seit längerer Zeit im Prozeß miteinander. In Rudolstadt ist bei einem Stubenbrand ein ftinfiähriges Kind verbrannt. Zwei andere Kinder, die bewußtlos geworden waren, konnten gerettet werden. — Aus Napoleons Geburtshaus in Ajaccio, das gegenwärtig als Museum benutzt wird, wurden zahlreiche Reliauen und Kun st schätze geraubt. — In Zürich hat ein Mann Namens Tschudin seine ganze Familie, Mutter und drei Kinder, und dann sich selbst erschossen. Tie Motive der Tat liegen in Geldsorgen. — In Biber st ein bei Aarau (Schweiz) Lötete der 19jährige Konditor Dürst aus Stuttgart seine Geliebte, die 21jährige Frida Heuptli aus Biberstein und erschoß sich darauf selbst. Tie beiden waren in Geschäften in Zürich tätig und besuchten zu Neujahr die Eltern des Mädchens, die ihre Einwilligung zur Heirat verweigerten. — In Stockholm erkrankten nach einem Vercinsfest im Grand Hotel mehrere hundert Personen, wovon einige bereits verstorben sind. Nachdem Tvphoidfiebcr festgestcllt, ist die Niffachc in der Verwendung unfiltrierten Flußwassers zum Gemüsespülen ermittelt worden. Tie betreffende Leitung wurde sofort beseitigt. — In der schweizerischen Gemeinde Wihl wurden im Walde einige Holzmacher, als sie beim Mittagessen saßen, von einer angesägten Tanne, die vom Sturme umgerissen wurde, erschlagen. Zwei waren sofort tot, drei wurden tödlich verletzt.
* Ein Abgeordneter unter schwerem Verdacht. Aus Rom wird geschrieben: Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Abg. Vertoni dre Untersuchung wegen Erbschleicherei und Testamentsfälschung einge- leitet. Vertoni soll, um1 in den Besitz des sehr großen Vermögens seiner verstorbenen Gattin zu gelangen, eineu Gerichtsbeamten bestochen, und zur Anfertigung eines „«letzten Willens" der Verstorbenen verleitet haben.
Kunst und Wissenschaft.
D a s Befinden H e n r i k I b s e n s ist, so schreibt man ans Christiania, seit der letzten Woche recht befriedigend gewesen, und die Mattigkeitsanfälle haben sich nicht wiederholt. Sein Arzt erklärte dieser Tage, daß die Indisposition flach den Mattig- keitsanfillen, die früher sehr häufig waren, wieder ganz verschwunden ist;. Jbseil befindet sich jetzt im ganzen genommen sehr wohl, er ist schon wieder außer dem Bette, doch muß er sich in seinem Zimmer noch ruhig halten. Sein Zustand erlaubt ihn: - nicht, Besuche Fremder zu empfangen. Er ist seit kurzem jeden Tag während der Promenadenzeit wieder au seinem Fenster sitzend zu sehen, und er interessiert sich sehr lebhaft für alle Tagesfragen. Selbst zu lesen ist er allerdings noch nickt wieder im stände, da er sich aller Geistesarbeit enthalten muß.
In Paderborn ist am 4. Januar die Romanschriftstellerin Ferdinande F re i i n von B r a ck e l gestorben.
— R. v. Bennigsens erstes Urteil über M i q n et ist in einem Briefe ausgesprochen, den er am 16. Oktob«er 1854 (wie wir einer Veröffentlichung Onckens entnehmen) aus Göttinnen an seine Braut gerichtet hat. Dort lernte er unter seinen Tischgenossen den jungen Advokaten Miquel kennen, den er „von allen jungen Leuten, die ich bislang im Leben kennen gelernt habe, für den bedeutendsten an Geist. Verstand und Wissen halte",
Sport.
Das nächste Gordon-Ben net-Renn en findet, wie wir bereits mitgeteilt haben, in der Auvergne statt. Es soll von Clernlout ausgehend, die Orte Rovat, Rochefort, Bourg-Lastec, Herment, Pontaumur berühren und über Poutgibaud wieder nach Clermont zurücklaufen. Tie Strecke geht mitten durch ansehnliches Bergland, dessen höckffte Gipfel bis zu 14-, 15-, ja 1900 Meter hinanstreben. Tas Plateau der Auvergne ist vulkanischen Ursprungs, rauh, wenig bewaldet, von zahllosen tiefen Schluchten durchzogen. Kann man schon hieraus ahnen, daß die Franzosen keinen leichten Weg für das Bennet-Rennen erwählt haben, so muß man über Urteile von Fachmännern geradezu staunen, die diesen Circuit in Augenschein genommen haben. Mit Vrasier und Thörh, dem siegreichen Fabrikanten und dein siegreichen Fahrer von 1904, wurde die Strecke von Ms. Caillois, einem erprobten Antomobilspczialisten vor der endgiltigen Wahl besichtigt. Dieser urteilte: „Ich halte dm Rennweg in der Auvergne für unmöglich. Ihn annehmen, hieße die Fahrer in den Ted schicken. Man hat das Recht und die Pflicht, eine sehr- schwierige Route zu suchen, aber man kann in diesem Bestreben den Konkurrenten einenNennweg znmuten, der erschreckend gefahrvoll ist." Und Ms. Vrasier, dessen Meinung sicherlich mit der Th6rvs, des unerschrockenen Lenkers der durch den Homburger Sieg be- rtifimt gewordenen „Nr. 5", zusammenfällt, depeschierte aus Clermont-Ferrand: „Wir haben soeben den Circuit beendet. Ich bin entsetzt in dem Gedanken, Rennwagen könnten auf eine so ge- fahrreiche Route gesetzt werden." T^r Vorsitzende der Sportkommission schilderte dem Komitee den Renn weg als einen solchen, der dem nach dem Homburger Sieg gefaßten Komiteebcschluß vom 29. Juni durchaus entspreche; er vereinige alle Schwierigkeiten, welche man zur Sicherung des Sieges für einen Wagen nur wünschen kann, der nicht nur sehr schnell, sondern auch sehr lenkfähig sei: in der Auvergne handle es sich nicht nur darum, sehr steile Hänge zu erklettern; das können alle Wagen mit modernen Motoren; es komme vielmehr auf einen Rennlveg an, der zu häufigem und raschem Wechseln der Geschwindigkeiten, zu unauib'-rlichem Ein- und Auchchalten des Motors zwinge, und caS fc( in der Auvergne vollauf der Fall. , Das Gesamtkomitee des Autonwbilklubs nahm darauf den Michelin-Circuit einstimmig an
Kerichtssaal.
Berlin, 4. Jan. Wegen B elei digung des Aerzte- standes irmrbe der Redakteur Gerling heute zu einem M onat Gefängnis verurteilt. Gerling hatte in einem Vortrag in dem hiesigen Verein für Naturheil künd e heftige Angriffe gegen eine „gewisse Kllque unter den Aerzten", die den Laien Praktikern feindselig gegeilüberstehen, gerichtet und in diesen beleidigende Ausdrücke gebraucht.
In dem Prozeß der Judenkrawalle in Homel (Rußland) haben nach zehnwöchigen Verhandlungen sämtliche Verteidiger der jüdischen Angeklagten ihr Amt niedergelegt. Sie behaupten, daß fortwährende Unterdrückungen seitens des Gerichtshofes ihnen eine weitere pflichttreue Teilnahme an dem Prozeß zur Unmöglichkeit machen. Tie Angeklagten verzichteten tmranf auf amtliche Verteidiger. D ie Verhandlung wurde vertagt.
Kandcl und Werkchr. WolkswirtflHast.
Die Hessische Landes-Hypothekenbank sandte uns folgenden vorläufigen Bericht über das Geschäftsjahr 190-1: Tie Weiterentwickelung der Hovothekenbank im zweiten Jahre ihres Bestehens ist durchaus befriedigend gewesen. Tie Hypothek- darlehen (von feiten der Bank unkündbar, mit 33/1 Proz. verzinslich und ausschließlich nach dem Amortisations-System gegeben) haben u!m rund 15V? Millionen Mark zugenommen; sie betragen jetzt etwa 24Vt Millionen, während die Kommunaldarlehen eine Steigerung um Million erfuhren und sich nunmehr auf 614 Millionen Mark belaufen. Der Absatz der Obligationen, di' im ganzen deutschen Reichsgebiet mündelsicher sind, ist unschwer und ohne Unetrbrechung von statten gegangen. Ter Umlauf 3^? prozentiger Hvpotbeken-Pfandbmefe bat sich um rund 13 Mill. Mark auf 201/o Millionen, derjenige 31/2Prozentiger Kommunal- Obligationen um 33/4 Millionen aui 5s/t Millionen Mar? erhöbt. Tie erzielten Kurse hielt-m sich durchschnittlich in der Nähe des Kursstandes der reinen hessischen Staatspapiere. (Sine Aende- rurtg ist seit Anfang Juli nicht zu verzeichnen. Für die Emissionen an den Börsen zu Berlin, Frankfurt a. M. und München ist die Bank wieder vom Prospektzwang entbunden worden auf Grund der besonderen Struktur des Instituts, das eine staatliche Gründung darstellt und vor: Staatsbeamten verwaltet wird. Tie Einführung der Werte an der Leipziger Börse befindet sich in Vorbereitung. Im Berichtsjahre ist die Erhöhung des Grundkapitals durchgeführt worden, das nunmehr 9 0 0 0 0 0 0 Mk. beträgt.
fc. Gernsheim, 4. Jan. In dem Konkursverfahren über die Rheinische Zuckerfabrik, das drei Jahre^ gedauert hat, fand gestern der Schlußtermin statt.. Tie ca. 5000 Gläubiger erhalten als Restzahlung noch 15 vier Zehntel Prozent. 10 Prozent haben sie bereits früher erhalten.
Japanischer Reiszoll. Ter von der javanischen Regierung vorgeicklagene Reiszoll findet, wie vorauszusehen war, in der javanischen Presse starken Widerspruch. Es wird u. a. gesagt, daß die Erfahrung lehrt, daß alle Produktionskosten von dem Preis des Reises abhängen. Tie Regierung würde nrt dem Zoll, der ihr doch nur eine verhältnismäßig kleine Einnahme bringt, das Leben t>er Untertanen verteuern, was in der gegenwärtigen Kriegszeit sehr bitter empfunden^ würde.
Die Bewerbung um die Hessische Anleihe. Tie Ausschreibung auf die erste im neuen Jahre zur Begebung gelangte Anleche eines deutschen Bundesstaates hat ein f e h r i n t er- essantes Resultat geliefert. Den Zuschlag erhielt eine aus der Seehandlung, der Tiskontogesell schäft und der Darmstädter Bank gebildete Gruppe, welche mit einem Angebot von 87,12 Prozent die anderen Gebote weit übertraf. Eine weitere Gruppe hatte fick mit der Deutschen Bank und der Dresdener Bank an der Spitze gebildet. Ihr Gebot blieb allerdings um etwa 1/2 Prozent hinter der Offerte der erstgenannten Gruppe zurück Das Höchstgebot auf die 3proz. Hessische Anleihe gab mit 87,12 Proz. die Gruppe der Seehandlung, der Darmstädter Bank, der Diskontogesellsckaft und der Pfälzischen Bank ab, welche den Zuschlag erhielt. Tie Gruppe der Deutschen Bank und der Dresdener Bank hatten sich vereinigt und boten mit den Bankfirmen Speyer-Ellifserr, S. H. Stern, her Deutschen Effekten- und Wechselbank, der deutschen Vereinsbank, der Bankfirma L. und E. Wertheimber, der Sächsischen Bank, der Rhein. Kreditbank, der Hannoverschen Bank, der Württembergiscken Vereinsbank und der Württembergischen Bankanstalt 86,62 Proz. rmd bei entsvrechender Zinsenbcrechnnng 86,77 Proz. Weiter hatten die Bankfirmen Delbrück Leo u. Co. die Nationalbank für Deutschland, L. Behrens Söhne, F. W. Krause u. Co., die Hamburger Vereinsbank, die Mitteldeutsche Kreditbank, der Schaaffhauserrsche Bankverein und die Firma Warburg u. Co. ein Angebot mit 86,37 Proz. gemacht. Endlich soll ein Gebot von 87,07 Proz. abgewiesen worden sein, toorüber indessen noch nichts positives bekannt ist.
Märkte.
ke. F r a n k s u r t a. M., 5. Jan.-'' (Telegr. Orig.--Vericht des „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 7 Ochsen, 0 aus Oesterreich, 1 Bullen, 00 aus Oesterreich, 56 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 ans Oesterreich, 645 Kälber, 120 Schafe und Hammel. Bezahlt wilrde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68—70 Mk., 3. Qual. 59—63 Mk.; Bullen 1. Qual. 61—63, 2. Qual. 00—00; Kühe 1. Qualität 67-60 Mk., 2. Qual. 64-66 Mk., 3. Qual. 54—56 Mk., 4. Qual. 45—47 Mk., 5. Qual. 00—00 Mk. Kälber 1. Qual. 75—80 Psg., Lebendgewicht 45—48 Pfg., 2. Qualität 59—62 Psg., Lebendgewicht 43 — 45 Pfg., Schlachtgew. 57—61 Pfg.; Schafe: 1. Qual. 68—70 Pig., 2. Qual. 62—00 Psg. Geschäft bei Hornvieh rnittelmäßig, Ueberstand im- bedeutend, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.
Israelitische Neligionsgemeinde.
Hotlesdientt in der Synagoge (Lüdanlage). Samstag, den 7. Januar 1905.
Vorabend 4.30 Uhr.
Morgens 9.00 Uhr.
Nachmittags 3.30 Uhr.
Schrrfterklärung.
Sabbathausgang 5.25 Uhr.
Israelitische Neligionsgesellschast.
Gottesdienst.
Sabbathieier am 7. Januar 1905.
Freitag abend: 4.15 Uhr.
Samstag vormittag: 8.30 Uhr.
Predigt.
Samstag nachmittag: 3.30 Uhr.
Sabbathausgang 5.30 Uhr.
Wochengottesdienst: morgens 7.10, abends 4.00.
Familien Nachrichten.
Verlobte. Hedwig Koch (Vauimvieser - Hoff und Karl Flemming (Büdingen).
Giesxencr landwirtschaftlicher Wetterdienst.
Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 6. Jaitnar 1905: Meist trüb, doch zeitweise etwas ausklärend, geringe Regen- und Schneeschauer, nad) milderer Nacht tagsüber etwas kälter, starkwindig.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte, l ......■■■!■■—''■ '—«» ' — 1 ......... .
Neueste Meldnnaen.
Originaldrahtineldilttgeir des Gietzener Anzeigers.
Berlin, 5. Jan. Wie die „Tägl. Rundschent" erfährt, regte der Reichskanzler in einer Verfügung an die ihm iinterstellten Behörden an, bei Vea ntlvorttl n g eitler Frage, die von legitimierten Vertretern vonZeitung e n an Beamte gerichtet werden, und die 3111* Erteilung von Auskünften befugt sind, nicht unnötig Zeit verstreichen
zu lassen, sofern nicht der Erteilung der Ausrunfl ustN denken entgegenstehen.
Berlin, 4. Jan. Gestern nachmittag fanden die ersten- Beratungen der nach Berlin gekommenen österreichischungarischen Handelsvertrags - Delegierten mit den deutschen Regierungsvertretern unter Leitung des Grafen Posadowsky statt und haben bis in den späten Abend hinein gedauert. In maßgebenden Kreisen sieht man sich der bestimmten Hoffnung hin, daß sich doch noch ein' gangbarer Weg finden wird, um die Handelsverträge inj beiderseits befriedigender Weise zum Abschluß zu bringen.
Berlin, 5. Jan. Die Polizei verhaftete dieser-' Tage den aus Lauchheim stammenden angeblichen Bankier' Ludwig Kaufmann, der wegen Betruges flüchtig ge» worden ist. Kaufmann hielt sich in der Villa seines Bruders in Groß-Lichterfelde verborgen. — Der hiesige Rechts- anwalt Ubbelohde hat sich am 11. d. Mts. vor der
Strafkammer wegen Unterschlagung ihm anvertrauter
Gelder zu verantworten.
Stuttgart, 5. Jan. Ter Tiermaler Braith ist gestorben. Er bat seine Gemäldesammlung dem Altertums-Verein in Biberach vermacht. Ein namhaftes Kapt" tat wird nach dem Tode seiner beiden Neffen dem Münchener Kunstverein zusallen.
London, 5. Jan. ^Morning Leader^ meldet aus Kopenhagen: Dort anwesende russische Flüchtlinge seien überzeugt, daß in Rußland binnen wenigen Monaten eine Revolution ausbrechen werde. Die Kopenhagener Zeitungen veröffentlichen Mittellungen offiziösen Ursprungs, lvorin erklärt wird, daß die russischen Grenzbehörden von einer befreundeten Macht benachrichtigt worden seien, daß ein sehr bedeutender Waffen- und Munitions-Schmuggel über bie- Grenze betrieben werde.
London, 5. Jan. „Daily Telegraph^ berichtet au§', Kairo vom 4. Januar: Infolge der Pläne, betreffend den Bau eines neuen Suezkanals, beabsichtige die jetzige- Suezkanal-Gesellschaft, die Tonnengebühr von 81/2 aus 8 Frcs, per Tonne herabzusetzen.
Paris, 5. Jan. Vor dem Untersuchungsrichter Boueardi wurde gestern der Schwager des verstorbenen Deputiertew Syveton, Dr. Barnay, und Frau Syveton.einander gegenübergestellt. Es heißt, Dr. Barney habe Frau Syveton direkt beschuldigt, ihren Gatten umgebracht zu haben.
Neapel, 5. Jan.^ Leoncavallo erhielt auf seinen Neujahrs-Glückwunsch vom deutschen Kaiser folgende, Antwort: „Meinen lebhaften Dank für Ihre liebenswürdigen Glückwünsche zum neuen Jahr. Wilhelm".
Innsbruck, 5. Jan. Vom Fließ ist der Schneider^ meister Diebo'ld, der sich auf dem Heimivege befand^ ab gestürzt und tot geblieben.
Newy 0 rk, 5. Jan. Anläßlich de§ gegenüber dem, amerikanischen Botschafter Tower geäußerten Wunsch Kaiser Wilhelms erklärt die neu gegründete Newyorker germanische Gesellschaft, daß ihr Vereinszweck die Heranziehung deutscher Gelehrter zu amerikanischen Vortragskursen einschließt.
Vom Kriege.
London, 5. Jan. Der „Daily Telegraph" meldet au§j Tschifu: General Stössel liege krank im Bett. Generah Ssrnirnow habe mit Stössels Genehmigung den Uebergabe«- Vorschlag gemacht.
Petersburg, 5. Jan. Aus Tschifu wird gemeldete Einige Offiziere erzählten, daß die Besatzung von Porv Arthur zuletzt nur noch Reis erhielt. Dadurch entstand^ eine Skorbut-Krankheit. Auf 200 japanische Geschosse konnten die Russen nur eins abgeben. Auf einzelnen Positionen^ wurde nur Bajonnetkampf geführt, der schrecklich^ Opfer kostete. Die letzten 5 Tage war die Besatzung entsetzlich ermattet und erschöpft durch Hunger rmdj Kälte. Die Nerven waren durch' Schlaflosigkeit vollständig erschöpft. Niemand sprach ein Wort, man kämpfte nur noch: maschinenmäßig.
Paris, 5. Jan. Auf General Nogis Schreiben an? Stössel, worin erklärt wurde, daß die Beschädigung der? russischen Spitäler 6, 9 und 11 in Port Arthur: durch japanische Bomben lediglich der Schadhaftigkeit! der Belagenmgskanonen zuzuschreiben wäre, hat die russische» Regierung die französische um Uebermittelung einer Pro te st-i n ote in Tokio ersucht, die dem Haager Beschlüsse gemäß vorn Japan Entschädigung für zwei verwundete Spitalärzte, mehrere Wärterinnen und zahlreiche Kranke verlangt. — Hier gilt! es als unmöglich, daß Rußland aus eigenen technischem Mitteln 8 Panzer vom Slava-Typ und 8 Panzer vom' Peroosvanni-Typ bis 1908, bezw. 1910 sertigzustelleni vermöchte, wie das vom Zaren genehmigte Programm vor--, schreibt. Dazu sollen noch achtzehn Kreuzer verschiedenen,' Typs, 50 große, 100 kleine Torpedojäger und Boote, viert Schwimmdocks usw. in dem gleichen Zeitraum fertig gesteM werden. — „Petit Journal" meldet aus Petersburg: Gestern^ lü'ar das Gerücht verbreitet, daß Stössel Selbstmordi begangen habe. Es heißt, der Marine-Generalstab^ habe sich mit den Kriegsschiffen im Hafen von Portz' Arthur in die Luft gesprengt. — „Matin" meldet aus; Tschifu: Die Japaner haben in Port Arthur noch 8 0 0 0 Oj Tonnen Kohle sowie Reis- und Mehlvorräte für
zwei Monate gefunden. Der Mikado soll dery Wunsch geäußert haben, Stössel zu sehen, der sich hierzu^ bereit erklärt habe. Gestern sind 50 000 Japaner in, Port Arthur ein gerückt, nachdem die Russen die Stadt? geräumt hatten. ______
TeSephonischer Kursbericht.
fr' ankiart a. A., 5. Januar.
W/o Reichsanloiho . . 101 85 SVo äo. ... 89.95 m/,°/o Konsole .... 101.80 30/0 do. ..... 90.06 RVe0/n Hessen .... 100.40
% OberhoRsen , . . 99.50 4-6 Oesterr. Goldronto . . 101.65 4'/z56 Oesterr. Silborronto 100,45 4-6 Ungar. Goldrcnte . . 100.10 40/ Italien. Rente , . . 104.80 41', -6 Portagiesev . . . 64.00 R°/ Portugiesen. .... 63.70 196 0. Türken .... —.— Türkonloso ...... 130.60 4% Griech. Monopol.-Anl. 49.50
41/., % äussere Argentinor 45.25
Tendenz:
30/0 Mexikaner .... 33.90 4,/e% Chinesen .... 92.30? Blectrle. 8ohackert . •. . 130 80 Nördd. Lloyd . . . . 105.20
Kroditnktien ...... 214 00} Diakonio-Kominandii. . . 194.30 Darmstädter Bank . c • 143 50, Dresdener Bank . . . . 159.50 Berliner Hfrodetsges. . . 166 60 Oeeterr. ßhuifcsbahn . • • 189 60 Lombarden . ... . 17.50,
Gotthard bahn.....194.50i
Lanrahütto • - . ... • 259.00»
Boehnm . . . - . ... . 238.50)
Harponor . . * . . . 212.6(1
Schatzscheine ..... —.
schwach.


