Ausgabe 
4.10.1905 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ö

gegen 12 Uhr beendet.

Als erster Zeuge ersckneN Kassierer Fleck vvn derCeres". Er sagte aus. daß ihn die kleine Rosa des Sonntags bei der Einkassierung der Mitaliederbeiträac unterstützt habe. Er habe

Für Zuckerkranke

ist das hervorragendste Frühstücksgetränk

Perdynamin-Kakao.

1 Büchse a 3.50 M. in den Apotheken.

Wagnis, das derKaufmann von Venedigs für eine Bühne wie die unsere bedeutet, doch verhältnismäßig recht wohl- geluugen.

Roch muß der M u s i t gedacht werden, die für dis poetische Stimmung unseres Dramas kaum entbehrlich ist und deren Macht der Dichter gerade hier in herrlichen Worten preist. Man hatte aus romantischen Werken für liefen Zweck ein paar kleine Sätzchen zusammengesucht. Viel­eicht wäre ein Mehr davon besser gewesen als die langen Zwischenaktstücke, die den Abend bis Mitternacht aus- dehnten. Die Ouvertüre zu den lustigen Weibern aber war sehr wohl geeignet, die rechte Stimmung af§ Vorspiel zu erwecken. Ueberflüssig blieb dann allerdings die Lohen- grin-Ouvertüre.

Alles in allem: es war ein interessanter und ver» heißungsvoller Abend und das vollständig gefüllte Haus spendete reichen Beifall. P- Witt ko.

streng sittlichen Lebenswandel geführt. Sie sei aber sehr reizbar und Zähzornig, man könne aber nickst crnnehmen, daß sie sich ihrer .Handlungsweise nicht bewußt gewesen wäre: sie habe viel­mehr alle Vorbereitungen zu der Tat mit vollem Bedacht ge-

Rach Feststellung der Schuldfragen an die Geschworenen führte Staatsanwalt Müller aus, daß die Mordtat an das Verbrechen Duddes erinnere und nicht minder ruchlos sei. Das Verbrechen et an einem Hellen Sonntag in einem belebten Dause begangen worden und nicht von einem verkommenen Manne, sondern von einer Mutter an einem unschuldigen Kinde, nachdem sie eben erst ihr eigenes Kind an der Brust gehabt. Die Tat sei von der Angeklagten Tage hindurch wohl erwogen und mit großer Kaltblütigkeit ausgeführt worden, sie habe die Leiche mit Sand und Chlorkalk bestreut, um die Entdeckung zu verhinderw Der Staatsanwalt beantragte zum Schluß, die Angeklagte des Mordes in idealer Konkurrenz mit aualisiziertem Raub schuldig zu prechen. , , ,,

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Bopp, legt m längerer Rede die zahlreichen Mildcrungsmomente für die Angekalgte dar und bittet, die Tat als ohne Ueberlegung ausgeführt zu betrachten und nur auf Schuldig des Totschlags zu erkennen. Rach einer längeren Replik des Staatsanwalts und Duplik des Verteidigers, sowie der üblichen Rechtsbelehrung der Ge­schworenen verkündet der Obmann nach kurzer Beratung, daß ihr Spruch auf Schuldig des Mordes in idealer Konkurrenz mit qualifiziertem Raube laute. Das Gericht verurteilte darauf die Angeklagte dem Anträge des Staatsanwalts entsprechend znm Tode.

GeriÄtsiaal.

Vorsrcht bei derTheatergarderobe! In einem Zivilstreit gegen den Pächter einer Theatergarderobe ist ein für weitere Kreise bemerkenswertes, rechtskräftig gewordenes Urteil ergangen. Ter Besucher eines Theaters in Berlin hatte seinen Hut und Ueberziehcr in der Garderobe abgegeben und dafür die übliche Garderobemarke erhalten. Nach Schluß der Vorstellung gab der Herr diese Marke an dem Garderobenplatze an eine dort be­schäftigte Frau ab, erhielt aber seine Garderobe nicht, vielmehr war diese von einer anderen Person, die die Hand danach ausstreckte, in Empfang genommen worden. Der betr. Herr verlangte den Schadensersatz in Höhe von 67 M. und beschritt den Klageweg gegen den Pächter der Garderobe. Sein Vertreter hielt den Garderobe- päclster auch unbedingt zum Ersatz des Schadens für verpflichtet, während der gegnerische Rechtsanwalt diese Pflicht bestritt. Durch die Beweisaufnahme wurde festgestellt, daß der Kläger als einer der letzten Theaterbesucher an der Garderobe erschienen war und die Marke einer dort angestellten Frau übergeben hatte. Diese hatte die Sachen geholt und die Nummer der Marke laut aus- gerufen; dann wurden die Sachen einem danach greifenden Herrn überlassen. Rechtsanwalt Dr. Werthauer war der Ansicht, daß bet dieser Sachlage die Hingabe der Sachen an eine nicht berechtigte Person lediglich der Unachtsamkeit des Klägers zuzu- schrciben sei uitb dieser auch den selbstverschuldeten Schaden zu tragen habe. Tas Gericht stellte sich aus denselben Standpunkt: Es'wäre Sache des Klägers gewesen, unter den obwaltenden Um» stünden, wo ein Gedränge oder Lärmen, das seine Aufmerksamkeit hätte ablenken können, nicht vorhanden war, aus das Ausrufen der Nummer zu achten, nachdem er diese aus der Hand gegeben, bevor er im Besitze seiner Sachen war. Ter Kläger habe hiernach den Verlust seiner Garderobe int wesentlichen selber verschuldet und mußte mit seiner Klage abgewiesen werdeit.

Jedenfalls kann unter keinen Umstanden hier ein großes < Drama zum bloßen Ausstattungsstück herabsinken .... i

Daß das Stück eigentlich keine führende Hauptrolle hat, i wie ja auch der oben zitterte lange Titel lehrt, zeigte die gestrige Aufführung. Sonst gruppiert sich zumeist alles um ' Shylock, den teuflischen Juden. Daß das diesmal nicht der Fall war, daß kein anspruchsvoller Virtuos rücksichtslos sich hervordrängte, daß jeder dem anderen freien Raum gab und sich bescheiden ms Ensemble fügte, das war vielleicht ein kluges Werk der Regie, vielleicht auch nur ein aus den Ver- hältnisicn sich ergebender Umstand. Darum würde ich in meinem Urteil nicht, der Regel gemäß, mit dem Juden, sondern mit dem Kaufmann beginnen, wenn ich über seinen Darsteller, Herrn Ramann, etwas zu sagen wüßte. Aber das ist schlechterdings unmöglich, denn diese sehr undankbare Rolle verurteilt den Darsteller zu völliger Passivität. Wenn ich sage, Herr R., ein Mann von respektabler Figur, zeigte den edlen Schwermut des Vorbildes, dann ist damit alles und nichts gesagt. So beginne ich eben doch

mit dem Juden. Aber auch über ihn vermag ich

nicht viel ztt sagen. Shakespeares Zeitgenosse Burbadge spielte den Shylock in abschreckender Häßlichkeit, mit rotem Batt und grotesker Rase, durchaus als Verhöhnung des Judentums ganz nach dem Wunsch und Sinne Alt-Londons, dem eS nie einfallen konnte, mit diesem märchenhaft blutgierigen und rachedürstigen Ungeheuer Mitleid zu empsinden. Italien war da­mals Altengland in der Kuttur weit voraus, und Tizian wie auch der von Shakespeares spätem Landsmanne Ruskin weit überschätzte Tintoretto und andere venezianische Künstler des 16. Jahrhunderts haben das Judentum unparteiischer dargestellt. Forscher unserer Tage meinen herauSgefunden zu haben, daß in der seltsamen Sage von dem Menscheufleisch-Patte alte Teufels­legende stecke, von dem Satan, der die Rot des geld- bedürftigen Ritters benutzt, bis die heilige Jungfrau hier ist die erbarmende Himmelskönigin zur gnadenspendenden Porzia geworden ihn erlöst, sodaß dann eine entfernte Ver­wandtschaft sogar der Shylock-Fabel mit Faustmotiven entstünde. Herr Mendel machte aus dem Shylok keinen Satan, aber auch, was gnmdfalsch gewesen wäre, ebenso wenig einen edlen Dulder, ein beklagenswertes Opfer antisemitischen Fanatismus. Doch er batte ihm auch nicht das allein paßende Gewand des Lustspiels gegeben, das, als erster wohl und vielleicht als einziger, Mitter- wurzer ihm lieh. Eugen Guglia macht in seiner Mitter- wurzer-Monographie (Wien 1896) außerordentlich interessante Mitteilungen darüber. Aber Herr Mendel verstand eS, daß >nuß man ihm nachsagen, zwischen Tragik und Kontik einen recht beachtlichen Mittelweg einzuschlagen, den ich bisher noch keinen Shylockdarstcller habe wandeln sehen. Er betonte alles, was ben furchtbaren Haß Shylocks verschulden kann, bei der gänzlichen Vernichtung nach dem Richterspruche erweckte er unseren Anteil; aber auch der Grundcharakter des Nieder­trächtigen, Heimtückischen, gemein Listigen kam nicht durchaus zu kurz, und besonders die Gerickstsszene wußte er recht ein­

ßufton Hoch und Joh. BetteS verschont. Wären noch diese ergriffen worden, dann wäre große Gefahr geraden fur bte äolische Kirche und das Pfarrhaus. Aber zum Gluck hatte sich der Wind gedreht. Menschenleben sind ntcht zu beklagen, gingen mehrere Stück Vieh, banrnkr -we.mert- volle Pferde, zu Grunds__^°lirn')

Die von uns mehrfach erwähnte, von dem Dramaturgen und Regisseur Karl-Ludwig Schröder in Berlin herausgegebene MonatsschriftDramaturgische Blätter" hat eine Probe- mmrmet herausgegeben, die auf Wunsch zur Ansicht gesandt wird. Aus dem Inhalt feben wir die Artikel vvn Max Hochdorf (Theatcr- zulunftV Dr. Tausk (Semele), Dr. Schlismann-Brand (Einheit­liche Rcgiebücberi und Berger (Die Kartothek im Theaterbettieb) hervor. Die Rundschau enthält in den Rubriken Theatergeschichte, Bemerkenswette Aufführungen, Dramattsche Vereine, Thcater-Ro- tizen, Theatervcttvaltung, Theaterschule, Theaterbau und Technik, Personalien. Bücherbesprechungen ufw. wieder reiches, übersichtlich geordnetes Matettal. Eine fleißig zusammengestellte Zeitungs­und Zeitschriftenschau verdient Dank. Eine neue RubrikTheater des Auslands", die mit einem Artikel über das polnische Theater­wesen eröffnet wird, soll mit dem wenig bekannten polnischen, ungarisfan, böhmischen und kroattschen Theater vertraut machen und einen internationalen Austausch anbahnen. Die Einleitung spricht vvn großen Plänen, für die die Mitarbeit weiterer Kreise angerufen wird. Die Zeitschrift wünscht Kenntnis und Interesse des Publikums für Theaterdinge zu vertiefen und verdient in biefem Bestreben rege Unterstützung, lKommissionsverlag R. Lechner u. Sohn, Wien I., Seilerstätte 5.)

Am 2. d. M. starb auf dem Landsitz seiner Verwandten der französische Dichter Josö Matta de Heredia. HerediÄ war 1842 in Fortune-Cafeyere auf der Insel Kuba geboren, kam früh nach Frankreich und studierte in Patts. Ettt im Jahre 1895 erschien seine GedichtsammlungLes Trophäes", an der er Jahrzehnte _ gearbeitet hatte. Im Jahre 1895 wurde Heredia Mitglied der französischen Akademie. Seit 1901 war er Direktor der Arsenalbibliothek.

Hermann Hesse: Unterm Rad, Roman. (S. Fischer, Verlag, Berlin.) Geh. 3.50 Mk. Der Dichter des Peter Camenzvw" behandelt in seinem neuen Roman ein in mancher Beziehung ähnliches Thema wie ©traun imFreund Hein". Ein Schüler, begabter als der Durchschnitt, konrmt nnters Rad und geht an der Ueberfpannung seiner Kräfte durch die Schule zu Grunde. Hesse hat als echter Künstler gehandelt, indem er nicht eine Originalität des Stoffes anftrebte, sondern seine natürliche Originalität der Behandlung durchsetzte. Er schildert eine ucinbürgeriifa, durchaus prosaische Welt und hebt seinen Helden garnid't besonders darüber empor. ?lber in dieser Beschränkung zeigt er sich als Meister. Auge, Herz und Hand sind gegen den Eamenzind in ihrer Sicherheit iwch erstarkt. Die Schilderung, von feinen Erfindungen im Einzelnen belebt, ist sehr rein.

in der RaÄbarfchart laviert, wahrend ^^um Glaftr Lotz ging. Gr mollte sie vor dem Hause erwarten, da sie aber nifa fam, Säte er selber nach ihrem Verblech. Bei ferner Metten 9tafa Sack habe Frau Lotz ganz harmlos getan und gefragt, ob er Kt eine Tasse Kaffee trinken wolle. Venn Auffmden ^Senfr habe der Ehemann wfott cnrsge^len: ,/Oh! meme llWung Der steuge erflatt, er habe zuerst an das Verbrechen gar. »rcu glauben wollen und esf nicht für möglich gehalten, daß ein f sfaoächlifa Frau das Kind umbringen und die Leiche auf ber Leiter zum Dachboden hinaufbefördern konnte Nach einigen unwesentlichen Zeugenaussagen wurde Glaser Lotz vernomm . Ergibt "zittmit fettmr Frau häufig in Streit gekommen zu sein und ihr auch öfter Ohrfeigen gegeben zu haben, habe ferner trau allerdings nur 10,50 Mark Wirtschaftsgeld.gegeben, aber die lausenden Rechnungen cxtta bezahlt. Die ^nommnisse vor und nach 'der Mordtat ichttdett der Zeuge in uwstandlicher Weise ganz im Sinne der Anklage. Bald nach Bekanntwerden der Tat seien Berichterstatter Vvn Frankfutter Blattern bei ihm zweien und hätten sich von ihm nähere Angaben wachen lassen, einem Vertreter der Presse habe er auf seinen Wunsch eine Photographie der kleinen Lotz übergeben. Auf weiteres Befragen erklatt der Zeuge, er habe sich außer den Ohrfeigen an ttwer Frau nicht vergriffen, dagegen sei die Frau oft jälHvrmg genrorben und Ham sich vor Wut die Kleider vom Leibe geriffen. Run kam es, noch zu einer sehr erregten Szene zwischen der Ängcklagten und ihrem Ehemann, der sofott nach der Tat die Ehescheidun^ln-ge em» leitete und sich überhaupt recht roh in der ganzen <oache benahm. So war er gleich am Tage nach der Festnahme seiner Frau zur Sterbekasse gegangen und hatte angefragt, ob er denn auch das Sterbegeld für seine Frau b e komme, wenn siegeköppt" werde. Ferner wollte er ferne Frau zwingen, mit in sozialdemokratische Versammlungen zu gehen und als sie sich 'wttgette. schalt er sie aus und matt ihr vor, sic hätte kein Interesse für den Arbeiterstand. -tie Angeklagte warf dem Mann vor, er habe sie oft mißhandelt und ihr lur die notwendigsten Sachen kein Geld gegeben. Er Jet alle Tage dreimal im Wirtshaus gewesen und habe sie und die Kinder zu Hause hungern lassen. Er sei überhaupt der eigentliche schuldige, denn er habe sie durch sein ganzes Verhalten zu der Tat gezwungen. Die Angeklagte geriet bet ihren Vorwürfen gegen den Mann in so leidenschaftliche Erregung, daß sie ihnLump ,erbarm- licbcr Schuft" usw. titulierte und vom Präsidenten zur wiaßtg- unq ermahnt werden mußte. Nachdem bann noch die allste Stief­tochter der Angeflagten, die 11jährige Elisabeth bekundet hatte, daß sie von ihrer Stiefmutter häuftg sehr geschlagen worden sei und auch öfter nichts zu essen erhalten habe, trat um V22 Uhr eine Mittagspause ein.

In der nachmittags 3 Uhr fottgesetzten Verhandlung gibt zunächst Amtsrichter Dr. W i l l e n b ü ch e r über seine Vernehm­ung der Angeklagten eine nähere Schilderung. Die Lotz habe ihm die Tat eingestanden, aber vorher ihren eigenen Bruder der Tat verdächtigt. Dieser habe sie auf den Gedanken der Er­mordung der Rosa gebracht und dann hätten sie die Tat gemein­sam ausgefuhrt. Er, Zeuge, habe dies auch 'für wahrscheinlich gehalten, wett es ihm fast unmöglich erschien, daß die schwächliche Angeflagte die Leiche allein bei Seite geschafft haben sollte. Zeuge Kttminalscbu'tzmaiin Heckler gibt Auskunft über die Durchsuchung der Wohnung und die Auffindung der Leiche. Bei Durchsuchung des Dachbodens habe ihm bie Frau geleuchtet, wobei sie ihn von der Ecke, wo die Leiche lag, fernzuhalten suchte. Beim Erblicken der Leiche habe er ihr die Tat auf den Kopf zugesagt und sie sei darüber sehr in Verlegenheit gewesen. Das Geld der Ermordeten sei darauf int Ofenrohr aufgefunden worden. Kriminalkommissar Becker- Offenbach bekundet, daß die Angeflagte auch ihm gegenüber ihren Bruder als den Täter bezichtigt habe. Als sie dann nicht mehr leugnen konnte und die Tat eingestanden hatte, fragte sie nöch, ob man ihr dafür den Kopf herunterhauen wurde. Oberaufseher Unverzagt- Offeiibach sagt aus, daß sich die Angeflagte int Gefängnis reuig gezeigt und gut benommen habe. Der Bruder der Angeflagten, Taglöhner Brückner, erflärt sich zur Zeugenaussagebereit, weiß aber zur Sache nichts zu bekunden. Auch 'die übrigen Zeugenaussagen sind nicht von Belang.

Der als Sachverständiger vernommene Medizinalrat Dr. Pfa nnmüll er-Offenbach hat die Angeflagte Vvn Ende Mai bis Mitte August auf ihren Geisteszustand beobachtet, aber nichts anormales an ihr gefunden. Sie sei das dritte von ihren 16 Geschwistern, war eine fleiGac Schülerin und bat stets einen

Der Offenbacher Raubmord vor Gertcht.

R. B. Darmstadt, 3. Ofl.

Die Angeflagte, die am 21. Mai 1879 zu Frankens ge- Ärrcn ist, macht oen Eftidruck völliger Gebrochenheit. » dm Präsident die erste Frage nach ihren Perfonällen an ^^8 per- heiratet zu fern und drei «rnöcr ,u wupen

reiner sie hatte noch 16 Geschwister. ,vbrc Kinder f i

Ä» >» S ä

MS ÄS'S-S'.» auch Stenern und ^hniiim^mitteichuldig ^ark' Schulden

drohenden Verlangen ihres Mannes, die Sache mit wiederin Ordnung zu bringen^^fam ijr, nieJe mit toludgenöc Stimme weiter aussagt, der Gedanke, sich mrrch eine wroangn m den Besitz von Geld zu setzen. ^>te ^e^daß dre flein Rosa Luckett cnich zu ihr kommen und den Wochmibtttrag für de Svarverein .Ceres" cinfameren wurde, und vcstwotz, mo i a rben^nb zu berauben. Sie,habe ffan tagelang vorher bnrüber nachgedacht, wie sie das Kind am besten töttn könne. Am Samstag, den 28. Man. habe sie fae befan Kttidc schon früh artgeflribrt und weggeifackt, auch der Mann verlieb sfan am Morgen die Behausung, um Besorgungen auszufuhren^ Gegen 11 Nhr vormittags, als sie gerade ihr Kwd gestillt hatte, kam die fleine Rosa, um den Üblichen Mittag Vtoti? Matt »u erbeben Sofott schnürte die Angeklagte demKind St K, SHltf Waschl-i^c d°n S-ls tu. w»b-, -s Trinen Laut von fich gab. Als das Kmd dann S"r Erbe rifc ber Strick und sie ergriff sofott ein Handtn.ch, und Jq cs mn HalL so fest zu, bor das Kind nach wenigen ^eflindcn wgungsl^ liegen blieb? Sie nahm ihm nun zuerst dw Tasche mtt dem Gelb ach und verstehe sie m ber ^ph-ecke, spater iw Ofenrohr. Die L e i ch e s ch l e p p t e ,f i e auf dcnDa chboden. ben .Hut des Kindes verbrannte sie nn Ösen. Bald oarauf er­schien der Onkel des Kindes, Fleck, und fragte, ob Rom noch nicht dagewesen sei, lvas die Angeflagte verncmte öie begab sich dann m die Rafaarsfast, um Waren einzukanfen. Rach ihrer Mckkelw kam ihr Mann wieder und auch Fleck, der grope Angst über das Verschwinden des Kindes ausspraco Ms am Rachnnttag der Monn wieder weggegangen war. überkam die Fran Angst Sie glaubte zu hören, daß die Ro,a noch lebe. Sie wollte die Leiter zum Dachboden hinaus, mutzte aber wieder umkehrm, weil sie eine schreckliche Furcht überkam Der Mann kehtte abends 6 Uhr wieder zurück. Als er den aufgeregten Zu­stand seiner Frau bemerkte und erfuhr, daß da^ Kind noch nickst aufaeftinden, schöpfte er Verdacht und durchpichte die Wohn­ung. fand aber nichts Verdächtiges: ein Kttimna!schntznlann, der dann erschien und in der Wohnung Umschau hielt, entdeckte eben­falls nicht- Am späteren 9(benb erfdricn noch einmal Kttmmal- polizei und entdeckte nimmehr die Leiche auf dem Boden, mit alter Leinewand bedeckt. Die Angeflagte leugnete zuerst ent­schieden, vvn der Mordtat etwas zu wissen, meinte vielmehr, daß vielleicht ihr Bruder dagewesen sein und das Schreckliche aus- grfüchtt haben könnte, ber sei ein ganz verkommener Mensch imb zu allem fähig. Nach längerem Vorhalt geftanb bie Angeflagte noch am Abend vor dem Amtsrichter Dr. Willenbücher die 4,at ent. Damit war bie vorläufige Vernehmung der Angeflagten

driicksvoll zu gestalten. Im ganzen also warZ eine interessante, wenn auch nicht bedeutende oder gar übemagende Leistung. Wir werden Herrn M. ja wohl in der ersten Theaterverein- Vorstellung, die unS den, übrigens demKaufmann von Venedigs nur allzu sehr nachgebildetenGrafen v. Charolais^ *) bringen soll, als Jtzig wiedersehen. Die eine Szene, die er in diesem Stücke hat, ist für ihn so ergiebig, daß alsdann wohl ein abschließendes Urteil über Herrn Mendel sich wird allen lasten.

Frau Bayrhammer, eine Dame von schlanker, chöner Gestalt mit etwas unfertigen, noch nicht abgerundeten Bewegungen, gab die Porzia mit lebhaftester Hingabe, voll munterer Laune nicht nur in den heiteren Partien, sondern elbst in der würdigen Gerichtsszene, wo vielleicht doch ieffer das Komödienhafte noch ein wenig diskreter hatte behandelt werden können. Ein wenig mehr Diskretion, weniger lebhafter Farbenauftrag wäre der Dame, die gewiß nicht unbegabt ist und eine recht resolute, ftisch zupackende, flotte und kecke Art zu haben scheint, wohl im allgemeinen zu empfehlen. Möglich allerdings, daß sie, um der natür­lichen Schüchternheit eines ersten Abends zu entgehen, dem erzwungenen Gegensätze zu sehr erlag.

Als marokkanischer Prinz, eine Art Raisuli zu Shake­speares Zeiten, entfaltete Herr Steingötter ein ge­waltiges, stark parodistisch akzentuiertes Feuer, sodaß er mitsamt den von seinem Fürstenblick gehemmten, höchst ver­wunderbaren atlantischen Trabanten die Lacher auf seiner Seite hatte. Komischer aber war noch der Aragonier des .Herrn Käsmann. Zwar war die Narrheit übertrieben, zumal dieser Spanierprinz eine Reihe (sie sind freilich in der Bühnenboarbeitung gestrichen goldener Worte spricht, und schließlich mit netter Selbstironie sich zurückzieht; aber recht konsequent und mit köstlicher Miene vor getragen, machte sie lachen. Herr Goll sprach und hielt sich als Bassanio gut, doch hätte man dem cieaanten Nobile, ber die Hand der reichen Porzia sich erwirht, ein pmnkenderes Kostüm geben sollen. Recht heiter und lebendig waren die Herren Reimer (Graziano) und H e r r s ch e r (Lanzelot), auch Herr Rauniger (Salarino) mar nicht übel. Vielleicht besitzen wir in diesen drei neuen Herren ein recht vergnügliches Kleeblatt, das uns manche lustige Stunde verschaffen wird. Auch die uns wohlbekannten Herren Lüttjohann (Lo­renzo) unft Lippert (Gobbo) sowie Frl. Ruf all in ihrer Munterkeit wiederzusehen, machte uns Freude. Frl. Schel­le n be r g war eine neckischeNerissa und Frl.D on e cker, die Maria Friedhammett' der vorigen Spielzeit,eine recht innige ^fiica Allerdings waren die ivenig.cn erfreulichen Eigen- hinter Shylocks ziemlich gemildert, ob mit ist fraglich, denn der Llpfel fällt gewöhnlich nicht wett vom Stamme.

Wenn sich auch einzelne erhebliche Unebenheiten be» merkbar machten, wenn die Pagen des Aragoniers wirklich ein . ttein wenig besser hätten drejfiert werden können, wenn die tzstilerie rm Gerichtssaal sich nicht gar so vorlaut benommen hätte und die Lauten spieler öivi J!uc5 wenigstens einen ge» ringen Lebenshauch hätten besitzen können, so ivar das große

Buchausgabe: S. FffcherZ Verlag m Berlin.