Ausgabe 
3.8.1905 Zweites Blatt
 
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Tr. 180 Zweites Blatt.

155. Jahrgang

Donnerstag 3. August 1905

Btföetai «Wch mit vuSnahm« de» VmmtagS. - <

Dte »Slehrner LamilienblSNer- werden dem .Anzeiger viermal wöchentllch betgelegt Der tastetet* erscheint moaatLtch einmal.

Giehener Anzeiger

Rotationsdruck und vertag der Brühlfche» UntverfttütLdruckeret. ÖL Sangt, Liest«.

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General-Anzeiger, Amts- und AnzeigehlaLt für den Kreis Netzen.

f. Erda, 2. August. In der Klinik zu Gießen liegen immer noch 6 Typhuskranke von hier. Alle Verdächtige wurden sofort dorthin verbracht. Aus einer Familie starb ein 17jahriges Mädchen und ein 18jahriger Bursche am Typhus.

§ Ruppertenrod, 2. Aug. Seit gestern ist der Nestor der Landbriefträger Hessens, der Ober­briefträger Tröller hier, in den wohlverdienten Ruhe- stand getreten. Nahezu 38 Jahre lang hat er in treuester Pflichterfüllung die Bürden seines Dienstes, die ost zur Winterszeit bei Schnee und Eis nicht leicht gewesen sind, getragen. Von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog Ernst Ludwig wurde ihm das Ehrenzeichen für langjährige treue Dienste verliehen. Daß den aus dem Dienste Scheidenden auch seine vorgesetzte Behörde zu schätzen gewußt hat, be­wiesen der mit einem Kranz versehene Postwagen und die mit Sträußen geschmückten Postpferde, die Tröller von seinem letzten Dienstgange vom Postamt Mücke hierher zurück­gebracht hat.

d Mainz, 3. August. Ein schrecklicher Un*. glücksfall trug sich gestern nachmittag um 51/, Uhr anr Kaiser Karl-Ring zu. Die Frau des in der Gastell'scheu Waggonfabrik tätigen Technikers Friedrich Clavren aus Mombach saß mit der Frau des Technikers Karrer auf einer Bank am Kaiser Karl-Ring, während auf dem Trottoir der Kinderwagen der Clavien mit ihrem 6 Monate alten Töchterchen stand. Plötzlich kam der vom Bismarckplatz abfahrende elektrische M ot o r w a g e n da­her, der Ki n d e r w a g e n kam durch irgend eine Veranlassung in's Rollen und fiel vom Trottoir herab, wobei das Kind herausgeschleudert und direkt vor den Straßen- bahnwagen zu liegen kam. Das Kleine wurde ein Stück mitgeschleift, dann überfahren und mitten entzwei ge­schnitten. Den Führer des Wagens trifft keinerlei Schuld, er bremste sofort, aber das Unglück war leider schon ge­schehen. Die unglückliche Mutter fiel in Ohnmacht, während die Leiche des Kindes nach dem hiesigen Friedhof verbracht wurde.

Kirche und Schute.

_ Der Zentral-Ausschuß für Volks- und Jugend spie le in Deutschland sandte uns Einladung nebst Programm zu seinem 7. deutschen Kongreß, der vom 15. bis 18. September in Frankfurt a. M. stattfindet. Auf dem Programm stehen folgende Vorträge: 1.Heber die Beziehungen zwischen Schule und Heer« vom Generalarzt a. D. Dr. Meisner-Berlin; 2.Heber die Erziehung zur Selbständigkeit" von Profesior Dr. Koch-Braunschweig und Studiendirektor Profesior Raydt-Leipzig; 3. ,Heber die frühere und die jetzige Sc()wimm-Methode in Frankfurt a. M.« vom Turninspektor W. Weidenbusch-Frankfurt a. M. 4. Profesior Dr. Finkler-Bonn, Direktor des hygienischen Instituts der HniversitätHeber die körperlichen Anlagen, ihre Entwickelung und Ausbildung«. 5. Der Vorsitzende des Zentral-Aus- schuffes, Abg. v. Schenckendorff-GoerlitzHeber den Plan eines allgemeinen obligatorischen Spielnachmittags«. Am ersten Nachmittage spielt die Frankfurter Jugend der höheren, Mittel- und Volksschulen. Der zweite Nachmittag ist für die Vorführungen der erwachsenen Jugend Frankfurts bestimmt, und es werden die Turn-, Spiel-, Schwimm- und Ruder­vereine sowie der Verband für Turnsport mit ihren Leist- ungen hervortreten. ~

) Wie die Sörgelbank fiir den Zentralgeldausgleich der Schulze- Delitzschscbcn Vorscbußkassen gegründet wurde, so ist im Jahre'b die landwirtschaftliche Zentraldarlehnslasse in Neuwied von den Naisfcisenvercinen gegründet worden. Das Kapital wurde in der Weise aufgebracht, daß jede Raiffeisenkasse mindestens eine OTtic zu 1000 Mark zeichnete. Je nachdem neue Verbände aus- Tamen, mußte das Kapital der Neuwieder Zcntralkasse ver­mehrt 1 oerbcit. Es beträgt zur Zeit etwa Millionen Mark, die Zahl \ber angeschlossenen Kassen etwa 3900 Der Zwea des Instituts ist nicht der Erwerb, sondern lediglich cur gemein­nütziger. Eine Dividende darf nur bis zur Höhe von 4 Prozent verteilt werden. Was darüber hinaus verdient wird, geht m den Reservefonds, der den gemeinnützigen Bestrebungen der stigM- cisenvereine dient. Das Ncuivieder Institut unterhalt m allen größeren Mittelpunkten Deutschlands Filialen. Hat eure Raift- eisenkasse Geldbedürfnis, so wendet sie sich an die betreffende Distriktsfiliale, .die im Rahnicn der Haftsumme, über welche die leitende Kasse auf Grund ihrer Mitgliederzahl verfügt, den Kredit bewilligt. Hat die Zentralkasse nicht genügend Geld, Jo läßt sie sich von der Raiffeisenkasse einen Wechsel tn der Hohe der Schuld ausstellcn, ein Gebühren, das zwar getadelt morden ist, aber im Grunde genommen doch den üblichen kaupnannischen Grundsätzen entspricht. Tie Neuwieder Kasse kann diese so ent­standenen Wechsel sowohl bei der Neichsbank wie bei der Preußen­kasse bis zu einer gewissen Höhe diskontieren. Bei Der nsteren genießt sie sogar das Vorrecht, wie jedes erstklassige Bankakzept zu d.m Bedingungen des Vrivatdiskonts behandelt 'n vnrc>ui

Stadt alles daran setzen wird, um die Errichtung dieseA Theaters, wenn nicht zu verhindern, so doch noch auf mög­lichst lange Zeit hinauszuschieben.

Ein drittes Projekt geht seiner Verwirklichung entgegen. Tas Orpheum, ehemals ein Tingel-Tangel, wird im August als Frankfurter Residenz-Theater seine Pforten öffnen. Ter Mieter dieses kleinen Theaters ist Neu­mann-Hofer, von Geburt ein Ostpreuße und Jugend­freund Sudermanns, artistischer Leiter Plocker -Eckhart, ein gebürtiger Wiesbadener. Momentan werden im Or- pheum bauliche Veränderungen vorgenommen, um die Bühnenverhältnisse auch nur einigermaßen genießbar zu machen. Dieses Theater wird sich in der Hauptsache von französischen Ehebruchs-Komödien ernähren und vermutlich auch keine Seide spinnen können. Die Frankfurter Aristo- kratie geht kaum ins Orpheum und ba§ große Publikum! läßt sich auf Monate hinaus nicht mit dieser seichten Kost abspeisen. In Fachkreisen glaubt man nicht, daß dieses Unter­nehmen rentabel wird, imtfotoeniger, als ihn: in einem neuen VarietS-Unternehmen in dem neuen Zirkusgebäude des Herrn Schumann eine gewaltige Konkurrenz ersteht.

Wer in Frankfurt mit Erfolg ein Theater errichten will, muß das Großkapital für sich mobil machen. Er muß mit einem Kapital von mindestens 34 Millionen Mark auftvarten können, wenn er einem Unternehmen, wie dem Frankfurter Schauspielhaus, den Rang streitig machen will.

» Auch eineKühlung«. Viel belacht wird m Neuwied eine ergötzliche Geschichte, welche einem dortigen Arzte dieser Tage passierte und tatsächlich wahr ist. Eine biedere Bauersfrau aus einem benachbarten Dorfe kam zu dem betr. Arzte und bat ihn, doch zu ihrem erkrankten Manne zu kommen. Nachdem der Arzt sich bei der Frau über die Art der Erkrankung des Mannes erkundigt hatte, gab er ihr die Weisung, es sei so sehr schlimm nicht, er käme morgen, doch solle die Frau bis zu seiner Ankunft am nächsten Tage ihrem Manne inzwischen fürKühlung« sorgen, wobei der Arzt kühle Aufschläge im Sinne hatte. Die Frau aber in ihrem biederen Bauernsinn faßte dies in der Art und Weise auf, daß der ArztKuh-Lung« ge* meint habe, ging vom Arzt aus sofort zu einem bärtigen Ochsenmetzger und forderte eine ganzeKühlung«. Der Metzgermeister bedauerte sehr, daß eine Kuhlunge augenblid* lich nicht zur Hand sei, sie könne dafür aber eine Ochsen. lunge haben, die sei noch bester. Gesagt getan. Die Frau kaufte die Lunge und ging im Vollbewußtsein ihrer guten Fürsorge für ihren Mann nach Hause. Hier kochte sie ihremHannes« die ärztlich verordneteKühlung«. Dem Manne schien aber die Arznei im Gegensatz zu anderen Kranken gar nicht so bitter zu schmecken, denn innerhalb weniger Zeit hatte die wohlschmeckendeKühlung« den Weg alles guten genommen. Doch sonderbar, derArznei« mußte wirklich eine besondere Heilkraft innegewohnt haben, denn unserHannes«, der vordem recht elend war, fühlte sich nun merkwürdigerweise recht gekräftigt und konnte wieder auf« stehen. Die Wirkuyg hielt auch an, und als der Arzt am anderen Tage den von seiner gutenAlten« als so krank geschilderten Hannes besuchte, fand er denselben wieder ganz mobil und am Holzhauen vor. Er dankte dabei dem Herrn Doktor für seinen guten Rat, welcher so schnell geholfen habe. Da der Arzt aber von einem erteilten Rat nichts wußte, so fragte er den Mann aus und erfuhr so den ganzen Sach­verhalt. Noch nie in seinem Leben soll der Arzt aber so gelacht haben, als über diese wunderbare Heilkur, welche ihm aber auch vom wistenschaftlichen Standpunkt aus den Be­weis lieferte, daß die Einbildung ein wirksamer Faktor ist.

(Kobl. Volksztg.)

IirauLsurLer Iheate?pläne.

Frankfurt a. M'., 2. Aug.

Seit einigen Monaten wird in Frankfurt a. M. wieder einmal recht lebhaft über neue Theaterprojekte debattiert. Wir haben hier ein Schauspielhaus und eine Opernbuhne, die städtisches Eigentum sind und von einer Aktiengesellschaft mit Subvention der Stadt geführt werden. Das Schau­spielhaus ist, da ohne jede Konkurrenz, im Laufe der Jahre mit seinen Leistungen steril geworden. Entsprechend der finanziellen Potenz- unserer Stadt ist natürlich das Theater vollständig plutokratisch zugeschnitten; die Ein- trittspreise sind sehr hoch und die Angehörigen des Mtttel- und Arbeiterstandes können an arbeitsfreien Tagen kaum ein Plätzchen für sich imb ihre Familien ergattern. Es wäre daher schon aus diesem Grunde die Gründung eines dritten Theaters zu befürworten, ganz abgesehen davon, daß durch die Konkurrenz das Repertoire des Schauspielhauses im günstigsten Sinne beeinflußt würde.

Ter, der dieszuerst erfaßt" hatte, war der frühere Direktor des Berliner Lessing-Theaters/ Otto Neumann- Hofer, der im letzten Winter urplötzlich hier in Frank­furt auftauchte und die Nachricht in die Welt setzte, er werde am Hauptbahnhof ein Theater feinenStils errichten. Kundige setzten sofort Zweifel in diese Nachricht, da Neu­mann-Hofer sagte, er habe das Kapital in Frankfurt selbst gefunden, und in Frankfurt selbst ist das Kapital für ein

Es kann dies wohl als Beweis gelten, daß gegen die Sicherheit des Instituts keine Bedenken vorliegen. Die Abschreibungen, die im letzten Jahre notwendig waren und deren Bekanntgabe solches Aufsehen machte, sind in der Hauptsache auf die D ü n g e r- faln ik Unitas vorgenommen worden. Dieses Unternehmen ist vom Neuwieder Institut seinerzeit gegründet worden, um der kartellierten Supervhosvbat-Jndustrie ein Paroli zu bieten. Weitere Abschreibungen sind erfolgt auf solche Grundstücke, die im In­teresse notleidend gewordener und subhastierter Besitzer erworben worden sind, wobei man eine Verschleuderung unter dem damali­gen Werte Verbindern wollte. Endlich hat sich herausgestellt, daß gewisse Leistungen der Neuwieder Kasse den Raifftisenkassen gegenüber zu billig berechnet worden sind. t m

Die nunmehr vollzogene Jnterestengememschaft des sJreu= wieder Instituts mit der Preußenbank wird die Fehler in der Organisation, soweit sie vorhanden sind, zweifellos beseitigen Helsen und zugleich den hohen Idealen neue Unterstützung ver­leihen, auf denen die Raiffeisenveveine und ihre Neuwieder Zentrale aufgebaut sind. .

Eine Kardinalfrage, die der Gehälter der Vereins- beamtcn, wird in vorstehendem 'Artikel nicht berührt. Es will uns aber scheinen, daß gerade hier Veranlassung zur Kritik gegeben ist, wenn es zutrifft, daß die ersten Be­amten bis zu 14 000 Mk. Jahr es geh alter be­ziehen Doch von alledem abgesehen: die soziale und öko­nomische Wirksamkeit der Raiffeisenvereine war bt§ bato so ausgezeichnet, daß man nur wünschen kann, daß das Institut in seinem vollen Umfange dem deutschen Genossen- schastswesen erholten bleiben möge.

Ire Deurvreder Zeniralkaffe und die Aaiffeisen- vereine. ____________

Ueber die Raiffeisenvereine ist in der letzten Zeit in der Presse vielfach und teilweise recht abfällig geschrieben wor­den. Wir wollen aus die Einzelheiten dieser Darlegungen, die recht viel Beachtenswertes hatten, nicht weiter eingehen, sondern heute einer Stimme Gehör geben, die um des von ffrr beigebrachten sachlichen Materials willen Beachtung ver­dient. Es ist dies derRatgeber auf denk Kapitalmarkt", ßir schreibt:

Die Landwirtschaftliche Zentraldarlelmskasse in Neuwied, btc geschäftliche Vertreterin der breiten Massen der Landwirte, geht eine Interessengemeinschaft mit der Preußischen Zentralgenoftcn- schaftskasse ein. Durch ihre Vereinigung mit der Staatsbank wird der Ruf der Neuwiederin verbessert, nachdem einige Zwischenfälle der letzten Zeit sie etwas , ins Gerede gebracht hatten Vor kurzem noch wurde die Zeitungswelt davon in Kenntnis gesetzt, daß sich bei genauerer Prüfung der Bilanz Abschreibungen in Höhe von über 900000 Mark als notwendig herausgestellt hätten. ... Die Neuwieder Zentral- darlehuskasse verdanft ihr Bestehen lediglich gemeinnützigen Ab­sichten. Sie ist keine Erwerbsgesellschaft, und wenn man ihr einen Vorwurf machen kann, so ist es der, daß sie, in dem Wunsche zu helfen, die realen Dinge nicht genügend im Auge behalt en hat. Das nunmehrige Zusammengeh^i des Instituts mit der Preußenkasse bietet die, Gewähr, daß, wem Verfehlungen vorgekommen waren, sie nicht derartig find, daß irgend ein Bedenken über die Sicherheit des Instituts herr­schen könnte Wohl aber darf man sich freuen, daß die gewaltige Hilfe der 50 Millionen-Bank den Bestrebungen nützt, die wder- mam, auf welchem wirtschaftlichem Standpunkte er auch stehen möge, für richtig halten muß. ....

Hier handelt es sich darum, den kleinen kapitalschwachen Landwirt, der nach einer einzigen schlechten Ernte znm Wucherer gehen mußte, mit billigem Kredit zu versehen, unter dem Namen Raiffeisenvereine entstanden überall in Denttastand länd­liche Darlehiiskassen, die von Mitgliedern nnd Nichtmitgliedern Depositen annahmen und dem Geldbedürftigen Kredite bewilligten.

Ein Darlehen auf zehn Jahre, wohlverstanden gegen ein­fache Bürgschaft, ist nichts außergewöhnliches Um diese Liberali­tät im Kreditgeben zu verstehen, muß man die besonderen länd­lichen Verhältnisse in Betracht ziehen. Die Kontrolle de» Kredit- bedürstigen ist auf dem Lande weit leichter, wie in der ^tabt. Handelt es sich doch ausschließlich um AckergrmMucke, deren Zustand täglich zu beobachten ist. Die persönlichen Ausgaben des Schuldners können bis auf das letzte Glas Bier nachgerechnet werden. Von Vermögensveränderungen kommen in der Regel nur solche vor, die aus dem Grundbuche ersichtlich sind. Aus all diesen Gründen fällt es den Genossen nicht schwer, berechtigte Darlehenwünsche "erfüllt zu erhalten. Und auch die Kassen selbst genießen leichten Kredit aus öffentlichen Mitteln, wenn die Ansprüche der Genossen an sie durch vorübergehende Ursachen gewachsen sind. Hierzu trägt noch ein anderer gewichtiger Um­stand bei. Sämtliche Genossen einer Raiffeisenkasse hasten soli­darisch für alle Verbindlichkeiten derselben, und zwar in Der Regel unbegrenzt. Steigt hierdurch der Pafsivkredit der Kasse erheblich, so haben andererseits die einzelnen Genossen das lebhafteste Interesse daran, ihren Genossen nicht in Vemnvgens- verfall geraten zu lassen, weil ihr eigenes Risiko dadurch großer wird Aus demselben Grund haben sie em Interesse daran, daß der einzelne Genosse keine Dummheiten begeht, sowohl was seinen Lebenswandel, wie ferne geschäftlichen Unternehmungen betrifft. Es, liegt auf der Hand, .daß dieses gemeinsame Interesse auch in sittlicher Hinsicht von den segensreichsten Folgen begleitet sein muß. Wie denn auch der Zweck der Raiffeisenkassen ein doppelter ist, nämlichdie, D^bnng der Lage seiner Mitglieder in sittlicher und materieller Be-

Gießen, 3. August.

** Personalveränderungen der Ober-Po st- direktion Darmstadt. Bestanden haben: die Post- sekretärprüfung: der Ober-Postasststent Hoffmann in Offen­bach; die Telegraphensekretärprüftmg: der Ober-Telegraphen- assistent Becker in Mainz. Angenommen worden sind: als Postgehilfen: der Gymnasiast Wahl und der Oberreal­schüler Stein in Mainz; als Telegraphengehilfe: der Ober­realschüler Mattern in Darmstadt; als Postgehilfin: Therese Kans in Darmstadt; als Telegraphengehilfin: Marie Ne iter in Darmstadt. Freiwillig ausgeschieden sind: der Postgehilfe Hilpert in Wöllstein, die Postgehilfin Helene Schmidt in Darmstadt und die Telegraphengehilfinnen Wilke in Darmstadt und Witzel in Worms. Gestorben sind: der Postsekretär a, D. Fne drich in Heppenheim und der Postverwalter a. D. Bangert in Darmstadt.

* Besitzwechsel. Der Schneidermeister Eckert er­warb das Anwesen an der Ecke der Ludwig- und Bismarck­straße für 54 000 Mk. von Frau Eduard OttenS Witwe und Herr Strack verkaufte sein am sog. Reichensand ge­legenes Anwesen an der Bahnhofstraße 56 und 58 für 128 000 Mk. an den Lokomotivführer Ott.

** Der Gesangverein Heiterkeit hielt in der ver­gangenen Woche Generalversammlung, in der beschlossen wurde, am 20. d. M. einen mehrtägigen Ausflug nach der Wartburg, Eisenach und Umgegend zu unternehmen. Auch Freunde des Vereins können sich an dem schönen Ausflug beteiligen.__

halbwegs komfortabel eingerichtetes und großzügig geleitetes Theater nicht zu bekommen. So wurde dieses erste Projekt denn auch begraben, nachdem es kaum dasicht der Weit erblickt hatte. . , ,

Ein zweites Projekt tauchte ansangs Mai, kurz vor der großen Schillerfeier, auf. Eine Anzahl Herren, die sich in der Gesellschaft für ästhetische Kultur zusammengefunden haben, setzten sich mit einem Architekten in Verbindung, der in aller Stille das Projekt für die Errichtung eine» billige n V o lks the ater s im Sinne des Berliner Schiller-Theaters ausarbeitete und sich im Mittelpunkt der Stadt einen Platz sicherte, der angeblich von der ötabt in Erbbaurecht abgelassen werden solle. Diese .Herren ver­einigten sich mit Herrn Willtz Rath, der zurzeit noch Theaterkritiker eines hiesigen Blattes ist und der vor Jahren schon einmal in München an enter verfehlten Theatergrun- ITg beteiligt war, und suchten 1325 000«Kapital m Mien zu je 250 Mk. zur Errichtung dieses billigen Volks­theaters. Die .Herren wandten sich an bte ©reffe langten deren Unterstützung, die ihnen aber bis zur Stunde nur recht spärlich zuteil wurde, weil man eben der Ansicht ist, daß ein derartiges Kapital zur Errichtung CUTJ$ KonkurrenzunternelMenS neben dem Schauspielhaus voll­st ä n d i g unzureichen d ist, ganz abgesehen davon daß aber auch ein derartig r Betrag in Aktien zu yc 2o0 Mk. ^ir^e^SiaAen zu köuuen, daß auch die