Ausgabe 
3.8.1905 Zweites Blatt
 
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m. Gonsenheim, 2. August. Gonsenheim, der Ort amgroßen Sand", der durch seine Gemüsezucht in unserer Gegend einen Ruf genießt, hat neuerdings nicht ge­nügend Wasser. Äehnlich ergeht es ja mancher großen Stadt, aber in Gonsenheim soll die Schuld an den Süd­deutschen Wasserwerken, A.-G. in Frankfurt a. M. liegen, die dort das Wasserwerk errichtet haben. Schon vor Wochen beschäftigte sich eine Bürgerversammlung mit der Angelegenheit und neuerdings hat der Gemeinderat be­schlossen, das Werk anznkaufen und selbst zu betreiben. Die Gesellschaft forderte 200 000 Mark, der Gcmeinderat wollte aber nur 170000 Mark geben, und deshalb wurde aus der Sache nichts. Jetzt hat der Gcmeinderat das Krcisamt er­sucht, der Gesellschaft die Konzession zu entziehen und dann wollen die Gonsenheimer selbst ein Wasserwerk bauen. Man darf gespannt sein, wie die Geschichte ausgeht. Immerhin kann sie anderen Gemeinden zur Warnung dienen.

Derntiid?tc».

Unfälle in den Bergen. Während eines Schnee- sturmes sind zwei führerlose Bergsteiger auf der Nordseite der Jungfrau abgcstürzt. Beide Leichen es sind zwei nn Grindelwald beschäftigte Arbeiter wurden aus­gefunden. __ Der Eisenbahnbeamte Bourdon aus München

ist von der kleinen Zinne (Kärnten) abgeslürzt. Er erlitt einen Schädelbruch. Der Bauunternehmer Mader aus Oberösterreich ist in der Schlucht Br and en b erger Ache (Tirol) abgestürzt und blieb tot. In Novero (Oberitalien) wurde durch einen Bergsturz cm Haus mit 12 Personen verschüttet. Bisher wurden zwei Leichen ge­borgen. In dem Shyottale im Kaschmirgebirge (Mittelasien) ist eine ungeheure Eismasse zu Tale gestürzt und hat das Tal völlig abgesperrt, sodaß sich ein See von über 5 Meilen Länge hinter der Eismasse gebildet hat. Da das Eis bald schmelzen dürfte, wird eine große lieber« schwemmung unausbleiblich sein, die das Tal vollständig verheeren kann. Infolgedessen haben die Behörden alle Einwohner angewiesen, sich rechtzeitig m Sicherheit zu brin9»n'$in Seuchenkrieg in Amerika. In New- Orleans wütet unausgesetzt das gelbe Fieber, das täg­lich mehrere Tote fordert. Heute bringt nun Reuter folgende seltsame Meldung aus der verseuchten Stadt: Die Quaran- tänebootc des Staates Mississippi brachten achtzehn Fischerboote vom Staate Louisiana auf, sperrten die Besatzungen auf Shipisland ein und legten auf die Boote Beschlag. Der Zollkutter der Vereinigten Staaten,Elaph", wird von den Leuten in Louisiana bedroht, die behaupten, daß seine Patrouillen das Louisianagebiet betreten hätten. Dec Gouverneur von Louisiana legte telegraphisch Be­schwerde in Mississippi und bet den Behörden der Bundes­regierung ein. Der Berichterstatter behauptet, daß Louisiana ein flachgehendes Boot mit Haubitzen armiert und mit Offizieren vom Marinekorps besetzt habe, um die Rechte Louisianas zu wahren.

Ein neuer Ritter Blailbart in Amerika. Kaum ist der amerikanische Blaubart Hoch aus Bingen zuin Tode verurteilt, dem er, falls er die zur Anstrengung eines

neuen Prozesses erforderlichen tausend Dollars nicht aufzu- Dringen im stände ist, unweigerlich verfällt, da taucht auch chon, wie aus Newyork geschrieben wird, dort ein neuer Blaubart auf. Ein gewisier Carlton ist unter dem Ver­dacht, einen Freund, dem er Geld schuldete, und min- destens zwei Frauen, die beide an Kinnbackenkrampf tarben, vergiftet zu haben. Er soll so raffiniert dabei zu Werke gegangen sein, daß er seiner Katze gewisse Gifte einimpfte, tn der Hoffnung, daß sie seine zweite Frau an­stecken und vergiften würde. Er hat, nebenbei bemerkt, Medizin studiert und sich besonders viel mit Giften abgegeben. Auch einem stark versicherten Onkel soll er ben, Weg aus dem Dasein erleichtert haben; in seinem Besitz befanden sich Adressen von jungen Mädchen aus allen Teilen des Landes. Ob er diese alle der Reihe nach heiraten und ins Jenseits befördern wollte, mag vielleicht sein Prozeß enthüllen. Vorläufig streitet er lächelnd alles ab, und erst die Obduktion seiner letzten zwei Frauen wird nähere An­haltspunkte ergeben.

* Kleine Tageschronik. Die Ursache der in Posen herrschenden Typhusepidemie ist darin zu suchen, daß an einem der ersten Tage des Juli in die Wasserleitung, deren Wasser als Trinkwasier benutzt wird, W a r t h e w a s s e r g e - p u m p t wurde. Es sind umsangreiche Maßnahmen getroffen, um der Krankheit zu sleuern, welche, wie angenommen wird, ^il)rcn Höhepunkt bereits überschritten hat. In der ungarischen etnbt Barlfeld wurden durch Feuersbrunst 142 Häuser zerstört. - Eine blutige Ehetragödie spielte sich m der Schwctzmger Vorstadt von Mannheim ab. Ein von seiner ^rau getrennt lebciider Fabrikarbeiter wartete auf diese und versuchte sie zu über­reden, zil ihm zurückzukehren. Als die Frau dies ablehnte, feuerte er drei Revolverschüsse aus sie ab und jagte sich dann selbit eine Kugel ui den Kopf. Tie Verletzungen beider sind lebensgeiahrlich. - Am 1. d. Mts. ereignete sich in der Brauerei und epmtu5= befenfabrik vormals G. Sinnet in Grünwinkel (Vaden) eine Explosion, durch die ein Arbeiter getötet, 2 schwer und mehrere leicht verletzt wurden.

Mniversitäts-Dachrichten.

Die staatswissenschastliche Fakultät in Tübingen hat die Anforderungen für Erlangung der Doktorwürde wesentlich erhöht. Vor allem wird prinzipiell ein deutsches Reifezeugnis verlangt, ein Erfordernis, von dem nur unter be­sonderen Umständen dispensiert werden wird. Ferner ist nun­mehr dreijähriges Universitätssludium vorgeschrieben. Die münd­liche Prüfung wird außer Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschast, Staats- und Verwaltungsrecht fortan auch noch Völkerrecht um­fassen. Tamit düriten bezüglich der Erlangung des Pr. scient. pol. öiejenißcn Verhältnisse geschaffen sein, die von mehreren Seiten als wünschenswert bezeichnet worden sind.

Katholiken haben in Utrecht umfangreiche Gelände cm- gekauft, wie es hieß, zur Errichtung der e r st en katholischen U n i v e rs i t ät i n H o l l a n d.

Wie uns aus Greisswald gemeldet wird, ist zum Nach­folger des o. Prof. Dr. Waller König/ der bekanntlich Ostern d.J. Trudes Lehrstuhl in Gießen üb ernommen hat, der a. o. Professor an der dortigen Universität Dr.phil. Gustav Mie in Aussicht ge­nommen und wird die Leitung des Greifswalder physikalischen Instituts, die er int lausenden Sommersemester kommissarisch ver- ivaltel, übernehmen.

Der Kamps um die akademische Freiheit kommt auch in dem Vorlesungsverzeichnis der Berliner Universität zum Ausdruck. Ter bekannte Staatsrechtslehrer Professor Born- h a t kündigte nämlich ein Kolleg an über das Recht der aka- dcmisckjen Freiheit in Vergangenheit und Gegenwart.

Kcrichtsfaal«

Detmold, 2. Aug. Der gegen den Redakteur der »Lipp. Tag esztg/ angestrengte Prozeß wegen Beleidigung von Postbeamten in der Angelegenheit der Veröffentlichung der sogenawitenDiesseitsdepesche", der heule hier slatlfinden oiite, wurde v ertagt, da noch mehrere Zeugen geladen werden oCIe Ter Säugling im Gefängnis. Ein Bergmann in Recklinghausen erhielt auf ein Gesuch um Strasatifschub für seine mit einem Tage Gesängnis bestraste Frau, die em zweimonatliches Kind stillt, folgende Antwort: »Aus das Gesuch vom 14. Ium wird Ihnen eröffnet, daß die von Jbneii angeführten Umstände nicht genügend sind, um einen Aufschub der gegen Ihre Ehefrau eingeleiteten Strafvollstreckung zu rechtfertigen. Ihre Frau kann auf ben einen Tag den Säugling nut ins Gefängnis nehmen, eie werden deshalb auf Ihr Gesuch ablehnend beschieden." (Alan kann sich des fatalen Eindrtickes nicht erwehren, daß derartige Bescheide dem Ansehen unferer Rechtspflege keineswegs förderlich sind. Daß int vorliegenden Falle der nachgesuchte Strafaufschub für keinen der beteiligten Faktoren von Nachteil gewesen wäre, ist ohne weiteres einleuchtend.)

Kandel und IcrKel-r. Kotkswinjchaft.

(||) Stockheim, 1. Aug. Aus dem soeben ausgegebenen Verwaltungs-Bericht der A k t i en - Zuckerfabrik Büdingen in Stockheim ist zu entnehmen, daß im 21. Geschäftsjahr 352 580 Eenlner Rüben mit einem Kauspreise von 306 600 Mk. 37 Pf. zur Verarbeitung kamen, welche auf 2120 Morgen geerntet waren. Tie Tuichschnittsernte betrug 166 Ctr. gegen 156 im Vorjahr.

Hergestellt wurden:

25 780 Etr. Kristallzucker mit einer Verwertung von 13,29 Mk. pro Ctr.

15 354 » Rohzucker » » » 12,62 » »

9 300 Melasse » A » 2,39 »

Die Durchschnittsverarbeitung betrug 6 410 Ctr. pro -rag. Aach Vornahme der bestimmungsmäßigen Abschreibungeit verbleibt ein Reingewinn von 56 610 Mk. 88 Pfg., über bereit Verwendung die Generalversammlung am 19. August zu bestimmen hat.

P a r i s 2. Aug. Tie Angelegenheit des Zuckcrkrachsist bis auf weiteres Tank des Eingretsens Rouviers beigelegt. Ter deputierte Jalu zot, Besitzer eines Warenhauses und Inhaber eines großen Privalhotels in Paris und mehrerer Schlösser, hatte ent Jahres-Einkommen von anderthalb Millionen Francs. Es sind Verhandlungen mit Fmanzleuten eingeleitel zwecks Uebernahme von Hypotheken auf sämtliche Liegenschasleit.

Kursbericht.

Frankfurt a. M., 2.

3/s°/o Reicheanleihe . . 101.35 I

3% do. ... 90.20

3*/,% Konsole .... 101.25

8% do......90.25

3l/2°/o Hessen .... 100.70

3/7% Oberheseen . . . 99.50 4% Oosterr. Goldrente . . 101.60 4l/6 % Oestorr. Silberronto . 101.40 4% Ungar. Goldrento . . 97.80

4°/o Italien. Rente . . .. 4 Jo Portugieser I . . . 67.65 3°/: Portugiesen. HI . . 67.05 1% Unif. Türken . . . 89.20

Türkenlose......134.60

4% Griech. Monopol.-Anl. 55.60 4*/1°/0 äussero Argentiner . 44.30 Tendenz:

August Offizielle Sohlusskurse. 3°/0 Mexikaner .... 68.80 4,/a3/o Chinesen .... 96.65 Electric. 8ob ackert . . . 140 75 Nordd. Lloyd . . . . 130.60

Kreditaktien..... 209 60

Diskonto-Koinmandit. . . 19430 Darmstädter Bank . . . 145.25 Dresdener Bank .... 159 80 Berliner Handelages . . 170 50 Oesterr. Staatabahn . . . 114 50 Lombarden.....18.25

Gotthardbahn......

Laurahütte.....261.30

Bochum ...... 249.50

11 arponor......22130

Staatschatzscheine . . . 100.80

schwächer.

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