Nr. 259 Zweites Blatt.
155. Jahrgang
Freitag 3. November 1905
Erscheint tSgllch mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Siebener Somillenblätkr* werden dem ,Anzeiqer viermal wöchentlich beigetegl. Der Eheisiiche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Giehener Anzeiger
9lotnrion5bni(f und Verlag der Brühl Achen UnwersuätSdruckecet. R. Lange. Gießen.
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General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen.
Kerrscherbesuche.
-tt- Berlin, 2. November.
Don dem Besuch des Königs von Griechenland merkte man in Berlin wenig. Etwas mehr in der Stadt Potsdam, die aber an Fürstenbesuche gewöhnt ist und im übrigen die Aufregungen nicht liebt. In Berlin stehen manchmal Hunderte und warten mit angehaltenem Atem auf daS Nahen einer Hofequipage, besonders in der Nahe der Bahnhöfe an den Tagen, für die das Eintreffen eines hohen auswärtigen Gastes angekündigt ist. In Potsdam wird solche Neugier, außer bei großen Gelegenheiten, mißliebig bemerkt. Der Potsdamer, geschult dlirch lange Ueberlieferung und den Einfluß des dominierenden Beamtentums und Militärs, hält auf würdiges, gemeffenes, .sedatcs" Benehmen. Der König von Griechenland hat heute seine Spazierfahrt durch Sanssouci, seine Promenade durch den wundervollen Park von Babelsberg ohne jede Zudringlichkeit des Publikums machen können.
Am Nachmittag kam der König nach Berlin, besuchte das Mausoleum in Charlottenburg, stattete den Prinzen und dem General v. Hahnke Besuche ab, nahm den Tee im Schlaffe und besuchte abends den Reichskanzler. Auch der Kaiser hatte sich für heute abend beim Reichskanzler zum Diner angesagt. Es waren Einladungen ergangen an den Gesandten NangalH, die Staatslninister Graf PosadowSki, v. Tirpitz, v. Rheinbaben, Frhr. v. Richthofen und den Gesandten ö. Bülow, die Professoren v. Willamowitz-Möllen- dorff und SlcfiilS von Stradonitz, Geh. Kommerzienrat von Atendelssohn-Bartholdy, großbrit. Generalkonsul Dr. Schwabach 2C. Um 11 Uhr ist der König nach herzlicher Verabschiedung vom Kaiser, der ihn zur Bahn geleitete, wieder a b g e r e i ft.
lieber den Zweck dieses Besuche? sind verschiedene 93er- mutungen verbreitet. Die eine lautet, der König sei wegen Mazedonien und Kreta gekommen, aber an diesen Fragen hat Deutschland so gut wie gar fein Interesse. Eine andere Annahme geht dahin, daß in Berlin eine Beilegung der letzthin sehr ernst gewordenen Differenzen zwischen Griechenland und Rumänien erstrebt werde. Das läßt fict) schon eher hören. Tenn Rumänien gilt als bas .Ehren- niitqlied des TreibunbS*, und mit Griechenland ist das deutsche Kaiserhaus, woraus heute auch die »Norbd. Allg. 3ta/ hinweift, durch nahe Verwandtschaft pcrfm'ipft.
politische Tagesschau.
Politische Gegenzüge.
W. T.-V. meldet heute aus Peking:
Der englische Gesandte wurde nunmehr ebenfalls an- trtriefen, über die Modalitäten brr Zurückziehung der Ircmben Truppen mit seinen Kollegen und den Truppen- i ährern zu beraten.
Tas ist die Antwort Englands auf den Vorschlag Kaiser Wilhelms, die internationalen Besatzungen ans China zurückzuziehen. Ein Blick aut die Seestreitkräfte in Ost- asien lehrt, daß sich dort für England nach dem russisch- jap. Krieg nichts geändert hat. Durch die unlängst vollzogenen Stellenbesetzungen in der englischen Marine ist einer der besten Offiziere, der Lldmiral Moore, zum Kommandanten der chinesischen Station ernannt worden. Ihr wird also nach wie vor eine außerordentliche Wichtigkeit bcigemessen, und das Gerücht erscheint auf das gründlichste widerlegt, daß England den Flottenstützpunkt Weilt aiwei an China zurückzngeben beabsichtige, nachdem es sich entschlossen hat, in Singapore eine Marinestation ersten Ranges zu schaffen. Moore ist zum Kommandierenden der für den Fall eines Krieges in Singapore zu konzentrierenden drei Geschwader des Ostens ausersehen, des chinesischen, des ostindischen und des australischen. Demgegenüber fällt es nicht schwer ins Gewicht, wenn England seine Scl)lachtschiffe von diesen Stationen zurückzieht Es bleiben die starken- Kreur-ergeschwader, zu denen Schiffe gehören, die an Größe und Gefechtswert den Linienschiffen gleichen. Außer England hat nur noch Deutschland im Reiche der Mitte BaMbesitz, aber die deutsche Flotten station in Ostasien ist bekanntlich auf wenige Schiffe verringert worden, ein weiterer Beweis für die friedliche Politik und den Wunsch Deutschlands, durchaus neutral zu bleiben. Wenn man von seiner „Isolierung in Ostasien spricht, so hat es diese mit guten Gründen selbst berb^iaeführt.
Aie in Kußtand.
Großfürst Alexander Michailowilsch ist seiner Stellung als Präsident der Verwaltung der Handelsmarine enthoben worden.
Es ist bisher nicht fest gestellt, ob der Zar tatsächlich nach Petersburg zurückgekeb'.t ist.
Po bj e4>o n o s z ew hat sich m den letzten Tagen in einer förmlichen Gefangenschaft befunden. Schon gleich nach dem Ausbruch des großen Eisenbahnerstreiks zwangen ihn seine Angehörigen, seine Wohnung nicht zu verlassen, da man sichere Beweise in den Händen habe, daß die Kampforganisation nach seinem Leben trachte: auch bestehe eine Verschwörung unter mehreren Popen seiner Umgebung, die den Attentätern Hilfe leisten würden. Infolgedessen lies; sich Pob'edonr^ew krank melden und nahm an dem Gottesdienst in der Domkapclle nicht mehr teil. Erst seit Entgegennahme seiner Demission wagte er sich 'wieder auf d»e Straße, allerdings mit Beobachtung weitgehender Vorsichtsmaßregeln, da er — wohl mit Reckst — noch immer nicht aufgehört hat, für sein Leben zu fürchten.
Ter „Petit Parisien" meldet aus Petersburg: Seit gestern vormittag 9 Uhr wurden ununterbrochen Schüsse gewechselt. Tie Zahl der Toten beträgt bereits über hundert. In vielen Straßen wird aus den Fenstern auf die Temonstranten geschossen.
Aus Kiew wird gemeldet daß der Generalgouverneur sein Amt niedergelegt hat, weil aus Petersburg ihm verboten wurde, auf das Voli schießen zu lassen. Eine ungeheure Volksmenge drang in das Rathaus, denrolierte
kostbare Gegenstände und riß das Bild des Zaren von den Wanden. Nachdem die Zerstörung im Rathause zu Ende war, zogen die Ruhestörer zum Iudenvicrtel, wo arge Ausschreitungen begangen wurden. Schließlich entschloß sich der Stellvertreter des zurückgetrctenen Generalgouver- neurs, die Befehle ans Petersburg zu ignorieren und Gewalt anzuwenden. Später kam es zu erbitterten Straßenkämpfen, 'bei beiderseits die Verluste sehr schwer waren. Die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten wird auf 1500 geschätzt. Infolge der Iuden- Massakres haben die Vertreter der Stadtverwaltung, unter ihnen Fürst Trubetzkoi, Telegramme an Witte gesandt, in denen sie die Behörden ersuchen, energische Vorkehrungen zum Schutze der friedliebenden Bürgerschaft zu treffen. Tie Wohnungen der Millionäre Brodskn, GalpSrin, Saitzew und Baron Günzburg wurden z e r st ö r t und a u s- ge plündert. Jüdische Volkshaufen wurden von der Polizei auscinandergctrieben. Mehrere Juden wurden getötet oder verwundet.
Ten letzten Nachrichten ans Odessa zufolge feuern die Truppen mit Maschinengewehren auf die Kundgeber. In 7 Straßen finden andauernd heftige Kämpfe statt. Tie Zahl der Toten und Verwundeten wird bis jetzt bereits auf 4 — 5 0 00 angegeben. Jnfantericeabteilungen weigerten sich, auf die Kund geb er zu feuern. .Hierauf wurden Kosaken herbeigerufen, jedoch von .den Jnsanterieabteilungen mit Salvenfeuer empfangen und verjagt.
Der „Standard" meldet aus Odessa, daß am 1. b. M. sechs Bomben in verschiedenen Teilen der Stadt geworfen wurden. Ein General, der einen Zug durch die Stadt führte, um die Verkündigung des kaiserlichen Manifestes zu feiern, wurde von Revolutionären in Gegenwart von hunderten von Zuschauern erschossen. Kein Mensch rührte sich, um die Mörder zu ergreifen. Tie heftigen Straßenkämpse dauerten bis in die Nacht. Es herrschen anarchistische Zustande. Tas Iudenvicrtel wurde von einer wütenden Volksmenge geplündert. Ter Kommandeur der Kosaken entfloh in Verkleidung, um dem Tode zu entgegen. Bei dem Bombenattentat auf offener Straße tvurden 15 Personen getötet und 40 verwundet. An derselben Stelle kam es zehn Minuten später infolge einer Menschenansammlung zwischen den Tmpven und der Volksmenge zu einem Renkontre, wobei 8 Personen durch Gewehrschüsse der Soldaten getötet wurden.
In Wjasma (Gouvernement Smolensk) wurde da? ganze Judenviertel zerstört und geplündert; die Verluste sind sehr bedeutend.
In Finnland ist das russisck)e Regime so gut wie abgeschafft. Tie Bevölkerung ist sich einig, nicht eher zu ruhen, bis die vollständige Autonomie und G'rantie voller Freiheit vom Zaren bewilligt worden ist. Die Truppen merben gezwungen, die Warfen niedcrzulegcn.
In W a r s ch a u wurde eine auf dem Theatcrplatz demonstrierende Menge plötzlich au5 dem Hinterhalt von Kavallerie überfallen. Es gab viele Tote und Verwundete. Dieser Vorgang unmittelbar nach dem Manifest des Zaren hat unbeschreibliche Entrüstung hervorgerufen. Ter Gene- ralgouvemeur erließ eine Bekanntzmachung, wonach Versammlungen streng verboten sind. Ter Generalstreik dauert fort. Tie Straßen sind sehr belebt. UebcraH begegnet man lebhaft gestikulierenden Gruppen.
In dem der oberschlesUchen Grenze nahe benachbarten polnischen Städtchen Bendin schoß eine Abteilung Kosaken, die sich in der Weberei Schön versteckt hatte, auf eine revolut. Lieder singende Meng'. Ein'ge zehn Personen sind verwundet worden. Ein Kosak wurde erschossen. Am Abend verwandelte sich die Vorstellung im Sosno- wicer Theater in ein Volksmeeting. Redner hielten von der Bühne Ansprachen, in denen das Zaren-Manif.'st scharf kritisiert wurde. Aus dem Publikum erschollen heftige Rufe gegen die Regierung. Tas Komitee der Sozialdemokratie verbreitet jeden Tag Flugblätter in mehreren Tausen- oen Exemplaren.
Tas Postamt der deutschen Grenzstation Evdtkuhnen sandte 700 für Rußland bestimmte Pakete an die Absender unter Portovergütung zurück. — Spediteure Übergaben riesige Posten Eiienbahngnt für ^Rußland der Güterexpedition. Tie Fracht wurde auch für den russ. Grenzort Wirballen verladen. Es traf jedoch an die Spediteure die Aufforderung ein, das Gut zurückzunehmen, da die Ueberuahme in Wirballen verweigert wurde, weil die Unruhen in Petersburg aufs höchste gewachsen seien.
Wie ein Londoner Blatt meldet, hat die deutsche Regie r u n g ihre Torpedoboots-Flottille, welch« den. Verkehr zwischen Berlin und Petersburg aufrecht erhalten soll, dem britischen auswärtigen Amt zur Depeschen-Vcrmittelung zwischen der britischen Bot sch-ft in Petersburg und London zur V e r f ü g u n g gestellt. Der Königl. Kurier welcher mit wichtigen Depeschen für den britischen G scköftsträger in Petersburg von London abgereist war, wird von diesem Anerbieten Gebrauch machen und von Berlin nach Kiel reisen, um sich dort an B"rd eines der nach Kronstadt gehenden Torpedoboote einzuschiffen.
Zur Ausfahrt des T u rb i n e n kr e u z e r s „Lübeck" und der ersten Torpedoboots-Division nach Peterhof wird aus Kiel mitgeteilt, daß der Kreuzer die Zarin, die ihrer baldigen N ied e r ku n s t entgrwer.siehl, an Bord nehmen werde. — Tie Torpedo-Flottille S. 120 bis 124 erhielt in Memel den Befehl, die F^hrt fortzusetzen und dampfte nach kurzen: Aufenthalt nach Petersburg ab. Die „Lübeck" folgte.
Ans Sewastopol meldet die Petersb. Tel-Ag.: Du Schwarzmeer-Flotte kehrte hierher vollzählig unter d-r Fl cwe d-'s W(rr*n*’mimftf,r§ N risew zurück
'Aus attd.
Christi ani a, 2. Nov. Die norwegische Regiwung b~t beute eine Proklamation an bas vorweg. Volk ars- Q-f^nbt, in der sie dringend das Volk auffordert, sich dem Stand- v nrt des Swrthing und der Regierung anzuschließen. Es beißt in der Proklamation unter andcrm:
„EZ ist der einstimmige und beitimmte Rat der Regierung an das Volk, daß es an der jetzigen Verfassung feftbäl t. So wie sie sich entwickelt und unseren Verhältnissen und Bedürfnissen angepaßt b-t wird sie unserer nationalen Arbeit am besten dienen. Die politische Fre heit eines Volkes beruht in erster Linie auf dem verfassungsiMßigen Recht, üb"r sein eigenes Schicksal zu verfügen, und auf der Reise eines Volkes und auf der Fähigkeit, die Verfassung zu gebrauchen, weniger
ober auf der Frage, ob sein Sta<usoberl>auot König o b er Prä sident genannt wird. Die norw. Verfassung ist die erste in der Welt, ke i n e R e Pu b l i k b i e t e t i hr e n Bürgern größere Freiheiten. Die Verfassung darf nicht zu Gunsten nicht erprobter Neubildungen und unklarer Experimente aufgegeben werden, die sicher nicht billig sein mürben. Ein kleines Volk, das unter schwierigen Verhältnissen, aber mit ergebenem Haupte in die Reihe der unabhängigen Staaten ein tritt, darf sich nicht isolieren, darf nicht die Bedeutung der guten unt> freundschaftlichen Ratschläge unter» schätzen, und unsere be^en Freunde unter den europ. Staatsmännern b'ben ohne AuSnah-me wiederholt geäußert, daß wir am besten die Beziehungen des neuen Norwegen sichern, wenn mir unsere alte, erprobte V.wsassung bewahren."
— Heute wurd" auch ‘ein Aufruf an das norwegische Volk zu Gunsten der Republik erlassen, der 200 Unterschriften trug, darunter befanden sich die Unterschriften des ehemaligen Finanzministers Knudsen und der Storthingsabgg. Konow und Oberst Stang.
Wien, 2. Nov. Der Parteitag d-r sozialistischen Arbeitcr- b.-rrtei Oesterrei^'s hat einstimmig l>.schlossen, den Massenstreik zu proklamiere, wenn das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht noch länger verweigert wird. 500 Wiener Vertrauensleute beschlossen, daß am Tag« d r P rlaments rössnung, am 21. November die Wiener Arbeiter- schast un r allgemeiner und vvllständigar Arbeitsruhe eine Riesen- Demonstr lion burclRufüIyrcn habe. Ties s Beispiel wird auch in a-deren Städten befolgt werden. Es verlautet bestimmt, daß G i’i h vom Kaiser die Zustimmung zu einer Vorlage bezüglich das allgemeinen Stimmrechtes erhalten habe. Die .,N. r-r. Pr" m^d-'t b gegen, daß nach ihren Informationen diese ©'r"1'c vnr:cht'g lind
Die neuen deutschfüdwcftafr. Verluste.
Ein Telegramm auß Windhuk meldet: Im Gefecht am Drange östlich von Hartbeeslniund gefallen: Hauptmann Friedrich d'Arrest, früher Grenadier-Regiment Rr. 12. Stabsarzt T r. Hermann Alt Hans, fräßet in der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika. S ch w e r verwundet: Leutnant Ernst Sehanmbura, Schuß durch die linke Hand und zwei leichte Flelschsebüsse, Oberarzt HanS Hahnemann, beide früher Infanterie-Regiment Rr. 96, Schuß durch beide Unterschenkel. Oberoeterinär Paul Dieckmann, früher im Landwcchrbezirk Rostock, Schuß durch den linken Unterschenkel. Am 30. Oktober an Krankheiten gestorben: Reiter Ludwig Zimmer an Lungenentzündung und Reiter August Gritzan an TyphuS und Lunaenentzunduna.
Aon her Aleilcht nerunq.
Herr Metzgerobermeister E. L. Sack schreibt unS heute:
Zur Erwiderung auf den Artikel tr5 landwirtschaftlichen Vareins dar Provinz Oberhassen werde ich "gerne der freunb» lieben Einladung Folge leisten und meine angeblich tendenziösen Deh'uptungen ftar legen.
Es roirb alsdann außer Zweifel sein, daß die Wiederholuna der Deh'uptung meinerseits über den vor 14 Tagen und noch gegenwärtig in hiesiger Gegend bestehenden Mangel an schlachtreifem Schweinen für uns Metzger noch nicht abgetan ist. Von der Zusammenstellung des lmrdwirtsch Vereins über die verftigb^ren Schweine wurde von uns Gebrauch gemacht, leider aber hat sie bis zur Stunde keinen Erfolg gehabt.
Tie Gießener Metz«ger würden es mit Freuden begrüßen, wenn die Umgegend recht viele Schweine zu dem angeblichen Preis für 67 Ps. aufzuweisen hätte; es wäre dann nicht nötig gewesen, auswärtige Handelsfirmen anzurufeir, um aus der Kalamität zu kommen.
Der Beweis kann erbracht werden, daß von feiten der Metzger 78, 79 und fog ir 80 Ps pro Pfund Schlachtgewicht geboten wurd'n, daß sie aber trotzdem unverrichteter Dinge h.ümkehreu mußten.
Was den Landwirt August Theiß von Stockhausen betrifft, so bin ich keine Auskunftsperson für denselben. Er hat laut meinem Schlachtbuch am 13. Mai 1904 die letzten drei Schweine bei mir schlachten lassen, später mehrmals bei mir angefragt betreffs des Preises und dum anderwärts verkauft. Wenn Herr Td'iß nun von mir hören will, so verweise ich "ibn auf die äff ntlichen Vekmntmack)-imgen, welche zu Anfang jeder Woche in sämtlichen Ortsch'sten publiziert werden.
Zahlenmaterial stellt sich wunderschön zusammen, in bet Praxis ist es aber anders. Der Interessent weiß auch die Gelegenh'it s ines immer mefr zum Gewinn führenden Wartens- mit »setzender Ware aus unutzen.
W s die Preisangelegen beit betrifft so ist es leicht, solche ^ifs rvn-'n durch Schlecht Hücker nach'uioeisen. Es wird im beiderseitigen Interesse sein, die Konjunkturen zu hören, auch danke ich b'r Geschäftsstelle für die Informierung der Preise auf dem Land.
Da ick, meistens vom Landwirt direkt hufe und sogar einen. ? ndwirt seit Beginn dieses Jahres zum Einkauf in meinem Namen engagiert habe, wird dieser, wie ich selbst, genügend informiert sein.
Berlin, 2. Nov. Nach dem Verlauf der Audienz, welche der Reichskanzler Fürst Bülow den Vertretern des Deutschen Städtetages gewährte, ist die Einberufung einer Tagung deS Städtetages gefiebert. Für den Zusammentritt der Delegierten auS ganz Deutschland in Berlin ist der 27. November in Aussicht genommen.
Gotha, 2. Nov. Gestern sand Hier eine Konferenz von Vertretern des S ta a ts m in i st e ri u m s mit den Landräten und Bürgermeistern des Herzogtums statt, um zu erörtern, wie ohne die Inanspruchnahme der NeichS- organe die Beschaffung von billigerem Fleisch möglich 'ei. Tas Ministerium stellte im Inlande und im AuSlande (Dänemark) Erkundigungen über die Bezugspreise an und ist bereit, unter gewissen Bedingungen einen Teil der Unkosten auf die Staatskasse zu übernehmen. Die Gemeinde- behörben hätten zu erwägen, ob sie durch den Bezug von Schlachtvieh und Fleisch für Rechnung der Gemeinden und durch einen zeitweisen Verzicht auf gewisse Gebühren, auf eine Verbilligung hinwirken wollten. T'e Gemeindevertreter waren der Ansicht, daß von einer Ueberuahme der gebuchten Unkosten auf die StaatS- unb ©emeinbefaffe nur bann bic Rede sein könne, wenn die übernommenen Kosten den Konsumenten voll zu Gute kämen. Sie versprechen zu untersuchen, ob die Fleischer ober bie Kaufleute burch die Vermittelung


